Tom Prox 77 - George Berings - E-Book

Tom Prox 77 E-Book

George Berings

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Wasser - das ist die wichtigste Währung für jeden Rancher! Denn ohne Wasser können die riesigen Rinderherden nicht überleben. Umso mehr setzen die beiden die Groß-Rancher Carter und Fisher alles daran, in den Besitz der Ranch des verstorbenen Henry Lasher zu kommen, denn die hat einen Zugang zu frischem Wasser. Da der nächste Polizeiposten neunzig Meilen entfernt und keine Strafe zu fürchten ist, greifen die beiden zu jeder noch so gemeinen Schurkerei, um den jeweils anderen zu auszustechen. Aber als dann plötzlich auch noch ein rechtmäßiger Erbe des alten Lasher auftaucht, sieht sich Tom Prox sogar mit Mordplänen konfrontiert ...


Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 90

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Der Weg zum Gesetz ist weit

Vorschau

Kleines Wildwest-Lexikon

Aus dem Wilden Westen

Impressum

Der Weg zum Gesetz ist weit

Von Georg Berings

Wasser – das ist die wichtigste Währung für jeden Rancher! Ohne Wasser können die riesigen Rinderherden nicht überleben. Umso mehr setzen die beiden die Groß-Rancher Carter und Fisher alles daran, in den Besitz der Ranch des verstorbenen Henry Lasher zu kommen, denn die hat einen Zugang zu frischem Wasser. Da der nächste Polizeiposten neunzig Meilen entfernt und keine Strafe zu fürchten ist, greifen die beiden zu jeder noch so gemeinen Schurkerei, um den jeweils anderen auszustechen.

Doch die Situation droht zu eskalieren, als plötzlich ein Fremder auftaucht und behauptet, der angeblich rechtmäßige Erbe des alten Lasher zu sein. Tom Prox muss in die Geschehnisse eingreifen, damit nicht Blut statt Wasser auf der Ranch fließt ...

Ein junger Mann blieb vor dem Portal eines großen Geschäftshauses stehen. Er zog einen zerknitterten Brief aus der Tasche seines Rockes und verg‍lich die dort verzeichnete Adresse mit den vielen Schildern neben dem Portal. Endlich nickte er befriedigt, steckte das Papier ein und machte sich dann daran, den Lift zu besteigen. Die Kanzlei von Notar Morgan lag im zehnten Geschoss dieses Hauses.

Während der Fahrstuhl leise surrend emporschoss, überlegte der Mann wohl zum hundertsten Male, was dieser Mr. Morgan ihm wohl zu sagen haben würde.

»Wird wohl wieder 'ne Pleite werden«, brummte er vor sich hin. »Etwas Gutes ist es ganz bestimmt nicht.«

Mr. Morgan, ein Herr, der etwa zweieinhalb Zentner auf die Waage brachte, betrachtete den attraktiven Mann wohlwollend, als dieser einige Minuten später sein Office betrat.

»Nehmen Sie Platz, junger Freund«, bat er und deutete auf den Besucherstuhl. »Es wird etwas länger dauern.«

»Auch das noch«, stöhnte der Jüngling. »Habe nur drei Stunden Urlaub. Bis ich Sie gefunden hatte, waren bereits zwei herum.«

»Ihr Chef wird sowieso auf Sie verzichten müssen, Mr. Lasher«, erwiderte der Notar mit einem bedeutungsvollen Lächeln. »Ich nehme nicht an, dass Sie mein Angebot ausschlagen werden.«

»Und das wäre?« Lasher legte den Kopf schief. Um seinen Mund lag ein äußerst skeptischer Ausdruck.

»Ich habe Ihnen die Eröffnung zu machen, dass Ihr verstorbener Onkel Henry Lasher Ihnen seine Ranch vermacht hat. Allerdings gelangen Sie nur in den Besitz dieser Erbschaft, wenn Sie sich entschließen, die Ranch selbst zu bewirtschaften.«

Der junge Mann saß nach dieser Mitteilung einige Sekunden mit geöffnetem Mund da, was ihm einen nicht gerade intelligenten Gesichtsausdruck verlieh.

Endlich nickte Lasher langsam. »So beginnen in der Regel gewisse Unterhaltungsromane. Haben Sie vielleicht auch noch eine Frau auf Lager, die ich heiraten muss, um dann mit ihr ...«

»Genug!«, unterbrach ihn der Notar unwillig. »Die Sache ist doch bei Weitem zu ernst, und ich muss Sie bitten, keine üblen Scherze zu machen.«

Lasher kratzte sich etwas verlegen am Kopf und starrte einige saubere Löcher in die Gegend. Dann besann er sich und nickte ergeben.

Mr. Morgan verlas nun einige Schriftstücke, und seine monotone Stimme lud den jungen Lasher förmlich ein, eine Gedankenreise anzutreten. Er dachte an Mary, seine Freundin, sah sich Abschied nehmen von ihr und ...

