Häuptling Eisenarm - Albert F De Bary - E-Book

Häuptling Eisenarm E-Book

Albert F. De Bary

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Beschreibung

La Salle sitzt in Piqua, der Hauptstadt der Miami fest. Voller Ungeduld wartet er auf den versprochenen Nachschub, den Leutnant Chevalier Henry de Tonty und seine Männer ihm längst hätten bringen sollen. Doch dessen Reise zum Muskegon verläuft nicht ohne Komplikationen, Doch Tonty, und der junge Sergeant Philip Mathieu erweisen sich allen Gefahren gefachsen. Und der Chevalier, der einst in der Schlacht einen Arm verlor und eine metallene Prothese trägt, erwirbt sich wegen seiner Unerschrockenheit und Stärke bei den Miamis bald den Ehrennamen „Häuptling Eisenarm“. „Häuptling Eisenarm“ ist der zehnte Roman der Serie, die innerhalb der Bookworm Schmökerkiste erscheint.

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Veröffentlichungsjahr: 2014

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Albert F De Bary

Häuptling Eisenarm

La Salle Band 10

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Vorspann

 

Schmökerkiste – Band 18

Albert F. De Bary – Häuptling Eisenarm

La Salle, Teil 10

1. eBook-Auflage – Dezember 2014

© vss-verlag Hermann Schladt

Titelbild: Armin Bappert unter Verwendung des Originalcovers der Romanheftserie

Lektorat: Hermann Schladt

Häuptling Eisenarm

 

Albert F. De Bary

 

 

1

 

Seit Tagen hatte es ununterbrochen geregnet. Die Straßen von Piqua, der Hauptstadt des Miami-Bundes am großen Miami, waren verschlammt. Die Fellwände der Hütten hatten sich vollgesogen, und an den Zelten der Weißen in der Nähe des großen Ratsplatzes zerrte der Wind, der vom Fluss herüberkam. Das weißseidene Banner mit den eingestickten Lilien vor dem Zelt des Gouverneurs knatterte unentwegt, das Lederzeug des Postens neben der Fahnenstange war völlig durchnässt. Der Abend dämmerte schon, aber noch immer drangen vom Fluss her die hallenden Schläge der Hämmer und Äxte und das helle Singen der Sägen herüber. Die Männer arbeiteten wie verrückt an den Booten; Kapitän Renoir hetzte sie vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht wie die Galeerensklaven, und auch La Salle selbst scheute sich nicht, das Lederwams auszuziehen und mit anzupacken, als hätte er seiner Lebtage nichts anderes getan.

Jean Traverse vor dem Zelt fluchte wie ein Berserker. Seine zwei Stunden waren fast herum, bald würde der kleine Dupin ihn ab lösen. Und damit würde für heute der Dienst zu Ende sein. Hoffentlich wenigstens, so genau wusste man nie, was dem Chef am Abend und zuweilen gar tief in der Nacht noch ein fieL Wenn man das alles vorausgesehen hätte, man hätte wahrscheinlich etwas anderes getan, als sich diesem Verrückten anzuschließen und in die Wildnis zu ziehen. Das heißt, einerseits imponierte er einem auch wieder, der Verrückte; er hatte eine Art, einem Menschen auf den Grund zu sehen und die Dinge beim Namen zu nennen, die einem ungewollt immer wieder Eindruck machte; man kam nicht los von ihm, und hatte man sich wieder einmal glücklich von einer Arbeit gedrückt oder ihn sonstwie hinters Licht geführt, dann hatte man jedes Mal ein saublödes Gefühl im Magen, ein Gefühl, das man früher nie gekannt hatte.

