Chefarzt Dr. Holl 1972 - Lotta Carlsen - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 1972 E-Book

Lotta Carlsen

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Beschreibung

Saskia und Andreas Scheerbaum stecken in einer Ehekrise. Andreas will endlich wieder als Notfallsanitäter arbeiten, doch seine Frau ist strikt dagegen - aus Angst, der stressige Alltag im Rettungsdienst könnte bei ihm einen Herzinfarkt auslösen, wie damals vor fünf Jahren ...
Der Streit schaukelt sich hoch. Tochter Lena soll von alldem nichts mitbekommen, doch das gelingt dem Ehepaar nicht. Also heckt die Fünfjährige einen Plan aus: Wenn sie krank werden würde, würden ihre Eltern den Streit doch hoffentlich vergessen.
Erst vor Kurzem hat ihr Vater ihr im Wald gezeigt, welche Beeren man pflücken darf und welche auf keinen Fall. Letzteres gilt etwa für die Tollkirsche, die einen ganz schön krank machen kann. Da wird der Plan des Mädchens konkreter ...


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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Pflücken verboten!

Vorschau

Impressum

Pflücken verboten!

Nach einem Ausflug in den Wald kämpft Lena ums Überleben

Von Lotta Carlsen

Saskia und Andreas Scheerbaum stecken in einer Ehekrise. Andreas will endlich wieder als Notfallsanitäter arbeiten, doch seine Frau ist strikt dagegen – aus Angst, der stressige Alltag im Rettungsdienst könnte bei ihm einen Herzinfarkt auslösen, wie damals vor fünf Jahren ...

Der Streit schaukelt sich hoch. Tochter Lena soll von alldem nichts mitbekommen, doch das gelingt dem Ehepaar nicht. Also heckt die Fünfjährige einen Plan aus: Wenn sie krank werden würde, würden ihre Eltern den Streit doch hoffentlich vergessen.

Erst vor Kurzem hat ihr Vater ihr im Wald gezeigt, welche Beeren man pflücken darf und welche auf keinen Fall. Letzteres gilt etwa für die Tollkirsche, die einen ganz schön krank machen kann. Da wird der Plan des Mädchens konkreter ...

»Herr Doktor Holl? Wie schön, dass ich Sie hier treffe!«

Stefan Holl, der mit seinem Einkaufswagen in der Schlange an der Supermarktkasse gewartet und darüber nachgedacht hatte, ob er sich und seinem Sohn Chris zum Abendessen Pizza oder Hamburger mit Pommes zubereiten sollte, zuckte zusammen und drehte sich um.

»Frau Scheerbaum!«, rief er erfreut, als er die aparte, sympathische Frau mit dem glatten, beinahe weißblonden Haar hinter sich erkannte. »Das ist wirklich ein netter Zufall. Wie geht es Ihnen denn? Und Ihrem Mann?«

Es kam nicht selten vor, dass Dr. Stefan Holl in seinem Alltag ehemaligen Patienten begegnete. Als Leiter der renommierten Berling-Klinik, die sein Schwiegervater aufgebaut hatte, war er an der Behandlung unzähliger Menschen beteiligt gewesen. Freunde wollten von ihm des Öfteren wissen, ob er all die Namen und Schicksale nicht in kürzester Zeit vergaß. Eine Frage, die Stefan guten Gewissens verneinen konnte.

All diese Menschen und ihre Geschichten hatten sich in sein Gedächtnis ebenso wie in sein Herz eingegraben. Dennoch konnte er nicht leugnen, dass er an manche häufiger zurückdachte als an andere. Saskia Scheerbaum war eine, die in seiner Erinnerung noch sehr präsent war. Dabei musste es inzwischen fünf Jahre her sein, dass er in seiner Klinik ihre Bekanntschaft gemacht hatte, und seine Patientin war sie streng genommen gar nicht gewesen.

Vielmehr hatte sich die junge Frau in einer eisigen, von Schneestürmen durchtosten Winternacht mit ihrem Kleinwagen durch Münchens Innenstadt gekämpft, um ihren Mann ins Krankenhaus zu bringen.

