Der Bergdoktor 2078 - Heimatroman - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor 2078 - Heimatroman E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Eigentlich will Sophia mit Simon ein paar romantische Stunden auf der Mond-Alm verbringen. Doch kaum hat sie die urige Zirbenholzhütte betreten und liegt in den Armen ihres Liebsten, da verschwimmt plötzlich alles vor ihren Augen, und sie sinkt ohnmächtig zusammen. Was ist denn bloß los mit ihr? Wird sie krank, oder weshalb fühlt sie sich so schlecht? Jedenfalls ist sie erleichtert, als Simon sie nach Hause bringt und sie kurz darauf im Bett legt. Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei, und Sophia fühlt sich wieder fit. Kurzerhand macht sie sich abends erneut auf den Weg zur Mond-Alm. Doch wieder übermannt sie in Simons Nähe ein heftiger Schwindel ...

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Inhalt

Cover

Rätselhafte Allergie

Vorschau

Impressum

Rätselhafte Allergie

Nach einem schönen Frühlingstag auf der Alm bricht sie zusammen

Von Andreas Kufsteiner

Eigentlich will Sophia mit Simon ein paar romantische Stunden auf der Mond-Alm verbringen. Doch kaum hat sie die urige Zirbenholzhütte betreten und liegt in den Armen ihres Liebsten, da verschwimmt plötzlich alles vor ihren Augen, und sie sinkt ohnmächtig zusammen.

Was ist denn bloß los mit ihr? Wird sie krank, oder weshalb fühlt sie sich so schlecht? Jedenfalls ist sie erleichtert, als Simon sie nach Hause bringt und sie kurz darauf im Bett liegt. Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei, und Sophia fühlt sich wieder fit.

Kurzerhand macht sie sich abends erneut auf den Weg zur Mond-Alm. Doch wieder übermannt sie in Simons Nähe ein heftiger Schwindel ...

Sophia Eder merkte zu spät, dass Hans aus der Kirche kam und geradewegs auf sie zusteuerte.

Pech! Sie konnte ihm nicht mehr ausweichen. Dabei wäre sie so gern um die Ecke verschwunden, um ihm nicht zu begegnen. Hans war der Letzte, den sie jetzt sehen wollte.

Es war Mittagszeit. Sie hatte seit acht Uhr in der Früh die »Finkengruppe« im Kindergarten »Spatzennest« betreut, lauter muntere »Vogerln« von vier Jahren, die fröhlich herumzwitscherten und voller Ideen steckten.

Vorhin war noch Tierarzt Dr. Steiger zu Besuch bei den Kindern gewesen, um ihnen etwas über seinen Praxisalltag zu erzählen.

Er hatte die Zwerghasen Monki und Wuschel mitgebracht, die er nach einer schlimmen Erkrankung – die beiden waren wegen Mangelernährung und grober Vernachlässigung ganz schwach geworden und fast erblindet – wieder aufgepäppelt. Dr. Steiger waren die verwahrlosten Tierchen in einem kleinen Verschlag vor dem Haus aufgefallen, an dem er gelegentlich vorbeigegangen war.

Er hatte sofort dafür gesorgt, dass die Besitzer der Häschen amtlicherseits keine Tiere mehr halten durften. Sie waren schon zuvor wegen der verbotenen Haltung eines abgemagerten, verängstigten Kettenhundes aufgefallen und zu Geldstrafen verurteilt worden. Zum Glück hatte der Tierschutz sehr energisch eingegriffen und den Hund in Sicherheit gebracht. Auch diesem armen Vierbeiner ging es inzwischen richtig gut.

Vor zwei Wochen hatten sich diese »Tierfreunde« bei Nacht und Nebel aus dem Staub gemacht, ohne die Miete für das kleine Bachmühlen-Häusl zu bezahlen, in der sie drei Jahre gehaust hatten.

Menschen wie dieses unfreundliche, finster dreinblickende Paar, das angeblich aus dem Trentino ins Zillertal gekommen war, hätten in St. Christoph nie wirklich Fuß fassen können.

Im Dorf war man eh schon erbost und empört über die »schwarzen Schafe« gewesen. Man hatte sich wiederholt mit dem Bürgermeister und dem Vermieter des Bachmühlen-Häuschens zusammengesetzt, weil diese harschen, geizigen Leute sich einfach nicht in die Dorfgemeinschaft eingliedern ließen.

