1,99 €
In einer Welt, die von Perfektionismus und ständiger Selbstoptimierung geprägt ist, fühlt sich Ella wie eine Fremde. Sie lebt ein graues Leben, gefangen in den starren Regeln von Büro und Alltag, während ihr Verlangen nach etwas anderem etwas Radikalem, Befreiendem in ihr wächst. Sie taucht ein in die dunklen Tiefen des Internets, wo sie auf eine Gemeinschaft stößt, die ihre geheimsten Sehnsüchte teilt: den Zirkel.Unter der Anleitung des geheimnisvollen "Wächters" beginnt Ellas Reise der Selbsterforschung. Sie erforscht die Grenzen von Macht und Unterwerfung, von Scham und Akzeptanz. Ihr Weg führt sie zur "Weißen", einem radikalen Ritual der Hingabe, das alles verändern wird. Es ist kein Akt der Demütigung, sondern eine heilige Zeremonie der Reinigung.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 48
Veröffentlichungsjahr: 2025
Ellas Erwachen
Eine erotische Geschichte über die Freiheit in der Hingabe
von Kitty Rogue
Verantwortlich für den Inhalt nach § 5 TMG und § 55 RStVKitty Rogue c/o COCENTER Koppoldstraße 1 86551 Aichach Deutschland E-Mail: [email protected]
© 2025 Kitty Rogue. Alle Rechte vorbehalten.
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Die Figuren, Ereignisse und Handlungen in diesem Buch sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Der Wecker summte. Nicht schrill, nicht aufdringlich, sondern ein monotones, digitales Brummen, das schon vor dem ersten Blick auf die roten Zahlen eine diffuse Gereiztheit in Ellas Magen grub. 6:42 Uhr. Achtzehn Minuten vor dem offiziellen Zeitpunkt, an dem der Tag sie fordern würde. Sie lag still, die Augenlider geschlossen, und lauschte. Dem Brummen des Weckers. Dem leisen Rauschen des Kühlschranks aus der winzigen, offenen Küche. Dem fernen, unveränderlichen Geräusch der Stadt, das noch nie, an einem einzigen Tag, auch nur für eine Sekunde verstummt war.
Die Decke über ihr war weiß. Nicht ein frisches, sonniges Weiß, sondern das stumpfe, schmutzige Weiß von Mietskasernen in Städten, die zu groß für ihre Bewohner sind. Ein Riss zog sich von der Ecke zur Lampe, wie eine Narbe, die niemand je zu heilen versucht hatte. Sie kannte jeden Millimeter dieses Risses. Sie kannte den Fleck an der Wand, wo vor drei Jahren eine Kerze heruntergefallen war. Sie kannte den Geruch von abgestandenem Kaffee und der billigen Lufterfrischerer-Fichte, mit der sie versuchte, ihn zu übertünchen.
Langsam, Glied für Glied, setzte sie sich auf. Ihr Körper fühlte sich fremd an. Schwach. Ein ausgemergeltes Gefäß für eine Seele, die immer weiter schrumpfte. Im Spiegel auf dem Schrank sah sie eine blasse Frau mit dunklen Augenringen und Haaren, denen es an Farbe mangelte. Ella, dachte sie, und der Name klang wie das Wort für eine leere Schachtel.
Die Arbeit war das Gleiche wie gestern und vorgestern. Ein offenes Büro, eine Symphonie aus Tastaturklappern, leisem Telefonieren und dem ununterbrochenen Summen der Klimaanlage. Sie saß an ihrem Platz, sortierte Rechnungen, gab Daten in ein System ein, dessen Sinn sie nicht verstand. Ihre Kollegen tauschten Smalltalk über das Wochenende, Fernsehsendungen und geplante Urlaube aus. Ella nickte und lächelte an den richtigen Stellen. Ihre Lippen fühlten sich dabei wie gummiartige Fremdkörper an. Sie war unsichtbar. Ein Geist, der durch ein Leben schlich, das nie ihres gewesen war.
