Tom Prox 92 - George Berings - E-Book

Tom Prox 92 E-Book

George Berings

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Beschreibung

Großeinsatz für die Ghost Squad! In kurzer Zeit geschehen an verschiedenen Orten im Staatendreieck von Kalifornien, Nevada und Arizona brutale Morde. Einem der Opfer, dem Deputy Sheriff von Quartzsite, wurde gar mit einem Stein der Schädel zertrümmert.
Als Tom Prox erfährt, dass der Deputy den Schwerverbrecher James Plague überführen sollte, vermutet er eine Verbindung zwischen Plague und den weiteren Morden. Dann aber muss der Ghostchef erkennen, dass die Entfernungen zwischen den Tatorten zu groß sind, als dass ein und derselbe Täter infrage kommen würde.
Daher versuchen Prox, sein Sergeant Snuffy Patterson, Jan de Boer, das jüngste Mitglied der Ghosts, sowie die Special-Agentin Ruby Long nun die Fälle unabhängig voneinander zu lösen. Schon bald aber geraten alle vier, jeder auf sich allein gestellt, in höchste Lebensgefahr ...


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Seitenzahl: 163

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Spielplatz des Teufels

Vorschau

Kleines Wildwest-Lexikon

Aus dem Wilden Westen

Impressum

Spielplatzdes Teufels

Von George Berings

Großeinsatz für die Ghost Squad! In kurzer Zeit geschehen an verschiedenen Orten im Staatendreieck von Kalifornien, Nevada und Arizona brutale Morde. Einem der Opfer, dem Deputy Sheriff von Quartzsite, wurde gar mit einem Stein der Schädel zertrümmert.

Als Tom Prox erfährt, dass der Deputy den Schwerverbrecher James Plague überführen sollte, vermutet er eine Verbindung zwischen Plague und den weiteren Morden. Dann aber muss der Ghostchef erkennen, dass die Entfernungen zwischen den Tatorten zu groß sind, als dass ein und derselbe Täter infrage kommen würde.

Daher versuchen Prox, sein Sergeant Snuffy Patterson, Jan de Boer, das jüngste Mitglied der Ghosts, sowie die Special-Agentin Ruby Long nun die Fälle unabhängig voneinander zu lösen. Schon bald aber geraten alle vier, jeder auf sich allein gestellt, in Lebensgefahr ...

Ein Mann, aus dem Süden kommend, ritt auf die Grenze zu. Er hatte im Morgengrauen den New Water Pass überschritten und kam so auf den Weg, der von Quartzsite nach Neighbours führt. Sein Pferd hatte, als die Sterne verblassten, schon den gewaltigen Anstieg von Alamo Springs hinter sich und war müde. Es ließ den Kopf hängen und schnaubte missbilligend.

Der Reiter wusste, dass er seiner Stute eigentlich nur trostreich zuzusprechen brauchte, um ihr wieder Mut zu geben. Aber diesmal irrte er. Das kluge Tier musste etwas gewittert haben.

Die ganze Gegend war hier mit Geröll bedeckt und von einem Weg konnte kaum die Rede sein. Aber dann – sie waren ungefähr hundert Yards weitergeritten –, blieb Susy wie angewurzelt stehen. Unmittelbar vor ihnen lag, durch einen Stein halb verdeckt, eine leblose Gestalt.

Der Reiter war sofort aus dem Sattel. Sichernd blieb er einen Augenblick stehen. Dann ging er heran. Er erkannte sofort, dass man den Armen erschlagen hatte. Der Stein, den man als Mordwaffe benutzt, lag noch da.

Vorsichtig drehte der Mann den Toten um und sah sofort den Sheriffstern. »Deputy Sheriff« stand auf dem Metall. Es musste sich um einen ganz jungen Burschen handeln, der hier das Opfer eines Verbrechens geworden war. Er durchsuchte schnell die Taschen, aber das hatte vor ihm wohl auch schon ein anderer besorgt – es war nichts mehr in den Taschen zu finden.

»Armer Junge, hast sicher bis zum letzten Atem deine Pflicht getan«, sagte der Mann vor sich hin, erhob sich und sichtete die Spuren.

