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Jung, kreativ und zielstrebig - so kann man Mia Brandstätter mit drei Worten beschreiben. Ihr Studium hat sie erfolgreich abgeschlossen, nun stürzt sie sich voller Ehrgeiz in ihren Job als Online-Redakteurin. Dabei muss sie sich von den älteren Kollegen öfter Spötteleien gefallen lassen, setzt sich aber tapfer zur Wehr. Nur das hämische Gelächter einer ganz bestimmten Person kann sie nicht ertragen: das von Aaron Schwarz.
Dann trägt Mias Chef ihr einen Beitrag über eine Dating-App auf. Als Mia im Selbstversuch einige Verehrer testet, macht Aaron wieder einmal seine üblichen flachen Witze. Erst als sie sich in einen der Testkandidaten wirklich zu verlieben scheint, vergeht Aaron plötzlich das Lachen ...
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2023
Cover
Per Mausklick zur großen Liebe
Vorschau
Impressum
Per Mausklick zur großen Liebe
Mia erlebt ein überraschendes Date
Von Amelie Grünewald
Jung, kreativ und zielstrebig – so kann man Mia Brandstätter mit drei Worten beschreiben. Ihr Studium hat sie erfolgreich abgeschlossen, nun stürzt sie sich voller Ehrgeiz in ihren Job als Online-Redakteurin. Dabei muss sie sich von den älteren Kollegen öfter Spötteleien gefallen lassen, setzt sich aber tapfer zur Wehr. Nur das hämische Gelächter einer ganz bestimmten Person kann sie nicht ertragen: das von Aaron Schwarz.
Dann trägt Mias Chef ihr einen Beitrag über eine Dating-App auf. Als Mia im Selbstversuch einige Verehrer testet, macht Aaron wieder einmal seine üblichen flachen Witze. Erst als sie sich in einen der Testkandidaten wirklich zu verlieben scheint, vergeht Aaron plötzlich das Lachen ...
»Mia, Schatz, wie schön, dass du gekommen bist!« Martha Brandstätter begrüßte ihre Tochter mit einer liebevollen Umarmung, drückte ihr ein Sektglas in die Hand und führte sie anschließend weiter auf die Terrasse hinaus.
Ihr Vater, Alexander Brandstätter, hatte für seinen sechzigsten Geburtstag extra eine Location über den Dächern Kölns gemietet – mit direktem Blick auf den Rhein und den Dom im Hintergrund. Er legte großen Wert auf solche besonderen Feierlichkeiten und ließ sich diese auch jedes Mal eine hübsche Summe Geld kosten.
Als sein Blick auf Mia fiel, begannen seine Augen zu leuchten. Aufgeregt winkte er sie zu sich.
»Endlich bist du da! Meine Herren – das ist meine Tochter Mia!«
Höflich schüttelte sie die Hände seiner Gesprächspartner und reckte sich dann in die Höhe, um ihrem alten Herrn mit einem Kuss auf die Wange zum Geburtstag zu gratulieren.
»So ein süßes Ding«, murmelte einer der Anwesenden, und Mia musste sich zusammennehmen, um nicht vor allen Leuten mit den Augen zu rollen.
Aufgrund ihrer Körpergröße wurde sie nur zu gern noch wie ein Kind behandelt und nicht wie die erwachsene Frau, die sie mittlerweile war. Sie stand längst auf eigenen Beinen, konnte einen Job und eine eigene Wohnung vorweisen. Trotzdem fiel sie in der Gegenwart ihrer Eltern immer wieder unbewusst in die Rolle des kleinen Mädchens zurück.
»Hübsch siehst du aus«, stellte ihr Vater mit einem stolzen Lächeln fest. »Ah, da ist Lotta!«
Erleichtert drehte Mia sich um und sah in das grinsende Gesicht ihrer älteren Schwester. Die beiden trennten nur anderthalb Jahre Altersunterschied, was wahrscheinlich der Grund für ihr außergewöhnlich enges Verhältnis war.
»Na du«, raunte sie, als ihr Vater sich wieder seinen Geschäftspartnern widmete, »hältst du noch durch, oder bist du schon am Flüchten?«
»Jetzt, wo du hier bist, wird es bestimmt angenehmer«, erwiderte Lotta mit einem Augenzwinkern und umarmte Mia. Zu zweit würde es ihnen hoffentlich sogar gelingen, ein wenig Spaß auf der Feier zu haben ...
