H. C. Hollister 83 - H.C. Hollister - E-Book

H. C. Hollister 83 E-Book

H. C. Hollister

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Beschreibung

Wyoming, das in jener Zeit oftmals als "Büffelstaat" bezeichnet wurde, ist von Rinderleuten erschlossen und den Indianern abgetrotzt worden. Wenig später wird das Land aber auch in der Schafzucht auf einem der vordersten Plätze in den Vereinigten Staaten liegen - und das, obwohl die Abneigung der Rinderleute gegen Schafe schon beinahe zur Legende geworden ist.
Der Anfang dieser Entwicklung fällt zusammen mit der Geschichte eines Mannes namens Derek Clinton, der als erster eine Schafherde über die Berge von Utah nach Wyoming trieb, um dort, im Manitou-Valley, ein umstrittenes Erbe anzutreten. Sie ist zugleich die Geschichte eines Kampfes gegen jene Banditen, Desperados und Geächteten, die im benachbarten Yellowstone-Land Zuflucht gefunden hatten und von dort aus ihre Raubzüge unternahmen.
Die Story der Clinton-Mannschaft, ihr Kampf gegen scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten, gegen Intrigen, Vorurteile und brutale Gewalt ist ein Abenteuerroman im besten Sinne.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

MANITOU-VALLEY

Vorschau

Impressum

MANITOU-VALLEY

Wyoming, das in jener Zeit oftmals als »Büffelstaat« bezeichnet wurde, ist von Rinderleuten erschlossen und den Indianern abgetrotzt worden. Wenig später wird das Land aber auch in der Schafzucht auf einem der vordersten Plätze in den Vereinigten Staaten liegen – und das, obwohl die Abneigung der Rinderleute gegen Schafe schon beinahe zur Legende geworden ist.

Der Anfang dieser Entwicklung fällt zusammen mit der Geschichte eines Mannes namens Derek Clinton, der als erster eine Schafherde über die Berge von Utah nach Wyoming trieb, um dort, im Manitou-Valley, ein umstrittenes Erbe anzutreten. Sie ist zugleich die Geschichte eines Kampfes gegen jene Banditen, Desperados und Geächteten, die im benachbarten Yellowstone-Land Zuflucht gefunden hatten und von dort aus ihre Raubzüge unternahmen.

Die Story der Clinton-Mannschaft, ihr Kampf gegen scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten, gegen Intrigen, Vorurteile und brutale Gewalt ist ein Abenteuerroman im besten Sinne.

Sie kommen über den Gebirgszug wie eine graue blökende Masse, die sich zwischen den Felsen und Bäumen zu einer langen Kette auseinandergezogen hat. Und sie sind schon aus der Entfernung an ihrem Geruch zu erkennen, einem Geruch, der jedem Rindermann verhasst ist: Die unverkennbare Ausdünstung von Schafen, die lange Zeit nicht durch die Schwemmrinne getrieben worden sind.

Männer reiten an der Spitze dieser wolligen Kolonne und an ihrem Ende. Die Flanken aber werden in der Finsternis dieser Neumondnacht von Wyoming von noch dunkleren Schatten bewacht, die hechelnd dahinjagen, drohend knurren oder auch einmal rasch zuschnappen, wenn irgendwo eine Stockung einzutreten droht. Sofort ist dann Bewegung zu erkennen. Aus dem behäbigen Trott der Schafe wird ein hastiges Trappeln und Vorwärtsstolpern, um dem zähnefletschenden Wächter zu entkommen.

An der Spitze reitet Enrique Navarro. »Die verteufelten Felsen nehmen überhaupt kein Ende, Señor Dutch«, sagt er mit hartem mexikanischem Akzent. »Und dann diese Finsternis. Ob der Patron sich die Strecke auch wirklich genau angesehen hat?«

Dutch Vandenberg, ein untersetzter Mann mit einem roten, gesunden Gesicht, hat den Kragen seiner karierten, gefütterten Mackinaw-Jacke hochgestellt, um seine empfindliche Haut vor dem schneidenden Wind zu schützen, der von den eisigen Zinnen der Tetons herabstreicht. Etwas schwerfällig schüttelt er den Kopf und wendet dem in einen wollenen Poncho gehüllten Mexikaner das Gesicht zu.