Angeblich waren sie hergekommen, um in Schwaz einen Antiquitätenladen mit Bildern und Silberwaren zu übernehmen. Eine Lüge, wie sich bald herausgestellt hatte, denn einen solchen Laden gab es gar nicht. Was sie wirklich in St. Christoph gewollt hatten, würde man wohl nie erfahren.

Die kleinen Fellnasen waren derzeit noch in Dr. Steigers Obhut und sollten demnächst ein schönes, neues Zuhause mit »Freihopppeln« bei einer jungen Familie in der Nachbarschaft bekommen.

Die Kinder der »Finkengruppe« hatten verstanden, dass man sich jeden Tag um seine Haustiere kümmern musste, damit sie gesund blieben.

Wenn man gut zu ihnen war und sie nicht einfach ihrem Schicksal überließ, dann dankten sie es einem durch Anhänglichkeit und ganz viel Zuneigung.

Auch Monki und Wuschel waren nach all dem Leid, das sie in ihrem Häschen-Leben erduldet hatten, inzwischen sehr zutraulich, knabberten gern frische Möhrchen und liebten es, gestreichelt zu werden.

Es war ein sehr lebhafter Vormittag gewesen. Sophia freute sich darauf, daheim eine Erholungspause einzulegen, bevor sie im elterlichen Betrieb mithalf.

Die Firma Eder lieferte alles, was man »für draußen« brauchte, vom Saatgut über Sträucher und Baumsetzlinge bis hin zu Zäunen und Brunnen. Auch Pflasterarbeiten für Terrassen und Wege führte das im Dorf sehr beliebte Familienunternehmen aus, in dem neben der Familie Eder noch vier tüchtige Mitarbeiter tätig waren.

Für Sophias Bruder Michael war es sonnenklar, dass er den Betrieb weiterführen würde, wenn der Vater eines Tages in den Ruhestand gehen würde.

Aber bis dahin war noch viel Zeit, denn Klemens Eder konnte es sich überhaupt nicht vorstellen, irgendwann die Hände in den Schoß zu legen. Die Eders arbeiteten gern, aber immer mit Vernunft und Überlegung.

Ohne Pausen und Freizeit ging es nicht. Man musste sich auch mal etwas gönnen – und wenn es nur ein entspannter Nachmittag oder ein gemütliches Hütten-Wochenende droben in den Bergen war.

Wozu in der Gegend herumfahren oder in den Flieger steigen, wenn es doch daheim so schön war? Das fand auch Sophia, obwohl sie gelegentlich doch mit dem Gedanken spielte, mal eine richtige »Traumreise« zu machen.

So eine Reise in ein fernes Land hatte natürlich nichts mit dem ganz normalen Leben zu tun. Traumreisen machte man nur ein einziges Mal, um dann mit neuen Eindrücken in die Heimat zurückzukehren. Sophia wäre nie auf den Gedanken gekommen, ihre geliebte Bergheimat für längere Zeit zu verlassen.

Jetzt tat sie so, als sei sie in größter Eile, denn Hans kam mit großen Schritten näher. Sie winkte ihm flüchtig zu und wollte sich eiligst davonmachen.

Leider fiel er jedoch nicht darauf herein.

»Ich weiß genau, dass du vor mir weglaufen willst. Das ist schade. Ein paar Minuten Zeit hast du doch ganz bestimmt für mich.« Er baute sich vor ihr auf, groß und breit, wie er nun mal war. Vielleicht war er sogar stolz darauf, dass er kaum durch eine normale Tür passte.

Jedenfalls litt er nicht unter Minderwertigkeitskomplexen. Es gab im Dorf durchaus ein paar Mädchen, die ihn gern näher kennengelernt hätten, um herauszufinden, welche verborgenen »Qualitäten« in ihm steckten.

Warum auch nicht? Ein starker Mann, der wusste, wie man zupackte, war nicht zu verachten.

Hans hatte sein Leben im Griff und bewirtschaftete den elterlichen Hof genauso, wie es seine Eltern ihm schon als Bub beigebracht hatten: Immer ein Schritt nach dem anderen, nicht alles auf einmal. Unter Zeitdruck zu arbeiten, ging meistens schief. Das hatte sich Hans auf die Fahne geschrieben. Wenn er etwas tat, dann gründlich und in Ruhe. Außerdem galt er als gutmütig und hilfsbereit.

