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Felicitas und Carlo Bernburg stecken in einer schweren Ehekrise. Mit medizinischer Hilfe haben sie sich ihren Kinderwunsch erfüllt und zwei wunderbare Töchter bekommen - Sina und die kleine Molly. Doch über all den Behandlungen und Sorgen ist die Liebe zwischen den beiden zerbrochen. Schließlich kommt es zur Trennung. Die zweijährige Molly leidet still. Halt findet sie nur bei ihrem geliebten Kaninchen Klopfer, dem sie ihr ganzes Kinderherz schenkt. Dann geschieht das Unfassbare: Die Tür zum Garten steht offen - und Molly ist mit Klopfer spurlos verschwunden. Eine große Suchaktion beginnt, und jeder Augenblick zählt ... denn das kleine Mädchen schwebt in akuter Lebensgefahr.
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Seitenzahl: 120
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Inhalt
Ein Kaninchen als Lebensretter
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Ein Kinderherz in Not fand Trost bei einem pelzigen Freund
Von Lotta Carlsen
Felicitas und Carlo Bernburg stecken in einer schweren Ehekrise. Mit medizinischer Hilfe haben sie sich ihren Kinderwunsch erfüllt und zwei wunderbare Töchter bekommen – Sina und die kleine Molly. Doch über all den Behandlungen und Sorgen ist die Liebe zwischen den beiden zerbrochen. Schließlich kommt es zur Trennung.
Die zweijährige Molly leidet still. Halt findet sie nur bei ihrem geliebten Kaninchen Klopfer, dem sie ihr ganzes Kinderherz schenkt.
Dann geschieht das Unfassbare: Die Tür zum Garten steht offen – und Molly ist mit Klopfer spurlos verschwunden. Eine große Suchaktion beginnt, und jeder Augenblick zählt ... denn das kleine Mädchen schwebt in akuter Lebensgefahr
»Hallo Schatz!« Mit diesen Worten stürmte Dr. Stefan Holl an diesem sonnigen Freitagabend in sein Haus. »Ich bin zu Hause und es ist Wochenende! Ist das nicht der schönste Augenblick der ganzen Woche?«
Seit er seine über alles geliebte Frau Julia vor vielen Jahren geheiratet und mit ihr eine Familie gegründet hatte, war Stefan Holl nie so glücklich, wie wenn er nach Hause zu seinen Lieben kam und freie gemeinsame Zeit mit ihnen vor ihm lag. Ja, er liebte seinen Beruf als Arzt und widmete sich der Leitung der renommierten Berling-Klinik mit ganzer Seele und Hingabe. Seine Familie aber stand bei ihm dennoch immer an erster Stelle.
Inzwischen waren die vier Kinder, mit denen Julia und er gesegnet worden waren, schon fast alle groß. Die Zwillinge Dani und Marc studierten bereits und waren vor Kurzem in ihre eigene Studentenwohnung umgezogen. So sehr Julia und Stefan sich über die Selbstständigkeit der beiden freuten, vermissten sie ihre Erstgeborenen doch sehr.
Zurück im Haus blieben ihnen noch Chris, der als Teenager jedoch immer häufiger mit seinen Freunden unterwegs war, und das Nesthäkchen, ihre Juju, die ihnen mit ihrem sonnigen Wesen unendlich viel Freude machte, derzeit aber auf einer Klassenfahrt war.
Also würden Julia und er an diesem Abend allein ins Wochenende starten. Ihre Kinder waren für die beiden Holls das größte Glück. Stefan wusste nur zu gut, wie viel ein Kind bedeutete, denn in seinem Beruf half er täglich Menschen, sich diesen Traum von einer Familie zu erfüllen, auch wenn körperliche Gründe dem im Weg standen. Dennoch genoss er es auch, Zeit mit seiner Julia allein zu verbringen, und er riet sämtlichen Paaren, die wegen einer Kinderwunsch-Behandlung zu ihm kamen: Vergessen Sie bei allem Ihre Partnerschaft nicht – auch wenn das ersehnte Wunschkind schließlich da ist.
Julia und er hatten sich das immer erhalten: ihre Liebe und das gemeinsame Glück. Sie waren mit viel Freude und Einsatz Eltern und liebten ihre Kinder über alles, aber sie waren zugleich noch immer ein Paar.
Für gewöhnlich kam Julia auch nach mehr als zwei Jahrzehnten Ehe noch an die Tür, um Stefan mit einer Umarmung und einem Kuss zu begrüßen, wenn er aus der Klinik nach Hause kam. Heute aber hatte er sich selbst die Tür aufschließen müssen, und auch jetzt war keine Spur von seiner geliebten Frau zu sehen.
