Tom Prox 91 - George Berings - E-Book

Tom Prox 91 E-Book

George Berings

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Beschreibung

Captain Tom Prox und Sergeant Snuffy Patterson sind auf der Jagd nach einer Katze. Selbstverständlich handelt es sich dabei aber nicht um ein Hauskätzchen, sondern um eine ausgewachsene Raubkatze, und zwar eine auf zwei Beinen.
"Die Katze", das ist ein mit allen Wassern gewaschener Räuber, der mit seiner Gang im Distrikt von Jacksonville seit Wochen Banken und Geldtransporte überfällt. Das Verblüffende: Stets sind Filialen und Transporte der Western Union Bank betroffen. Deren Direktor und Hauptaktionär ist Fred Carven, ein Mann, der keine Freunde und keine Nachbarn kennt, wenn es um harte Dollars geht. Wer sich in einer Notlage bei Carvens Bank Geld leihen muss, dann aber nicht auf den vereinbarten Tag genau zurückzahlen kann, der verliert Haus und Hof. Und manch einer gar sein Leben ...


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Seitenzahl: 153

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Befehl des Gewissens

Vorschau

Kleines Wildwest-Lexikon

Aus dem Wilden Westen

Impressum

Befehl des Gewissens

Von George Berings

Captain Tom Prox und Sergeant Snuffy Patterson sind auf der Jagd nach einer Katze. Selbstverständlich handelt es sich dabei aber nicht um ein Hauskätzchen, sondern um eine ausgewachsene Raubkatze, und zwar eine auf zwei Beinen.

»Die Katze«, das ist ein mit allen Wassern gewaschener Räuber, der mit seiner Gang im Distrikt von Jacksonville seit Wochen Banken und Geldtransporte überfällt. Das Verblüffende: Stets sind Filialen und Transporte der »Western Union Bank« betroffen. Deren Direktor ist Fred Carven, ein Mann, der keine Freunde und keine Nachbarn kennt, wenn es um harte Dollars geht. Wer sich in einer Notlage bei Carvens Bank Geld leihen muss, dann aber nicht auf den vereinbarten Tag genau zurückzahlen kann, der verliert Haus und Hof. Und manch einer gar sein Leben ...

Jacksonville träumte in der Mittagsruhe vor sich hin. Die wenigen staubbedeckten Straßen waren leer, und sogar die Hühner hatten sich in den Sand eingegraben und saßen so regungslos, dass man sie selbst auf drei Schritte kaum wahrnehmen konnte.

Das Städtchen dörrte in der Sonnenglut. Die kleinen Fenster der niedrigen Holzhäuser waren mit Tüchern verhangen, um der Hitze keinen Einlass zu gewähren. Die Sommerzeit am Rande der weiten Prärie brachte Bedingungen mit sich, wie man sie sonst nur noch in subtropischen Ländern kannte.

Vor dem Saloon standen zwei Pferde, die Köpfe tief gesenkt. Halblaute Stimmen wehten aus der Schenke in die glutflirrende Luft. Es hatte den Anschein, als würden die Laute sofort von der Hitze aufgesogen.

Im Saloon saß etwa ein halbes Dutzend Männer beisammen. Ihre Gesichter waren rot, je nach Temperament perlten Schweißtropfen auf Stirn und Nasen. Aller Augen aber hingen an den Lippen eines dürren Männchens, welches an der Theke lehnte und fast flüsternd einen Bericht erstattete, der die anderen erschaudern ließ.

»Und du hast es mit eigenen Augen gesehen, Wolters?«, ließ sich ein Mann, der unschwer als Metzger zu erkennen war, vernehmen.

»So ist es. Ich ließ mich gerade rasieren, als es losging. Nahm mir noch nicht mal Zeit, den Seifenschaum abzuwischen. Als der erste Schuss fiel, lag ich schon platt auf dem Bauch.«

»Wenn du auf dem Bauch gelegen hast«, wandte ein jüngerer Mann ein, »konntest du doch gar nicht alles sehen. Trotzdem aber behauptest du ...«

»Ich stand sofort wieder auf, als sie vorbeigeritten waren«, sprach der Dürre schnell weiter. »Da habe ich sie dann gesehen. Der Kerl trug wahrhaftig eine schwarze Maske, aus der grüne Katzenaugen leuchteten. Es sah fürchterlich aus.«

»Und dann?«

»Dann haben sie die Bank überfallen. In weniger als zehn Minuten war der ganze Zauber vorbei. Reckte irgendwo einer den Kopf, knallte es.«

»Wie viele waren es denn?«, wollte der Keeper wissen.

