Der Notarzt 520 - Karin Graf - E-Book

Der Notarzt 520 E-Book

Karin Graf

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Beschreibung

Mit neunzehn Jahren verliebt sich der mittlerweile zweifache Facharzt Dr. Tim Carlsbach in die damals siebzehnjährige Lenja Möller. Als sie schwanger wird, will er für sie und sein Baby sorgen, doch Lenjas Vater verbietet ihm unter schweren Drohungen jeden weiteren Kontakt zu seiner Tochter. Lenja, die einen kleinen Jungen zur Welt bringt, muss sämtliche Zukunftspläne aufgeben und bei ihrem jähzornigen Vater bleiben, weil dieser das Sorgerecht für den kleinen Elian an sich reißt und sie ihren geliebten Sohn nicht verlassen will. Elian ist bereits sieben Jahre alt, als Lenja mit Lea Königs Hilfe die Flucht gelingt. Sie reist mit ihrem Jungen von Hamburg nach Frankfurt, um sich als Hilfskraft in der Sauerbruch-Klinik ein neues Leben aufzubauen. Sie hat keine Ahnung davon, das Tim dort als Kinderchirurg tätig ist. Doch ehe das Schicksal die kleine Familie zusammenführen kann, erleidet Elian einen schrecklichen Unfall ...

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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

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Der Notarzt und eine Liebe, die stärker ist als jedes Leid

Von Karin Graf

Als der junge Mediziner Tim Carlsbach sich an der Sauerbruch-Klinik bewirbt, begegnet ihm Professor Lutz Weidner, der ärztliche Direktor des Hauses, mit Skepsis. Warum hat der siebenundzwanzigjährige Facharzt seine sichere Stelle in Hamburg überstürzt aufgegeben? Hat er etwas zu verbergen?

Bald jedoch erkennt Weidner, dass hinter Tims Flucht eine zutiefst tragische Geschichte steckt: Tims große Liebe Lenja und ihr gemeinsamer Sohn Elian werden von Lenjas Vater, einem fanatisch-strengen Pastor, wie Gefangene gehalten – isoliert von der Außenwelt und Opfer körperlicher wie seelischer Gewalt. Von Frankfurt aus hofft Tim, bessere Chancen zu haben, das Sorgerecht für seinen Sohn zu erstreiten und Lenja aus der Gewalt ihres Vaters zu befreien. In Hamburg ist dessen Einfluss zu groß.

Tims neuer Vorgesetzter Dr. Peter Kersten und dessen Lebensgefährtin, die Kinder- und Jugendpsychologin Dr. Lea König, unterstützen ihn mit aller Kraft. Doch bevor Tim handeln kann, überschlagen sich die Ereignisse: Ein schwerstverletztes Kind wird in die Notaufnahme eingeliefert. Es ist der kleine Elian ...

Prof. Lutz Weidner, der Chefarzt der Frankfurter Sauerbruch-Klinik, schüttelte den Kopf, verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich in seinem Bürosessel zurück.

»Das ist mir zu wenig, Kollege Carlsbach«, merkte er kritisch an. »Sie waren in Hamburg bereits zur Facharztprüfung angemeldet und hatten auch schon einen festen Termin erhalten, wie ich Ihren Unterlagen entnehme.«

Er blickte noch einmal auf die Dokumente des jungen Kollegen.

»Heute!«, rief er überrascht aus. »Heute wäre Ihr Prüfungstermin gewesen, wenn Sie nicht vor drei Tagen abgesagt hätten. Richtig?«

Dr. Tim Carlsbach nickte. »Ein Diplom habe ich schon, und die Prüfung ist ja nur eine reine Formsache, deshalb ist mir die Verzögerung nicht so wichtig.«

»Das mag schon sein«, erwiderte Prof. Weidner ernst. »Mir jedoch ist eine etwas genauere Antwort auf meine Frage, warum Sie so plötzlich Klinik und Stadt wechseln wollen, sehr wohl wichtig. Dieser überstürzte Aufbruch hat beinahe den Anschein einer Flucht. Private Gründe, das kann alles Mögliche bedeuten.«

Der siebenundzwanzigjährige Facharzt für Innere Medizin und angehende Facharzt für Kinderchirurgie senkte den Kopf so tief, dass seine Stirn fast die Schreibtischplatte berührte.