Da waren zwei Reiter aus östlicher Richtung gekommen und hatten hier eine Pause gemacht. Der eine hatte auf dem großen Stein gesessen. Mit den Füßen hatte er den Stein, der als Mordwerkzeug gedient hatte, losgescharrt. Warum aber mit den Füßen? Der Mörder war dann in westlicher Richtung weitergeritten. Das zweite Pferd hatte er mitgenommen.

War es ratsam, die Verfolgung aufzunehmen? Oder sollte er nach Osten zurückreiten und in der nächsten Stadt den Sheriff unterrichten? Schließlich musste der Junge ja begraben werden. Außerdem bestand die Möglichkeit, dort über die Person des Mörders etwas zu erfahren, was eine Verfolgung vielleicht erleichtern würde.

Er legte den Toten vor sich auf den Sattel und machte sich unverzüglich auf den Weg; seine arme Stute sollte während der nächsten zwei Stunden nichts zu lachen haben.

Gegen Mittag tauchten die Häuser von Quartzsite auf. Sheriff Flipps stand schon auf dem Vorbau seines Office. Er war ein großer, starkknochiger Kerl.

»He, Gent«, brüllte er sofort los. »Auf Sie habe ich gewartet! Seit zwanzig Jahren ist mir kein unangenehmerer Besuch über die Schwelle gekommen. Verdammt, wo haben Sie meinen Andie gefunden?«

»Langsam, Sheriff.« Der Fremde stieg aus dem Sattel und nahm den Toten vorsichtig auf den Arm. »Können uns gleich in aller Ruhe unterhalten. Sagen Sie mir aber erst, wo ich meine Last ablegen kann.«

»Kommen Sie herein, Gent«, knurrte der Sheriff.

Der andere gab keine Antwort. Er trat ins Office und legte den Toten auf eine Bank, während Flipp die Tür hinter sich schloss. Er blieb dann vor dem Toten stehen, nahm den Hut vom Kopf und hielt stumme Zwiesprache. Oder betete er sogar?

Der Fremde wartete geduldig. Endlich drehte sich Flipp um und musterte ihn von Kopf bis Fuß.

»Sie haben ihn also gefunden«, begann er dann heiser. »Wollen Sie mir erzählen, wie das zuging?«

»Gern, Sheriff. Kam über den New Water Pass und wollte zur Grenze. Plötzlich habe ich ihn vor mir liegen gesehen. Musste vor noch gar nicht langer Zeit geschehen sein, der Mord. Der Verbrecher hat sein Opfer mit einem Stein erschlagen.«

»So, mit einem Stein. Haben Sie Spuren vorgefunden, Gent?«

»Ja. Der Mörder ist in westlicher Richtung weitergeritten.«

»Das kann ich mir beinahe denken. Oder glaubten Sie, er würde zu mir zurückkehren und sagen: ,Da bin ich, lieber Flipp. Habe ihren Deputy erschlagen, jetzt nehmen Sie mich bitte fest!'«

»No, das glaube ich nicht, Sheriff. Aber vielleicht ist dafür ein anderer gekommen, der Sie fragt: Warum mussten Sie auch einen so blutjungen Burschen als Begleitung für einen gefährlichen Verbrecher losschicken?«

»Das ist meine Sache, Fremder, solche Fragen stehen Ihnen nicht zu!«

»Glauben Sie?« Der Mann zog einen Ausweis aus der Tasche und hielt ihn dem Sheriff unter die Nase.

Sheriff Flipp machte große Augen. Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn und wischte sich die Schweißtropfen ab und räusperte sich.

»Tja, wenn das so ist, Captain Prox, dann allerdings! Nun, Sie können in Quartzsite jedes Kind fragen. Ich konnte keinen besseren Mann schicken. Andie war noch jung, gewiss. Aber er war zuverlässig und gewissenhaft. Man konnte ihn nicht reinlegen. Nein, das konnte man nicht. Muss ein verdammter Zufall mitgespielt haben.« Sheriff Flipp schüttelte traurig den Kopf. Dann fuhr er plötzlich wütend auf: »Verdammter Schurke! Ich werde dich noch ein zweites Mal erwischen! Dann aber gnade dir Gott!«

»Von wem sprechen Sie?«, fragte Tom Prox. »Wer war der Mörder, der Ihnen ins Garn gegangen war?«

»James Plague!«

Der Ghost stieß einen leisen, langen Pfiff aus.

