Der Bergdoktor - Folge 1774 - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor - Folge 1774 E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Nach dem Tod ihres Vaters hat die junge Bäuerin Nora Stadler zusammen mit ihrem Mann Kilian den Rosenhof übernommen. Eigentlich sind die beiden glücklich verheiratet. Doch etwas fehlt in ihrer Ehe. Schon lange wünschen sie sich ein Kind, aber es will einfach nicht klappen. Die Situation zwischen den Eheleuten wird immer angespannter, und ausgerechnet in dieser schwierigen Phase taucht eine Frau auf dem Rosenhof auf, die das Leben der Stadlers völlig durcheinanderbringt: Noras Halbschwester Gabriele. Niemand hat etwas von Antons unehelicher Tochter gewusst. Und es kommt noch schlimmer: Gabriele ist finanziell am Ende. Um gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn über die Runden zu kommen, sieht sie die einzige Rettung im Erbe ihres Vaters. Der Pflichtteil steht ihr als Antons leiblichem Kind zu. Doch die Stadlers können es sich nicht leisten, sie auszubezahlen - das würde ihren Ruin bedeuten. Das ganze Geld steckt im Rosenhof. Verzweifelt suchen sie nach einer Lösung. Da hat Kilian eine Idee ...

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Inhalt

Cover

Impressum

Der Besuch der Halbschwester

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-1664-3

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Der Besuch der Halbschwester

Zerstört sie das Glück auf dem Rosenhof?

Von Andreas Kufsteiner

Nach dem Tod ihres Vaters hat die junge Bäuerin Nora Stadler zusammen mit ihrem Mann Kilian den Rosenhof übernommen. Eigentlich sind die beiden glücklich verheiratet. Doch etwas fehlt in ihrer Ehe. Schon lange wünschen sie sich ein Kind, aber es will einfach nicht klappen.

Die Situation zwischen den Eheleuten wird immer angespannter, und ausgerechnet in dieser schwierigen Phase taucht eine Frau auf dem Rosenhof auf, die das Leben der Stadlers völlig durcheinanderbringt: Noras Halbschwester Gabriele.

Niemand hat etwas von Antons unehelicher Tochter gewusst. Und es kommt noch schlimmer: Gabriele ist finanziell am Ende. Um gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn über die Runden zu kommen, sieht sie die einzige Rettung im Erbe ihres Vaters. Der Pflichtteil steht ihr als Antons leiblichem Kind zu.

Doch die Stadlers können es sich nicht leisten, sie auszubezahlen – das würde ihren Ruin bedeuten. Das ganze Geld steckt im Rosenhof. Verzweifelt suchen sie nach einer Lösung. Da hat Kilian eine Idee …

Zenzi Bachhuber, die Wirtschafterin vom Doktorhaus in St. Christoph, schlenderte mit ihrem Henkelkorb überm Arm gut gelaunt einen schmalen Wiesenpfad entlang.

Dieses Jahr war der Winter nicht so streng gewesen, und die Frühlingssonne hatte im Tal schon alle Schneereste weggeschmolzen, obwohl es erst Mitte April war. Nur die sechs hohen Berge, die St. Christoph wie steinerne Wächter umstanden, trugen noch ihre glitzernden weißen Hauben.

Der Weg führte die Wirtschafterin am Rosenhof vorbei, der seinen Platz am Fuß der Beerenhalde hatte und seinen Namen den prachtvollen Rosen verdankte, die sonst in üppiger Fülle im Garten vor dem Wohnhaus blühten. Um diese Jahreszeit sprießten allerdings nur wenige Knospen.

Die Rosenhof-Bäuerin Traudl Brunner schnitt gerade die Rosenstöcke in Form, als die Zenzi daherkam.

»Grüß dich Gott, Bachhuberin«, sagte sie freundlich und hielt in ihrer Arbeit inne.