»Ich ... also ... wissen Sie, Herr Professor, ich rede nicht gerne darüber«, murmelte er fast unhörbar.

»Ach so, Sie reden nicht gerne darüber«, bemerkte Lutz Weidner spöttisch. »Sie möchten, dass ich das Leben meiner Patienten einer Katze im Sack anvertraue. Na klar, warum auch nicht? Wären Sie an meiner Stelle, würden Sie natürlich jeden, der kommt und Ihnen nichts über sich selbst erzählen will, kranke oder schwer verletzte Kinder operieren lassen. Richtig?«

»Natürlich nicht«, murmelte Tim fast unhörbar.

Prof. Weidner stützte sich mit beiden Ellbogen auf den Tisch und schaute den jungen Kollegen, dessen Zeugnisse und Bewertungen exzellent waren, über den die Kollegen in der Hamburger Klinik, in der er seine Facharztausbildung absolviert hatte, nur Gutes zu berichten wussten und der ihm auch sehr sympathisch war, herausfordernd an.

»Natürlich nicht! Wie dumm müsste ich denn sein«, fragte er sarkastisch, »Sie unbesehen anzustellen und dann möglicherweise herauszufinden, dass Sie aus Hamburg verschwinden mussten, weil Sie im dortigen Laden Kaugummi geklaut oder jemandes Autoreifen aufgeschlitzt haben und die gesamte Hamburger Polizei hinter Ihnen her ist?«

Über diese Vorstellung musste Tim herzlich lachen. Wie schon von Anfang an, stellte der Chefarzt bei dieser Gelegenheit abermals fest, wie viel Intelligenz und vor allem Güte der junge Arzt ausstrahlte.

»Ich habe tatsächlich einmal Kaugummi geklaut«, gestand Tim immer noch giggelnd. »Aber das ist zwanzig Jahre her, und ich habe es ganz und gar nicht gerne getan. Ich musste es jedoch tun, um in den Club der verfluchten, einäugigen Piraten aufgenommen zu werden.«

»Und?«

Tim nickte. »Ich habe es sogar bis zum verfluchten, einäugigen Piratenkapitän gebracht. Als solcher habe ich das Einweihungsritual geändert. Das war gleich meine erste Amtshandlung.«

Prof. Weidner legte schmunzelnd den Kopf schief.

»Und zwar? Was waren die neuen Aufnahmebedingungen?«

»Man musste nichts mehr klauen. Wer aufgenommen werden wollte, musste einmal quer durch den mit glitschigen Algen, Kröten und Ringelnattern verseuchten Ententümpel schwimmen. Klauen kann auch ein Weichling, während meine Prüfung wirklich nur die härtesten Kerle geschafft haben.«

Der Klinikchef lachte laut auf. »Sehr gut! Dann haben Sie ja schon sehr früh Führungsqualitäten und für Ihr damaliges Alter eine beachtliche Portion soziales Gewissen bewiesen.« Er klopfte sich mit der flachen Hand auf die Brust. »Ich will ja nicht angeben, aber auch bei mir stand schon mit acht Jahren fest, dass ich es einmal sehr weit bringen würde. Ich habe mich in kurzer Zeit zum Boss der furchtbar fiesen Freibeuter, abgekürzt FFF, aufgeschwungen.«

Sie lachten beide miteinander. Als die Stimmung auf diese Weise aufgelockert war, versuchte der Chefarzt noch einmal herauszufinden, was den jungen Arzt dazu bewogen haben mochte, alles, was er sich hart erarbeitet hatte, aufs Spiel zu setzen.

»Warum nun also der überstürzte Wechsel vom gemachten Nest ins Ungewisse?«

»Es ist ... wegen Elian.«

»Und Elian, das ist ...?«

»Mein Sohn.«

»Oh!« Lutz Weidner warf einen Blick auf die Bewerbungsunterlagen, die vor ihm auf dem Schreibtisch lagen. »Ich sehe hier nichts davon, dass Sie Vater sind.«

Erneut senkte Tim den Kopf. »Offiziell bin ich ja auch keiner.«

»Inoffiziell aber doch?«

Der junge Arzt seufzte tief. »Das ist eine lange Geschichte, Herr Professor.«

»Aha.« Prof. Weidner lehnte sich erneut zurück. »Ich habe Zeit. Fangen Sie an. Oder ... warten Sie bitte noch.« Er stand auf, ging zur Tür und öffnete sie. »Marianne ...«, begann er, doch dann fiel ihm ein, dass seine Sekretärin sich ja strikt weigerte, ihm einen Kaffee zuzubereiten. Sie behauptete dann immer, sie sei eine umfassend ausgebildete Chefsekretärin und keine Kaffeeschubse.

