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Freya Bergmann ist bildhübsch und beruflich äußerst erfolgreich. Zwar haben ihre Beziehungen in der Vergangenheit nie lange gehalten, doch sie hat sehr gute Freunde, die immer für sie da sind. Aber obwohl die Achtunddreißigjährige grundsätzlich glücklich mit ihrem Leben ist, trägt sie eine tiefe, unerfüllte Sehnsucht in ihrem Herzen: Mehr als alles andere wünscht sie sich ein Baby. Bisher hat sie auf die große Liebe gewartet, um sich diesen Traum zu erfüllen, doch mittlerweile hat sie das Gefühl, dass ihr die Zeit davonläuft. Was, wenn Mr. Right einfach nicht auftaucht? Soll sie dann zeitlebens kinderlos bleiben?
Nein, beschließt Freya, die Zeit des Wartens ist vorbei! Wozu braucht sie einen Mann?
Entschlossen besucht sie eine Kinderwunschklinik und unterzieht sich dort nach einem Beratungsgespräch einer künstlichen Befruchtung. Aber kurz darauf lernt sie auf einer Party den gut aussehenden und charmanten Noah kennen, und auf einmal steht ihr Leben kopf ...
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2023
Cover
Ich warte nicht länger
Vorschau
Impressum
Ich warte nicht länger
Mutig und selbstbewusst erfüllt sich Freya ihren größten Wunsch
Von Amelie Grünewald
Freya Bergmann ist bildhübsch und beruflich äußerst erfolgreich. Zwar haben ihre Beziehungen in der Vergangenheit nie lange gehalten, doch sie hat sehr gute Freunde, die immer für sie da sind. Grundsätzlich könnte die 38-Jährige also glücklich mit ihrem Leben sein, wenn da nicht diese tiefe unerfüllte Sehnsucht in ihrem Herzen wäre: Mehr als alles andere wünscht sie sich ein Baby. Bisher hat sie auf die große Liebe gewartet, um sich diesen Traum zu erfüllen, doch mittlerweile hat sie das Gefühl, dass ihr die Zeit davonläuft. Was, wenn Mr. Right einfach nicht auftaucht? Soll sie dann zeitlebens kinderlos bleiben?
Nein, beschließt Freya, die Zeit des Wartens ist vorbei! Wozu braucht sie einen Mann?
Entschlossen besucht sie eine Kinderwunschklinik und unterzieht sich dort nach einem Beratungsgespräch einer künstlichen Befruchtung. Was für eine Ironie des Schicksals! Denn kurz darauf lernt sie auf einer Party den Mann ihres Lebens kennen ...
»Und, bist du schon entspannt?«, fragte Hannah frech grinsend, nachdem Freya einen besonders großen Schluck ihres Tequila Sunrise genommen und diesen mit nach unten verzogenen Mundwinkeln hinuntergeschluckt hatte. Tequila war noch nie ihre Lieblings-Spirituose gewesen.
»Mhm«, murmelte sie zufrieden und nuckelte weiter an ihrem Strohhalm.
Die beiden Freundinnen hatten sich zu einem Feierabend-Drink in einer Bar verabredet, und Freya konnte dieses Treffen wirklich gut gebrauchen. Momentan gab es bei der Arbeit so dermaßen viel zu tun, dass sie so gut wie jeden Tag mit einem verspannten Nacken und hämmernden Kopfschmerzen nach Hause ging. Nicht, dass sie sich beschwert hätte – im Gegenteil. Es war natürlich gut, wenn das Geschäft brummte.
»Vielleicht hättest du besser einen Sex on the Beach bestellen sollen ... Oder doch einen Screaming Orgasm?«, meinte ihre Freundin breit grinsend. Sie war an diesem Tag wohl zu Scherzen aufgelegt – oder es war der langsam steigende Alkoholpegel.
»Wenn ich es schon in der wirklichen Welt nicht bekomme, warum dann als Getränk bestellen«, antwortete sie seufzend.
Die achtunddreißigjährige Freya Bergmann war eine erfolgreiche Karrierefrau, die schon immer gewusst hatte, was sie wollte: ein eigenes Unternehmen besitzen. Diesen Wunsch hatte sie sich erfüllt, sobald es finanziell auch nur irgendwie möglich gewesen war. Nun war sie schon seit einigen Jahren stolze Besitzerin des Fitnesszentrums »Female Energy« in der Flößergasse in München. Um sich diesen Traum zu erfüllen, hatte sie hart gearbeitet.
