Das Geheimnis der Totenschlucht - Albert F De Bary - E-Book

Das Geheimnis der Totenschlucht E-Book

Albert F. De Bary

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Beschreibung

Der Zauberer Feuervogel ist tot, doch das Morden geht weiter. Krieger und Häuptlinge der Utagamis werden Opfer des heimtückischen Giftmörders. Doch wer ist es, der so schrecklich in dem kleinen Stamm wütet. La Salle und Wenonga nehmen die Spur des Unholds auf.

„Das Geheimnis der Totenschlucht“ ist Band 16 der Serie „La Salle“

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Veröffentlichungsjahr: 2015

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Albert F De Bary

Das Geheimnis der Totenschlucht

La Salle 16

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Vorspann

 

Schmökerkiste – Band 24

Albert F. De Bary – Das Geheimnis der Totenschlucht

La Salle, Teil 16

1. eBook-Auflage – Juni 2015

© vss-verlag Hermann Schladt

Titelbild: Armin Bappert unter Verwendung des Originalcovers der Romanheftserie

Lektorat: Hermann Schladt

 

 

 

Das Geheimnis der Totenschlucht

 

Albert F. De Bary

 

1

Wenonga hatte in wenigen Minuten das Feuer wieder angefacht, obwohl die Glut so gut wie erloschen gewesen war. Dann wollte sich der Häuptling neben dem erstochenen Buka-honga niederlassen, um die Totenwache zu halten. Dabei glitten seine Augen über den Körper des Liegenden dahin, seine Augen weiteten sich: der Kopf des jungen Miami-Kriegers lag anders als vorhin.

Wenonga legte ihm die Hand auf die Brust: der Körper war noch warm!

Er presste die Hand auf die Herzgegend: das Herz schlug! Buka- honga war nicht tot! Er war wohl mit dem Hinterkopf auf, den Steinboden geschlagen und deshalb bewusstlos.

Der Häuptling dachte nach. Er beugte sich über den Dolch, dessen Griff senkrecht auf Buka-hongas Brust stand. Bis zum Heft hatte der Blinde die Waffe hineingestoßen, aber der Stoß musste ganz dicht am Herzen vorbeigegangen sein.

Entschlossen fasste Wenonga zu und zog mit ruhiger Bewegung den Dolch aus der Wunde. Er halte eine sehr dünne und gar nicht breite Schneide, haarscharf geschliffen und mit nadelfeiner Spitze.

Sofort strömte Blut aus der Wunde, zugleich aber regte sich der Erstochene. Er wandte den Kopf dem Feuer zu, seine Augen suchten umher, nun kam die Erinnerung wieder. Er erkannte Wenonga.

Der beugte sich wieder über den Liegenden und sagte halblaut:

„Buka-honga möge ganz ruhig liegen. Er darf sich nicht bewegen. Feueradler ist tot, ich habe ihn selbst getötet. Sein Herz fressen die Hunde. Versteht Buka-honga, was ich sage?“

Der junge Miami nickte mühsam.

„Wenonga klettert in die Schlucht hinunter. Buka-honga bleibe, ganz ohne Bewegung. Wenonga ist sofort wieder hier.“

Der Häuptling erhob sich, kletterte am Lasso, das immer noch von der Felsenkante hinabhing, in die Schlucht hinunter.

Unten lag der tote Grizzly. Wenonga schnitt ein flaches Stück Fleisch aus dem Tier heraus, stieg wieder auf die Plattform und legte die Scheibe wie einen Verband auf die Wunde Buka-hongas, aus der übrigens nur wenig Blut sickerte. Dann riss er aus dem Hemd des Blinden, der mit zerschmettertem Schädel am Beginn des Höhlenganges lag, ein Stück dünnes Hirschleder, legte es über die Fleischscheibe und band dann alles mit langen Riemen fest.

„Der Dolch ist dünn wie ein Pfeil ohne Spitze“, sagte er zu Buka-honga. „Die Wunde blutet wenig. Buka-honga wird leben. Er muss ruhig liegen, bis das Blut aus der Wunde still ist. Schmutz kann jetzt nicht mehr hineinkommen. Buka-honga wird leben“, wiederholte der Häuptling noch einmal. „Mein jüngerer Bruder werde nicht ungeduldig, Wenonga geht, Hilfe zu holen, damit wir ihn in die Zelte der Utagamis tragen können. Die Feinde sind tot, auch der Grizziy ist tot. Es ist keine Gefahr.“

Buka-honga begriff nur halb, was um ihn vorging und was Wenonga sagte. In seinem Gehirn dröhnte es, der Kopf schmerzte, das Atmen schmerzte, denn der Stich war in die Lunge gegangen, soviel hatte er verstanden. Und die Füße schmerzten am meisten. Sie waren von Brandblasen überdeckt. La Salle und Wenonga hatten ihn vorhin gerade im allerletzten Augenblick vom Pfahl befreit. Noch wenige Minuten, und die Flammen hätten das Fleisch erreicht und verbrannt, und er wäre zeitlebens ein Krüppel geblieben.

Unwillkürlich streckte er sich und dehnte seine Glieder. Schattenhaft sah er den Häuptling über die Felsenkante nach unten hin verschwinden, nachdem dieser neue Zweige in das Feuer gelegt hatte. Immer noch war es tiefe Nacht.

Buka-honga lag in halber Bewusstlosigkeit. Aber er lebte! Er war gerettet! Er konnte nur ganz leicht atmen, denn jeder tiefere Atemzug verursachte ihm große Schmerzen. Immer noch dröhnte es in seinem Gehirn von dem Sturz auf den Felsen, es summte darin wie in einem Bienenkorb. Jetzt wusste er wieder alles: er sah den Blinden auf sich zuspringen, er sah den Dolch blitzen, er empfand sogar den Schmerz wieder, den er gefühlt hatte, als die scharfe Waffe ihm in die Brust gedrungen war. Aber dort drüben lag der Blinde, er erkannte ihn an der Kleidung, Wer hatte ihn getötet? Wo war der Schamane Feueradler?

Lange lag er so und grübelte. Schließlich näherten sich eilige Schritte aus dem Höhlengang, Lichtschein leuchtete auf. La Salle, der bucklige Bongart, der Zaubermann Wasserschlange und drei Utagamis kamen, alle geführt von Wenonga.

Froh begrüßte La Salle den Totgeglaubten, Bongart knurrte unter seinem riesigen grauen Schnauzbart ein paar derbe Worte, Buka-honga fühlte, wie alle sich freuten, dass er am Leben war. Aber am meisten freute er sich über den Strahl von Liebe und Teilnahme, der aus den dunklen Augen seines Häuptlings Wenonga kam. Wasserschlange untersuchte den Verletzten, die Utagamis legten eine Bahre auf den Boden, legten vorsichtig den Verletzten darauf und trugen ihn durch den Gang davon. Bongart ging mit einer Kienfackel voraus.

Wenonga hob den Dolch auf, den er vorhin aus der Wunde gezogen hatte, und reichte ihn La Salle, der auf der Plattform zurückgeblieben war.

„Spanische Arbeit!“ sagte der Gouverneur. „Bester Stahl! Wie gut, dass er so dünn ist — ein Schilfrohr aus Stahl. Buka-hongas Wunde wird leicht heilen. Bewahre ihn gut auf für ihn, er hat sich die Waffe schwer genug verdient.“

Der Häuptling umwickelte die Schneide mit einem Stück Hirschleder, das er wie vorhin wieder aus dem Hemd des Blinden riss, und steckte die gefährliche Waffe zu sich.