»Bitte helfen Sie!«, hatte sie in wilder Panik ausgerufen, kaum dass sie vor dem Portal der Klinik aus dem Auto gesprungen war. »Mein Mann Andreas – er stirbt! Ich glaube, er hatte einen Herzinfarkt.«

Stefan war in gerade diesem Moment durch die Tür getreten, um sich nach einem langen Arbeitstag auf den Heimweg zu machen. Saskia Scheerbaum war ihm regelrecht in die Arme gefallen.

»Bitte, Herr Doktor – Sie müssen uns helfen. Andreas darf nicht sterben. Wir lieben uns so sehr.«

Vielleicht war es dieser kleine Satz gewesen, der sich ihm für alle Zeiten eingeprägt hatte. Natürlich erlebte er es oft, dass verzweifelte Frauen oder Männer um das Leben ihres geliebten Partners bangten, aber wenig hatte ihn je so berührt wie diese offene, verzweifelte Liebeserklärung der jungen Frau.

Wie er später erfuhr, waren sie und ihr Mann gerade erst in ihr kleines Eigenheim am Stadtrand gezogen. Das Telefon war noch nicht angeschlossen gewesen, und durch den Sturm war der Handy-Empfang gestört gewesen. Andreas Scheerbaum hatte über bleierne Müdigkeit geklagt, was Saskia auf seinen anstrengenden Beruf und die zusätzlichen Mühen des Umzugs geschoben hatte.

Also waren sie früh zu Bett gegangen. Saskia Scheerbaum war gerade eingeschlafen, als ein furchtbares Stöhnen sie wieder aus dem Schlaf riss. Ihr Mann lag neben ihr im Bett – totenbleich, ohne Bewusstsein und leblos.

Andreas Scheerbaum konnte wahrhaftig vor Glück sagen: Der leichte Schlaf seiner Frau, das unbewusste Gespür für seinen Zustand und ihr geistesgegenwärtiges, schnelles Handeln hatten ihm das Leben gerettet. Saskia hatte nicht lange gefackelt: Es war Stefan ein Rätsel, wie die zierliche Frau es geschafft hatte, ihren großen, kräftigen Mann hinunter in ihr Auto zu schleppen, aber sie hatte das Kunststück zustande gebracht und war auf der Stelle losgefahren.

Mit einer Intensität, als wären die Scheerbaums persönliche Freunde von ihm, hatte Stefan sich in dieser Nacht gewünscht, der junge Mann möge den Infarkt überleben. Nicht nur um seiner selbst und seiner sympathischen Frau willen, sondern auch für den dritten Menschen, der bereits zu der kleinen Familie gehörte.

Die tapfere Saskia Scheerbaum, die so beherzt und umsichtig gehandelt hatte, wie kein Arzt es besser gekonnt hätte, war im neunten Monat schwanger.

Die Scheerbaums hatten Glück: Mit allen Mitteln, die ihnen medizinisch zur Verfügung standen, kämpften die Herzspezialisten der Berling-Klinik in dieser Nacht um das Leben des werdenden Vaters und gewannen: Andreas Scheerbaum erholte sich und wurde wieder gesund.

Tränenüberströmt dankte seine Frau Stefan am folgenden Morgen und gestand ihm, was ihr auf der Seele lag.

»Ich habe solche Angst, dass es noch einmal passiert, Herr Doktor«, presste sie heraus. »Andreas ist einfach nicht bereit, sich zu schonen, er geht mit seiner Gesundheit um, als hätte er noch eine zweite in der Tasche. Er ist Rettungssanitäter, müssen Sie wissen. Und er liebt seinen Beruf über alles.«

»Über alles?« Stefan horchte auf.