»Ausgerechnet!«, sagte er dann kopfschüttelnd. »Der gefährlichste Mann im Westen! Da hätte es kaum gereicht, wenn Sie fünf Mann abgestellt hätten. James Plague! Ein Teufel in Menschengestalt! Und solch eine Bestie schicken Sie mit einem Jungen durch die Gegend?«

»Aber ich habe doch nur das Beste gewollt! Glauben Sie mir, Mr. Prox, Andie war schon ein Kerl! Außerdem hat er so gebettelt, da konnte ich es ihm nicht abschlagen.«

Für Sheriff Flipp war Andie Cabot wie ein Sohn gewesen.

»Tja, jetzt können wir nichts mehr daran ändern«, sagte Tom traurig. »James Plague hat einen weiteren Mord auf dem Gewissen, und es wird Zeit, dass ich mich an die Verfolgung mache.«

»Sie?« Sheriff Flipp holte tief Luft. »Nein – ich!«

Der Ghostchef lächelte. »Sie bleiben besser in Ihrem Distrikt. Oder nehmen Sie an, der Mörder würde hier in der Gegend bleiben?«

»Verdammt!« Flipp lief böse im Office auf und ab. Tom konnte sich so ungefähr vorstellen, was dieser Koloss mit James Plague alles anstellen würde, wenn ...

»Hören Sie, ich glaube, die Sache liegt bei der Ghost Squad in den besten Händen«, meinte Tom deshalb.

»Okay, Captain, Sie werden das schon machen. Kann ich Ihnen sonst noch behilflich sein?«

»Ja. Lassen Sie mein Pferd versorgen und kochen Sie mir einen anständigen Kaffee. Ich habe einen weiten Weg hinter mir und einen noch viel weiteren vor mir.«

Als die Nacht hereinbrach, hatte Tom Prox die Dome Rock Mountains bereits erreicht. Seit sechs Stunden ritt er auf der Spur des Verbrechers. Er wusste, dass es schwer werden würde, einen James Plague aufzustöbern. Der Mann kannte alle Tricks, um sich zu schützen.

Die Berge wuchsen riesenhaft in den sternenübersäten Nachthimmel. Der Weg wurde von Stunde zu Stunde beschwerlicher. Gegen Mitternacht verhielt Tom Prox am Eingang einer Schlucht, durch die sich ein kleines Gewässer schlängelte.

Hier endete die Spur. Plague war im Wasserlauf weitergeritten! Wo aber hatte er ihn wieder verlassen? Unmöglich, das in der Nacht festzustellen. Tom musste warten, bis die Sonne aufging, wenn das auch wertvolle Zeit kostete.

»Pech gehabt, Susy, alle Mühe und alle Strapazen waren umsonst. Er hat jetzt einen Vorsprung, den wir nicht mehr einholen können.«

Die Stute stand mit vorgeschobener Schnauze, die Ohren steil aufgerichtet und nahm Witterung. Tom beobachtete sie genau. Da war doch was? Er kannte doch die Angewohnheiten seiner treuen Begleiterin!

Und dann hörte er es selbst. Ganz fein klang durch das Rauschen des Wassers das Schnauben eines Pferdes. Ja, die Luft roch nach Rauch. Das konnte nur Plague sein! Der Mann hatte sich in der Schlucht niedergelassen und konnte hier jeden Verfolger rechtzeitig bemerken und, wenn es sein musste, auch unschädlich machen.

Tom fühlte sich plötzlich unbehaglich. Bildete er auf dem Platz nicht eine wundervolle Zielscheibe? Schnell brachte er sich und sein Pferd in Deckung, nahm das Nachtglas zur Hand und beobachtete aufmerksam die Gegend.

Geräuschlos setzte er sich in Bewegung. Er hielt sich ganz dicht an der Felswand und ließ sich viel Zeit. Immer wieder lauschte er angespannt. Er musste doch die Pferde bemerken! Tiere hatten eine feinere Nase, und Plagues Gäule würden bald Witterung aufnehmen.

Aber so viel Tom auch horchte, es blieb still. Nur das Wasser rauschte eintönig.

