Chefarzt Dr. Holl 1988 - Lotta Carlsen - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 1988 E-Book

Lotta Carlsen

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Beschreibung

Der sechsjährige Sebastian ist ein Junge mit einem großen Talent: Er spielt beeindruckend gut Klavier. Zum Üben muss er nicht angehalten werden, aus purer Freude entlockt er dem Instrument die schönsten Melodien. Er wird einmal ein großer Pianist, da sind sich alle sicher.
Sebastian ist aber kein verschrobenes Wunderkind, sondern ein aufgeweckter, fröhlicher Junge. Am Ostersonntag jagt er durch den Garten seiner Oma Wilma, um Ostereier zu suchen.
Da stürzt er über eine Wurzel und bricht sich die Hand. Er wird in die Berling-Klinik gebracht, und nach den ersten Untersuchungen hat Dr. Holl keine gute Nachricht für die Familie: Der Bruch ist kompliziert. Vermutlich wird Sebastian nie wieder Klavier spielen können ...

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Verhängnisvoller Ostersonntag

Vorschau

Impressum

Verhängnisvoller Ostersonntag

Ein Unfall veränderte Sebastians Leben für immer

Von Lotta Carlsen

Der sechsjährige Sebastian ist ein Junge mit einem großen Talent: Er spielt beeindruckend gut Klavier. Zum Üben muss er nicht angehalten werden, aus purer Freude entlockt er dem Instrument die schönsten Melodien. Er wird einmal Pianist, da sind sich alle sicher.

Sebastian ist aber kein verschrobenes Wunderkind, sondern ein aufgeweckter, fröhlicher Junge. Am Ostersonntag jagt er durch den Garten seiner geliebten Oma Wilma, um Ostereier zu suchen.

Da stürzt er über eine Wurzel und bricht sich die Hand. Er wird in die Berling-Klinik gebracht, und nach den ersten Untersuchungen hat Dr. Holl keine gute Nachricht: Der Bruch ist kompliziert. Vermutlich wird Sebastian nie wieder Klavier spielen können ...

»Und am Sonntag kommt wirklich der Osterhase?« Aufgeregt wie ein kleiner Hund hüpfte Sebastian, Wilma Robertsons kleiner Enkel, an ihr hoch. »Können wir ihn in diesem Jahr sehen, Omi? Und sieht er uns? Können wir ihm eine Mohrrübe schenken, weil er uns so schöne Ostereier schenkt?«

Wilma Robertson lächelte. Sie hatte ihren Enkelsohn zweimal in der Woche nach der Schule bei sich und bekam ihn auch sonst oft zu sehen. Dennoch floss ihr noch immer bei seinen goldigen kleinen Aussprüchen das Herz über. Dieses Kind hatte trotz aller anfänglichen Sorgen und Schwierigkeiten unendlich viel Glück in ihr Leben gebracht.

»Nein, sehen werden wir den Osterhasen auch in diesem Jahr nicht, Basti«, erklärte sie ihm, beugte sich nieder und schloss ihn in die Arme. »Hasen sind sehr scheu, das weißt du ja. Aber natürlich sieht er uns. Und wenn wir ihm am Abend vorher eine Mohrrübe hinstellen, wird er sich ganz bestimmt riesig darüber freuen. Wollen wir am Donnerstag, wenn du wieder zu mir kommst, zusammen einkaufen gehen und eine für ihn aussuchen?«

»Au ja«, rief Sebastian aufgeregt. »Die allerschönste und die allerallergrößte, ja, Omi?«

»Versprochen.« Wilma musste lachen. »Die allerschönste und die allerallergrößte. Auch wenn so ein kleiner Hase sie vielleicht gar nicht auf einmal auffressen kann.«

»Dann hebt er sich eben den Rest auf«, befand Sebastian. »Aber nach der vielen Arbeit mit all den Ostereiern hat er ganz bestimmt riesigen Hunger.«

»Da hast du auch wieder recht«, sagte Wilma. Sie freute sich ja selbst schon mindestens genauso wie ihr Enkel auf das Osterfest mit ihrer kleinen Familie. Zwar waren sie, ihre Schwester Amelie, ihre Tochter Diana und der kleine Sebastian nur zu viert, doch zum Ausgleich herrschte zwischen ihnen Liebe und Harmonie, nicht Streit und Zwietracht wie in so vielen anderen Familien.