»Ja«, murmelte Saskia leise. »Manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, er liebt seine Arbeit sogar noch mehr als mich und unser ungeborenes Kind.«

»Ganz bestimmt nicht«, erwiderte Stefan, der bereits den Eindruck gewonnen hatte, dass Andreas Scheerbaum seine Frau mit genau der gleichen Kraft liebte, wie Saskia ihn. »In medizinischen Berufen neigen Menschen häufig dazu, sich zu überfordern und alles um sich herum zu vergessen, weil es dabei eben darum geht, Menschenleben zu retten. Meine eigene Frau kann ebenfalls ein trauriges Lied davon singen. Aber sie schafft es immer wieder, mich daran zu erinnern, dass sie selbst und unsere Kinder mir alles bedeuten. Und dass sie ein Recht auf mich haben. Also auch ein Recht darauf, dass ich auf meine Gesundheit achte.«

»Ihre Frau muss unglaublich klug sein«, war Saskia Scheerbaum herausgeplatzt. »Ich weiß einfach nicht, wie ich Andreas das klarmachen soll.«

»Ja, Julia ist unglaublich klug«, hatte Stefan ihr zugestimmt, »aber Sie sind es auch, und ich bin sicher, dass Sie gemeinsam einen Weg finden werden. Versichern kann ich Ihnen, dass Ihr Mann dank Ihnen großes Glück gehabt hat und wieder vollständig gesund werden wird. Oft erweist sich ein solcher Warnschuss vor den Bug als Segen, und Ihr Mann wird in Zukunft mehr auf seine Gesundheit achten. Zumal er ja bald auch noch die Verantwortung für einen neuen kleinen Menschen trägt.«

Auf Saskia Scheerbaums angespanntes Gesicht war ein weiches Lächeln getreten. Um ganz sicherzugehen, hatte Stefan sie kurz zuvor gründlich untersucht und ihr bestätigt, dass ihr Kind durch die Aufregung und die nächtliche Rettungsaktion keinen Schaden erlitten hatte, und nun zeigte sich in ihren Zügen die überwältigende Liebe zu ihrem Kind.

Eine Woche nach Andreas Scheerbaums Entlassung aus der Klinik war die kleine Lena gesund zur Welt gekommen. Stefan hatte eine Geburtsanzeige erhalten, die ihn zu Tränen gerührt hatte: Ihm zu Ehren hatten die jungen Eltern den Zweitnamen Stefanie für ihre Tochter gewählt.

Er hatte einen freundlich lächelnden Plüsch-Eisbären als Geburtsgeschenk geschickt und der kleinen Familie von ganzem Herzen alles Gute gewünscht.

Wie sich nach umfangreichen Untersuchungen herausgestellt hatte, war eine verschleppte Influenza-Infektion der Auslöser für den Infarkt gewesen, den Andreas Scheerbaum in so jungem Alter erlitten hatte. Gemeinsam mit seinem besten Freund Michael bildete Andreas seit Jahren ein eingespieltes Team auf dem Rettungswagen. Er hatte sich elend und krank gefühlt, dennoch hatte er den Freund und all die Menschen in Not nicht im Stich lassen wollen.

Stefan verstand ihn nur zu gut. Dennoch redete er ihm eindringlich ins Gewissen und forderte ihn auf, künftig auf seine Gesundheit zu achten. »Sie wollen Ihren Beruf doch noch viele Jahre ausüben, Herr Scheerbaum«, hatte er gesagt. »Und Sie wollen noch viele Jahre für Ihre Familie da sein. Vergessen Sie das nicht.«

Andreas Scheerbaum hatte es ihm versprochen. Und da alle Nachuntersuchungen beste Ergebnisse gezeigt und der Patient nie wieder mit Beschwerden in der Klinik vorgesprochen hatte, hoffte Stefan, dass er sein Versprechen gehalten hatte.

Und jetzt stand seine Frau vor ihm und schob einen Einkaufswagen vor sich her, in dem sich eindeutig die Vorräte einer Familie befanden: Neben einem frischen Bio-Huhn und jeder Menge Obst und Gemüse entdeckte Stefan eine Schachtel mit dem Müsli, das auch seine jüngste Tochter noch immer mit Begeisterung zum Frühstück aß, mehrere Becher von Kindern geliebtes Frucht-Joghurt, Orangensaft und eine Großpackung Eis am Stiel im Batman-Look.

