Blutflamme - Kim Harrison - E-Book

Blutflamme E-Book

Kim Harrison

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Beschreibung

Cincinnati hat eine neue Meistervampirin – und Rachel Morgan ein Problem. Denn die Neue will, dass Rachel verschwindet. Constance folgt ihr auf Schritt und Tritt, bedroht ihre Freunde und sorgt überall in der Stadt für Chaos. Der Grund für ihren Hass auf Rachel ist ganz einfach: Seit diese einen Weg gefunden hat, die Seelen der Vampire zu retten, schwindet die Macht der Ältesten. Aber Constance will eine Rückkehr zu den alten Traditionen erzwingen – und sie hat Verbündete. Rachel mag zwar die mächtigste Hexe der Stadt sein, doch ist sie auch einer Armee von Meistervampiren gewachsen?

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Seitenzahl: 828

Veröffentlichungsjahr: 2022

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DASBUCH

Cincinnati hat eine neue Meistervampirin – und Rachel Morgan ein Problem. Denn die Neue will, dass Rachel verschwindet. Constance folgt ihr auf Schritt und Tritt, bedroht ihre Freunde und sorgt überall in der Stadt für Chaos. Der Grund für ihren Hass auf Rachel ist ganz einfach: Seit diese einen Weg gefunden hat, die Seelen der Vampire zu retten, schwindet die Macht der Ältesten. Aber Constance will eine Rückkehr zu den alten Traditionen erzwingen – und sie hat Verbündete. Rachel mag zwar die mächtigste Hexe der Stadt sein, doch ist sie auch einer Armee von Meistervampiren gewachsen?

DIEAUTORIN

Kim Harrison, geboren im Mittleren Westen der USA, wurde schon des Öfteren als Hexe bezeichnet, ist aber – soweit sie sich erinnern kann – noch nie einem Vampir begegnet. Als einziges Mädchen in einer Großfamilie lernte sie rasch, ihre Barbies zur Selbstverteidigung einzusetzen. Sie spielt schlecht Billard und hat beim Würfeln meist Glück. Kim mag Actionfilme und Popcorn, hegt eine Vorliebe für Friedhöfe, Midnight Jazz und schwarze Kleidung und ist bei Neumond meist nicht auffindbar. Ihre Bestseller-Serie um die Abenteuer der schönen und tollkühnen Hexe Rachel Morgan ist längst Kult. Mehr Informationen unter: www.kimharrison.net

Ein ausführliches Werkverzeichnis der von Kim Harrison im Heyne Verlag erschienenen Bücher finden Sie am Ende des Bandes.

KIM HARRISON

BLUTFLAMME

ROMAN

Deutsche Erstausgabe

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

Titel der amerikanischen Originalausgabe

MILLIONDOLLARDEMON

Deutsche Übersetzung von Antonia Zauner

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

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Deutsche Erstausgabe 02/2022

Redaktion: Sabine Thiele

Copyright © 2021 by Kim Harrison

Copyright © 2022 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München

Satz: Leingärtner, Nabburg

ISBN 978-3-641-26108-5V001

www.heyne.de

Für Tim

1

Am Flughafen von Cincinnati war es so laut, wie man es an einem Freitag erwarten würde, und das Gedränge und die vielen Stimmen verstärkten meine unerwartete Unsicherheit noch. Ich setzte mich aufrechter hin und suchte die wogenden Massen nach einem verstohlenen Schatten ab, nach jemandem, der versuchte, unauffällig zu bleiben, mit der Umgebung zu verschmelzen. Aber da war nur ein einsamer TSA-Agent, der mit verschränkten Armen an einer Wand lehnte und mich anstarrte, als würde ich ihn gleich mit Flüchen bombardieren. Als er bemerkte, dass ich ihn beobachtete, gab er mir mit einer Geste zu verstehen, dass er mich im Blick hatte. Ich erwiderte die Liebenswürdigkeit, indem ich mir mit dem Mittelfinger das Auge rieb.

Augenblicklich stieß er sich von der Wand ab und mischte sich unter die Reisenden, aber ich wusste, dass mehr als eine Kamera auf mich gerichtet war. Ich schob mir eine rote Locke aus dem Gesicht und ließ den Blick über die nichts ahnenden Massen schweifen. War der kleine Austausch jemandem aufgefallen? Quen, der mit Ellasbeth und den Mädchen an einem Tisch in der Nähe stand, lächelte wissend, und ich wurde rot.

»Dreck auf Toast, meine Strafe wurde aufgehoben, ich darf wieder fliegen.«

Darf ich das wirklich?, überlegte ich, während ich mich streckte und Trent in der Menge entdeckte, der mit drei Kaffee- und zwei Saftbechern zurückkam. Der Papphalter und die bunten Kinderbecher hätten an jedem anderen Ort einen seltsamen Kontrast zu seinem Anzug und der Krawatte gebildet, aber hier, im Hollows International Airport, schien nichts unmöglich zu sein.

Mir stockte der Atem, als er ruckartig stehen blieb und von den Getränken zu dem großen, attraktiven lebenden Vampir aufblickte, der ihm gerade den Weg abgeschnitten hatte. Der blonde Vampir, der eindeutig zu spät dran war, schien davon nichts zu bemerken, sondern eilte in einem unheimlichen Tempo weiter. Trent sah zu mir und hob kurz das Kinn zum Zeichen, dass er gleich wieder zurück sein würde. Lucy schrie, weil sie das Echo ihrer Stimme von der Decke widerhallen hören wollte, und Ellasbeth wurde immer angespannter und frustrierter.

Ich lehnte mich lässig zurück und bemühte mich, nicht zu lächeln, während Trent versuchte, die Mädchen abzulenken, damit sie sich besser benahmen. Lucy stürzte sich sofort auf ihren Saft, aber ihre stillere, zurückhaltendere Schwester ignorierte den Becher und beobachtete stattdessen drei Hunde, die vor ihren großflächig tätowierten und dadurch leicht als Werwölfe erkennbaren Besitzern durch den Terminal trotteten. Sie waren so groß wie kleine Ponys und vermutlich Teil des Rudels.

Ellasbeth mit ihrem cremefarbenen Hosenanzug und der Tausend-Dollar-Tasche sah aus, als wäre sie mit den Nerven am Ende. Neben ihrem makellosen Business-Outfit wirkte ich mit meinen Jeans, der dunkelgrünen Lederjacke und den flachen Arschtrittstiefeln fehl am Platz, aber das war nichts Ungewöhnliches. Die sechs Stunden Flug und vier Stunden Zeitverschiebung würden ihren Tribut fordern. Zum Glück verwandelten Erste-Klasse-Flüge launische kleine Mädchen in niedliche Engel. Dass sie ihnen zueinander passende blau-weiße Pullis angezogen hatte, ging mir zwar gegen den Strich, aber damit konnte man sie definitiv nicht aus den Augen verlieren.

Um ehrlich zu sein, war ich froh, dass sich in dem für Seattle gekennzeichneten Gepäckhaufen nichts von mir befand. Ich verzichtete diesmal dankend, trotzdem behielt ich die vorbeieilenden Leute aufmerksam im Blick, während sie um die kleine Familie herumglitten wie Wasser um einen Stein und keinerlei Eindruck hinterließen. Oh, natürlich wurde Trent nach wie vor erkannt, sobald er seinen hübschen Kopf durch die Tore seines Anwesens steckte, aber in letzter Zeit flüsterten die Leute eher und schossen verstohlen Fotos, statt herüberzueilen, ihm die Hand zu schütteln und um ein Selfie zu bitten.

In mir vibrierte etwas, als Trent sich von den Mädchen abwandte und mit zwei Kaffeebechern zu mir kam. Lächelnd nahm ich einen entgegen und rückte zur Seite.

»Fettfrei hatten sie nicht«, sagte er und kniff seine ausdrucksstarken grünen Augen auf bezaubernde Weise in leichter Sorge zusammen. »Sind zwei Prozent auch in Ordnung?«

Ich nickte, nippte an meinem Kaffee und genoss die ungewohnte Cremigkeit. »Danke. Ja.«

Es war fast so weit. An der Art, wie Trent auf die Uhr blickte und sich wartend zurücklehnte, erkannte ich, dass er nervös war. Der vertraute Anblick berührte mich bis ins Innerste, und als ich sein Knie an meinem spürte, regten sich Zweifel. Aber nein. Ich hatte zu viel zu tun, und es war keine gute Idee, jetzt die Stadt zu verlassen und ihn als unnötiger Ballast zu begleiten.

Ich würde ihn vermissen, aber selbst wenn sich in den Hollows nicht gerade Ärger zusammenbrauen würde, wäre ich nicht bereit, sieben Tage bei Ellasbeths Familie zu verbringen und so zu tun, als wäre alles prima, während Trent mit irgendwelchen Elfenbonzen stritt, damit sie seinen Status als Sa’han anerkannten.

Der Kaffee rann warm und nussig meine Kehle hinunter, während ich Ellasbeth über den Becherrand hinweg beobachtete. Als sie Trents Knie an meinem bemerkte, presste sie die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen. Doch dann versuchte sie, Ray dazu zu überreden, etwas von ihrem Saft zu trinken, und ihr Lächeln war echt. Die winzige Falte auf ihrer Stirn verschwand allerdings nicht.

»Ich werde dich und die Mädchen vermissen«, sagte ich, und Trent drückte meine Hand.

