Blutnacht - Kim Harrison - E-Book

Blutnacht E-Book

Kim Harrison

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11,99 €

Beschreibung

Rachel Morgan – die coolste Vampirjägerin aller Zeiten

Ihr Name: Rachel Morgan. Ihr Job: Kopfgeldjägerin. Ihre Aufgabe: Auf den Straßen von Cincinnati Vampire, Hexen und andere finstere Kreaturen zur Strecke zu bringen. Ihr Problem: Sie selbst hat eine düstere Vergangenheit … Der einzigartige Bestseller aus den USA: Mit ihrer Rachel-Morgan-Serie schreibt Kim Harrison Mystery-Thriller der neuen Generation!

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Seitenzahl: 923

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Titel der amerikanischen Originalausgabe THE OUTLAW DEMON WAILS Deutsche Übersetzung von Vanessa Lamatsch
Redaktion: Charlotte Lungstrass Copyright © 2008 by Kim Harrison Copyright © 2009 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
ISBN : 978-3-641-04290-5V002
www.heyne-magische-bestseller.de
www.penguinrandomhouse.de
Inhaltsverzeichnis
Das Buch
DIE RACHEL-MORGAN-SERIE:
Die Autorin
Widmung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Bonusmaterial
DIE VERZAUBERTE
Danksagung
Copyright
Das Buch
Nach einer weltumspannenden Seuche hat sich das Leben auf der Erde grundlegend verändert. Die magischen Wesen sind aus dem Schatten getreten: Vampire, Kobolde, Werwölfe, Pixies und andere Untote machen die Straßen unsicher. Dies sind die Abenteuer der Hexe und Kopfgeldjägerin Rachel Morgan, deren Job es ist, diese finsteren Kreaturen zur Strecke zu bringen.
Rachel muss unbedingt herausfinden, wer ihren Vampirfreund Kisten umgebracht hat – doch dummerweise fehlt ihr jede Erinnerung an die Nacht seiner Ermordung; zwischen ihr und ihrer vampirischen Mitbewohnerin Ivy besteht ein fragiler Frieden, der Rachel aber so nicht gefällt; und Halloween steht vor der Tür … Rachel hat eine Menge auf ihrer Agenda. Und dann taucht auch noch Algaliarept wieder auf, der Dämon, der Rachel seine Verbannung verdankt und um jeden Preis Rache will – und ein wütender Dämon ist kein leichter Gegner, nicht einmal für Rachel. Als neben ihrem eigenen plötzlich noch zwei weitere Leben auf dem Spiel stehen, muss sie sich entscheiden: Wagt sie ein weiteres Mal einen Handel mit einem Dämon, oder macht sie sich auf ins Jenseits?
DIE RACHEL-MORGAN-SERIE:
Bd. 1: Blutspur Bd. 2: Blutspiel Bd. 3: Blutjagd Bd. 4: Blutpakt Bd. 5: Blutlied Bd. 6: Blutnacht
Die Autorin
Kim Harrison, geboren im Mittleren Westen der USA, wurde schon des Öfteren als Hexe bezeichnet, ist aber – soweit sie sich erinnern kann – noch nie einem Vampir begegnet. Als einziges Mädchen in einer Großfamilie lernte sie rasch, ihre Barbies zur Selbstverteidigung einzusetzen. Sie spielt schlecht Billard und hat beim Würfeln meist Glück. Kim mag Actionfilme und Popcorn, hegt eine Vorliebe für Friedhöfe, Midnight Jazz und schwarze Kleidung und ist bei Neumond meist nicht auffindbar. Ihre Bestseller-Serie um die Abenteuer der schönen und tollkühnen Hexe Rachel Morgan ist in den USA längst Kult und begeistert auch hierzulande immer mehr Fans. Mehr Informationen unter: www.kimharrison.net
Für den Kerl, der weiß, dass es immer seltsamer wird, je mehr sich die Dinge ändern.
1
Ich lehnte mich über den Glastresen und schielte auf den Preis der hochwertigen Rotholz-Zauberstäbe, die so sicher wie Schneewittchen in ihren luftdichten Glassärgen lagen. Die Enden meines Schals rutschten nach vorne und verdeckten mir die Sicht, und ich schob sie wieder in den Kragen meiner kurzen Lederjacke. Ich sollte eigentlich überhaupt keine Zauberstäbe anschauen. Ich hatte das Geld nicht, aber, noch wichtiger, ich war heute nicht geschäftlich unterwegs – sondern auf einem rein privaten Spaß-Shoppingtrip.
»Rachel?«, meinte meine Mom am anderen Ende des Ladens und lächelte, als sie an einer Packung organischer Kräuter herumspielte. »Wie wäre es mit Dorothy? Wenn du Jenks haarig machst, könnte er als Toto gehen.«
»Auf keinen verfickten Fall!«, rief Jenks, und ich zuckte zusammen, als der Pixie von meiner Schulter abhob, wo er in die Wärme meines Schals gekuschelt gesessen hatte. Goldener Staub rieselte von ihm herab und bildete auf dem Tresen einen kurzen Sonnenstrahl, der den düsteren Abend erhellte. »Ich werde Halloween nicht damit verbringen, als Hund Süßigkeiten zu verteilen! Und auch nicht als Wendy oder Tinkerbell. Ich gehe als Pirat!« Sein Flügelschlag verlangsamte sich, als er neben den minderwertigen Rotholzscheiben für die Anfertigung von Amuletten auf dem Tresen landete. »Aufeinander abgestimmte Kostüme sind doof.«
Normalerweise hätte ich ihm zugestimmt, doch stattdessen zog ich mich schweigend vom Tresen zurück. Ich würde niemals genug verdienen, um mir einen Zauberstab zu kaufen. Außerdem war in meinem Beruf Vielseitigkeit die Devise, und Zauberstäbe waren Ein-Zauber-Wunder. »Ich gehe als die weibliche Hauptrolle im neuesten Vampirstreifen«, erklärte ich meiner Mom. »Der, in dem sich die Vampirjägerin in den Vampir verliebt.«
»Du gehst als Vampirjägerin?«, fragte meine Mutter.
Errötend zog ich ein nicht aktiviertes Amulett zur Brustvergrößerung von einem Eitelkeitszauber-Regal. Ich hatte genug Hüften, um als die Schauspielerin durchzugehen, die ich imitieren wollte, aber mein trauriger Busen war keine Konkurrenz zu ihren durch Zauber verbesserten Bergen. Da mussten Zauber mit im Spiel sein. Wirklich großbusige Frauen laufen nicht so. »Nein, ich gehe als der Vampir«, erklärte ich peinlich berührt. Ich wusste, dass Ivy und ich Gespräche zum Verstummen bringen würden, wenn wir auf die Party kamen. Und darum ging es doch, oder? Halloween war die einzige Zeit im Jahr, in der Doppelgängerzauber legal waren – und alle Inderlander sowie ein Großteil der menschlichen Bevölkerung nutzte das aus bis ans Limit.
Die Miene meiner Mutter wurde ernst und hellte sich dann sofort wieder auf. »Oh! Die Schwarzhaarige, richtig? In den Nuttenklamotten? Guter Gott, ich weiß nicht, ob meine Nähmaschine Leder schafft.«
»Mom!«, protestierte ich, obwohl ich an ihre Wortwahl und ihren Mangel an Takt gewöhnt war. Wenn ein Gedanke in ihrem Kopf landete, kam er auch aus ihrem Mund. Ich warf einen kurzen Blick zu der Verkäuferin neben ihr, aber offensichtlich kannte die Frau meine Mutter und ließ sich darum nicht aus der Fassung bringen. Normalerweise erregte eine Frau in geschmackvollen Hosen mit Angorapulli, die fluchte wie ein Seemann, ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Außerdem hing das Kostüm bereits in meinem Schrank.
Mit einem Stirnrunzeln fummelte meine Mutter an den Zaubern herum, welche die Haarfarbe verändern. »Komm mal hierher, Süße. Wir müssen schauen, ob wir etwas finden, was deine Locken bewältigt. Wirklich, Rachel, du suchst dir die schwersten Kostüme aus. Warum kannst du nicht mal als was Einfaches gehen, wie als Troll oder Märchenprinzessin?«
Jenks kicherte böse. »Weil das nicht nuttig genug ist«, sagte er laut genug, dass ich es hören konnte, meine Mutter aber nicht.
Ich warf ihm einen bösen Blick zu, aber er lächelte nur affektiert und schwebte rückwärts auf ein Regal mit Samen zu. Auch wenn er nur ungefähr zehn Zentimeter groß war, in seinen weichen Stiefeln und dem roten Schal, den ihm seine Frau Matalina gestrickt hatte, gab er eine attraktive Figur ab. Letzten Frühling hatte ich einen Dämonenfluch eingesetzt, um ihn auf Menschengröße wachsen zu lassen, und die Erinnerung an die athletische Figur eines Achtzehnjährigen, mit der schmalen Hüfte und den breiten, muskulösen Schultern, die durch seine Libellenflügel schön trainiert waren, stand mir noch deutlich vor Augen. Er war ein sehr verheirateter Pixie, aber Perfektion sollte trotzdem geschätzt werden.