Seit La Salle den Hussin und den Gilbert kurzerhand vor den versammelten Rothäuten hatte zusammenschießen lassen und den Josef Lamballe wie eine räudige Katze aus dem Lager gepeitscht und in die Wildnis gejagt hatte, war alles irgendwie anders geworden; keiner hatte seitdem mehr gemuckst, jeder hatte stumm und verbissen seine Arbeit getan, und das Verhältnis zu den Roten hatte sich wesentlich gebessert. Und ohne den Regen und die Nässe und die viele Plackerei und bei etwas besserer Verpflegung hätte Jean Traverse ganz gerne noch ein paar Wochen in Piqua ausgehalten, obgleich er kaum weniger ruhiges Blut als der Chef selber hatte und Abwechslung und Aufregung liebte.

Traverse fand, dass das alles anders sein könnte, wenn La Salle eben nicht La Salle wäre und seinen eigenen Kopf hätte. Denn die Miamis waren gastfreundlich; es hätte ihnen weiter nichts ausgemacht, die weißen Gäste neben dem Mais und den Bohnen, die sie ohnehin lieferten, auch noch mit dem notwendigen Fleisch zu versorgen. Und wenn man ihnen gar etwas Rum gespendet hätte — — Aber da lag es eben: La Salle wollte das nicht. Er nahm auch den Mais nur sehr widerstrebend und nur soviel, dass man nicht gerade verhungerte.

Jean Traverse, vor dem Zelt auf und abgehend und dann und wann die Nässe aus dem Gesicht wischend, horchte auf die Stimmen, die aus dem Inneren des Zeltes herausdrangen. Er unterschied sehr deutlich die kühle und dennoch vor innerer Erregung vibrierende Stimme des Gouverneurs, den tiefen, ruhigen Bass Kapitän Renoirs und das etwas nasale, schleppende Organ Monsieur Denons.

Sein Blick glitt die Straße hinab, die sich zwischen den geduckten Schatten der indianischen Hütten und den schweigsamen Fronten der Langhäuser unter den rastlos ziehenden tiefdunklen Wolken des abendlichen Himmels erstreckte. Die Felleingänge der Wigwams waren überall geschlossen; das Feuer vor der Treppe des großen Ratshauses war lange verglimmt, dann und wann glitt die dunkle Gestalt einer Squaw huschend die Gasse entlang und verschwand in einer der Hütten. Sonst machte die Straße den Eindruck, als gehöre sie zu einer verlassenen Stadt. Die Hammer- und Axtschläge, die vom Flussufer herüberdrangen, waren fast das einzige Geräusch.

Dort kommandierte jetzt, da Kapitän Renoir beim Chef war, Martin Bigot. Bigot hinkte zwar und machte nur im Notfall den Mund auf, aber er verstand es nicht weniger als der Kapitän, die Männer bei der Arbeit zu halten. Jean Traverse fand, es sei schließlich immer noch besser, im Regen vor dem Zelt zu stehen, als sich unter dem primitiven Schuppendach unten am Flussufer .wie ein Schwerarbeiter schinden zu müssen.

Während er die Fellmütze abnahm, sie auswrang und wieder aufsetzte, um dann fluchend seinen Gang hin und her wieder aufzunehmen, ließ La Salle, der innerhalb der Zeltwände gleichfalls mit auf dem Rücken verschränkten Armen hin- und hergegangen war, sich hinter dem großen Tisch nieder und stützte die Fäuste auf die Platte.

„Lassen wir das Geschwätz und werden wir sachlich“, sagte er. „Benoir, fangt an! Genauen Rapport über die Lage! Schonungslos, versteht sich. Ich sehe die Dinge lieber etwas schwärzer an und freue mich hinterher, wenn es nicht ganz so schlimm kommt.“

Kapitän Renoir räusperte sich und warf aus seinen umbuschten Äugen einen prüfenden Blick auf den Gouverneur. Er streifte dabei das Gesicht Charles Denons, dieses glatte, kühle Gesicht, dem Sonne wie Regen nichts von seiner Stubenblässe zu nehmen vermochten. „Mit den Booten geht alles klar“, begann er, „das habt Ihr ja selbst gesehen. Was das angeht, könnten wir also die Pelzflotte heute in einer Woche auf Fahrt schicken, auch wenn Tonty bis dahin nicht käme.“

„Sechs Boote?“