»Ich hätte dich liebend gerne die Woche über bei mir, aber Quen kennt ihre Security, und du hast morgen dein Playdate mit Dali.«

Playdate? Das schien mir nicht das passende Wort zu sein, und ich war alles andere als begeistert über die Aussicht, den selbst ernannten Anführer der Dämonen zu einem Treffen mit einem der überlebenden Rosewood-Babys zu begleiten, damit er sein Mentor werden konnte. Dali wollte ihn unterrichten. Umsonst. Nach drei Monaten Hinhalten hatte ich mich endlich bereit erklärt, ihn den verständlicherweise zögerlichen Eltern des Kindes vorzustellen. »Ich könnte auf dem Mond sein, und Dali würde kommen und mich holen, so wichtig ist es ihm«, sagte ich, und Trent drückte lachend noch einmal meine Hand.

»Ich glaube«, flüsterte er mir ins Ohr, »dass du da etwas ganz Großartiges tust. Es wird deiner Art helfen, wieder ihren Platz in dieser Welt zu finden. Ihnen etwas geben, auf das sie nach all der Zeit stolz sein können.«

»Und wenn Dali es vermasselt?«, fragte ich besorgt.

Trents Lächeln wurde breiter. »Das wird er nicht. Er braucht das. Sie brauchen es alle. Es ist eine Verbindung zur Gemeinschaft, ein Grund zu leben.«

»Eher eine zweite Chance, die Dämonen mithilfe von unvoreingenommenen Kindern wiederaufleben zu lassen, statt durch eine Hexe, die ihnen nicht zuhört. Obwohl ich zugeben muss, dass ich froh bin, nicht mehr der einzige weibliche Dämon zu sein«, sagte ich, und Trent lachte leise hinter seinem Kaffeebecher. »Dali wird es vermasseln«, prophezeite ich. »Früher oder später wird er Kerics moralischen Kompass manipulieren oder dem Kind etwas beibringen, das die Eltern ausdrücklich nicht wollten, oder sie schlicht anlügen.«

»Solltest du deine Meinung ändern: Ich habe einen zusätzlichen Sitzplatz gebucht, damit alle etwas Ruhe vor den Mädchen haben. Und in Seattle kann man Zahnbürsten kaufen.«

Ich zuckte zusammen. Sechs Stunden in einem Flieger? »Meine Anwesenheit dort würde deinem Anliegen eher schaden als nutzen.«

Trents gute Laune verflog. »Sie würde mir nutzen, wenn sie keine solchen …«

»Vorsicht …«, warnte ich mit einem kleinen Lächeln. »Man weiß nie, wer zuhört.«

»… traditionsbesessenen, verängstigten alten Säcke wären, die blind für die Realität sind«, beendete er seinen Satz aufgebracht.

Voller Liebe glättete ich ihm das schwebende Haar. Magie kitzelte meine Fingerspitzen, und er bemühte sich sichtlich um Beherrschung. »Nein, danke«, sagte ich und sah zu, wie die Mädchen aufgeregt zu den riesigen Fenstern rannten, hinter denen ein Jet auf den Terminal zurollte. »Ich war schon überrascht, dass sie mich überhaupt durch die Sicherheitskontrolle gelassen haben, um dich am Gate zu verabschieden. Zu versuchen, in einen Flieger zu steigen, ist noch einmal eine ganz andere Nummer.«

Doch ich zögerte, als mir klar wurde, dass er noch vor zwei Jahren mit seiner Privatmaschine geflogen wäre. Er meinte, er würde an die Umwelt denken, aber ich fragte mich, ob mehr dahintersteckte. »Richte Ellasbeths Mutter meine Glückwünsche zu ihrem Geburtstag aus.«

»Das werde ich.« Die Ellbogen auf die Knie gestützt, schaute er abwesend in die Ferne. »Es ist nur eine Woche«, flüsterte er und zwang sich dann zu einem Lächeln. »Begleitet dich David heute zu einer Besichtigung?«

Ich hörte Eifersucht in seiner Stimme. »Jepp«, antwortete ich fröhlich und fühlte mich geliebt, war aber auch ein wenig verärgert. Würde Trent mich zu den Besichtigungen begleiten, würden die Verkäufer sofort den Preis erhöhen, weil sie dachten, er würde mir finanziell unter die Arme greifen. David war unauffällig, niemand kannte ihn, und sein Fachwissen über Versicherungen kam mir sehr gelegen. »Das Objekt ist noch nicht auf dem Markt, aber es sieht gut aus, und mit etwas Glück habe ich eine neue Bleibe, bis du zurück bist.«

»Und wenn nicht, kannst du immer noch bei mir einziehen«, sagte er leise. »Das Zauberlabor steht leer. Ich benutze es nicht.«

Ich drückte seine Hand. »Es ist einfach zu weit draußen, Trent«, erwiderte ich bedauernd, auch wenn ich manchmal am Wochenende im renovierten Zauberlabor seiner Mutter arbeitete. »Kein Hilfesuchender wird bis dorthin fahren.«

»Früher haben sie das getan«, murmelte er. Aber jetzt nicht mehr, beendete ich seinen Satz im Stillen. Jetzt, da Trents Sa’han-Status in Gefahr war, wollte niemand mehr seine Hilfe, weshalb ihm auch nicht mehr viele einen Gefallen schuldeten. Früher hatten ihm diese Gefallen Türen geöffnet. Er hatte Macht besessen, die ihn über dem Gesetz stehen ließ und zum elfischen Sa’han machte. Aber das war jetzt vorbei.

Mir tat das Herz weh, und ich hielt den Atem an, während ich zu Ellasbeth hinüberblickte, die sich mütterlich um die Mädchen kümmerte. Sie war sowohl eloquent als auch kompetent und wäre in der Lage, ihm all das zurückzugeben. Aber nur, wenn ich nicht mehr im Spiel war, beziehungsweise in Trents Bett. Natürlich konnte er einfach noch ein paar uneheliche Kinder mit Ellasbeth zeugen, damit den elfischen Gesetzen Genüge getan war, aber das würde nichts daran ändern, dass er mich liebte. Die Tatsache, dass ich eine Dämonin war, wenn auch eine von Hexen gezeugte, machte das allerdings inakzeptabel.

Ellasbeth sah auf, als spürte sie meinen Blick, und lächelte blasiert. Vielleicht waren ihre Ohren doch besser, als ich dachte.

Ich wollte nicht zu Trent ziehen. Ich liebte ihn und die Mädchen, aber dass ich wegen meiner Arbeit zentrumsnah wohnen musste, war nicht der einzige Grund. Für ihn war alles einfach. Und das wollte er auch für mich. Das klang toll, aber dann würde ich niemals wissen, ob ich meinen Erfolg mir selbst oder ihm verdankte, und ich wollte aus eigener Kraft erfolgreich sein.

Leider sah es zunehmend so aus, als bliebe mir keine andere Wahl, als zu Trent zu ziehen, und sei es nur vorübergehend. Ich hatte gerade mal noch zwei Wochen, bevor Constance Corson, die zukünftige Meistervampirin Cincinnatis, mich aus Piscarys ehemaligem Wohnsitz werfen und ihn und die Stadt in Besitz nehmen würde. Schon den ganzen Monat kamen immer mehr ihrer Leute in die Stadt und machten Ärger, indem sie sich in den Bars und anderen Hotspots tummelten, um die alte Ordnung mit gefletschten Fangzähnen niederzureißen. Dagegen hatte sich überraschender Widerstand geregt, aber wie erwartet unternahm die I. S. nichts, da Constance aus ihrer Sicht lediglich ihren Einfluss als zukünftige Meistervampirin – und damit ihre zukünftige Chefin – geltend machte. Das von Menschen geführte FIB konnte natürlich auch nicht viel ausrichten. Bis jetzt bedrohten Constances Leute lediglich andere Vampire, aber das konnte sich schnell ändern, sobald sie die Macht übernahm, und das bereitete allen Sorgen. Der dritte Grund, warum ich Cincy im Moment nicht verlassen wollte.

»Ich möchte, dass du dich vorsiehst, wenn ich nicht da bin«, sagte Trent, und ich drehte mich überrascht um. Nicht nur seine Worte, sondern auch der Ausdruck in seinen grünen Augen drückte Sorge aus.

»Ich sehe mich immer vor«, erwiderte ich, aber dass er es überhaupt angesprochen hatte, bedeutete, dass etwas nicht stimmte. »Was ist los?«, fragte ich leise und beugte mich näher zu ihm.

Er atmete tief durch und tat so, als würde er von seinem Kaffee trinken, um die Bewegungen seiner Lippen zu verbergen. »Vielleicht hat es keine Bedeutung, aber letzte Nacht hat möglicherweise jemand versucht, in mein Anwesen einzubrechen.«

Möglicherweise? Ich erstarrte. »Ich komme mit dir«, sagte ich und wühlte nach meinem Handy, um Jenks Bescheid zu sagen.

»Nein.« Er hielt meine Hand fest. »Es war vermutlich nur ein Einschüchterungsversuch.«

Aber irgendetwas an seinem Lächeln stimmte nicht ganz. Vor sechs Monaten hätte ich ihm vielleicht geglaubt, aber jetzt? Ich durchschaute ihn beinahe besser als Quen.