Jenks zog eine Kurve über meinem Einkaufskorb und eine Packung Farnsamen gegen Matalinas Flügelschmerzen fiel hinein. Als er den Brustvergrößerer sah, wurde sein Gesichtsausdruck geradezu teuflisch. »Wo wir gerade bei nuttig sind …«, setzte er an.
»Gut ausgestattet ist nicht automatisch nuttig, Jenks«, erklärte ich. »Werd’ erwachsen. Es ist für das Kostüm.«
»Als ob das was helfen würde?« Sein Grinsen war zum Ausflippen, und er hatte in seiner besten Peter-Pan-Pose die Hände in die Hüften gestemmt. »Du brauchst mindestens zwei oder drei, damit überhaupt was zu sehen ist. Lächerlich.«
»Halt den Mund!«
Von der anderen Seite des Ladens fragte meine ahnungslose Mutter: »Tiefschwarz, richtig?« Ich drehte mich um und sah, wie ihre Haarfarbe sich änderte, je nachdem, welches der aktivierten Ausstellungsamulette sie gerade berührte. Ihr Haar war genau wie meines. Naja, ähnlich. Ich trug meines lang, mit krausen roten Locken, die mir bis auf die Schulter hingen, statt des Kurzhaarschnitts, den sie einsetzte, um die Locken zu bändigen. Aber unsere Augen hatten exakt dasselbe Grün, und ich hatte ihre Begabung für Erdmagie, vertieft und offiziell bestätigt durch eine Ausbildung an einem der örtlichen Colleges. Sie hatte eigentlich eine umfassendere Ausbildung als ich, aber nur wenige Möglichkeiten, sie einzusetzen. Halloween war für sie immer eine Chance gewesen, mit ihren beachtlichen Erdmagie-Fähigkeiten vor den anderen Moms anzugeben – eine bescheidene Rache -, und ich hatte das Gefühl, dass sie zu schätzen wusste, dass ich sie dieses Jahr um Hilfe gebeten hatte. In den letzten paar Monaten hatte sie sich super gehalten, und ich konnte nicht anders, als mich zu fragen, ob es ihr besser ging, weil ich mehr Zeit mit ihr verbrachte, oder ob sie einfach stabiler erschien, weil ich sie jetzt nicht nur sah, wenn sie gerade akute Probleme hatte.
Schuldgefühle stiegen in mir auf, und nach einem bösen Seitenblick zu Jenks, der gerade ein Lied über großbusige Frauen beim Schuhe zubinden sang, wanderte ich an Kräuterständen und Regalen vorbei, in denen vorgefertigte Zauber ausgestellt waren, alle mit einem gut lesbaren Sticker, wer sie angefertigt hatte. Zauber anzufertigen war immer noch eine Art Heimarbeit, trotz des großen Angebots an technischer Hilfe für die schwierigen Rezepte. Und es war eine Industrie, die streng reguliert und heftig lizensiert war. Die Besitzerin des Ladens fertigte wahrscheinlich nur ein paar der Zauber selbst an, die sie verkaufte.
Auf die Anweisung meiner Mutter hielt ich jedes Amulett, damit sie den Effekt einschätzen konnte. Die Verkäuferin ooohte und aahte und versuchte, mich zu einer Entscheidung zu drängen, aber meine Mom hatte mir schon seit Jahren nicht mehr bei meinem Kostüm geholfen, und wir würden das meiste daraus machen, inklusive einem Kaffee und etwas Süßem in einem überteuerten Café am Ende des Trips. Es war nicht so, als würde ich meine Mom ignorieren, aber mein Leben hatte eine Tendenz, mir in die Quere zu kommen. Ununterbrochen. In den letzten drei Monaten hatte ich mich bemüht, mehr Zeit mit ihr zu verbringen, während ich meine eigenen Geister ignorierte und hoffte, dass sie nicht mehr so … verletzlich war. Und so gut wie jetzt war es ihr schon eine Weile nicht mehr gegangen. Was mich davon überzeugte, dass ich eine furchtbare Tochter war.
Die richtige Haarfarbe zu finden war einfach, und ich nickte, als meine roten Locken einen Schwarzton annahmen, der so dunkel war, dass es schon fast blau wirkte. Befriedigt ließ ich ein verpacktes, nicht aktiviertes Amulett so in meinen Einkaufskorb fallen, dass der Busenvergrößerer darunter versteckt war.
»Zuhause habe ich einen Zauber, um dein Haar zu glätten«, erklärte meine Mutter fröhlich und ich drehte mich erstaunt zu ihr um. Ich hatte schon in der vierten Klasse rausgefunden, dass gekaufte Zauber auf meine Krause überhaupt keinen Einfluss hatten. Warum zum Teufel hatte sie diesen schwierig anzufertigenden Zauber noch? Ich hatte mein Haar schon seit Ewigkeiten nicht mehr geglättet.
Das Telefon des Ladens klingelte, und als die Verkäuferin sich entschuldigt hatte, kam meine Mutter ganz nah neben mich und berührte lächelnd den Zopf, den Jenks’ Kinder mir heute Morgen geflochten hatten. »Diesen Zauber zu perfektionieren hat mich fast deine gesamte Highschool-Zeit gekostet«, erklärte sie. »Glaubst du, ich übe nicht mehr?«
Jetzt machte ich mir Sorgen und warf einen schnellen Blick zu der Frau am Telefon – die meine Mutter offensichtlich kannte. »Mom!«, flüsterte ich. »Die kannst du nicht verkaufen! Du hast keine Lizenz!«
Sie presste die Lippen zusammen und griff sich den Einkaufskorb, um eingeschnappt zur Kasse abzuziehen.
Ich holte tief Luft und schaute zu Jenks, der auf einem Regal saß und nur mit den Schultern zuckte. Langsam folgte ich meiner Mutter und fragte mich, ob ich sie schlimmer vernachlässigt hatte, als ich gedacht hatte. Sie tat manchmal die irrsten Dinge. Ich würde bei einem Kaffee mit ihr darüber reden. Ehrlich, sie sollte es besser wissen.
Während wir eingekauft hatten, waren die Straßenlampen angegangen und das vom abendlichen Regen nasse Pflaster glänzte purpur und gold von der festlichen Beleuchtung. Es sah kalt aus, und während ich zur Kasse ging, rückte ich meinen Schal für Jenks zurecht. »Danke«, murmelte er, als er auf meiner Schulter landete. Seine Flügel zitterten und berührten kurz meinen Nacken, als er sich einmummelte. Oktober war zu kalt für ihn, um unterwegs zu sein, aber nachdem der Garten schon eingewintert war und Matalina Farnsamen gebraucht hatte, war der riskante Trip im Regen zu einem Zauberladen seine einzige Chance gewesen. Er würde alles für seine Frau wagen, dachte ich und rieb mir meine kitzelnde Nase.
»Wie wär’s mit dem Café zwei Blocks entfernt?«, schlug meine Mom vor, während das nervige Piep, Piep der Kasse einen heftigen Kontrast zu den erdigen Gerüchen im Laden bildete.
»Bring dich in Sicherheit, Jenks. Ich muss niesen«, warnte ich, und mit gemurmelten Worten, die ich lieber nicht verstand, flog er auf die Schulter meiner Mutter.
Es war ein fantastisches Niesen, das meine Lungen befreite und mir ein »Gesundheit« von der Verkäuferin einbrachte. Aber darauf folgte noch eines, und ich hatte kaum Zeit mich aufzurichten, bevor das dritte mich erschütterte. Ich atmete flach, um das nächste zu unterdrücken, und schaute entsetzt zu Jenks. Es gab nur einen Grund für so einen Anfall.
»Verdammt«, flüsterte ich und schaute aus dem riesigen Schaufenster – es war nach Sonnenuntergang. »Zweimal verdammt.« Ich wirbelte zu der Verkäuferin herum, die gerade die Sachen in eine Tüte schob. Ich hatte meinen Rufkreis nicht dabei. Den ersten hatte ich kaputt gemacht, und der neue steckte zwischen meinen Zauberbüchern unter der Küchenarbeitsplatte. Verdammt, verdammt, verdammt! Ich hätte einen in der Größe eines Taschenspiegels machen sollen.
»Ma’am?«, presste ich hervor und nahm dann dankbar das Taschentuch entgegen, das meine Mutter hervorzog. »Verkaufen Sie auch Rufkreise?«
Die Frau starrte mich offensichtlich gekränkt an. »Definitiv nicht. Alice, du hast mir gesagt, dass sie nicht mit Dämonen verkehrt. Schaff sie aus meinem Laden.«
Meine Mutter schniefte verstimmt, bevor ihre Miene schmeichelnd wurde. »Patricia«, säuselte sie. »Rachel beschwört keine Dämonen. Die Zeitungen drucken, was Zeitungen verkauft, das ist alles.«
Ich nieste wieder, dieses Mal so heftig, dass es wehtat. Dreck. Wir mussten hier raus.
»Kopf hoch, Rachel«, rief Jenks, und ich schaute gerade rechtzeitig hoch, um ein in Zellophan verpacktes Stück magnetische Kreide aufzufangen, das er fallen ließ. Ich fummelte an der Verpackung herum und versuchte, mich an das komplizierte Pentagramm zu erinnern, das Ceri mir beigebracht hatte. Minias war der einzige Dämon, der wusste, dass ich eine direkte Verbindung ins Jenseits hatte, und wenn ich ihm nicht antwortete, würde er die Linien überqueren, um mich zu finden.
