Wolfszahn und Feueradler - Albert F. De Bary - E-Book

Wolfszahn und Feueradler E-Book

Albert F. De Bary

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Beschreibung

Der Stamm der Utagamis schickt eine Abordnung zu La Salle, um seine Hilfe zu erbitten. In ihrem Heimatdorf scheint es Schwierigkeiten zu geben. Also reisen La Salle zu der Siedlung am Ufer des mächtigen Mississippi. Dort treffen sie auf den Zauberer Feuervogel, der sich mit Schlauheit und Zaubertricks eine grausame Herrschaft über die abergäubigen Indianer geschaffen hat. „Wolfszahn und Feueradler“ ist der vierzehnte Roman der Serie La Salle.

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Veröffentlichungsjahr: 2015

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Albert F. De Bary

Wolfszahn und Feueradler

La Salle Band 14

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Vorspann

 

Schmökerkiste – Band 22

Albert F. De Bary – Wolfszahn und Feueradler

La Salle, Teil 14

1. eBook-Auflage – April 2015

© vss-verlag Hermann Schladt

Titelbild: Armin Bappert unter Verwendung des Originalcovers der Romanheftserie

Lektorat: Hermann Schladt

 

WOLFSZAHN UND FEUERADLER

 

Albert F. De Bary

 

 

1

 

Als La Salle einmal von einer seiner Reisen in die weitere Umgebung wieder an das Ufer des Illinois zurückgekehrt war, konnte er wie immer zu seiner Genugtuung feststellen, dass Tonty erneut weit mehr wahr gemacht hatte, als er versprochen. Er hatte wahrhaftig den Graben um das Fort fertiggestellt, die Wälle waren aufgeschüttet, die Palisaden waren eingerammt, und selbst die meisten Häuser im Innern des Forts standen. Mit frohen Augen sah La Salle, mit verwunderten und zugleich bewundernden Wenonga den Fortschritt der Arbeiten.

Als La Salle nach der Besichtigung sich dem Kommandantenhaus zuwenden wollte, wo das Essen auf ihn wartete, nahm Tonty noch einmal Haltung an, Tonty, der nichts vergaß:„Ich habe Euer Gnaden noch zu melden, dass drüben unter dem großen Ahorn drei Utagamis darauf warten, Euer, Gnaden sprechen zu dürfen!“

„Drei Indianer? Also offenbar ganz besondere Leute, sonst würdet Ihr sie nicht auf diese Weise ankündigen .. .“ Er sah aufmerksam in das dienstlich verschlossene Gesicht seines hünenhaften Hauptmanns. Dann seufzte er komisch, „Und jetzt vor dem Essen? Ich habe einen Mordshunger, ich könnte einen ganzen Büffelhöcker auf einen Sitz auffressen — was denkt Ihr Euch eigentlich, Tonty?“ Mit todernstem Gesicht wandte er sich an Wenonga: „Du hörst es, unser Eisenarm will die Beerensuppe und die Hirschkeule allein essen, aber das werden wir ihm versalzen, wie, Häuptling? Er muss mit, der Hauptmann, er muss mit, er soll auch hungern, damit er. erfährt, wie einem Mann zumute ist, dem der Magen auf die Zehennägel herunterhängt!“

Der Gouverneur faßte Tonty mit der Linken um die Hüfte, legte die Rechte dem Indianer auf die Schulter und schritt so zwischen beiden an dem präsentierenden, Posten vorbei zum Tor hinaus. Tonty lachte über das ganze Gesicht. So vergnügt hatte er den Gouverneur schon lange nicht gesehen. Es war ganz offensichtlich: er war sehr zufrieden mit seinem Hauptmann „Eisenarm“. Kein Wunder also, dass Tontys derbes, offenes Gesicht tausend Lächelfalten zeigte.

Vor der Festung hatten am Ufer des Illinois einige Kickapuh- Indianer ihre Zelte auf geschlagen. Sie waren herbeigekommen, um Pelze einzutauschen, und vor allem, um der Besatzung des kleinen Forts Fleisch anzubieten, Hirsch, Bison, Geflügel, auch Fische. Das war Tonty sehr erwünscht, denn er brauchte nun nicht besondere Jagdkommandos auszusenden und konnte alle Hände beim Bau des Forts verwenden.

