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Lea Friedrich ist bei ihrer Großmutter Poppy aufgewachsen, mit der sie im ländlichen Holzhausen eine kleine Hundepension führt. Lea liebt ihre Großmutter und die Arbeit mit den Vierbeinern aufrichtig. Dankbar für die aufopferungsvolle Liebe, die Poppy ihrer Enkelin hat zuteil werden lassen, hilft die 25-Jährige nun auch der älteren Frau und geht ihr zur Hand, wo sie nur kann.
Poppy weiß das zu schätzen, doch entgeht der aufmerksamen Frau keineswegs, was in Leas Leben dabei zu kurz kommt: Liebe, Leidenschaft und Abenteuer! Herzensdinge, die bei der lebensfrohen 71-Jährigen durchaus auch noch eine Rolle spielen ... Als sie die Bekanntschaft des jungen, attraktiven Buchhändlers Oliver Sonnwald macht, fasst sie den Entschluss, ihn mit ihrer Enkelin zu verkuppeln.
Der Plan scheint aufzugehen. Doch plötzlich zieht Oliver sich von Lea zurück. Die Verletzung darüber schmerzt die junge Frau und reißt auch alte Wunden auf, die sie an der Liebe zweifeln lassen. Tage voller widersprüchlicher Gefühle und überraschender Ereignisse brechen an, die über das Glück von Jung und Alt entscheiden ...
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Cover
Glücklich verkuppelt
Vorschau
Impressum
Glücklich verkuppelt
Eindrucksvoller Roman über Beziehungsängste und Herzenswünsche
Von Amelie Grünewald
Lea Friedrich ist bei ihrer Großmutter Poppy aufgewachsen, mit der sie im ländlichen Holzhausen eine kleine Hundepension führt. Lea liebt ihre Großmutter und die Arbeit mit den Vierbeinern aufrichtig. Dankbar für die aufopferungsvolle Liebe, die Poppy ihrer Enkelin hat zuteil werden lassen, hilft die 25-Jährige nun auch der älteren Frau und geht ihr zur Hand, wo sie nur kann.
Poppy weiß das zu schätzen, doch entgeht der aufmerksamen Frau keineswegs, was in Leas Leben dabei zu kurz kommt: Liebe, Leidenschaft und Abenteuer! Herzensdinge, die bei der lebensfrohen Seniorin durchaus auch noch eine Rolle spielen. Doch so gern und offenherzig wie Poppy flirtet, so kühl reagiert Lea auf jeden Annäherungsversuch ...
Mit prüfendem Blick beäugte Poppy Friedrich den jungen Buchhändler, der gerade damit beschäftigt war, seine neueste Lieferung in die Regale einzuräumen. Er war völlig in seine Arbeit versunken und bemerkte deshalb die ältere Dame, die ihn interessiert beobachtete, zuerst gar nicht. Wäre sie Mitte zwanzig, so wie ihre Enkelin, würde sie sich definitiv an dieses besonders attraktive Exemplar eines Mannes ranschmeißen – nicht aber Lea.
Allerdings waren Poppy die sehnsuchtsvollen Blicke, die ihre Enkelin dem Arnstädter Buchhändler am Tag zuvor zugeworfen hatte, nicht entgangen. Noch nie zuvor war ihr so deutlich aufgefallen, dass Lea Interesse an einem männlichen Wesen gezeigt hatte. Umso frustrierter war sie deshalb auch gewesen, als die 25-Jährige trotzdem keinerlei Anstalten gemacht hatte, den ersten Schritt zu wagen und den Mann von sich aus anzusprechen.
Fest entschlossen, dem Glück auf die Sprünge zu helfen, war Poppy daher heute wiedergekommen, um einen sorgfältig durchdachten Plan in die Tat umzusetzen. Mit einundsiebzig Jahren war sie vielleicht zu alt, um noch einmal das ihr so wohlbekannte Kribbeln im Bauch zu spüren – sie konnte aber durchaus ihre Erfahrungen nutzen, um Lea einen Schubs in die richtige Richtung zu geben.
