Tom Prox 84 - George Berings - E-Book

Tom Prox 84 E-Book

George Berings

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Beschreibung

Dass die Männer der Ghost Squad knochenharte Kerle sind, die so schnell nichts erschüttern kann, weiß jedes Kind. Eines aber sind selbst die Ghosts nicht - kugelfest. Diese bittere Erfahrung müssen Ben Closter und Snuffy Patterson machen, als sie auf der Jagd nach einem Verbrecher in eine Familientragödie und mitten hinein ein abgekartetes Spiel geraten, dessen Bösartigkeit sich erst allmählich erschließen wird. Als beide Sergeanten dann unabhängig voneinander in einen tödlichen Hinterhalt geraten, begeht selbst ihr sonst so handlungssicherer Captain Tom Prox einen schwerwiegenden Fehler ...


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Seitenzahl: 92

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Cover

DIE SCHATTEN VON FORT RENO

Vorschau

Kleines Wildwest-Lexikon

Aus dem Wilden Westen

Impressum

DIE SCHATTENVON FORT RENO

Von George Berings

Dass die Männer der Ghost Squad knochenharte Kerle sind, die so schnell nichts erschüttern kann, weiß jedes Kind. Eines aber sind selbst die Ghosts nicht – kugelfest.

Diese bittere Erfahrung müssen Ben Closter und Snuffy Patterson machen, als sie auf der Jagd nach einem Verbrecher in eine Familientragödie und mitten hinein ein abgekartetes Spiel geraten, dessen Bösartigkeit sich erst allmählich erschließen wird. Als beide Sergeanten dann unabhängig voneinander in einen tödlichen Hinterhalt geraten, begeht selbst ihr sonst so handlungssicherer Captain Tom Prox einen schwerwiegenden Fehler ...

Die Gegend von Sussex ist flach wie ein Brett, wenn man von den leichten Bodenerhebungen, die dieses Land wie die Dünung eines großen Meeres durchziehen, einmal absieht. Wenn man auf dem Kamm einer solchen Düne steht, hat man einen weiten Rundblick ins Land. Wie ein fruchtbarer Garten tut es sich vor einem auf. Wer hier Not leidet, ist ein Faulpelz, Trunkenbold oder notorischer Tagedieb.

Der gewaltige Powder River durchzieht mit seinen zahlreichen Nebenflüssen das Land und sorgt für die nötige Feuchtigkeit von Mutter Erde. Bei Sussex münden gleich vier Creeks in den Strom!

Kein Wunder, dass die Pioniere des Westens gerade hier eine Stadt gründeten. So wurde Sussex geschichtlicher Boden. Ganz in der Nähe findet man noch die Überreste von zwei Forts, deren Mauern von harten Kämpfen erzählen. Old Fort Reno und Fort Connor sind schließlich auch in die Geschichte eingegangen!

Zehn Meilen südlich von Sussex liegt der Ort Lynch. Die Bewohner behaupten zwar, nie etwas mit dem berüchtigten Richter dieses Namens zu tun gehabt zu haben; dennoch fällt auf, dass dreizehn der vierhundert Einwohner diesen Namen tragen.

Weitere zwanzig Meilen südlich liegt Midwest – auch ein herrliches Fleckchen Erde! In dieser Stadt kann man heute noch mit einem Gaul in die »gute Stube« des Saloons reiten, ohne gleich vom Sheriff ins Jail gesteckt zu werden.

Ja, im nördlichen Wyoming hat man Tradition! Ein Kerl, der auszieht, um so etwas wie Wildwestromantik zu erleben, der kann hier immer noch den Hals voll bekommen, wenn nicht gar eins auf die Nase!

In diesem Land betreibt man nach wie vor die Rinderzucht. Wo aber Rinder weiden, da gibt es Cowboys, und die haben harte Fäuste, einen gewaltigen Brand in der Kehle – und manchmal sogar ein Schießeisen an der Seite, mit dem sie verdammt gut umgehen können. Wegen der Rinderdiebe, versteht sich!

Ob allerdings jener Motely ein Rinderdieb gewesen war, ließ sich nicht genau beweisen. Er konnte keine Aussage in eigener Sache mehr machen, denn er war tot. Will Granger hatte ihn eines schönen Sonntagmorgens erschossen.

Natürlich gab es auf der Hauptstraße ein mächtiges Geschrei. Die Weiber hatten den Schuss gehört und bangten um ihr Leben. Sheriff Hunter, der gerade seinen Mittagsschlaf hielt, kam mächtig schnell auf die Beine. Noch im Laufen warf er sich den Gurt um die Hüfte und eilte durch die Schwingtür von Daveys Saloon.

Vor der Theke lag dieser Motely, das Hemd auf der Brust rot gefärbt. Hunter brauchte nicht erst zweimal hinzusehen, um zu wissen, dass der Kerl tot war.

Im Saloon befanden sich etwa zwanzig Männer. Sie standen ringsum an den Wänden wie Attrappen in einem Schaufenster. An der Theke lehnte lässig ein Mann: Will Granger. Er kippte gerade in aller Seelenruhe einen Whisky hinunter, dann spuckte er aus. Beinahe hätte er den Kopf des Leichnams getroffen.