Die Mittagspause verbrachte sie allein, mit einem Salat, dessen Blätter bereits welk wirkten, auf einer Bank im nahegelegenen Park. Sie beobachtete die anderen Menschen. Mütter mit Kinderwagen, die gestresst und gleichzeitig selig wirkten. Paare, die Händchen haltend vorbeigingen, ihre Köpfe zueinander geneigt. Männer in Anzügen, die hektisch telefonierten. Sie alle schienen zu funktionieren. Sie alle schienen zu wissen, wie es ging. Dieses Leben. Dieses Atmen. Dieses Sein.
Am Abend kam sie in ihre kleine Wohnung zurück, warf ihre Jacke über einen Stuhl und schloss die Tür ab, als würde sie damit auch die Welt draußen einsperren. Stille. Die einzige Zeit, in der sie atmen konnte. Sie machte sich einen Tee, den sie nicht trank, und setzte sich vor ihren Laptop.
Ihre Finger flogen über die Tastatur, zögerlich zuerst, dann mit einer gewissen, verzweifelten Gewissheit. Sie öffnete den Inkognito-Modus. Das kleine Symbol mit dem Hut und der Brille war ihr treuer Begleiter, ihr Einlass in die einzige Welt, in der sie sich nicht leer fühlte. Die URLs, die sie eintippte, wurden zu einem Mantra aus Buchstaben und Zahlen, einem Pfad, der sie immer tiefer in den Wald ihrer eigenen Seele führte, hinweg von der grauen Realität.
Bilder. Videos. Foren, in denen anonyme Namen ihre dunkelsten Gedanken austauschten. Es war hier nicht um Romantik oder Zuneigung ging. Es ging um Macht. Um Hingabe. Um die radikale, absolute Aufgabe von Kontrolle. Sie las die Berichte von Frauen, die sich als Objekte bezeichneten, als Gefäße, als reine Empfängerinnen für die Begierde anderer. Sie las über die Demütigung, die nicht als Strafe, sondern als Gnade beschrieben wurde. Als eine Art der Reinigung.
Ein Schauer lief ihr über den Rücken, eine Mischung aus Scham und einer Erregung, die so intensiv war, dass sie körperlich schmerzte. Sie drückte die Oberschenkel fest zusammen. In dieser Welt war sie nicht mehr die blasse, unsichtbare Ella vom Buchhaltungsbüro. Hier war sie ein potenzielles Subjekt. Ein Verlangen in Fleisch und Blut. Eine Idee, die Macht ausübte, indem sie sich ihr völlig unterwarf.
Sie schloss den Laptop. Das Bild auf dem dunklen Bildschirm war ein verzerrtes Spiegelbild ihres eigenen Gesichts. Sie sah die gleichen dunklen Ringe, die gleichen blassen Lippen. Aber für einen kurzen Moment, nur den Bruchteil einer Sekunde, glaubte sie, in ihren Augen etwas anderes zu erkennen. Nicht Leere. Sondern ein winziges, gefährliches Funkeln. Der Funke eines Wunsches, der zu groß war für ihr kleines, graues Leben. Und dieser Wunsch hatte einen Namen bekommen, auch wenn sie sich noch nicht traute, ihn auszusprechen.
Die nächsten Tage waren ein Nebel. Ella funktionierte. Sie aß. Sie schlief. Sie ging zur Arbeit. Aber ihre Gedanken waren woanders. Sie spielten die gelesenen Worte, die gesehenen Bilder immer und immer wieder ab. Jedes Klingeln des Telefons im Büro war ein Schock, jedes Lachen ihrer Kollegen eine fremde Sprache. Sie war nicht mehr Teil dieser Welt. Sie war eine Spionin, die in feindlichem Territorium agierte, mit einem gefährlichen Geheimnis im Herzen.