Er arbeitete sich weiter vor. Die Felswände standen hier sehr eng, kaum, dass man noch den Sternenhimmel sehen konnte. Die Dunkelheit nahm zu, je weiter er in die Schlucht eindrang. Nach fünfzehn Yards etwa sprang plötzlich eine Felsnase vor. Die Schlucht verengte sich hier zu einem Kamin. Tom Prox ahnte, was das zu bedeuten hatte. An dieser Stelle hatte sich der Verbrecher wohl eingenistet. Aber wo saß er?

Tom sprang auf und machte drei verwegene Sätze. Sein Fuß knickte um, er fand keinen Halt mehr und stürzte. Im gleichen Augenblick blitzte es vor ihm auf. Grollend brach sich der Donner des Schusses an den Wänden.

Der Ghostchef rutschte ab und stürzte ins Wasser, das an dieser Stelle ziemlich tief war. Es suchte sich hier den Weg durch den Kamin, wurde gestaut und schäumte in wilden Wirbeln auf. Tom Prox tauchte, um weiteren Schüssen zu entgehen. Die Strömung packte ihn, und sein Körper schoss durch den Felsspalt. Als er wieder Boden unter den Füßen verspürte, hatte er den Kamin hinter sich. Jetzt war er von Susy und seiner gesamten Ausrüstung getrennt.

Er zog sich auf einen Stein und verschnaufte. Warum musste auch das noch passieren? War denn dieser Plague mit dem Teufel im Bunde?

Er musterte die Felswand vor sich. Fast senkrecht stieg sie in die Höhe, würde aber doch zu erklettern zu sein. Also biss er auf die Zähne – und schaffte es! Er befand sich jetzt oben auf der Felsnase, die hier die Schlucht verengte. Auf der anderen Seite musste Plague auf der Lauer liegen.

Tom kroch bis zum jenseitigen Rand vor und spähte in die Tiefe. Werde ihn einfach auf mich aufmerksam machen, dachte er, er wird sich freuen, mich wiederzusehen.

Er nahm einen Stein und warf ihn in die Schlucht. Von unten kam sofort ein wilder Fluch, dann bellte ein Colt auf. Tom brachte rasch seinen Kopf in Deckung.

Na also, werde ihm gleich mal einen Besuch abstatten.

Jeden Augenblick musste er damit rechnen, von dem Verbrecher wieder unter Feuer genommen zu werden. Aber nichts geschah. Was hatte Plague vor? Tom dachte an seinen Colt, der durch den Sturz ins Wasser unbrauchbar geworden war. Dadurch hatte er wenig Chancen. So musste er versuchen, den anderen mit den Fäusten zu erledigen – wenn er überhaupt an ihn herankommen würde.

Jetzt hatte er den Abstieg bis auf wenige Yards hinter sich. Auf einem kleinen Felsvorsprung verschnaufte er. Wenn er doch nur etwas hätte sehen können! Wo steckte der Verbrecher nur?

In diesem Augenblick erklang ein zynisches Lachen, und Tom Prox sprang. Vor ihm blitzte das Mündungsfeuer des Gegners auf.

Der Verbrecher schrie laut auf. Hart prallten die Männer aufeinander. Plague war kein Schwächling, und sein Körper geschmeidig wie der einer Raubkatze. Tom spürte den harten Griff des Verbrechers, aber als er wieder Luft bekam, fuhr seine Faust wuchtig an die Schläfe des Gegners. Im selben Augenblick aber fühlte er einen bohrenden Schmerz im Rücken. Röchelnd brach er zusammen.

James Plague erhob sich taumelnd. Er stand auf schwankenden Füßen und keuchte schwer.

»Verdammter Hund, dachtest wohl, ein James Plague lässt sich so leicht fangen?«, schrie Plague voller Wut. »Kannst inzwischen den Teufel von mir grüßen!«

Im Osten wurde es gerade hell, als der Verbrecher seinen Weg durch die Schlucht fortsetzte.

Tom Prox erwachte, weil ein scharfer Geruch sein Unterbewusstsein erreicht hatte. Als er die Augen aufschlug, sah er über sich das Gesicht eines alten Indianers. Nanu? War er schon in die ewigen Jagdgründe eingegangen? Wo kam der Alte her?