»Julia? Schatz? Bist du nicht zu Hause?«, rief er. Ihr Auto hatte aber in der Einfahrt gestanden. War sie vielleicht nur rasch zum Eckladen gelaufen, weil sie für ihr romantisches Abendessen zu zweit noch eine vergessene Zutat brauchte?
»Stefan, entschuldige!«, kam ihre Stimme aus dem Wohnzimmer, und kaum einen Augenblick später war sie bei ihm und warf sich in seine Arme wie als junges Mädchen. »Ich war am Telefon, Feli hat angerufen, und ich konnte sie nicht einfach so abwimmeln.«
»Feli?«, fragte Stefan verwundert. »An einem Freitagabend?«
Felicitas Bernburg und ihr Mann Carlo waren jahrelang seine Patienten gewesen, weil sie aufgrund von Felicitas' Endometriose-Erkrankung auf natürlichem Wege kein Kind empfangen konnten, sich aber innig eines gewünscht hatten. Stefan hatte sie während ihrer drei vergeblichen IVF-Behandlungen betreut, hatte ihnen beigestanden, ihnen Mut gemacht und sich inniglich mit ihnen gefreut, als nach dem vierten Versuch die kleine Sina auf die Welt gekommen war.
Sina hatte nicht allein bleiben sollen. Die Bernburgs hatten sich immer drei Kinder gewünscht, und so kratzten sie ihre Ersparnisse für eine weitere Behandlung zusammen. Vor etwas mehr als zwei Jahren war Sina tatsächlich große Schwester geworden und liebte die kleine Molly über alles.
In ihrer überschäumenden Dankbarkeit hatten Felicitas und Carlo Stefan zum Paten ihrer beiden Töchter gemacht.
Im Grunde waren die Bernburgs trotzdem noch immer seine Patienten. Vor allem Felicitas hatte den Traum von den drei Kindern noch immer nicht aufgegeben. Sie wünschte sich zu ihren zwei Mädchen einen Sohn, und da sie noch zwei eingefrorene Embryos hatten, wollte sie es noch einmal mit einer Behandlung versuchen.
Stefan hielt dies nicht für ratsam. Eine Fruchtbarkeitsbehandlung war nicht nur für den Körper der Frau eine enorme Belastung, sondern auch für die seelische Verfassung beider Eltern. Die ständigen Enttäuschungen zerrten an den Nerven, und Stefan hatte leider allzu häufig erlebt, wie eine zuvor glückliche Partnerschaft unter alledem zerbrach. Und das war das Letzte, was er sich für die sympathischen Bernburgs wünschte, mit denen Julia und er im Laufe der Jahre eine herzliche Freundschaft entwickelt hatten.
Felicitas Bernburg hatte, ehe sie Mutter geworden war, Kunst studiert, und Carlo war als selbständiger Grafiker tätig. Da besonders Julia sich sehr für Kunst interessierte, hatten sie immer ein gemeinsames Thema. Die beiden Frauen besuchten häufig Ausstellungen zusammen, alle vier gingen gern gemeinsam essen, und Julia und Stefan nahmen lebhaften Anteil an der Entwicklung der Kinder, für die er ja schließlich die Patenschaft übernommen hatte.
Bereits seit einiger Zeit war Stefan nicht umhingekommen, zu bemerken, dass es in der Ehe ihrer Freunde kriselte. Dass Felicitas an einem Freitagabend, der auch für den beruflich stark eingespannten Carlo heilige Familienzeit bedeutete, bei Julia anrief, war ganz und gar kein gutes Zeichen.
Ein Blick in Julias Gesicht verriet Stefan, dass er leider richtig vermutet hatte. Bei den Bernburgs gab es Probleme.
»Was ist los, Schatz?«, fragte er sie liebevoll.
Julia schüttelte den Kopf. »Ich erzähle es dir gleich, aber erst hole ich mir meinen Freitagabend-Kuss«, sagte sie, und im nächsten Augenblick berührten ihre Lippen schon die seinen.
Sie hatte recht. So wichtig es war, für Freunde und Verwandte da zu sein, durften sie nie vergessen, wie wichtig sie füreinander waren. Sie kosteten den Moment aus und küssten sich mit all ihrer Liebe. Dann lösten sie sich voneinander und zogen ins Wohnzimmer um, wo Julia ihnen beiden ein kleines Glas Prosecco eingoss, um den Start in das sommerliche Wochenende feierlich zu begehen.
Auf dem Tisch hatte Julia verschiedene Knabbereien bereitgestellt, um die Zeit, bis das Abendessen fertig war, zu überbrücken. Stefan ließ sich neben Julia aufs Sofa sinken und fühlte sich wieder einmal wie der glücklichste Mann auf der Welt.