Und er wusste es. »Ich hätte es nicht erwähnt, aber die drei Vampire, die Quen vertrieben hat, waren nicht in der Gesichtserkennungsdatenbank von Cincy.«

Ich nickte langsam. »Auswärtige Vampire, die Ärger machen. Ich komme mit dir.«

Er warf mir einen schnellen Blick zu, und mein Inneres krampfte sich vor Sorge zusammen, als er liebevoll lächelte. »Rachel, ich wünsche mir nichts mehr, als dass du mit mir kommst, aber nicht wegen drei unfähiger Vampire aus Constances Camarilla, die über die Mauern klettern und mir durch mein Sicherheitssystem Drohungen zurufen.«

»Drohungen? Was haben sie gesagt?«

Seine Hand in meiner fühlte sich warm an, als er sie anhob und mich auf die Fingerknöchel küsste. »Sie haben verlangt, dass ich Constance als das Gesetz in Cincinnati und den Hollows anerkenne.«

»Trent …«

»Ganz ruhig, das kommt nicht unerwartet«, meinte er. »Und wie du sagtest: Ich wohne zu weit draußen, um direkten Einfluss auf das zu haben, was in der Stadt passiert.« Er presste die Lippen zusammen und blickte abwesend in die Ferne.

Ich drückte seine Hand, und er schaute mich wieder an. »Versprich mir, dass du anrufst, wenn noch mal etwas in der Art passiert. Sofort«, drängte ich.

»Das werde ich.« Er sah zu seinen beiden Mädchen hinüber. »Versprochen.«

Ich glaubte ihm. Sollte es wirklich Ärger geben, konnte ich in der Zeit da sein, die ich brauchte, um einen Dämon aus seinem Schmollwinkel zu reißen und mir einen Sprung durch die Kraftlinien zu kaufen.

»Hier«, sagte er, und ich riss die Augen auf, als er eine kleine Ringschachtel aus seinem Jackett zog. »Der ist für dich. Hat nicht direkt etwas mit Constances Drohungen zu tun, aber ich kann dann nachts besser schlafen.«

»Ähhh …«, stotterte ich. Trent war nicht der Typ, der Schmuck schenkte. Eine Waffe, einen Zauber oder einen Talisman, aber keinen Schmuck, sofern es sich dabei nicht um eine Waffe, einen Zauber oder einen Talisman handelte. Ich nahm die kleine graue Schachtel entgegen und war froh, dass er nicht hier im Terminal auf ein Knie gesunken war. Ja, Ellasbeth war die Mutter seines Kindes, und er kümmerte sich um Quens Tochter, aber er war immer noch Single.

»Es ist ein Zauber«, erklärte er dicht bei mir, und ich roch seinen Duft nach Zimt und Wein. »Ich habe einen ganzen Monat gebraucht, um ihn zu entwickeln.«

Ich entspannte mich und öffnete die Schachtel, in der ein kleiner, zierlicher Silberring mit Perle lag. »Oh Trent, er ist wunderschön«, sagte ich und nahm ihn heraus, wobei ich kurz zögerte, als ich das leise Kribbeln des Zaubers spürte. »Was kann er?«

»Er ist dafür da, dass du mich nicht vergisst.«

Ich hob die Augenbrauen, als er mir den Ring aus der Hand nahm und ihn an meinen kleinen Finger steckte. »In nur einer Woche?«, meinte ich trocken, und er lachte.

»Schau, hier. Ich habe auch einen.« Er zeigte mir seine Hand, an der ein Zwilling zu meinem steckte, nur dass er golden und die Fassung deutlich männlicher gestaltet war. »Wenn einem von uns etwas passiert, dann färben sich die Perlen schwarz.«

»Oh!« Er nahm meine Hand, und ich blickte auf unsere ineinander verschlungenen Hände hinunter. Die Ringe fingen das künstliche Licht so ein, dass sie beinahe leuchteten. Es war so eine Art Ich-bin-gefallen-und-komme-allein-nicht-mehr-hoch-Zauber. »Danke. Er ist wunderbar.« Dann zögerte ich. »Wenn du sagst, falls einem von uns etwas passiert, dann …«

Er sah mich nicht an und zuckte mit den Schultern. »Er funktioniert über deine Aura.«

Es war also Schmuck, aber ein Klunker mit einem Kniff. »Danke, Trent«, sagte ich und verdrängte, dass der Ring uns signalisieren sollte, dass der jeweils andere ermordet wurde. »Ich liebe ihn.« Und das war die Wahrheit. Er war zierlich genug, um an meinen schmalen Fingern gut auszusehen, und so klein, dass die meisten Menschen ihn nicht bemerken würden. Jenks allerdings schon. Der Pixie sah alles.

Trents Laune schien sich zu bessern, aber ich sah immer noch Sorgenfalten um seine Augen. »Ich habe nur einen Tag gebraucht, um sie zu fertigen, sobald ich erst einmal die Perlen hatte. Sie zu finden hat einen guten Monat gedauert.« Er sah zu den Mädchen. »Sie stammen aus der gleichen Auster und sind so einzigartig, wie du es bist.« Er sah mich wieder an und hob meine Hand an den Mund, um meine Fingerspitzen zu küssen. Ein Kribbeln durchlief mich, und mir wurde warm. Es war ungewöhnlich, dass er seine Zuneigung so öffentlich zeigte, aber vielleicht war es auch eine Botschaft an Ellasbeth, die gerade nicht sehr glücklich dreinblickte.

Für einen kurzen Moment gab es inmitten der hektisch vorbeieilenden Passagiere nur uns, aber dann krampfte sich seine Hand um meine, und ihr Flug wurde ausgerufen. Er richtete sich auf und warf Quen einen Blick zu. Sofort widmete der ältere Dunkelelf sich den Mädchen, wischte über Hände und Gesichter, band Schnürsenkel und lenkte ihre Aufmerksamkeit, ohne es so aussehen zu lassen, als manipulierte er sie. Dreck auf Toast, er ist verdammt gut.

»Ich muss los«, sagte Trent und erhob sich.

Ich stand ebenfalls auf, und mein Magen zog sich zusammen. »Es ist nur eine Woche«, sagte ich, und das Gefühl, von ihm getrennt zu sein, packte mich mit voller Wucht, während seine Familie sich eilig fertig machte. Ich fühlte mich wie eine Außenseiterin, vor allem, als die Mädchen zur Scheibe rannten, um den Flieger anzusehen, und dabei ihre Tante Rachel ganz vergaßen.

Trent stellte seinen Kaffee ab. »Ich habe gesehen, was in nur einer Woche passieren kann.« Er lächelte, seine Lippen nur wenige Zentimeter von meinen entfernt. »Rufst du mich an?«

»Ruf du mich an«, gab ich zurück, und Trent nahm mir den Becher ab, um ihn neben seinen auf eine Stuhllehne zu stellen, ehe er mich in eine leidenschaftliche Umarmung zog, die ein Feuer in mir auflodern ließ. Darauf folgte ein zurückhaltender, aber zärtlicher Kuss, der in mir den dringenden Wunsch nach mehr weckte.

»Ja, Madam Dämonin«, scherzte er und gab mich frei. Dann ging er, und ich blickte ihm hinterher. Er hatte Ray an einer Hand und Lucy an der anderen. Quen folgte ihm mit Ellasbeth, die in ihrer Tasche nach den Tickets suchte. Sie waren die perfekte Familie, und es bereitete mir Sorge, dass sie eine Woche bei den übertrieben vornehmen Elfen an der Westküste verbringen würden.

Vielleicht wäre es doch besser gewesen, Cincy Constance zu überlassen und Trent zu begleiten, um Ellasbeth auf Abstand zu halten.

2

»Die elektrischen Leitungen sind in Ordnung, Rache«, verkündete Jenks, der mit leise schabenden Libellenflügeln vor mir schwebte. Die Sonne, die durch das große, mit Straßenstaub bedeckte Fenster schien, leuchtete in seinem kurzen blonden Haar und dem silbernen Staub, den er verlor. So sah er weitaus unschuldiger aus, als er war. Spinnweben klebten an dem Gartenschwert an seiner Hüfte, und Staub bedeckte das rote Bandana, mit dem er anderen Pixies signalisierte, dass er nicht in ihrem Territorium wildern wollte. Nachdem ein solches Eindringen den Tod bedeuten konnte, war es eine angemessene Vorsichtsmaßnahme. »Warte kurz, dann sehe ich mir noch die Rohrleitungen an.«

»Super«, sagte ich und dachte, dass Pixies sich mit ihrer unersättlichen Neugier und der Fähigkeit, sich zwischen Wänden hindurchzuquetschen, ein Vermögen als Immobiliengutachter verdienen könnten – wenn sie nur jemand damit beauftragen würde. »Und schau auch gleich, ob du herausfinden kannst, woher der Gestank kommt.«

»Und ob man die Quelle beseitigen kann«, fügte David hinzu, der mit in die Hüften gestemmten Händen und dem Rücken zu uns am Schaufenster stand und den vorbeirauschenden Verkehr beobachtete. Er warf nur einen kurzen Schatten auf den Eichenboden, aber dass die Sonne es überhaupt in das zweistöckige Gebäude mitten in den Hollows schaffte, war schon so etwas wie ein Wunder.

