Tod im Urwald - Albert F. De Bary - E-Book

Tod im Urwald E-Book

Albert F. De Bary

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Beschreibung

Auch nach dem Tod des Zauberers Feuervogel kehrt bei den Utagamis kein Frieden ein. Dörfer werden überfallen, Hütten angezündet und nicht nur Krieger, sondern auch Frauen und Kinder wahllos emordet. Einige der Leichen sind skalpiert, andere wiederum nicht. Ist es ein Mörder, der da sein Unwesen treibt, oder sind mehrere am Werk? Und wer ist der geheimnisvolle Einsiedler, der nahe der Utagamis in einer Höhle lebt?

„Tod im Urwald“ ist Band 17 und der vorletzte der Serie „La Salle“

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Veröffentlichungsjahr: 2015

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Albert F. De Bary

Tod im Urwald

La Salle Band 17

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Vorspann

 

Schmökerkiste – Band 25

Albert F. De Bary – Tod im Urwald

La Salle, Teil 17

1. eBook-Auflage – Juli 2015

© vss-verlag Hermann Schladt

Titelbild: Armin Bappert unter Verwendung des Originalcovers der Romanheftserie

Lektorat: Hermann Schladt

 

 

 

Tod im Urwald

 

Albert F. De Bary

 

1

 

„Verdammt, die Hunde haben mich!“

Der Mann verhielt keuchend auf seinem mühseligen Weg. Das wüste. Gesicht mit dem verwilderten Bart, der seit Wochen mit keinem Schermesser in Berührung gekommen schien, verzog sich vor Schmerz. Er trat, einen Schritt rückwärts, auf einen Stein und ließ einen heulenden Laut hören. Wie ein getretener Hund. „Kann bald nicht mehr laufen“, murmelte er. „Aber ich habe mich geirrt, ich muss meine fünf Sinne zusammennehmen. Ich habe ja die Kerle längst abgeschüttelt. Es ist nichts. Ich habe mich geirrt.“

Er fuhr sich durch das schweißverklebte Haar - eine Kopfbedeckung trug er nicht - und starrte mit Augen um sich, die denen eines gehetzten Wildes glichen. „Soll mich der Henker holen, wenn ich die Bande nicht abgeschüttelt habe!“ knurrte er. „Die sind ja dumm. Man redet immer von indianischem Instinkt und so nem Quatsch, - in Wirklichkeit sind die dumm. Man muss sie nur kennen und sie richtig zu nehmen wissen.“

Die Gegend, in welcher der Mann - ein Weißer - herumirrte, war wildromantisch. An sich herrschte hier weit und breit der Urwald, er erstreckte sich über Meilen, unübersehbar, pfadlos und dunkel; nur die Wildpfade boten einem Menschen die Möglichkeit, ohne Axt oder Haumesser vorwärts zu kommen. Schlinggewächse zogen sich durch das starre Wurzelwerk des feuchten Bodens, kletterten an den Stämmen der Buchen und Ahorne und der hier und da dazwischen auf ragenden schlanken Kiefernstämme hoch und verfilzten sich mit dem Dschungel der Baumkronen, deren Grün sich bereits zu färben begann. Der Herbst nahte mit Riesenschritten; in den Nächten war es bereits empfindlich kalt.

Paul Groisel wusste ein Lied davon zu singen. Er war ein hartgesottener Bursche, durch viele Feuer gegangen und in vielen Wassern gewaschen, obgleich er nicht sehr viel vom Waschen hielt. Er hatte sich jahrelang in den kanadischen Wäldern herumgetrieben, nachdem man ihn in der Heimat, in der schönen Provence, nicht mehr leiden mochte. Nur weil er sich einmal aus einer dringenden Geldverlegenheit geholfen und dabei den Eigentümer des benötigten Geldes ein bisschen zu hart angefasst hatte. Konnte er dafür, dass der Mann das nicht vertrug? Dass er gleich absackte und das Atmen vergaß? Paul Croisel war das Leben des Mannes gleichgültig gewesen, er wollte bloß sein Geld.

Das waren alte Geschichten, man brauchte nicht mehr darüber nachzudenken. Man war jetzt ja schon lange in Kanada. Man hatte

dies und das getrieben, gefischt und gejagt und gehandelt, man hatte die Hafenkneipen von Quebec und Montreal kennengelernt, und schließlich war man gar Soldat geworden. Erst in Frontenac unter dem eisernen Tonty, dem Himmelhund, und schließlich in der Privatmiliz eines gewissen Herrn de la Salle. Freilich, da war man nicht lange gewesen, ha ha ha! Eine verrückte Idee überhaupt, das Soldatspielen, aber es ging eben damals nicht anders. Der Mensch muss ja leben, nicht wahr. Und in einer Uniform ist man immer ein feiner Mann, unantastbar sozusagen. Und außerdem bezahlte Herr Perrot das Soldatenspielen gut.

Den großen Perrot, den millionenschweren Pelzhändler, kannte der Soldat Croisel natürlich nicht persönlich. An so mächtige Männer kommt man so leicht nicht heran. Aber dieser Perrot, dieser gewaltige Mann, der den ganzen kanadischen Pelzhandel beherrschte, bezahlte ja ein ganzes Heer von Agenten, die sich ihrerseits mit so kleinen Leuten wie Paul Croisel abgaben. Es war nicht immer fein und im Einklang mit den Gesetzen, was die. Agenten und Mittelsmänner des Herrn Perrot verlangten, aber das ist ja nun mal so eingerichtet in der Welt: die Großen dürfen alles, ihnen passiert nichts, sie können ihre Feinde gleich reihenweise umbringen lassen. Hauptsache, sie können es bezahlen, dann ist alles gut. Und Herr Perrot konnte bezahlen, und er bezahlte alles in allem nicht einmal schlecht.

Warum der Monsieur Perrot so großen Wert darauf legte, dass der kleine Paul Groisel Soldat in Frontenac würde, das hatte Croisel erst so nach und nach erfahren; keineswegs direkt, so plump arbeitete Herr Perrot nicht. Richtig erfahren hatte er es eigentlich erst, als er nach Fort Illinois in Marsch gesetzt worden war. Erst unterwegs hatte er von Korporal Valcour gesagt bekommen, worum es ging. Leider war alles im letzten Augenblick schief gegangen; der Korporal Valcour hatte ins Gras beißen müssen, und also musste er, Croisel, selbst zu den Osagen und einen gewissen Monsieur Denon suchen. Und den hatten sie nun auch geschnappt, den Monsieur Denon; wahrscheinlich hatte er inzwischen auch schon ins Gras gebissen.

Er, Paul Croisel, war gerade noch einmal davongekommen. Mit einem Osagenpfeil in der Schulter zwar, aber immerhin. Er war davongekommen, obgleich der verdammte Gaul ihn bald zu Tode geschleift hatte. Und eigentlich hatte er also das Seine getan und konnte zurück nach Quebec. Wenn er nur schon da wäre! Aber bis dahin war es noch weit. Vorläufig kroch er noch immer am Illinois herum. Und was sollte er sagen, wenn er wirklich nach Quebec kam, ohne dass der Auftrag, an dem Herrn Perrot so viel lag, erledigt war? Eine gefährliche Sache. Und außerdem: wovon sollte er leben?