Bluthexe - Kim Harrison - E-Book

Bluthexe E-Book

Kim Harrison

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11,99 €

Beschreibung

Auch in ihrem zwölften Fall hat Rachel Morgan wieder einiges zu tun, denn in Cincinnati häufen sich merkwürdige Ereignisse: Unbekannte magische Kräfte sind in der Stadt zu spüren, Zaubersprüche gehen plötzlich schief, und das Misstrauen zwischen Inderlandern und Menschen wächst mit jedem Tag. Als sich die mächtigen Vampirmeister Cincinnatis in den Konflikt einmischen, droht endgültig Bürgerkrieg in den Straßen auszubrechen. Rachel bleibt nur eine Möglichkeit, das Schlimmste zu verhindern: Sie muss die uralte Magie der Elfen entfesseln.

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Seitenzahl: 913

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DAS BUCH

Rachel Morgan hat ein Problem: Elfenfürst Trent Kalamack hat sie als seine persönliche Leibwächterin engagiert, und verbotenerweise verliebt sich Rachel prompt in ihren neuenAufraggeber. Trent erwidert ihre Liebe zwar, ist aber eigentlich einer anderen versprochen und lässt Rachel einmal mehr im totalen Gefühlschaos zurück. Doch das ist noch lange nicht ihre einzige Sorge, denn in Cincinnati passieren eigenartige Dinge: Unbekannte magische Kräfte sind in der Stadt zu spüren, Zaubersprüche schlagen fehl und das Misstrauen unter den Inderlandern wächst. Gemeinsam mit ihren besten Freunden Ivy und Jenks stürzt Rachel sich in die Ermittlungen und findet heraus, dass eine mysteriöse Vampirsekte hinter den Ereignissen steckt. Rachel hat die Möglichkeit sie aufzuhalten, doch der Preis dafür ist hoch: Sie muss die uralte Magie der Elfen entfesseln – eine Macht, die so groß ist, dass sie Rachels Leben und das ihrer Freunde für immer zerstören könnte …

DIE AUTORIN

Kim Harrison, geboren im Mittleren Westen der USA, wurde schon des Öfteren als Hexe bezeichnet, ist aber – soweit sie sich erinnern kann – noch nie einem Vampir begegnet. Sie spielt schlecht Billard und hat beim Würfeln meist Glück. Kim mag Actionfilme und Popcorn, hegt eine Vorliebe für Friedhöfe, Midnight Jazz und schwarze Kleidung und ist bei Neumond meist nicht auffindbar. Mehr Informationen unter: www.kimharrison.net

Ein ausführliches Werkverzeichnis aller von Kim Harrison im Heyne-Verlag erschienenen Bücher finden Sie am Ende des Bandes.

KIM HARRISON

BLUTHEXE

ROMAN

Deutsche Erstausgabe

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

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Titel der amerikanischen OriginalausgabeTHE UNDEAD POOLDeutsche Übersetzung von Vanessa Lamatsch
Redaktion: Sabine ThieleCopyright © 2014 by Kim HarrisonCopyright © 2014 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München,in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbHNeumarkter Str. 28, 81673 MünchenUmschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München, unter Verwendung von thinkstockSatz: Leingärtner, Nabburg
ISBN: 978-3-641-13922-3V002

Für den Mann, der weiß,

wie man das perfekte Date ausrichtet.

1

Wie schafft es dieser Mann, in karierten Hemden und Pastellfarben gut auszusehen?, dachte ich, als Trent mit gesenktem Kopf von einem Fuß auf den anderen trat, um seinen Schlag vorzubereiten. Er wirkte seltsam anziehend ohne den Anzug mit Krawatte, in dem ich ihn normalerweise sah. Der Rest unseres Teams und die Caddies beobachteten ihn ebenfalls. Doch ich bezweifelte, dass sie bewerteten, wie gut seine Schultern den weichen Stoff ausfüllten, oder wie die Sonne durch die fast durchsichtigen blonden Haare über seinen Ohren schien. Und ihnen war wahrscheinlich auch egal, dass die Schatten seine schmalen Hüften noch schlanker aussehen ließen, jetzt, wo sie einmal nicht unter einem Jackett verborgen waren. Ich ertappte mich dabei, dass ich den Atem anhielt, als er sich anspannte und sich drehte. Die flache Seite des Schlägers traf auf den Ball.

»Ja, der Elf sieht gut in der Sonne aus«, stichelte Jenks. Der Pixie saß im Moment in einem meiner baumelnden Ohrringe, um der leichten Brise zu entkommen. »Wann erlöst du uns alle aus unserem Elend und schläfst endlich mit ihm?«

»Fang gar nicht erst damit an.« Ich beschattete mit einer Hand meine Augen und beobachtete die Flugbahn des Balls.

»Ich sage ja nur, dass du seit drei Monaten mit ihm ausgehst. Die meisten Kerle, auf die du stehst, wären inzwischen entweder tot oder vollkommen verängstigt.«

Der Ball landete mit einem hörbaren Geräusch und rollte auf das Par-3-Grün. Als Trent mit zufriedenem Lächeln in die Sonne blinzelte, rührte sich etwas in mir. Verdammt, ich werde das nicht tun. »Ich gehe nicht mit ihm aus. Ich arbeite als sein Bodyguard«, murmelte ich.

»Das nennst du Arbeit?« Mit brummenden Flügeln hob der Pixie von meinem Ohrring ab und flog los, um das Gebiet zu kontrollieren, bevor wir weitergingen.

Jenks’ silberner Staub löste sich in der Julihitze schnell auf. Für einen Moment verspürte ich Angst, während Trent die Glückwünsche seines Teams entgegennahm. Hier draußen wirkte der Elf entspannt und locker – zur Abwechslung mal wirklich ausgeglichen, statt es nur vorzugeben. Ich mochte es, ihn so zu sehen. Schuldbewusst senkte ich den Blick. Es ging mich überhaupt nichts an.

Die Gruppe lief plaudernd und mit klappernden Schlägern Richtung Grün los. Zweifellos fühlten sie sich von dem nächsten Team gedrängt, das direkt neben dem Abschlag wartete. Der dicke Kerl in den limonengrünen Hosen hatte die ganze Zeit über laut geredet, wahrscheinlich in dem Versuch, Trent durcheinanderzubringen. Doch Trent hatte schon feindliche Übernahmen eingefädelt, war Anklagen wegen Schwarzhandels mit Gentechnik und Mordes entkommen und hatte Dämonenangriffe überlebt. Ein übergewichtiger Mann, der schnaufend und keuchend darauf drängte, dass er sich schneller bewegte, würde ihn nicht aus der Ruhe bringen.

Und tatsächlich beschäftigte sich Trent unnötig lange mit dem herausgeschlagenen Rasenstück, während der Rest schon vorausging. Er weigerte sich damit, den Abschlagpunkt freizugeben, bevor er nicht dazu bereit war. Schmunzelnd warf ich mir die Schlägertasche über die Schulter. Die drei anderen Schläger klirrten leise, als ich zu ihm ging, um ihm seinen Driver abzunehmen. Ich war kein Caddie, doch nur so ließ mich die Clubleitung auf den Platz. Und auf keinen Fall konnte Trent öffentlich ohne Security auftreten.

Selbst wenn er auf sich selbst aufpassen kann, dachte ich lächelnd, während ich ihm seinen Schläger abnahm und unsere Schritte sich einander anpassten. Mein Gott, es ist wirklich schön hier draußen.

»Sehr subtil«, sagte ich, als wir den gepflegten Rasen des Grüns erreichten. Er schnaubte, und ich wurde rot, nicht etwa, weil ich ihn durchschaut hatte, sondern weil ich eine der wenigen Personen war, bei denen Trent seine Maske fallen ließ. Das hätte mir nicht so wichtig sein sollen. War es aber. Was treibe ich hier?

»Achte auf den Kerl in den grünen Hosen«, sagte er nach einem kurzen Blick über die Schulter. »Er neigt dazu, seinen Ball in die Spieler vor sich zu schlagen.«

»Klar.« Mit gesenktem Kopf ging ich neben Trent her. Seine Schläger klapperten auf meinem Rücken und schienen fast dorthin zu gehören. Ich hatte die letzten drei Monate mit Trent gearbeitet, während Quen, Trents eigentlicher Sicherheitschef, sich mit den Mädchen an der Westküste aufhielt. Dieses neue Gefühl von … Verantwortung? … belastete mich. In stillen Momenten hallten Jenks’ Worte, so krass sie auch waren, in mir nach. Ich sah auf Trents Hand und wünschte mir, ich hätte das Recht, danach zu greifen.

»Geht es dir gut?«

Ich sah fast panisch auf. »Sicher. Warum?«

Trent ließ seinen Blick über mich gleiten, als suchte er nach der Wahrheit. »Du bist heute sehr still.«

Ich war heute still? Das bedeutete, dass wir genug Zeit miteinander verbracht hatten, dass er den Unterschied erkennen konnte. Ich zwang mich zu einem Lächeln und gab ihm seinen Putter. »Ich versuche nur, mich im Hintergrund zu halten.«

Er nahm den Schläger mit hochgezogenen Brauen entgegen. Ich hätte schwören können, dass ich ihn seufzen hörte, als er sich abwandte. Dann straffte er die Schultern, betrat das Grün und schloss sich dem leisen Geplänkel der anderen Firmenchefs an. Mein Herz raste, und ich stellte mich in den Schatten des Regenschutzpavillons.