Neben ihm presste Sharron ihr Notizbuch wie ein Feigenblatt an sich und lächelte. »Denken Sie daran, David, dass man alles ändern kann bis auf die Lage. Und, Rachel, die Lage dieses Objekts ist unschlagbar.«

Ich nickte, und Jenks summte den kurzen Flur hinunter, um sich genauer in dem kleinen Klo im Erdgeschoss umzusehen. Sharron war die personifizierte Professionalität in einem leuchtend gelben Kostüm und einem Anstecker von »Cincy Realty«. Die Maklerin arbeitete schon seit drei Monaten für uns. Jeder andere hätte längst aufgegeben, aber sie war immer noch so munter wie an dem Tag, als ich sie wegen einer Wohnung am Fluss kontaktierte. Sie war schon vermietet, bevor ich sie mir ansehen konnte, aber Jenks mochte die Brünette mit dem voluminösen Haar, die ihn vom ersten Moment an wie eine vollwertige Person behandelt hatte, indem sie ihn mit einem strahlenden Lächeln fragte, was er sich denn von der neuen Immobilie erwarte.

David war derjenige, der uns auf dieses alte Ladengeschäft aufmerksam gemacht hatte. Es würde erst in wenigen Wochen auf den Markt kommen, und genau deshalb hatten Jenks und ich uns sofort darauf gestürzt. Jetzt, da Constances Leute nach und nach eintrudelten, wurde uns alles unter dem Hintern weggekauft.

Das schmale zweistöckige Gebäude stand an einer einigermaßen geschäftigen Straße im Zentrum der Hollows. Der untere Bereich war bereits für den geschäftlichen Betrieb eingerichtet, während sich oben eine Wohnung für eine Person – oder zwei, wenn einer davon ein Pixie war – befand. Autos fuhren langsam an den großen Schaufenstern vorbei, und kostenpflichtige Parkplätze sorgten dafür, dass alles in Bewegung blieb. Die Böden waren alt, die Decke mit lackierten Metallplatten verkleidet, aber mir gefiel, dass die dicken Wände einigermaßen schalldicht waren, und die ausgeprägten Zierleisten waren ideal für Jenks, um sich darauf niederzulassen. Als wir über die Schwelle traten, hatte ich sofort die Restmagie in dem Gebäude geprüft, und es erwies sich als überraschend unbelastet. Bis auf einen rudimentären Schutzkreis auf dem Küchentresen hatte ich nichts finden können, und gar nicht so weit entfernt verlief eine Kraftlinie.

In Sharrons Maklersprache könnte man das Haus »charmant« nennen, was klein bedeutete. Außerdem hatte es »einen ausgeprägten Charakter«, also eine unsinnige Raumaufteilung und alte Armaturen. Darüber hinaus befand es sich in einer »aufstrebenden« Gegend, was laut Jenks hieß, dass wir ordentlich würden blechen müssen, obwohl die Läden links und rechts von uns eher … na ja … heruntergekommen waren.

»Sharron! Können Sie das mal für mich aufdrehen? Ich will den Wasserdruck prüfen«, rief Jenks aus dem zweiten Stock herunter, und die Frau steuerte sofort auf die Treppe zu. Er war nicht aus dem Klo im Erdgeschoss gekommen, was bedeutete, dass er den Leitungen durch die Wand nach oben gefolgt war.

»Was denkst du?« David trat vom Fenster zurück, als zwei Wagen der I. S. ohne Sirenen, aber mit Blaulicht, vorbeirauschten. »Die Lage ist unschlagbar«, fügte er hinzu, aber ich antwortete nicht, sondern trat hinter die Ladentheke und begann Schubladen aufzuziehen, die so alt waren, dass sie noch original sein mussten. »Der Preis stimmt.«

»Bisschen viel Straßenlärm«, sagte ich, gab den Kampf mit der klemmenden unteren Schublade auf und richtete mich wieder auf. Er bewegte sich mit der selbstsicheren Eleganz eines Alpha-Werwolfs durch den Raum, während hinter ihm ein Streifenwagen des FIB vorbeiraste. Wie immer hinkte das menschliche Gegenstück zur I. S. einen Schritt hinterher.

»Wo viel los ist, gibt es auch viel Kundschaft«, meinte er und stützte sich mit dem Ellbogen auf den Tresen. Aus dunklen Augen beobachtete er die Straße, wo der Verkehr wieder einsetzte. An seinen Schläfen zeigte sich ein Hauch von Grau, aber meiner Meinung nach sah er damit nur noch besser aus. Das Leben mit einem Rudel tat ihm gut. Er brauchte es, sich um jemanden zu kümmern, und sein Rudel wuchs rasant. Manchmal fragte ich mich, was passiert wäre, hätte ich meine Position als weiblicher Alpha nicht aufgegeben.

»Und die Wohnung oben sorgt für eine klare Aufteilung zwischen dem öffentlichen und dem privaten Bereich«, fuhr David fort. »Dazwischen befindet sich eine abschließbare Tür. Die Kirche hatte das nicht, und das hat mich immer gestört.«

»Wer legt sich schon mit der letzten lebenden Tamwood-Erbin an?«, gab ich zurück und schob mir ein wenig unsicher eine rote Locke hinters Ohr. Aber Ivy war immer noch in D. C. und versuchte, die alten Untoten davon zu überzeugen, dass es besser war, dass sie die Seele ihrer untoten Geliebten in sich trug, statt sie zu entlassen, was bedeutete, dass Nina sich nicht nur von Ivys Blut, sondern auch von ihrer eigenen Seele nährte. Das verhalf Ivy zu etwas mehr Einfluss in dem traditionell eher einseitigen Verhältnis zwischen Nachkomme und Gnomon, und den alten Untoten gefiel das ganz und gar nicht. Selbst wenn Ivy in Cincy gewesen wäre, würde sie nicht mehr bei mir wohnen. Das war alles gut, auch wenn es wehtat.

Aber selbst ich musste zugeben, dass das hier eine tolle Immobilie war. Ich könnte den Verkaufstresen in eine Kaffeebar umwandeln, meinen Schreibtisch dahinter stellen und einen guten ersten Eindruck machen. Der Lagerraum im Erdgeschoss würde sich für ein kleines Zauberlabor eignen. Ich könnte arbeiten und gleichzeitig die Ladentür im Auge behalten, sodass Jenks das nicht mehr tun musste. Dann noch zwei Stühle und ein kleiner Tisch am Fenster, wo ich mit Klienten sprechen konnte, dazu ein Ständer mit Broschüren – von Anwälten, die sich auf Inderlander-Fälle spezialisiert hatten, Leichenhallen, lizenzierten Tagesquartieren für mittellose Untote, so was eben.

Aber es würde mir schwerfallen, die Kirche endgültig hinter mir zu lassen. Seit drei Monaten lag sie brach, weil die Handwerker die Arbeiten eingestellt hatten, als sie die Pentagramme auf Kistens Billardtisch sahen. Das schien sich herumgesprochen zu haben, denn ich fand keine Baufirma mehr, die auch nur bereit war, meinen Anruf entgegenzunehmen, geschweige denn einen Fuß in die Kirche zu setzen.

Jenks war bereit zu verkaufen, was mich überraschte, bis ich genauer darüber nachdachte: Er hatte seine Frau dort verloren, und jetzt, da seine Kinder in alle Winde verstreut waren, gab es für ihn keinen Grund mehr zu bleiben.

Ich stellte fest, dass ich die Schultern fast bis zu den Ohren hochgezogen hatte. Ich wollte nicht, dass David merkte, dass es mir zu schaffen machte, die Kirche einfach so aufzugeben, also zwang ich sie wieder nach unten, atmete tief durch und zog meine kurze Lederjacke glatt, ehe ich hinter dem Tresen hervortrat. Ja, eine abschließbare Tür wäre schön, aber ich würde jemanden engagieren müssen, der die Gasleitung unter dem Boden verlegte, damit ich Platz für einen unzerstörbaren Schutzkreis hatte. Außerdem würden sich die beiden kleinen Zimmer, die Wohnküche und das winzige Bad oben sehr beengt anfühlen, nach dem Platz, den ich in der Kirche und Piscarys ehemaligem Restaurant gehabt hatte. Es gab keinen Außenbereich, und innerhalb dieser vier Wände konnte ich unmöglich Sport machen. Ich würde ins Fitnessstudio gehen müssen.

Willkommen im Leben, dachte ich und lehnte mich neben David an den Tresen, während wir auf Jenks warteten. Doch dann runzelte ich die Stirn, als ich draußen auf der Straße den gleichen schrottreifen braunen Volvo entdeckte, der mir schon am Flughafen aufgefallen war. Ich erinnerte mich an ihn, weil ich es seltsam fand, dass jemand mit seinem Wagen am Randstein steht und einen Anschiss von der Polizei riskiert, statt einfach dort zu parken, wo es erlaubt ist. Dieses Mal saß ein dunkelhaariger lebender Vampir hinter dem Steuer, der mit seiner Sonnenbrille und dem Dreitagebart ein wenig gefährlich aussah. Zwei Blonde, die gekleidet waren wie er, saßen hinten im Wagen, und mir wurde unbehaglich. Vampire im Einheitslook gefielen mir nicht, selbst wenn das viele Leder eine gewisse Eleganz hatte. Ein gemeinsamer Look deutete auf ein gemeinsames Ziel hin, und bei Vampiren war das schnell mal tödlich.

»Sie drehen jetzt schon die dritte Runde«, sagte David leise.