♥♥♥
Mia Brandstätter war fünfundzwanzig Jahre alt und hatte vor nicht ganz einem Jahr ihren Bachelor in der Fachrichtung »Online-Journalismus« abgeschlossen. Kurz darauf war es ihr durch einen Kontakt von der Uni bereits gelungen, eine Stelle als Redakteurin bei der digitalen Zeitschrift »Young & Trendy« zu ergattern. Das Start-up-Unternehmen hatte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen gesteckt und händeringend Mitarbeiter gesucht.
Mia liebte ihren Job, bei dem sie ihrer Kreativität meist freien Lauf lassen konnte – jede Woche wurde ihr ein neues Thema zugeteilt, zu dem sie einen spannenden Artikel verfassen durfte.
»Wie geht es denn mit dem Einrichten der neuen Wohnung voran?«, erkundigte sich ihre Schwester neugierig.
Mia zuckte mit den Schultern. »Ganz gut, denke ich. An der Küchenzeile muss noch ein kleiner Schönheitsfehler ausgebessert werden, und der Teppich fürs Wohnzimmer wird auch erst geliefert, aber ansonsten ist alles so gut wie fertig!«
Nachdem sie sich endlich ein kleines finanzielles Polster angespart hatte, war es für die junge Frau extrem wichtig gewesen, aus dem Schutz des Elternhauses auszuziehen und somit ein wenig mehr Unabhängigkeit zu erreichen.
»Wow, das ging aber schnell«, stellte Lotta beeindruckt fest. Sie selbst war bereits vor einigen Jahren ausgezogen und teilte sich seitdem eine Wohnung mit ihrer besten Freundin. Im Gegensatz zu Mia war es ihr nie besonders wichtig gewesen, einen Rückzugsort für sich allein zu haben – sie genoss es, bis spätabends zu plaudern oder gemeinsame Fernsehabende mit Klara zu veranstalten.
Martha Brandstätter kam nun auf ihre Töchter zu und fragte mit hochgezogenen Augenbrauen: »Na, ihr beiden, worüber tuschelt ihr denn?«
»Ach, wir haben nur über Mias neue Wohnung gesprochen«, erklärte Lotta.
Ihre Mutter rümpfte augenblicklich die Nase.
»Liebling, du weißt genau, was ich davon halte. Du hättest ruhig noch länger bei uns wohnen können – die Miete ist rausgeschmissenes Geld, das du gut für später sparen könntest.«
»Ich weiß, Mama. Danke! Aber ich muss meinen eigenen Weg finden, und das geht nicht, wenn ihr mir dabei immer über die Schulter guckt!«, entgegnete Mia. Sie hatten diese Art Gespräch schon oft geführt. Mia konnte es nun mal nicht leiden, wie ein rohes Ei behandelt zu werden, auch wenn sie sehr dankbar für die Fürsorge ihrer Eltern war. Frau Brandstätter wusste nur zu gut, dass es keinen Sinn machte, weiter darüber zu diskutieren – ihre Tochter hatte eindeutig den Dickkopf ihres Vaters geerbt.
Mias Mutter entfernte sich wieder, um mit den Partygästen zu plaudern, und die beiden Schwestern vertrieben sich die Zeit damit, »Schnick, Schnack, Schnuck« zu spielen, wie sie es schon als Kinder immer getan hatten. Dass sie damit die empörten Blicke von ein paar miesepetrigen Gästen auf sich zogen, war ihnen herzlich egal – Hauptsache, sie hatten Spaß und mussten sich nicht zu Tode langweilen.
Als die Geburtstagsfeier langsam dem Ende zu ging und ein großer Teil der Gäste aufbrach, nutzte Mia die Gelegenheit, um sich ebenfalls zu verabschieden. Nicht, dass sie die Gesellschaft ihrer Familie nicht genossen hätte – aber sie hatte noch einiges zu tun, bevor es am nächsten Tag wieder ins Büro ging. Die zusätzliche Arbeit, die sie von zu Hause aus erledigte, war schon zu einer Art Routine geworden, die sich hoffentlich eines Tages bezahlt machen würde.
Obwohl sie nun doch schon einige Monate mit dabei war, galt sie bei ihren Kollegen nach wie vor als »die Neue« im Team und bekam daher leider öfters die Themen, die alle anderen nicht haben wollten. Doch sie scheute sich nicht davor, auch schwierige Inhalte in Worte zu fassen – ganz im Gegenteil, die Herausforderung spornte sie an.
Kaum war sie in ihrer kleinen Singlewohnung angekommen, setzte sie sich an ihren Laptop und begann, ihren Artikel über Periodenslips zu schreiben. Das Thema passte zu ihren letzten Artikeln: Menstruationstassen, Temperaturtracking zur Verhütung, ja sogar eine Bewertung für einen neuartigen Vibrator hatte sie verfasst, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie schreckte vor keinem noch so unangenehmen Beitrag zurück, und es störte sie auch nicht, dass sie mit ihrem ungebrochenen Ehrgeiz die gesamte Belegschaft amüsierte. Nur das hämische Gelächter einer ganz bestimmten Person konnte sie nicht ertragen: das von Aaron Schwarz.