»Jetzt erzähl«, forderte er sie sanft auf.
»Ach, Stefan, es ist so unglaublich traurig«, brach es aus seiner Frau heraus. »Ich kann es kaum glauben – Feli und Carlo wollen sich scheiden lassen.«
Das war allerdings auch für Stefan ein Schock. Ja, er hatte gewusst, dass ihre Freunde Probleme hatten, und in letzter Zeit hatten sie immer angespannter und unglücklicher gewirkt, wenn sie zusammen waren. Er hatte sie im Laufe der langen Behandlungsjahre jedoch auch als eine fest verbundene Gemeinschaft erlebt, als ein Paar, dessen Liebe stark genug war, um mit Krisen fertig zu werden.
Und dann waren da natürlich die beiden Kinder! Sina und Molly, die beide Eltern über alles liebten und denen sie bisher eine glückliche, harmonische Kindheit geschenkt hatten. Wie würde es für diese fröhlichen fünf- und zweijährigen Mädchen sein, wenn die Ehe ihrer Eltern wirklich zerbrach?
»Glaubst du, sie meinen es ernst?«, fragte Stefan. »Oder denkst du, es ist nur ein Ausdruck ihrer momentanen Verzweiflung und kann sich auch wieder bessern? Gibt es irgendetwas, das wir tun können, um zu helfen?«
»Ich denke, nichts anderes, als ihnen zuzuhören, und vielleicht hole ich nächste Woche mal die Mädchen vom Kindergarten ab und unternehme etwas mit ihnen«, antwortete Julia bedrückt. »Leider fürchte ich, es ist ihnen wirklich ernst. Feli hat jemanden kennengelernt, Stefan.«
Nun war Stefan wirklich schockiert. Er hatte Felicitas Bernburg immer als eine Frau erlebt, die bis obenhin voller Liebe für ihren Mann und ihre Kinder steckte und für sie durchs Feuer gegangen wäre. Dass sie ihren Mann für einen anderen verließ, konnte er sich von ihr beinahe ebenso schlecht vorstellen wie von seiner eigenen Frau.
»Sie sagt, sie will keine feste neue Beziehung und weiß selbst noch nicht genau, was daraus werden soll, und es ist nicht wegen des anderen, dass sie sich von Carlo trennen will«, berichtete Julia weiter. »Es tut ihr einfach nur gut, dass da plötzlich jemand ist, der sich um sie kümmert und ihre Wünsche und Belange wichtig nimmt, hat sie gesagt. Ich finde, das wirft ein mehr als unschönes Licht auf ihre Beziehung mit Carlo, meinst du nicht auch?«
Stefan nickte. »Ich habe mir seit einer Weile etwas Sorgen gemacht, weil Carlo so viel arbeitet. Natürlich ist es kein leichtes Unterfangen, sich als selbstständiger Grafiker einen Namen zu machen, aber es ist auch verständlich, dass seine Frau sich mehr Zeit von ihm wünscht.«
»Ich weiß nicht, Stefan«, überlegte Julia. »Sie haben sich doch beide gemeinsam entschieden, dass Carlo diesen Schritt gehen und sich den Traum von der Selbstständigkeit erfüllen soll. Feli muss doch gewusst haben, dass es nicht leicht war. Und du hast auch oft in unserer Ehe viel arbeiten müssen, und es war nicht einfach für mich, mit den Kindern allein zu sein und Fragen und Probleme nicht mit dir durchsprechen zu können. Aber deshalb hätte ich dich doch nie im Leben verlassen.«
Stefan beugte sich zu ihr und küsste sie auf den Mund. »Du bist und bleibst eben die wundervollste Frau auf der Welt. Unter den Belastungen, unter denen du oft gestanden hast, weil mein Beruf eben nicht gerade familienfreundlich ist, wären die meisten anderen Frauen zusammengebrochen. Du darfst auch eines nicht vergessen, Julia: Du bist selbst als Ärztin ausgebildet. Du weißt, was unser Beruf erfordert ...«
»Das kann Feli in allen Einzelheiten nicht wissen, da hast du recht«, stimmte Julia ihm zu. »Aber sie ist doch auch Künstlerin. Sie hat zumindest eine Ahnung. Für mich ist das als Begründung einfach nicht genug.«
»Nein, ich glaube auch nicht, dass es nur das ist«, sagte Stefan nachdenklich. »Ich vermute, dass es da noch ein Problem zwischen den beiden gab, für das nun einmal kein Kompromiss existiert.«
»Du meinst ihren Kinderwunsch?«, fragte Julia.