»Vielleicht sind sie auf der Suche nach einem freien Parkplatz.« Mein Blick wanderte zu den drei dicken Schlössern an der Tür. Eines war ein normales, die anderen beiden magisch. Die Zauber waren abgelaufen, aber das konnte ich beheben. Als ich wieder auf die Straße hinausblickte, beschloss ich, dass ich hier mitten in den Hollows schon zurechtkäme – obwohl ich die Kirche vermissen würde wie die Untoten die Sonne.

Ich zwang mich zu einem Lächeln, als Jenks die Treppe herunterkam, die so schmal war, dass Sharron hinter ihm in ihren hohen Schuhen beinahe seitwärts gehen musste. »Das Dach scheint in Ordnung zu sein«, sagte er, als er auf dem Tresen landete und sich den Staub von seinem schwarzen Seidenoutfit wischte. »Es ist alt und flach, deshalb könnte zu viel Schnee Probleme machen, aber es hat keine Löcher und bekommt den Großteil des Tages Sonne ab. Wir könnten Pflanzkästen dort aufstellen.«

Was helfen würde, Jenks’ Bedürfnisse zu erfüllen. Es wäre kein Garten, aber als Witwer brauchte er nicht viel. Er hatte recht, was die Sonne betraf. Den größten Teil des Nachmittags würde sie direkt frontal auf das Gebäude scheinen, sodass es hell und freundlich sein würde.

»Es ist eine gute Gegend«, sagte David und zuckte zusammen, als ein Feuerwehrwagen hupend vorbeidonnerte, um sich Platz auf der nahen Kreuzung zu verschaffen. »Einen Block weiter wohnen ein paar Leute aus dem Rudel. Wenn du schreist, können sie dich hören.«

Deshalb weiß er von dem Laden hier, dachte ich und fragte mich, wieso ich eigentlich jetzt eine Entscheidung treffen sollte.

»Viele Restaurants und Läden«, meinte Jenks, der jetzt auf Davids Schulter saß. »Oben hätten wir eine Wohnung und unten einen Bereich für die Öffentlichkeit.« Seine Flügel summten. »Neue Möbel, die nicht nach Ivy riechen. Ein paar Bilder an der Wand und ein Teppich, und es könnte hier ganz nett aussehen.« Er hielt kurz inne und sagte dann, als hätte er jetzt erst nachgesehen: »Und eine Kraftlinie ist auch in der Nähe.«

Erneut sandte ich einen Gedanken aus und fand sie. Einladende Wärme und ein Kribbeln machten sich in mir breit, und eine Strähne meines roten Haars begann zu schweben. Sie war nah. Nicht so nah wie die im Garten der Kirche, aber sie war nicht übel.

Aber selbst als ich das Gebäude ernsthaft in Erwägung zog, überkam mich noch das Gefühl des Verlusts. Blumenkübel und Hochbeete waren kein Garten. Ich würde alles kaufen müssen, was ich zuvor umsonst bekommen hatte. Es gab keinen Ausblick, keinen Platz, und der kleine Parkplatz, der zu dem Gebäude gehörte, war kaum groß genug für meinen Mini. Mitten in den Hollows zu wohnen mochte auf dem Papier ganz attraktiv sein, aber vielleicht war ich dann sogar zu greifbar und würde meine Zeit damit verbringen, weggelaufene Vertraute wieder einzufangen und Leuten zu erklären, dass ich keine Liebestränke herstellte, statt mutmaßliche Mörder zu jagen und Bösewichten den Arsch aufzureißen.

Am meisten bereitete mir jedoch Sorge, dass mein Betätigungsfeld mich nicht unbedingt zu einer guten Nachbarin machte. Die Kirche war unbewohnbar, weil die Vampire aus der Gegend etwas missverstanden hatten, und der Wutanfall der Elfengöttin in meinem Wohnzimmer hatte die Sache nicht besser gemacht. Wenn ich mir das im Zentrum der Hollows vorstellte, dann war der Kollateralschaden hoch genug, dass selbst Trent der Atem stocken würde.

Doch Jenks’ hoffnungsvoller Gesichtsausdruck ließ meinen Widerstand bröckeln. In zwei Wochen würde Constance in Cincy eintreffen, und unsere mietfreie Unterkunft in Piscarys ehemaligem Quartier würde uns nicht mehr zur Verfügung stehen. Wir mussten irgendwo wohnen, und die Kirche brauchte eine neue Küche, ehe wir eine Wohngenehmigung beantragen konnten. Ohne die würde niemand auch nur in Erwägung ziehen, sie zu kaufen.

»Würden Sie uns einen Moment entschuldigen?«, sagte ich zu Sharron, und Jenks klapperte erwartungsvoll mit den Flügeln, während die Maklerin strahlte.

»Ich warte draußen«, sagte sie und steuerte auf ihren leuchtend gelben, riesengroßen, viertürigen Cadillac zu, der am Randstein parkte. »Das hier ist gut, Rachel. Du könntest ein Jahr lang suchen und nichts Vergleichbares für dein Budget finden. Ich bin fast froh, dass es bei all den anderen nicht geklappt hat. Habe ich es nicht gesagt? Alles hat einen Grund.«

David setzte sich breitbeinig auf den Tresen, und mein Blick fiel auf seinen Dreitagebart, der so anders war als Trents glatte Wangen. Das musste so ein Werwolfding sein.

»Nun?«, fragte Jenks, als die Tür hinter Sharron zufiel und den Straßenlärm wieder aussperrte. Seine Miene war hoffnungsvoll, und ich unterdrückte meine aufkeimende Sorge. Jenks hätte das Geld vom Verkauf der Kirche, um für seinen Anteil zu bezahlen, aber für meine Hälfte würde ich alles zusammenkratzen müssen, was ich hatte. Ich musste darauf vertrauen, dass ich das Geld für die Hypothek erwirtschaften konnte, aber noch viel wichtiger: Ich musste mir selbst vertrauen.

Wieder blickte ich aus dem Fenster. Ist es das Richtige? Wenn ich oben ein größeres Fenster einbauen ließ, hätte ich einen schönen Blick auf den Fluss. Vielleicht war das Dach besser, als ich dachte, und Jenks und ich könnten ein kleines Paradies in Blumentöpfen erschaffen. »Ich mag es, einen eigenen Parkplatz abseits der Straße zu haben«, sagte ich langsam, und Jenks schabte zustimmend mit den Flügeln.

»Das Gebäude ist tadellos«, ermunterte David mich und griff nach seinem Handy, als es piepte. »Wenn es dir gefällt, solltest du es nehmen. Du kannst es immer noch verkaufen, solltest du deine Meinung später ändern. Immobilien in dieser Gegend gehen schnell weg.«

Ich atmete tief ein. Hielt die Luft an. Entließ sie wieder. Jenks hatte recht. Es war Zeit loszulassen. Ich brauchte ein professionelleres Image, und die Kirche war nicht einmal meine Wahl gewesen. Ivy hatte sie ausgesucht, und der Grund dafür – gesegnete Erde, die Untote und Dämonen nicht betreten konnten – spielte mittlerweile keine Rolle mehr.

»Es gefällt mir«, sagte ich, und Jenks verlor hellen Silberstaub. »Wir sollten ein Angebot machen.«

»Super!« Jenks zischte zur Tür und wartete dort darauf, dass jemand von uns sie für ihn öffnete. »Ich sage es gleich Sharron. Wie hoch soll das Anfangsgebot sein?«

Meine Schultern entspannten sich, als ob die Entscheidung alles einfacher gemacht hätte. Goldene Schrift an der Tür. Vielleicht eine Lampe über dem Fenster. Ein hübscher Teppich …

»Weniger als das letzte Objekt gekostet hat. Mach einfach, Jenks. Du hast ein gutes Gespür für unsere finanzielle Lage.«

Lächelnd glitt David von seinem Platz auf dem Tresen und öffnete die Tür einen Spalt.

»Auf Wiedersehen, stinkender Pizzaladen, hallo Stadtwohnung. Ich bin jetzt ein urbaner Pixie!«, rief Jenks, und schon war er auf dem Bürgersteig und umkreiste Sharron, bis sie in die Hände klatschte und mir ein begeistertes Lächeln zuwarf.

David blieb an der Tür stehen, während ich noch mal zurücksah und mir die Räume mit Jenks und mir und all unseren Sachen vorstellte. »Danke für den Tipp«, sagte ich zu ihm und kramte nach meinem Handy, um Fotos für Trent von dem alten Tresen und dem großen Schaufenster zu machen. »Es ist unglaublich, wie schnell im Moment alles weggeht. Das hier ist das siebte oder achte Objekt, das wir beinahe gekauft hätten.«

»Es ist ein tolles Gebäude«, meinte David. »Keine seltsamen Vorfälle in der Vergangenheit, bis auf eine Sache mit Echsen in den Achtzigern. Bis heute weiß niemand, was das ausgelöst hat.« Er lachte leise. »Ich bin überrascht, dass du Trent nicht gebeten hast, dich zu begleiten.«

»Trent?« Ich löschte das Licht und kam zurück zu ihm. »Damit der Besitzer den Preis erhöht?«

»Da hast du sicher recht.«

»Außerdem«, ich blickte zur Decke und überlegte, ob sie hier höher war als weiter hinten, »sind er und die Mädchen heute mit Ellasbeth an die Westküste aufgebrochen, um ihrer Mom einen Besuch abzustatten. Es ist ihr Geburtstag, und anscheinend machen die Elfen großen Aufstand darum, wenn eine Null am Ende steht.« Ich rümpfte die Nase und gab Jenks ein Zeichen, dass ich gleich bei ihm sein würde. Er klebte an der Scheibe wie ein Unfallopfer, was heißen sollte, dass er gleich sterben würde vor Ungeduld. »Ich hätte ihn normalerweise begleitet, aber ich habe versprochen, mich morgen mit Dali zu treffen.« Verärgert scheuchte ich Jenks vom Fenster weg, und er schoss zurück zu Sharron.