Saskia Scheerbaum bemerkte seinen Blick und musste lachen. »Unsere Lena ist alles andere als ein typisches Mädchen«, sagte sie. »Mit Feen und Prinzessinnen kann man sie jagen. Aber seit Andreas mit ihr in dem LEGO-Film Batman war, kann sie von diesem Superhelden einfach nicht genug bekommen. Sie liebt ihn fast so sehr wie ihren Eisi Eisbär, den Sie Ihr damals geschenkt haben. ›Batman ist wie Papa‹, hat sie mir gerade erst heute Morgen erklärt. ›Er rettet Leute, denen es schlecht geht.‹«

Stefan lächelte. »Wenn Sie mich fragen, hat Ihre Tochter sich den bestmöglichen Grund ausgesucht, um für Batman zu schwärmen«, sagte er.

»Na ja.« Saskia Scheerbaum lächelte ebenfalls, doch wenn Stefan sich nicht sehr irrte, fiel es ihr ziemlich schwer. »Von mir aus bräuchte Andreas das mit der Rettung nicht ganz so häufig zu betonen. Mir wäre es nämlich ganz recht, wenn meine Tochter einen weniger gefährlichen Beruf ergreifen würde.«

»Wem sagen Sie das.« Stefan lachte. »Ich habe vier von der Sorte und kann das Sprichwort Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen nur unterstreichen. Man hört nie auf, Angst um sie zu haben – aber sie machen trotzdem, was sie wollen. Ich bin sicher, Ihre Lena wird auch ihren Weg finden, und Sie werden stolz auf sie sein, wie Sie es auf Ihren Mann ja auch sind.«

»Ja, natürlich«, begann Saskia Scheerbaum, klang jedoch so verunsichert, dass Stefan aufhorchte. »Ich möchte einfach, dass meine Familie sich nicht in übermäßige Gefahr begibt. Der Schreck von damals sitzt mir, um ehrlich zu sein, noch immer in den Knochen. Andreas fährt ja nun keine anstrengenden Rettungseinsätze mehr, aber wenn er stattdessen Lena dafür begeistert, ist mir auch nicht geholfen.«

»Ihr Mann fährt keine Einsätze mehr?«, fragte Stefan überrascht. »Aber er war doch Sanitäter mit Leib und Seele, und mit ein wenig Vorsicht war er nach seiner Genesung doch auch wieder voll arbeitsfähig ...«

»Er arbeitet jetzt im Büro der Einsatzzentrale«, beeilte Saskia sich, zu erklären. »Das ist schließlich genauso wichtig. Wenn es niemanden gibt, der Batman benachrichtigt, kann Batman ja auch niemanden retten.«

»Da haben Sie recht.« Noch einmal lachte Stefan, doch insgeheim war er ein wenig besorgt um die sympathische junge Familie. »Und das Wichtigste ist, dass man sich an dem Platz, an dem man steht, wohl und ausgefüllt fühlt. Selbst für Batman, nehme ich an.«

Sie lachten beide.

»Es war so nett, Sie zu treffen und mit Ihnen zu sprechen«, sagte Saskia Scheerbaum. »Aber jetzt sind Sie gleich an der Reihe, und ich darf Sie nicht länger aufhalten. Ihre Frau wartet sicher schon auf die Einkäufe ...« Ihr Blick wanderte über die Pizza- und Hamburger-Zutaten in seinem Einkaufswagen. »Für sechs Personen sieht das allerdings ein bisschen wenig aus.«

»Oh, wir sind nur zu zweit«, erwiderte Stefan. »Unsere beiden ältesten studieren bereits und sind vor Kurzem ausgezogen. Leicht ist das meiner Frau und mir nicht gefallen, wir sind echte Glucken-Eltern, aber man muss den Kindern eben nach den Wurzeln auch Flügel geben.«

»O ja, das stelle ich mir hart vor«, murmelte Saskia Scheerbaum. »Ich bin heilfroh, dass Lena noch so klein ist und ich sie gleich aus dem Kindergarten abholen und ganz fest an mich drücken kann. Wenn sie eines Tages nicht mehr da wäre ...«

»Sie kommen ja immer wieder«, sagte Stefan tröstend. »Und ich mache mir heute Abend mit meinem jüngeren Sohn einen zünftigen Männerabend, was zur Abwechslung auch sehr schön ist.«

»Und Ihre Frau?«, fragte Saskia.