Wilma Robertson hatte ihre geliebte Tochter allein aufgezogen. Nein, allein war nicht richtig. Zwar hatte Dianas Vater sie im Stich gelassen, als ihre Tochter noch ein Kleinkind gewesen war, aber Amelie hatte Wilma zur Seite gestanden und war die beste Tante, die Diana sich nur wünschen konnte. Als Diana mit Sebastian schwanger wurde und sich dringend wünschte, ihre Heimatstadt Bremen zu verlassen, waren Wilma und Amelie mit nach München gezogen, um ihr bei der Erziehung ihres Kindes zu helfen.

Natürlich hätte sich Wilma für ihre Tochter ein anderes Schicksal gewünscht, als es ihr selbst beschieden gewesen war. Dass auch Diana von dem Mann, den sie liebte, schändlich im Stich gelassen wurde, schockierte sie tief, und eine Weile lang waren sie alle ziemlich verzweifelt gewesen.

Letzten Endes hatten sie es jedoch geschafft.

Weil sie einander hatten.

Weil sie starke Frauen waren, die sich so schnell nicht unterkriegen ließen.

Und weil ein Kind wie Sebastian ein Gottesgeschenk war, selbst wenn es unter schwierigen Umständen zur Welt gekommen war.

In München hatten sie sich zum Glück rasch eingelebt. Diana fand für sich und ihr Baby eine kleine, behagliche Wohnung in der Nähe der Bücherei, in der sie als Bibliothekarin eingestellt wurde, und Wilma und Amelie bezogen ein kleines, verwunschenes Haus mit verwildertem Garten, nahe dem Waldrand.

Um den Garten und den Haushalt kümmerte sich Wilma, die von zu Hause aus Schreibarbeiten erledigte, und Amelie fand in ihrem Beruf als Krankenpflegerin eine Stellung in der angesehenen Berling-Klinik. Zweimal in der Woche betreute Wilma außerdem Sebastian, und es waren für sie die schönsten Tage in der Woche.

Manchmal fragte sie sich, ob sie nicht eigentlich von Glück sagen konnte, weil Sebastians Vater sich nie um ihn gekümmert hatte. Wäre es anders gekommen, wären ihre Tochter und ihr Enkel womöglich in der ganzen Welt unterwegs, und sie würde die beiden nur alle Jubeljahre einmal zu Gesicht bekommen.

Allein der Gedanke drehte ihr das Herz um. Ein Leben ohne ihre Lieben konnte Wilma sich nicht vorstellen.

Auf der anderen Seite schämte sie sich, weil sie so dachte, denn Diana war eine liebenswerte, noch junge Frau, die Glück in der Liebe verdient hatte. Letztendlich schienen sie aber alle mit ihrem Leben zufrieden zu sein, und Sebastian, der es ja nicht anders kannte, fehlte es an nichts.

Inzwischen war ihr geliebter ›kleiner Waschbär‹ schon sechs Jahre alt und ging seit dem letzten Herbst in die Schule. An den Osterhasen glaubte er vermutlich dieses Jahr zum letzten Mal, weshalb Wilma entschlossen war, all die Rituale noch einmal richtig auszukosten. Im Augenblick schien Sebastian jedenfalls noch tief in Gedanken über den Hasen versunken.