»Ja? Was denn?« Die vollschlanke Mittfünfzigerin mit den bordeauxroten Ringellöckchen stellte das Tippen ein und hob den Kopf.

»Ich gehe für meinen Gast und mich einen Kaffee kochen. Möchten Sie auch einen?«

Der Chefarzt wartete auf die Reaktion, die er sich erhoffte. Und tatsächlich ...

»Sonst noch was?«, zeterte Marianne Hoppe und sprang auf. »Wenn Sie Kaffee kochen, ist hinterher die gesamte Küche verwüstet. Sie mögen ja ein guter Herzchirurg, Kardiologe und Chefarzt sein, aber haushaltsmäßig taugen Sie zu rein gar nichts! Selbst ein Affe würde beim Kaffeekochen weniger Unheil anrichten.«

»Ach, so schlimm wird es schon nicht werden. Ich gebe mir Mühe. Gut?« Er musste sich das aufkommende Lachen verbeißen, denn mit genau dieser Reaktion hatte er gerechnet.

»Nur über meine Leiche!«, konterte Marianne. »Zwar bin ich eine umfassend ausgebildete Chefsekretärin und keine Kaffeeschubse, aber ich wollte mir ohnehin gerade selbst einen kochen. Da kann ich gleich noch zwei mehr machen.«

»Macht Ihnen das auch gewiss keine Umstände, Marianne?«

»Umstände würde es mir machen, wenn die Kaffeeküche hinter Ihnen aussieht, als ob eine Horde Wildschweine darin übernachtet hätte!«, erwiderte sie schnippisch und eilte aus ihrem Büro.

»Das war ganz großes Theater«, lachte Tim, als der Chefarzt grinsend in sein Büro zurückkehrte.

»Nicht wahr? Als ehemaliger furchtbar fieser Oberfreibeuter hat man eben so seine Tricks. Und ich freue mich zu hören, dass es diese Aktivitäten trotz all der technischen Ablenkungen auch heute noch gibt. Man lernt dabei wirklich eine Menge. Vor allem im sozialen Bereich.«

Prof. Weidner deutete auf seine Besucherecke seitlich der Tür, in der eine braune Ledercouch, zwei dazu passende Sessel und ein Couchtisch standen.

»Kommen Sie, machen wir es uns ein bisschen bequemer, und dann legen Sie los.«

Tim ließ sich seufzend auf die Couch fallen, während der Chefarzt in einem der Sessel Platz nahm.

»Ich ... also ... ich ...« Er brach genervt ab. »Ach, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll!«

»Am besten mit dem Anfang«, riet ihm der Klinikchef. »Ich habe mir für dieses Bewerbungsgespräch viel Zeit genommen, weil die Kollegen in Hamburg Sie mir wärmstens ans Herz gelegt haben. Ich erwarte also eine umfassende Beichte.«

»Also gut!« Tim schlug die Beine übereinander. »Ich war damals neunzehn Jahre alt und im fünften Semester ...«

»Das ist beachtlich! Mit neunzehn haben es die meisten gerade einmal bis zum zweiten Semester gebracht.«

»Ich habe am Gymnasium zwei Klassen übersprungen und war früher fertig.«

»Auch das ist beachtlich. Aber nun lenken Sie bitte nicht weiter vom Thema ab, schießen Sie los!«

»Okay. Ich ... ich hatte mich in ein Mädchen verliebt. Sie war gerade erst siebzehn Jahre alt geworden ...«

»Das ist meines Wissens nicht verboten«, merkte Lutz Weidner an, als er das schuldbewusste Gesicht des jungen Kollegen sah.

Tim nickte. »Ich weiß. Aber ihre Eltern waren diesbezüglich völlig anderer Meinung. Erst recht, als sie überraschend schwanger wurde.«

»Es gibt ...«, begann der Chefarzt kopfschüttelnd, doch Tim fiel ihm ins Wort.

