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Zum ersten Mal seit acht Jahren reist Ellie in ihre alte Heimat Usedom. Und je weiter sie sich ihrem Ziel nähert, desto unruhiger wird sie. Aus guten Gründen!
Erstens: Ihre beste Freundin Anni heiratet und hat sie gebeten, ihre Trauzeugin zu sein und ihr bei den letzten Hochzeitsvorbereitungen zu helfen.
Zweitens: Der andere Trauzeuge ist ausgerechnet Ellies Ex-Verlobter Leander. Unter dramatischen Umständen ging die Verlobung damals in die Brüche, und Ellie ergriff sofort danach die Flucht. Seitdem hat sie sich ernsthaft bemüht, die Trennung zu verarbeiten, und geglaubt, dass ihr das wenigstens halbwegs gelungen wäre. Doch ein einziger Blick in Leanders graue Augen belehrt sie eines Besseren ...
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Beim zweiten Mal wird es noch schöner
Vorschau
Impressum
Beim zweiten Mal wird es noch schöner
Ein Ex-Paar wird von verdrängten Gefühlen überwältigt
Von Amelie Grünewald
Zum ersten Mal seit acht Jahren reist Ellie in ihre alte Heimat Usedom. Und je weiter sie sich ihrem Ziel nähert, desto unruhiger wird sie. Aus guten Gründen!
Erstens: Ihre beste Freundin Anni heiratet und hat sie gebeten, ihre Trauzeugin zu sein und ihr bei den letzten Hochzeitsvorbereitungen zu helfen.
Zweitens: Der andere Trauzeuge ist ausgerechnet Ellies Ex-Verlobter Leander. Unter dramatischen Umständen ging die Verlobung damals in die Brüche, und Ellie ergriff sofort danach die Flucht. Seitdem hat sie sich ernsthaft bemüht, die Trennung zu verarbeiten, und geglaubt, dass ihr das wenigstens halbwegs gelungen wäre. Doch ein einziger Blick in Leanders graue Augen belehrt sie eines Besseren ...
Na toll, sogar das Wetter will mich davon abhalten, zurückzukehren, dachte Ellie grimmig und lenkte ihren alten Wagen durch den unerwartet aufgetretenen Wolkenbruch.
Das Unwetter überraschte sie, als sie gerade die Zecheriner Brücke überquerte. Immerhin war es nicht mehr weit bis Usedom. Die Sicht verschlechterte sich mit den herunterprasselnden Wassermassen erheblich, und sie musste gezwungenermaßen ihr Tempo drosseln. Wie würde es sich anfühlen, nach all den Jahren in ihre Heimat zurückzukommen?
Elisabeth Anders war vierunddreißig Jahre alt und hatte sich eine Karriere als Qualitätsmanagerin in Neubrandenburg aufgebaut, nachdem sie Usedom vor acht Jahren überstürzt verlassen hatte.
Ihrer Heimkehr sah sie mit gemischten Gefühlen entgegen, obwohl der Anlass ein erfreulicher war. Ellies beste Freundin Anni hatte sich verlobt und würde schon bald ihren Traumprinzen heiraten. Marco Bachmann hatte es nach zehn Jahren Beziehung endlich geschafft, seiner Liebsten einen Antrag zu machen. Und Ellie freute sich, dass sie als Trauzeugin auserkoren worden war.
Dass die beiden sich das Jawort gaben, wurde auch höchste Zeit, denn sie waren schon seit dem Kindergarten miteinander befreundet. Die Hochzeit hatte allerdings einen riesigen Haken für Ellie, und genau deshalb fiel es ihr mit jedem zurückgelegten Kilometer schwerer weiterzufahren.
Der beste Freund des Bräutigams, Leander Fischer, würde natürlich der andere Trauzeuge sein. Obwohl sie sich damals geschworen hatte, dem Mann nie wieder unter die Augen zu treten, blieb ihr somit nichts anderes übrig, als während der nächsten Wochen viel Zeit an seiner Seite zu verbringen. Die beiden sollten schließlich zusammen eine Rede halten und einen gemeinsamen Junggesellenabschied organisieren.
