Blutflüstern - Kim Harrison - E-Book

Blutflüstern E-Book

Kim Harrison

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Beschreibung

Eigentlich wollte die achtzehnjährige Rachel Morgan nur den Geist ihres toten Vaters beschwören, stattdessen steht plötzlich der attraktive Pierce vor ihr. Dessen Seele ist von ewiger Verdammnis bedroht, gelingt es ihm nicht, eine letzte Aufgabe auf Erden zu erfüllen. Rachel setzt alles daran, Pierce zu helfen, und ehe sie sichs versieht, hat sie ihr Herz an ihn verloren ...

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1Copyright

Titel der amerikanischen Originalausgabe TWO GHOSTS FOR SISTER RACHEL Deutsche Übersetzung von Vanessa Lamatsch

1

Ich kaute auf dem Bleistiftende herum, wischte die Radiergummikrümel vom Papier und dachte darüber nach, wie ich meine Bewerbung am besten formulieren sollte. WELCHE EINZIGARTIGEN FÄHIGKEITEN BEFÄHIGEN SIE FÜR EINE ANSTELLUNG IN DER INDERLAND SECURITY?

Sprühender Witz?, dachte ich, klemmte meinen Fuß hinter dem Stuhlbein ein und fühlte mich dumm. Ein hübsches Lächeln? Das Bedürfnis, mit Verbrechern den Boden zu wischen?

Ich sackte seufzend in mich zusammen und schob mir eine Strähne hinter das Ohr. Dann glitten meine Augen zu der Uhr über der Spüle, weil die Zeit unaufhaltsam verging. Ich wollte mein Leben nicht verschwenden. Achtzehn war zu jung, um ohne die Unterschrift eines Elternteils bei der I.S. angenommen zu werden, aber wenn ich mich schon jetzt bewarb, stand ich laut meinem Berufsberater auf der Warteliste ganz oben, sobald ich alt genug war. Der Personalvermittler hatte auch gesagt, dass nichts falsch daran sei, direkt nach dem College zur I.S. zu gehen, wenn man sich sicher war, dass man das wollte. Die Überholspur eben.

Als sich die Eingangstür öffnete, riss ich den Kopf hoch und warf einen schnellen Blick zum Fenster. Sonnenuntergang. Schnell schob ich meine Bewerbung unter die Servietten und schrie: »Hi, Mom! Ich dachte, du wolltest nicht vor acht zurück sein.«

Verdammt, wie soll ich mit diesem Ding jemals fertig werden, wenn sie ständig zurückkommt?

Aber mein Entsetzen verwandelte sich in reine Freude, als jemand mit aufgesetzt hoher Stimme antwortete: »In Buenos Aires ist es acht, Liebes. Bist du so nett und suchst meine Schuhe für mich? Es schneit.«

»Robbie?« Ich stand so schnell auf, dass der Stuhl fast nach hinten umgekippt wäre. Mit pochendem Herzen raste ich aus der Küche und in den grünen Flur. Und dort am Ende, hinter der Fliegengittertür, stand mein Bruder Robbie und klopfte sich den Schnee von der Kleidung. Er war so groß, dass er fast an die Decke stieß, und seine roten Haare leuchteten im Schein der Verandalampe. Unter seinen Jeans lugten nasse Turnschuhe hervor, die absolut nicht für die momentane Wetterlage geeignet waren. Ein Taxifahrer stellte hinter ihm zwei Koffer auf die Veranda.

»Hey!«, rief ich. Er hob den Kopf, und seine grünen Augen funkelten mich schelmisch an. »Du solltest doch den Vamp-Flug nehmen.Warum hast du nicht angerufen? Ich hätte dich doch abgeholt.«

Robbie drückte dem Taxifahrer ein paar Scheine in die Hand. Dann breitete er noch in der offenen Tür die Arme aus und ich landete an seiner Brust. Ich drückte mein Gesicht jetzt nicht mehr an seinen Bauch, wie es gewesen war, als wir uns verabschiedet hatten. Er umarmte mich, und ich atmete den Geruch nach Brimstone ein, der in seiner Kleidung hing, weil er in Kneipen arbeitete.Tränen traten mir in die Augen, und ich hielt die Luft an, um nicht zu weinen. Es war über viereinhalb Jahre her. Der rücksichtslose Trottel war die ganze Zeit an der Westküste gewesen und hatte mich allein zurückgelassen, um mit Mom klarzukommen. Aber dieses Jahr war er zur Sonnenwende zu Hause. Ich schluckte einmal, dann lächelte ich zu ihm hoch.