Plötzlich packten mich markerschütternde Schmerzen. Ich klappte zusammen, keuchte auf und fiel nach hinten gegen den Tresen. Was zur Hölle? Es soll nicht wehtun!
Jenks knallte gegen die Decke und hinterließ eine silberne Wolke wie ein Tintenfisch seine Tinte. Meine Mutter wandte sich von ihrer Freundin ab. »Rachel?«, fragte sie mit geweiteten grünen Augen, während ich mein Handgelenk umklammerte.
Die Kreide entglitt mir, als meine Hand taub wurde. Es fühlte sich an, als stünde mein Handgelenk in Flammen. »Verschwindet!«, schrie ich, und die zwei Frauen starrten mich an, als hätte ich den Verstand verloren.
Wir alle zuckten zusammen, als sich plötzlich der Luftdruck rapide veränderte. Mit pfeifenden Ohren schaute ich auf. Mein Herz raste und ich hielt den Atem an. Er war hier. Ich konnte den Dämon nicht sehen, aber er war hier. Irgendwo. Ich konnte verbrannten Bernstein riechen.
Ich sah die Kreide, hob sie hoch und zog am Zellophan, aber ich konnte die Naht nicht finden. Ich schwankte zwischen Furcht und Wut. Minias hatte kein Recht, mich zu belästigen. Ich schuldete ihm nichts und er schuldete mir nichts. Und warum konnte ich diese verdammte Verpackung nicht von der Kreide bekommen?
»Rachel Mariana Morgan?«, erklang eine Stimme mit gepflegtem britischem Akzent, den man in einem Shakespeare-Stück erwarten würde, und mir wurde kalt. »Wo-o bi-ist du?«, rief die Stimme langgezogen.
»Scheiße«, flüsterte ich. Es war nicht Minias. Es war Al.
Panisch schaute ich zu meiner Mutter. Sie stand neben ihrer Freundin, ordentlich und fein in ihrem Outfit in Herbstfarben, ihr Haar perfekt gestylt und mit nur wenigen Falten um ihre Augen. Sie hatte keine Ahnung. »Mom«, flüsterte ich und wedelte panisch mit den Armen, während ich mehr Raum zwischen sie und mich brachte. »In einen Schutzkreis. Beide!« Aber sie starrten mich nur an. Ich hatte keine Zeit für Erklärungen. Zur Hölle, ich verstand es ja selbst nicht. Das musste ein Scherz sein. Irgendein perverser, kranker Scherz.
Meine Augen schossen zu der flügelklappernden Form von Jenks, der jetzt neben mir schwebte. »Es ist Al«, flüsterte der Pixie. »Rache, du hast gesagt, er sitzt im Dämonenknast!«
»Rachel Mariana Mo-o-o-orga-a-a-a-an«, flötete der Dämon, und ich versteifte mich, als das Klappern seiner Stiefel hinter einem großen Regal mit Zauberbüchern erklang.
»Dämlicher moosfressender Pixie«, beschimpfte Jenks sich selbst. »Es ist zu kalt, um mein Schwert mitzunehmen«, piepste er gekünstelt. »Ich werde mir den Arsch abfrieren. Das ist ein Einkaufstrip und kein Auftrag.« Seine Stimme wurde wütend. »Tink rette dich, Rachel. Kannst du nicht mal mit deiner Mutter einkaufen gehen, ohne Dämonen zu rufen?«
»Ich habe ihn nicht gerufen!«, protestierte ich und konnte fühlen, wie meine Handflächen anfingen zu schwitzen.
»Yeah, tja, er ist aber da«, erklärte der Pixie, und ich schluckte schwer, als der Dämon hinter dem Regal hervor spähte. Er hatte genau gewusst, wo ich war.
Al lächelte mit tiefer, spöttischer Wut. Seine roten Augen, mit geschlitzten Pupillen wie die einer Ziege, musterten mich über den Rand einer getönten Brille hinweg. Er trug seinen üblichen Anzug aus grünem Samt und war so ein Bild europäischer Eleganz, ganz der junge Lord auf dem Weg zu großen Taten. An seinen Ärmeln und am Kragen sah man Spitze. Seine aristokratischen Gesichtszüge, mit einer ausgeprägten Nase und einem starken Kinn, waren schlechtgelaunt verzogen und er fletschte in einem Ausdruck, der von der Vorfreude sprach, mir Schmerzen zuzufügen, seine starken Zähne.
Ich wich weiter zurück und er kam hinter dem Regal hervor. »Oh, in der Tat. Das ist wunderbar!«, verkündete er erfreut. »Zwei Morgans zum Preis von einer.«
Oh Gott. Meine Mutter. Panik riss mich aus meiner Schockstarre. »Du kannst meine Familie nicht anrühren«, sagte ich, während ich mich immer noch bemühte, die Verpackung von der magnetischen Kreide zu lösen. Wenn ich einen Schutzkreis zeichnen könnte, wäre es mir vielleicht möglich, ihn einzufangen. »Du hast es versprochen.«
Das Klappern der Stiefel stoppte und Al posierte, um seine elegante Grazie zu zeigen. Meine Augen maßen den Abstand zwischen uns ab. Zweieinhalb Meter. Nicht gut. Aber solange er mich ansah, beachtete er meine Mom nicht.
»Habe ich tatsächlich, oder?«, fragte er, und als er den Blick zur Decke wandte, entspannte ich mich ein wenig.
»Rache!«, kreischte Jenks.
Al sprang nach vorne. Panisch wich ich zurück. Angst durchschoss mich, als er meine Kehle umfasste. Ich zog an seinen Fingern und grub meine Nägel in seine Haut, während er mich hochhob, so dass ich über dem Boden baumelte. Sein feingeschnittenes Gesicht verzog sich schmerzhaft, aber seine Finger schlossen sich nur fester um meinen Hals. Ich konnte meinen Puls im Kopf fühlen und wurde schlaff, in der Hoffnung, dass er bloß ein wenig angeben wollte, bevor er mich ins Jenseits schleppte, um mich dort hoffentlich nur zu töten.
»Du kannst mich nicht verletzen«, presste ich hervor. Ich war mir nicht sicher, ob das Funkeln am Rand meines Sichtfeldes vom Sauerstoffverlust kam oder ob es Jenks war. Ich bin tot. Ich bin so tot.
Ein leises, befriedigtes Geräusch entkam Al, ein langes, tiefes zufriedenes Grollen. Mühelos zog er mich näher, bis unser Atem sich vermischte. Seine Augen hinter der Sonnenbrille waren rot, und ich konnte nicht anders, als den Geruch von verbranntem Bernstein einzuatmen. »Ich habe dich lieb und nett um deine Zeugenaussage gebeten. Du hast abgelehnt. Ich habe keinen Anlass mehr, mich an die Regeln zu halten. Dafür kannst du deiner eigenen Kurzsichtigkeit danken. Ich in einer winzig kleinen Zelle.« Er schüttelte mich, sodass meine Zähne aufeinanderschlugen. »Meiner Flüche beraubt und nackt bis auf das, was ich sagen oder zaubern kann. Aber jemand hat mich aus der Zelle beschworen«, sagte er bösartig. »Und wir haben eine Abmachung, die dich zu einem Leichnam und mich zu einem freien Dämon machen wird.«
»Es war nicht mein Fehler, dass du in den Knast gegangen bist«, quietschte ich. Das Adrenalin in meinem Blut tat mir im Kopf weh. Er konnte mich nicht ins Jenseits schleppen, außer ich ließ es zu; er müsste mich zu einer Kraftlinie schleppen.
Irgendwo in meinem verwirrten Hirn klickte es. Er konnte mich nicht festhalten und gleichzeitig neblig werden. Mit einem Grunzen zog ich mein Knie hoch und rammte es ihm genau zwischen die Beine.
Al stöhnte. Schmerz durchfuhr mich, als er mich von sich warf und ich mit dem Rücken gegen ein Regal knallte. Ich schnappte nach Luft und hielt mir meine gequetschte Kehle, während sich mit leisem Klappern Pakete mit gefriergetrockneten Kräutern über mich ergossen. Ich roch den Gestank von Bernstein, während ich hustete, hob eine Hand, um ihn abzuwehren und zog meine Beine unter mich. Wo ist die Kreide?
»Du dreckiges Flittchen von Succubushure!«, stöhnte Al und hielt sich seine edelsten Teile, während er vornübergebeugt dastand. Ich lächelte. Minias hatte mir erzählt, dass ein Teil von Als Bestrafung dafür, dass er seine alte Vertraute mit dem Wissen hatte entkommen lassen, wie sie Kraftlinienenergie speichern konnte, darin bestanden hatte, ihm alle Amulette, Zauber und Flüche wegzunehmen, die er über die Jahrtausende angesammelt hatte. Das ließ ihn, wenn auch nicht hilflos, zumindest mit einem reduzierten Zauberrepertoire zurück. Offensichtlich war er in letzter Zeit in einer Küche gewesen, denn sein Auftreten als altmodischer Engländer war eine Verkleidung. Ich wollte gar nicht wissen, wie er wirklich aussah.
»Was ist los, Al?«, spottete ich und wischte mir über den Mund, nur um festzustellen, dass ich mir auf die Lippe gebissen hatte. »Nicht dran gewöhnt, dass sich jemand wehrt?« Das war einfach super. Ich war hier in einem Zauberladen, aber es gab keine aktivierten Zauber außer Eitelkeitszaubern.