»Ich schätze zwanzig, können aber auch mehr gewesen sein.«

»Die Katze, die Katze geht um«, bemerkte ein alter Mann ehrfürchtig. »Und keiner kann diesen Verbrecher erwischen. Die Zeitungen stehen voll davon.«

»Sie haben siebzigtausend Dollar erbeutet«, sagte der Dürre langsam und betonte: »Sieb-zig-tausend!«

»Hübsches Sümmchen.« Der Keeper nickte. »Müsste eigentlich eine Weile reichen. Möchte wissen, was diese Gauner mit all dem Geld machen? Im vergangenen Monat waren es sechs Überfälle. Ich habe es mir genau gemerkt.«

»Wenn sie nach Jacksonville kommen, können sie etwas erleben«, knirschte der Jüngere. »Der Kassierer hat mir verraten, sie würden nicht mehr so einfach den Zaster herausrücken. Da würde es einen Kampf auf Biegen und Brechen ...«

»Ausgerechnet der«, spottete der Metzger. »Ausgerechnet Bill Porger! Sobald der erste Schuss fällt, sehe ich schwarz. Wir sollten uns rechtzeitig darauf vorbereiten.«

»Wie denn? Willst du etwa Posten aufstellen? No, da macht keiner mit. Wer möchte schon für ein paar lumpige Dollars sein Leben riskieren? Außerdem kann Carven den Verlust verschmerzen. Es gibt sogar Leute, die gönnen es ihm von Herzen ...«

»Ich ganz bestimmt«, sagte der alte Mann leise. »Mich hat er um alles gebracht. Mein Vater hat vierzig Jahre geschuftet, und ich habe nochmals dreißig darangesetzt. Aber nachher gehörte die Ranch doch dem Bankier. Carven ist ein Fuchs.«

»Banküberfall bleibt Banküberfall«, brummte der Keeper. »Egal, ob es nun Carven trifft oder einen anderen. Der Verbrecher muss gefasst werden!«

»Aber nicht von mir«, grunzte der Metzger. »Ich habe es lieber mit Rindviechern zu tun.«

»Sehr richtig! Wozu haben wir auch einen Marshal? Soll der doch den Verbrecher fangen. Ich bin ein braver Bürger und ...«

»Als Bürger tut man aber seine Pflicht!«, erklang eine strenge Stimme von der Tür her. »Wenn es gilt, dem Wohle der Gemeinde zu dienen, soll man sich nicht ausschließen.«

Alle fuhren herum. Man hatte den Marshal nicht kommen hören. Er trat an die Theke und bestellte sich ein Bier.

Marshal Deen war ein schwerer Mann. Sein beinahe eckiger Schädel mit dem massigen Kinn wirkte furchteinflößend, der struppige Bart auf der Oberlippe respektheischend.

Nachdem er getrunken hatte, fuhr er mit dem Handrücken über diesen Bart und wandte sich an die Männer: »Wieder mal die Katze, was? Na, da fällt euch gleich das Herz in die Hosen, was? Wenn der Gauner sich nach Jacksonville traut, soll er etwas erleben. Mit Marshal Deen kann man das nicht machen! Ich habe Vorbereitungen getroffen, über die er sich wundern wird! Aber er traut sich nicht her«, prahlte Deen selbstsicher. »Wenn er es sich zutraute, wäre er nämlich längst hier gewesen.«

»Wieso denn das?«, wollte der Jüngling neugierig wissen.