»Was ist los, old Boy, wo bin ich hier?«

»In der Indian Reservation am Colorado River«, sagte der Alte mit gutturaler Stimme. »Der weiße Bruder hat sich verirrt?«

»So kann man es auch nennen. Wer hat mich gefunden?«

»Ich, der große Manitu hat es so gewollt. Du wärest sonst verblutet.«

»Ja, meine Wunde, was ist damit? Ich spüre nichts mehr.«

»Das ist gut«, lächelte der Indsman. »Mein Mittel hat also geholfen. Du wirst noch einige Tage liegen müssen, dann kannst du wieder reiten. Du hast Glück gehabt.«

»Einige Tage? Das geht aber nicht. Ich habe es sehr eilig, lieber Mann.«

»Wenn ich dich nicht gefunden hätte, könntest du nicht mehr eilen«, erwiderte der Alte. »Der Mann, den du verfolgst, entgeht dir nicht.«

»Woher weißt du, dass ich einen verfolge?«

»Ich fand deinen Ausweis. Dein Name ist mir nicht unbekannt.«

»Alle Wetter!«, knurrte Tom. »Wenn du sagst, ich müsse noch einige Tage liegen, will ich dir glauben. Kannst du eine Nachricht für mich überbringen?«

»Selbstverständlich. Mein Sohn wird das übernehmen.«

Die Wüste lag im Schein der untergehenden Sonne – verbranntes Land, totes Land. Eine graue, staubbedeckte Fläche ohne Leben. Überall Geröll, dazwischen vereinzelte Salbeistauden. Eine trostlose Gegend!

Zweihundertdreizehn Meilen waren es von Needles an der Grenze Arizonas bis Mojave, wo der gewaltige Ring der Tehachapi Mountains diesem toten Landstück ein Ende setzte. Die Sonne kroch langsam hinter den Kamm der Berge und färbte das Land rot. Jetzt wirkte es noch unheimlicher.

In der Ferne ragte ein Kegel auf. Unvermittelt stand er in der kahlen Landschaft, schwarz und drohend.

Cinder Cone, Aschenkegel!

Am Fuße dieses eigenartigen Gebildes lag eine kleine Farm. Hier hatte es jemand geschafft, aus Asche etwas wachsen zu lassen.

Vom Norden her näherte sich dem kleinen Blockhaus nun ein einzelner Reiter. Der Mann saß lässig im Sattel, und jeder seiner Bewegungen war anzumerken, dass er gewohnt war, mit den Gegebenheiten des Daseins fertig zu werden, obwohl er noch reichlich jung war. Sein Gesicht war rund und über und über mit Sommersprossen bedeckt. Eine Nase aber fehlte eigentlich ganz in diesem Gesicht. Das Wort Stupsnase war für dieses Gebilde kaum noch treffend. Der Bursche hatte Haare wie Stroh. Wie ungebändigte Halme stachen sie in die Gegend. Er war gewiss keine Schönheit, eher hässlich zu nennen.

Jetzt hielt der merkwürdige Knabe sein Pferd an und schnupperte in die Gegend. Auch der Gaul warf den Kopf hoch und nahm Witterung. Er schnaubte und ein nervöses Zucken lief über sein Fell.

Wenige Minuten darauf erreichte der Mann die kleine Behausung. Kein Zweifel, hier roch es nach Verwesung!

Der Boy rutschte aus dem Sattel und drang vorsichtig in das Haus ein. Sekunden später stand er vor der Leiche einer Frau. Der helle Lichtkegel der Lampe geisterte durch den Raum. Seine scharfen Augen erfassten sofort die Situation. Bevor er wieder Luft holen musste, hatte er alles gesehen, was es zu sehen gab. Er machte einen schnellen Satz ins Freie und sog erleichtert die Nachtluft ein.

»Teufel, das ist ja 'ne schöne Bescherung!«, knurrte er. »Und ausgerechnet ich muss das finden!«

Er leuchtete mit der Lampe rings herum den Boden ab. Viel gab es da nicht mehr zu sehen. Der heiße Wind hatte alle Spuren bereits verweht.

Der Boy warf den Zigarettenstummel weg und erhob sich. Er ging um das Haus herum. Da stieß er auf einen kleinen Stall. Auch die Ziege darin war verendet.

Plötzlich hatte er es sehr eilig. Mit einem Satz saß er im Sattel, und trotz der drückenden Schwüle hatte er nach kaum einer Stunde Essex erreicht.