»Die macht mit unserer Juju, unserem Nesthäkchen, eine Woche Reiterferien«, antwortete Stefan. »Ich bin also derzeit Strohwitwer – zum Glück nur noch bis morgen Abend. Natürlich habe ich Julia versichert, dass ich hervorragend zurechtkommen werde, aber in Wahrheit vermisse ich sie mehr, als ich es mir hätte vorstellen können.«

»Und sie Sie sicherlich auch«, bekundete Saskia. »Das klingt alles so wunderbar harmonisch bei Ihnen. Sie müssen eine wirklich glückliche Familie sein.«

»Ja, das sind wir«, sagte Stefan. »Und für mich ist es das größte Geschenk, das ein Mensch im Leben erhalten kann. Ich vermute, Ihnen geht es nicht viel anders.«

»Nein, natürlich nicht«, murmelte Saskia hastig, ehe sie sich von ihm verabschiedete, weil er an der Reihe war, seine Einkäufe auf das Band zu legen.

Stefan verabschiedete sich ebenfalls herzlich und trug Saskia auf, ihre Familie zu grüßen. Im Stillen fragte er sich jedoch, was der jungen Frau so schwer auf der Seele lag. Etwas war ganz und gar nicht so, wie es sein sollte – für solche Dinge besaß Stefan Holl einen sechsten Sinn.

***

»Und dann hat Eisi Eisbär sich bei Batman bedankt, weil er ihn gerettet hat.« Saskias Tochter Lena saß in ihrem bunten Kinderstuhl, fütterte den Plüsch-Eisbären auf ihrem Schoß mit dem Obstsalat, den Saskia ihr hingestellt hatte, und plapperte ohne Unterlass vor sich hin. »Und weißt du, was Batman dann gesagt hat? Eisi Eisbär, warum kommst du nicht mit mir auf meinen Rettungswagen und hilfst mir, Leute zu retten? Ja, das hat er gesagt ...«

Saskia, die am Herd stand und dabei war, das Abendessen vorzubereiten, rang sich ein Lachen ab. Die Fantasie ihrer Tochter war wirklich unglaublich. Fortwährend dachte sie sich Geschichten aus und spielte sie mit ihren Plüschtieren und Spielfiguren nach. »Batman fährt doch nicht mit einem Rettungswagen«, sagte sie. »Er hat sein Batmobil, und ich glaube, da passt Eisi Eisbär nicht rein.«

»Mein Batman fährt aber mit dem Rettungswagen!« Lenas süße Kinderstimme klang verärgert. »Und in einem Rettungswagen sitzen immer zwei – so wie Papa und Onkel Michael.«

Saskia unterdrückte ein Seufzen. »Papa fährt schon lange nicht mehr mit Onkel Michael auf dem Rettungswagen, das weißt du doch«, erklärte sie wohl zum hundertsten Mal. »Er sitzt in einem Büro und gibt den Rettungswagenfahrern Bescheid, wo ein Mensch Hilfe braucht. Das ist sehr wichtig, weißt du?«

Lena nickte eifrig. »Aber noch wichtiger sind die Leute, die in dem Wagen fahren und die Kranken retten«, erwiderte sie. »So wie Batman und Eisi. Das hat Papa mir alles erklärt.«

»Nun, wie auch immer«, beendete Saskia das Thema, das ihr inzwischen verhasst war. »Auch die größten Retter müssen essen, damit sie bei Kräften bleiben, und deshalb machen wir beide uns jetzt über unser Abendessen her, einverstanden? Ich habe extra Tortellini gekocht, die du so gerne isst. Eisi und Batman bekommen natürlich auch etwas ab.«

»Und Papa?«, fragte Lena erwartungsvoll. »Können wir mit dem Essen nicht warten, bis er auch da ist?«