Das tötende Auge - Albert F. De Bary - E-Book

Das tötende Auge E-Book

Albert F. De Bary

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Beschreibung

Im Niemansland zwischen den Stammesgebieten der Winnebagos und der Kickapuhs beginnt La Salle damit, am Ufer des Illinois ein festes Fort zu errichten.Da taucht eine Schar Osagenkrieger auf, und niemand weiß, ob ihre Absichten friedlich sind.Und dann ist da noch das ungeklärte Schicksal des Monsigneur Denon und Pater Hennepins, die schon seit Wochen überfällig sind. Wird es La Salle gelinen, auch diese Situation zu meistern?>Das tötende Auge< ist der zwölfte Band der Abenteuer-Reihe >La Salle<,

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Albert F. De Bary

Das tötende Auge

La Salle 12

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Vorspann

 

Schmökerkiste – Band 20

Albert F. De Bary – Das tötende Auge

La Salle, Teil 12

1. eBook-Auflage – Februar 2015

© vss-verlag Hermann Schladt

Titelbild: Armin Bappert unter Verwendung des Originalcovers der Romanheftserie

Lektorat: Hermann Schladt

 

DAS TÖTENDE AUGE

 

Albert F. De Bary

 

 

1

 

Der Posten zuckte unwillkürlich zusammen, als sich die Tür des Blockhauses in seinem Rücken fast lautlos öffnete. Die Dämmerung lag noch nebelgrau über dem Fort, aber hinter den Palisaden im Südosten verkündete ein mattsilberner Streifen bereits das Erwachen des Morgens. Der Mann, der, die Muskete zwischen den Knien, gegen den Pfosten gelehnt gestanden hatte, fuhr hastig herum und blickte in ein Paar kaltglühender Augen, die ihn ansahen, als sei er ein Gegenstand. Die Bewegung, mit welcher der Soldat Pierre Mauriac nach der Sitte der Zeit die Muskete zum Gruß anwinkelte, hatte etwas Automatenhaftes an sich. Der Mann ging an ihm vorbei und schritt quer über den noch von den Schatten der Nacht erfüllten Platz, der, vorläufig mehr einem Bauplatz als dem Innenraum einer Fortbefestigung glich. Der Soldat nahm klirrend das Gewehr zurück und starrte dem Rücken des Davongehenden nach.

„Diable!“ murmelte er zwischen den Zähnen, „die Rothäute haben recht, wenn sie ihn ,Das tötende Augeʼ nennen. Offengestanden: Tontys Eisenarm ist mir immer noch lieber; man weiß wenigstens wie man mit ihm dran ist.“

Das beunruhigende Gefühl, das den Soldaten Mauriac angesichts eines Blickes überkam, der ihn nur scheinbar unbeteiligt streifte, hatte freilich einen tieferen Grund. Der Soldat Mauriac hatte vor einer Reihe von Wochen, auf dem Marsch zwischen Fort Frontenac und Piqua, der Bundeshauptstadt der Miamis, an einer verunglückten Rebellion teilgenommen, die deren Anführer, dem Korporal Valcour und zwei Männern das Leben und drei anderen bis auf weiteres Freiheit und Waffen gekostet hatte. Er selber, mit drei Kameraden durch Hauptmann Tonty zur Pardonierung empfohlen, war zwar um jede Strafe herumgekommen, durfte Waffen tragen und Dienst tun, wie alle anderen, aber der Gouverneur sah ihn nicht, oder vielmehr: er sah ihn doch, er nahm nur keine Kenntnis von ihm, aber Mauriac hatte das unangenehme Gefühl, die letzte Windung seines Gehirns liege vor La Salle frei, wenn der unpersönliche Blick seiner eiskalten Augen ihn streifte, als sei er ein Baumstamm oder sonst ein uninteressanter Gegenstand. Er fand, die drei anderen hätten es besser getroffen, obgleich sie wie die Höllenhunde geflucht hatten, als Tonty sie für das Begleitkommando der Pelzflotte auswählte und Kapitän Renoir zur Verfügung stellte.

Die Pelzflotte war nun schon lange unterwegs; sie war noch vom großen Miami aus auf die Reise geschickt worden. Nach dem überwältigenden Siege des Häuptlings Wenonga über die Seneca und nach dem feierlichen Vertrag, den der Gouverneur mit den Sagamoren des Miamibundes geschlossen hatte, war seine Bitte, ihm eine indianische Rudermannschaft zur Verfügung zu stellen, auf keinerlei Schwierigkeiten gestoßen. Im Gegenteil: der Häuptling Talla-nuk, ursprünglich ein ziemlich hartnäckiger Gegner La Salles, der während des Siegeszuges Wenongas eine starke Oneida-Horde aufgerieben und dabei die Freundschaft des Hauptmanns Tonty gewonnen hatte, hatte sich selbst erboten, die Führung der indianischen Mannschaft zu übernehmen. Kapitän Renoir, der alte Seebär, der nur ungern mit den »Wilden, wie er alle Indianer ausnahmslos nannte, zu tun hatte, wäre freilich lieber mit einer weißen Mannschaft gefahren, aber daran war nach Lage der Dinge nicht zu denken. Es ging darum, so viel Pelze und Felle wie möglich nach Montreal zu schaffen. Da der „Greif“, das eigens zu diesem Zweck erbaute Segelschiff, geraubt und entführt worden war, ohne dass es bisher möglich gewesen wäre, eine Spur von ihm zu entdecken, kam alles darauf an, die verlorengegangene Pelzladung zu ersetzen, denn der Gouverneur brauchte Geld; die Gläubiger in Quebec und Montreal drohten bereits mit unangenehmen Zwangsmaßnahmen; La Salles Gegner, an der Spitze der reiche und skrupellose Pelzhändler Perrot in Quebec, taten alles, um seinen Kredit zu untergraben; Frankreich und der König waren weit, und die Banken in Quebec verweigerten weitere Zahlungen. Ein zweites Schiff war so schnell nicht zu bauen, also mussten Boote und indianische Kanus bis zur Grenze ihrer Ladefähigkeit vollgepackt und entsprechend bemannt werden, und dazu hätte La Salles ganze gegenwärtige Mannschaft kaum ausgereicht.

So waren die sechs schweren Boote und zehn indianische Kanus denn unter Kapitän Renoirs seemännischer Führung mit einer ausschließlich indianischen Rudermannschaft auf Fahrt gegangen. Renoir hatte nur ein kleines Begleitkommando von sechs seemännisch geschulten Soldaten unter Sergeant Robin mitgenommen. Und unter diesen sechs Soldaten befanden sich Gregoire, Matin und St. Clair, die drei Männer, die Hauptmann Tonty oder Häuptling Eisenarm, wie die Indianer ihn nannten, dem Gouverneur, ebenso wie den Soldaten Mauriac, zur Pardonierung vorgeschlagen hatte. Von La Salles alter Mannschaft hatte Renoir weiter die Männer Thibault, Denis und Noirot mitgenommen. Häuptling Talla-nuk aber war mit rund siebzig ausgewählten Kriegern in die Boote und Kanus gegangen; es reizte ihn wohl, auf diese Weise nach Norden zu kommen und die Jagdgebiete der Irokesen zu streifen der „Fünf Nationen“, deren eine, die Seneca, ihre erst vor Wochen eingesteckte Niederlage sicher noch nicht verwunden hatte. —