Dass er gelegentlich ein bisschen derb wirkte, ließ sich freilich nicht leugnen. Sophia hatte ihre Probleme damit. Und dann ständig seine karierten Holzfällerhemden! Wie viele besaß er eigentlich? Dutzende? Oder noch mehr?

Hans grinste nur, wenn ihn jemand darauf ansprach: »Hast du nix anderes zum Anziehen?« Das hörte er ziemlich oft.

»Ich schau doch gut aus«, feixte er dann. »Ihr seid's ja nur neidisch, alle miteinander. Gebt's zu!«

Die Hemden, deren Ärmel er grundsätzlich bis zum Ellenbogen oder noch weiter aufkrempelte, sahen alle gleich aus, entweder rot-schwarz-kariert (große Karos) oder grün-braun (kleine Karos). Immerhin waren sie stets frisch gewaschen, was seiner Mutter zu verdanken war.

Der ganze Kerl war sauber und sah nicht aus wie ein Waldschrat, obwohl er nebenher mit Holz aus seinem eigenen Wald handelte. Viel kam da nicht zusammen, aber Hans hatte treue Kunden, gute Freunde übrigens, mit denen er nach Feierabend bei einem Bier oder einem Stamperl Birnengeist (gern auch kombiniert, also ein Bierchen und ein Schnapserl in lockerer Reihenfolge) beisammen saß. Dann wurde es auch mal ziemlich spät.

Was dem Zelter-Hans abging, war das Verständnis für Romantik. Und auch mit der Fantasie haperte es bei ihm.

Er konnte nicht damit umgehen, obwohl er wusste, dass beides zum Leben gehörte. In jedem Menschen schlummerten Sehnsüchte und Träume, zweifellos auch in Hans.

Aber er konnte darüber nicht sprechen. Ihm fehlten ganz einfach die Worte, wenn es um Gefühle ging.

Romantische Abende bei Kerzenlicht waren ihm zum Beispiel ganz und gar nicht geheuer. Vielleicht konnte man »Romantik« lernen? Und Fantasie auch, so ähnlich wie Lesen und Schreiben in der Schule? Oder passiert es irgendwann ganz von selbst, dass man trotz aller inneren Widerstände doch Kerzen anzündete, in den Sternenhimmel blickte und sich auf einmal fühlte wie der Prinz aus dem Märchen?

Vielleicht war es so, wenn man die Richtige an seiner Seite hatte, so ein süßes Madel wie Sophia. Wusste sie überhaupt, dass sie ein echtes Alpenröserl war?

»Hans«, sagte die Alpenrose, »ich will jetzt wirklich heim. Heute Nachmittag sitze ich garantiert noch in unserem Büro und mache die Buchhaltung. Außerdem war heute im Kindergarten mal wieder einiges los. Ich brauch mal eine Stunde Auszeit.«

»Freilich. Ich halt dich ja gar net auf«, dröhnte Hans. »Aber wenn wir mal zusammen irgendwo ein Glasl Wein trinken könnten ...«

»Vorläufig net. Das klappt net.«

»Na ja«, kam es zurück, »ich weiß, dass du nicht hinter mir her bist. Aber ich schau dich so gern an, Madel. Du gefällst mir besser als jede andere. Und ich möchte doch so gern mit dir ...«

»Sprich doch mal die Heider-Anni an«, warf Sophia hastig ein. »Sie ist wirklich nett, und obendrein würde sie gern mit dir ausgehen. Das weiß ich genau, denn wir waren in der Schule ziemlich gut befreundet. Daher plaudern wir ab und zu miteinander. Na ja, und neulich sagte sie mir, dass du sie noch nie eingeladen hast, net mal beim Maibaum-Aufstellen auf ein Glas Erdbeer-Bowle, obwohl sie neben dir gestanden hat.«

Hans zuckte die Schultern. Er zupfte ein paar Blätter von seinem Hemd und betrachtete sie eine Weile nachdenklich. Heute trug er eins der schwarz-rot-karierten Exemplare Marke »Bergfex«. Reine Baumwolle, darauf legte er Wert. Ihm war eigentlich gar nicht danach, mit Sophia über die Anni zu reden. Also kam er erst einmal auf die Blätter zu sprechen.