Sie bewohnte ein nettes Reihenhäuschen im Stadtteil Giesing, und auch, wenn die Häuser in der Gegend eher dicht gedrängt standen, so hatte sie sich doch im rückseitigen Garten ein kleines, abgeschottetes Fleckchen Paradies erschaffen. Immer wenn der Stress überhandnahm und ihr alles zu viel wurde, kam sie hierher, um wieder durchatmen zu können.
Alles in allem war sie wirklich damit zufrieden, wie ihr Leben sich entwickelt hatte, und sie wollte keinesfalls meckern.
Was Freya allerdings absolut nicht gelang, war, einen Mann zu finden, der zu ihr passte. Entweder waren sie faul, arrogant, zu machomäßig oder langweilig. Sie hatte sich in der Vergangenheit wirklich alle Mühe gegeben und es mit mehreren Kandidaten versucht, aber letztendlich war keiner von ihnen ihren hohen Ansprüchen gerecht geworden.
Lag es etwa an ihr? Musste sie ihre Erwartungen vielleicht herunterschrauben? Aber wenn sie mit dem Auserwählten eines Tages eine Familie gründen wollte, dann musste es eben einfach passen – und eine Familie wollte sie unbedingt. Es war immer schon ihr sehnlichster Wunsch gewesen, das Haus mit fröhlichem Kinderlachen zu füllen.
»Was war denn mit Michael?«, unterbrach Hannah ihre Gedanken und strich sich das schwarze Haar aus dem Gesicht. Manchmal erinnerte ihre Freundin sie an die Disney-Prinzessin Jasmin, und sie wurde augenblicklich neidisch auf ihr gutes Aussehen.
Sich selbst fand Freya mit ihrem brünetten Pferdeschwanz, den blassgrauen Augen und der Brille eher durchschnittlich. Ein typisches Mauerblümchen, wie man sie während der Schulzeit gerne gehänselt hatte.
»Ach, der wollte nur etwas Lockeres und war einfach nicht dazu fähig, sich fest zu binden. So etwas brauche ich nun wirklich nicht, da bleibe ich lieber solo.« Auch wenn ihre Antwort nach außen hin gleichgültig wirkte, so fühlte sie doch wieder einen kleinen Stich im Herzen, wenn sie nur daran dachte.
Sie hatte in Wahrheit große Hoffnungen in ihren Ex-Partner gesetzt, aber er hatte sie letzten Endes dann doch nur genauso enttäuscht wie alle anderen, und ihre Pläne von einer potenziellen Hochzeit und zukünftigen Kindern waren wieder einmal erbarmungslos zunichte gemacht worden.
Freya war ohne Vater aufgewachsen und hatte daher ein äußerst enges Verhältnis zu ihrer Mutter aufgebaut – bis diese vor einigen Jahren ganz unerwartet an Krebs gestorben war. An diesem einschneidenden Erlebnis war die Frau damals fast zerbrochen, und sie hatte lange gebraucht, um sich wieder halbwegs davon zu erholen.
Aber eines war ihr seitdem geblieben: der verzweifelte Wunsch nach einer eigenen Familie, um endlich nicht mehr alleine sein zu müssen.
»Woran denkst du?«, fragte Hannah mit besorgtem Gesichtsausdruck. Sie hatte gemerkt, wie die Grübeleien ihrer Freundin sich in eine negative Richtung bewegten, und wollte diese nun unbedingt wieder aufheitern. Sie kannte Freyas Familiengeschichte und wusste genau, wie verzweifelt sie sich ein eigenes Kind wünschte – auch wenn sie es nicht immer so ganz nachvollziehen konnte.
Im Gegensatz zu Freya war es Hannah wichtig, unabhängig von einem Mann zu sein, und sie konnte gut damit leben, Single zu bleiben. Sie war der Meinung, dass der Richtige schon ihren Weg kreuzen würde, wenn es so vorherbestimmt war. Bis dahin wollte sie ihr Leben einfach genießen.
»Ach, an gar nichts«, winkte Freya schnell ab und rang sich ein Lächeln ab. Zur Verdeutlichung bestellte sie sich gleich noch einen Cocktail und gab sich alle Mühe, den Mädelsabend zu genießen.
Trotzdem war sie heilfroh, als sie ein paar Stunden später endlich in ihre eigenen vier Wände zurückkehren und sich ihrer Melancholie hingeben konnte.
Die Stille, die sie in ihrem Haus empfing, wirkte erdrückend und ließ sie sogleich nach draußen in ihren kleinen Garten flüchten. Hier konnte sie in Ruhe durchatmen und wieder einen klaren Kopf kriegen.
Sie konnte sich noch genau daran erinnern, wie sie die hölzernen Sichtschutzelemente an einem schweißtreibenden Nachmittag ganz alleine aufgestellt und verschraubt hatte. Auch die Büsche hatte sie alle selbst gepflanzt.