»Ich versuche nur, mich im Hintergrund zu halten«, säuselte Jenks mit verstellter Stimme. »Mein Gott, Frau. Deine Aura glüht. Gib einfach zu, dass du ihn magst, bums ihn und mach dann mit deinem Leben weiter.«

»Jenks!«, rief ich, dann winkte ich entschuldigend dem Mann zu, der gerade seinen Schlag vorbereitete.

Grinsend landete Jenks auf einem Balken des Pavillons. Seine Hand glitt vorsichtig über einen kleinen Riss in seinem Flügel, um die Kante zu glätten. »Daher wissen Pixies, wann sie verliebt sind«, sagte er, als er seine Libellenflügel anlegte und seine rote Jacke auszog. Dann verzog er das Gesicht, weil offensichtlich etwas spannte. »Wenn das Mädchen das Glühen hat, wird sie nicht Nein sagen.«

»Nett.« Ich stellte die Tasche ab und beobachtete Trent, froh, dass Lucy und Ray morgen zurückkehrten. Sobald Quen wieder die Security übernahm, konnte ich mich der Realität stellen. Ich verwechselte meine Arbeit mit etwas anderem – und ich war es leid, ständig verwirrt zu sein.

»Wie läuft Keksbrösels Spiel?«, fragte Jenks. »Er wirkt genauso abgelenkt wie du.«

Mit einem Stirnrunzeln hob ich die Hand, als wollte ich ihn schlagen, doch ich würde nie treffen. Keksbrösel. So nannte Jenks Trent, seitdem er uns dabei erwischt hatte, dass wir nach einem Job noch im Auto saßen. Ich hatte mir nur den Rest der Nachrichten anhören wollen, doch das kapierte Jenks einfach nicht.

»Tinks kleine pinke Rosenknospen, die ansässigen Pixies sind hochnäsiger als eine an den Kirchturm genagelte Fairy«, sagte Jenks und gab es auf, mich zu provozieren, nachdem ich nicht reagierte. »Ich trage aus einem bestimmten Grund Rot, nicht, weil ich darin so toll aussehe. Schau! Schau dir an, was sie mit meiner Jacke gemacht haben!«

Angewidert hielt Jenks die leuchtend rote Jacke hoch, die Belle für ihn genäht hatte, und steckte seinen Finger durch ein Loch direkt unter der Achsel. Ich versteifte mich. Plötzlich bekam der kleine Riss in seinem Flügel eine ganz neue Bedeutung. Ein Pixie, der Rot trug, sollte überall freien Durchgang erhalten. In den letzten Monaten hatte ich mich mit Trent quasi überall in Cincinnati aufgehalten, doch im Country Club war es am schlimmsten. Ich hatte nicht gewusst, dass Jenks Probleme hatte. Wahrscheinlich war er zu stolz gewesen, um mir davon zu erzählen. »Geht es dir gut?«

Jenks erstarrte, und sein Gesicht lief rot an, bis seine blonden Locken noch mehr dazu einluden, sie zu verwuscheln. Seine Flügel brummten, fahlgelber Staub rieselte von ihm herab und erhellte seine schwarze Arbeitskleidung. Er sah aus wie ein Schauspieler – auch wenn das Schwert, das von seiner Hüfte hing, durchaus echt war und sich schon genauso in Bienen gebohrt hatte, die seine Kinder belästigt hatten, wie in Meuchelmörder, die mich belästigten.

»Schon, alles prima«, sagte er verlegen. »Es gefällt mir nur nicht, Pfeilen auszuweichen, wenn das eigentlich gar nicht nötig sein sollte. Alles so cool wie ein Pfefferminzbonbon.« Er legte den Kopf schräg und musterte mich. »Bist du dir sicher, dass bei dir alles in Ordnung ist? Deine Aura glüht wirklich. Hast du Fieber oder irgendwas?«

»Jenks, ich bin nicht verliebt«, antwortete ich schlecht gelaunt und ignorierte das seltsame Kribbeln, das mich durchfuhr, als Trent in die Hocke ging, um sich seinen Putt genauer anzusehen. Cincinnatis Kraftlinien waren weit entfernt, doch spürbar. Ich konnte die fließende Energie sogar auf diese Entfernung einsetzen, obwohl der Golfplatz eine Magie-Schutzwand besaß, um jegliche Beeinflussung des Spiels zu verhindern. Allerdings hatte ich schon vor Wochen herausgefunden, wie ich diesen Zauber umgehen konnte. Doch jetzt fühlte es sich an, als gäbe es am nächsten Loch eine Linie. Ich sah zurück in die Richtung, aus der wir gekommen waren.

Der dicke Mann in den limonengrünen Hosen stand mit seinem Schläger zwischen den Fahnen. Wir waren noch viel zu nah, als dass er schon hätte abschlagen können, doch selbst seine Übungsschwünge machten mich nervös. Es war nur ein Par-3-Loch – also erreichte man das Grün mit einem Schlag.

»Ähm, Rache?« Jenks hob ab und schwebte neben meinem Ohr, als Mr. Grüne Hose abschlug. Ich hörte den Knall eines getroffenen Balls, und mein Herz machte einen Sprung.»O nein, das hat er nicht getan!«, sagte Jenks. Ich beobachtete die Flugbahn des Balls.

»Was denkst du?«, flüsterte ich. Meine Haut kribbelte, als hätte ich bereits nach einer Linie gegriffen.

»Ich glaube, das wird ein Problem.«

»Achtung!«, schrie ich und sprang in die Sonne. Köpfe drehten sich. Trent allerdings blieb vor seinem Ball hocken. Instinktiv sandte ich einen Funken meines Bewusstseins aus, umging mühelos die Magie-Schutzwand und zapfte die nächstgelegene Kraftlinie an. Die Energie floss mit ungewöhnlicher Schärfe in mich und verbrannte mir die Nase. Als ich mein Chi füllte und die Energie dann über die Pfade aus Nerven und Synapsen zu meinen Händen zwang, schien die Magie überall herzukommen und nicht nur aus der einen Linie.

Ich riss die Augen auf, während ich dem Ball mit den Augen folgte. Die Energie in mir brannte, als sie durch kleinere und immer kleinere Pfade glitt, bis sie meine Fingerspitzen erreichte. Scheiße, der Ball flog direkt auf Trent zu.

»Derivare!«, schrie ich und vollführte mit den Fingern die Geste, die den Kraftlinienzauber zügelte und ihm Richtung gab. Es war ein kleiner Zauber, den ich schon seit Wochen einsetzte, um Trents Ball anzuschneiden und dabei zu üben, wie ich am besten die Schutzwand umging. Ich hatte nicht viel Energie verwendet, aber sie würde ausreichen, um den Ball vom Grün abzulenken. Inzwischen brauchte ich nicht mal mehr ein Bezugsobjekt.

Mein Wille verließ meinen Körper mit der Sicherheit eines wirbelnden Elektrons. Ich beobachtete den Zauber mit angehaltenem Atem, als er auf den fallenden Ball zuhielt. Die anderen Männer wichen zurück, doch Trent blieb stehen, weil er darauf vertraute, dass ich die Situation im Griff hatte.

Dann traf der Zauber den Ball, und gleichzeitig schoss Schmerz durch meine Hand.

Ich schrie auf und umklammerte mein Handgelenk, während ein lauter Knall die Luft erschütterte und mich auf den Hintern warf. Schockiert sah ich mich um, während Erde und Gras um mich zu Boden regnete. Männer schrien, und Jenks, der sich in meinen Haaren verheddert hatte, fluchte. Mit offenem Mund blinzelte ich auf den autogroßen Krater, der sich drei Meter neben dem Grün im Fairway gebildet hatte. »Das war vorher nicht da, oder?«, fragte ich benommen.

»Auf keinen fairyverschissenen Fall!«, rief Jenks. Meine verknoteten roten Locken ziepten, als er sich seinen Weg durch die Strähnen bahnte. »Musstest du den Ball in die Luft sprengen? Mein Gott, Frau!«

Meine Hand brannte, doch ich wagte nicht, die gerötete Haut zu reiben. Immer noch regneten Erde und Gras um uns zu Boden, während von überallher Leute angelaufen kamen. Aus dem nahe gelegenen Clubhaus erklang ein irritierendes Heulen. »Ich glaube, ich habe die Schutzwand des Clubs gesprengt«, sagte ich, stand ungeschickt auf und wischte mir mit der unversehrten Hand den Dreck von der Kleidung.

»Glaubst du wirklich?« Jenks verlor glitzernden silbernen Staub, als er aufgeregt hin und her schoss. »Ein bisschen zu beschützerisch, hm?«

Pikiert runzelte ich die Stirn. Meine Kontrolle war eigentlich besser. Viel besser. Ich hätte die Magie-Schutzwand nicht einmal beeinträchtigen dürfen, geschweige denn, denBall zum Explodieren bringen – selbst wenn ich das Wort zur Aktivierung des Zaubers gerufen hatte. Die Männer in ihrer pastellfarben karierten Kleidung standen in einer Gruppe zusammen und unterhielten sich laut. Die anderen Caddies bildeten ihre eigene Gruppe und starrten mich an. Mit aggressiv schwingenden Armen stürmte Mr. Grüne Hose auf uns zu. Noch war er ein Stück entfernt, doch er näherte sich schnell. Der Rest seines Teams blieb am Abschlag stehen.