»Hey, Glühwürmchen«, sagte er. So hatte mich mein Dad immer genannt. Dann grinste er, als er sich ansah, wie lang meine Haare inzwischen geworden waren.

»Du bist groß geworden. Und hey, Haare bis zu den Hüften? Was hast du vor? Den Weltrekord brechen?«

Er wirkte zufrieden und glücklich. Ich zog mich einen Schritt zurück und fühlte mich plötzlich unwohl. »Na ja, es ist fast fünf Jahre her«, beschuldigte ich ihn. Hinter ihm fuhr das Taxi langsam an und verschwand im Schneetreiben.

Robbie seufzte. »Fang nicht damit an«, flehte er. »Mom nervt mich schon ständig damit. Lässt du mich rein?« Er warf einen Blick hinter sich in den Schnee. »Hier draußen ist es kalt.«

»Waschlappen«, sagte ich, dann nahm ich einen seiner Koffer. »Hast du jemals von einem magischen Gegenstand namens Mantel gehört?«

Er schnaubte nur, packte das verbliebene Gepäckstück und folgte mir ins Haus. Die Tür fiel ins Schloss, und ich bog in den zweiten, längeren Flur ab, der zu seinem Zimmer führte. Ich wollte, dass er ankam und damit wieder zu einem Teil unserer kleinen Familie wurde. »Ich bin froh, dass du gekommen bist«, sagte ich. Ich fühlte, wie sich mein Puls beschleunigte, weil ich den Koffer trug. Ich war schon seit Jahren nicht mehr im Krankenhaus gewesen, aber trotzdem wurde ich immer noch schnell müde. »Mom wird dir die Haut abziehen, wenn sie zurückkommt.«

»Wahrscheinlich, aber ich wollte zuerst mit dir allein sprechen.«

Ich drückte mit dem Ellbogen auf den Lichtschalter und schleppte seinen Koffer in sein altes Zimmer. Jetzt war ich froh, dass ich schon gestaubsaugt hatte. Dann drehte ich mich um und verschränkte die Arme, damit er nicht sah, wie angestrengt ich nach Luft schnappte. »Worüber?«

Robbie hörte mir gar nicht zu. Er hatte seine Jacke ausgezogen und stand jetzt in einem schicken Nadelstreifenhemd mit Krawatte vor mir. Lächelnd drehte er sich langsam einmal im Kreis. »Es ist genauso wie früher.«

Ich zuckte mit den Achseln. »Du kennst doch Mom.«

Er sah mich an. »Wie geht es ihr?«

Ich starrte auf den Boden. »Wie immer. Willst du einen Kaffee?«

Scheinbar ohne Anstrengung warf er den Koffer, den ich getragen hatte, auf das Bett. »Erzähl mir nicht, du trinkst schon Kaffee.«

Einer meiner Mundwinkel wanderte nach oben. »Schweiß der Götter«, scherzte ich und trat näher, als er eine Seitentasche öffnete und eine offensichtlich teure Packung Kaffee hervorzog. Selbst wenn ich es nicht an der einfachen, umweltverträglichen Verpackung erkannt hätte, der himmlische Duft gemahlener Kaffeebohnen sagte alles. »Wie hast du das durch den Zoll bekommen?«, fragte ich und er lächelte.

»Ich habe es angegeben.«

Er schlang einen Arm um meine Schultern und zusammen schoben wir uns durch den schmalen Flur Richtung Küche. Robbie war acht Jahre älter als ich. Der einst unwillige Babysitter hatte sich zu einem überfürsorglichen Bruder entwickelt, der dann vor über vier Jahren verschwunden war, um vor dem Schmerz zu fliehen, den der Tod unseres Dads hinterlassen hatte. Lange Zeit hatte ich ihn dafür gehasst und war neidisch darauf gewesen, dass er fliehen konnte, während ich zurückblieb und mich um Mom kümmern musste. Aber dann hatte ich rausgefunden, dass er Moms Psychiater bezahlt hatte. Plus einige meiner Krankenhausrechnungen. Jeder von uns half auf seine eigene Weise. Und es war ja nicht so, als hätte er hier in Cincinnati dasselbe Geld verdienen können.

