Der Bluträcher von Quebec - Albert F. de Bary - E-Book

Der Bluträcher von Quebec E-Book

Albert F. De Bary

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Beschreibung

Der Bluträcher von Quebec von A. F. De Bary ist der erste Band einer aus achtzehn Bänden bestehenden Serie, in der die Abenteuer des französischen Entdeckers Sieur de La Salle im Nordamerika des siebzehnten Jahrhunderts in packender und spannender Form geschildert werden. Welcher Autor sich hinter dem Pseudonym A. F. De Bary verbirgt, ist bis heute umstritten.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Albert F. de Bary

Der Bluträcher von Quebec

La Salle 1

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Vorspann

 

Schmökerkiste – Band 9

A. F. De Bary – Der Bluträcher von Quebec

La Salle, Teil 1

1. eBook-Auflage – März 2014

© vss-verlag Hermann Schladt

Titelbild: Armin Bappert unter Verwendung des Originalcovers der Romanheftserie

Lektorat: Hermann Schladt

A. F. de Bary

 

DER BLUTRÄCHER VON QUEBEC

 

 

1. Kapitel

 

Wenonga preßte sich tiefer in den schmalen Felsenspait hinein. Bald musste er kommen! Schon dämmerte die Nacht in den Morgen hinüber ...

Die beiden kleinen Birken mit ihrem dichten Laub schützten doch ein wenig davor, zu früh entdeckt zu werden. Von dem Ahorn drüben hatte es einfacher ausgesehen. Dort in der dichten Krone des Baumes hatte er sich sicherer gefühlt. Aber nun war der Tag und die Stunde der Tat gekommen. Seit Wochen, seit Monaten fie­berte er ihr entgegen. Es gab kein Zurück. Kalt wie der Luchs, der den kranken Elch beschleicht, kühl wie der Jäger, der den Bogen hebt, den Büffelstier ins Herz zu treffen, so lauerte der Miami: jede Sehne gespannt und nur einen Wunsch in der Brust: dass der VerHasste, der Mörder komme, wie er jeden Morgen hierher gekommen war, seit er ihn endlich gefunden, ihn im Lager der Irokesen drüben entdeckt und ihn nun seit vier Tagen beobachtet hatte.

Das nachtgeschärfte Auge des Indianers konnte in der immer rascher aufkommenden Morgendämmerung mehr und mehr Einzelheiten seiner Umgebung erkennen. Die tief hängenden Wolken im Osten begannen sich grau zu färben, und die gurgelnd dahinströ­menden Fluten des riesenbreiten Stromes, der sich hier bei Kebek auf knapp zweitausend Meter verengte, spiegelten ab und zu erste Lichter des beginnenden Morgens wieder.

Vier Tage lang hatte Wenonga, im dichten Laub eines rie­sigen Ahorns versteckt, die Irokesen beobachtet. Keine Spur im Sand hatte ihn verraten können. Er war stets über das Wasser herangekommen, war vier Nächte lang im Kanu den Strom herabgepaddelt, hatte sich aus dem Boot in die Baumkrone hinaufge­schwungen — ein tief herabhängender Ast ließ sich vom Wasser aus erklettern — und Mitschi-wala, sein Gefährte, paddelte das Kanu in der Düsternis dieser regenschweren Nächte wieder auf das brodelnde Wasser hinaus. Wasser verrät nichts, und die Nacht deckt alles zu Sie hatten immer den Untergang des Mondes ab­gewartet.

Vier lange Tage hatte Wenonga im Ahorn gesessen, vom Beginnt der Dämmerung über den Mittag hinweg bis in den Abend hinein, Wohl war die Krone des Baumes riesengroß und das Blättergewimmel dicht wie eine Mauer, wohl hatte er sich den bequemsten Sitz ausgesucht — aber er musste ja auch sehen können. Und wer sehen will, kann auch gesehen werden! Und er war ein toter Mann, wenn aucb nur eines der vielen Irokesenaugen ihn entdeckt hätte. Doch Wenongas Hass stak wie ein glühender Stein in seiner Brust, der sich von rechts nach links und von links nach rechts wälzt und das Herz aufreißt Der Miami hatte seinen Vater, seine Mutter und zwei Schwestern zu rächen.

Er war dem Mörder und seiner Horde mit nur fünf Begleitern in einem Kanu gefolgt — über den Erie-, den Ontario-See. Er hatte die Donnernden Wasser gesehen und umgangen,hatte das leichte Kanu aut seinem Rücken über die Felsenwände herunter getragen, hatte die rauschenden Fälle umgangen und dann staunend, mit beklom­mener Seele vor dem schäumenden, brausenden,tosenden und don­nernden Wunder gestanden, das die roten Männer des ganzen Lan­des „Niagara“ — das donnernde Wasser nannten. Er hatte zu Nana-bosch gebetet bei ihrem Anblick und gefühlt, dass der Manitu ihm beistehen wolle.

Heute endlich war es soweit. Der Morgen war weitergeschritten, nur kurze Zeit noch, dann würde Gi-engwatha hierher zum Ufer kommen, den Fisch zu speeren wie jeden Tag.

Wenonga, der Miami-Häuptling, dessen Stamm tausend Meilen weit im Westen wohnte, an den Flüssen, die den Namen des Stam­mes trugen, Wenonga presste sich so eng wie möglich an den Felsen, in den Felsen hinein, der hier einen schmalen Spalt hatte. Die Faust des Indianers umkrallte den Griff des breiten Steinmessers — die Obsidianklinge war seine einzige Waffe. Er wollte nicht behindert sein. Wurde er entdeckt, so half ihm doch keine Gegenwehr. Darum hatte er den Bogen und den schweren Schädelbrecher im Kanu gelassen.

Vier Tage lang hatte er den VerHassten, den Mörder, den Feind beobachtet, bewacht, beluchst, hatte seine Gewohnheiten belauert — nun glaubte er sicher zu sein. Jeden Morgen war der Irokese hier an das Ufer gekommen. Er würde auch heute hier fischen.

Wenonga preßte die Finger heißer um den Knauf des Obsidian­messers. Das Herz jagte auf, er duckte sich tiefer hinter die Birken - da war er. Er hörte die unbekümmert-sorglosen Schritte des Feindes. Gi-engwatha fühlte sich hier in seinem Lande sicher, er hatte ja an die achtzig Krieger in seinem Lager . . wer würde wagen, Irokesen anzugreifen? Welcher Stamm könnte sich ungesehen hier in der Nähe zeigen?. Und dass ein Einzelner sich herbei­wagte - nun, das war immer möglich. Aber dann konnte man sich ja gleich überall vom Tode bedroht fühlen . Der Irokese trug den Fischspeer in der Hand, der sich an der Spitze gabelt, er trat auf den flachen Stein im Wasser hinauf, spreizte die Beine, um einen besseren Stand zu haben, dann hob er leicht den rechten Arm, beugte sich ein wenig vor und starrte aufmerksam in das Wasser. Es war dort eine tiefere Stelle am Ufer, halb so breit wie ein Ein-Mann-Kanu lang ist, und darin hoben sich morgens die großen Fische an die Oberfläche.