So ruhig und entspannt wie immer schlenderte Trent heran und musterte mich unter seiner Kappe hervor. »Geht es dir gut?«

Peinlich berührt streifte ich ihm Erde von den Schultern. »Yeah«, erwiderte ich, auch wenn meine Hand wehtat. »Ich meine, ja. Sieht meine Aura für dich seltsam aus?«

»Nein.« Ich riss den Kopf hoch, als er nach meiner Hand griff, sie umdrehte und sich meine geröteten Fingerspitzen ansah. »Du hast dich verbrannt!«, sagte er leise und schockiert. Ich entzog ihm meine Finger.

»Es tut mir so leid«, beteuerte ich, während ich die Hand hinter dem Rücken versteckte. Ich konnte das Prickeln fühlen, als Jenks Staub darauf verteilte und sich die Verletzung ebenfalls ansah. »Ich habe den Ball nur leicht angestoßen. Er hätte nicht explodieren dürfen. Ich habe nicht mehr Linienenergie verwendet als bei jedem anderen Mal auch.«

Jenks kicherte. Ich erstarrte beschämt, während ich beobachtete, wie sich Verständnis auf Trents Gesicht ausbreitete.

»Du …«, setzte er an, und ich wurde rot. »Den ganzen letzten Monat?«

»Jetzt ist es raus, Rache«, sagte Jenks, dann schoss er davon, um sich den Krater anzusehen.

Ich zog eine Grimasse und nickte, doch Trent wirkte eher amüsiert. Er schien ein Lachen zu unterdrücken, als er mich am Arm berührte, um mir zu zeigen, dass er es witzig fand, dass ich sein Spiel manipuliert hatte. Zumindest bis sein Blick über meine Schulter zu dem Mann in den limonengrünen Hosen glitt, der den Fairway entlangstapfte. Trent ließ widerwillig die Hand sinken und richtete seine Aufmerksamkeit auf sein Team, das darauf wartete, endlich zu erfahren, was passiert war. »Das wird unschön.«

Wieder stiegen Schuldgefühle in mir auf. »Es tut mir wirklich leid! Das hätte nicht passieren dürfen. Trent, du weißt, dass ich das besser kann!«, sagte ich. Doch es fiel mir schwer, ein drei Meter tiefes Loch im Boden wegzudiskutieren.

Jenks flog brummend heran und ließ eine verbogene Masse aus Gummi und Plastik in Trents Hand fallen. »Kumpel, das sieht aus wie ein riesiger Spinnenhoden. Verdammt, Rache! Was hast du damit gemacht?«

Trent hielt das Ding zwischen zwei Fingern. »Ich werde mich darum kümmern«, sagte er, und ich fühlte mich klein. »Mach dir keine Sorgen. Niemand ist verletzt worden. Sie können an diesem Loch sowieso einen Sandbunker gebrauchen.«

»Genau.« Jenks landete auf Trents Schulter und sah dort irgendwie richtig aus. »Es könnte ein Mordanschlag gewesen sein, der von deinem Zauber vorzeitig ausgelöst wurde.«

Ich straffte die Schultern, und jede Verlegenheit verschwand. »Entschuldigung«, sagte ich, als ich Trent den zerstörten Ball aus der Hand riss, um später ein paar Nachzauber-Tests damit durchzuführen. Dann drehte ich mich mit zusammengekniffenen Augen zu Mr. Grüne Hose um, der mit langsameren Schritten und keuchend den kleinen Hügel erklomm.

»Rachel …«, sagte Trent warnend, doch ich trat vor ihn. Die Kraftlinie brummte in mir und kribbelte durch die Magie-Schutzwand des Clubs. Die Sirene war verstummt, die Schutzwand stand demnach wieder. Nicht, dass das eine Rolle gespielt hätte.

»Er sieht nicht aus wie ein Auftragsmörder«, meinte Jenks.

»Und ich sehe nicht aus wie ein Dämon«, entgegnete ich. Mein Puls raste. »Check noch mal alles, okay?«

»Geht klar.«

»Rachel, es war ein Unfall«, sagte Trent, als Jenks davonschoss. Doch in seinen Augen stand ein wachsamer Ausdruck, der vor einer Sekunde noch nicht da gewesen war.

»Er ist explodiert«, erklärte ich angespannt. »Lass nicht zu, dass der Kerl dich berührt.«

Sorge huschte über Trents Gesicht. Das beruhigte mich, weil ich jetzt wusste, dass er die Situation ernst nahm. Zusammen drehten wir uns zu dem Mann um, der keuchend, schnaubend und schwitzend auf uns zustürmte. »Wo zur Hölle ist mein Ball?«, schrie der dicke Mann, der es offensichtlich genoss, dass alle ihn beobachteten.

Trent lächelte beruhigend, so kontrolliert wie immer. »Es tut mir leid, Mr. …«

»Limbcus«, sagte der Mann in den grünen Hosen, und ich zog Trent einen Schritt nach hinten.

»Wir hatten einen Unfall«, erklärte Trent, woraufhin einer der Caddies nervös lachte. »Bitte akzeptieren Sie meine Entschuldigung und vielleicht heute Nachmittag eine Flasche Wein im Restaurant des Clubs.«

»Bestechung? Sie wollen mich bestechen?«, schrie Limbcus. Das erste Rot erschien auf Trents Wangen.

»Sie haben während eines Turniers Magie eingesetzt. Sie haben die Flugbahn meines Balls beeinflusst!«

Das konnte ich ihm nicht durchgehen lassen. »Ich hätte ihn nicht gesprengt, wenn Sie ihn nicht in unsere Gruppe geschlagen hätten.«

Geifernd richtete Limbcus seinen Finger auf mich, sodass jetzt alle mich anstarrten. »Sie gibt es zu!«, sagte er laut. »Sie hat Magie eingesetzt, um das Spiel zu beeinflussen! Sie sind raus, Kalamack. Und wenn ich meinen Willen bekomme, fliegen Sie ganz aus dem Club!«

Trent sah von seinem Handy auf, und ein winziges Zucken seiner Lippen verriet seine Irritation. »Mr. Limbcus, ich bin mir sicher, wir können zu einer Einigung kommen.«

Limbcus zuckte entsetzt zusammen, als Jenks uns umkreiste und silbernen Staub ausstieß, um mir zu signalisieren, dass die Luft rein war. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen sollte oder nicht. Ein Mordanschlag wäre vielleicht besser gewesen, als zugeben zu müssen, dass ich überreagiert hatte.

»Alles okay«, sagte Jenks und landete auf Trents Schulter statt auf meiner. Meine Haare waren so schon kraus genug, und es war fast beängstigend zu sehen, was die Magie-Schutzwand des Clubs damit anstellte. »Ich denke, es war einfach ein Fehler, aber der Kerl ist ein Arsch erster Klasse.«

Limbcus bekam förmlich Zustände. Der Pixie lachte und klang dabei wie ein Windspiel. Genervt bedeutete ich Jenks, ruhig zu sein. Der Pixie wurde ernst. Ein schwarz-goldener Golfcart, der zum Club gehörte, fuhr über den Platz auf uns zu. Ich entspannte mich für eine halbe Sekunde, bevor die Erleichterung sich wieder in Luft auflöste. Ich hatte ihre Schutzwand zusammenbrechen lassen. Man würde mich vom Platz schmeißen. Ich konnte nur noch darauf hoffen, dass Trent nicht mit mir verschwinden musste.

»Ah! Aha!«, sagte Limbcus, und sein breiter Körper zitterte, als er den Wagen entdeckte. »Jetzt werden wir ja sehen! Kevin!«, schrie er. »Kalamack hat die Flugbahn meines Balls beeinflusst! Ich will, dass er rausfliegt!«

Ich wand mich, während Kevin – so hieß er wohl – seinen Wagen vor uns anhielt. Der junge Mann wurde bleich, als er beim Aussteigen den Krater sah. In dem Wissen, was sowieso passieren würde, winkte ich ihm zu. »Das war ich. Tut mir leid!«

Kevin wirkte sehr professionell in seinen schwarzen Hosen und dem dazu passenden Polohemd, mit einem knisternden Funkgerät an der Hüfte und der Kappe auf seinem Kopf. »Ist jemand verletzt?«, fragte er, und die sorgenvollen Falten um seine Augen ließen ihn älter wirken.

Trent schüttelte den Kopf, und Limbcus drängte sich nach vorne. »Sie hat die Flugbahn meines Balls beeinflusst!«, schrie der Mann mit rotem Kopf. »Magie während eines Turniers ist ein Grund für eine Disqualifikation. Kalamack ist raus! Streichen Sie ihn von der Liste. Sofort.«

Trent, ganz Gentleman, räusperte sich dezent. »Ich fürchte, es war tatsächlich mein Fehler.«

»Nein. Eigentlich nicht«, sagte ich. »Dieser Mann hat seinen Ball in unser Spiel geschlagen, und ich habe ihn abgelenkt.«

»Eher gesprengt«, meinte Jenks mit einem Kichern, und ich wünschte mir, er hätte einmal den Mund gehalten.

»Sie gibt es zu!«, rief der dicke Mann und deutete wieder mit dem Finger auf mich. »Disqualifizieren Sie ihn!«

Kevin suchte Trents Blick, und Trent zuckte mit den Achseln. Unglücklich schob der Manager sich zwischen die zwei Männer. »Mr. Limbcus, gibt es irgendeine Möglichkeit, dass Sie über diesen bedauerlichen Fehler hinwegsehen könnten? Wo es doch Ihr Ball war, der das Problem ausgelöst hat?«

»Lassen Sie mich zumindest Ihren Ball ersetzen«, meinte Trent.