Vor der Kneipe sprang er aus dem Sattel und nahm sich nicht einmal Zeit, das Pferd anzubinden. Er sauste durch die Pendeltür und schrie: »Einen Whisky, Keeper, aber dalli!«

Der Mann hinter der dreckigen Theke griff eine verschmierte Flasche und goss schleunigst ein. Er kannte die Burschen, die aus der Wüste kamen! Der Fremde trank vier Gläser hintereinander, warf dann einen Silberdollar auf den Tisch und knurrte: »Wer ist der Sheriff in dieser verteufelten Gegend?«

»Sheriff?« Der Keeper machte große Augen. »Was ist passiert, Gent?«

»Ich habe gefragt! Los, hab nicht viel Zeit!«

»Sheriff Power. Sein Office aber befindet sich in Lanfair, etwa fünfzehn Meilen von hier.«

»Auch das noch! Wie heißt der Farmer am Cinder Cone?«

»Jule Meyners. Verrückter Kerl, dieser Meyners.«

»Wieso?«, brummte der Fremde.

»Nennen Sie das etwa normal, Gent, mitten in der Wüste eine Farm aufzubauen? No, der Kerl hat sie nicht mehr alle beieinander! Seine Frau tut mir leid, 'ne stille ordentliche Frau. Und dann die Kinder, in der Hitze! Eine Schande so was!«

»Aber sonst ist er ein ehrlicher Kerl, was?«

»Das schon. Nur 'n schlechter Kunde von mir. Aber bei mir verkehren ja nicht gerade die soliden ...«

»Na, dann good night!« Der Fremde tippte an den Hut und verließ das Lokal.

Draußen blieb er einen Augenblick stehen und sah die Straße hinunter. Er überlegte, ob es überhaupt Zweck hatte, sich hier um Hilfe zu bemühen. Schließlich schwang er sich in den Sattel und ritt weiter.

Die Sterne verblassten bereits, als er endlich Lanfair vor sich hatte. Aus dem grauen Dunst des Morgens tauchten die wenigen Häuser auf.

»Noch so ein Drecknest«, stöhnte er. »Hier Sheriff sein und dann sterben ...!«

Mit geübtem Blick entdeckte er sofort das Office. Er ließ sich aus dem Sattel gleiten und stiefelte steifbeinig über den Vorbau. Im nächsten Augenblick hallten die dumpfen Schläge seines energischen Klopfens durch das Haus. Doch es rührte sich nichts.

Fünf Minuten lang klopfte er, dann gab er es auf. Er zog einen Patentschlüssel aus der Tasche und machte sich an dem Schloss zu schaffen. Nur wenige Sekunden dauerte es, und die Tür sprang mit leisem Knacken auf. Dann spazierte er durch das Haus. Der Sheriff lag angezogen im Bett und schnarchte entsetzlich. Der Boy hielt ihm die Lampe vor das Gesicht, aber das schien dem anderen nicht zu stören.

»Mach gefälligst das Licht aus«, brummte der nur und drehte sich auf die andere Seite.

Ohne lange zu überlegen, schnappte sich der Boy die Wasserkanne. Aber Sheriff Power war hart im Nehmen. Er fuhr nur mit der Hand unter der Decke hervor und schnaufte: »Verdammter Regen heute. Wo ist mein Schirm?«

Nein, so was! Wo gab es im Westen denn einen Sheriff, der einen Regenschirm benutzte? Langsam packte den Kleinen die Wut. Da wurde im Distrikt ein Verbrechen begangen, und der Hüter der Ordnung lag besoffen im Bett! Er zog seinen Colt und schoss in die Luft. Das half! Wie eine Natter hüpfte der Dicke auf die Füße und sah mitten in den Lichtstrahl einer starken Taschenlampe.

»Mord und Tod«, schrie Power. »Was ist denn los?«

Der Lichtstrahl schwenkte herum, und der Sheriff konnte jetzt wenigstens sehen. Sekunden später brannte die Petroleumlampe.

»Wie sind Sie hier hereingekommen?«, fragte er endlich. »Wie können Sie sich erlauben ...?«

»Schnauze!«, donnerte der kleine Mann.

Sheriff Power war über dessen kräftige Stimme so erschrocken, dass er seine Rede vergaß. Er verdrehte nur die Augen und stierte gegen die Zimmerdecke. Dann fragte er: »Wer sind Sie, dass Sie es wagen, einen Sheriff ...«