»Hier, Rachel!«, rief meine Mom, und Als Kopf schoss herum.
»Mom!«, schrie ich, als sie mir etwas zuwarf. »Hau ab!«
Als Augen folgten der Flugbahn. Ich versteifte mich, als ein Schimmern schwarzer Jenseitsenergie über ihn glitt und heilte, was auch immer ich verletzt hatte. Aber die magnetische Kreide fiel sicher in meine Hand. Ich holte Luft, um ihr nochmal zuzurufen, dass sie verschwinden sollte, aber da hob sich schon ein blauschimmernder Schutzkreis aus Jenseitsenergie über sie und die Verkäuferin hinter dem Tresen. Sie waren in Sicherheit.
Ein seltsames, unerwartetes, eisiges Gefühl durchschoss mich, und ich versteifte mich. Es fühlte sich an wie das Klingen einer Glocke in meinen Knochen. Al schien nichts zu bemerken, denn er brüllte und sprang los.
Mit einem Aufjaulen ließ ich mich auf den Boden und damit aus seiner Reichweite fallen. Hinter mir hörte ich ein Krachen, als Al über mich hinweg segelte und auf das Regal fiel, das ich schon umgestoßen hatte. Ich hatte nur Sekunden. Mit ausgestrecktem Arm saß ich auf dem Boden und zog einen Kreis, um mich dann davon zu rollen, als eine Vorahnung, die aus jahrelangem Kampfsporttraining geboren war, mir sagte, dass er nach mir griff.
»Dieses Mal nicht, Hexe«, knurrte er.
Mit weit aufgerissenen Augen wirbelte ich auf dem Hintern herum. Ich hob den Fuß, um zuzutreten, aber er bewegte sich mit unmenschlicher Schnelligkeit und mein Stiefel knallte in seine Handfläche. Ich erstarrte. Ich lag auf dem Rücken, mit meinem Fußgelenk in seinem Griff und meinem Schal im Gesicht. Mit etwas Kraft konnte er mir den Fuß brechen. Scheiße.
Al hatte seine Sonnenbrille verloren. Seine Augen blitzten bösartig, als er lächelte, aber bevor er sich bewegen konnte, erschütterte eine Explosion den Laden und ließ die Fenster zerbersten. Meine Hände schossen zu meinen Ohren, und ich riss meinen Fuß aus Als Griff. Die ziegenartigen Augen des Dämons waren weit aufgerissen, als er nach hinten taumelte, aber sein Schock verwandelte sich sehr schnell in Wut.
Verängstigt krabbelte ich rückwärts und warf dabei noch ein Regal um. Verpackte Amulette regneten auf mich herunter. Das Geräusch von Reifen auf Asphalt wurde deutlich, als mein Gehör zurückkehrte. Es kam, wie auch das Geschrei, von jenseits der zerstörten Fenster. Was hatte meine Mom getan?
»Jenks!«, schrie ich, weil ich die eisige Kälte der feuchten Nacht spürte. Es war zu kalt. Er könnte in Winterstarre fallen!
»Mir geht’s gut!«, rief er und schwebte in einer Wolke aus rotem Staub über mir. »Lass uns den Bastard erledigen!«
Ich sammelte mich, um aufzustehen, und hielt dann in einer hockenden Stellung inne, als Jenks’ Blick sich an etwas hinter mir festsaugte und das Gesicht des Pixies weiß wurde.
»Ähm, Bastarde«, präzisierte er mit zittriger Stimme und eine neue Angstwelle packte mich, als mir klar wurde, dass auch Al sich nicht bewegte, sondern genau dasselbe beobachtete wie Jenks. Eine Wolke von verbranntem Bernstein umgab mich.
»Hinter mir ist noch ein Dämon, oder?«, flüsterte ich.
Jenks schaute kurz zu mir und dann wieder über meine Schulter. »Zwei.«
Fantastisch. Jenks schoss davon und ich setzte mich in Bewegung. Ich stolperte über meinen Schal und trat dann nach hinten aus, als jemand mein Bein umfasste. Der Griff löste sich. Ich ließ mich wieder zu Boden fallen und wirbelte herum. Ein Arm mit gelbem Hemdsärmel griff nach mir. Ich schnappte mir die Schulter von jemandem, riss als Gegengewicht mein Bein hoch und warf ihn über mich.
Ich hörte keinen Aufprall; wer immer es war, er hatte sich neblig gemacht. Drei Dämonen? Was zur Hölle geht hier vor?
Genervt kämpfte ich mich auf die Füße, nur um zu stolpern, als ein roter Fleck vor mich schoss. Meine Augen schossen zu meiner Mutter. Sie war in Ordnung, auch wenn sie darum kämpfte, den Arm der Verkäuferin von sich abzustreifen, weil die Frau in ihrem sicheren Kreis in Panik geriet, während ihr Laden zerlegt wurde.
»Du hast mir einen gemieteten Cop auf den Hals gehetzt«, brüllte Al. »Netter Versuch!«
Ich bedeckte meine Ohren, als der Luftdruck sich wieder veränderte und Al verschwand. Der rotgekleidete Dämon, der auf ihn zugehalten hatte, kam schlitternd zum Stehen. Wild fluchend warf er seine Sense auf den Boden. Sie durchschnitt ein metallenes Regal, als wäre es aus Zuckerwatte, und als es in sich zusammenfiel, fing die Verkäuferin an zu weinen.
Blinzelnd stand ich auf und wich langsam zurück. Verpackte Amulette knisterten unter meinen Füßen. Heilige Scheiße, dachte ich; das Monster sah aus wie der Tod, der einen Wutanfall erlitt, und ich zuckte zusammen, als Jenks auf meiner Schulter landete. Der Pixie hielt eine gerade gebogene Büroklammer in der Hand, und darin fand ich eine gewisse Stärke. Es waren noch zwei Dämonen hier. Und wenn schon. Ich konnte alles schaffen, solange Jenks mir den Rücken deckte.
»Folge ihm!«, schrie der letzte Dämon, und ich wirbelte herum, weil ich das Schlimmste befürchtete. Bitte, nicht Newt. Jeder, nur nicht Newt.
»Du!«, entkam mir mein Atem in einem einzigen Wort. Es war Minias.
»Ja, ich«, knurrte Minias, und ich zuckte wieder zusammen, als der rotgekleidete Dämon mit der Sense plötzlich verschwand. »Warum, beim blutigen Neumond, hast du mir nicht geantwortet?«
»Weil ich nicht mit Dämonen verkehre!«, schrie ich und zeigte auf die zerstörten Fenster, als hätte ich irgendeine Befehlsgewalt über ihn. »Verschwinde zur Hölle nochmal von hier.«
Minias’ altersloses Gesicht legte sich in wütende Falten.
»Vorsicht!«, schrie Jenks, als er von meiner Schulter abhob, aber ich war schneller als er. Der Dämon stiefelte in seiner gelben Robe und seinem komischen Hut durch den Laden und trat dabei Zauber und Kräuter aus seinem Weg. Ich wich zurück. Die Schreie von der Straße sagten mir, wie nah ich dem Kreis war, den ich vorhin gezogen hatte. Mein Puls raste und ich spürte, dass ich schwitzte. Das würde eng werden.
In mörderischer Stille kam er weiter auf mich zu, seine geschlitzten Augen so rot, dass sie fast schon braun wirkten. Seine Robe wehte um ihn herum wie eine Mischung aus dem Mantel eines Wüstenscheichs und einem Kimono. Mit abgehackten Bewegungen griff er nach mir, wodurch das Licht auf seinen Ringen funkelte.
»Jetzt!«, schrie Jenks, und ich duckte mich unter dem Arm des Dämons durch und trat über die Linie des Kreises.
Ich war außerhalb des Schutzkreises; Minias war drin. »Rhombus!«, rief ich und schlug eine Hand auf die Kreidelinie. Mein Bewusstsein streckte sich, um die nächstgelegene Kraftlinie zu berühren. Energie schoss durch mich und ich hielt mit tränenden Augen den Atem an, als der ungehemmte Strom mich überschwemmte. Mein Verlangen nach einem schnellen Schutzkreis ließ die Energie der Kraftlinie fast unkontrolliert durch mich fließen.
Es tat weh, aber ich biss die Zähne zusammen und hielt aus, während die Energie sich so schnell ausglich, wie ein Elektron für eine Umdrehung braucht. Vom Auslösewort gezogen zapfte mein Wille die Erinnerung an Stunden von Übung an und verdichtete eine fünfminütige Vorbereitung und Anrufung auf einen Augenblick. Insgesamt war ich in Kraftlinienmagie nicht besonders gut, aber das? Das hier konnte ich wirklich.
»Verdammt, zur Hölle und verflucht sei deine Mutter!«, schimpfte Minias, und ich konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, als er zum Stehen kam. Das letzte Schwingen seiner Robe war nur undeutlich zu sehen, weil es hinter einer moleküldünnen Schicht aus Kraftlinienenergie stattfand, die ihn in meinem Kreis bannte.
Ich atmete auf und setzte mich auf den Boden, die Hände hinter mir aufgestützt und die Beine angezogen, während ich den Dämon ansah. Jetzt, wo ich ihn hatte, verwandelte sich die nachlassende Anspannung in Zittern.