Limbcus riss die Augen auf, als ihm klar wurde, dass die beiden sich gegen ihn verbündet hatten. »Dieser Ball ist mir vollkommen egal! Wir unterliegen den Regeln des Turniers, und Ihr Caddie hat Magie eingesetzt! Die gesamten Ergebnisse Ihres Teams stehen in Zweifel, und Sie sollten für immer aus dem Club geworfen werden!«

»Mrs. Morgan ist nicht mein Caddie. Sie ist meine Personenschützerin.«

»Das glaube ich gern.« Der Mann warf mir einen anzüglichen Blick zu, und ich hob das Kinn. Es half nicht gerade, dass ich heute kaum wie ein Bodyguard angezogen war. In dem Versuch, weniger aufzufallen, hatte ich kurze Hosen, Turnschuhe und ein hässliches Poloshirt angezogen. Oh, ich war grundsätzlich durchtrainiert, doch wenn solche Männer Kurven sahen, gingen sie sofort davon aus, dass keinerlei Fähigkeiten oder Hirn damit in Verbindung stehen konnten. Doch meiner Ansicht nach half mir mein Aussehen meistens. Denn je weniger man wie ein Bodyguard aussah, desto leichter konnte man die anderen überrumpeln.

Das unangenehme Schweigen dauerte an. Der Mann verwechselte es mit Zustimmung und trat aggressiv vor. »Golf ist ein Spiel für Männer. Es ist schon schlimm genug, eine Frau auf dem Platz zu haben. Aber sie weiß ja nicht mal, wie man spielt!«

Ich kniff die Augen zusammen. »Ruhig, Rachel«, warnte Jenks.

»Sie ist ein Dämon«, bellte der Mann, und die umstehenden Männer keuchten. »Sie hat das Spiel manipuliert. Kann Ihre Schutzwand Dämonenmagie abwehren? Sie wissen es nicht!«

»Mr. Limbcus«, protestierte Kevin nervös.

»Kalamack hätte Elfenmagie einsetzen können, und das hätten Sie auch nicht gemerkt!«

»Oh-oh …« In einer leuchtenden Säule aus bläulich-schwarzem Funkeln hob Jenks ab.

Leise trat ich näher. Trent war weiß geworden – nicht aus Angst, sondern vor Wut. »Glaubst du, er macht irgendwas?«, fragte Jenks, der jetzt neben meinem Ohr schwebte.

»Ich bezweifle es.« Doch dann überlief mich ein kalter Schauder, als Trent seine Kappe abnahm. Wenn er seine Zauberkappe darunter getragen hatte, hatte er gerade die Versuchung entfernt. Seine eiserne Selbstbeherrschung hatte in letzter Zeit immer wieder Risse gezeigt, und das gefiel mir nicht.

»Seinesgleichen sollte überhaupt nicht mit anständigen Leuten spielen dürfen«, erklärte Limbcus mit einem abfälligen Grinsen.

Jetzt reichte es. Trent mochte sein magisches Licht ja unter die Scheffel stellen, um die Beziehungen zwischen den Spezies nicht zu belasten, doch ich hatte das nicht nötig. Es war zwar nicht mein Job, dafür zu sorgen, dass Trent keine Schlagzeilen machte, weil er Idioten angegriffen hatte, aber Quen würde es mir danken.

Mit einem Gedanken griff ich an der Magie-Schutzwand des Clubs vorbei und packte die Kraftlinie fester. Genervt riss ich einen großen Batzen Energie an mich, womit ich diese nervige Schutzwand endgültig zerstörte. In der Ferne heulte die Sirene los. Kevin wurde bleich, weil er genau wusste, dass ich ihre Schutzmaßnahme mit derselben Leichtigkeit durchbrochen hatte, wie ein Hengst eine Schnur zerreißt. Mr. Grüne Hose drehte sich um, und seine Wut schien sich aufzulösen, als er mich sah.

»Ähm, Rachel?«

Ich schob Trents Hand von meinem Arm. »Seinesgleichen?«, fragte ich. Mit in die Hüften gestemmten Fäusten hielt ich nur Zentimeter vor dem vorstehenden Bauch des Mannes an und sah zu ihm auf. »Seinesgleichen hat Ihre Mom und Ihren Dad während des Wandels am Leben erhalten!«

Von Trent stieg der Geruch zertretenen Farns auf. »Es ist okay«, sagte er. »Rachel, ich habe alles unter Kontrolle.«

»Gar nichts ist okay!«, rief ich und beobachtete mit einem kurzen Stich der Befriedigung, wie Limbcus vor mir zurückwich. »Dieser Ball hätte dich ins Krankenhaus bringen können, und er meckert rum, weil ich ihn gesprengt habe?«

»Rachel?«

Ich lehnte mich nach vorn, bis ich Limbcus’ Zahnpasta riechen konnte. »Wie ist es, Limbcus? Soll ich das FIB anrufen und Anzeige wegen versuchter Körperverletzung erstatten? Ich habe eine Lizenz, die mir erlaubt, jederzeit Magie zu wirken, um die Person zu beschützen, für die ich arbeite.« Genervt wedelte ich mit dem Klumpen aus Gummi und verbranntem Plastik unter seiner Nase herum. »Ich würde Ihnen diesen Ball am liebsten an einen unschönen Ort schieben, wenn ich ihn nicht als Beweis bräuchte!«

»Rachel!«

Ich blinzelte und zog mich zurück, als mir klar wurde, dass ich Limbcus bis an Kevins’ Golfwagen zurückgedrängt hatte. Jenks schwebte grinsend hinter ihm. Das beruhigte mich wieder ein wenig … mehr als die verängstigte Miene des Mannes. Ich tat mir gerade selbst keinen Gefallen. Schnaubend stapfte ich zu Trents Golftasche, riss sie hoch und ließ den zerstörten Ball in eine Seitentasche fallen, um ihn später auf Manipulationen zu untersuchen. »Sie sollten ein wenig in Ihren Geschichtsbüchern lesen, bevor jemand dafür sorgt, dass auch Sie Geschichte sind«, murmelte ich. Dann zuckte ich zusammen, als Trents Hand auf meiner Schulter landete. Jenks stieß amüsierten goldenen Staub aus. Schmollend schwang ich mir Trents Golftasche über die Schulter. Es mochte ein Fehler gewesen sein, mich einzumischen, doch ich konnte Beleidigungen viel schwerer schlucken, wenn sie nicht gegen mich gerichtet waren.

»Mr. Limbcus«, sagte Trent beruhigend, doch ich konnte auch eine gewisse Befriedigung in seiner Stimme hören, die vorher noch nicht da gewesen war. »Ich bin mir sicher, wir können zu einer Einigung kommen. Schließlich ist es ein Wohltätigkeitsturnier.«

Mr. Limbcus hatte sich immer noch nicht bewegt. »Wenn er nicht disqualifiziert wird, werde ich mich aus dem Turnier zurückziehen und meine Anmeldegebühr mitnehmen«, erklärte er mit zitterndem Kinn an Kevin gewandt. »Ihnen mag Cincinnati gehören, Kalamack, doch diesen Platz besitzen Sie nicht. Und ich werde dafür sorgen, dass Sie noch vor Ende des Tages aus dem Club fliegen!«

Tatsächlich hatte das Gelände irgendwann mal der Kalamack-Familie gehört, doch ich schaffte es, den Mund zu halten. Kevin stand mit unsicherer Miene neben dem Wagen. Trent setzte seine Kappe wieder auf und nutzte den Moment, um nachzudenken. »Ich werde mich sofort aus dem Turnier zurückziehen. Kevin, können wir mit Ihnen zurückfahren?«

Bekümmert trat der Manager nach vorne. »Natürlich, Mr. Kalamack.«

»Das passt«, schnaubte der fette Mann. »Er weiß, dass er ohne Magie verlieren würde.«

»Meine Gebühr können Sie natürlich behalten«, sagte Trent, während er mir eine Hand auf den Rücken legte, eine gleichzeitig besitzergreifende und beschützende Geste. Dann drehte er sich zu seinem Team um. »Gentlemen? Bitte entschuldigen Sie mich. Das Mittagessen geht auf mich.«

Überrascht, dass Trent so einfach aufgab, sah ich Jenks an. Der Pixie zuckte nur mit den Achseln. Trent schob mich fast zum Wagen. Vielleicht hatte ihn die Beleidigung der Elfen unerwartet getroffen. Er war noch nicht lange geoutet, und es erforderte Übung, würdevoll auf so etwas zu reagieren.

»Wir bekommen Hausverbot, oder?«, meinte Jenks, und ich nickte.

Selbstgefällig stolzierte Limbcus über den Platz und verkündete vor den anderen Spielern lautstark, wie man mit einem solchen Regelverstoß umgehen müsse. Trent stand neben mir, Kevin besorgt auf meiner anderen Seite.

Mr. Grüne Hose schnaubte, weil er glaubte, gewonnen zu haben. »Es geht nicht ums Geld. Ich will, dass Sie aus diesem Club ausgeschlossen werden! Sie werden von meinem Anwalt hören, Kalamack.«

Trent stoppte abrupt. Meine Sorge vertiefte sich, als ich das Glitzern in seinen Augen sah. Ich hatte es schon öfter gesehen. Er stand kurz davor, die Kontrolle zu verlieren.

»Mit welcher Begründung?«, fragte Trent kühl, als er sich umdrehte. »Meine Mitarbeiterin hat Ihren Angriff so abgewendet, dass niemand verletzt wurde. Falls irgendjemand Grund hat, sich zu beschweren, dann bin das ich.«

»Ähm, Trent?«, sagte ich, während Jenks nervös mit den Flügeln brummte.