Robbie wurde langsamer, als wir die Küche betraten, und betrachtete schweigend die Veränderungen im Raum. Das Hängeregal mit den Kräutern war verschwunden, ebenso wie das Regalbrett voller eselsohriger Zauberbücher, die verschiedenen Keramiklöffel und die kupfernen Zauberkessel. Es war eine ganz normale Küche, und das war für Mom vollkommen anormal.

»Wann ist das passiert?«, fragte Robbie, als er sich in Richtung der Kaffeemaschine in Bewegung setzte. Mit ihrem Milchschäumer, den speziellen Löffeln, dem Zucker und den drei verschiedenen Arten Kaffeepulver darauf wirkte sie wie ein Schrein.

Ich setzte mich an den Tisch und scharrte mit den Füßen. Nach Dads Tod, dachte ich, sprach es aber nicht laut aus. Musste ich nicht.

Ein unangenehmes Schweigen breitete sich aus. Ich hätte gerne gesagt, dass Robbie unserem Dad ähnelte, aber abgesehen von seiner Körpergröße und seinem schmalen Körperbau hatte er nicht viel von Dad. Unsere roten Haare und grünen Augen kamen von Mom. Die Erdmagie-Fähigkeiten, die ich hatte, kamen ebenfalls von Mom. Robbie war besser in Kraftlinienmagie. Darin war Dad fantastisch gewesen, er hatte in der Arkanen Abteilung der Inderland Security gearbeitet, kurz I.S.

Schuldgefühle überschwemmten mich, und ich warf einen kurzen Blick zu der Bewerbung, die unter dem Serviettenstapel hervorlugte.

»Also«, sagte Robbie gedehnt, nachdem er die Kanne ausgespült und das alte Kaffeepulver weggeworfen hatte. »Willst du zur Sonnenwende auf den Fountain Square? Ich habe schon seit Jahren nicht mehr gesehen, wie der Kreis geschlossen wurde.«

Ich kämpfte darum, mir meine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen – er hatte versucht, Karten für das Takata-Konzert zu bekommen. Dreck. »Sicher«, meinte ich mit einem Lächeln. »Aber dann müssen wir einen Mantel für dich finden.«

»Vielleicht hast du recht«, antwortete er, während er vier Löffel Kaffeepulver abmaß, bevor er den letzten Löffel nach einem kurzen Blick zu mir wieder in die Tüte zurückschüttete. »Willst du stattdessen zum Konzert?«

Ich richtete mich im Stuhl auf. »Du hast sie!«, quietschte ich und er grinste.

»Jau«, sagte er, schlug sich gegen die Brust und fing dann an, in einer Tasche zu graben. Plötzlich wurde seine Miene besorgt. Ich hielt den Atem an, bis er zwei Karten aus der hinteren Hosentasche zog. Er hatte mich nur auf den Arm nehmen wollen.

»Dämlack«, sagte ich und ließ mich in meinem Stuhl zurückfallen.

»Rotzgöre«, schoss er zurück.

Ich war zu gut gelaunt, um mich aufziehen zu lassen. Gott, ich würde während der Sonnenwende Takata lauschen. Wie cool war das? Voller Vorfreude zappelte ich herum und starrte auf das Telefon. Ich musste Julie anrufen. Sie würde sterben. Sie würde sofort tot umfallen.

»Wie liefen deine Kurse?«, fragte Robbie plötzlich. Er hatte mir den Rücken zugewandt und schaltete die Kaffeemaschine ein. Ich lief rot an.Warum war das immer das Zweite, was ihnen einfiel, nachdem sie kommentiert hatten, wie groß man geworden war? »Du hast deinen Abschluss, oder?«

»Was denn sonst.« Ich bewegte unruhig die Füße und schob mir eine Strähne hinters Ohr. Ich hatte meinen Abschluss, aber zugeben zu müssen, dass ich durch jeden Kraftlinien-Kurs geflogen war, den ich belegt hatte, war nicht gerade mein größter Traum.

