Der Notarzt 377 - Arztroman - Karin Graf - E-Book

Der Notarzt 377 - Arztroman E-Book

Karin Graf

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Beschreibung

Als Dr. Ulrich Waldner die junge Daria Dahlheim als Assistenzärztin in seiner Klinik anstellt, tut er dies mit leichten Bauchschmerzen. Von ihrem früheren Uni-Professor weiß er, dass die bildhübsche Frau zu Beginn ihres Studiums mit weitem Abstand die fleißigste, klügste und vielversprechendste Studentin von allen war. Vor zwei Jahren jedoch scheint sich bei ihr ein Schalter umgelegt zu haben. Seit diesem Zeitpunkt sind Darias Leistungen plötzlich auf einen nicht enden wollenden Tiefpunkt gesunken. Bei ihren Praktikumsstellen hat man ihr Faulheit und Dummheit bescheinigt, und ihre Approbation hat sie nur wie durch ein Wunder erhalten. Aber Dr. Waldner ist sich sicher, dass es einen triftigen Grund für diese seltsame Wesensveränderung gibt, und er ist fest entschlossen, hinter dieses Geheimnis zu kommen. Trotzdem kann er nicht ahnen, welch unendlich großes Leid Daria hinter ihrer teilnahmslosen Miene verbirgt. Es ist ein Kummer, der ihr ganzes Leben bestimmt, und als die inneren Wunden unvermittelt neu aufbrechen, weiß Daria, dass es nur einen Weg gibt, um diesem Leid ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Doch dieser Weg verlangt viel Mut - und er ist lebensgefährlich ...

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Seitenzahl: 117

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Inhalt

Cover

Impressum

Ein mutiger Weg

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Minerva Studio / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0050-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ein mutiger Weg

Roman um eine furchtlose Ärztin, die alle verblüffte

Karin Graf

Als Dr. Ulrich Waldner die junge Daria Dahlheim als Assistenzärztin in seiner Klinik anstellt, tut er dies mit leichten Bauchschmerzen. Von ihrem früheren Uni-Professor weiß er, dass die bildhübsche Frau zu Beginn ihres Studiums mit weitem Abstand die fleißigste, klügste und vielversprechendste Studentin von allen war. Vor zwei Jahren jedoch scheint sich bei ihr ein Schalter umgelegt zu haben. Seit diesem Zeitpunkt sind Darias Leistungen plötzlich auf einen nicht enden wollenden Tiefpunkt gesunken. Bei ihren Praktikumsstellen hat man ihr Faulheit und Dummheit bescheinigt, und ihre Approbation hat sie nur wie durch ein Wunder erhalten.

Aber Dr. Waldner ist sich sicher, dass es einen triftigen Grund für diese seltsame Wesensveränderung gibt, und er ist fest entschlossen, hinter dieses Geheimnis zu kommen. Trotzdem kann er nicht ahnen, welch unendlich großes Leid Daria hinter ihrer teilnahmslosen Miene verbirgt. Es ist ein Kummer, der ihr ganzes Leben bestimmt, und als die inneren Wunden unvermittelt neu aufbrechen, weiß Daria, dass es nur einen Weg gibt, um diesem Leid ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Doch dieser Weg verlangt viel Mut – und er ist lebensgefährlich …

„Grundgütiger!“

Prof. Lutz Weidner, der Chefarzt der Frankfurter Sauerbruch-Klinik, schaute dem weißen Papiertuch nach, mit dem er sich eben ein Staubkorn aus dem linken Auge entfernen wollte, weil es ihn zu ständigem Blinzeln veranlasste und unangenehm kratzte.

Ein heftiger Windstoß hatte ihm das Tuch aus der Hand gerissen. Jetzt segelte es durch die Luft, änderte mehrmals die Richtung, sank zu Boden, wirbelte wieder hoch hinauf und blieb schließlich auf dem Ast einer Kastanie hängen.