»Sie sind aufdringlich, überheblich, und, um ehrlich zu sein, ziemlich schlecht angezogen«, fuhr Trent fort, während er mit ruhigen Schritten über das gepflegte Gras zu Limbcus zurückging. »Ihr Spiel ist unberechenbar, und wegen Ihrer Tendenz zu verfrühten Abgängen möchte niemand vor Ihnen spielen.«

Aus der Gruppe der Männer, die uns beobachtete, erklang ein Kichern. Doch mir gefiel gar nicht, dass Trent seine Kappe wieder trug. Er brauchte sie nicht unbedingt, um Magie zu wirken, doch sie garantierte ein gewisses Level an Finesse.

»Ein echter Spieler riskiert nicht die Sicherheit anderer auf solch offensichtliche, passiv-aggressive Weise«, erklärte Trent, der dem anderen Mann jetzt Auge in Auge gegenüberstand. »Ein echter Golfer spielt gegen sich selbst, nicht gegen andere. Sowohl ich wie auch meine Personenschützerin haben sich für die Zerstörung Ihres Eigentums entschuldigt und eine Entschädigung angeboten, die Sie vor Zeugen abgelehnt haben.« Die Aufschläge von Trents Hosen zitterten. »Falls Sie diesen Vorfall vor Gericht bringen wollen, werden nur die Rechtsanwälte gewinnen. Doch falls Sie diesen Weg einschlagen wollen, Mr. Limbcus, dann lassen Sie uns das auch richtig anfangen.«

Der Mann suchte nach Worten, während Trent vor ihm aufragte. Seine blonden Haare schwebten um seinen Kopf, und seine Haltung war unerbittlich und so selbstsicher wie die eines Königs. Jeder in Cincinnati hatte die glühenden Lichter am Nachthimmel gesehen, als die Dämonen einen der ihren gejagt und getötet hatten. Und jeder in Cincinnati wusste, dass Trent mit ihnen geritten war, um eine Gerechtigkeit zu üben, die älter war als die Bibel und genauso grausam.

Jenks’ Flügel kitzelten meinen Nacken, und ich zitterte. »Vielleicht solltest du ihn retten«, sagte der Pixie und meinte damit Trent. »Er ist gut darin, seinen Standpunkt klarzumachen, aber nicht, sich einen guten Abgang zu verschaffen.«

Mit einem Nicken schob ich mich nach vorne, bis ich hinter Trent stand, zu nah, um ignoriert zu werden. Er hielt den Blick des Mannes noch eine Sekunde, dann drehte er sich mit vor Zorn schmalen Lippen um und ging zum Wagen zurück. Ich schloss mich ihm an, während Schuldgefühle an mir nagten. Nichts davon hätte passieren dürfen.

Trent legte wieder die Hand an mein Kreuz, und etwas in mir machte einen Sprung. Energie wallte zwischen uns auf, und ich kontrollierte schnell das Gleichgewicht meines Chis, bevor es zu einem Ausgleich kam. Er war immer noch gereizt. Schweigend ging ich zum Rücksitz des Golfwagens, damit Trent sich neben den Manager setzen konnte.

»Hey, Rache. Soll ich den Drecksack pixen?«

Jenks hatte die Frage laut genug gestellt, dass fast jeder sie gehört hatte, also schüttelte ich nur niedergeschlagen den Kopf.

»Danke, Mr. Kalamack«, sagte Kevin nervös, als er um den Wagen eilte, um sich in den Fahrersitz fallen zu lassen. »Wäre es meine Entscheidung, würden Sie Ihr Spiel fortführen, und er wäre derjenige, der vom Platz geführt wird. Aber Regeln sind Regeln.«

Immer noch schlecht gelaunt glitt Trent auf den Vordersitz. Er warf einen kurzen Blick auf sein Handy, bevor er es wieder in die Tasche steckte. »Machen Sie sich keine Sorgen. Danke für die Rückfahrt. Und bitte geben Sie meinem Büro die Höhe der Beschädigungen durch. Nicht nur wegen des Turniers, sondern auch die Schäden am Grün.«

»Das weiß ich wirklich zu schätzen, Mr. Kalamack. Vielen Dank.«

Mit rotem Gesicht stellte ich Trents Golftasche in das Fach hinten auf dem Wagen. Ich klappte den kleinen Notsitz herunter, vollkommen zufrieden damit, auf der Rückfahrt hinten neben den Schlägern zu schmollen. Meine Hand tat weh. Ich starrte sie an, während der Wagen sich in Bewegung setzte, dann klammerte ich mich ein wenig zu spät fest, als wir durch eine Kuhle fuhren. Der Wind wehte mir durch die Haare, und ich atmete in dem Versuch, mich zu entspannen, tief durch.

Hatte ich wirklich so stark überreagiert? Ich hatte das Aktivierungswort gerufen, aber trotzdem … Besorgt beäugte ich meine Fingerspitzen und drückte die geschwollenen, geröteten Stellen. Mir gefiel nicht, was das bedeuten konnte. Sicher, ich mochte Trent, aber gingen diese Gefühle wirklich tief genug, um einen Ball zum Explodieren zu bringen?

Ein winziges Räuspern sorgte dafür, dass ich meinen Blick hob. Jenks saß im Schneidersitz auf dem Rand der Tasche und musterte mich mit einem entnervend wissenden Blick. »Halt die Klappe«, sagte ich, während ich die Hand zur Faust ballte, um die Verbrennung zu verstecken wie ein peinliches Geheimnis. Er öffnete den Mund, während sein Staub eine hellgoldene Färbung annahm, und ich schlug gegen die Tasche, um ihn zum Abheben zu zwingen. »Ich habe gesagt, halt die Klappe«, wiederholte ich lauter. Er lachte nur, als er aus dem Wagen schoss. Eine funkelnde Spur zeichnete seinen Weg vor uns nach.

»Es tut mir leid, Mr. Kalamack. Artübergreifende Feindlichkeit wird in diesem Club nicht akzeptiert«, sagte Kevin, der offensichtlich immer noch nervös war. »Ich wünschte, Sie würden eine offizielle Beschwerde einreichen. Es gibt genug Zeugen für den Vorfall, dass Limbcus unter Beobachtung gestellt wird.«

»Machen Sie sich keine Sorgen deswegen, Kevin. Es ist okay.«

Doch das war es nicht. Ich klammerte mich schweigend am Wagen fest, als er schwankte. Ich hatte Trent dabei beobachtet, wie er seit seinem Outing als Elf mit all dem Dreck umging, den ich erlebte, seitdem ich geboren war. Es hatte dafür gesorgt, dass er weniger selbstsicher war, länger nachdachte, bevor er handelte und weder so ruhig noch so sicher auftrat wie sonst – und ich fühlte mit ihm. Man sollte meinen, dass sein Reichtum ihm den Weg geebnet hätte, doch das Geld verursachte bei den meisten Leuten nur Neid. Und Neid führte zu Hass.

»Mr. Kalamack?«

Trent sah auf, eine neue Sorgenfalte auf der Stirn. Er war nun einer von »den anderen«, und nach einer Weile zermürbte einen das. Doch während ich ihn beobachtete, vertiefte sich sein professionelles Lächeln und wurde fast glaubhaft.

»Mr. Kalamack, die ganze Sache tut mir wirklich sehr leid«, sagte Kevin, als wir mit einem letzten Holpern auf den Asphalt des Parkplatzes fuhren und anhielten. »Sie haben jedes Recht, sich zu schützen, und wie Sie schon sagten, neigt Limbcus dazu, seine Bälle in die Spieler vor sich zu schlagen.«

»Es geht uns gut.« Trent löste seine verspannten Finger vom Handgriff und trat in die Sonne. Seine mit Spikes besetzten Schuhe kratzten auf dem Asphalt. »Ein Rückzug war besser, als auf meinem Recht zu beharren und zu riskieren, dass er seine Spielgebühr zurückzieht. Ich möchte gleich für nächste Woche meine übliche Startzeit reservieren. Nur ich und niemand sonst. Ohne Wagen. Können Sie das für mich arrangieren?«

Die Erleichterung des Mannes auf dem Fahrersitz war überdeutlich. »Natürlich. Danke für Ihr Verständnis. Und ich möchte mich noch einmal entschuldigen. Hätte ich zu entscheiden, wären Sie derjenige, der das Turnier beendet, und Limbcus bliebe die Zeit, sich ein wenig zu beruhigen.«

Trent lachte. Als er das hörte, stieg Jonathan, der unter anderem als Trents Fahrer diente, aus einem der schwarzen Wagen. Ich hatte den Mann lieber gemocht, als er noch ein Hund war – das war Trents Version eines warnenden Klapses auf die Finger, weil Jonathan versucht hatte, mich umzubringen. Als der Mann sah, dass ich Trents Schläger aus dem Wagen hob, öffnete er den Kofferraum des Geländewagens und wartete mit schlecht gelaunter Miene. Ich mochte diesen großen Mann mit den scharf geschnittenen Gesichtszügen und dem kantigen Körper einfach nicht.

Unangenehm berührt flüsterte ich: »Das wäre alles nicht passiert, wärst du Bowlen gegangen. Beim Bowling darf man Magie einsetzen.« Kevin zögerte, doch als Trent in einem unmissverständlichen Zeichen des drohenden Aufbruchs sein Gewicht verlagerte, streckte ich dem Golfplatzangestellten meine Hand entgegen. »Tut mir leid, dass ich Ihren Platz beschädigt habe. Ich kann heute Nachmittag wiederkommen und dabei helfen, den Schaden zu beheben.«

Sein Lächeln wirkte nervös, und seine Handfläche war feucht. »Nein, unsere Leute machen das schon«, antwortete er, als Trent nach seinen Schlägern griff. »Ähm, Mr. Kalamack, es tut mir wirklich leid, aber …«

Jenks ließ warnend die Flügel klappern, und ich blinzelte bei dem Bedauern in Kevins Stimme.