»Ich weiß. Und wir haben auch immer Kondome verwendet. Aber eines davon war wohl nicht ganz in Ordnung.«

»Dann war es Schicksal«, murmelte Prof. Weidner. »Manche Kinder lassen sich von so etwas nicht daran hindern, trotzdem zur Welt zu kommen. Und? Weiter!«

»Ich wollte sie natürlich heiraten und mich um das Kind kümmern, aber ...«

»Die Eltern der jungen Dame hatten etwas dagegen«, mutmaßte der Professor.

Tim nickte. »Ihr Vater ist Pastor. Er hat Lenja extrem streng erzogen und hat sehr ... verstaubte und bigotte Ansichten. Lenja war damals knapp vor dem Abitur, aber sie durfte nicht weiter zur Schule gehen. Ihr Vater hat sie zu irgendwelchen Verwandten aufs Land geschickt. Wegen der Schande, wissen Sie?«

»Grundgütiger!« Lutz Weidner verdrehte seufzend die Augen. »Wie im Mittelalter. Einem Kind wegen falscher Moralvorstellungen den Vater zu nehmen und dann auch noch die Zukunft der jungen Mutter zu zerstören, das ist ... dumm und grausam.«

»Ja!«, seufzte der junge Arzt, und eine Träne löste sich aus seinem Augenwinkel.

Das war der Moment, in dem Marianne Hoppe mit einem voll beladenen Tablett ins Zimmer kam. Sie sah die Träne, stellte das Tablett mit Nachdruck auf den Tisch und stemmte empört beide Hände in die rundlichen Hüften.

»Was, in drei Teufels Namen, haben Sie dem armen Jungen angetan, Chefarzt?«, stellte sie Lutz Weidner schroff zur Rede. Dann beugte sie sich über Tim, stellte ihm einen Kaffee und einen Teller mit Keksen hin.

»Manchmal kann er sich wirklich wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen benehmen, unser Chefarzt«, säuselte sie beschwichtigend. »Aber Sie brauchen sich das gar nicht so zu Herzen zu nehmen. Er meint es nie wirklich böse. Oder hat er Sie etwa abgewiesen?«

Sie wandte sich an Lutz Weidner. »Haben Sie den armen Jungen abgewiesen? Haben Sie nicht erst heute am Morgen zu mir gesagt: Marianne, der junge Kollege ist erst siebenundzwanzig und ...« Sie brach ab. »Damit ist er nur drei Jahre jünger als ich, der arme Kleine! Sie brauchen gar nicht so zu grinsen!«, rügte sie ihren Chef. »Vielleicht bin ich ein, zwei Jährchen älter als dreißig, aber wen interessiert das schon?«

»Niemanden, Marianne, niemanden«, beschwichtigte der Klinikchef seine Sekretärin hastig. Er wusste aus Erfahrung, dass sie ihr fortschreitendes Alter nicht akzeptieren wollte und bei diesem Thema keinen Spaß verstand.

»Na also! Und jetzt lenken Sie gefälligst nicht vom Thema ab! Haben Sie den Jungen abgewiesen?«

Lutz Weidner schüttelte den Kopf. »Noch nicht. Wir sind ja erst am Anfang des Bewerbungsgesprächs. Noch habe ich nichts erfahren, was gegen eine Anstellung sprechen würde.«

»Und es wird auch nichts dagegen sprechen!«, gab sie resolut bekannt. »Wenn man über ein Mindestmaß an Menschenkenntnis verfügt, sieht man auf den ersten Blick, dass der Junge ein guter Arzt und ein guter Mensch ist. Also? Soll ich den Dienstvertrag gleich fertigmachen?«

Lutz Weidner lachte laut auf. »Dürfte ich eventuell, natürlich nur, wenn es Ihnen nichts ausmacht, liebste Marianne, das Bewerbungsgespräch fortführen und dann selbst entscheiden?«, fragte er scherzhaft.