Die Nacht war ruhig; bis auf das Zirpen der Grillen war nichts zu hören. Ihre Solar-Lichterketten tauchten den Garten in ein romantisches Licht.
Seufzend ließ sie sich auf einen der Liegestühle sinken. Wie sollte sie denn jemals ihrem großen Traum einer eigenen Familie näher kommen, wenn sie keine Beziehung länger als ein paar Monate aufrechterhalten konnte? Sie war einige Jahre lang relativ gelassen geblieben, aber mit achtunddreißig Jahren war sie nun für das, was sie vorhatte, nicht mehr unbedingt die Jüngste, und die Zeit lief ihr allmählich davon.
Die Tatsache, dass ihr großes Glück von einem Mann abhängig war, stieß ihr sauer auf. In allen anderen Bereichen ihres Lebens war sie eine starke, unabhängige Frau, aber wenn es darum ging, ein Baby zu bekommen, sollte sie geduldig darauf warten, bis ein Prachtexemplar ihren Weg kreuzte, das sich gnädigerweise dafür zur Verfügung stellte, sie zu schwängern?
Das war nicht fair, und nur, weil es der Norm entsprach, hieß es noch lange nicht, dass sie es auch auf diese Weise machen musste. Es gab immer eine Alternative, auch dafür.
Langsam keimte eine Idee in ihr auf ...
♥♥♥
»Hallo, Boss«, wurde sie am Montagmorgen von einer gut gelaunten Hannah begrüßt. Wie konnte die Frau nur um diese Uhrzeit schon mit der Sonne um die Wette strahlen?
Ihre Freundin war auch gleichzeitig ihre beste Mitarbeiterin im Fitnesszentrum und bot diverse Cardio-Workouts an, die bei ihrer Zielgruppe gut ankamen. Freya selbst unterrichtete Yoga und Zumba. Zusätzlich nahm sie auch hin und wieder vereinzelte Personal-Training-Anfragen an, wenn ihr danach war.
»Guten Morgen, Hannah! Was steht denn heute auf dem Programm?«, fragte sie neugierig und sah gleichzeitig ihren eigenen Kalender durch. Sofort klickte ihre Mitarbeiterin auf dem Computer herum und hatte in Windeseile sämtliche Termine des Tages aufgerufen.
»Annette kommt gleich zu ihrer persönlichen Trainingsstunde mit dir vorbei, und um zehn Uhr hast du deinen Anfängerkurs für Yoga. Mittags hast du frei, der nächste Termin ist erst um fünfzehn Uhr.«
Erleichtert stellte Freya fest, dass sie ausnahmsweise einen eher ruhigen Arbeitstag vor sich hatte.
»Das trifft sich gut! Wie wär's, wollen wir uns mit Tom zum Mittagessen verabreden?«, schlug sie vor und sah sich in Gedanken schon genüsslich den köstlichen 1955er-Burger des amerikanisch angehauchten Hudson-Diners verspeisen.
»Gute Idee«, stimmte Hannah sofort begeistert zu.
Tom arbeitete in der Kanzlei nebenan und brachte ihnen regelmäßig Kaffee vorbei, seit Freya das Studio angemietet hatte. Daraus hatte sich über die Jahre eine solide Freundschaft entwickelt. Sie unternahmen regelmäßig etwas zu dritt und hatten stets eine Menge Spaß zusammen.
»Organisierst du uns einen Tisch im Diner und informierst Tom?«, bat Freya, denn sie musste sich langsam für die bevorstehende Stunde vorbereiten.
»So gut wie erledigt«, kam es wie aus der Pistole geschossen aus Hannahs Richtung. Sie warf ihr dunkles Haar über die Schulter und hob den Hörer ab, um die Reservierung zu tätigen.
Annette war mittlerweile eingetroffen – wie immer gut gelaunt und fest entschlossen, endlich ihren hartnäckigen Hüftspeck zu verlieren.
Immer weiter kämpfte sie sich verbissen durch die Trainingseinheit, selbst dann, als sie schon ächzte und das dringende Bedürfnis verspürte, das Handtuch zu werfen. Solche Kundinnen waren Freya am liebsten, denn zusätzlich zum Training auch noch Motivatorin zu spielen, das war noch nie ihr Ding gewesen.
Die Frau hatte Glück, denn auch der restliche Vormittag gestaltete sich äußerst angenehm und verging wie im Flug. Gut gelaunt saß sie pünktlich um halb zwölf im Hudson-Diner und plauderte angeregt mit ihren Freunden. Tom erzählte aufgebracht von seiner missglückten Verabredung, die er über eine Dating-App arrangiert hatte.