»Nein, ist schon okay«, sagte Trent wieder, schlug Kevin auf die Schulter und versuchte offensichtlich, sich loszueisen. »Keine Sorge. So etwas passiert in Rachels Nähe. Das ist Teil ihres Charmes.«

»Ja. Sir, äh … Eine Sache noch.«

Kevin wollte mir nicht in die Augen sehen, und mir sackten die Schultern nach unten. »Ich bekomme Hausverbot auf dem Platz, oder?«, fragte ich direkt, und Trent hielt inne.

Kevin verzog das Gesicht, doch Jenks grinste. »Es tut mir so leid«, flehte der arme Mann förmlich. »Ich hätte genau dasselbe getan wie Sie, Ms. Morgan. Doch im Regelwerk steht, dass man nicht noch mal auf den Platz darf, wenn man dort Magie gewirkt hat.«

»Oh, bei allen grünen Äpfeln«, fluchte Trent, doch ich berührte kurz seine Hand, um ihm zu sagen, dass er es gut sein lassen sollte. Ich hatte damit gerechnet.

»Sie können natürlich jederzeit im Clubhaus warten«, beeilte sich Kevin zu versichern. »Sie dürfen nur nicht auf den Golfplatz.« Sein Blick huschte zu Trent. »Es tut mir sehr leid, Mr. Kalamack. Wir haben mehrere Caddies, die auch als Personenschützer ausgebildet sind. Ihre Schirmherrschaft ist uns sehr wichtig.«

Trent schwang sich mit einem Klappern seine Schlägertasche über die Schulter und blinzelte in die Sonne. »Könnte man nicht eine Ausnahme machen?«, fragte er. »Rachel hat nicht gespielt. Sie hat nur ihren Job gemacht.«

Kevin zuckte mit den Achseln. »Möglicherweise. Ich werde den Fall dem Regelkomitee vorschlagen. Sie sind Mitglied im Club, seitdem Ihr Dad Ihnen Ihre ersten Schläger geschenkt hat. Himmel, mein Vater hat sie ihm verkauft. Sie sind in Ordnung. Doch Regeln bleiben Regeln.«

Ja, Regeln blieben Regeln. Aber ich war es leid, dass sie nie zu meinen Gunsten arbeiteten.

Frustriert fuhr sich Trent mit einer Hand durch die Haare. »Ich verstehe«, erklärte er ausdruckslos. »Nun, wenn Morgan nicht auf den Platz darf, dann brauche ich auch diese Startzeit nicht.«

Ich riss die Augen auf und legte Trent protestierend eine Hand auf den Arm. »Sir …«, flehte Kevin, doch Trent hob abwehrend eine Hand.

»Ich bin nicht wütend«, sagte er. Jenks schnaubte nur. »Ich ändere lediglich meine Pläne. Trotz seines rückständigen Geistes hat Limbcus in einem Punkt recht«, meinte er mit einem schnellen Blick zu mir. »Wenn man auf den Fairways unterwegs ist, sollte man wissen, wie man spielt. Ich wollte es dir nur beibringen.«

Mein Herz schien für einen Moment auszusetzen, um dann lauter weiterzuschlagen. »Mir?«, stammelte ich, dann warf ich Jenks einen warnenden Blick zu, als er kichernd rückwärtsflog. »Ich weiß nicht mal, ob ich wissen will, wie man Golf spielt.« Er will mir das Golfspielen beibringen?

Unbeirrt schob Trent seinen Arm in meinen, wobei die Schlägertasche gegen mich stieß. »Ich habe noch eine alte Driving Range auf einer der Weiden. Ich werde sie mähen lassen, und dann kannst du dort üben, bis diese Sache hier geklärt ist«, sagte er. Dann wandte er sich wieder an Kevin und schüttelte dem Mann die Hand. »Kevin, rufen Sie heute spätnachmittags Jonathan an, und ich werde die Gebühr für das Spiel überweisen lassen.« Er verzog das Gesicht, doch gleichzeitig war offensichtlich, dass seine Laune sich gebessert hatte. Keine Ahnung, warum. »Das wird teuer werden.«

»Danke«, erwiderte der junge Mann mit einem nervösen Lächeln, während er Trents Arm von oben nach unten pumpte. »Und noch einmal: Das tut mir alles sehr leid.«

Trent berührte kurz seine Golfkappe, dann drehte er uns um. Seine Stollenschuhe kratzten über den Asphalt, während mein Gesicht brannte. »Ich will nicht Golfspielen lernen«, wiederholte ich, doch Trent ging zielstrebig weiter auf den SUV zu, den er gekauft hatte, um die Mädchen darin herumzukutschieren. Warum will er mir das Golfspielen beibringen?

Jonathan, der immer noch neben dem offenen Kofferraum stand, starrte uns an, und ich entzog Trent meinen Arm. Das sorgte nur dafür, dass Trent noch breiter grinste, auch wenn seine Haare seine Augen verbargen. Jenks, der in der Luft schwebte und lachend einen Golfschwung imitierte, machte es auch nicht besser. Gott, ich war doch nicht dämlich! Trent würde Ellasbeth heiraten, sobald er damit fertig war, sie dafür zu bestrafen, dass sie ihn beim ersten Mal am Altar hatte sitzen lassen. Doch dieser Kuss, den wir vor drei Monaten geteilt hatten, ließ mich nicht los. Trent war nicht betrunken gewesen – darauf hätte ich geschworen –, doch das bedeutete noch lange nicht, dass es kein Fehler gewesen war. Man konnte nicht zwei Dinge gleichzeitig sein. Ich hatte es versucht, und es funktionierte einfach nicht. Und ich würde nicht seine Geliebte werden. Das hatte ich nicht verdient.

Verdammt, ich fasele.

»Du musst sie nicht meinetwegen boykottieren«, sagte ich, als wir uns dem Wagen näherten. Jenks schoss in den Schatten meines Autos, und Trent entspannte sich. Er mochte den Pixie, doch Jenks war auch anstrengend.

»Das tue ich nicht«, antwortete er leise, während er seine Schläger an Jonathan übergab. »Ich möchte hier nicht unterwegs sein, ohne dass jemand mir den Rücken deckt. Ich habe ihre Security gesehen. Dieser Ball hätte nicht explodieren dürfen. Nicht von dem kleinen Stoß, den du ihm versetzt hast. Du wirst das noch mal untersuchen?«

Ich nickte, und in diesem Moment fiel mir ein, dass der Golfball noch in Trents Tasche war. Ich holte ihn. Ein Zittern überlief mich, als ich die verbogene Masse aus Gummi und Plastik in der Hand hielt. Ich sah über den luxuriös grünen Platz hinweg, froh, dass die Bepflanzung und die schiere Entfernung uns vor den meisten neugierigen Blicken schützten. Mir hatte es hier draußen nie gefallen, doch das lag wahrscheinlich an der Hochnäsigkeit der Spieler. Vielleicht steckte aber auch mehr dahinter. »Ich werde Al danach fragen.«

Trent zuckte bei der Erwähnung von Algaliarept zusammen. In seinen Augen glitzerte ein Funkeln, das dafür sorgte, dass ich mich fragte, ob er mit mir kommen wollte. »Sa’han?«, fragte Jonathan, und sofort verschwand das Glitzern in Trents Augen. Stattdessen nahm er den glänzenden Lederschuh, den Jonathan ihm entgegenhielt.

»Wir haben uns nur früher verabschiedet, Jon«, sagte Trent, eine ganz neue Müdigkeit in der Stimme. »Ich habe eine SMS wegen eines fehlgezündeten Zaubers in einem der externen Labors bekommen und will mir die Sache persönlich ansehen.«

»Brauchst du mich?«, fragte ich, und Jenks’ Staub funkelte auf der anderen Seite des Parkplatzes. Sein Gehör war wirklich sehr gut.

Doch Trent lächelte nur. »Nein, danke. Diese Labore sind quasi narrensicher. Ich möchte mich einfach nur persönlich mit dem Mann unterhalten, der Verbrennungen davongetragen hat. Möchte sicherstellen, dass man mich nicht übers Ohr haut.«

Ich nickte, während mir gleichzeitig ein wenig unheimlich zumute wurde, als ich Sirenen von der nahen Schnellstraße hörte.

»Ich habe Geschrei gehört«, drängte Jonathan anscheinend wenig überzeugt, als Trent sich auf die Ladefläche setzte und seine Schuhe aufschnürte.

»Wir haben uns darum gekümmert.« Trent hielt inne. Über seine Füße gebeugt wirkte er gleichzeitig unerreichbar und absolut offen. Trent legte den Kopf schräg und beäugte Jonathan, wobei deutlich wurde, dass er wollte, dass der Mann verschwand.

Jonathan kniff die Lippen zusammen, als hätte er auf etwas Saures gebissen. Steif ging er zur Beifahrerseite, stieg ein und schlug protestierend die Tür zu. Trents Lippen zuckten, dann wandte er sich wieder seinen Schuhen zu. Jonathan konnte uns immer noch hören, doch zumindest starrte er uns nicht mehr an. Der Wind spielte mit Trents Haaren, und mich überkam der Drang, sie zu glätten.