Ihr Kollege, der ihr direkt gegenübersaß und sie auf diese Weise während der Arbeitszeit mit uneingeschränktem Blick gern nervtötend anstarrte, liebte es, sich ausgiebig über ihre Projekte lustig zu machen. Er belächelte ihre Art zu schreiben und nahm sie einfach nicht ernst. Mia fühlte deswegen bereits die blanke Wut in sich hochsteigen, wenn sie ihn nur ansah. Am liebsten würde sie ihm sein selbstgefälliges Grinsen mit einer saftigen Ohrfeige vom Gesicht wischen – aber sie brauchte diesen Job, und sie hatte so ein Gefühl, dass derartige Aggressionen am Arbeitsplatz nicht unbedingt gern gesehen wurden.
Als sie am nächsten Tag wieder an ihrem Büroschreibtisch saß, beobachtete Aaron, der wieder einmal eine lässige Sitzhaltung eingenommen, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und seine Mundwinkel zu einem schiefen Grinsen verzogen hatte, jeden ihrer Handgriffe. Mia rückte sich etwas genervt ihre Lesebrille zurecht, strich sich durch die schulterlangen, dunkelbraunen Haare und versuchte, sich weiter auf ihren Artikel zu konzentrieren – was ihr allerdings nicht so recht gelang. Stattdessen konnte sie nicht anders, als in die wunderschönen, grauen Augen ihres Gegenübers zu starren und dabei völlig zu vergessen, was sie eigentlich tun wollte. Das kantige Gesicht, der leichte Ansatz eines Stoppelbarts, der freche Kurzhaarschnitt, der ihm ein spitzbübisches Aussehen verlieh ... Ja, Aaron Schwarz war ein wahrer Frauenmagnet. Und sie war sich ziemlich sicher, dass er diese Tatsache bei jeder Gelegenheit für seine Zwecke ausnutzte – Mia wollte sich gar nicht ausmalen, wie viele Frauenherzen er schon gebrochen hatte.
Aaron schien bemerkt zu haben, dass ihr Blick etwas zu lange auf ihm geruht hatte, denn er wackelte mit den Augenbrauen und zwinkerte ihr zu. »Na, Kleine, gefällt dir, was du siehst?«
Mia machte ein lautes, würgendes Geräusch und tat so, als müsste sie sich in den Mülleimer übergeben. Das Gezanke nahm allerdings ein abruptes Ende, als die Tür laut aufging und ihr Chef mit ernster Miene hereinmarschiert kam. Ulrich war an sich recht umgänglich – wenn allerdings etwas nicht nach seinem Kopf ging, konnte seine Stimme durchaus auch etwas lauter werden.
»Brandstätter, wie weit bist du denn mit dem Beitrag über Periodenslips?«, fragte er, ohne sie anzusehen. Den Blick hatte er weiterhin starr auf sein Smartphone gerichtet.
»Fast fertig«, antwortete sie wie aus der Pistole geschossen. Aaron verdrehte genervt die Augen – im Gegensatz zu ihm war Mia immer im Zeitplan und brachte ihn mit ihrer Perfektion regelmäßig auf die Palme.
»Sehr gut, so will ich das hören. Nimm dir daran ruhig ein Beispiel, Schwarz!« Mit diesen Worten machte er auf dem Absatz kehrt – drehte sich dann jedoch noch einmal um und fügte hinzu: »Ach übrigens, ich habe schon eine neue Story für dich, Mia. Es geht um eine neue Dating-App, die momentan für Schlagzeilen sorgt. Komm später in mein Büro, dann können wir die Details besprechen.«
Mia schluckte schwer und nickte, schon das Schlimmste befürchtend. Eine Dating-App? Sie? Das konnte ja heiter werden ... Mit Verabredungen hatte die junge Frau äußerst wenig Erfahrung, und sie hatte auch keinerlei Interesse daran, dies zu ändern. Nicht, dass sie der Männerwelt ganz abgeschworen hätte – nein, sie verspürte zurzeit nur einfach nicht das Bedürfnis, jemanden in ihr Leben zu lassen.