Lutz Weidner hatte etwas gegen Umweltverschmutzung, aber das Tuch war in drei Metern Höhe gelandet. Ausgeschlossen, es von dort herunterzuholen.

Er schaute zum Himmel hinauf. Vom Westen her schob sich eine dunkle, fast schwarze Wolkendecke über den eben noch so strahlend blauen Himmel über Frankfurt. Gewitterwolken.

Warum musste ausgerechnet heute einer der seltenen Fälle eintreten, in denen sich das Wetter tatsächlich so entwickelte, wie es die Meteorologen vorhergesagt hatten? Er hatte nicht an die düsteren Prognosen geglaubt, weshalb er auch keinen Regenschirm mitgenommen hatte. Andererseits hätte der ihm bei diesem Wind sowieso nicht viel gebracht.

Sein Auge tränte bereits. Er blieb unter einer knorrigen alten Eiche stehen und hob die Hand, um den kratzenden Eindringling mit den Fingern zu entfernen. Doch dann fiel ihm ein, wie viele Hände er auf dem Weg hierher geschüttelt und was er alles angefasst hatte.

Er hatte auf den Knopf gedrückt, der die Fußgängerampel von Rot auf Grün umschalten sollte. Er hatte in einer kleinen Grünanlage, die er durchquert hatte, um seinen Weg abzukürzen, einen Hund gestreichelt und ein paarmal ein Stöckchen für ihn geworfen. Er hatte die Klinke einer Ladentür angefasst und eine zerknautschte Coladose vom Wegrand aufgehoben und in einen Mülleimer geworfen.

Als Mediziner war er sich natürlich dessen bewusst, wie viele Mikroben jetzt an seinen Fingern klebten und wie leicht man sich eine schlimme Augenentzündung einfangen konnte, wenn man nicht achtsam war.

Also ließ er die Hand wieder sinken und zog stattdessen ein weiteres Papiertuch aus seiner Hosentasche. Diesmal hielt er es gut fest, denn inzwischen hatte der einzelne Windstoß sich zu einem regelrechten Sturm ausgewachsen.

Plötzlich erregte eine hübsche junge Frau seine Aufmerksamkeit. Mit erhobener Hand, in der er das Tuch hielt, erstarrte er und schaute verwirrt zu, wie sie in einigen Metern Entfernung die breite Treppe herunterstürmte, die zum Eingang der Medizinischen Fakultät der Goethe-Universität hinaufführte.

Ihre Miene war grimmig, und – ja, er hatte sich nicht getäuscht – sie rannte direkt auf ihn zu. Nein, sie rannte nicht, sie stürmte wie ein Kämpfer in einer Schlacht, der sich mit Todesverachtung auf den Feind stürzen wollte.

„Grundgütiger!“ Prof. Weidner ging in Gedanken alle Möglichkeiten durch, was sie von ihm wollen könnte. Ihrer angespannten Körperhaltung und ihrem entschlossenen Gesichtsausdruck nach zu schließen, konnte es nichts Gutes sein. Bestimmt wollte sie ihm nicht einfach nur einen schönen Tag wünschen.

Der Professor wappnete sich, indem er seine Muskeln fest anspannte, sich breitbeinig hinstellte und auf einen Angriff vorbereitete, als sie nur noch wenige Sprünge von ihm entfernt war.

Als sie ihn fast erreicht hatte, streckte sie beide Arme weit nach vorne und rammte ihm dann beide Hände gegen die Brust, ohne ihre rasende Geschwindigkeit dabei zu verringern. Sie traf ihn mit solcher Wucht, dass er drei große Ausfallschritte rückwärts machen musste, um sich wieder zu berappeln.

Doch damit nicht genug. Die offensichtlich völlig verrückte junge Frau ließ sich auf den Boden fallen und produzierte – wie ein Stuntman in einem Actionfilm – ein paar schnelle Rollen seitwärts.