»Wenn er uns sehen kann, Omi«, begann er, »dann kann er uns mit seinen langen Ohren doch auch sicher hören, oder?«

»Und ob er das kann«, bestätigte Wilma. »Er wird irgendwo gemütlich in seinem Hasenversteck sitzen, an seiner Möhre knabbern und die langen Ohren ganz hoch aufstellen, damit ihm nichts, was wir sagen, entgeht.«

»Meinst du, er würde sich dann freuen, wenn ich ihm etwas auf dem Klavier vorspiele?«, fragte Sebastian. »Vielleicht das kleine Stück über den Frühling, das ich mit Frau Friedrich eingeübt habe? Ostern ist doch im Frühling. Da mag er das doch bestimmt.«

»Oh, Basti, das ist eine wundervolle Idee«, rief Wilma. »Der Osterhase wird sich riesig freuen, wenn du extra ihm zu Ehren so ein schönes Stück spielst. Und nicht nur er – sondern Mami, Tante Amelie und ich genauso.«

»Toll, dann mache ich das!«, rief Sebastian. »Ich geh gleich nochmal ein bisschen üben.«

Damit stürmte er ins Wohnzimmer, wo Wilmas uraltes Klavier stand. Zu Hause hatte er ein elektrisches, das Wilma, Amelie und Diana ihm vor zwei Jahren zu Weihnachten geschenkt hatten. Wilmas Bekannte hatten nicht verstanden, warum ihr Enkel mit seinen damals erst vier Jahren gleich zwei Klaviere brauchte. Aber wo Sebastian war, da musste immer auch ein Klavier sein. Die Musik war sein Leben.

Schon ertönten aus dem Wohnzimmer die perlenden Tonfolgen, von denen Wilma noch immer nicht glauben konnte, dass ein kleiner Junge sie hervorbrachte. Von dem Augenblick, als Sebastian bei einer Aufführung in der Bibliothek, wo Diana arbeitete, zum ersten Mal gehört hatte, wie jemand Klavier spielte, hatte das Instrument ihn magisch angezogen. Er wollte unbedingt lernen, selbst darauf zu spielen, also hatte Diana ihm eine Lehrerin gesucht.

Katharina Friedrich, die eine erfahrene Klavierlehrerin war, bezeichnete Sebastian als musikalisches Wunderkind. »Ich hatte noch nie einen Schüler mit einem derartigen Talent«, erklärte sie immer wieder.

Wilma konnte ihr darin nur zustimmen. Sebastian spielte unglaublich schön. Und was das Beste war: Er musste nie zum Üben angehalten werden, sondern spielte aus purer Freude. Anfangs hatte Diana sich Sorgen gemacht, das Klavier werde ihm nicht mehr genug Raum und Zeit für andere Dinge lassen, aber Sebastian war ein ganz normales Kind geblieben. Er liebte seine Freunde, spielte und tobte gern im Freien, freute sich auf die Ostereiersuche und ging mit dem größten Vergnügen in seinen Schwimmkurs.

Aber das größte war und blieb die Musik für ihn. Das Klavier war sein Ausdrucksmittel. In seinem Spiel war der kleine Junge ganz und gar zu Hause.

Versunken in ihren Erinnerungen blickte Wilma aus dem Fenster. Wie schön und frühlingshaft der Garten schon aussah! Die Osterglocken blühten in den Beeten, an den Bäumen und Sträuchern zeigten sich pralle Knospen, die bald aufplatzen und zu Blüten werden würden, und der Rasen, den sie und Amelie wild und lang wachsen ließen, war übersät von Gänseblümchen.

Was für ein Glück hatte sie doch, dass sie in einer solchen Idylle leben durfte!

Ihr Leben war nicht leicht gewesen, und sie hatte Zeiten großen Schmerzes und Verlustes durchstehen müssen. Die Jahre mit ihrer kleinen Familie waren jedoch geprägt von Liebe, Frieden und Fröhlichkeit, und Wilma würde nie aufhören, dafür dankbar zu sein.

Sebastian begann gerade noch einmal, das wundervolle frühlingshafte Klavierstück zu spielen, da bog Dianas kleiner knallroter Fiat um die Ecke. Wilmas Tochter hielt vor dem Gartentor und winkte ihr fröhlich zu. Eine weitere Welle von Glück und Dankbarkeit erfasste Wilmas Herz.