Zenzi erwiderte den Gruß und meinte schmunzelnd: »Du willst wohl wieder den ersten Preis bei der diesjährigen Gartenschau einheimsen, Traudl?«

Die Bäuerin schüttelte den Kopf. »Heuer mach ich bei dem Wettbewerb um den schönsten Garten von St. Christoph gar net mit.« Sie wies auf ein paar Rosenstöcke, die im Gegensatz zu den übrigen noch keine Knospen trugen. »Ich hab letzten Herbst neue Rosen gepflanzt, die einfach net treiben wollen«, seufzte sie und zuckte resigniert mit den Schultern. »Ich weiß auch net, was ich falsch gemacht habe.«

»Ach was, es sind halt Spätblüher, die kommen schon noch.« Die Bachhuberin lächelte aufmunternd. »Du wirst schon sehen, wenn das Geschäft wieder losgeht, kannst du dich vor Kundschaft kaum retten, weil alle deine Blumen kaufen wollen, mich eingeschlossen.«

Der Verkauf der Rosen brachte Traudl Brunner ein gutes Zubrot ein. Sie war gelernte Gärtnerin und verstand sich zudem aufs Blumenbinden. Die Leute kamen wegen der prachtvollen Sträuße sogar von Mayrhofen herauf.

Traudls Blick fiel auf Zenzis Henkelkorb, in dem eine frisch gerupfte Gans lag.

»Oh, gibt’s am Wochenende Gans im Doktorhaus?« Sie beugte sich vor und begutachtete das Geflügel. »Du warst wohl beim Anderl Watzinger?«

Das Anwesen des Geflügelbauers lag nur wenige hundert Meter von ihrem Hof entfernt.

Die Bachhuberin nickte. »Nirgendwo sonst bekommt man so frische Ware.« Sie zuckte mit den Schultern und fügte erklärend hinzu: »Ich muss am Sonntag ein bisserl was auftischen. Ein ehemaliger Kollege vom Doktor, aus seiner Zeit in der Münchner Universitätsklinik, kommt mit seiner Gattin zu Besuch. Der Professor ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Chirurgie.«

»Das wäre unser Bergdoktor heute auch, hätte er sich net entschieden, die Landarztpraxis seines Vaters zu übernehmen, statt als begnadeter Chirurg Karriere zu machen«, hielt Traudl dagegen. Sie rollte schwärmerisch mit den Augen. »Es gibt wohl im ganzen Zillertal kein Bergdorf, das medizinisch so gut versorgt ist wie unseres. Selbst eine Miniklinik ist vorhanden und lässt uns in tief verschneiten Wintern, wenn die Bergstraße mal wieder unpassierbar ist, ruhig schlafen. Wenn ich dran denk, wie vielen Leuten Dr. Burger …«

»Ja, wir können wirklich von Glück sagen, dass unser Doktor ein so großes Herz hat und ihm die Menschen in seinem Heimatdorf wichtiger sind als Anerkennung und ein prall gefülltes Geldsackl«, fiel die Zenzi der Bäuerin ins Wort, bevor die noch ausschweifender wurde. Doch dann begann sie ebenfalls zu schwadronieren: »Wäre er net in die Fußstapfen seines Vaters getreten, sähe es für St. Christoph heute düster aus. Nur noch wenige Ärzte sind bereit, eine Landarztpraxis zu führen, und das auch noch in unserem abgeschiedenen Dorf.« Sie lächelte stolz in sich hinein. »Er ist schon ein außergewöhnlicher Mann, unser Doktor.«

Auch sie hatte ihr Scherflein dazu beigetragen, dass aus dem halbwüchsigen Knaben, den sie nach dem frühen Tod seiner Mutter unter ihre fürsorglichen Fittiche genommen hatte, ein warmherziger und feinfühliger Arzt geworden war. Noch heute war Martin »ihr Bub«.

»Das kann man wohl sagen«, pflichtete Traudl eifrig bei. »Und das net nur als Arzt. Man mag gar net glauben, dass der Mann schon einundfünfzig Jahre alt ist, so fesch, wie er immer noch daherkommt.« Abermals rollte sie mit den Augen. »Gott, wäre ich doch bloß ein paar Jährchen jünger!«

Die Bachhuberin lachte. »Das würde dir auch nix nützen. Unser Doktor hat nur Augen für seine hübsche Frau, und so soll’s auch sein.«

Sie wusste, dass die Bäuerin nur scherzte, wenn sie so übertrieben von dem Arzt schwärmte. Traudls einzige Liebe war und blieb ihr Anton, der vor knapp einem Jahr einem Krebsleiden erlegen war. Gerade mal fünfundsechzig Jahre war der Bauer alt geworden. Ein Mann, unverwüstlich wie ein knorriger Baum, und doch hatte ihn die Krankheit gnadenlos dahingerafft. Traudl war noch immer nicht über seinen Tod hinweg.