»Hast du schon einen Job?«

Meine Augen schossen zu der Bewerbung. »Ich arbeite daran.« Zu Hause zu wohnen, während ich aufs College ging, war nicht meine Idee gewesen, aber ich hing hier fest, bis ich mir die Miete würde leisten können, ob ich jetzt einen Abschluss hatte, oder nicht.

Robbie schenkte mir ein irritierend verständnisvolles Lächeln und setzte sich mir gegenüber. Seine langen Beine reichten fast unter dem Tisch hindurch. »Wo ist die Berlinetta? Sie stand nicht in der Einfahrt.«

Oh … Dreck. Ich sprang auf und ging zur Kaffeemaschine. »Wow, das riecht toll«, sagte ich, während ich zwei Tassen aus dem Schrank holte. »Was ist das? Espresso?« Als hätte ich irgendeine Ahnung. Aber irgendwas musste ich sagen.

Robbie kannte mich besser als ich mich selbst, nachdem er mich quasi aufgezogen hatte. Es war schwer gewesen, einen Babysitter zu finden, der sich um ein Kind kümmern wollte, das regelmäßig zusammenklappte und dann Spritzen brauchte, um seine Lungen wieder zum Laufen zu bringen. Ich konnte seinen Blick auf meinem Rücken fühlen. Ich drehte mich um, verschränkte die Arme und lehnte mich gegen die Arbeitsfläche.

»Rachel …«, sagte er, dann huschte ein panischer Ausdruck über sein Gesicht. »Du hast doch deinen Führerschein gemacht, oder? Oh, mein Gott. Du hast sie geschrottet. Du hast mein Auto geschrottet!«

»Ich habe es nicht geschrottet«, verteidigte ich mich, während ich mit einer Haarsträhne spielte. »Und es war mein Auto. Du hast es mir geschenkt.«

»Was?«, jaulte er und setzte sich auf. »Rache, was hast du getan?«

»Ich habe es verkauft«, gab ich zu und wurde rot.

»Du hast was?«

»Ich habe es verkauft.« Ich wandte ihm wieder den Rücken zu, zog vorsichtig die Kanne von der heißen Platte und füllte die zwei Tassen. Sicher, der Kaffee roch toll, aber wahrscheinlich schmeckte er genauso übel wie das Zeug, das Mom immer kaufte.

»Rachel, das war ein Oldtimer!«

»Weswegen ich auch genug dafür bekommen habe, um meinen schwarzen Gürtel zu finanzieren«, sagte ich. Er ließ sich wütend im Stuhl zurückfallen.

»Schau«, sagte ich, stellte die Tasse vor ihn und setzte mich wieder. »Ich konnte sie nicht fahren, und Mom behält keinen Job lang genug, um regelmäßig Geld zu bekommen. Sie hat nur Platz weggenommen.«

»Ich kann nicht glauben, dass du mein Auto verkauft hast.« Er starrte mich entgeistert an. »Und wofür? Um tanzen zu lernen wie Jackie Chan.«

Ich presste die Lippen zusammen. »Ich war wütend auf dich, okay?«, rief ich, und er riss die Augen auf. »Du bist nach Dads Beerdigung verschwunden und nicht wiedergekommen. Ich durfte dableiben und versuchen, Mom aufrecht zu halten. Und dann haben es alle in der Schule mitbekommen und haben angefangen, mich rumzuschubsen. Ich fühle mich gerne stark, okay? Ein Auto, das ich nicht mal fahren konnte, half da nichts, aber der Kampfsport schon. Ich brauchte das Geld, um meinen schwarzen Gürtel zu machen, also habe ich die Karre verkauft!«

Er sah mich lange an, und in seinen Augen standen Schuldgefühle.

»Willst du, ähm, mal sehen, was ich alles kann?«, fragte ich zögerlich.

Robbie atmete tief durch und schüttelte sich. »Nein«, sagte er und starrte auf die Tischplatte. »Du hast das Richtige getan. Ich war nicht hier, um dich zu beschützen. Es ist mein Fehler.«

»Robbie …«, jaulte ich. »Niemand ist schuld. Ich will nicht beschützt werden. Ich bin schon viel stärker. Ich kann mich selbst beschützen. Eigentlich …« Ich schaute zu der Bewerbung, dann griff ich mit klammen Fingern danach. Ich wusste, dass er es nicht gutheißen würde, aber wenn ich ihn überzeugen konnte, könnte er vielleicht Mom überzeugen – und dann musste ich nicht warten. »Eigentlich würde ich gerne mehr tun als nur das.«

Er schwieg, während ich die Papiere aus ihrem Versteck zog und über den Tisch schob. Meine Knie wurden weich und ich fühlte, wie mir leicht schwindlig wurde. Gott, wie sollte ich je ein Runner werden, wenn ich nicht mal den Mut hatte, mit meinem Bruder darüber zu reden?