»Basti, mein kleiner Waschbär, die Mami kommt«, rief sie hinüber ins Wohnzimmer, sobald ihr Enkelsohn die Passage beendet hatte. »Bestimmt freut sie sich doll, wenn du ihr zu Hause das Stück auch noch einmal vorspielst. Und der Osterhase wird sich erst freuen! Ich glaube, der wird vor Freude gar nicht mehr aufhören, herumzuhopsen.«

»Und am Donnerstag kaufen wir ihm die Mohrrübe, ja, Omi?« Sebastian kam aus dem Wohnzimmer geflitzt, schlang seine Ärmchen um Wilmas Hals und drückte sie mit aller Kraft seiner sechs Lebensjahre an sich.

»Und ob wir das machen! Der Osterhase soll doch nicht hungern müssen.«

Diana klingelte, und Sebastian stürmte davon, um ihr die Tür zu öffnen.

»Mami, Mami, Mami!«, rief er und flog seiner Mutter in die Arme wie zuvor seiner Großmutter. Dieses Kind strömte ganz einfach über vor Liebe. Sebastian hatte so viel davon, dass er sie alle damit überschüttete.

Wie konnte man es übers Herz bringen, ein solches Kind im Stich zu lassen? Wilma verdrängte den Gedanken gleich wieder. Sebastians sogenannter Vater war es nicht wert, Zeit auf ihn zu verschwenden. Er hatte seine Entscheidung getroffen, genoss sein glamouröses Leben in der großen weiten Welt, und sie genossen das Glück, das er verschmäht hatte: das Leben mit Basti.

Nie im Leben hätte Wilma getauscht.

»Hallo, Muttchen«, begrüßte Diana, die Sebastian wie ein Äffchen auf der Hüfte trug, sie liebevoll und küsste sie auf die Wange. »Ist alles in Ordnung, hattet ihr zwei einen schönen Tag?«

»Den schönsten«, antwortete Wilma und drückte ihre beiden Lieben kurz an sich. »Wie immer. Wir haben schon mächtig Pläne für Ostersonntag geschmiedet, nicht wahr, Sebastian? Nicht nur wir, auch der Osterhase persönlich darf sich auf eine Überraschung freuen.«

»Da bin ich aber gespannt.« Diana lachte gelöst und setzte ihren Sohn, der allmählich zu schwer wurde, um ihn lange zu tragen, auf dem Boden ab. »Wir werden dann auch gleich wieder losflitzen, wenn es dir nichts ausmacht, denn ich habe einen Bärenhunger und muss uns unterwegs noch rasch etwas einkaufen. Wir sehen uns ja dann am Sonntag ausgiebig und haben alle Zeit der Welt.«

»Omi hat ihre superleckere rote Sauce mit Hörnchennudeln gekocht!«, rief Sebastian. »Bestimmt kann sie uns davon was einpacken, dann brauchen wir doch nicht mehr in den Einkaufsladen!«

»Aber natürlich kann ich«, stimmte Wilma ihm zu und lief schon los, um zwei Portionen von Sebastians Lieblingsessen für Tochter und Enkel in einen Behälter zu füllen. Sie war froh, wenn sie Diana auf diese Weise noch ein bisschen zusätzlich helfen konnte. Diana arbeitete so hart, um Sebastian ein schönes Leben zu bieten, und abends wartete dann noch der Haushalt auf sie.

Wilma stellte den Behälter in eine Tragetasche, packte noch zwei Becher Fruchtjoghurt, zwei schöne rote Äpfel und eine Salatgurke dazu und überreichte das Ganze ihrer Tochter. »Hier, meine Süßen. Lasst es euch schmecken und macht euch zu Hause einen gemütlichen Abend.«

»Danke, Mutsch, du bist die Beste.« Diana drückte ihr noch einen Kuss auf die Wange. »Ich bin wirklich ziemlich kaputt, und deine Tomatennudeln und ein schöner Disney-Film klingen absolut paradiesisch. Ich freu mich schon so auf Ostersonntag!«

»Und ich erst«, erwiderte Wilma.