Prof. Weidner kam nicht mehr dazu, sich noch weiter über die vermeintliche Irre zu wundern. Genau dort, wo er eben noch gestanden hatte, und nur wenige Zentimeter von der jungen Frau entfernt, krachte jetzt ein langer dicker Ast mit solcher Wucht auf den Boden, dass der Kies hoch aufspritzte und der Boden unter seinen Füßen spürbar erbebte.

„Grundgütiger!“

„Ich habe gerufen“, keuchte sie und setzte sich auf. „Aber Sie haben mich nicht gehört. Natürlich haben Sie mich nicht gehört, denn der Sturm hat mich übertönt.“

„Sie … Sie haben mir das Leben gerettet!“ Auf zittrigen Beinen stakste der Chefarzt auf die junge Frau zu und streckte ihr beide Hände hin. Sie ergriff sie, zog sich daran hoch und klopfte sich Sand und Staub von den Kleidern.

„War mir ein Vergnügen“, erwiderte sie trocken, drehte sich um und wollte ihren Weg fortsetzen.

„Warten Sie doch!“ Prof. Weidner steckte seine Hand in die Hosentasche, denn natürlich hatte er auch das zweite Taschentuch wieder verloren. Es flatterte zusammen mit Blättern und kleinen Zweigen in Richtung Horizont davon.

Seine Lebensretterin verstand diese Geste falsch. Sie schüttelte missbilligend den Kopf.

„Ihr Leben ist mehr wert als ein Trinkgeld. Wussten Sie das denn nicht?“

„Oh! Nein. Ich meine, ja. Ich meine, ich wollte nicht … Ich wollte nur …“ Der Klinikchef hob Taschentuch Nummer drei hoch. Diesmal hielt er es gut fest, denn es war sein letztes.

„Oh!“ Sie zuckte mit den Schultern. „Es tut mir leid, ich dachte …“

„So warten Sie doch!“, rief Lutz Weidner, als sie sich schon wieder davonmachen wollte. „Ich verspüre das Bedürfnis, mich irgendwie zu revanchieren. Und damit meine ich natürlich nicht ein Trinkgeld. Was entspräche denn Ihrer Meinung nach dem Wert meines Lebens?“

Sie musterte ihn eine Weile.

„Sie sind Herr Prof. Weidner, nicht wahr?“, fragte sie dann.

„Ja.“

„Nun, dann ist Ihr Leben wohl einiges wert.“

„Ja, das ist es. Genauso viel wie das eines jeden anderen auch.“

Sie nickte ernst. „Gute Antwort. Also sollte meine Belohnung auch einiges wert sein.“

„Natürlich! Sagen Sie mir, was ich tun kann, um Ihnen diese unglaublich großherzige Tat wenigstens ein bisschen zu vergelten. Immerhin haben Sie sich meinetwegen selbst in Gefahr begeben.“

Lutz Weidner beäugte den Ast, der unter der Eiche lag. Der wog mit Sicherheit weit mehr als zwei Zentner. Ihm war klar, dass er diesen Zwischenfall nicht überlebt hätte, wäre die hübsche junge Frau nicht so umsichtig, so mutig, so unglaublich schnell und so wild entschlossen gewesen, ihn zu retten. Er war bereit, jeden Preis zu bezahlen, den sie ihm nannte. Jeden!

Sie legte den Kopf schief und schaute ihn ernst an. Sie schien überhaupt sehr ernst zu sein. Sie hatte noch kein einziges Mal gelächelt.

„Es gibt da zwei magische Formeln“, erklärte sie, „von denen ich ganz sicher bin, dass Ihre Mutter sie Ihnen beigebracht hat. Eine der beiden hielte ich für angemessen.“

„Bitte?“ Der Chefarzt schüttelte verwirrt den Kopf.