Ihrer besten Freundin zuliebe machte Ellie gute Miene zum bösen Spiel, aber in ihrem Inneren brodelte es gewaltig. Acht Jahre war es nun her, seit sie selbst verlobt gewesen war, und zwar mit Leander. Damals war ihr alles so einfach erschienen, und sie hatte ihre gemeinsame Zukunft deutlich vor sich gesehen.
Sie waren so verliebt gewesen, und Ellie hätte ihre Hand dafür ins Feuer gelegt, dass es für immer so bleiben würde. Es hätte so schön werden können – ein eigenes kleines Häuschen in Usedom, eine traumhafte Hochzeit und anschließend zwei Kinder. Vielleicht sogar noch ein Hund ...
♥♥♥
Acht Jahre zuvor
In ihrem Kopf war ihr Leben bereits bis ins kleinste Detail durchgeplant, und dann, aus heiterem Himmel, machte ihr Leander einen Strich durch die Rechnung.
Als Lichttechniker bekam er überraschend ein verlockendes Jobangebot. Leander wurde vom Management der Rockband »Heavenly Sin« beauftragt, deren Lichtshow für die bevorstehende Tour zu programmieren und während der Europatour Regie zu führen.
Was für Leander eine einzigartige Gelegenheit und ein großes Abenteuer darstellte, war für seine Verlobte der pure Albtraum. Ohne vorher mit ihr die Details abzusprechen, sagte er der Band zu und stellte seine Liebste vor vollendete Tatsachen.
»Ist das dein Ernst? Das kannst du mir doch nicht antun!«, schrie sie ihn hysterisch an.
In Ellies Blick lagen ein Flehen und ein Hauch von Hoffnung, dass er seine Fehlentscheidung doch noch rückgängig machen würde, aber Leander blieb stur und ließ sich nicht erweichen, auf ein anderes Jobangebot zu warten. Ihre zum Teil bereits geplante prunkvolle Hochzeit gehörte mit einem Mal der Vergangenheit an, denn Leander würde zu diesem Zeitpunkt gerade mit der Band in Italien unterwegs sein.
»Stell dich doch nicht so an!«, warf er ihr vor. »Du gönnst mir wohl keine vielversprechende Karriere.«
Ellie wollte etwas erwidern, doch jegliche Argumentation war ohnehin zwecklos. Leander hatte seine Entscheidung bereits getroffen und wollte alle Pläne für unbestimmte Zeit auf Eis legen – ein Umstand, der ihr die Tränen in die Augen trieb. Er zeigte ihr mehr als deutlich, wo seine Prioritäten lagen, und auch, dass er noch nicht bereit dafür war, sich fest zu binden.
Die beiden diskutierten noch eine Weile hitzig weiter, bis der Streit schließlich eskalierte und ihnen keine andere Lösung einfiel, als die Verlobung zu lösen. Noch bevor er zur Tour aufbrach, hatte ihre Liebesgeschichte ein abruptes Ende gefunden.
Leander verabschiedete sich nicht einmal von ihr, sondern zog einfach los, ohne ein Wort zu sagen. Sie erfuhr erst davon, dass er schon längst nicht mehr da war, als sie vor seiner Tür stand und vergeblich darum bettelte, hineingelassen zu werden.
Von diesem Zeitpunkt an hielt Ellie es in ihrem Heimatort nicht mehr aus, denn obwohl Leander nicht mehr dort war, rief die Kleinstadt unaufhörlich bittere Erinnerungen in ihr wach. Schließlich fasste sie schweren Herzens den Entschluss, Usedom den Rücken zu kehren und woanders ihre Zelte aufzuschlagen.
Ein spontanes Jobangebot im Qualitätsmanagement eines Neubrandenburger Naturkosmetik-Unternehmens kam gerade richtig, und Ellie ergriff die Flucht. Dass sie wegen dieser Aktion auch ihre beste Freundin Anni zurückließ, machte ihr zwar sehr zu schaffen, aber sie nahm sich fest vor, den Kontakt nicht abreißen zu lassen.
♥♥♥
»Verdammt!«, rief Ellie erschrocken und legte gerade noch rechtzeitig eine Vollbremsung hin.
Vor ihr war ein Auto auf der nassen Straße ins Schlittern gekommen und stand nun quer auf der Fahrbahn. Fluchend schalt sie sich selbst dafür, nicht bei der Sache gewesen zu sein, und nahm sich vor, von jetzt an besser auf die Straße zu achten, anstatt ihren Erinnerungen nachzuhängen. Der Wagen vor ihr reihte sich in die richtige Fahrspur ein, und auch Ellie fuhr wieder los, den Anweisungen des Navigationsgeräts folgend.