»Rachel!«, rief meine Mutter, und ich schaute an Minias vorbei. Sie starrte stirnrunzelnd die Verkäuferin an. Die Frau weigerte sich, ihren Schutzkreis fallen zu lassen, und weinte schluchzend. Schließlich hatte meine Mutter genug und mit aufeinander gepressten Lippen, die ein Wutpotenzial zeigten, das ich von ihr geerbt hatte, stieß sie die Frau in ihre eigene Blase und brach so den Kreis.
Außer Sicht hinter dem Tresen knallte die aufgelöste Frau auf den Boden und heulte nur noch lauter. Ich setzte mich aufrechter hin, als das Telefon vom Tresen auf den Boden gezogen wurde. Strahlend bahnte sich meine Mutter sorgfältig ihren Weg durch die verstreuten Zauber und Amulette, mit ausgestreckten Händen und mit einem Stolz im Blick, der fast spürbar war.
»Bist du in Ordnung?«, fragte ich, als ich ihre Hände umfasste und mich auf die Füße ziehen ließ.
»Fantastisch!«, rief sie mit leuchtenden Augen. »Herrgott, ich liebe es, dich bei der Arbeit zu beobachten!«
Ich hatte zerdrückte Kräuter auf der Hose und schlug darauf herum, um sie abzubekommen. Vor dem offenen Fenster hatte sich eine Menge versammelt, und der Verkehr war zum Stillstand gekommen. Jenks ließ sich sinken, so dass er hinter meiner Mutter schwebte, und machte mit seinem Finger die Geste für »verrückt«. Ich runzelte die Stirn. Meine Mom war seit dem Tod meines Vaters mehr als ein wenig daneben gewesen, aber ich musste zugeben, dass diese Ungerührtheit bei einem Angriff von drei Dämonen viel einfacher zu schlucken war als die lautstarke Hysterie der Verkäuferin.
»Verschwindet!«, kreischte die Frau, als sie sich auf die Füße zog. Ihre Augen waren rotgerändert und ihr Gesicht geschwollen. »Alice, verschwinde und komm bloß nicht wieder! Hörst du? Deine Tochter ist eine Gefahr für die Öffentlichkeit! Sie sollte eingesperrt und ausgestoßen werden!«
Meine Mutter biss die Zähne zusammen. »Halt den Mund«, schoss sie zurück. »Meine Tochter hat dir gerade den Arsch gerettet. Sie hat zwei Dämonen vertrieben und einen dritten gefangen, während du dich versteckt hast wie ein zimperliches dämliches Mädchen, das die richtige Seite eines Amuletts nicht mal erkennen würde, wenn sie ihr aus dem Arsch ragt.« Mit gerötetem Gesicht wandte sie sich ab und schob ihren Arm unter meinen. Sie hatte die Tüte mit Zaubern in der Hand, die leicht gegen mich schlug. »Rachel, wir gehen. Das ist das letzte Mal, dass in dieser Scheißbude einkaufe.«
Jenks grinste breit, als er vor uns schwebte. »Habe ich Ihnen in letzter Zeit gesagt, wie sehr ich Sie mag, Mrs. Morgan?«
»Mom … die Leute können dich hören«, sagte ich peinlich berührt. Gott! Ihr Mundwerk war schlimmer als das von Jenks. Und wir konnten nicht gehen. Minias war immer noch in meinem Schutzkreis.
Ihre Absätze zerquetschten verschiedenste Dinge, als sie mich zur Tür zog, mit hocherhobenem Kopf und im Luftzug der zerstörten Fenster wippenden roten Locken. Als ich Sirenen hörte, seufzte ich müde. Super. Einfach super. Sie würden mich in den I. S.-Turm schleppen, um einen Bericht auszufüllen. Dämonen anzurufen war nicht illegal, nur wirklich dämlich, aber sie würden sich schon etwas ausdenken, wahrscheinlich eine erstunkene Lüge.
Die I. S., oder Inderland Security, mochte mich nicht. Seitdem ich ihre lahmarschige weltweite Polizeitruppe letztes Jahr verlassen hatte, hatten Ivy, Jenks und ich die Abteilung von Cincinnati mit angenehmer Regelmäßigkeit vorgeführt. Sie waren keine Idioten, aber ich zog Ärger an, der förmlich dazu einlud, ihn in die Unterwerfung zu prügeln. Es half auch nicht, dass die Medien nur zu gerne über mich berichteten, selbst wenn es nur war, um Vorurteile zu vertiefen und Zeitungen zu verkaufen.
Minias räusperte sich, als wir näher kamen, und meine Mutter hielt überrascht an. Der Dämon verschränkte unschuldig die Hände vor sich und lächelte. Draußen wurden die Stimmen lauter, als die Einsatzwagen näher kamen. Ich fing an zu zittern und Jenks schlüpfte zwischen meinen Hals und den Schal, die Büroklammer immer noch im Griff. Er zitterte auch, aber ich wusste, dass es bei ihm nicht von der Angst kam, sondern von der Kälte.
»Banne deinen Dämon, Rachel, damit wir Kaffee trinken gehen können«, sagte meine Mutter, als wäre er ein Ärgernis wie ein paar Fairys in ihrem Garten. »Es ist fast sechs. Wenn wir uns nicht beeilen, wird es verdammt voll.«
Die Verkäuferin stützte sich am Tresen ab. »Ich habe die I. S. gerufen. Ihr könnt nicht gehen. Lasst sie nicht weg!«, schrie sie den gaffenden Leuten zu, aber glücklicherweise kam niemand herein. »Ihr gehört ins Gefängnis! Ihr alle! Schaut euch meinen Laden an! Schaut euch meinen Laden an!«
»Spar’s dir, Patricia!«, erklärte meine Mutter. »Du bist versichert.« Dann berührte sie in einer scheuen Geste ihr Haar und drehte sich zu Minias um. »Sie sehen recht gut aus – für einen Dämon.«
Minias blinzelte, und ich seufzte, als sein einnehmendes Lächeln und seine Verbeugung meine Mutter kichern ließen wie ein Schulmädchen. Die Gespräche vor den zerbrochenen Fenstern nahmen einen anderen Ton an, und als ich auf die Straße zu den sich nähernden Einsatzwagen schaute, blitzte jemand mit der Kamera in seinem Handy. Ooooh, besser und besser.
Ich leckte mir über die Lippen und drehte mich zu Minias. »Dämon, ich verlange, dass du …«, setzte ich an.
»Rachel Mariana Morgan«, unterbrach Minias mich und trat so nah an den Rand des Schutzkreises, dass Rauch von dort aufstieg, wo seine Robe ihn berührte, »du bist in Gefahr.«
»Erzähl uns was, was wir noch nicht wissen, Mooslappen«, murmelte Jenks auf meiner Schulter.
»Ich bin in Gefahr?«, fragte ich bissig und fühlte mich um einiges besser, jetzt, wo der Dämon in einem Kreis gefangen war. »Ach, glaubst du wirklich? Warum ist Al aus dem Gefängnis? Du hast mir gesagt, er wäre festgesetzt! Er hat mich angegriffen!«, schrie ich und machte eine Geste, die den gesamten zerstörten Laden einschloss. »Er hat unsere Abmachung gebrochen. Was wirst du dagegen unternehmen?«
Minias’ Auge zuckte. »Jemand beschwört ihn aus der Haft. Es ist in deinem Interesse, uns zu helfen.«
»Rache«, beschwerte sich Jenks. »Es ist kalt und die I. S. ist gleich hier. Schick ihn weg, bevor sie uns Papierkram ausfüllen lassen, bis die Sonne implodiert.«
Ich nahm die Schultern zurück. Yeah. Als ob ich einem Dämon helfen würde. Mein Ruf war sowieso schon schlecht genug.
Als er sah, dass ich bereit war, ihn zu bannen, schüttelte Minias den Kopf. »Wir können ihn nicht festhalten ohne deine Hilfe. Er wird dich töten, und wenn niemand mehr am Leben ist, der eine Beschwerde einreichen kann, kommt er damit auch noch davon.«
Mir wurde kalt, als ich die Überzeugung in seiner Stimme hörte. Besorgt warf ich einen Blick zu den Leuten vorm Fenster und schaute dann durch den Laden. Es stand nicht mehr viel. Draußen kam der Verkehr wieder ins Laufen und die braun-blauen Lichter eines I. S.-Wagens huschten über die Gebäude. Dann schaute ich zu meiner Mom und ich wand mich. Normalerweise konnte ich die tödlicheren Aspekte meines Jobs von ihr fernhalten, aber diesmal …
»Hör besser zu«, sagte sie und schockierte mich damit bis ins Mark. Dann schnitt sie mit klappernden Absätzen der Verkäuferin den Weg ab, die nach draußen huschen wollte.