»Nun, Mr. Lasher, wie denken Sie darüber?«

»Ähemm! Worüber? Ach so, ich soll also künftig eine Ranch übernehmen? Können Sie mir vielleicht auch sagen, Mr. Morgan, wie man das macht?«

»Tut mir leid, ich habe zwar reichlich oft mit Rindviechern zu tun, aber eine Ranch kann ich trotzdem nicht bewirtschaften.«

Der Notar sah sein Gegenüber anzüglich an. Es bestand kein Zweifel, wen er auch zu den besagten Rindviechern zählte.

»Und wenn ich diese verdammte Ranch nicht übernehme? Ich meine, man könnte doch den ganzen Krempel verkaufen ...«

»Nein, das können Sie eben nicht! Ich habe es Ihnen doch deutlich genug vorgelesen.«

»Vorgelesen? Ach so – ja. Na, dann muss ich wohl Rancher werden. Lohnt sich das überhaupt? Wie groß ist denn der Acker?«

»Lieber Himmel!« Morgan warf verzweifelte Blicke in Richtung Zimmerdecke. »Es ist kein Acker, sondern es handelt sich immerhin um zweihundert Quadratmeilen.«

»So was gibt es ja gar nicht«, brummte Lasher grinsend. »So viel Land kann ein einziger Mann niemals bewirtschaften!«

»Machen Sie mich nicht wahnsinnig.« Morgan schrie jetzt erbost. »Hier steht es schwarz auf weiß und damit basta! Wollen Sie nun – oder wollen Sie nicht?«

»Ja, was soll man machen ...« Lasher seufzte. »Man kann nicht an seinem Unglück vorbei! Ein Unglück ist es auf jeden Fall. Wenn ich nur wüsste, wie man eine Ranch bewirtschaftet.«

»Fahren Sie nach Arizona, Mann! Alles Weitere wird sich dort finden.«

»Kein Geld dazu, verehrter Mr. Morgan. Ich könnte mir noch nicht mal eine Fahrkarte nach Cromwell kaufen, und das sind nur dreißig Meilen mit dem Bummelzug.«

»Ihnen stehen fünfzigtausend Dollar zur Verfügung. Mit diesem Geld sollen Sie die Ranch erst wieder aufbauen.«

»Auch das noch!« Lasher wäre beinahe vom Stuhl gefallen. »Was heißt hier ,aufbauen'? Steht denn der Laden nicht mehr?«

»Das weiß ich nicht. Sie müssen sich schon selbst überzeugen.«

»Wenn das so ist – ansehen kann man es sich ja mal.«

Der junge Mann unterschrieb einige Papiere, die ihn als neuen Besitzer der Ranch auswiesen, und verließ dann kopfschüttelnd den Ort seines großen Glückes.

»Was soll man davon halten, Chef?«, wollte der lange Snuffy Patterson wissen. »Hat man schon so etwas gesehen? Ist doch eine wahre Schande – oder?«

»Auf jeden Fall ist es reichlich merkwürdig«, gab Tom Prox ihm Recht. »Ein so schöner Besitz – und so verkommen!«

Die von der Ghost Squad zügelten ihre Pferde vor einem großen, zweistöckigen Ranchhaus. Der Bau war ringsum von einer Veranda umgeben, deren Stützpfosten verfault und die Dielen morsch waren, während im Dach große Löcher klafften. Auch waren die Fensterscheiben des Hauses zerbrochen, und die Tür hing schief in den Angeln.

»In den öden Fensterhöhlen wohnt das Grauen«, deklamierte Snuffy Patterson kopfschüttelnd. »Ich wittere eine kleine Sensation, Tom.«

Die Ghosts ritten näher heran, banden die Pferde an einen einsam im Hof stehenden Baum und betraten die Veranda. Der Lange brach nach zwei Schritten durch die Dielen und sah jetzt beinahe aus wie ein Vorgartenzwerg.

»Noch viel morscher als meine Knochen«, brummte er unwillig. »Ich werde gleich mal ein Schild mit der Aufschrift ,Vorsicht – Lebensgefahr' anbringen.«

Tom half ihm wieder auf die Beine, dann traten sie vorsichtig durch die Tür. Ein dumpfer Modergeruch schlug ihnen entgegen. Hier war wirklich auch alles verfault. Ein totes Haus, gestorben, seit seine Bewohner es verlassen hatten.

»Solche Häuser machen mich emotional«, sagte Snuffy. »Sie atmen Tradition. Kannst du dir ein Bild machen, Tom, wie es einmal hier zugegangen sein muss? Rauschende Feste ... großes Leid ...?«

»Sehr schön gesagt, old fellow«, unterbrach Tom die geistigen Ergüsse seines Sergeanten. »Mich interessiert viel mehr, warum sich kein Mensch um diesen Besitz kümmert.«

Die Männer begaben sich wieder ins Freie. Die Dämmerung breitete ihren grauen Mantel über das Land. Tom schlug vor, im Hof zu übernachten. Snuffy war damit sehr einverstanden. Schließlich konnte man ja nicht wissen, ob in dem alten Haus Gespenster umgingen.

