Das Fort am Ontario - Albert F. De Bary - E-Book

Das Fort am Ontario E-Book

Albert F. De Bary

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Beschreibung

In „Das Fort am Ontario“ bricht La Salle mit seinen Begleitern zu einer gefahrvollen Reise zum Fort Frontenac am Ontariosee auf. Die neue Freundschaft zu Häuptling Wenonga von den Miamis erweist sich dabei als ungeheuer Wertvoll, denn Missgunst und Verrat in den eigenen Reihen drohen das Unternehmen immer wieder scheitern zu lassen. Ein neues, packendes Abenteuer der aus achtzehn Bänden bestehenden Serie, in der die Abenteuer des französischen Entdeckers Sieur de La Salle im Nordamerika des siebzehnten Jahrhunderts in spannender Form geschildert werden.

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Veröffentlichungsjahr: 2014

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Albert F. De Bary

Das Fort am Ontario

La Salle - Band 2

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Vorspann

 

Schmökerkiste – Band 10

Albert F. De Bary – Das Fort am Ontario

La Salle, Teil 2

1. eBook-Auflage – April 2014

© vss-verlag Hermann Schladt

Titelbild: Armin Bappert unter Verwendung des Originalcovers der Romanheftserie

 

 

Lektorat: Hermann Schladt

 

 

 

Albert F. de Bary

 

DAS FORT AM ONTARIO

 

1

 

Vier Tage lang schon paddelte La Salle, paddelte, paddelte, als gelte es das Leben, kniete im Kanu hinter dem Miami-Häuptling, verfluchte seine Übereilung, war stolz wie ein Irokese auf seine Hartnäckigkeit, verhöhnte sich wegen seiner Eitelkeit und seines Starrsinns — „Wer kann mir verbieten, einfach aufzuhören und mich drüben bei Brulart auszuruhen?!“ — und ließ doch nicht nach sah den Miami vor sich sein Paddel gleichmäßig durch das Wasser ziehen, Stunde um Stunde, und tat wie er, wusste, dass hinter ihm noch fünf andere Rothäute im Kanu knieten, glaubte sich von ihnen ununterbrochen beobachtet und gab nicht nach.

Der Rücken schmerzte, seine Knie waren wie abgestorben, es kribbelte in ihnen nicht einmal mehr wie von tausend Läusen, sie waren einfach tot, aber nicht tot waren seine Hände, ganz im Gegenteil! Die Handflächen waren von aufgeplatzten Blasen be­deckt, dicht an dicht, die ganze Hand war eine einzige entzündete Fläche,, brannte wie Feuer, wie die Hölle, wie dreitausend Höllen, aber er gab nicht nach.

Wie sehr ihn die Sache auch mitnahm: er zeigte nichts davon. Er fluchte wie ein Franzose, der er ja auch war, er verhöhnte seine Schwäche, aber das alles tat er, ohne dass auch nur ein Wort über seine Lippen kam. Sein Gesicht konnten die Indianer nicht sehen, sie knieten ja einer hinter dem anderen in dem pfeilschlanken Kanu, jeder sah den Rücken seines Vordermanns, und nur Wenonga sah den Strom vor sich, die Fahrtrinne, denn er kniete vorn im Bug.

La Salle schwitzte „wie ein Schimpanse, wie ein gesalzener Affe — und das machte die Sache wahrlich nicht besser. Sogar die Haut auf dem Rücken, von der ununterbrochenen Bewegung der Schulterblätter unter dem rauen Hemd gereizt, schmerzte, als habe er den Sonnenbrand — aber er gab nicht nach und gab nicht nach.

„Sollen diese roten Kerle mich etwa auslachen? Denen will ich zeigen, was ein richtiger Tomahak ist, verdammt noch mal. Wäre doch gelacht, wenn ich denen nicht imponieren könnte —!“ dachte er, und hatte keine Ahnung davon, wie sehr er ihnen imponierte, so sehr, dass sie ihn längst zu allen Unterirdischen verwünschten, in das Pechmeer zu Meissowon,. zu den Nebelgeistern, wer weiß wohin, denn er zwang sie, ein Tempo vorzulegen, an das diese Söhne der Wildnis durchaus nicht gewöhnt waren. Die waren, wenn es nicht aus irgendeinem Grunde besonders eilte, durchaus für Gemütlich­keit, für Pausen, für einen kleinen Schwatz ... Sie hatten längst so starke Muskelschmerzen, dass sie glaubten, alle Wölfe Kanadas am helllichten Tage heulen zu hören — aber dieser weiße Mann da vor ihnen, der aussah wie ein Knabe, der hörte nicht auf und hörte nicht auf!