Ein übles Gefühl breitete sich in meiner Magengrube aus. Wenn Al nicht mehr nach den Regeln spielte, würde er mich töten. Doch wahrscheinlich erst, nachdem er mich gezwungen hatte, dabei zuzusehen, wie er noch jemanden umbrachte, den ich liebte. So einfach war es. Ich war die ersten einundzwanzig Jahre meines Lebens meinem Instinkt gefolgt, und auch wenn es mich vor jeder Menge Ärger bewahrt hatte – genauso viel Ärger hatte mir das auch eingebracht. Und es hatte meinen Freund umgebracht. Also holte ich tief Luft, und obwohl jede Zelle meines Körpers danach verlangte, ihn zu bannen, hörte ich auf meine Mutter und sagte: »Okay. Rede.«
Minias wandte seinen Blick von meiner Mutter ab. Ein dünner Film Jenseitsenergie glitt über ihn und verwandelte die traditionelle gelbe Robe in ausgewaschene Jeans mit Ledergürtel und ein rotes Seidenhemd. Das war Kistens’ Lieblingskleidung gewesen, und Minias hatte es wahrscheinlich aus meinen Gedanken gefischt wie einen Keks aus der Dose. Verdammt sollte er sein.
Kisten. Die Erinnerung an seinen gegen das Bett gelehnten Körper stieg in mir auf. Mein Kinn zitterte und ich biss die Zähne zusammen. Ich wusste, dass ich versucht hatte, ihn zu retten. Oder vielleicht hatte er versucht, mich zu retten. Ich konnte mich einfach nicht erinnern, und Schuld glitt durch meine Seele. Ich hatte ihn im Stich gelassen, und das nutzte Minias jetzt aus. Sohn einer Dämonenhure.
»Befrei mich«, verlangte Minias spöttisch, als wüsste er genau, dass er mir gerade wehtat. »Dann reden wir.«
Ich hielt meinen rechten Arm, als er in erinnertem Phantomschmerz pochte. »Aber sicher doch«, sagte ich bitter. Im Hintergrund riss die Verkäuferin ihren Arm aus dem Griff meiner Mutter, und ihre schrille Stimme gellte in meinen Ohren.
Minias ließ sich nicht beirren, sondern musterte interessiert sein neues Outfit. In seiner Hand materialisierte sich eine moderne, verspiegelte Sonnbrille, und er setzte sie sich sorgfältig auf die schmale Nase, um seine andersartigen Augen zu verstecken. Er schnaubte und mir wurde schlecht, als mir klar wurde, wie sehr er aussah wie der Kerl von nebenan. Ein attraktiver, irgendwie universitärer Typ, der auf keinem Campus auffallen würde; ein Doktorand oder vielleicht ein junger Dozent. Aber seine Haltung war desinteressiert und irgendwie überheblich.
»Der Kaffee, den deine Mutter erwähnte, klingt verhandelbar. Ich gebe dir mein Wort, dass ich … brav sein werde.«
Meine Mutter schaute zur lauten Straße, und als ich die Zustimmung in ihren Augen sah, fragte ich mich, ob ich daher mein Bedürfnis hatte, für den Thrill zu leben. Aber ich war jetzt klüger, und mit einer Hand auf der Hüfte schüttelte ich den Kopf. Meine Mutter war bekloppt. Er war ein verdammter Dämon.
Der Dämon warf beim Geräusch einer sich schließenden Autotür und dem Knistern eines Funkgeräts einen Blick über meine Schulter. »Habe ich dich je angelogen?«, murmelte er so, dass nur ich ihn hören konnte. »Sehe ich aus wie ein Dämon? Erzähl ihnen, dass ich eine Hexe bin, die dir dabei helfen wollte, Al zu fangen, und dass ich aus Versehen in den Schutzkreis geraten bin.«
Ich kniff die Augen zusammen. Er wollte, dass ich für ihn log?
Minias lehnte sich so nah an die Barriere, dass die Jenseitsenergie darin warnend zischte. »Wenn du es nicht tust, gebe ich der Öffentlichkeit, was sie erwartet.« Seine Augen huschten zu den Leuten vor den Fenstern. »Der Beweis, dass du mit Dämonen verkehrst, sollte wahre Wunder für deine … herausragende Reputation tun.«
Mmmmm. Nicht ganz falsch.
Die Tür öffnete sich mit einem Klingeln. Mit einem erleichterten Aufschrei schob die Verkäuferin meine Mutter von sich und rannte zu den zwei Beamten. Schluchzend warf sie sich in ihre Arme und hielt sie damit recht effektiv davon ab, näher zu kommen. Ich hatte höchstens dreißig Sekunden, und dann wäre es die Entscheidung der I. S., was mit Minias geschah, nicht mehr meine. Auf keinen Fall.
Minias sah die Entscheidung in meinem Gesicht und lächelte überheblich. Dämonen logen nie, aber sie schienen auch niemals die Wahrheit zu sagen. Ich hatte schon früher mit Minias zu tun gehabt und herausgefunden, dass er trotz seiner nicht unbeträchtlichen Macht ein Novize war, was den Umgang mit Sterblichen anging. Er hatte die letzten tausend Jahre oder so den mächtigsten, verrücktesten Einwohner des Jenseits als Babysitter gehütet. Aber offensichtlich hatte sich etwas geändert. Und irgendjemand beschwor Al aus der Haft und ließ ihn frei, damit er mich töten konnte.
Verdammt. Ist es Nick? Mein Magen hob sich und ich presste eine Hand gegen meinen Bauch. Ich wusste, dass er die nötigen Fähigkeiten besaß, und wir hatten uns im Bösen getrennt.
»Lass mich raus«, flüsterte Minias. »Ich werde mich an deine Definition von Richtig und Falsch halten.«
Ich ließ meinen Blick noch einmal durch den zerstörten Laden gleiten. Einem der Beamten war es gelungen, sich von der Verkäuferin zu befreien, als sie auf uns zeigte und dabei fast jaulte. Andere Uniformierte kamen herein, und langsam wurde es voll. Ich konnte keinen besseren mündlichen Vertrag mehr aus Minias herausbekommen.
»Abgemacht«, sagte ich und rieb meinen Fuß über die Kreidelinie auf dem Boden, um den Schutzkreis zu brechen.
»Hey!«, schrie ein Anzugträger, der gerade den Raum betreten hatte, als meine Blase in sich zusammenfiel. »Alle runter!«
Die Verkäuferin kreischte und fiel in sich zusammen. Von draußen hörte man das Schreien, das eine beginnende Massenpanik anzeigt. Ich sprang mit hocherhobenen Händen vor Minias. »Hey, hey, hey!«, rief ich. »Ich bin Rachel Morgan von Vampirische Hexenkünste, unabhängiger Runner-Service. Ich habe die Situation unter Kontrolle. Alles prima. Hier ist alles prima! Senken sie den Zauberstab.«
Die Spannung im Raum ließ nach, und in der neugewonnenen Ruhe fiel mir das Kinn herunter, als ich den I. S.-Beamten erkannte. »Sie!«, verkündete ich anklagend und zuckte dann zusammen, als Jenks plötzlich von meiner Schulter abhob.
»Jenks, nein!«, rief ich, und der ganze Raum reagierte. Allumfassender Protest erhob sich. Ich ignorierte die Befehle, stehen zu bleiben, und sprang vor den Mann mit dem Zauberstab, bevor Jenks ihn pixen konnte und man mir irgendwie eine Anklage wegen tätlichem Angriff anhängen konnte.
»Du stinkender Batzen von giftiger Fairyscheiße!«, schrie Jenks und schoss hin und her, während ich mich bemühte, zwischen ihnen zu bleiben. »Kein Arschloch schlägt mich und kommt damit davon. Niemand!«
»Komm runter, Jenks«, beruhigte ich ihn, während ich versuchte, gleichzeitig ihn und Minias im Blick zu behalten. »Er ist es nicht wert. Er ist es nicht wert!«
Meine Worte drangen zu ihm durch und mit aggressiv klappernden Flügeln akzeptierte Jenks meine Schulter, als ich einladend meinen Schal hob. Dann drehte ich mich zu dem I. S.-Beamten um. Ich wusste, dass mein Gesicht genauso finster war wie das von Jenks. Ich hatte nicht erwartet, Tom noch einmal zu sehen – doch wen sollten sie sonst rausschicken, wenn es um einen Einsatz mit Dämonen ging, wenn nicht jemanden von der Abteilung Arkanes?
Die Hexe war ein Maulwurf in der I. S. und arbeitete in einem der heikelsten, bestbezahlten Jobs, während er gleichzeitig Anhänger irgendeines fanatischen Schwarzmagie-Kultes war. Ich wusste das, weil er letztes Jahr den Botenjungen gespielt und mich eingeladen hatte, mich ihnen anzuschließen. Direkt, nachdem er Jenks bewusstlos gezaubert hatte und ihn auf dem Armaturenbrett meines Autos hatte liegen lassen. Was für ein Arsch.
»Hi, Tom«, sagte ich trocken. »Wie hängt der Stab?«
Der I. S.-Beamte wich mit Blick auf Jenks ein Stück zurück. Sein Gesicht wurde rot, als jemand lachte, weil er vor einem zehn Zentimeter großen Pixie Angst hatte. Die Wahrheit war, dass er die auch haben sollte. Etwas so Kleines mit Flügeln konnte tödlich sein. Und Tom wusste es.
»Morgan«, antwortete Tom und rümpfte die Nase, als er die Luft einsog, die geschwängert war mit dem Geruch von verbranntem Bernstein. »Ich bin nicht überrascht. Beschwören Sie öffentlich Dämonen?« Sein Blick wanderte durch den zerstörten Laden und er gab ein spöttisches Ts-Ts von sich. »Das wird ganz schön teuer.«
Ich atmete schneller, als mir Minias wieder einfiel, und ich wirbelte herum. Treu seinem Wort benahm sich der Dämon und stand ganz still, während alle I. S.-Beamten ihre Waffen auf ihn gerichtet hatten, egal ob konventionell oder magisch.