»Weil sich doch hier die größte Bank befindet. Ist der Hauptsitz der ,Western Union Bank Comp.' Alle anderen Banken sind nur Filialen. Aber hier in Jacksonville liegen in den Safes viel größere Summen. Heute Mittag erwarte ich wieder einen Transport ... na, ich will nicht aus der Schule plaudern. Allerhand Geld rollt an!«

»Und wenn die Katze den Transport doch überfällt, Marshal? Sie haben auch schon einen Eisenbahnüberfall riskiert.«

»Haben sie, Lasher, aber mit mir kann man solche Späße nun mal nicht riskieren. No, bei Marshal Deen kommt man mit solchen ...«

Der Hüter der Jacksonviller Ordnung unterbrach sich. Von Ferne drangen laute Rufe und das Getrappel von Pferdehufen zu ihnen. Die Anwesenden drängten zur Tür. In rascher Fahrt näherte sich ein Wagen, der von einer Eskorte bewaffneter Reiter begleitet wurde.

»Na also«, brummte Deen zufrieden. »Da ist er ja schon. Habe doch gleich gesagt, dass es die Katze bei mir nicht riskiert.«

Selbstgefällig verließ er den Saloon und schritt stolz zum Bankgebäude hinüber, wo gerade eine schwere Stahlkiste abgeladen wurde.

Die Männer auf dem Vorbau des Saloons sahen ihm bewundernd nach. Gut, dass man einen Marshal Deen hatte!

»Die Sache kommt mir eigentlich sehr ungelegen, lieber Freund Tom«, erklärte Sergeant Patterson ungehalten. »Konntest du wirklich keinen anderen Zeitpunkt wählen? Ausgerechnet, wenn ich mal eine hübsche Blondine am Handgelenk habe, wirst du dienstlich.«

»Liegt nicht an mir, old friend«, lachte der Ghostchef. »Du weißt, ich wollte selbst in Urlaub gehen. Der Oberst aber meinte ...«

»Wenn der schon etwas meint«, grunzte Patterson verdrießlich. »Kann mich nicht erinnern, dass die Meinungen dieses hohen Herrn jemals mit meinen übereinstimmten.«

Tom Prox gab darauf keine Antwort. Er kannte seinen langen Sergeanten ja wie seine Hosentasche. Der schimpfte immer, wenn es hieß, irgendwo einen Auftrag auszuführen. In Wirklichkeit aber war Snuffy heilfroh, denn nichts machte ihm mehr Kummer als die Langeweile. Bei ihm musste es ganz einfach rauschen im Karton!

Die beiden Ghosts ritten einen von tiefen Furchen durchzogenen Fahrweg entlang. Kümmerliche Bäume spendeten dürftigen Schatten. Die Gegend war sandig und ziemlich unfruchtbar. Nach Pattersons Meinung – die wohlgemerkt niemals mit der seines höchsten Vorgesetzten übereinstimmte –, war das eine »verdammt lausige Gegend«. Eine Schande, dem besten Sergeanten der Ghost Squad solche Wege zuzumuten.

Sie ritten fast schon zwei Stunden schweigend gen Norden. Das Landschaftsbild änderte sich nur wenig. Der Staub kroch ihnen, trotz der hochgebundenen Halstücher, in Nase und Augen. Die Hitze trieb ihnen den Schweiß aus den Poren. Sie hatten keinen trockenen Faden mehr am Leib.

Als sie den kleinen Bach erreichten, trat Patterson in den Streik.

»Bis hierher und nicht weiter, Chef!«, knurrte er »Schließlich bin ich kein Brathuhn. Auf dem Jahrmarkt in White Spring habe ich die Dinger gesehen. Drehten sich am Spieß und das Fett tropfte herunter ...«

»Schöner Vergleich, Snuffy. Waren die Dinger auch so zäh wie du?«

»Mein Pferd braucht eine Ruhepause, lieber Mann. Siehst du nicht, wie das Tier den Kopf hängen lässt. Ich sage dir, hier ist der Bahnhof, verstanden?«

»Sehe aber keinen Wartesaal.«

»Keine Ausflüchte, Chef.« Patterson rutschte mit steifen Knien aus dem Sattel. Er stakste wie eine Marionette zum Bach hinunter.

»Zwei Meilen weiter liegt eine Zwei-Kneipen-Stadt«, verkündete Prox lockend. »Eigentlich wollte ich dort Station machen. Aber wenn dir der Platz hier so gut gefällt, bitte ...«

Patterson hatte plötzlich keine steifen Knie mehr. Er war wie der Blitz wieder im Sattel.