Das Rascheln des Papiers klang laut in meinen Ohren. Die Heizung schaltete sich ein, und die warme Luft bewegte meine Haare, während ich beobachtete, wie seine Augen über das Papier glitten. Dann sah er mich mit zusammengebissenen Zähnen an. »Nein!«

Er wollte das Papier zu einem Ball zerknüllen, aber ich riss es ihm aus der Hand. »Ich werde das tun.«

»Die I.S.?« Robbies Stimme war laut. »Bist du verrückt? Das hat Dad umgebracht!«

»Hat es nicht. Ich war da. Er hat es mir gesagt.Wo warst du?«

Betroffen sank er im Stuhl zurück. »Das ist nicht fair.«

»Genauso wenig, wie es fair ist, dass du mir erklärst, ich dürfte etwas nicht tun, nur weil es dir Angst macht.«

Er runzelte die Stirn, und ich schnappte mir meine Kaffeetasse, um mich an etwas festzuhalten. »Ist das der Grund, warum du so scharf auf diese Karatekurse bist?«, fragte er bitter.

»Es ist nicht Karate«, antwortete ich. »Und ja, so habe ich einen Vorsprung vor allen anderen. Mit meinem verkürzten Collegeabschluss kann ich in vier Jahren schon ein vollwertiger Runner sein.Vier Jahre, Robbie!«

»Ich kann es nicht glauben.« Robbie verschränkte die Arme. »Und Mom lässt dich das tatsächlich tun.«

Ich schwieg genervt.

Robbie gab ein abfälliges Geräusch von sich. »Sie weiß es nicht!«, beschuldigte er mich, und ich sah ihn an. Mein Blick war verschwommen, aber verdammt noch mal, ich würde mir nicht über die Augen wischen.

»Rachel«, flehte er, als er meinen Frust sah. »Hast du den Vertrag überhaupt gelesen? Sie beanspruchen dich für immer. Kein Ausweg. Du bist noch nicht mal zwanzig und wirfst dein Leben weg!«

»Tue ich nicht!«, schrie ich mit zitternder Stimme. »Wofür bin ich sonst gut? Ich werde in Erdmagie nie so gut sein wie Mom. Ich habe schon Burger gewendet und Schuhe verkauft, und ich habe es gehasst. Ich hasse es!«, schrie ich fast.

Robbie starrte mich erstaunt an. »Dann helfe ich dir, einen richtigen Abschluss zu bekommen. Du brauchst nur die richtigen Kurse.«

Ich biss die Zähne zusammen. »Ich habe die richtigen Kurse belegt, und ich habe einen richtigen Abschluss«, erklärte ich wütend. »Das ist, was ich machen will.«

»Im Dunkeln rumrennen und Verbrecher verhaften? Rachel, sei ehrlich: Du wirst nie die nötige Ausdauer haben.« Plötzlich wurde seine Miene ausdruckslos. »Du tust das wegen Dad.«

»Nein«, antwortete ich missmutig, aber ich senkte den Blick, und es war klar ersichtlich, dass das zu meiner Entscheidung beigetragen hatte.

Robbie seufzte. Dann lehnte er sich vor, um über den Tisch hinweg meine Hand zu ergreifen. Ich riss sie zurück. »Rachel«, sagte er leise. »Tu es nicht! Wäre Dad hier, würde er dir dasselbe sagen.«

»Wäre Dad hier, würde er mich persönlich zum I.S. – Büro fahren«, antwortete ich. »Dad hat an das geglaubt,

Deutsche Erstausgabe 02/2012

Redaktion: Charlotte Lungstrass

Copyright © 2007 by Kim Harrison Copyright © 2012 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München

Satz: Leingärtner, Nabburg

eISBN 978-3-641-09366-2

www.heyne-magische-bestseller.de

www.randomhouse.de

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