Tom zündete ein Feuer an, während der Lange Wasser holte. Eine Viertelstunde später tranken sie Tee und ließen sich Speckbrote munden.

»Wie heißt der nächste Ort, Tom?«

»Powder City, rund zwanzig Meilen von hier.«

Patterson brummte unverständliches Zeug vor sich hin. Tom musste lächeln, schließlich kannte er seinen Snuffy. Der sehnte sich nach einem Glas Whisky – oder zumindest nach einer Flasche Bier.

Als es dunkel geworden war, legten sie sich nieder. Snuffy zog den Hut über das Gesicht und ließ nach drei Minuten lautes Schnarchen ertönen. Auch Tom schlief bald ein. Sie hatten einen langen Ritt hinter sich.

Als Patterson den Kopf hob, merkte er sofort, dass Tom bereits gespannt lauschte.

Noch war es Nacht. Ein lauer Wind kam vom Süden. Hatte der die Geräusche verursacht? Da war es wieder ... ein Knarren, als ginge einer im Hause über die morschen Bretter!

»Gespenster!«, hauchte der Lange. »Habe es ja gleich geahnt.«

Tom verzichtete darauf, seinem Sergeanten eine passende Antwort zu geben. Allerdings blieb auch ihm im nächsten Augenblick die Sprache weg. Auf der Veranda erschien eine Gestalt, nur undeutlich erkennbar, dennoch deutlich genug, den Männern von der Ghost Squad zu verraten, dass es sich um einen Mann handelte. Einen alten Mann in gebückter Haltung.

Bevor die Ghosts dazu kamen, den Mann anzurufen, war dieser verschwunden. Schon wollte Patterson aufspringen, aber Tom hielt ihn zurück.

»Langsam, old fellow«, wisperte er. »Das könnte eine Falle sein.«

Sie warteten eine Zeit, aber im Hause rührte sich nichts mehr. Eine halbe Stunde suchten sie, fanden aber weder Spuren noch sonst irgendwelche Anzeichen dafür, dass hier noch jemand wohnte.

»Werden bis morgen warten«, meinte Tom endlich. »In der Nacht sind alle Katzen grau.«

»Also doch Gespenster!«, brabbelte Patterson. »Sag, was du willst, das ging eben nicht mit rechten Dingen zu.«

Sie legten sich wieder hin. Warum sollten sich Geister vor ihresgleichen fürchten?

Als es hell wurde, trieben die Cowboys das Vieh gen Westen. Die Tiere brüllten vor Durst, reckten die Nüstern weit vor, als ob sie bereits Wasser wittern würden. Die Boys hatten wenig Arbeit mit den Tieren, die vom Durst getrieben wurden, der die armen Kreaturen seit Tagen quälte. Die Wasserläufe waren in der Gluthitze dieses mörderischen Sommers eingetrocknet.

»Noch vier Meilen, Slim«, rief der alte Connor seinem Nachbarn zu. »Es wird verdammt Zeit, dass wir Wasser finden, wenn uns kein Rind verrecken soll.«

Der Angesprochene gab keine Antwort. Wozu auch? Old Connor hatte auch keine erwartet, es war eben nur eine Feststellung gewesen.

Das Land dehnte sich in weiten Wellen vor ihnen aus. Ein erstarrter Ozean mit haushoher Dünung. Man war immer neugierig, wenn man so einen Wellenkamm erreicht hatte, was wohl dahinter liegen mochte. Und dann war es immer dasselbe Bild: Unendliche Prärie – kein Baum – kein Strauch!

Die Sonne stieg am Horizont wie ein Feuerball empor. Wieder einer dieser sengenden Tage ohne Regen, ohne eine schattenspendende Wolke. Nur stahlblauer Himmel, flirrend und flimmernd.

Das Vieh schleppte sich brüllend und schnaubend vorwärts. Die fünf Boys schluckten den Staub, der ihnen in Nase, Mund und Augen kroch. Sie bissen aber die Zähne zusammen und fluchten lautlos, da ihnen schon lange die Spucke fehlte.

Wieder eine Bodenwelle, wieder der neugierige, suchende Blick in die Ferne.

Endlich! Old Connor und seine Männer atmeten auf. In der Mulde vor ihnen standen einige Büsche, durch die Wasser glitzerte. Geschafft! Es war die einzige Tränke im Umkreis von zwanzig Meilen. Der einzige Wasserlauf, der dieser Trockenheit standgehalten hatte.

Die Herde breitete sich am Ufer aus. Die ersten Tiere trotteten in das seichte Wasser, gierig den Kopf senkend. Old Connor und seine Männer waren auf dem Kamm der Bodenwelle geblieben. Der Alte löste die Flasche vom Sattelknopf. Jetzt konnte man getrost einen kräftigen Schluck nehmen.