Stefan nickte. »Carlo hat in letzter Zeit mehrmals angedeutet, dass er kein drittes Kind mehr will. Für Felicitas hingegen scheint es nach wie vor sehr wichtig zu sein, sich diesen Lebenstraum zu erfüllen.«
»Ja, vielleicht steckt das wirklich dahinter«, überlegte Julia. »Aber dann müssen die beiden doch darüber reden, statt alles hinzuwerfen, was sie sich so sehr gewünscht und mit so viel Liebe aufgebaut haben.«
Stefan legte den Arm um sie und zog sie dichter an sich, sodass sie den Kopf an seine Schulter lehnen konnte. »Was wir hier tun, sind ja nur Spekulationen«, sagte er. »Es ist so, wie du gesagt hast: Alles, was wir tun können, ist, für die beiden und für ihre Kinder da zu sein. Wenn sie uns etwas erzählen oder sogar um Rat bitten, können wir versuchen zu helfen, aber im Augenblick ist das nicht möglich.«
»Du hast recht«, sagte Julia. »Es macht mich nur so traurig, dass da in unserem Freundeskreis wieder eine Ehe, die ich für glücklich gehalten habe, kaputtgeht. Und dass zwei kleine Kinder darunter leiden.«
»Ja, an den Schmerz der Kinder darf ich gar nicht denken«, sagte Stefan. »Wir können nur hoffen, dass die beiden das wenigstens so gut und friedlich wie nur möglich regeln. Lass uns das im Auge behalten, ja? Ich werde in den nächsten Tagen mal versuchen, Carlo anzurufen, und du sprichst weiter mit Feli.«
Julia nickte und schmiegte sich noch dichter in seinen Arm. »Was haben wir beide nur für ein Glück, Schatz.«
»Ja«, sagte Stefan und streichelte ihren Rücken. »Was haben wir nur für ein unglaubliches Glück.«
***
»Ich dachte, wir reden noch einmal darüber«, sagte Felicitas und sah ihrem Mann geradewegs ins Gesicht.
Sie saßen einander in ihrem Wohnzimmer, in dem sie so viele glückliche, verliebte Abende verbracht hatten, gegenüber wie Feinde. Dieses kleine Haus am Waldrand war ihr Traum gewesen. Sie hatten sich in dem Moment, in dem sie es zum ersten Mal sahen, in es verliebt.
»Hier sollen unsere Kinder aufwachsen«, hatte Carlo gesagt, und Felicitas hatte sich in seinen Arm geschmiegt und ihm zugestimmt. Sie hatten das Haus gekauft, hatten es sich so, wie sie es liebten, mit alten, selbst restaurierten Möbeln eingerichtet und waren unendlich glücklich darin gewesen.
Dann aber hatte die Zeit begonnen, in der sie Monat um Monat vergeblich darauf gewartet hatten, dass ihr Kinderwunsch sich erfüllte. Die ständigen Wechselbäder aus hochfliegender Hoffnung und tiefster Enttäuschung hatten an ihrer Beziehung gezerrt, auch wenn sie es nicht hatten wahrhaben wollen.
Jetzt hatten sie zwei wunderbare Kinder, die besten der Welt, doch sie standen vor den Trümmern ihrer Ehe. Ihr Haus, das so viel Glück beherbergt hatte, war nicht länger ein Hort der Geborgenheit, sondern wurde Zeuge von ständigem Streit.
Und nun stand Felicitas also kurz davor, den Mietvertrag für eine Wohnung zu unterschreiben und auszuziehen. Sie hätte heute bereits unterschreiben können, war jedoch davor zurückgeschreckt. Ein letztes Mal hatte sie noch mit ihrem Mann reden wollen. Auch wenn im Grunde doch feststand, dass er sich ihrem Gesprächsangebot genauso verschließen würde, wie er das in den vergangenen Monaten wieder und wieder getan hatte.
Anderenfalls wären sie niemals an diesem Punkt gelandet – mit einem Mietvertrag in der Tasche, einem gepackten Koffer und einem Anwalt für Familienrecht, der sich um die Formalitäten der Scheidung kümmern würde.
Nie im Leben hätte Felicitas erwartet, dass ihre wundervolle Ehe so enden könnte.
Carlo war ihre große Liebe gewesen, und sie hätte Stein und Bein geschworen, dass sie auch die seine war. Sie hatten sich auf der Universität kennengelernt und waren praktisch vom ersten Tag an unzertrennlich gewesen. Für alle beide hatte von Anfang an festgestanden, dass sie für immer zusammenbleiben und eine große, glückliche Familie miteinander gründen wollten.
Drei Kinder.