Poppy wohnte gemeinsam mit ihrer Enkeltochter in Holzhausen, wo sie zusammen eine kleine Hundepension betrieben. So weit sie sich zurückerinnern konnte, hatte Lea sich in erster Linie immer nur um ihre Großmutter gekümmert, ihr mit den Einkäufen geholfen, den Großteil der Arbeit in der Hundepension übernommen, den Haushalt erledigt und den Garten gepflegt. Das eigene Privatleben hatte sie dabei stets hintangestellt, und genau aus diesem Grund war ebenjenes so gut wie nicht existent.
Höchste Zeit, das zu ändern, dachte sich die Frau ...
♥♥♥
»Hallo! Kann ich Ihnen helfen?«, ertönte eine freundliche Männerstimme hinter ihr.
Sogar seine Stimme klingt sexy, dachte Poppy insgeheim und drehte sich mit einem breiten Grinsen um.
»Frau Friedrich«, rief der Buchhändler ¬– Oliver Sonnwald, wie sein Namensschild verriet – überrascht, »mit Ihnen hätte ich so schnell nicht wieder gerechnet!«
Dass der junge Mann sich sogar ihren Namen gemerkt hatte, brachte ihm nur noch weitere Pluspunkte bei Poppy ein. Das Gespräch am vorigen Tag war nämlich über ein paar ausgetauschte Höflichkeiten nicht hinausgegangen, also nichts, woran man sich hätte erinnern müssen.
»Haben Sie sich denn schon für ein Buch entschieden?«, fragte er die Dame höflich.
»Ja, das habe ich tatsächlich«, ließ sie ihn wissen und schob sogleich eine Liste mit diversen Titeln in seine Richtung, wobei sie sich ein bisschen wie ein Drogendealer vorkam.
Beim Anblick der aufgeschriebenen Werke wurden Olivers Augen groß. Zögernd meinte er: »Frau Friedrich, das sind äußerst kostspielige Erstausgaben! Ich könnte Ihnen diese zwar über das Antiquariat besorgen, aber das wird schon einiges kosten.«
»Tja, dann geben Sie mir bitte einen Kostenvoranschlag mit, bevor Sie etwas bestellen, junger Mann«, erwiderte Poppy lächelnd und warf einen Blick auf die Neuerscheinungen, während der Buchhändler kopfschüttelnd die Summen auf seinem Rechnungsblock notierte. Anschließend nahm seine Kundin das Blatt Papier dankend entgegen und verabschiedete sich mit dem Versprechen, sich telefonisch bei ihm zu melden.
Grinsend fuhr Poppy mit ihrem heißgeliebten, alten Renault Espace wieder nach Hause. Der Zettel vom Rechnungsblock war perfekt. Auf den ersten Blick konnte man die Auflistung der Preise mit einer Quittung verwechseln, die den Anschein machte, sie hätte tatsächlich über 5000 Euro in der Buchhandlung gelassen.
Die Frau marschierte entschlossen in die Küche und drapierte das kleine Stück Papier gut sichtbar auf dem Küchentisch, sodass Lea gar nicht anders konnte, als es zu bemerken, sobald sie vom wöchentlichen Einkaufen nach Hause kam. Poppy warf einen letzten Blick auf den Zettel, nickte zufrieden und schnappte sich einen der enorm großen Futtersäcke, um ihn ins angrenzende Gebäude zu schleppen.
»Hallo, meine Hübschen«, begrüßte sie Lucky, einen verspielten Dalmatiner, und Joe, seinen miesepetrigen Labrador-Kumpanen. Ansonsten hatte die Hundepension zurzeit keine Gäste zur Verpflegung.
Es war keine typische Ferienzeit und die Pension daher weit davon entfernt, ausgebucht zu sein. Sie machte sich allmählich Sorgen um ihre finanzielle Situation, aber das würde sie Lea niemals mitteilen. Ihre Enkelin hatte auch so schon genug um die Ohren. Poppy füllte die leeren Futternäpfe und versorgte die Tiere mit frischem Wasser, bevor sie vergnügt beobachtete, wie die beiden sich knurrend um die Mahlzeit stritten – und das, obwohl mehr als genug vorhanden war. Die zwei Schlawiner zu versorgen, glich jedes Mal einer Raubtierfütterung im Zoo.
»OMA!!!«, hallte ein schriller Schrei über das gesamte Grundstück, den Poppy trotz mehrerer geschlossener Türen sogar noch im Tierbereich laut und deutlich hören konnte. Lea war also nach Hause gekommen. Seufzend erhob sie sich und machte sich auf eine gehörige Standpauke gefasst.