»Geben Sie mir die Waffe, Granger!« Der Sheriff trat dicht an den jungen Mann heran und hielt die Hand auf.

»Warum?« Will Granger grinste höhnisch. »Es war einwandfrei Notwehr, Sheriff.«

»Das wird sich noch herausstellen. Zuerst mal die Waffe her! In Sussex ist das Tragen von Waffen verboten.«

»Ich bin froh, ein Schießeisen dabeigehabt zu haben, Sheriff. Wahrscheinlich wäre ich sonst jetzt ein toter Mann, hätte ich mich nicht verteidigen können. Da bringe ich einen Rinderdieb zur Strecke, nehme Ihnen die Arbeit ab und ...«

»Genug! Her mit dem Colt!« Sheriff Hunter wurde energisch.

»Gib ihm doch das Ding, Will«, flüsterte ihm der Keeper über die Theke zu. »Du kannst es dir ja wieder abholen.«

Granger gab nach. Gelassen schnallte er den Gurt ab, um ihn dem Sheriff vor die Füße zu werfen. Dann wandte er sich wieder seinem Glas zu.

Sheriff Hunter hob ruhig die Waffe auf. Er war ein älterer Mann, bückte sich aber dennoch vor dem Jüngeren. Wozu sollte er den Burschen noch mehr reizen? Nein, Hunter war darauf bedacht, Ordnung zu halten und dem Gesetz ein guter Diener zu sein.

»He, Davey, was ist hier vorgegangen?«, fragte er den Keeper.

»Hatten einen Wortwechsel, die beiden, Sheriff. Na, und schon knallte es.«

»Trug Motely eine Waffe?«

»Natürlich!«, schrie Granger wild dazwischen. »Glauben Sie, ich hätte auf ihn geschossen, wenn er keine getragen hätte? Ich bin doch kein Mörder!«

Das Verhör war schnell beendet. Motely hatte, nach Zeugenaussagen, tatsächlich einen Colt im Schulterholster getragen. Verdeckt also! Das war immerhin verdächtig. Er hatte auch eine schnelle Bewegung in den Ausschnitt seiner Jacke getan, die Waffe allerdings hatte er nicht mehr ziehen können. Sie steckte noch an ihrem Platz, als der Sheriff die Leiche untersuchte.

Zwei Reiter kamen von Norden. Bei Moorhead hatten sie die Grenze überschritten, waren dann dem Lauf des Powder River gefolgt, der schnurgerade von Norden nach Süden seinen Weg nahm. Kurz nach Mittag erreichten sie die Ruinen des alten Forts Reno.

»Eine schöne Geschichte, diese Geschichte«, erklärte der Lange elegisch. Er nickte dazu, was seinem Begleiter wohl mitteilen sollte, dass er die Geschichte dieses Landes gemeint hatte.

»Schatten, lieber Freund«, seufzte dieser und ließ seinen gedrungenen, etwas korpulenten Leib vom Gaul gleiten. »Hätten wir keine Vergangenheit, gäbe es auch keine malerischen Ruinen. Und ohne Ruinen keinen Schatten ...«

»Stopp!« Der andere fuhr wild mit der Hand durch die Luft. »Erspare mir bloß deinen geistreichen Sermon.«

»Donnerschlag, du machst dich, Langer! Ich habe gar nicht gewusst, dass du perfekt ausländisch sprichst.«

Der Dicke setzte sich schnaufend in den Schatten. Zuvor hatte er den Sattelgurt seines Reittieres gelöst und den Gaul mit einem leichten Schlag auf die Hinterhand auf die Weide geschickt.

»Hier können Familien Kaffee kochen«, verkündete der lange Sergeant der Ghost Squad. »Ich sehe da hinten einen Brunnen.«

Er löste den Wassersack vom Sattelknauf und latschte in den ehemaligen Innenhof des Forts. Ben Closter begann sich eine Zigarette zu drehen.

Er hatte gerade die letzten Züge geraucht, als sein Kollege zurückkam. Patterson warf den leeren Wassersack auf den Boden und hockte sich dann neben Ben.

»Kein Wasser?«, wollte dieser wissen.

»In dem Tei–i–ch – schwimmt eine Lei–i–ch'«, erklärte Snuffy mehr singend.

Sergeant Closter brummte ungehalten. Er hatte Durst und war für derartige Scherze nicht zu haben.

»Kein Scherz, old boy, es ist so, wie ich sage. In dem Brunnen liegt tatsächlich ein Toter!«

Ben stand auf und starrte den Langen verdutzt an. Sein Mund formte Worte, aber kein Laut kam ihm über die Lippen. Ihm blieb einfach die Luft weg. Dann wollte er zum Brunnen hinüber, aber der Freund hielt ihn zurück.