Hör auf damit, Rachel.

Mein Auto stand in der Reihe gegenüber, drei Parkplätze versetzt, doch ich wollte noch nicht gehen. Trent wirkte erschöpft im Sonnenlicht. Er kniff die Augen zusammen, als er einen Stollenschuh auszog und stattdessen in den Lederschuh schlüpfte. Ich dachte daran, wie er sich für mich in die Bresche geworfen hatte, und etwas in mir kribbelte. Das war in letzter Zeit oft passiert. Lass dich in nichts verwickeln, Rachel. Du weißt, dass er unerreichbar ist.

Trent stand mit den Stollenschuhen in der Hand auf. »Lass mich wissen, was du rausgefunden hast.«

»Morgen. Außer, es sind schlechte Nachrichten«, sagte ich, als Trent die Heckklappe des SUV schloss.

»Morgen«, bestätigte Trent und trat näher an mich heran. Mein Lächeln gefror. Ich war mir nicht sicher, was er vorhatte. »Danke für heute«, sagte er leise und drückte meine Hände.

»Gern geschehen«, erwiderte ich. Ich wollte ihm ebenfalls danken, doch gleichzeitig fürchtete ich mich davor. Er ließ seine Hände sinken. Profi. Ich war ein Profi. Er hatte mich auch immer so behandelt – zumindest seit diesem Kuss, bei dem sein Mund nach Wein geschmeckt hatte … der mich atemlos und mit der Frage zurückgelassen hatte, wie lang es wohl dauern konnte, ihm die Kleidung auszuziehen. Ich wusste, dass er Ellasbeth heiraten würde; dass er Anforderungen gerecht werden musste, die definitiv keinen Platz ließen für ein einheimisches Mädchen mit einer verrückten Mom und einem Popstar-Dad.

Doch er berührte mich immer wieder. Und ich mochte das.

Jenks stocherte mit seinem Schwert die Käfer aus meinem Kühlergrill, um sie dann mit dem Fuß auf den Boden zu treten. Er suchte meinen Blick und bedeutete mir mit der Hand, mich zu beeilen. Doch Trent machte keine Anstalten zu gehen, und ich wusste nicht, was er wollte. »Dann hören wir uns später«, sagte ich und trat einen Schritt zurück.

»Genau. Später.« Mit gesenktem Kopf drehte Trent sich um, doch dann wandte er sich unerwartet noch einmal an mich. »Rachel, hast du heute Abend Zeit?«

Ich wich weiter zurück, einen vorsichtigen Schritt nach dem anderen, nachdem ich nicht sah, wo ich hinging. Da war es wieder. Professionell, und doch auch nicht. Mein erster Impuls war, ihm abzusagen, doch ich konnte das Geld brauchen, und ich hatte Quen versprochen, auf ihn aufzupassen. Jenks’ Staub glühte bei der erneuten Verzögerung in genervtem Rot auf, und ich sagte: »Klar. Geschäftstermin oder lockere Atmosphäre?«

»Locker«, erklärte Trent. Ich steckte die Hände in die Taschen. »Ist zehn Uhr okay? Ich werde dich abholen.«

Er würde gegen Mitternacht schlafen wollen, also wäre der Termin, was auch immer es war, ungefähr um diese Zeit vorbei. Entweder das, oder er traf sich mit jemandem, der nur nachts agieren konnte.

»Zehn«, sagte ich bestätigend. »Wo gehen wir hin?«

Trent zog den Kopf ein, dann wirbelte er auf dem Absatz herum und ging zu seinem SUV. »Zum Bowlen!«, rief er, ohne zurückzuschauen.

»Schön, dann erzähl es mir eben nicht«, murmelte ich. Spielte auch keine Rolle. Ich würde sowieso schwarze, professionelle Kleidung tragen, egal, wohin wir gingen. Eine Kite Show, ein Pferderennen oder mit Ellasbeth in den Park, wenn sie kam, um die Mädchen abzuholen oder zurückzubringen und Trent sie nicht auf sein Anwesen lassen wollte. Selbst eine Geschäftsreise mit einer Übernachtung hatten wir absolviert. Ich mochte es, Sachen mit Trent zu unternehmen, doch gleichzeitig fühlte ich mich wie ein Zahnrad, das nicht an seine Stelle passte. Und so sollte es auch sein – ich war seine Personenschützerin, nicht seine Freundin.

»Oh, bei der süßen, liebenswerten Tink!«, beschwerte sich Jenks, als ich mein Auto erreichte. »Seid ihr jetzt endlich fertig? Ich habe heute Nachmittag noch etwas vor.«

»Wir sind fertig«, sagte ich, als ich hinter das Lenkrad meines kleinen roten Mini Cooper glitt. Trent fuhr gerade rückwärts, und ich wartete, als er sich über den verkrampft wirkenden Jonathan lehnte und aus dem offenen Fenster schrie: »Lass mich wissen, was Al sagt!«, bevor er den Gang einlegte und auf die Interstate zuhielt. Wäre Quen dabei gewesen, hätte der Sicherheitschef darauf bestanden, selbst zu fahren. Doch Jonathan ließ sich beeinflussen. Ich wusste, dass Trent seine Unabhängigkeit sehr schätzte – nicht, dass er viel davon besessen hätte.

»Al, hm?«, sagte Jenks plötzlich interessiert, während ich beobachtete, wie Trent verschwand. »Hältst du das für eine gute Idee?«, fragte Jenks wieder, doch diesmal schwebte er dabei nur Zentimeter vor meiner Nase.

Ich lehnte mich nach vorne, um den Wagen zu starten. »Er kann mir sagen, ob der Ball mit einem Zauber belegt war«, erklärte ich. Jenks landete auf dem Rückspiegel, und die orange Färbung seines Staubs verriet mir sein Misstrauen. Ich war müde, genervt, und mir gefiel dieses seltsame Gefühl nicht, das Trent mir vermittelte. Als wäre mehr im Busch, als gesagt worden war. »Er hätte nicht explodieren dürfen«, fügte ich hinzu. Jenks bewegte zustimmend die Flügel.

Wenn jemand Trent ins Visier nahm, wollte ich das wissen. Und das war es wert, Al zu nerven, auch wenn er mir nur erzählen würde, ich solle den Mann sterben lassen.

Dieser Ball hätte nicht explodieren dürfen.

2

Die Sonne blitzte immer wieder hinter den Hochhäusern von Cincinnati auf, als ich mich im Nachmittagsverkehr Richtung Brücke und den Hollows auf der anderen Seite kämpfte. Die Interstate war vollkommen verstopft, und es war leichter, mich einfach rechts hinter einem Lastwagen einzuordnen, als zu versuchen, durch Spurenwechsel schneller voranzukommen.

Im Radio liefen Nachrichten, und keine der Meldungen war gut. Der fehlgezündete Zauber in Trents Labor war bei Weitem nicht der Einzige an diesem Morgen und so harmlos, dass er niemanden aufgefallen war – verdrängt von einer Kochklasse, die wegen schwerster Verbrennungen auf der Intensivstation behandelt werden musste, und dem plötzlichen Einbruch eines Tragbalkens, der das Dach eines Cafés durchschlagen und drei Leute verletzt hatte. Das gesamte Gebiet östlich der Interstate 71 war in Aufruhr. Ich konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass mein Krater im Golfplatz Teil von etwas Größerem war. Magische Fehlzündungen waren nicht allzu häufig, beruhten gewöhnlich auf Herstellungsmängeln und geschahen nie einfach zufällig zur selben Zeit.

Jenks saß schweigend auf dem Rückspiegel, während besorgter grüner Staub von ihm herunterrieselte. Dann berichteten sie über eine Putztruppe, die tot aufgefunden war. Als vermutete Todesursache wurden Hirnschäden aufgrund von plötzlichem Verlust jeglichen Körperfetts angegeben. Entsetzt schaltete ich das Radio aus.

Jenks’ Fersen trommelten gegen das Glas. »Eklig.«

Ich nickte, wollte endlich nach Hause kommen und die Fernsehnachrichten anschalten. Doch auch wenn ich mich bemühte, nicht darüber nachzudenken, wie schmerzhaft es sein musste, plötzlich einen Teil der Hirnmasse zu verlieren … meine Gedanken glitten immer wieder zu Trent. Sah ich wirklich, was ich zu sehen glaubte, oder projizierte ich nur meine eigenen Wünsche auf ihn? Ich meine, der Mann besaß alles außer der Freiheit, der zu sein, der er sein wollte. Warum sollte er … mich wollen? Und doch nagte der Gedanke unablässig an mir.

Ich ließ den Ellbogen aus dem Fenster hängen und spielte an einer Haarsträhne herum, während wir langsam vorwärtskrochen. Selbst die Presse hatte bemerkt, dass da irgendetwas zwischen uns war. Doch ich konnte ihnen ja kaum erklären, dass diese Vertrautheit aus dem gemeinsamen Wissen um gefährliche, gut gehütete Geheimnisse entsprang und nicht der Antwort auf die Frage, ob er Boxershorts oder Slip trug. Ich wusste, dass Trent so seine Probleme mit dem hatte, was alle von ihm erwarteten. Ich wusste, dass seine Tage lang waren – besonders jetzt, wo Ceri tot war und Quen und die Mädchen ihre Zeit zwischen Trent und Ellasbeth aufteilten. Aber es gab bessere Wege, seine Zeit zu füllen als politisches Unheil heraufzubeschwören, indem er mich bat, als sein Bodyguard zu arbeiten – wenn man mal außer Acht ließ, dass ich gut war. Wir würden bald darüber reden müssen, um dann die richtige Entscheidung zu treffen. Einmal würde ich die kluge Entscheidung treffen. Warum tut mir dann der Bauch weh?