»Sag mal, das kann doch nicht dein Ernst sein!«, schmetterte Lea ihr entgegen, kaum hatte die ältere Frau die Küche betreten. »Wir kommen so schon kaum über die Runden, und du gibst ein kleines Vermögen aus für ... für steinalte Bücher!?«, redete sie sich in Rage. Die kastanienbraunen Locken fielen ihr vor das hübsche Gesicht, während ihre braunen Augen Poppy anschuldigend durchbohrten.
Schulterzuckend antwortete ihre Großmutter: »Ich vertreibe mir halt gern die Zeit mit Lesen. Ich bin kein junger Hüpfer mehr, das schränkt die Auswahl an Freizeitaktivitäten leider deutlich ein.«
Schnaubend entgegnete Lea: »Das werde ich keinesfalls zulassen. Du wirfst unser Geld nicht zum Fenster raus, ich fahre sofort nach Arnstadt und storniere deine Bestellung! Hoffentlich ist es noch nicht zu spät dafür.«
»Mach das, Liebes«, murmelte Poppy gleichgültig, »ich werde mich in der Zwischenzeit um die Hunde kümmern.«
Noch bevor Lea etwas erwidern konnte, war sie auch schon verschwunden.
Bestens gelaunt legte sie den Hunden die Leinen an – was sich als Herausforderung herausstellte, denn die beiden konnten es nicht erwarten, endlich den langersehnten Auslauf zu bekommen. Nach ein paar Anläufen gelang es ihr schließlich doch noch, die Hunde zu bändigen und sie öffnete das in die Jahre gekommene Gartentor, von wo aus sie direkt zwischen mehreren Feldwegen wählen konnte.
Durch die gute Lage war es den Besitzerinnen der Hundepension möglich, auch mehrere Hunde gleichzeitig zum Spaziergang mitzunehmen, denn Wanderer oder andere Hundebesitzer traf man hier eher selten. Hin und wieder konnte es vorkommen, dass ein Landwirtschaftsfahrzeug ihren Weg kreuzte.
Poppy nahm einen tiefen Atemzug und genoss es, die frische Frühlingsluft zu inhalieren. Am Wegesrand kündigten zahlreiche bunte Blüten bereits die wärmere Jahreszeit an. Die Frau freute sich bereits auf den Sommer, denn während andere es absolut nicht leiden konnten, in der Hitze zu schwitzen, brutzelte Poppy nur allzu gerne in der prallen Sonne vor sich hin. Auf wundersame Weise sah ihre Haut trotzdem noch relativ jugendlich aus, was sicherlich dem Sonnenschutz zu verdanken war, den ihre Enkelin ihr jedes Mal mit besorgtem Blick zusteckte.
Der Dalmatiner und sein Labrador-Kumpel schnüffelten schwanzwedelnd um die Wette und machten damit bestimmt so manches wilde Lebewesen im Gebüsch nervös. Poppy liebte es, die Tiere während ihres Freigangs zu beobachten – sie wirkten dabei so unbeschwert und frei, einfach glücklich.
Wehmütig dachte sie an die Zeit zurück, als auch sie sich so gefühlt hatte. Damals, als ihre Sorgen noch klein und ihr Wissensdurst und ihr Verlangen nach Abenteuern noch groß waren. Tief in ihrem Herzen würde sie immer die Abenteurerin von damals bleiben, doch der Alltagstrott, der sich schleichend eingestellt hatte, machte ihr zwischendurch immer wieder schwer zu schaffen.
Deshalb konnte sie es auch nicht zulassen, dass Lea ihr Leben vergeudete, indem sie sich nur auf ihre alte Großmutter konzentrierte. Es wurde Zeit, dass sie ihr eigenes Leben lebte und damit begann, es auch in vollen Zügen zu genießen. Poppy könnte es sich niemals verzeihen, wenn sie der Grund dafür wäre, dass Lea eines Tages reumütig zurückblicken und das fehlende Feuer des Abenteuers bereuen würde.
♥♥♥
Währenddessen war Poppys Renault an diesem Tag nun schon zum zweiten Mal auf dem Weg nach Arnstadt, dieses Mal jedoch mit einer anderen Insassin. Lea überschritt in ihrer Wut so manche Verkehrsbeschränkung und hoffte inständig, dass sie damit ungeschoren davonkommen würde. Direkt vor dem Laden blieb sie mit quietschenden Reifen im Halteverbot stehen und sprang mit einer filmreifen Theatralik aus dem Auto, um ohne zu zögern durch die Eingangstür zu stürmen.