»Trotzdem, ein Gratisurlaub an der Westküste?«, fragte David, doch dann wurde seine Miene ausdruckslos. »Oder darfst du auch nicht nach Seattle einreisen?«

»Nein, aber eine ganze Woche mit Ellasbeths Familie klingt für mich nicht nach Urlaub. Er wird ohnehin die meiste Zeit mit den Ältesten der Enklave beschäftigt sein, um seinen Status als Sa’han zu sichern. Meine Anwesenheit dort wäre definitiv nicht hilfreich.«

David legte mir tröstend einen Arm um die Schultern. Der seit Ewigkeiten andauernde Krieg zwischen Elfen und Dämonen war eine Wunde, die sich endlich geschlossen hatte, doch der Schorf war noch frisch, und beide schienen nur auf eine Gelegenheit zu warten, daran zu kratzen. »Eine Dämonin zu beschäftigen, sollte doch eigentlich ein Vorteil sein«, sagte David und öffnete die Tür. Die beruhigenden Geräusche der Stadt zur Mittagszeit drangen herein.

»Sicher, wenn ich nicht auch in seinem Bett beschäftigt wäre«, murmelte ich, und David lachte.

Jenks, der über Sharrons Schulter schwebte, blickte auf und zeigte mir einen Daumen nach oben, der von »Ich telefoniere gerade mit meiner Mutter« bis »Wir haben einen Deal« alles bedeuten konnte.

»Es wird bestimmt alles gut werden.« David blieb stehen und suchte mit seinen dunklen Augen die Straße ab. »Ihr habt gute Beziehungen zum Dewar der Elfen, weil ihr Landon vor dem Baku gerettet habt. Zack hat kein Problem damit, dass der Prinz der Elfen eine Beziehung mit einer Dämonin hat, und an seinem achtzehnten Geburtstag wird man ihn zum Oberhaupt des Dewar ernennen.«

»Trent ist nicht der Prinz der Elfen«, sagte ich und blickte auf den neuen Ring an meinem kleinen Finger hinab, der in der Sonne funkelte.

»Tinks Tampons, natürlich ist er das«, sagte Jenks und ließ Sharron stehen. »Der Kerl passt genau in Rachels Beuteschema. Mächtig und einflussreich …«

»… und auf dem absteigenden Ast«, fügte David hinzu, und Jenks nickte lachend. »Sieh es ein, Rachel. Du bist das Kryptonit der mächtigen Eliten.«

»Das bin ich nicht.« Ich schob das Handy zurück in meine Tasche und hob den Kopf, als ich zwei Blocks weiter Sirenen hörte.

Jenks warf David einen Seitenblick zu, ehe er auf seiner Schulter landete. »Du hast Al innerhalb von drei Jahren in den Bankrott getrieben«, erklärte der Pixie und hob einen Finger. »Das Gleiche hast du bei Trent geschafft. Innerhalb von … sechs Monaten?«

»Al hat versucht, mich zu versklaven«, verteidigte ich mich, während David auf sein Handy sah und die Stirn runzelte. »Und Trent hat noch Geld«, fügte ich hinzu, obwohl ich mir Gedanken machte, warum er erster Klasse und nicht mit dem Privatjet geflogen war. »Warum meint jeder, er sei pleite?«

»Vielleicht wegen der Klagen«, gab Jenks zurück. »Ivy betreibt immer noch Schadensbegrenzung, nachdem sie alle Hoffnungen auf dich gesetzt hatte. Von einem Gehaltsscheck zum nächsten zu leben sieht nicht gut aus für jemanden, der nach seinem Tod die nächste Meistervampirin Cincys werden soll. Die Arme.«

»Ich habe sie nicht darum gebeten, dass sie die I. S. zusammen mit mir verlässt«, sagte ich, aber Jenks war so richtig in Fahrt.

»Ich stehe als Einziger besser da als vorher«, verkündete er stolz.

»Ich auch«, meinte David, der den Kopf über sein Handy gebeugt hatte. »Ivy steht weitaus besser da als vorher. Al auch, obwohl er sich ständig beschwert. Und Trent?« David grinste breit. »Ich musste Trent nicht umbringen, um einen weiteren Kalamack an der Weltherrschaft zu hindern.«

Wegen mir, dachte ich, aber es war mir zu peinlich, das auszusprechen. Wegen mir konnte Trent zu der Person werden, die er sein wollte, statt zu dem, wozu sein Vater ihn gemacht hatte: beängstigend skrupellos, wenn er ein Ziel erreichen wollte, und blind für den Schmerz anderer.

»Ohne Geld ist es schwieriger, Leute einzuschüchtern, damit sie tun, was man von ihnen will«, fuhr David fort und ruinierte damit den Moment.

Jenks lachte, während ich die Hand in die Hüfte stemmte. »Warum höre ich dir überhaupt zu?«, fragte ich.

»Weil ich gut in Lederklamotten und mit einem Dreitagebart aussehe«, antwortete David. »Und was sollen die Zeitungen drucken, wenn Rachel Morgan ohne attraktive männliche Begleitung unterwegs ist?«

Beide lachten, doch Sharron hatte mittlerweile ihr Telefonat beendet, und ich schob mich an David vorbei.

»Gute Neuigkeiten!«, rief sie fröhlich. »Ihnen gefällt Jenks’ Angebot, und wenn du noch dein Einverständnis gibst, haben wir einen Deal. Dann gehört das Objekt euch.«

O mein Gott, wir tun das wirklich, dachte ich atemlos.

»Ich fahre schnell zurück in mein Büro«, sagte Sharron mit leuchtenden Augen, »drucke den Vertrag aus und leite ihn noch vor dem Wochenende weiter. Gratuliere! Wenn bei der Inspektion keine Probleme auftreten, könnt ihr zum Ende des Monats einziehen. Ich habe noch deine Anzahlung von dem letzten Objekt, das ihr nicht bekommen habt. Ihr müsst nur noch Möbel kaufen.«

»Ende des Monats?« Ich drehte mich zu Jenks um und verzog das Gesicht. Vermutlich konnte ich eine Weile bei Freunden unterkommen, aber das war nicht das Bild der auf eigenen Beinen stehenden Unternehmerin, das ich anstrebte, und ich konnte mich nicht ewig mit potenziellen Kunden in Cafés treffen.

»Könnten wir die Sache etwas beschleunigen?«, fragte Jenks.

Sharron drehte sich mit dem Schlüssel in der Hand zu uns um. »Es steht leer«, sagte sie, den Blick in die Ferne gerichtet. »Ich brauche ein paar Tage, um die Inspektion in die Wege zu leiten.« Sie sah David an. »Ich bin mir sicher, Sie können uns den Versicherungsnachweis im Eilverfahren beschaffen. Sie mögen es nicht besonders, wenn man sie drängt, aber seit dem Wandel ist alles etwas einfacher.« Sie überlegte. »Vielleicht zwei Wochen, wenn alles glattläuft?«

Ich atmete auf, und David neben mir schien sich zu entspannen. »Zwei Wochen ist besser«, sagte ich und fragte mich, ob Constance mich und Jenks ein paar Tage länger auf dem Boot an Piscarys Anleger bleiben lassen würde, wenn ich extra nett zu ihr war. Vermutlich nicht, dachte ich mürrisch. Ich hatte Pike, ihren Nachkommen, niedergeschlagen, nachdem ich ihn beim Herumschnüffeln auf dem Boot erwischt hatte, und Stolz bedeutete den Untoten alles.

»Super!« Jenks erhob sich in die Luft. »Wenn ich mich beeile, kann ich sogar noch einen Spätfrühlings-Garten anlegen.«

Sharron reichte erst mir, dann David die Hand. »Ich freue mich, Rachel«, sagte sie, als sie sich mit dem Handy in der Hand auf dem Weg zu ihrem Auto machte. »Ich habe euch gesagt, ich finde etwas, bevor ihr aus eurer jetzigen Wohnung rausmüsst.«

»Nichts geht über Rettung in letzter Minute«, murmelte ich, und Jenks nickte. Constance war im Anmarsch. Ich erkannte es an den neuen Graffitis und den nervösen Schlagzeilen. Ganz zu schweigen von meinen neuen Begleitern in dem braunen, schrottreifen Volvo. »Danke, Sharron!«, rief ich ihr hinterher. »Unglaublich, dass es so lange gedauert hat.«

»Jeder findet irgendwann das Richtige!«, erwiderte sie glücklich, stieg in den Wagen und schlug die Tür zu. Ich sah ihr an, dass sie erleichtert war, dass wir diesmal sofort zugeschlagen hatten. Wir waren schon ewig auf der Suche, und das Verhältnis zwischen Zeitaufwand und der Provision, die sie bekommen würde, war mittlerweile vermutlich so gut wie ausgeglichen. Auch wenn sie sich niemals beschweren würde. Dafür war sie zu sehr Profi.