Auch jetzt legte sich ein trauriger Schatten über das aparte Gesicht der achtundfünfzigjährigen Bäuerin.

»Mein Toni war ein herzensguter Mensch. Er hatte es net verdient, so früh aus dieser Welt gehen zu müssen«, sagte sie traurig.

Sanft legte Zenzi ihre Hand auf den Arm der unglücklichen Frau.

»Gönn ihm seinen Frieden, Traudl. Du weißt, wie sehr er sich in den letzten Wochen seines Lebens quälen musste. Da war der Tod ein Segen für ihn.«

Traudl nickte wehmütig und wischte mit dem Handrücken verstohlen über ihre feuchten Augen.

»Trotzdem ist’s net leicht für mich. Wir haben eine gute Ehe geführt, waren sehr glücklich miteinander. Mein Toni war die Treue in Person.«

Zenzi zog kaum merklich eine Augenbraue in die Höhe. Sie mochte daran nicht zweifeln. Aber doch war es kein Geheimnis, dass der Bauer ein ziemlicher Stenz gewesen war, der gern mal fremden Weiberröcken nachgeschaut hatte.

Traudl merkte der Wirtschafterin ihre Zweifel an.

»Du hast ja recht, Toni hat schon gern den hübschen Madeln nachgeschaut«, gab sie zu. »Aber er war auch ein fesches Mannsbild gewesen, dem’s die Weiberleut leicht gemacht haben. Trotzdem hat er mich net betrogen, da leg ich meine Hand für ins Feuer.«

Hoffentlich verbrennst du dich net, dachte die Zenzi noch immer skeptisch, und sie ahnte nicht, wie recht sie noch haben sollte.

»Jetzt muss ich aber weiter«, beendete sie das Gespräch. »Ich will noch bei der Jeggl-Alma einkaufen, und es ist schon fast Mittag, da schließt sie.«

»Als wenn die Alma ihre beste Freundin vor der Tür stehen lassen würde«, meinte Traudl lachend.

Alma Jeggl war nur wenige Jahre jünger als die dreiundsechzigjährige Zenzi, aber im Gegensatz zu der hageren Wirtschafterin eine quirlige, kleine Person von rundlicher Gestalt. Schon seit vielen Jahren führte sie den einzigen Gemischtwarenladen im weiten Umkreis mit der ihr eigenen Cleverness. Das Sortiment an Nahrungsmitteln und Alltagswaren war so ausgewogen, dass man nur für Großeinkäufe zum Kaufhaus Premminger nach Mayrhofen fahren musste.

»Was kochst du denn heut zum Mittag?«, erkundigte sich Traudl neugierig.

»Heute bleibt die Küche kalt«, erwiderte Zenzi fröhlich. Als die Bäuerin etwas verdutzt dreinsah, weil das im Doktorhaus nur selten vorkam, erklärte sie: »Mittwochnachmittag ist doch keine Sprechstunde. Da will der Doktor mit der Familie nach Schwaz zum Einkaufen fahren und unterwegs was essen. Die Kinder sind schon wieder aus allem herausgewachsen.« Sie schüttelte versonnen den Kopf. »Sie werden aber auch gar so schnell groß. Die Tessa wird immer modebewusster und will neuerdings nur noch Röcke tragen, Filli hat ständig Hochwasserhosen, und das Laura-Mauserl ist mit seinen knapp zwei Jahren auch kein Baby mehr.« Sie verdrehte die Augen. »Daran merkt man, dass man alt wird.«

»Höchstens älter«, widersprach Traudl grinsend. »Das ist der Lauf der Dinge, Zenzi. Außerdem ist’s kein Wunder, dass Tessa vom niedlichen Madel immer mehr zum kleinen Fräulein heranwächst. Sie ist immerhin schon acht Jahre alt, und Filli eifert seinem hochgewachsenen Papa nach. Für seine fünf Jahre ist er erstaunlich groß.«

Zenzi nickte und warf einen Blick auf ihre Armbanduhr, was sie zur Eile trieb. Hastig verabschiedete sie sich von der Bäuerin und strebte schnellen Schrittes dem Dorf zu.