»Rache!«, schrie Jenks vom Rückspiegel, und mein Blick schoss zu dem Lastwagen vor mir.

»Was!«, schrie ich überrascht zurück. Es bestand keine Gefahr, auf ihn aufzufahren.

Säuerlich grüner Pixiestaub rieselte herab und wurde von der Brise verweht. »Zum fairyverschissenen dritten Mal, könntest du bitte die Lüftung anders einstellen? Der Luftstrom zerreißt mir die Flügel.«

Mein Gesicht brannte, als ich den Staub betrachtete, der aus dem Riss in seinem Flügel rieselte. »Tut mir leid.« Ich rollte mein Fenster halb nach oben und öffnete die zwei hinteren Fenster einen Spalt. Jenks setzte sich bequemer hin, und sein Staub nahm ein zufriedeneres Gelb an.

»Danke. Wo warst du gerade?«, fragte er.

»Ähm«, mauerte ich. »In meinem Schrank«, log ich dann. »Ich habe keine Ahnung, was ich heute Abend anziehen soll.« Heute Abend. Das wäre der richtige Zeitpunkt, um das Thema anzusprechen. Dann hätte Trent drei Monate Zeit, um darüber nachzudenken.

Jenks beäugte mich misstrauisch, während ein Junge in einem schwarzen Cabrio von einer Spur auf die andere schoss, um sich ein Auto nach dem anderen nach vorne zu arbeiten. »Oh-oh«, sagte der Pixie. »Trents Mädchen kommen morgen zurück, richtig?«

Der Pixie erkannte, wenn ich log. Anscheinend veränderte sich bei einer Lüge meine Aura. »Ja«, sagte ich, und entschloss mich, das Ganze flapsig anzugehen. »Ich kann die Freizeit gut gebrauchen. Trent ist mehr unterwegs als ein vierzehnjähriges lebendes Vampirmädchen.« Und ich hatte herausgefunden, dass er auch ungefähr so schnell simsen konnte.

Jenks’ Flügel verschwammen. »Das bedeutet, drei Monate lang kein Geld …«

Ich packte das Lenkrad fester, dann fuhr ich auf die Zufahrt zur Brücke. »Du bekommst deine Miete, Pixie. Entspann dich.«

»Tinks kleine pinke Rosenknospen!«, schrie Jenks plötzlich, und seine Flügel bewegten sich so schnell, dass ich sie nicht mehr sehen konnte. »Warum springst du nicht einfach mit dem Mann in die Kiste?«

»Jenks!«, rief ich aus, dann trat ich auf die Bremse und schlingerte nach rechts, als das schwarze Cabrio den Lastwagen vor mir schnitt. Meine Reifen warfen Kies auf, als ich über die Seitenlinie geriet, um dann wieder auf die Straße zurückzukehren. Doch ich ärgerte mich mehr über Jenks’ Worte als über den Trottel im Auto. »So ist es nicht.«

»Ah ja?« Der Staub des Pixies verriet seine Neugier durch ein silbernes Funkeln. »Dich und Trent zu beobachten, ist, als schaute man zwei Jugendlichen zu, die noch nicht wissen, wie man seine Lippen einsetzt. Du magst ihn.«

»Warum sollte man ihn nicht mögen?«, grummelte ich, während ich es genoss, dass der Verkehr auf der Brücke etwas flüssiger lief.

»Schon klar. Aber letztes Jahr dachtest du noch, du würdest ihn hassen. Und das bedeutet, du magst ihn wirklich.«

Ich bemerkte, dass meine Knöchel weiß hervortraten und lockerte meinen Griff um das Lenkrad. »Hat dieses Gespräch einen Sinn, oder willst du einfach nur über Sex reden?«

Wieder trommelte er mit den Fersen gegen den Rückspiegel. »Nein. Darum geht es eigentlich.«

»Der Mann ist verlobt«, sagte ich, frustriert, dass ich offensichtlich so leicht zu durchschauen war.

»Nein, ist er nicht.«

»Na ja, er wird es sein«, hielt ich dagegen, als wir in den Schatten der Brückenpfeiler einfuhren und Jenks’ Staub leuchtete wie ein Sonnenstrahl. Wird es wieder sein.

Jenks schnaubte. »Genau. Er lebt in Cincy, sie in Seattle. Würde er sie mögen, hätte er sie längst bei sich einziehen lassen.«

»Sie haben ein Kind«, erklärte ich bestimmt. »Ihre Ehe wird die Elfenclans von Ost- und Westküste stabilisieren. Das ist es, was Trent will. Was alle wollen. Es wird passieren, und ich werde mich da nicht einmischen.«

»Ha!«, bellte der Pixie. »Ich weiß, dass du ihn magst. Außerdem plant man Liebe nicht, sie passiert einfach.«

»Liebe!« Drei Autos vor uns wurde plötzlich gehupt, und Bremslichter leuchteten auf. Ich wurde langsamer, weil ich mit Problemen rechnete. »Das ist keine Liebe.«

»Dann eben Lust«, sagte Jenks, der anscheinend sowieso davon ausging, dass das besser war als Liebe. »Warum hättest du diesen Ball sonst zur Explosion bringen sollen? Ein bisschen arg beschützerisch, oder?«

Ich stemmte den Ellbogen gegen das Fenster und ließ meinen Kopf in die Hand fallen. Der Verkehr stand jetzt fast völlig. Langsam rollte ich in einen Sonnenfleck. Ich war nicht verliebt. Ich wollte nichts von Trent. Und Trent ging es genauso – trotz dieses nicht wirklich betrunkenen Kusses. Er war allein und verletzlich gewesen, genau wie ich. Doch gleichzeitig drängte sich mir die Frage auf, ob die vielen Termine des letzten Monats wirklich normal waren, oder ob er nur versuchte, aus dem Haus zu kommen. Mit mir. Hör auf damit, Rachel.

Hinter mir hupte jemand, und ich rollte ein paar Meter nach vorne. Trent hatte noch sein gesamtes Leben vor sich, besser durchgeplant als einer von Ivys Aufträgen. Ellasbeth und ihre gemeinsame Tochter Lucy passten dazu. Ray ebenso, auch wenn das kleine Mädchen keinen einzigen Tropfen Blut mit ihnen teilte. Trent wollte mehr, doch er konnte nicht zwei Leben gleichzeitig leben. Ich hatte es versucht, und das hatte mich fast umgebracht.

Mein Blick glitt zu meiner Tasche, in der der Golfball ruhte. »Die Explosion verdanken wir wahrscheinlich derselben Sache, die auch den Korridor östlich der 71 beeinflusst hat«, sagte ich. »Und nicht einer Überreaktion meinerseits.«

Jenks schnaubte. »Meine Idee gefällt mir besser.«

Inzwischen rollte der Verkehr wieder, und ich wechselte die Spur, um direkt hinter der Brücke besser abfahren zu können. Wir fuhren unter einem Stützpfeiler hindurch, als plötzlich ein Kribbeln meinen Körper überlief. Überrascht sah ich auf, weil ich Flügelschläge hörte, konnte aber nichts entdecken. Warum kribbeln meine Fingerspitzen?

»Himmel!«, rief Jenks. »Hast du das gespürt? Dreck auf Toast, Rache! Deine Aura ist gerade wieder weiß geworden.«

»Was?« Ich atmete tief durch, dann konzentrierte ich mich auf die Straße, als Reifen quietschten. Ich stieg auf die Bremse. Sowohl ich als auch das Auto vor mir wichen nach links aus. Davor schoss ein Auto nach rechts. Auch hinter mir quietschten Reifen, doch irgendwie schafften wir es alle zu bremsen. Ich war erschüttert, aber unverletzt.

»Ich wette, das war dieser Junge«, sagte ich und kanalisierte das Adrenalin in meinem Körper in Wut. Doch dann wurde ich bleich und riss die Augen auf, als eine riesige Blase aus Jenseitsenergie sich über die Autos erhob.

»Jenks!«, schrie ich. Er drehte sich um, dann hob er überrascht ab. Die Blase war riesig, überzogen mit silbrig glänzenden Funken und roten Energieschlieren. Ich hatte noch nie eine Blase gesehen, die so langsam wuchs. Doch sie hielt direkt auf uns zu.

»Raus!«, schrie ich, griff nach meinem Gurt und kämpfte darum, möglichst schnell aus dem Auto zu kommen. Sonst bewegte sich niemand. Als Jenks aus dem Auto schoss, griff ich nach einer Kraftlinie, um einen Schutzkreis zu heben. Doch ich befand mich über dem Fluss. Keine Chance.

Ich drehte mich um, nur um gegen eine Autotür zu rennen, die sich in diesem Moment öffnete. Ich kämpfte mich wieder auf die Beine und sah nach hinten, als die Blase meinen Fuß berührte. »Nein!«, schrie ich, weil mein Fuß taub wurde. Ich fiel im Schatten des Autos auf den Asphalt. Plötzlich konnte ich nicht mehr atmen. Statt Luft ergoss sich bräunlich-rotes Funkeln in meine Lunge, und ich hörte das Rascheln von Federn. Ich konnte nichts sehen. Ich spürte nichts, während meine Finger sich in die Straße krallten. Es gab einfach nichts zu fühlen.

Mein Herz schlägt nicht!,