„Und wenn ich Blasen auf dem Handrücken bekomme Wenonga muss das Zeichen geben, nicht ich!“

La Salle trug die einfache und bequeme Tracht der französischen Waldläufer. Sein Prunkgewand lag drüben im Flachboot, von dem treuen Bigot und den beiden Doggen bewacht, gut verpackt in Le­derhäute, drei- und viermal .verschnürt. Er hatte gleich bei der Ab­fahrt von La Chine Wenonga gefragt, ob er mit ihm in seinem Kanu fahren dürfe, denn er wusste, dass er für seinen großen Plan, wenn er gelingen sollte, die Hilfe nicht nur, sondern auch das Ver­trauen, ja, die Freundschaft der Indianer brauchte. Er hatte sich vorgenommen, gleich von allem Anfang an ihr Leben nach Möglich­keit zu teilen, an ihren Gebräuchen teilzunehmen, ihre Gewohn­heiten zu achten, niemals hochmütig und von oben herab mit ihnen zu sprechen. Er war ja kein heuriger Hase, er hatte schon einige Kenntnis der Wälder, und gerade darum wusste er, wie viel ihm noch fehlte. Er wollte lernen, jeden Tag von neuem lernen. Er wollte unempfindlich gegen Hitze und Kälte wie gegen jede körper­liche Anstrengung, er wollte ein Meister der Wildnis werden — und da er sehr gut wusste, dass er das noch lange nicht war, hatte er Aus­sicht, es dereinst wirklich zu werden.

Weil La Salle wegen der vielen Schnellen im Strom die Reise von Quebec bis La Chine zu Lande gemacht, hatte Wenonga sein Kanu von zwei seiner Indianer stromauf rudern lassen. An solch einem Boot aus Birkenrinde baute man Monate in harter, ange­strengter Arbeit, solch einen kostbaren Besitz ließ kein Indianer ohne Not im Stich, und so war es also noch vor La Salle in La Chine gewesen, dem eigentlichen Ausgangspunkt der großen Reise.

Als La Salle den Häuptling gefragt hatte, ob er in sein Kanu ein­steigen dürfe, hatte der Miami ihn mit einem ernst prüfenden Blick aus seinen großen dunklen Augen kurz angesehen. Es lag freudige Zuneigung, wenn auch sehr versteckt, in diesem Blick. Dann hatte er mit Betonung gesagt:

„Das Leuchtende Auge ist willkommen im Kanu Wenongas!“

Bigot fragte, wie sie sich verständigen wollten, denn mit seinem steifen Bein könnte er in dem ohnehin überfüllten Boot nicht mit­fahren, nur um zu dolmetschen, aber La Salle entgegnete seinem Diener, er werde die Miami-Sprache lernen, damit er seine roten Brüder in Zukunft noch besser verstehe. Diese Worte, von Bigot in ihre Sprache übersetzt, zauberten mit einem Schlage ein er­stauntes, frohes Lächeln auf die derben, ehrlichen Gesichter der Indianer, und plötzlich schwatzten alle gleichzeitig los, fröhlich wie die Kinder durcheinander rufend und schreiend. Dass La Salle ihre Sprache lernen wolle, das war noch mehr, als in ihrem Kanu zu reisen. Sogar Wenonga hatte vergnügt aufgelacht. Zum ersten Male war keine Spur des dunklen, ja finsteren Ernstes in seinem Antlitz zu erblicken, von dem es bis dahin beherrscht gewesen war. Er hatte ausgerufen:

„Es ist gut! Das Leuchtende Auge lernt unsere Sprache, und die Miamis werden die Sprache der Mehti-kosche lernen!“