Aaron beobachtete amüsiert schmunzelnd ihre Reaktion auf diese Neuigkeit. Schließlich konnte er sich einen Kommentar nicht mehr länger verkneifen und meinte: »Süße, das wird bestimmt spannend. Ich kann es kaum erwarten, dir bei der Arbeit zuzusehen.«
»Ich bin nicht deine Süße«, erwiderte sie bissig, war sich aber sehr wohl darüber bewusst, dass ihr Herz beim Aussprechen des Kosenamens einen kleinen Salto hinlegte. Warum musste er auch so gut aussehen – er hinderte sie mit seiner Attraktivität daran, klar zu denken und ihn als das wahrzunehmen, was er war – der Feind.
♥♥♥
»Wirklich, Ulrich – ich suche überhaupt nicht nach einem Mann!«, versuchte Mia zum wiederholten Mal verzweifelt, ihrem Chef zu erklären, warum ihr das Thema Dating-App nicht gefiel. Doch er schien ihr nicht recht zuhören zu wollen und fuhr einfach damit fort, seine Ideen für den Beitrag über die Plattform MatchMe vorzutragen.
Mia hörte nur mit halbem Ohr hin. Nachdem ihr Chef ihr offenbart hatte, dass sie sich selbst registrieren und real verabreden sollte, war es mit ihrer ungeteilten Auffassungsgabe vorbei. Immerhin konnte sie im Hintergrund Ulrichs sonore Stimme hören.
»Glaub mir, es wird viel einfacher für dich sein, dir ein realitätsnahes Urteil zu bilden, wenn du selbst mittendrin bist und deinen Lesern detailgenau davon berichten kannst, was sie erwartet! Das wird großartig, ein spannendes, neues Projekt für dich.«
Mia brachte gerade noch ein Nicken zustande und ging anschließend wie ferngesteuert wieder in ihren Büroraum. Was ist bloß aus dem guten alten Bericht geworden, der ganz klassisch die Fakten aufzählte? Die eigene Meinung wird definitiv überbewertet, dachte sie – zumindest, wenn es nach ihr ging. Sie sah keinen guten Grund dafür, sich selbst ins Online-Dating zu stürzen. Aber wenn ihr Chef das verlangte, konnte sie sich dem leider nicht entziehen.
Wütend pfefferte Mia ihre Unterlagen auf den Schreibtisch, sobald sie ihren Arbeitsplatz erreicht hatte.
»Na, schlechte Nachrichten?«, erriet Aaron mühelos den Grund für ihre angespannte Gefühlslage.
»Als ob du das nicht wüsstest«, zischte sie feindselig. Sie war sich ziemlich sicher, dass dieses besonders nervige Exemplar eines Kollegen hinter ihrem Rücken maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass sie sich nun mit der Anmeldung auf MatchMe herumschlagen musste. Dachte er etwa, sie hätte nicht mitbekommen, wie er kurz zuvor in Ulrichs Büro verschwunden war und dieses widerliche Lächeln aufgesetzt hatte, das sie so hasste? Eines stand jedenfalls fest, ihr Vorgesetzter war nicht allein schuld an ihrer miesen Laune.
Lustlos klickte sie auf der MatchMe-Internetseite herum und spielte kurz mit dem Gedanken, die Aufforderung zum Hochladen eines Fotos einfach zu ignorieren, allerdings wusste sie genau, dass sie auf diese Weise keinen der armen Kerle in ihre Falle locken konnte.
»Soll ich dir vielleicht ein wenig zur Hand gehen?«, fragte Aaron, weiterhin sichtlich amüsiert. Er hatte einen neugierigen Blick über ihre Schulter geworfen und natürlich sofort gesehen, dass sie noch kein Foto von sich eingefügt hatte.
»Nein danke, das schaffe ich schon allein – und jetzt verzieh dich!«, fauchte sie ihn an und wandte sich dann wieder ihrem Computer zu.
Seufzend scrollte sie durch die Selfies auf ihrem Smartphone, um ein halbwegs passables Foto auszuwählen. Nach langem Suchen war endlich eines dabei, das ihren Anforderungen entsprach. Sie sah darauf nicht übertrieben aufgetakelt aus, wirkte aber dennoch recht hübsch und sympathisch. Die schulterlangen Haare umrahmten in leichten Wellen ihr Gesicht, und mit dem roten Lippenstift erinnerte sie sich selbst ein wenig an Schneewittchen.
»Hey, auf dem Foto siehst du ja überhaupt nicht so aus wie der neurotische Kontrollfreak, der du eigentlich bist! In Wahrheit bist du sogar recht hübsch ...« Mia konnte Aaron ansehen, wie dieser seinen unbedacht ausgesprochenen Kommentar augenblicklich bereute.
»Ich nehme das mal als Kompliment«, brummte sie, durch Aarons frechen Spruch kurzzeitig abgelenkt.