Die Roten grüßten die Vorübergehenden mit einem zutraulichen Lächeln, ja, aus einem der Zelte stürzten mit hellem Freudengeschrei, drei Kinder von etwa vier bis sieben Jahren auf Tonty zu und umklammerten seine Beine mit der offenbaren Absicht, ihn nicht weitergehen zu lassen. Der Hauptmann holte, stolz-verlegen und grinsend zu La Salle hinüberschielend, ein paar gezuckerte, ziemlich schmierig aussehenjie Früchte aus seiner linken Rocktasche und stopfte sie den Kleinen in den Mund, die daraufhin zufrieden und mit dem Bauche wackelnd abzogen.

Aus Wenongas ernsten Augen schoß ein heller Blitz zu La Salle hinüber. Was der Häuptling dachte, war leicht zu erraten.

Sie hatten übrigens nicht weit zu gehen. Auf einer kleinen Anhöhe saßen unter einem breit ausladenden Ahorn die Indianer, von denen der Hauptmann vorhin gesprochen hatte. Wenonga betrachtete sie eingehend im Näherschreiten, dann sagte er leise: „Sagamore Schüdkrötenherz und Sagamore von der Sippe Rothirsch. Dritter Utagami Zaubermann. Guter, großer Zaubermann, Die Utagamis haben Kummer.“

Sie waren inzwischen auf etwa fünfzehn Schritte herangekommen. Jetzt erst erhoben sich die drei Rothäute von den Büffelmänteln, auf denen sie bisher gesessen hatten, reckten die Arme zum Friedensgruß, warteten im übrigen aber auf ihrem Platz. Sie zeigten die ruhige Würde, die allen älteren Indianern eigen zu sein pflegte. Ihr Blick galt dem Gouverneur und Wenonga. Tonty, den sie ja schon kannten, wurde von ihnen kaum beachtet. Sie trugen die schöne Lederkleidung des Westens, die aus eigengegerbten, sauber bestickten und mit altertümlichen Mustern bemalten Hirschhäuten angefertigt war. Die beiden Sagamoren hatten den Kopf an beiden Seiten kahl geschoren, in der Mitte aber war eine von der Stirn bis in den Nacken laufende, beinahe handbreite Bürste stehengeblieben, in deren aufrecht stehenden Haaren eine Adlerfeder steckte. Der Zaubermann dagegen hatte das volle schwarze Haar im Genick durch ein Lederband zusammengebunden, im übrigen trug er es lang über den Rücken hinabhängend. Er hatte außerdem eine Art von Husarenmäntelchen aus dem Fell von drei Rotfüchsen über die rechte Schulter geworfen, deren Schwänze ihm im Stehen bis fast auf die Erde hinabhingen.

Nach einer kurzen Phase des Schweigens sagte Tonty in dienstlicher Haltung:

„Dies, Euer Gnaden, sind die Sagamoren Schildkrötenherz und Wolfszahn, und außerdem der Zaubermann Wasserschlange — ein großer Zaubermann, wie mir gesagt wurde.“

Zu den Indianern gewandt fuhr er fort:

„Die Häuptlinge der Utagamis sehen hier das Tötende Auge vor sich, den der große Onontio über dem Meer als seinen Vertreter zu den Kindern Manitus gesandt hat,- und sie sehen neben ihm Wenonga, den Häuptling der Miamis.“

Die Roten hatten kurz die Köpfe zur Begrüßung geneigt. Sie wandten sich zuerst dem Miami zu. Der machte das Zeichen der Schildkröte. Damit gab er zu erkennen, dass er zu diesem Totem gehörte. Die Schildkröte bezeichnete zusammen mit dem Biber und dem Kranich bei allen Algonkinvölkern die vornehmsten Sippen. Aber er sah sofort, dass die Utagamis Bescheid wussten; er war ihnen längst bekannt