»Spar dir den Weg, Dicker. Ich habe mir alles angesehen, dir kann höchstens der Appetit vergehen. Wie wär's mit einem kräftigen Schluck Whisky?«

»Verstehe nicht, wie du so ruhig bleiben kannst? Da ist doch ein Verbrechen geschehen? Teufel, wir müssen sofort ...«

»Gar nichts müssen wir. Der Leichnam liegt mindestens schon ein halbes Jahr, wenn nicht länger, in dem Teich. Identifizierung ausgeschlossen, Spuren nicht zu finden. No, old friend, da setzen wir auf das falsche Pferd.«

»Wir müssen das trotzdem untersuchen«, erwiderte der Dicke. »Immerhin sind wir von der Ghost Squad und werden ...«

»... lange Ohren haben. Hier kann nur ein Zufall helfen. Willst du etwa behaupten, wir könnten einem Menschen heute noch beweisen, er habe den Toten in das Wasserloch geworfen?«

Ben Closter ließ sich wieder nieder. Er konnte sich Pattersons Argumenten nicht verschließen, holte eine flache Taschenflasche hervor und reichte sie dem Langen. Es war die Eiserne Ration, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Snuffy behielt seinen Schluck lange im Munde.

»Wie weit ist es noch bis zur nächsten Kneipe?«

»Na, schätze so an die zehn Meilen.« Patterson nahm noch einen winzigen Schluck.

»Wie heißt der Ort?«

»Sussex. Ziemlich öde. Zwei Kneipen, wenigstens vor sechs Jahren war es so. Vielleicht sind es jetzt auch vier?«

Patterson pfiff seinen Gaul herbei. »Na, dann wollen wir man mal.«

»Schreck, lass nach!«, brummte der Dicke. Als er endlich im Sattel saß, war Snuffy schon weit voraus.

Die Ranch hatte schon existiert, als die Forts am Ufer des Powder River erbaut wurden. Natürlich hatte damals noch nicht das gewaltige Herrenhaus auf dem Hügel gethront, und es hatte auch keine Stallungen, keine ausgedehnten Korrale, kein Bunkhaus gegeben.

Damals hatte sich eine kleine Blockhütte hinter dem Hügel geduckt, und ihr Besitzer, jener Sam Granger, hatte sich den Rothäuten gegenüber höllisch wehren müssen. Der Mann hatte dieses Land regelrecht erobert, und seine Nachkommen saßen jetzt auf diesem Grund und Boden wie kleine Könige.

Lee Granger, dem jetzigen Rancher, war das Erbe nicht nur in den Schoß gefallen. Auch er hatte noch mit dem Colt in der Faust kämpfen müssen, allerdings weniger gegen die Rothäute als gegen Abenteurer und zwielichtiges Gelichter, die den Pionieren des Westens auf dem Fuße folgten, um im Trüben zu fischen.

Es ging auf den Abend zu, als Sheriff Hunter das Tor erreichte. Die Sonne schickte schon ihre Strahlen schräg auf das Land. Ihr Gold fing sich in den Zweigen der niedrigen Bäume und malte flimmernde Kreise auf die ruhige Fläche des Fischteiches, der zur Ranch gehörte.

Der Weg vom Tor führte den Hügel hinauf. Eine Hecke trennte das Herrenhaus vom Wirtschaftshof. Die ganze Anlage war großzügig, überall zeigte sich, dass die Grangers reiche Leute waren, sogar steinreiche!

Sheriff Hunter ließ sein Pferd außerhalb der Abzäunung. Durch ein kleines Gatter betrat er den Garten und ging dann langsam den Weg zur Haupttür hinauf.

Lee Granger wartete auf der Veranda. Er hatte den Mann lange kommen sehen. Von seinem Hügel herab konnte er jeden Reiter auf drei Meilen ausmachen.

»Hallo, Sheriff!« Der Rancher tippte an den Hut. »Freut mich, Sie wieder mal auf der Granger-Ranch zu sehen.«

Die Männer setzten sich. Sie kannten sich seit Langem. In ihrer Jugendzeit hatten sie manches Ding zusammen gedreht. Jetzt tranken sie als alte Freunde einen Doppelten. Sheriff Hunter hatte noch kein Wort gesprochen.

»Gibt es Neuigkeiten?« Der Rancher hatte sich eine Pfeife angezündet und lehnte sich behaglich in seinen Sessel zurück. Er war ein untersetzter Mann, von dessen Bewegungen Kraft und Energie ausgingen. Mochte er auch schon die Fünfzig überschritten haben, er nahm es noch mit jedem Boy auf.

»Leider, ja.« Der Sheriff nickte ernst. »Handelt sich um Will. Verdammt, Granger, legen Sie ihn doch an die Kette!«

Rancher Granger lachte. Er war stolz auf seinen Sohn.

»Habe es schon versucht, Sheriff. Unmöglich, er ist wie ich. Erinnern Sie sich doch an die Zeit vor zwanzig Jahren!«

»Das waren andere Zeiten«, knurrte Hunter verbissen. »Heute ist es verboten, Waffen zu tragen.«

»Auf meinem Grund und Boden aber nicht, Sheriff. Wer will mir das verbieten?«