Sie nickte gnädig. »Meinetwegen. Aber wenn ich auch nur noch eine einzige Träne sehe, dann ...«

»Die werden Sie nicht sehen, Marianne«, fiel ihr der Chefarzt ins Wort. »Weil Sie nämlich jetzt brav wieder hinausgehen und die Tür hinter sich schließen werden.«

Mit einem trotzigen »Pah!« verließ sie das Zimmer, drehte sich in der offenen Tür jedoch noch einmal um.

»Die Kekse sind für den Jungen!«, mahnte sie mit erhobenem Zeigefinger. »Nur damit das gleich einmal klar ist!« Damit schloss sie die Tür ein bisschen zu laut hinter sich.

»Sie ist eine sehr gute Sekretärin«, schmunzelte der Chefarzt, als er Tims verwunderten Blick registrierte. »Engagiert, zuverlässig und diskret. Dafür nimmt man die weniger guten Beigaben mehr oder weniger gelassen in Kauf. Außerdem amüsiert mich ihr rebellisches Gehabe. Meistens zumindest. Mein Selbstbewusstsein ist stark genug, um auf unterwürfige Mitarbeiter verzichten zu können.«

Er beugte sich weit über den Tisch. »Wenn Sie mich nicht bei Marianne verpetzen, würde ich gerne einen der Kekse probieren«, sagte er, nahm sich einen Keks und lehnte sich damit gemütlich in seinen Sessel zurück.

»Und jetzt schießen Sie los. Ich bin gespannt.«

***

Dr. Peter Kersten, der Leiter der Notaufnahme der Sauerbruch-Klinik, saß in diesem Moment zwei Etagen über dem Chefarzt im Büro des Verwaltungsdirektors und ließ den üblichen Sermon mehr oder weniger geduldig über sich ergehen.

»Sie sind wohl vom wilden Affen gebissen, Kersten! Oder ist Ihnen vielleicht etwas auf den Kopf gefallen? Ein Dachziegel oder ein abgestürzter Lämmergeier womöglich? Und die paar Tassen, die Sie noch im Schrank hatten, sind nun auch kaputt?«

»Nicht, dass ich wüsste«, erwiderte der Notarzt gelassen. Er kannte diese Prozedur ja bereits. Direktor Rohrmoser tat selbst dann so, als ob die Welt untergehen würde, wenn man ihn bloß um ein zusätzliches Päckchen Heftpflaster für zwei fünfzig bat.

»Es wäre ja nicht für immer. Nur so lange, bis sie etwas Passendes gefunden hat.«

»Nicht für immer, nicht für immer!«, äffte Direktor Rohrmoser ihn nach. »Selbst dann, wenn es nur für ein Jahr oder auch nur ein halbes Jahr wäre, so würde das meine ... unsere Klinik in den Ruin treiben. Die Maus würde uns den Faden abbeißen, es wäre Ende im Gelände, wir wären alle arbeitslos, und mein ... unser schönes Krankenhaus würde womöglich zu einer öffentlichen Bedürfnisanstalt umgebaut werden.«

»Das wäre aber eine ziemlich große Bedürfnisanstalt«, ätzte Peter.

Emil Rohrmoser zuckte mit den Schultern und grinste schief.

»Es gibt ja auch massenhaft Bedürftige in dieser Stadt.«

»Sie übertreiben wieder einmal maßlos, Direktor.« Peter schüttelte den Kopf. »Eine Reinigungskraft, die gelegentlich auch Behandlungsprotokolle abtippt, wird ja wohl kein Jahresgehalt von einer Million bekommen, oder?«

»So weit käme es noch!«, echauffierte Emil Rohrmoser sich. »Ein Jahresgehalt von einer Million, davon bin selbst ich meilenweit, besser gesagt, etliche Nullen weit entfernt. Und wozu brauchen Sie überhaupt eine Putze mit Tippkenntnissen? Der Putztrupp reinigt jede Abteilung zweimal täglich gründlich und für das kleine Malheur zwischendurch haben wir unser Frau Dragica. Behandlungsprotokolle tippen können Sie selbst. Das gehört mit zu Ihren Aufgaben.«

»Darum geht es ja gar nicht«, seufzte Peter. »Die junge Frau ist in einer üblen Zwangslage. Sie muss ihren derzeitigen Wohnort überstürzt verlassen und hat hier in Frankfurt weder eine Wohnung noch hat sie eine abgeschlossene Berufsausbildung. Es wäre ja nur für so lange, bis ...«