Der Geist des Sagamoren - Albert F. De Bary - E-Book

Der Geist des Sagamoren E-Book

Albert F. De Bary

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Beschreibung

Der Zauberer Feuervogel, der sich mit Schlauheit und Zaubertricks eine grausame Herrschaft über die abergäubigen Indianer geschaffen hat, schmiedet tödliche Ränke gegen La Salle und dessen Gefährten. Entschlossen kämpfen diese gegen den tückischen Feind, doch bevor sie ihm das Handwerk legen können, muss einer von ihnen mit seinem Leben bezahlen.

„Der Geist des Sagamoren“ ist der fünfzehnte Roman der Serie La Salle.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Albert F. De Bary

Der Geist des Sagamoren

La Salle Band 15

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Vorspann

 

Schmökerkiste – Band 23

Albert F. De Bary – Der Geist des Sagamoren

La Salle, Teil 15

1. eBook-Auflage – April 2015

© vss-verlag Hermann Schladt

Titelbild: Armin Bappert unter Verwendung des Originalcovers der Romanheftserie

Lektorat: Hermann Schladt

 

Der Geist des Sagamoren

 

Albert F. De Bary

 

 

1

 

La Salle lag der Länge lang auf dem Bauch, stützte den Kopf in beide Hände und blickte nachdenklich zu der gegenüberliegenden Felsenwand hinüber.

Sie war kaum zwölf Meter entfernt und vom Boden der dazwischenliegenden Schlucht aus gerechnet etwa fünfzehn Meter hoch.

„Wenn der Schatten auf der Wand nicht wäre, wüssten wir jetzt noch nicht, woran wir sind“, sagte er zu Wenonga, der neben ihm lag. .

„Noch kurze Zeit, und die Sonne scheint nicht mehr in die Schlucht herein, dann sieht niemand mehr einen Schatten — so wie wir vorhin ihn nicht sehen konnten“, entgegnete der Häuptling.

„Ja, Wenonga, so ist es. Aber wenn die Wand, auf der wir hier liegen, nicht sechs, sondern zwanzig Meter hoch wäre, würden wir mehr sehen. Dann wüssten wir jetzt genau Bescheid. Der Schuft hat Glück!“

„Sein Glück ist von ihm gegangen, Renneh, als er Wolfszahn verschwinden ließ. Wenn er den Körper liegen gelassen hätte, wären wir um diese Zeit nicht hierher gekommen . . . Aber er braucht uns nicht zu sehen. Komm, Renneh, gehen wir wieder fort. Der Schatten ist kein Irrtum. Mehr wollte ich nicht wissen, als ich mit dir hier herauf ritt.“

„Sie erhoben sich und gingen in das nicht weit entfernte Kiefernwäldchen zurück, in dem Buka-honga mit den Pferden wartete. Wenig später traf der bucklige Bongart ein. Er war um das obere Ende der Schlucht herumgeritten, sein Mustang dampfte.

„Keine Spur, Euer Gnaden, nicht die geringste neue Spur da drüben auf der anderen Seite“, meldete er.

„Aber wir haben eine Spur gefunden, Bongart“, meinte lächelnd der Gouverneur.

„Dachte ich es doch! Sie müssen ihn hier auf dieser Seite heraufgezogen haben!“ sagte sehr befriedigt der Bucklige.

„Ja, auf das Lasso hast du uns zuerst gebracht. Aber nicht auf dieser Seite hier — drüben ist die Spur!“

Bongart richtete sich verwundert und verärgert zugleich auf und sagte steif: „Drüben, Euer Gnaden? Ich habe alles abgesucht. Drüben ist keine Spur zu finden!“ Er zwirbelte wütend seinen Bart, er war verletzt, man sah es. Er glaubte, La Salle wolle ihm eine Nachlässigkeit vorwerfen.

„Und doch haben sie den Leichnam drüben hochgezogen, jedenfalls ist das die einzig mögliche Lösung, denn durch die Luft kann er nicht davongeflogen sein — das war doch auch deine Meinung, Bongart, nicht wahr? Aber lass gut sein, mein Alter, du hast keine Schuld. Es war nur von hier aus zu sehen, von unserer Seite aus, meine ich. Oben, wo du suchen solltest, gibt es keine Spur und kann es auch gar keine geben.“

„Oben kann es keine geben, und doch soll sie drüben auf der anderen Seite sein . . . ?“

Das pfiffige Gesicht des Buckligen verzog sich zu angestrengtem Nachdenken.

„Oben nicht? Und unten in der Schlucht haben wir auch gesucht — aber Ihr habt sie von hier aus gesehen . . . dann ist sie also in der Wand, dort, wo Wolfszahn mit seinen toten Augen immer hinstarrte, als wolle er uns ein Zeichen geben?“

Der Gouverneur sagte, ohne auf die Worte näher einzugehen: „Du warst der Erste, der an ein Lasso dachte. Lass es dir von Buka-honga erzählen, ich habe keine Zeit. Aber hört zu, ihr beiden: fällt zwei Kiefern hier, wir brauchen Leitern, wir werden in die Wand hineinklettern müssen. Nehmt nicht zu starke Stämme, damit sie nicht zu schwer sind. Sobald es dunkel ist, lasst sie in die Schlucht hinab, steigt hinunter und legt sie an der anderen Seite der Schlucht auf den Boden, direkt an der Wand, aber nicht hier vorn; geht ein wenig tiefer in die Schlucht hinein. Und dann kommt ins Dorf! Ich glaube, heute Abend sind wir alle nötig, ich werde euch also noch brauchen.“

Damit stieg La Salle auf seinen Gaul und ritt mit Wenonga davon.

An der höchsten Stelle des Sonnentanz-Berges hielten beide, sprangen von den Pferden, ließen sie weiden.

„Hier kann uns niemand hören, Wenonga. Nun lass uns überlegen. Wir dürfen keinen Fehler machen. Obwohl Feueradler nur noch einen Arm hat seit heute Vormittag: der Bursche ist dadurch nur noch gefährlicher geworden.“

In gründlichem Gespräch gingen die Freunde die Ereignisse der beiden Tage durch, die sie hier im Zeltdorf der Utagamis zugebracht und die ihnen so viele Überraschungen bereitet hatten. Besonders waren es die Ereignisse des eben vergangenen Vormittags nach Wenongas Messerkampf mit dem Zaubermann Feueradler.

„Wolfszahn starb in der Schlucht“, sagte La Salle. „Es war weder Messer noch Pfeil noch Wurfspeer, das steht fest. Eine Kugel aus einer Feuerwaffe kann es auch nicht gewesen sein, wo hätte der Kerl eine Büchse her! Aber selbst wenn er die hätte: wir hätten den Schuss hören müssen, wir waren ja höchstens achtzig Meter von dem alten Sagamoren entfernt. Das Geschoss also ist das eine Rätsel, denn auch eine Steinschleuder kann es nicht sein, die Wunde hätte ganz anders ausgesehen. Womit also hat er ihn ermordet? Ich sehe, Wenonga, auch du weißt es nicht. Das ist schlimm, wir müssen uns vorsehen, er kann dieselbe Waffe auch gegen uns anwenden.

Die zweite Frage ist: wie hat der Schuft den Körper Wolfszahns fortgebracht? Weder in der Schlucht noch oben an ihren Rändern ist eine Spur. Auch wenn wir den Schatten in der Wand nicht gesehen hätten: es muss ein Loch in der Wand drüben sein, eine Höhle oder so etwas.