„Das war die eine“, erwiderte sie. „Ich meinte aber die andere.“

„Ich verstehe nich…“ Der Professor stockte mitten im Wort. Plötzlich dämmerte ihm, was sie meinte. „Natürlich! Danke! Vielen, vielen Dank. Ich dachte, das hätte ich schon gesagt. Und das genügt Ihnen? Ein schlichtes Dankeschön?“

„Ein aufrichtiges Danke, das vom Herzen kommt, ist sehr viel mehr wert als das größte Trinkgeld. Das wussten Sie wohl auch nicht?“ Sie nickte ihm zum Abschied grüßend zu. „Schuld beglichen“, sagte sie und ging.

„Grundgütiger“, wiederholte sich der Chefarzt leise. Diese ernste junge Dame, die maximal Mitte zwanzig sein mochte, hatte ihm soeben eine Lektion erteilt. Prof. Weidner war zweiundsechzig, hatte eine beachtliche Karriere gemacht, Dutzende Ehrungen und Auszeichnungen erhalten und war landesweit geachtet und angesehen. Dennoch fühlte er sich jetzt weit in die Vergangenheit zurückversetzt.

Er fühlte sich wie ein kleiner Dreikäsehoch, der von seiner Mutter gerade die Leviten gelesen bekommen hatte.

„Weisheit ist eben keine Frage des Alters“, murmelte er versonnen und schaute der hübschen jungen Frau so lange nach, bis sie hinter einer Hecke verschwunden war.

Prof. Weidner war mit Leuten bekannt, die man zu den klügsten Köpfen des Landes zählte. Aber die innere Größe, die diese junge Frau ihm gerade gezeigt hatte, die suchte man in jenen oft vergeblich.

So schnell, wie die Gewitterwolken aufgezogen waren, so schnell verschwanden sie jetzt auch wieder. Der Sturm trieb sie rasch vor sich her. Vermutlich flogen sie in die nächste Stadt weiter, um sich dort zu entladen.

Schon lachte die Sonne wieder vom strahlend blauen Himmel, und die Vögel, die sich zuvor im dichten Laub der Bäume versteckt hatten, stürzten sich jetzt begeistert lärmend auf die Würmer, die sich in Erwartung des Regens aus der Erde gewagt hatten.

Obwohl seine Lebensretterin längst aus seinem Blickfeld verschwunden war, blieb Prof. Weidner noch lange stehen und dachte nach.

Er fühlte sich doppelt und dreifach beschenkt. Sie hatte nicht nur sein Leben gerettet, sie hatte auch sein Herz berührt und ihm einen kleinen Blick in die Zukunft gewährt.

Unter den heutzutage leider nur allzu oft verteufelten und diffamierten jungen Leuten waren so viele außergewöhnliche Geschöpfe. Was den meisten älteren Herrschaften sauer aufstieß, war vermutlich, dass sie nicht so unterwürfig waren wie beispielsweise seine Generation erzogen worden war. Aber genau das war es ja, was ihm Hoffnung für die Zukunft gab.

Er ärgerte sich darüber, dass er vergessen hatte, sie nach ihrem Namen zu fragen. Die Aufregung hatte ihn daran gehindert, an das Naheliegende zu denken. Wie ärgerlich!

Er rief sich ihr Gesicht in Erinnerung, solange diese noch frisch war, und versuchte, es sich einzuprägen. Da er ihr auf dem Gelände der Goethe-Universität, vor der medizinischen Fakultät begegnet war und sie ihn außerdem erkannt hatte, konnte er mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sie Medizin studierte.

Er nahm sich fest vor, herauszufinden, wer sie war. Er wollte sie im Auge behalten und ihr eine Anstellung in seiner Klinik anbieten, wenn sie ihr Studium abgeschlossen hatte.

Einerseits, weil er sich noch immer für seine Rettung bedanken wollte, andererseits – und das war eigentlich der Hauptgrund –, weil er sicher war, dass sie mit ihrer kühnen Entschlossenheit, Leben zu retten, eine phantastische Ärztin abgeben musste.