***

Wenig später läutete die Turmuhr der Dorfkirche von St. Christoph den Mittag ein. Traudl legte ihr Werkzeug zur Seite und begab sich ins Haus. Heute hatte ihre Tochter Nora gekocht, worauf sie sich besonders freute.

Die Achtundzwanzigjährige war gelernte Diätköchin und verstand sich auf schmackhafte und kalorienarme Gerichte. Sie kochte auch an drei Tagen in der Woche in einem Seniorenheim in Mayrhofen.

Nora hatte nie Bäuerin werden wollen. Deshalb arbeitete sie lieber in ihrem Beruf, während ihr Mann mithilfe einer Magd und eines Knechts den Hof bestellte.

Anton und Traudl Brunner hatten schon befürchtet, dass der schöne Rosenhof, der schon seit Generationen im Besitz der Familie war, wegen des Desinteresses der Tochter verkauft werden müsste.

Doch dann hatte Nora vor vier Jahren Kilian Stadler kennengelernt, und die beiden hatten sich Hals über Kopf ineinander verliebt.

Für Kilian war der Rosenhof ein Glücksfall. Er war der Jüngste von drei Kindern eines Gehöfts im Tuxertal, das dem ältesten Bruder zugefallen war.

Ebenso war der junge Bauer für das Ehepaar Brunner der ideale Schwiegersohn und seiner Frau ein verständnisvoller Ehemann. Er störte sich nicht daran, dass sie ihren Beruf vorzog und ihm die Sorge für Vieh und Hof überließ.

Anton Brunner war schon bei der Hochzeit seiner Tochter krank gewesen und hatte Kilian nur zu gern das Zepter auf dem Gehöft überlassen. Er hatte den sympathischen Jungbauern schnell ins Herz geschlossen, und auch Traudl war ganz vernarrt in ihren Schwiegersohn, der in seinem Charakter ihrem herzlichen Mann ähnelte.

Deshalb hatte sie auch nichts dagegen gehabt, dass Anton der Tochter kurz vor seinem Tod den Hof überschrieb, mit der Option, dass im Fall einer Scheidung des Ehepaars Kilian seinen Anteil erhielt.

Damals hatte Traudl eine Scheidung des innig verliebten Paares für unmöglich gehalten. Doch inzwischen war sie sich nicht mehr so sicher. Mit der Ehe ihrer Tochter stand es neuerdings nicht mehr zum Besten. Beide wünschten sich sehnlichst ein Kind, aber Nora wurde nicht schwanger.

Dr. Burger stand vor einem Rätsel. Die jungen Leute waren kerngesund, es gab nicht den geringsten Grund für die Kinderlosigkeit, auch Noras Hormonhaushalt stimmte. Doch alles, was der Arzt tun konnte, war dem Ehepaar zur Geduld zu raten.

Inzwischen litten beide sehr unter der Laune des Schicksals. Nora wurde immer schwermütiger und zog sich in sich selbst zurück, was schon so weit führte, dass sie ihren Mann auf Distanz hielt. Kilian beklagte sich zwar nicht. Aber Traudl merkte ihm an, wie unzufrieden er war.

»Mhm, das duftet verführerisch«, schwärmte sie, als sie die Küche betrat, und schnupperte in die Luft. »Was gibt’s denn heut, Nora?«

»Wammerl mit Kraut«, antwortete die junge Frau und schmeckte das Gericht nochmals ab, bevor sie weiter erklärte: »Aber die abgespeckte Variante, mit magerem Bauchfleisch und ohne Schmalz im Kraut.«

»Deftig wär’s mir lieber«, brummte der Bauer, der nun mit der Magd und dem Knecht hereinkam.

Er ging zu seiner Frau und linste über ihre Schulter in den Topf.

Nora drehte sich um und tätschelte provozierend den kleinen Bauchansatz ihres Mannes, der dessen Vorliebe für gutes Essen verriet.

»Sonst gedeiht nur dein Wammerl noch mehr«, befand sie grinsend.

Kilian runzelte die Stirn und sah an sich herunter.