Jenks landete auf meiner Schulter und verlor ein wenig säuerlich grünen Staub. »Ist ja nicht so, als hätten wir es nicht versucht«, murrte er, und ich nickte. Die letzten beiden Objekte hatten wir durch Fehlkommunikation und den Käufermarkt verloren.

Mit einem Quietschen glitt Sharrons Beifahrerfenster herunter. »Ich schreibe euch, wenn ich die Verträge fertig habe«, sagte sie, quer über den Sitz gebeugt. »Wo seid ihr in den nächsten Stunden?«

Stunden?, dachte ich und vermutete, dass sie es satthatte, dass uns die Objekte vor der Nase weggekauft wurden. »Äh, im Junior’s?«, überlegte ich. »Nicht weit von eurem Büro. Ich denke, ich brauche einen Kaffee.«

David lehnte sich zu mir. »Sie hat keine Ahnung, wovon du sprichst.«

Er hatte recht. Nicht viele nannten den Laden so. Lange Geschichte. »Das ist ein Café ein paar Blocks von eurem Büro entfernt«, fügte ich hinzu. »Das mit den Schutzkreisen auf dem Boden.«

»Verstanden. Bis später.« Das Fenster glitt wieder nach oben, und mit einem Schulterblick scherte Sharron aus und fuhr davon.

»Gratuliere, Rachel«, sagte David, und ich gab Jenks ein Zeichen, dass er neben die Tür fliegen solle, damit ich ein Bild machen konnte, das ich Trent und Ivy schicken würde. »Ich bin froh, dass ihr aus der alten Pizzeria auszieht. Halb Cincy hat den Schlüssel zur Tür.«

Ich sah von meinem Handy auf. »Echt jetzt?«

Jenks schwirrte näher heran, und ich drehte das Display, damit er das Bild ansehen konnte. »Wer will sich schon mit Cincys Vorzeigedämonin anlegen?«, sagte er, und ich blies seinen Staub weg, bevor er das Display ausschalten konnte.

»Wir kommen klar«, sagte ich, aber er hatte recht, und ich unterdrückte einen Anflug von Nervosität, während ich mein Handy wieder einsteckte und wir uns gemeinsam auf den Weg zu meinem Auto machten.

»Das weiß ich«, sagte David und machte einen großen Schritt, um zu uns aufzuschließen. »Es ist nur …«

Meine Beunruhigung nahm zu. Er hatte den Blick zu den Dächern gerichtet. »Was?«

Er rieb sich verlegen über die Bartstoppeln. »Als ich heute Morgen laufen war, haben drei Idioten versucht, mich zu überfallen. Sie sind in einem braunen Volvo geflohen.«

Ich riss die Augen auf, und Jenks’ Staub färbte sich zu einem überraschten Rot. »Ernsthaft? Geht es dir gut?«, fragte ich, und David blickte auf seine Faust. Sie wies Abschürfungen auf. Das war mir bis jetzt gar nicht aufgefallen.

»Ich? Mir geht es gut«, erwiderte er und lächelte knapp. »Sie waren keine ernsthafte Bedrohung. Außerdem brauchte ich mal wieder ein bisschen Training. Die Häuslichkeit hat mich ein wenig schlaff werden lassen.«

Schlaff? Ich warf einen Blick auf seinen flachen Bauch.

»Sie sagten mir, ich solle Constance folgen und nicht dir. Sie sei das Gesetz in Cincinnati, und wenn ich wisse, was für mich gut sei, dann würde ich meine Leute an die Leine nehmen und ihr den Raum geben, den sie braucht.«

»David …« Das war nicht gut. Erst Trent und jetzt David? Es war beinahe dieselbe Drohung. Folgt ihr, sonst …

Aber er grinste nur und sah wieder zu seinen Fingerknöcheln. »Ich habe ihnen gesagt, wo sie mich mal können. Rachel, entspann dich, es braucht schon mehr als drei lebende Vampire, um mir Angst einzujagen. Ich hatte die Situation im Griff. Die kommen nicht wieder. Vampire sind feige Stubenhocker. Wenn sie erst einmal erkennen, dass sie einen nicht einschüchtern können, lassen sie einen in Ruhe.«

Vielleicht, aber in zwei Wochen würde Constance mehr als ein paar Vampire befehligen, sie würde über eine ganze Camarilla verfügen.

»Normalerweise hätte ich dir nicht mal davon erzählt, aber wer weiß, wofür die kleine Warnung gut ist. Wenn du dir ein neues Schloss zulegst, statt dich in Räumen unter der Erde oder auf einem Boot aufzuhalten, wo du keinen Zugriff auf die Kraftlinien hast, dann würde ich mir weniger Gedanken machen.«

Ich lächelte. »Du hast recht, aber wie du schon sagtest, das ist ein Fehler, den sie nur einmal machen werden.«

»Das stimmt, aber warum unnötige Auseinandersetzungen, wenn es sich vermeiden lässt.«

Weil eine kleine Rangelei jetzt ein großes Missverständnis später verhindern kann, dachte ich. Er blieb stehen, und ich tat es ihm nach. Sein Auto befand sich in der anderen Richtung. Wenn er mir jetzt anbot, mich zu meinem zu begleiten, dann würde ich ihm eine reinhauen. Leuten Begleitschutz gegen die bösen Buben zu geben war mein Job.

»Das hier ist eine gute Gegend«, sagte er, aber mich beunruhigte, wie er die Dächer absuchte. »Ich bin froh, dass du den Zuschlag bekommen hast. Lass mich wissen, wann ihr umzieht, dann bringe ich das Rudel mit.«

»Einverstanden«, sagte ich. Pizza und Bier gegen gute Gesellschaft und einen schnelleren Umzug war eine Win-Win-Situation. »Danke noch mal, David.« Ich zog ihn in eine schnelle Umarmung, um mich nicht nur für den Tipp mit dem Haus zu bedanken, sondern auch dafür, dass er mich so sein ließ, wie ich war. Jenks stieß sich fluchend von meiner Schulter ab, während ich das wunderbare Werwolfaroma einatmete: holzig, würzig und erdig. »Sag Bescheid, wenn Constances zahnlose Gangster dich noch mal belästigen.«

»Das werde ich.« Ich bemerkte Sorgenfalten um seine Augen, als er sich wieder von mir löste, aber sein Lächeln war warm. »Es war mir wie immer ein Vergnügen«, sagte er, als sein Handy klingelte. Er griff danach, und ich richtete den Blick auf den Krankenwagen, der gerade die Straße heraufkam und kurz seine Sirene anwarf, um sich Platz auf der kommenden Kreuzung zu verschaffen. Irgendetwas war da los. Ein paar Blocks weiter ertönte wütendes Geschrei.

»Willst du nicht rangehen?«, fragte ich, weil David erst stirnrunzelnd auf die Nummer auf dem Display starrte, dann auf den Krankenwagen, der sich einen Weg durch den stillstehenden Verkehr bahnte.

»Entschuldige mich.« Er nahm das Gespräch an und wandte sich ab.

»Jenks«, rief ich, damit der neugierige Pixie ihn nicht belauschte. Er hielt abrupt an und verlor genervten goldenen Staub. »Es ist nicht schlecht, oder?«, sagte ich, als er wieder bei mir war und wir uns die Ladenfront ansahen.

»Definitiv nicht«, meinte er, aber in seinem Staub zeigte sich etwas niedergeschlagenes Blau. »Ich habe nie gerne an einem Ort gewohnt, wo tote Menschen im Boden verrotten.«

Er hatte sich schon mal darüber beklagt, aber ich war mir nicht sicher, ob ich ihm glaubte.

»Und wir können den Garten noch mal abernten, bevor wir sie verkaufen«, fuhr er fort, und ich wurde noch unsicherer. Natürlich wäre ein Büro in der Innenstadt toll, aber ich fragte mich, wie sehr ich die Kirche vermissen würde: die Einsamkeit, die kühle Stille der Straße, die Sonnwendfeuer hinter dem Gebäude, die Geräusche der Kinder, die in der Dämmerung vorbeiradelten, der Garten, für den ich nie genug Zeit zu haben schien und der mir doch alles gab, was ich brauchte.

Der Glockenturm, in dem Bis gewohnt hat, dachte ich und blickte auf Trents Ring hinunter. Jenks hatte seine Kinder dort großgezogen und seine Frau zwischen den Gräbern verloren. Vielleicht … Vielleicht war es besser so. Es war Zeit, meinen emotionalen Ballast vor die Tür zu stellen, damit der Müllmann ihn mitnehmen konnte.

»Ich bin sofort da«, beendete David sein Telefonat. Er wirkte besorgt, als er sich zu uns umdrehte. »Du kommst von hier aus allein zu deinem Wagen, ja?«

Ich folgte seinem Blick und sah, wie der Krankenwagen um die Ecke verschwand. »Brauchst du Hilfe?«, fragte ich. David war unruhig, er wollte eindeutig los.

»Wenn du Nein sagst, dann schmollt sie den Rest des Nachmittags.« Jenks stieg in seiner besten Peter-Pan-Pose auf. »Tu mir das nicht an, Mr. Peabody.«

Aber David wich bereits zurück und bemerkte den ungeliebten Spitznamen nicht einmal. »Es ist wirklich eine gute Gegend, Rachel. Ich muss jetzt weg.« Er drehte sich um und rannte mit flatterndem Mantel hinter dem Krankenwagen her, wobei er seinen Hut verlor.