»Aber erst mal auf Donnerstag«, erinnerte Sebastian sie strahlend, während er sich von seiner Mutter die Jacke überstreifen ließ. »Wir haben für Ostern schließlich noch ganz schön viel zu tun.«

***

Die kurze Arbeitswoche war anstrengend gewesen, doch umso mehr freute sich Diana auf das lange Wochenende der Osterfeiertage. Am Karfreitag wollte sie mit Sebastian Ostereier bemalen und Kekse in Eier- und Hasenform backen, um sie am Sonntag zum großen Osterfrühstück mitzubringen. Ihr kleiner Junge war deswegen schon die ganze Woche über aufgeregt.

Am Samstag stand ein Kinobesuch an. Mit Dianas bester Freundin Mareile und deren Tochter Jasmin sahen sie sich den Film ›Peter Rabbit‹ an, der bestens zu Ostern passte, und leisteten sich anschließend eine Riesenpizza bei ihrem Lieblingsitaliener.

Dass sie zu viert zusammen loszogen, kam nur selten vor, denn Mareile war glücklich verheiratet und ging meistens mit ihrem Mann Thorsten ins Kino. Zwar luden die beiden Diana und Basti jedes Mal mit ein, und Diana mochte Thorsten gern, aber zusammen mit der heilen Familie fühlte sie sich ein bisschen wie das fünfte Rad am Wagen.

Lieber ging sie dann mit ihrem Sohn alleine. An diesem Ostersamstag war Thorsten jedoch verhindert, und der Ausflug zu viert wurde ein voller Erfolg.

Abends saß Diana noch mit Sebastian am Tisch und half ihm, die beiden Osterbilder, die er für seine Omi und Tante Amelie gemalt hatte, hübsch zu verpacken.

»Ich will dem Osterhasen ein bisschen helfen«, hatte er Diana erklärt. »Er hat doch schon so viel für all die Kinder zu basteln und zu verstecken, da kann ich ihm das für die Erwachsenen doch abnehmen.«

»Das ist wirklich unheimlich lieb von dir«, lobte Diana. »Ich bin sicher, der Osterhase bringt dir die allerschönsten Eier, weil du so toll an ihn und an andere denkst.«

»Ich finde das ganz doll schön, wenn ich anderen eine Freude machen kann«, erklärte Sebastian und bemühte sich, eine kunstvolle Schleife um die Rolle mit dem Osterbild zu binden. »Das ist genauso schön, wie wenn ich selbst eine Freude habe. Weißt du, Mami – deshalb mache ich doch auch so gerne Musik. Weil man damit so vielen anderen Leuten eine Freude machen kann.«

Diana konnte nicht anders. Sie legte den Stift nieder, mit dem sie die Namensschilder für die Geschenke beschriftet hatte, und schloss die Arme um ihren Sohn. »Du bist mein kleiner Glücks-Waschbär, weißt du das?«, fragte sie von Liebe überwältigt.

»Klar doch!«, rief Sebastian. »Und du bist mein großer Mami-Glücks-Waschbär.«

Sie drückten sich fest, ehe sie sich wieder an ihre Beschäftigung machten.

Diana würde nie fassen können, dass ihr das Glück vergönnt war, die Mutter dieses wunderbaren Kindes zu sein. Die Schwangerschaft mit ihm war von so viel Leid und Verzweiflung geprägt gewesen, dass sie Angst gehabt hatte, es könne sich auf ihren kleinen Sohn übertragen haben. Sebastian aber war die Lebensfreude in Person, er liebte Menschen und vertraute ihnen.

Ganz anders als seine Mutter, die damals geglaubt hatte, sie könne nie wieder einem Menschen vertrauen.