Nur wenig später bog sie in die Usedomer Wieckstraße ein und kam vor Annis neuem Haus zum Stehen. Marco hatte sie zur Verlobung mit dem kleinen Häuschen überrascht. Seine Urgroßtante hatte es ihm vor einiger Zeit vererbt, und er war monatelang damit beschäftigt gewesen, das Haus heimlich zu renovieren.
Für Ellie war es das Romantischste, was sie je gehört hatte. Und auch wenn sie ihrer Freundin ihr Glück von Herzen gönnte, machte sie es doch ein bisschen traurig, dass es in ihrem Leben niemanden gab, der sie mit etwas Vergleichbarem überraschen könnte.
»Ellie, da bist du ja endlich!« Ihre beste Freundin zeigte ihr gewohnt sonniges Wesen und hüpfte die paar Stufen bis zur Einfahrt hinab. Ihr schulterlanges blondes Haar wurde vom Wind wild herumgewirbelt. Anni umarmte Ellie warmherzig, nahm dann ihre Hand und zog sie ins Haus.
Anschließend führte die zukünftige Braut sie durch alle Zimmer und blieb zwischendurch immer wieder stehen, um zu erzählen, was ihr Liebster alles hatte renovieren müssen. In ihren Augen lag so viel Liebe, dass Ellie nun sogar ein wenig neidisch war. Sie gab sich aber große Mühe, sich nichts anmerken zu lassen, und natürlich freute sie sich auch mit Anni. Jetzt, wo sie ihre Freundin nach langer Zeit wiedersah, wurde ihr erst so richtig bewusst, wie schmerzlich sie diese vermisst hatte.
»Ist Marco auch zu Hause?«, fragte Ellie.
»Nein, er ist noch bei der Arbeit. Du wirst ihn aber später sehen.« Die beiden begaben sich auf die Terrasse hinter dem Haus und genossen die Wärme des Spätfrühlings.
Ellie streckte ihr Gesicht gen Himmel und hoffte, dass die Sonnenstrahlen nicht nur ihre Haut, sondern auch ihr Inneres wärmten.
»Danke, dass du dir extra freigenommen hast«, sagte Anni, »ich weiß, es ist viel verlangt.«
Ellie winkte ab. »Ach, das war überhaupt kein Problem. Für die nächsten drei Wochen gehöre ich ganz dir.« Mit ihrem Fleiß und ihrem Ehrgeiz hatte Ellie sich einige Privilegien erarbeitet, die die restlichen Mitarbeiter nicht genossen, und dazu gehörte es auch, relativ spontan Urlaub nehmen zu können.
»Perfekt!«, rief Anni und klatschte begeistert in die Hände. »Es gibt nämlich noch viel zu tun. Ich brauche unbedingt deine Hilfe bei den Gastgeschenken. Außerdem wäre es toll, wenn du mich zur endgültigen Menüauswahl begleiten könntest. Ich traue Marcos Geschmack nämlich nicht so ganz über den Weg. Er wollte doch tatsächlich Schnecken als Vorspeise vorschlagen. Kannst du dir das vorstellen?« Anni rollte theatralisch mit den Augen. »Dann müssen wir uns noch um den Junggesellenabschied kümmern. Leander hat da schon eine Idee.«
Anni hielt erschrocken inne, als sie ihren Fehler bemerkte, doch es war zu spät. Der Blick ihrer Freundin verfinsterte sich augenblicklich.
»Es tut mir leid, ich hatte es einfach vergessen.«
»Macht nichts«, versicherte Ellie ihr und gab sich die größte Mühe, trotz des Tumultes in ihrem Inneren gelassen zu bleiben. »Ich werde mich wohl oder übel mit dem Gedanken anfreunden müssen, während der nächsten Zeit öfters mit ihm zu tun zu haben.«
Erleichtert atmete Anni auf.
»Gut, dass es für dich kein Problem ist. Ich habe mir schon den Kopf darüber zerbrochen, wie wir es hinkriegen könnten, dass ihr zwei euch nicht andauernd über den Weg laufen müsst, und es irgendwann aufgegeben. Die Trauzeugen müssen ja zusammenarbeiten, es geht nicht anders.«
Ellie schenkte ihr ein bemüht fröhliches Lächeln.