Er blieb nicht stehen, um ihn aufzuheben.

Ich runzelte die Stirn, und Jenks neben mir meinte: »Ich weiß nicht, ob ich einen Witz darüber machen soll, dass er hinter Krankenwagen und potenziellen Kunden oder Autos im Allgemeinen herjagt.«

»Er hat seinen Hut vergessen«, sagte ich und ging, um ihn aufzuheben.

Jenks nahm das Bandana ab und stopfte es in seine Hosentasche, was bedeutete, dass er jetzt im Dienst war. »Vielleicht solltest du ihn ihm zurückbringen.«

Ich nickte und verfiel in einen leichten Laufschritt, wurde jedoch schneller, als ich jemanden schreien und den leisen Knall einer Handfeuerwaffe zwischen den Gebäuden hallen hörte.

Gute Gegend?, dachte ich und begann jetzt wirklich zu rennen.

3

Ich kam schlitternd zum Stehen und starrte mit offenem Mund das zweistöckige Wohnhaus hinauf. Alle Fenster waren offen, die Fliegengitter herausgerissen, und drinnen bewegten sich Leute, die Kleidung, Tische, Bücher und alles, was hindurchpasste – plus einiges, was nicht hindurchpasste –, nach draußen auf den fleckigen Rasen warfen. Ich stand ganz hinten in einer kleinen Menge und drängelte ein wenig, bis jemand mich entweder erkannte oder spürte, wie unsere inneren Energielevel versuchten sich auszugleichen, und mir Platz machte. Ja, mir eilte ein gewisser Ruf voraus.

Ich schlang die Arme um den Körper und schob mich nach vorne bis zu dem Absperrband, das jemand zwischen den kahlen Straßenbäumen aufgespannt hatte. Drei Personen – den Tattoos und Hippie-Outfits nach Werwölfe – lagen mit dem Gesicht nach unten auf dem Rasen, die Beine gespreizt und die Hände im Nacken. Über ihnen standen zwei Agenten der I. S. und verlasen ihnen brüllend ihre Rechte. Ein dritter hielt ein Gewehr, vermutlich die Waffe, aus der sich vorhin der Schuss gelöst hatte und die nun beschlagnahmt war. Niemand war bei dem Krankenwagen, die Situation schien also unter Kontrolle zu sein.

Zusätzlich zum Rettungsdienst waren sechs Fahrzeuge der I. S. und ein Streifenwagen des FIB vor Ort, dazu der Feuerwehrwagen und ein Nachrichtensender, dessen Mitarbeiter ihre Kameras auf verzweifelte Leute richteten, die ihre Sachen vom Rasen aufsammelten. Weitere I. S.-Agenten liefen auf und ab, um die Menge daran zu hindern, die Absperrung zu übertreten.

»Das sieht mir nicht so aus, als wäre es legal«, meinte Jenks von seinem sicheren Platz auf meiner Schulter aus, während die Menge ein beeindrucktes »Ohhh« ausstieß, als ein ganzes Bücherregal aus dem Fenster fiel und auf dem Rasen landete, wo es in drei Teile zerbrach und Taschenbücher in alle Richtungen verstreut wurden.

Das alles wäre nachvollziehbar gewesen, hätte das Gebäude in Flammen gestanden, aber obwohl ein Löschwagen vor Ort war, war das nicht der Fall. Das sah mir ganz nach einer Zwangsräumung aus, und zwar eine, bei der man sich nicht um Gesetze und Genehmigungen kümmerte. Mein Gesicht brannte, als ich sah, dass die I. S. nichts weiter unternahm, als die Menge in Schach zu halten.

»Willst du, dass ich David sage, dass wir hier sind?«, fragte Jenks, und ich suchte die Menge ab, bis ich ihn neben einem Streifenwagen entdeckte.

»Das ist doch Bullshit!«, hörte ich ihn aus der Ferne. »Sie können doch nicht einfach jemanden räumen lassen, nur weil Sie das Gebäude wollen. Die Anwohner haben bezahlt, und das Haus wird gerade saniert.«

»Sir, wenn Sie nicht zurück hinter die Absperrung gehen, muss ich Sie leider verhaften«, sagte der Officer mit einer Hand auf seinen Handschellen, während er mit der anderen David zurückstieß.

Mir stockte der Atem, als David sich so schnell bewegte, dass der I. S.-Officer vor Überraschung erstarrte.

»Das würde ich nicht tun«, knurrte David, und die vertriebenen Werwölfe hielten inne und wandten sich von ihren aufgehäuften Besitztümern ab. Sie warteten auf ein Zeichen von ihm, und mir lief es kalt den Rücken runter. »Ich würde das wirklich nicht tun.«

Das war nicht gut, und es konnte definitiv noch schlimmer werden. »Sag ihm, ich habe nicht genug Geld für die Kaution«, flüsterte ich, und Jenks zischte davon, ohne dass jemand sich daran gestört hätte, dass er das Absperrband überquerte.

Das Sonnenlicht war so hell, dass ich das Schimmern seines Staubs aus den Augen verlor, aber ich erkannte genau, wann er David erreichte, denn mit einem Mal wich der Werwolf zurück, und seine Körperhaltung wechselte von aggressiv zu besorgt. Er wandte sich mir zu und runzelte die Stirn, als ich kurz winkte. Wenn sie ihm etwas antaten, dann würde ich mich einmischen, und offensichtlich wollte er das nicht.

»Ich sage es Ihnen kein zweites Mal«, mahnte der Officer, diesmal etwas energischer, weil David zurückgewichen war. »Hinter die Absperrung!«

David hob einlenkend die Hand, aber sein Zorn schwelte weiter, während er einem der ehemaligen Bewohner half, einen Sessel zu einem Umzugswagen zu schleppen, der mittlerweile eingetroffen war.

Gerade wollte ich mich entspannen, als ich den braunen Volvo entdeckte. Ich begegnete dem Blick des Fahrers, der mir spöttisch zulächelte, ehe er weiterfuhr.

Kurz fragte ich mich, ob das hier ein Trick gewesen war, um David wegzulocken und mich allein anzutreffen, oder ob es sich schlicht um Schikane handelte. Die Leute, die ihre Sachen einsammelten, waren wütend, weil sie von drei I. S.-Agenten an der Tür daran gehindert wurden, nach oben zu gehen und ihren Besitz zu holen. Die I. S. schützte Constances Vampire. Ich ballte die Hände zu Fäusten.

Enteignung?, dachte ich und kniff die Augen zusammen. Was für eine Einhornscheiße. Meistervampire waren echt das Letzte. Aber ohne sie würde jeder zur Beute werden, nicht nur eine kleine Gruppe Vampire, die es für ein Privileg hielt, als nächste Dosis für die Untoten herzuhalten. Im Gegenzug nahm Constance sich, was sie wollte. Und die I. S. half ihr dabei, denn als Meistervampirin der Stadt war sie praktisch ihre Chefin.

»Sie kommt doch erst in zwei Wochen«, murmelte ich. »Was für ein rechtliches Schlupfloch haben sie aufgetrieben, um das hier zu rechtfertigen?«

»Eines, das sie sich heute Morgen ausgedacht haben«, sagte eine vertraute Stimme neben mir. Ich zuckte zusammen und wurde noch ungehaltener, als ich Captain Edden vom FIB entdeckte, der selbstbewusst und zerknirscht zugleich wirkte. Er trug ein hellgraues Hemd und schwarze Hosen, die er weit über seine etwas ausladende Mitte gezogen hatte. Keine Krawatte.

Ich wandte mich ab, aber der flehende Ausdruck in seinen Augen entging mir nicht. Zu blöd, dass ich immer noch wütend auf den sturen, viel zu ehrlichen, loyalen, vertrauenswürdigen, mittelalten ehemaligen Soldaten mit schütterem Haar war, der einfach nur die Welt zu einem besseren Ort machen wollte.

»Der Räumungstermin wurde vorgezogen, weil die Gerichte kommende Woche Urlaub machen«, fuhr er fort und trat näher. Das Absperrband war jetzt zwischen uns, was ich seltsam passend fand. »Ich habe ohnehin schon zu viel zu tun. Wir haben keinen Platz im Gefängnis für das, was das hier auslösen wird.«

Sprachlos sah ich ihn an. Ich hatte ihm vertraut, und er hatte mir einen Schlag versetzt, ohne sich dessen bewusst zu sein.

»Rachel«, sagte er mit schmerzhaft erzwungener Jovialität. »Ich hätte nicht erwartet, dich hier zu sehen. Komm rein. Ich könnte deine Hilfe brauchen. Keiner der ehemaligen Anwohner ist ein Mensch, und die I. S. wirft mich gleich raus.«

Er hob das Band, damit ich darunter hindurchschlüpfen konnte. Mit verschränkten Armen starrte ich ihn an.

»Wenn du dabei bist, dann zwingen sie mich nicht zu gehen, und ich versuche gerade, jemandem zu helfen«, erklärte er. Die Stirn in Falten gelegt, ließ er das Band wieder fallen. »Rachel?«

Ich regte mich nicht. Mein Atem ging flach, und mein Bauch tat weh. Hinter ihm knallte eine Topfpflanze auf den Boden und zersplitterte.