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La Salle reist mit Häuptling Wenonga von Piqua, der Hauptstadt der Miami, ins Stammesgebiet Winnebago, um über die Errichtung eines Stützpunktes am Illinois auf deren Land zu verhandeln. Doch bevor sie deren Lager erreichen, haben sie viele – auch gefährliche – Abenteuer bei der Jagd auf Bisons und Bären zu bestehen.
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Veröffentlichungsjahr: 2015
Schmökerkiste – Band 19
Albert F. De Bary – Auf dem Büffelpfad
La Salle, Teil 11
1. eBook-Auflage – Januar 2015
© vss-verlag Hermann Schladt
Titelbild: Armin Bappert unter Verwendung des Originalcovers der Romanheftserie
Lektorat: Hermann Schladt
AUF DEM BÜFFELPFAD
Albert F. De Bary
Bis zu dem Tage, an dem Paul Brodel die Freundschaft mit Schanni-schanni-wa-wä geschlossen hatte, war er in der wüst zusammengewürfelten Gesellschaft La Salles mit jener Lust an harmlosem Spott, die den Franzosen auszuzeichnen pflegt, nur Petit-Paul genannt worden, also Klein-Paulchen. Klein-Paulchen war einssiebenundachtzig groß, hatte einen Brustkasten wie ein Walross, Zähne wie ein Gaul, Hände so groß wie Kohlenschaufeln und einen Magen, vor dessen ungeheurer Fassungskraft nichts sicher war, was Essbarem auch nur entfernt ähnlich sah. Zuerst hatte es daher ständig Streit zwischen ihm und den anderen Waldläufern gegeben, weil er ohne Gewissensbisse alles wegfraß, was in Reichweite seiner Kohlenschaufeln geriet. Wenn sich einer dann beschwerte, so hob Klein-Paulchen mit kauendem Munde grinsend nur seine beiden behaarten Pranken und klappte sie vor der Nase des erschrocken Zurückfahrenden ein paarmal auf und zu, probeweise sozusagen, und dem Schimpfenden verging die Lust, sich noch weiter zu beschweren, den Zuschauern aber nicht der Spott, denn sie waren ja im Augenblick unbeteiligt. War Klein-Paulchen aber satt, so kam es ihm nicht darauf an, dem gerade um seine ganze oder halbe Mahlzeit gekommenen Jean, Robert, Ernest oder Martin eine unangenehme oder auch nur schwere Arbeit abzunehmen.
Als La Salle das erkannt hatte, sorgte er dafür, dass Paul Brodel immer die vier- oder fünffache Menge von dem bekam, was ihm eigentlich zustand, und fortan war der verfressene, gutmütige und bärenstarke Mann dem schneidigen, zähen, drahtigen Forscher treu und folgsam ergeben wie ein guter Hund, der keine andere Freude kennt, als alle Wünsche und Launen seines Herrn schon zu erfüllen, bevor sie noch ausgesprochen sind. Da Brodel überdies schweigsam war wie ein volles Fass und kaum jemals etwas anderes sagte als „Llla-là!“, aber immer da war, wenn irgendetwas besonders Unangenehmes zu verrichten war, so hatte sich La Salle daran gewöhnt, Klein-Paulchen als seinen zweiten Diener zu betrachten, und sehr bald wusste er, ob ein von diesem ausgesprochenes „Llla- là!“ Wut, Dankbarkeit, Hunger, Durst, Ja oder Nein bedeuten sollte. Meist war es freilich Hunger, was Klein-Paulchen drückte.
Im Lande der Miamis nun war dieser eines Tages in Piqua, der Hauptsiedlung dieses großen Indianerbundes, auf Schanni-schanni- wa-wä gestoßen. Natürlich hieß der Indianer gar nicht so, doch nannte er sich von jenem Tage an nicht mehr anders.
Klein-Paulchen nämlich war einmal staunend, verblüfft, neugierig durch die Gassen und Gässchen des Dorfes geschlendert, und der Riese war mit eben denselben Gefühlen von der indianischen Einwohnerschaft betrachtet worden. Er hatte gelegentlich versucht, nach einem der hübschen und flinken Indianermädchen zu greifen, die jedoch immer mit ängstlich-lachendem Auf kreischen seinen zufassenden Pranken entwischt waren, er hatte mit Kindern gespielt, indem er etwa die beiden Mastbäume, die er seine Arme nannte, waagerecht nach beiden Seiten ausstreckte, die jubelnden Kleinen sich daran mit beiden Händen aufhängen ließ und dann, fünf bis sechs Kinder an jedem Arm, sich mit ihnen im Kreise drehte, solange und so schnell, bis er schwindlig wurde und taumelnd zu Boden sank. Das hatte immer wieder ein Freudengeheul unter den Kindern gegeben, die sich bald wie Kletten an ihn hängten, aus der Menge der Zuschauer hatte es lachende Zurufe gehagelt, die er nicht verstand, aber mit Recht als Beifall auffasste, und dabei war immer wieder ein Wort an seine Ohren gedrungen, das ihm wie ,,Schanni-schanni-wa-wä“ zu lauten schien. Und ganz plötzlich hatte grinsend ein riesenhafter Roter vor ihm gestanden, breitbrüstig, stiernackig, muskelbepackt, mitten in einem Kreis lachender und kreischender weiblicher, nach ranzigem Bärenfett duftender Schönheiten, die den langen Kerl offenbar herangeholt hatten. Der schien nicht weniger stark zu sein als Klein-Paulchen, und ebenso groß wie der war er auch!
Sofort bildete sich ein leerer Platz um sie, die Zuschauer entfernten sich vorsichtig aus der unmittelbaren Nähe der beiden Riesen, und Klein-Paulchen glotzte dumm. Denn seine Gnaden der Gouverneur hatte strengstens befohlen, sich in keinen Streit mit den Indianern einzulassen, aber das hier sah doch „fädammt nominal“ so aus, als käme jetzt irgendeine Kraftprobe!
Der Rote kam, immer freundlich grinsend, auf Klein-Paulchen zu, hob ihm die leeren Handflächen unter die Nase, und unser Freund sah mit Anerkennung und einem leichten Kribbeln in der Magengegend, dass der Kerl zwei Flossen hatte wie zwei große Stuhlsitze. Aber er bot ja den Friedensgruß! Dann zeigte der Kerl immer wieder auf die eigene Brust und sagte dazu unaufhörlich ein Wort, das wie ,,Schanni-schanni-wa-wä“ klang. Klein-Pauldien glotzte immer noch, schließlich glaubte er zu verstehen. Aha! dachte er, das ist sein Name!
„Llla-là!“ sagte Klein-Paulchen anerkennend.
„Schanni-schanni-wa-wä!“ sagte der Rote.
„Llla-là!“ sagte der Weiße lauter.
„Schanni-schanni-wa-wä!“ sagte noch lauter der Rote.
„Llla-là!“ brüllte der Weiße.
Da ging ein freudiges Leuchten über das Gesicht des Indianers. Er war nicht mit mehr Verstand gesegnet als das Blaßgesicht. Er stieß ihm die Hand vor die Brust. Einen gewöhnlichen Mann hätte der Schlag umgeworfen, Klein-Paulchen empfand ihn mit Recht als eine Art Liebkosung.
„Schanni-5channi-la-là!“ sagte jetzt der Rote. Nun boxte ihm Klein-Paulchen auch freundschaftlich gegen den Magen und sagte erfreut grinsend:
„Du Schanni-schanni-wa-wä, ich Schanni-schanni-Llla-là Bong, bongl“