Meine Mutter gab ein abwertendes Geräusch von sich und ihre Absätze klapperten, als sie zu Minias hinüberging. »Ein Dämon? Sind Sie verrückt?«, fragte sie, klemmte sich unsere Einkäufe unter den Arm, nahm Minias’ Hand und tätschelte sie. Ich erstarrte schockiert. Minias sah sogar noch überraschter aus.
»Glauben Sie wirklich, dass meine Tochter so dumm ist, einen Dämon aus dem Schutzkreis zu lassen?«, fuhr sie mit breitem Lächeln fort. »Mitten in Cincinnati? Drei Tage vor Halloween? Es ist ein Kostüm. Dieser nette Mann hat meiner Tochter dabei geholfen, die Dämonen abzuwehren, und wurde im Kreuzfeuer gefangen.« Sie strahlte zu ihm hoch und Minias zog sanft seine Hand aus ihrer, um dann eine Faust zu ballen. »Ist es nicht so, mein Lieber?«
Minias trat schweigend um meine Mutter herum. Ich fühlte einen unterbewussten Zug, als etwas aus dem Jenseits auf diese Seite der Linien gezogen wurde, und Minias zog einen Geldbeutel aus seiner hinteren Hosentasche.
»Meine Papiere … meine Herren«, sagte der Dämon und warf mir ein spöttisches Grinsen zu, bevor er Tom eine dieser Personalausweistaschen übergab, die man sonst nur aus Polizeishows kennt.
Die Verkäuferin ließ sich gegen den ersten Beamten fallen und jaulte: »Es waren zwei von ihnen in Roben und einer in einem grünen Anzug! Ich glaube, das da ist der grüne. Sie haben den Laden zerstört! Sie kannten ihren Namen. Diese Frau ist eine schwarze Hexe, und jeder weiß es! Es stand in den Zeitungen und war in den Nachrichten. Sie ist eine öffentliche Bedrohung! Ein Freak und eine Bedrohung!«
Jenks plusterte sich auf, aber es war meine Mutter, die sagte: »Reiß dich zusammen, Pat. Sie hat sie nicht gerufen.«
»Aber der Laden!«, beharrte Patricia, und ihre Angst verwandelte sich jetzt, zwischen I. S.-Beamten, in Wut. »Wer wird dafür aufkommen?«
»Schauen Sie«, sagte ich und konnte fühlen, wie Jenks zwischen meinem Schal und meinem Hals zitterte. »Mein Partner ist kälteempfindlich. Können wir das einfach hinter uns bringen? Ich habe kein Gesetz gebrochen.«
Tom schaute von Minias’ Ausweis auf. Er kniff die Augen zusammen und starrte auf das Bild, und gab es dann jemand um einiges Älterem neben ihm. »Kontrollieren.«
Ich wurde nervös, aber Minias schien nicht beunruhigt zu sein. Jenks zwickte mich ins Ohr, als Tom vor mich trat, und ich tauchte aus meinen Überlegungen auf.
»Sie hätten uns nicht zurückweisen sollen, Morgan«, sagte die Hexe und stand dabei so nah, dass ich den deutlichen hexischen Rotholzduft an ihm riechen konnte. Je mehr Magie man praktizierte, desto stärker roch man, und Tom stank. Ich dachte an Minias und machte mir einen Moment lang Sorgen. Er mochte ja aussehen wie eine Hexe, aber er würde riechen wie ein Dämon, und sie hatten gesehen, dass ich ihn frei gelassen hatte. Dreck. Denk, Rachel. Reagier nicht, denk nach!
»Irgendwie«, sagte Tom leise, drohend, »glaube ich nicht, dass Ihr Freund Minias eine Akte haben wird. Irgendeine Akteneintragung. So ein wenig wie ein Dämon?«
»Ich bin mir sicher, dass Mr. Bansen feststellen wird, dass meine Papiere in Ordnung sind«, sagte Minias, und ich zitterte von dem Luftzug von Jenks’ Flügeln.
»Heilige Scheiße! Minias riecht wie eine Hexe!«, flüsterte der Pixie.
Ich holte tief Luft und meine Schultern entspannten sich, als mir klar wurde, dass Minias tatsächlich nicht nach verbranntem Bernstein roch. Ich drehte mich überrascht zu ihm um und der Dämon zuckte mit den Achseln, die Hand immer noch zur Faust geballt. Meine Lippen öffneten sich, als mir aufging, dass er seine Finger nicht mehr geöffnet hatte, seitdem meine Mutter seine Hand getätschelt hatte.
Ich riss die Augen auf und wirbelte zu meiner Mutter herum, die selbstzufrieden grinste. Sie hatte ihm ein Amulett gegeben? Meine Mutter war vielleicht verrückt, aber verrückt wie ein Fuchs.
»Können wir gehen?«, fragte ich. Ich wusste, dass Tom gerade versuchte, auch mal gründlich an ihm zu riechen.
Tom kniff die Augen zusammen. Er nahm meinen Ellbogen und zog mich von Minias weg. »Das ist ein Dämon.«
»Beweisen Sie es. Und wie Sie mir selbst gesagt haben, ist es nicht illegal, Dämonen zu beschwören.«
Seine Miene wurde finster. »Vielleicht nicht, aber Sie sind verantwortlich für den Schaden, den sie anrichten.«
Jenks entkam ein Stöhnen und mir fror das Gesicht ein.
»Sie hat meinen Laden zerstört!«, heulte Patricia wieder. »Wer wird dafür aufkommen? Wer?«
Ein I. S.-Beamter näherte sich mit Minias’ Papieren in der Hand. Tom hob einen Finger, um mir zu bedeuten, dass ich warten sollte, und ging zu ihm. Meine Mutter gesellte sich zu mir, und die Leute vor dem Laden beschwerten sich lautstark, als ein Beamter sie zum Weitergehen aufforderte. Tom runzelte die Stirn, als der Mann wieder ging, und ermutigt durch seine schlechte Laune grinste ich ihn spöttisch an. Ich würde hier rausspazieren. Ich wusste es einfach.
»Ms. Morgan«, sagte er und steckte seinen Zauberstab ein. »Ich muss sie gehen lassen …«
»Was ist mit dem Laden?«, kreischte Patricia.
»Klappe, Patricia!«, sagte meine Mutter, und Tom zog eine Grimasse, als hätte er eine Spinne verschluckt.
»Solange Sie zugeben, dass die Dämonen Ihretwegen hier waren«, fügte er hinzu, »und Sie zustimmen, für die Schäden aufzukommen«, beendete er seinen Satz und gab Minias seinen Ausweis zurück.
»Aber es war nicht mein Fehler.« Mein Blick glitt über die zerstörten Regale und verstreuten Amulette, während ich versuchte, die ungefähren Kosten zu überschlagen. »Warum sollte ich dafür zahlen, wenn jemand sie auf mich gehetzt hat? Ich habe sie nicht beschworen.«
Tom lächelte und meine Mutter drückte meinen Ellbogen. »Sie können jederzeit zur I. S. kommen und eine Anzeige gegen Unbekannt stellen.«
Nett. »Ich akzeptiere die Schäden.« So viel zum Klimaanlagen-Fond. »Komm«, sagte ich und griff nach Minias. »Lass uns hier abhauen.«
Meine Hand glitt durch ihn hindurch. Ich erstarrte, aber anscheinend hatte niemand etwas bemerkt. Ich schaute in sein irritiertes Gesicht und bedeutete ihm säuerlich, vor mir zu gehen. »Nach dir«, meinte ich und zögerte dann. Ich würde das nicht im Café zwei Blocks entfernt durchziehen. Nicht mit der I. S., die herumschwirrte wie Fairys um ein Spatzennest. »Mein Auto steht nicht weit entfernt. Es ist das rote Cabrio, und du sitzt auf dem Rücksitz.«
Minias zog die Augenbrauen hoch. »Wie du meinst …«, murmelte er und setzte sich in Bewegung.
Meine Mutter riss mit stolzer und zufriedener Miene unsere Einkäufe hoch, schob ihren Arm unter meinen, und wie durch Magie teilte sich die Menge und gab den Weg zur Tür frei.
»Bist du in Ordnung, Jenks?«, erkundigte ich mich, als die Kälte der Nacht uns traf.
»Schaff mich einfach ins Auto«, sagte er und vorsichtig wickelte ich meinen Schal noch ein paarmal um meinen Hals, damit er mehr Stoff hatte, um sich einzukuscheln.
Kaffee mit meiner Mom und einem Dämon. Yeah, das war eine tolle Idee.
2
Im Café war es warm und es roch nach Biscotti und gerösteten Bohnen. Als ich meinen Schal löste, flog Jenks auf die Schulter meiner Mom, aber ich nahm den Schal trotzdem nicht ab, weil ich mir nicht sicher war, ob ich Als Handabdruck am Hals hatte. Al ist draußen? Wie soll ich das wieder geregelt kriegen?