»Warum hast du das nicht gleich gesagt? Könnten schon bald da sein. Zwei Kneipen, meinst du?«

Sie ritten weiter. Patterson hatte plötzlich sehr eilig und war immer drei Pferdelängen voraus. Endlich kamen einige Hütten in Sicht. Ein armseliges Nest, wie man sie in den Weiten des Westens überall antrifft. Man fragte sich, wie hier Menschen wohnen konnten.

Immer dieselbe Anordnung. Straße, Saloon, Generalstore und Schmiede, der Friedhof etwas abseits. Irgendwo stank ein großer Müllhaufen. Trotzdem erscheint einem müden Reiter so eine Stadt wie das Paradies.

»Hat nicht mal einen Namen, das Kaff«, stellte Patterson, der vergeblich nach einer Ortstafel Ausschau gehalten, fest. »He, Tom, du bist doch in Heimatkunde sehr bewandert. Erinnerst du dich nicht zufällig, was dein Herr Lehrer früher einmal über diese Stadt zu sagen wusste?«

»Schlicht und einfach Williamstown«, brummte Tom. »Weiß nicht, warum du das unbedingt wissen musst.«

»Für den Fall, das mir hier was Unangenehmes begegnet. Schließlich bin ich im Dienst. Die Nachwelt wird sich dafür interessieren, wo ihr bester Sergeant begraben liegt.«

Tom stieß einen gurgelnden Laut aus. Patterson kannte das, wenn der Chef langsam auf achtzig ging. Wer konnte dieses Geschwafel auch anhören, ohne einen Nervenzusammenbruch zu bekommen? Der Lange nannte es allerdings »die taktische Kunst, Quatsch zu reden«. Er behauptete sogar, sich und seinem Chef dadurch schon einige Male das Leben gerettet zu haben. Diese Behauptung war nicht ganz von der Hand zu weisen.

Inzwischen ritten sie durch die einzige Straße des Ortes. Patterson machte einen langen Hals, entdeckte aber nichts, was einen Anlass zu besonderer Freude gegeben hätte. Das Nest war wie ausgestorben. Lediglich das Schild »Saloon« weckte seine Lebensgeister wenigstens etwas.

»Führ dich nicht wie ein Policeman auf, Langer«, flüsterte Tom, als sie die Pferde an den Holm banden. »Du bist, was du immer warst: Cowboy!«

»Wieso denn das? Kann mich nicht erinnern ...«

Tom hörte schon nicht mehr hin. Er betrat bereits den Schankraum. Die Kneipe war ebenfalls leer. Außer dem Summen der Fliegen war nichts zu hören. Das änderte sich erst, als Patterson hereinstolperte. Er knallte seine Pranke auf den Schanktisch und grölte ein »Hallo, Wirtschaft« in die Gegend.

»Ein Benehmen hast du am Leib.«

»Wie ein Cowboy«, grinste Snuffy. »Jeder nach seiner Art.«

Ein alter Mann betrat den Raum durch die Haustür. Er musterte die Fremden argwöhnisch, kam dann langsam heran, um den Platz hinter der Theke einzunehmen. Sein Blick hing wie gebannt an den Colts der beiden Fremden.

»Na, Opa, Mittagsschläfchen gehalten?«, meinte Snuffy gönnerhaft. »Wie wär's mit einem tüchtigen Schluck aus der Pulle?«

»Hallo!« Der Mann schien nicht sehr gesprächig. »Whisky?«

Tom nickte. Der Alte schob Flasche und Gläser auf den Tisch. Sie tranken. Immer noch beobachtete der Alte sie scharf. Patterson drehte sich mit großer Sorgfalt eine Zigarette.

»Ziemlich ruhig heute, was?« Tom lächelte dem Alten freundlich zu.

»Yeah, ruhig.«

Damit war das Gespräch beendet. Anscheinend wollte der Alte nicht reden. Tom wusste auch, das sich dieser Mann nicht aushorchen ließ. Er gehörte zu der Sorte Männer, die ein langes, hartes Leben Schweigen gelehrt hatte.

Sie tranken noch zwei Gläser und dachten bereits an den Aufbruch, als ein Buckliger erschien. Tom hatte ihn schon draußen um die Pferde streichen gesehen. Ein noch junger Mann, dessen Körper furchtbar entstellt war. Auf dem schwachen, kleinen Körper pendelte ein viel zu großer Kopf, der in dem ausladenden Buckel wohl ein Gegengewicht fand.