»Na gut, du hast ja recht«, gab er seufzend zu. Dann legte er den Kopf zurück und meinte hintergründig lächelnd: »Wenn ich’s recht bedenke, ist deine Schmalkost gar net so falsch. Bis zum Sommer ist es nimmer lang hin. Da will Mann in Badehose eine gute Figur machen, bei all den hübschen Madeln von St. Christoph.«

Er warf sich in Pose. Bis auf den kleinen Rettungsring war er ein schneidiges Mannsbild mit einem pfiffigen Gesicht, dem die Frauen gern nachschauten.

Das wusste auch Nora. Normalerweise störte sie sich nicht daran. Sie war selbst eine hübsche Frau mit wunderschönem dunklem Haar, das in weichen Locken auf ihre Schultern fiel. Dazu war sie gertenschlank, aber an den richtigen Stellen wohl gerundet, und brachte ihrerseits so manchen Burschen ins Träumen.

Doch seit sich der ersehnte Hoferbe einfach nicht einstellen wollte, fühlte sie sich wertlos. Deshalb nahm sie die Bemerkung ihres Mannes krumm, obwohl sie wusste, dass er nur scherzte.

»Die hübschen Madeln warten gewiss net auf den Bauern vom Rosenhof, wo so viele fesche Burschen herumlaufen«, sagte sie spitz, und rührte so heftig im Topf, dass es spritzte.

»Hoppla, hast du was in den falschen Hals gekriegt?«, wunderte sich Kilian und wich zurück. »Das war doch nur Spaß.«

Er runzelte die Stirn. Nora wurde immer empfindlicher. Er ging zum Tisch und setzte sich auf seinen angestammten Platz an der Frontseite. Verdrossen schob er sich den Teller zurecht.

Den Bauchansatz hatte er nicht nur dem Essen zu verdanken, sondern auch dem Bier, das er sich nach Feierabend gönnte. In letzter Zeit war es fast ein wenig zu viel, und auch das Stamperl Schnaps müsste nicht sein.

Dabei machte er sich sonst nichts aus Alkohol. Aber irgendwie musste er seinen Frust abbauen. Er war ein gesunder Mann mit ganz normalen Bedürfnissen, doch Nora wurde immer mehr zum Eiszapfen. Wenn er sie in den Arm nehmen wollte, schob sie Kopfschmerzen oder Unwohlsein vor oder hatte einfach keine Lust. Dabei war sie ihm früher eine leidenschaftliche Geliebte gewesen.

Nach der Mahlzeit begaben sich die Bediensteten wieder an die Arbeit, während sich Kilian und die beiden Frauen noch einen Kaffee gönnten. Da schlug die Türglocke an.

Der Bauer stellte sein Haferl ab und verließ die Küche. Kurz darauf kam er mit einer jungen Frau im Schlepptau zurück.

»Das ist Gabriele Leitner aus Schwaz«, stellte er die Fremde vor, die seltsam verlegen wirkte. Er wandte sich an Traudl. »Sie möchte mit dir sprechen, Mama.«

Die Besucherin hob entschuldigend die Hände.

»Es tut mir leid, dass ich so hereinplatze. Aber es ist wichtig und …« Sie brach ab und fixierte nervös ihre Schuhspitzen.

Traudl wurde beim Anblick der Besucherin flau im Magen. Irgendetwas an der jungen Frau kam ihr bekannt vor, dabei war sie sicher, sie noch niemals zuvor gesehen zu haben. Trotzdem spürte sie, dass die Fremde nichts Gutes brachte.

Sie bezwang ihr Unbehagen und reichte ihr die Hand.

»Traudl Brunner. Bitte nehmen Sie doch Platz.« Sie wies zum Kanapee.

Gabriele Leitner zögerte. »Mir wäre es lieber, wenn wir uns unter vier Augen unterhalten könnten, Frau Brunner«, bat sie leise, während ihr Blick unsicher das Ehepaar am Tisch streifte, das sie argwöhnisch musterte.

Traudl zog die Augenbrauen hoch. Also doch, diese Frau brachte Unheil. Man merkte ihr an, wie unangenehm ihr der Besuch war.

»In der Wohnstube können wir uns ungestört unterhalten«, erwiderte sie und ging voraus.

Nachdem sich die Tür hinter den beiden Frauen geschlossen hatte, wandte sich Nora an ihren Mann.

»Hast du eine Ahnung, wer das ist?«