»Birkenblätter«, erklärte er, »ich hab vorhin frische Zweige zum Ausschmücken in die Kirche gebracht. Birkengrün macht sich gut im Monat Mai. Pfarrer Roseder hat mich persönlich um die Zweigerl gebeten. Wir haben ja droben bei uns am Hof ein paar Weißbirken, die brauchen net viel Wärme, bis sie richtig grün sind.« Hans holte tief Luft. »Und wegen der Anni ... was erwartest du von mir? Dass ich bei ihr vor der Tür stehe? Danke für den Tipp, aber da sag ich Nein. Hast du net doch mal Zeit für mich, Madel?«

»Momentan geht's wirklich nicht, Hans.«

Er runzelte die Stirn. »Kann es sein, dass du einen anderen im Sinn hast? Ja, genauso ist es auch. Und ich ahne, wer es ist. Der Freiberger-Simon, den die Mädchen immer so anschauen, als ob sie ihn gleich abbusseln möchten. Ich geb zu, dass er etwas hat, was andere Burschen net haben. Das gewisse Etwas, wie man ja sagt. Man kann auch gar nix gegen ihn einwenden, er ist net unrecht. Aber musst du ihn auch noch anhimmeln, wenn es schon so viele Madeln im Dorf auch tun?«

»Das stimmt doch alles gar net«, wehrte Sophia ab.

»Ich bin vielleicht manchmal ziemlich vernagelt, aber ich hab neulich beim Maifest beobachtet, wie du ihn angeschaut hast.« Jetzt wurde Hans richtig laut. »Er hat es gar net gemerkt. Oder doch? Das weiß ich net. Aber um ein Haar hättest du dich ihm an den Hals geworfen, auch wenn du das net zugeben willst.«

»Werd jetzt nicht frech, Hans. Das muss ich mir net gefallen lassen. Ich werfe mich niemandem an den Hals!«

»Vor allen Dingen net mir«, kam es knurrig zurück. »Aber trotzdem fällt dir kein Stein aus der Krone, wenn wir mal zusammen ausgehen. Oder droben in meiner Hütte am Leitenwald ...«

»Sprich net weiter, Hans. Behalte es für dich, das ist besser. Ich muss mich jetzt sputen. Servus, mach's gut ... und überleg dir die Sache mit der Anni mal in aller Ruhe!«

Sophia war ein flinkes Mädchen, das musste Hans zum wiederholten Mal feststellen. Sie war ihm schon oft ausgekommen, wenn er sie gern festgehalten hätte, und nun war es schon wieder dasselbe Spiel. Sie flitzte davon, und er hatte das Nachsehen.

Bekam man im Leben denn nie das, was man wollte?

Hans wusste, dass man nichts erzwingen konnte. Aber vieles ließ sich durch Hartnäckigkeit erreichen. Immer am Ball bleiben und nicht aufgeben, damit war er bisher immer ganz gut gefahren. Nur bei Sophia nicht.

Verärgern oder überrumpeln wollte er sie auf keinen Fall. Er hatte große Achtung vor ihr, denn sie gehörte nicht zu den flatterhaften Mädchen, die immer nur ans Vergnügen dachten.

Oberflächlich war sie nicht. Bei ihr ging es eher in die Tiefe. Und zwar alles. Hans musste zugeben, dass sie vielleicht wirklich nicht zu ihm passte.

Ihm fiel es ziemlich schwer, über komplizierte Dinge nachzudenken. Und zwar nicht, weil ihm der Durchblick fehlte, sondern weil er sich nicht mit unnötigen Problemen belasten wollte.

Sophia war anders. Sie grübelte und sinnierte ganz bestimmt vor sich hin, damit immer alles klar vor ihr lag – der nächste Tag, die nächsten Wochen und Jahre. Hans fand, dass Sophia damit nur ihre Zeit vergeudete. Waren das Hier und Jetzt nicht wichtiger als Zukunftspläne? Es kam ja doch immer alles anders, als man es sich ausmalte.

Aber egal! Was sollte er denn tun, wenn er sie doch immer wieder so narrisch gern anschaute und daran dachte, sie in die Arme zu nehmen ...

***

Sophia ärgerte sich, weil Hans sie neulich beobachtet hatte und nun glaubte, sich sein Teil denken zu müssen. Ach was – sollte er doch!

Außerdem hatte er ja gar keine Ahnung, dass sie schon als Sechzehnjährige für Simon Freiberger geschwärmt hatte. Dass sie sich damals immer dann besonders hübsch hergerichtet hatte, wenn die Möglichkeit bestand, ihn irgendwo zufällig zu treffen, blieb ihr Geheimnis.