»Mach dir um mich keine Sorgen, ich schaffe das schon, Anni!«, versicherte sie. »Alles wird einwandfrei ablaufen, du wirst schon sehen!«
Ihre Freundin schien überzeugt zu sein, sie selbst allerdings ganz und gar nicht. Allein schon bei dem Gedanken, ihrem Ex-Verlobten schon bald persönlich gegenübertreten zu müssen, drehte sich ihr vor lauter Aufregung der Magen um. Wie sollte sie reagieren? Sollte sie ihn wie einen alten Freund begrüßen? Oder doch komplett ignorieren, wie er es verdient hatte? So, wie es zwischen ihnen beiden geendet hatte, musste sie sich zusammenreißen, um ihm nicht an die Gurgel zu gehen.
»Ellie?«, rief Anni verunsichert. Sie schien bemerkt zu haben, dass ihre Freundin abgedriftet und in deprimierende Grübeleien versunken war.
Schnell schüttelte Ellie sich und zwang sich dazu, sich auf das Gespräch mit der zukünftigen Braut zu konzentrieren.
»Welche Farben habt ihr denn für die Feier ausgewählt?«, lenkte sie die Aufmerksamkeit wieder auf den bevorstehenden großen Tag.
Da begann Anni laut loszulachen.
»Stell dir vor, Marco hat doch tatsächlich Pink vorgeschlagen!«, erzählte Anni lachend. »Ich denke, er wollte mir damit eine Freude machen. Zum Glück konnten wir uns dann doch noch auf Pastellgelb und Weiß einigen.«
Ellie fand es schön, mit welcher Freude ihre beste Freundin von ihrer Hochzeit berichtete. Ihre Augen strahlten, und es war ihr deutlich anzusehen, dass für sie ein Traum in Erfüllung ging. Ob ihr selbst dieses Glück auch irgendwann vergönnt war?
Nein, sie würde jetzt nicht schon wieder an ihre geplatzte Hochzeit denken. Sie durfte es nicht zulassen, dass die alten Wunden wieder aufrissen und sie anfällig für einen erneut aufkeimenden Liebeskummer machten.
Leander hatte mit seinem egoistischen Verhalten ohnehin alle ihre nachfolgenden Beziehungen zum Scheitern verurteilt. Als er ihr vor Jahren das Herz gebrochen hatte, hatte Ellie beschlossen, sich so schnell wie möglich über den Trennungsschmerz hinwegzutrösten. Doch alle Männer, mit denen sie sich nach der geplatzten Verlobung getroffen hatte, hatten es über eine kurze Affäre nicht hinausgeschafft.
Ellie hatte zu viel Angst davor, sich erneut jemandem zu öffnen und anschließend enttäuscht zu werden. Da war es definitiv sicherer, sich erst gar keine Hoffnungen auf ein richtiges Glück zu machen. Und auch, wenn sie es sich nicht eingestehen wollte, so war keiner der Männer auch nur ansatzweise an ihren Ex herangekommen.
»Und hier ist dein Zimmer«, sagte Anni nun und öffnete eine Tür.
Für die Dauer ihres Aufenthalts würde Ellie das Gästezimmer beziehen, welches sich direkt neben dem Wohnzimmer befand. Es war nett eingerichtet und recht geräumig.
»Wenn du noch etwas brauchst, lass es mich wissen!«, fügte Anni hinzu.
»Danke, ich habe alles«, erwiderte Ellie lächelnd. »Das Zimmer ist wunderschön. Bist du sicher, dass es Marco nicht stört, wenn ich bei euch wohne?«
»Natürlich nicht. Wir freuen uns beide, dich endlich wieder bei uns zu haben und würden es nie zulassen, dass du in einem Hotel übernachtest!«
Mit diesen Worten schloss Anni die Tür hinter sich und gab ihrer besten Freundin etwas Zeit für sich, bevor Marco nach Hause kommen und sie mit Fragen zu allen möglichen Dingen löchern würde. Marco war ein Schatz, aber manchmal wusste er einfach nicht, wann er es mit seiner Neugierde und seinem Mitteilungsdrang etwas übertrieb.
♥♥♥