Der Kerl machte einen heruntergekommenen Eindruck. Als er die Kneipe betrat, verfinsterte sich sofort das Gesicht des Alten.

»Verschwinde, Topps«, knurrte ihn der Keeper an.

»Ein Glas Whisky?«, fragte Tom schnell. Und zum Keeper gewandt: »Der Boy ist mein Gast. Ein Glas, bitte.«

»Danke, Gent.« Der Mann mit dem Buckel trank gierig. »Behandeln mich alle hier wie einen Hund. Werden sich aber noch wundern!«

»Wo stecken sie denn?«, wollte Tom ohne Übergang wissen.

»Posse! Haben mich aber nicht mitgenommen. Nehmen mich ja nie mit. Werden sich noch wundern.«

»Halt's Maul«, knurrte der Keeper.

»Er kann reden, so viel er will«, lächelte Tom freundlich. »Ich sagte doch, dass er mein Gast ist!«

Der Alte verschwand hinter einem Vorhang, von wo aus man leise Stimmen vernahm. Tom warf dem Langen einen bedeutungsvollen Blick zu. Patterson konzentrierte seine Aufmerksamkeit nun ganz auf diesen Vorhang.

»Wen suchen sie?«, wandte sich Tom an seinen Gast.

»Die Katze, Gent.« Der Mann lachte leise. Es klang verschlagen mit unverhohlenem Spott.

»Ist der Verbrecher hier schon aufgetaucht?«

»No, hier gibt es ja keine Bank. Aber in Longside. Siebzigtausend Dollars sollen sie erbeutet haben. Jetzt reitet der Sheriff durch die Gegend und sucht sie wie eine Nadel im Heuhaufen.«

»Und weshalb sind die Männer von Williamstown mit geritten?«

»Burt Lester hat behauptet, eine Spur gesehen zu haben. Eine feine Spur, Gent! Sie wollen sich die Belohnung verdienen. Fünftausend Dollar sind ausgesetzt.«

»Hands up!«, schrie plötzlich eine Stimme.

Als Tom sich umwandte, entdeckte er den Keeper in Begleitung eines jungen Burschen und einer Frau. Alle drei hielten Gewehre im Anschlag.

»Hands up!«, donnerte der Mann ein zweites Mal. Er schrie so laut, um sich wohl selbst Mut zu machen.

»Was soll der Unsinn, Mann?«, meinte Tom ganz ruhig.

»Ich habe den Verdacht, die Katze gefangen zu haben! Nehmt die Flossen hoch! Bei der kleinsten Bewegung knallt's!«

Tom hob die Hände. Er sah sich nach Patterson um. Der Lange war aber nicht mehr da. Sollte der wieder auf unerlaubten Pfaden wandeln?

»Wo ist der andere?«, schrie in diesem Augenblick der Alte. Auch er hatte erst jetzt gemerkt, dass der zweite das Feld geräumt hatte.

»Hinter Ihnen geht einer«, sprach Patterson mit geisterhafter Stimme. »Dreh dich ja nicht um, sonst knallt's!«

Der Alte war so verdattert, dass er im Moment die Richtung verlor. Zehn Sekunden später war der Scherz vorbei.

»Sie haben dieses Spielchen hinter dem Vorhang in der Küche ausgeheckt«, erklärte Snuffy. »Wollten sich fünftausend Blanke verdienen.«

»Ein feines Spielchen«, kicherte der Bucklige. »Mr. Tenner wollte mal besonders schlau sein.«

»Du wirst das büßen, Topps, wenn die Kerle weg sind«, knurrte der Alte.

»Soll ich sie in den Eiskeller sperren?«, wollte Snuffy wissen. »Ein solches Temperament muss man doch kühlen, Tom.«

»Unsinn, Langer. Komm, wir reiten.«

Der Ghostchef hatte von Williamstown die Nase voll. Er warf ein Geldstück auf den Tresen und verließ, gefolgt von dem Langen, die Kneipe.

»Hallo, Gent, wenn Sie die Katze sehen, bestellen Sie ihr einen Gruß von mir, ja?«, kicherte Topps, der auf dem Vorbau stand und ihnen nachwinkte. Sein Kichern ging aber sofort in ein Greinen über, als der Keeper ihm in den verlängerten Rücken trat.