Oliver wurde sofort auf den personifizierten Wirbelsturm in seiner Buchhandlung aufmerksam und wich instinktiv ein paar Schritte zurück.
»Lea Friedrich?«, fragte er mit gerunzelter Stirn – die Friedrich-Frauen hatten es an diesem Tag wohl auf seinen Laden abgesehen.
Mit gerötetem Gesicht schritt Lea selbstbewusst auf den zusammenzuckenden Mann zu und knallte das Blatt Papier vor ihm auf die Verkaufstheke.
»Wie können Sie es wagen, einer alten Frau so dreist ihr Geld abzuluchsen? Diese Bücher sind völlig überteuert und noch dazu in Sprachen verfasst, die meine Großmutter nicht einmal versteht! Ich kann mich nämlich nicht erinnern, dass sie jemals Französisch gesprochen hätte!«
Oliver öffnete den Mund, um die Situation aufzuklären, aber seine Besucherin ließ ihn nicht zu Wort kommen.
»Ich möchte, dass Sie diese Bestellung sofort stornieren und uns das Geld zurückgeben!«
Der Buchhändler nutzte die kurze Atempause, die die junge Frau einlegte, um endlich etwas zu seiner Verteidigung sagen zu können.
»Frau Friedrich, Ihre Großmutter hat diese Bücher noch gar nicht bestellt und schon gar nicht bezahlt! Sie hat mich lediglich darum gebeten, ihr die Preise aufzuschreiben, um sich zu Hause noch einmal in Ruhe überlegen zu können, ob sie die Bestellung aufgeben will!«
Damit hatte er Lea den Wind aus den Segeln genommen. Stumm starrte sie den Mann vor sich an, nun mit vor Verlegenheit geröteten Wangen.
»Sie haben nicht ... meine Großmutter hat gar nicht ... das heißt, ich bin völlig umsonst hergefahren?«
»Na ja, Sie könnten sich, wenn Sie schon mal hier sind, auch gleich mit neuem Lesestoff eindecken«, schlug Oliver mit einem frechen Augenzwinkern vor und deutete mit der Hand auf die gut gefüllten Regale neben sich.
Augenrollend wandte sich Lea zum Gehen, doch da fiel ihr Blick zufällig auf das Buch, das aufgeschlagen auf der Theke lag und offensichtlich dem jungen Buchhändler gehörte.
»Der dunkle Turm«, las sie murmelnd vom Buchrücken ab und ihre Augen weiteten sich vor Überraschung. »Lesen Sie die Reihe etwa gerade? Ich kenne niemanden außer mir selbst, der diese Bücher toll findet!«
Schulterzuckend antwortete er: »Das ist bereits der letzte Teil. Ich finde die Meinung, dass die Bücher zu langatmig verfasst sind, etwas übertrieben. Hat man erst mal den ersten Band geschafft, möchte man nicht mehr aufhören.«
»Das finde ich auch! Es ist, als wäre der gesamte erste Teil nur der Vorspann, aber dann wird man regelrecht in die Story hineingesaugt! Aber für mich hatten Stephen Kings Bücher schon immer Suchtpotenzial.«
Begeistert, eine Gleichgesinnte gefunden zu haben, zählte Oliver alle Werke auf, die er bereits vom Autor gelesen hatte. Mit Staunen stellte er fest, dass sie beide – obwohl weniger bekannt – auch jene Bücher gelesen hatten, die unter seinem Pseudonym verfasst wurden.
»Der Todesmarsch hat mich besonders mitgenommen, obwohl es meiner Meinung nach untypisch für den Stephen King war. Die übernatürliche Komponente hat mir schon etwas gefehlt«, erklärte Lea.
Oliver nickte zustimmend. Er sah die junge Frau vor sich plötzlich mit ganz anderen Augen und schaffte es nur mit Mühe, seinen Blick von ihr zu lösen. Nicht nur ihre Begeisterung für Bücher, sondern auch ihre lange Mähne und die großen, hübschen Augen hatten ihn völlig in ihren Bann gezogen.