Ich rieb mir vorsichtig den Hals, während ich in der Nähe der Tür stehen blieb und Minias, Jenks und meine Mutter dabei beobachtete, wie sie sich am Tresen anstellten. Der Zauberdetektor über der Tür blinkte grellrot – wahrscheinlich reagierte er auf Minias -, aber niemand in dem vollen Café schenkte ihm irgendwelche Beachtung. Es war drei Tage vor Halloween, und alle probierten schon ihre Zauber aus.
Der Dämon wirkte groß neben meiner unruhigen Mutter. Ihre cremefarbene Lederhandtasche passte genau zu ihren Schuhen; ich musste mein Modegefühl von meinem Dad geerbt haben. Ich wusste, dass ich meine Körpergröße von ihm geerbt hatte, was mich um einiges größer machte als meine Mom. Letztendlich war ich aber selbst in meinen Stiefeln noch ein bisschen kleiner als Minias. Und auch mein athletischer Körperbau kam definitiv von meinem Dad. Nicht dass meine Mom unförmig gewesen wäre, aber Erinnerungen an Nachmittage im Eden Park und Fotos aus der Zeit vor seinem Tod bewiesen, dass ich mindestens so sehr die Tochter meines Vaters war wie die meiner Mutter. Das gab mir ein gutes Gefühl, weil so ein Teil von ihm weiterlebte, auch wenn er selbst schon seit zwölf Jahren tot war. Er war ein wunderbarer Vater gewesen und ich vermisste ihn immer noch, besonders, wenn mein Leben mal wieder außer Kontrolle geriet. Was öfter passierte, als ich zugeben wollte. Hinter mir pulsierte der irritierende Zauberdetektor noch einmal und wurde dann wieder dunkel.
Erleichtert schob ich mich hinter Minias, was ihn seine Schultern versteifen ließ. Im Auto war er betont still gewesen und hatte mir Gänsehaut damit verursacht, wie er steif hinter mir saß. Meine Mutter hatte sich seitwärts gewandt in dem Versuch, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, während ich Ivy anrief und ihr eine Nachricht hinterließ, dass sie zu Ceri laufen und sie warnen sollte, dass Al wieder auf freiem Fuß war. Die Exvertraute des Dämons hatte kein Telefon, und das wurde langsam nervig.
Ich hoffte, dass das unbefangene Geschwätz meiner Mutter ein Versuch gewesen war, die Stimmung zu entspannen, und nicht ein Zeichen ihres üblichen Realitätsverlustes. Sie und Minias waren jetzt per Du, was ich einfach nur fantastisch fand. Trotzdem, hätte er Probleme verursachen wollen, hätte er es schon ein halbes Dutzend Mal zwischen dem Laden und dem Café tun können. Er wartete ab, und ich fühlte mich dabei wie ein Käfer auf einer Nadel.
Meine Mutter und Jenks scherten aus der Linie aus, um sich das Gebäck anzusehen, und als das Tiermenschen-Trio vor ihnen fertig war mit seiner Bestellung und davonwanderte, trat Minias vor und starrte herablassend auf die an der Wand aufgehängte Karte. Ein Mann im Anzug hinter uns schnaubte ungeduldig, wurde dann aber bleich und trat einen Schritt zurück, als der Dämon ihn durch seine Sonnenbrille intensiv musterte.
Minias drehte sich wieder zu der Bedienung um und lächelte. »Latte grande, doppelter Espresso, italienische Zubereitung. Wenig Schaum, extra Zimt. Mit Vollmilch. Nicht halbfett oder zweieinhalb Prozent Fett. Vollmilch. Tun Sie es in eine Porzellantasse.«
»Das können wir!«, verkündete das Kind hinter dem Tresen enthusiastisch, und ich schaute auf. Die Stimme klang vertraut. »Und für Sie, Ma’am?«
»Äh«, nuschelte ich. »Kaffee. Schwarz. Das ist alles.«
Minias starrte mich ungläubig an, und das Kind hinter dem Tresen blinzelte. »Was für eine Sorte?«, fragte es.
»Völlig egal.« Ich trat von einem Fuß auf den anderen. »Mom, was willst du?«
Meine Mutter kam fröhlich mit Jenks auf der Schulter zum Tresen zurückgeeilt. »Ich nehme einen türkischen Espresso und ein Stück von dem Käsekuchen, wenn jemand ihn sich mit mir teilt.«
»Tue ich«, meldete sich Jenks und erschreckte damit den Kerl hinter der Kasse. Der Pixie hatte immer noch das Büroklammerschwert dabei, und das verschaffte mir ein besseres Gefühl.
Meine Mom warf mir einen Blick zu, und als ich zustimmend nickte und damit anzeigte, dass ich auch etwas essen würde, strahlte sie. »Dann nehme ich das. Mit Gabeln für uns alle.« Scheu schaute sie zu Minias, und der Dämon trat zurück, so dass er fast aus meinem peripheren Blickfeld verschwand.
Der Junge starrte immer wieder zu Jenks, während er alles eintippte und dann verkündete: »Vierzehn fünfundachtzig.«
»Wir haben hier noch eine Person«, erklärte ich und bemühte mich, nicht zu böse dreinzuschauen. Jenks landete mit in die Hüfte gestemmten Händen auf dem Tresen. Ich hasste es, wenn Leute ihn einfach ignorierten. Und ihn zu bitten, sich etwas zu teilen, nur weil er nicht viel essen würde, war herablassend.
»Ich will einen Espresso«, sagte er stolz. »Schwarz. Aber die normale Bohne. Dieses türkische Zeug lässt mich eine Woche lang ständig zum Klo rennen.«
»Zu viel Information, Jenks«, murmelte ich, während ich meine Schultertasche nach vorne zog. »Warum suchst du uns nicht einen Tisch? Vielleicht eine Ecke mit nicht so vielen Leuten?«
»Mit dem Rücken an der Wand. Kapiert«, antwortete er. Es war offensichtlich, dass es ihm in der feuchtwarmen Luft des Cafés besser ging. Eine Temperatur, die dauerhaft unter fünf Grad blieb, würde ihn in den Winterschlaf schicken, und obwohl Cincinnati diese Temperatur inzwischen nach Sonnenuntergang regelmäßig erreichte, hielt sich in dem Baumstumpf, in dem er und seine Familie lebten, genug Tageswärme, um sie bis ungefähr Mitte November wach zu halten. Ich fürchtete mich jetzt schon vor dem Moment, wenn seine Brut in die Kirche zog, in der ich und Ivy lebten, aber sie würden nicht in Winterschlaf gehen und riskieren, dass Matalina, seine kränkelnde Ehefrau, an der Kälte starb. Jenks war der Grund, warum ich den Schal trug; nicht weil mir kalt war.
Ich war selbst froh über die Wärme des Raumes und öffnete meine Jacke. Ich gab dem Jungen einen Zwanziger, ließ dann das Wechselgeld in die Trinkgeldkasse fallen und ließ den Geschäftsmann hinter mir warten, während ich »Geschäftliches Treffen« auf die Rechnung kritzelte und sie sorgfältig einsteckte.
Als ich mich umdrehte, sah ich, dass Minias und meine Mutter etwas betreten neben einem Tisch an der Wand standen. Jenks war auf der Lampe und der Pixiestaub, den er abgab, wurde von der Wärme der Birne nach oben getragen. Sie warteten darauf, dass ich mich als Erste setzte, bevor sie ihre Plätze aussuchten, also schnappte ich mir ein paar Servietten und ging zu ihnen.
»Das sieht super aus, Jenks«, meinte ich, als ich mich hinter meiner Mom vorbeischob, um mich mit dem Rücken zur Wand zu setzen. Sofort setzte sich meine Mutter zu meiner Linken und Minias zog den Stuhl auf meiner rechten Seite ein gutes Stück zurück, bevor er sich darauf niederließ. Er saß jetzt fast im Gang; anscheinend wollten wir beide eine gewisse Distanz wahren. Ich ergriff die Gelegenheit, um meine Jacke auszuziehen, und mein Gesicht fror ein, als das Armband, das Kisten mir geschenkt hatte, nach vorne rutschte. Trauer durchschoss mich, fast schon Panik, und ich achtete darauf, niemanden anzusehen, während ich es unter den Ärmel meines Pullovers zurückschob.
Ich trug das Armband, weil ich Kisten geliebt hatte und immer noch nicht bereit war, ihn wirklich gehen zu lassen. Das eine Mal, als ich es abgenommen hatte, hatte ich es dann nicht geschafft, es neben den scharfen Vampir-Zahnkappen in mein Schmuckkästchen zu räumen. Vielleicht konnte ich endlich weitermachen, wenn ich herausgefunden hatte, wer ihn umgebracht hatte.
Ivy hatte kein Glück dabei gehabt, den Vampir ausfindig zu machen, dem Piscary Kisten als legales Blutgeschenk übergeben hatte. Ich war mir sicher gewesen, dass Sam, einer von Piscarys Lakaien, wusste, wer es gewesen war, doch das war nicht der Fall. Der menschliche Lügendetektortest beim FIB, oder Federal Inderland Bureau – der menschengeführten Parallele zur I. S. -, war ziemlich gut, aber das Amulett mit dem Hexenzauber, das ich Sam umgehängt hatte, als Ivy ihn »befragt« hatte, war besser. Allerdings war dies das letzte Mal gewesen, dass ich ihr dabei geholfen hatte, jemanden zu befragen. Die lebende Vampirin machte mir Angst, wenn sie sauer war.