»Seltsame Manieren«, knurrte Patterson. »Was hältst du davon? Sind die Leute hier denn von allen guten Geistern verlassen?«

»Angst, Snuffy, weiter nichts. In dieser Gegend treibt ein Verbrecher sein Unwesen, den sie ,die Katze' nennen.«

»Wieso denn das? Eine Katze ist doch weiblichen Geschlechts.«

»Wegen der Maske. Grüne, schillernde Katzenaugen. Soll fürchterlich aussehen.«

»Aha«, meinte Patterson mit einem gespielten Zittern in der Stimme. »Da habe ich aber ganz große Bange, Chef. Ich hoffe, wir sind nicht ausgesandt, diese Katze zu fangen?«

»Auch das, lieber Freund. Na, es wird dir bei deinem Umgang nicht schwerfallen.«

Snuffy fiel in ein langes Schweigen. Er versuchte zu ergründen, was das mit seinem Umgang zu tun hatte. Da er nicht darauf kam, kehrte er in die Wirklichkeit zurück, um sich bei Tom nach dem Verhalten des Buckligen zu erkundigen.

»Eine arme, getretene Kreatur«, antwortete der Ghostchef. »Ein harmloser Kerl, den jeder foppt und aufzieht.«

»Er weiß etwas, Tom. Lachte so schadenfroh. Ich verlasse mich da auf mein Gehör. Es war ein schadenfrohes Lachen.«

»Und wie deutest du dir das?« Tom sah seinen Sergeanten belustigt an. Patterson hatte seine eigene Art zu kombinieren.

»Er ist die Katze! Mehr sage ich nicht.«

»Fein. Wollen wir gleich nach Williamstown zurück, oder doch erst später?«

»Wenn's dunkel wird, Tom. Die Kleine in der Kneipe – übrigens ein sehr hübsches Mädchen –, ist anscheinend die Enkelin des Alten.«

»Und du meinst, sie wäre eine Katze?«

»Mit dir rede ich kein Wort mehr«, schnaufte Patterson. »Du nimmst mich ja nicht ernst.«

Sie ritten eine halbe Meile und der Lange brachte es tatsächlich fertig, kein Wort zu sagen. Dafür beschäftigte er sich ernsthaft mit dem Verbrecher, den man »die Katze« nannte.

»Eine dienstliche Frage, Tom«, kam es nach langer Zeit.

»Dienstlich? Aha. Du verkehrst also privat nicht mehr mit mir, was? Okay, was möchten Sie wissen, Sergeant Patterson?«

»Brauchst dir deswegen noch lange nicht die Zunge zu verrenken, Tom. Ich möchte gerne wissen, wie unser Auftrag genau lautet. Man sollte ja schließlich nicht unwissend in sein Verderben rennen, nicht wahr?«

»Im Distrikt um Jacksonville haben sich in den vergangenen acht Wochen Banküberfälle wiederholt, und immer sind es die Filialen der Western Union Bank, die heimgesucht werden. Ihr Direktor und wohl auch der Hauptaktionär, ein gewisser Carven, hat sich an den Gouverneur um Hilfe gewandt. Diese Hilfe ...«

»... sind wir!« Patterson vollendete reichlich niedergeschlagen den Satz. »Findest du nicht auch, dass man sich besser hätte an jemanden anderen wenden sollen? Ich muss sagen, Katzen liegen mir nicht.«

»Schon gut. Sonst noch was Dienstliches?«

Snuffy warf seinem Freunde einen vorwurfsvollen Blick zu, dann schwieg er wieder.

Eine Viertelstunde später sichteten sie eine Staubwolke. Unschwer zu erraten, was das zu bedeuten hatte. Mehrere Reiter kamen auf sie zu, wahrscheinlich die Posse aus Williamstown auf dem Heimweg.

»Wie wär's, wenn wir uns dünnemachten, Tom? Von diesen Dummköpfen habe ich gerade genug.«

»Zu spät, wir erreichen den Wald nicht mehr, ohne gesehen zu werden. Wenn sie aber merken, dass wir verduften wollen, werden sie erst recht wild.«