***

Nur mit einem Schulterzucken und gerunzelter Stirn beantwortete Dr. Peter Kersten die Frage, die ihm sein Freund und Kollege soeben gestellt hatte.

Dr. Jochen Vogel, der sechsundvierzigjährige Rettungsarzt, hatte gerade eine junge Frau – eigentlich noch fast ein Kind – in die Notaufnahme der Frankfurter Sauerbruch-Klinik eingeliefert. Das Mädchen mochte so um die sechzehn Jahre alt sein und war wirklich übel zugerichtet.

Peter wollte eigentlich den Kopf schütteln, doch er verbot es sich selbst. Er war zwar nicht abergläubisch, aber … Na ja, ein bisschen vielleicht doch. Auf alle Fälle widerstrebte es ihm, Jochens Frage negativ zu beantworten, um nicht etwas zu berufen, was er auf gar keinen Fall wollte. Auch wenn er, um realistisch zu sein, dem armen Mädchen kaum eine Überlebenschance einräumen konnte.

„Wir werden sehen“, murmelte er ausweichend und warf einen Blick durch die offene Tür in den Schockraum. Was er sah, ließ ihn erschaudern. Es grenzte schon an ein Wunder, dachte er, dass die Kleine überhaupt noch am Leben war. Doch auch das mochte er nicht laut aussprechen.

Oberschwester Nora und Schwester Annette waren gerade dabei, das schwer verletzte Mädchen von seinen blutbesudelten Kleidern – oder zumindest von den paar Fetzen, die davon noch übrig waren – zu befreien und es für die Computertomografie vorzubereiten.

„Ruf mich bitte, bevor es losgeht, Nora“, bat er. „Ich will dabei sein.“

„Wieso? Traust du mir nicht?“, flachste Dr. Holger Kramer, der jetzt am anderen Ende des Flurs aus dem Fahrstuhl stieg und auf den Schockraum zueilte.

Dr. Kramer, der Radiologe, hatte sich vor fünf Minuten in eine kurze Mittagspause abgemeldet, war in der Cafeteria ausgerufen worden und hatte – wie so oft – seine Suppe unberührt zurückgelassen.

„Quatsch! Natürlich vertraue ich dir“, winkte der Leiter der Notaufnahme ab. „Aber vier Augen sehen mehr als zwei.“

„Schon klar, Peter. Ist es denn ein komplizierter Fa…“ Der Rest seiner Frage blieb dem Radiologen in der Kehle stecken, als er den Schockraum erreicht hatte und sein Blick auf die Patientin fiel. „Heilige Schei…be!“, stöhnte er und schauderte. „Ist es …? Nein! Doch? Oh, bitte! Nicht schon wieder!“

Bevor er eintrat, drehte er sich noch einmal zu Peter um.

„Ich sag dir Bescheid, wenn ich so weit bin. Irgendwelche Schwerpunkte, die dich besonders interessieren, oder …?“, fragte er, obwohl er auf den ersten Blick selbst sehen konnte, dass hier nicht ein einzelner Körperteil betroffen war. Die Patientin sah aus, als ob sie unter einen fahrenden Zug geraten oder von einem Hochhaus gefallen wäre. „Ganzkörperscan“, beantwortete er sich seine Frage selbst und eilte auf den Kontrollraum des CT zu, um das Gerät zu starten und den Computer zu programmieren.

Wie so oft, wenn er erschüttert war, fuhr sich Dr. Jochen Vogel mit den gespreizten Fingern durchs Haar. Dann ließ die Hand sinken und verdrehte ächzend die Augen, weil dort oben schon seit ein paar Jahren nichts mehr anzutreffen war.

„Drei in nur zwei Wochen“, flüsterte er, weil ihm die Stimme versagte.

Peter nickte. „Wo hat er sie denn diesmal … Wo hat man sie denn … gefunden?“

„Im Seckbacher Ried. Nicht weit von den Stellen entfernt, an denen auch die beiden letzten Opfer gefunden wurden.“