»Glaubt niemals das, was diese Leute schreiben – und schon gar nicht dem Profilbild«, grummelte er missmutig vor sich hin.
»Es war also so schlimm, ja?«, gluckste Hannah und gab sich keine besonders große Mühe, ihre Schadenfreude zu verbergen. Normalerweise war sie es nämlich, die bei ihren Verabredungen ständig Pech hatte.
»Ach, wisst ihr was, ich will gar nicht weiter darüber reden ... Freya, was gibt es denn bei dir so Neues? Hast du in letzter Zeit wieder einem armen Kerl das Herz gebrochen?«, scherzte Tom und war erstaunt, dass seine Freundin bei diesem unbedachten Kommentar merklich zusammenzuckte.
»Nein, es gibt absolut überhaupt nichts zu berichten, was mein Privatleben betrifft. Ich schaffe es einfach nicht, eine Beziehung lange genug am Laufen zu halten, damit es endlich mal richtig ernsthaft wird. Irgendetwas stimmt wohl nicht mit mir.«
Hannah nahm mitfühlend Freyas Hand.
»Hey ... Dein Traummann wartet auf dich, irgendwo da draußen. Du wirst schon sehen!«
»Darauf kann ich mich aber nicht verlassen«, antwortete Freya seufzend. »Ich warte jetzt schon so lange darauf, dass endlich ein Wunder geschieht und ich meinen Seelenverwandten finde. Aber es soll wohl einfach nicht sein. Ich werde nicht jünger, wisst ihr, und ich denke, dass es langsam an der Zeit ist, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen.«
Diese Aussage löste ein synchrones Stirnrunzeln bei ihren beiden Freunden aus. Während sie die Information erst einmal sacken ließ, biss Freya in ihren leckeren Burger und genoss den Geschmack von rauchigem Burgerpatty gemischt mit glasierten Zwiebeln und Barbecue-Sauce. Wer auch immer dieses Gericht kreiert hatte, war ein wahrer Meister seiner Künste.
»Wie meinst du das? Was willst du selbst in die Hand nehmen?«, fragte Tom etwas begriffsstutzig.
Aber Hannah hatte längst verstanden und machte große Augen. Den Mund hatte sie zu einem tonlosen »Oh« geformt.
»Sie will ein Baby kriegen – und zwar ohne Mann!«, informierte sie den immer noch ahnungslosen Freund.
Tom kratzte sich fragend am Kopf.
»Hä? Habe ich was verpasst?«
Freya rollte genervt mit den Augen. Wie konnte man nur so schwer von Begriff sein? Es handelte sich schließlich nicht um ein neuartiges Verfahren, sondern war längst gängige Praxis.
»Ach, Herrgott noch mal ... Ich will mich künstlich befruchten lassen!« Da, sie hatte es laut ausgesprochen. Nun ging es ihr deutlich besser. Zwei Augenpaare starrten sie ungläubig an, und Tom schluckte schwer – mit einem solchen Geständnis hatte er ganz offensichtlich nicht gerechnet.
»Liebes, ich verstehe ja, dass du verzweifelt bist, wirklich! Aber das erscheint mir nun doch ein bisschen drastisch, meinst du nicht?« Er achtete sorgfältig darauf, dass er einen gewissen Sicherheitsabstand zu seiner Freundin einhielt, falls sie das plötzliche Bedürfnis verspüren sollte, ihm aufgrund seiner Bemerkung eins überzuziehen.
Freya schluckte einen weiteren Bissen hinunter und antwortete mit Bedacht.
»Seit Jahren rede ich mir nun ein, dass sich schon alles fügen wird und ich meinen Wunsch nach einer eigenen Familie erfüllt bekomme. Aber der Richtige taucht einfach nicht auf, und ich habe auch keinen Grund zu der Annahme, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Ich bin es einfach leid, untätig auf mein Glück zu warten. Und wenn ich ehrlich bin, dann habe ich auch gar keine Lust darauf, jetzt einen Mann in mein Leben zu lassen. In einer Beziehung ist jeder einzelne Tag ein Kampf darum, wer das Sagen hat. Alles muss ewig lange ausdiskutiert werden. Das ist mir einfach zu anstrengend.«
»Du sagst es«, stimmte Hannah ihr sofort zu. »Ohne Männer sind wir eindeutig besser dran. Anwesende natürlich ausgenommen«, fügte sie schnell hinzu, als sie Toms empörten Gesichtsausdruck bemerkte.
»Glaubst du, du kannst das wirklich schaffen?«, warf er ein, immer noch äußerst skeptisch. Den männerfeindlichen Kommentar ignorierte er vorerst. Normalerweise ließ er so etwas nicht auf sich sitzen.
Sie sah ihn zutiefst beleidigt an.