»Wenn der Boss sagt, dass eine Strecke für die Schafe gangbar ist, kannst du dich darauf verlassen, dass wir es auch in der Dunkelheit schaffen können, Enrique. Viel mehr Kummer bereitet mir die Frage, ob Juanito mit dem Wagen auch die richtige Stelle findet. Wenn wir erst sein Campfeuer als Richtpunkt haben, ist der Abstieg nur noch halb so schwer.«

»Paciencia, Caporal – nur Geduld, Vormann«, kichert Enrique Navarro. »Juanito hat die Augen einer Raubkatze und die Nase eines Bergwolfs. Er wird die Senke auch in der Nacht finden und uns ein Zeichen geben.«

»Ich hoffe es, Muchacho, ich hoffe es«, erwidert der Vormann mit besorgtem Nicken. »Vorläufig schleichen wir uns erst einmal durch die Hintertür ins Manitou-Valley, damit es nicht gleich bei unserem Erscheinen Ärger mit den Rinderleuten gibt. Aah, an Derek Clintons Stelle hätte ich mir wahrhaftig noch einmal überlegt, ob ich diese merkwürdige Erbschaft antrete. Die Weide in Utah war zwar manchmal miserabel, aber dafür gab es dort auch keinen Verdruss mit großspurigen Cattlemen.«

Plötzlich ist von hinten Hufgetrappel zu hören, ein Pferd, das im Trab geht und sich dabei immer dicht neben der langgezogenen Kette von Schafen hält. Dann taucht »El Moro« auf, »der Maure«, wie er in der kleinen Crew kurz genannt wird, weil niemand den wirklichen Namen dieses hageren Mannes kennt. In Wirklichkeit ist El Moro Mexikaner, doch sein Aussehen mit dem schmalen Bärtchen auf der Oberlippe und dem kurzgestutzten Spitzbart am Kinn erinnert tatsächlich an einen Sarazenen. Seit einem halben Jahr bereits gehört er zur Clinton-Mannschaft.

»Caporal, lobos«, sagt er auf Spanisch mit einer angenehmen Baritonstimme. »Wölfe! Ich habe ihre Lichter in der Dunkelheit gesehen. Die Hunde sind schon ganz aufgeregt. Enrique sollte zurückbleiben, damit wir die Bergflanke besser bewachen können.«

»Und wo steckt Tonio?«, erkundigt sich der Vormann.

»Zwei Mutterschafe haben schon unterwegs gelammt«, erwidert der Mexikaner unbewegt. »Toni hat geholfen und die beiden Lämmer zu sich in den Sattel genommen. Er ist nicht beweglich genug, wenn wir die Wölfe verjagen müssen.«

»Bueno«, nickt Dutch Vandenberg und gibt Enrique Navarro einen Wink. »Aber haltet um Himmels willen die Hunde zurück. Wir können uns nicht erlauben, dass einer von ihnen beim Kampf verletzt oder getötet wird.«

Kurze Zeit später entdeckt der Vormann einen roten Lichtpunkt und atmet erleichtert auf. Und da ist auch schon die Kerbe, die durch einen Felssturz entstanden ist und durch welche sie nach Derek Clintons Anweisung den Abstieg bewerkstelligen sollen.

Aus dem roten Lichtpunkt ist inzwischen ein deutlich erkennbares Campfeuer geworden. Dann kommt bereits Juanito auf einem ungesattelten Maultier der Herde entgegen, schwingt mit einer ausholenden Bewegung seinen zerfransten Sombrero und ruft grinsend:

»Buenas noches, Caporal. Ich warte schon seit einer Stunde. Alles in Ordnung?«

»Piojo chico«, grunzt Dutch Vandenberg, was wörtlich übersetzt so viel wie »kleine Laus« bedeuten würde. Denn Juanito ist erst knapp über das Halbwüchsigenalter hinaus, findet aber besonderes Vergnügen daran, wegen seiner Kochkünste sogar dem Vormann gegenüber eine gewisse wohlwollende Überlegenheit zur Schau zu tragen.

»Die Senke ist groß genug«, verkündet Juanito und deutet über die Schulter zurück. »Es gibt sogar Wasser und viel Gras. Die ovejas werden sich ausruhen können, und die sopa ist auch schon fertig.«

»Ist der Patron schon hier gewesen?«, erkundigt sich Dutch Vandenberg.

»Noch nicht«, zuckt der Mexikaner mit den Achseln. »Er hat mir heute Mittag den Weg erklärt und ist dann zur Stadt geritten. Ich glaube, er will herausfinden, ob wir mit Ärger zu rechnen haben.«

»Das hätte ich ihm auch ohne diesen Erkundungsritt verraten können«, entgegnet der Vormann gallig. »Schließlich sitzen im Manitou-Valley bisher nur Rinderleute auf ihren Ranches, und soweit man hört, ist es hier schon ziemlich rau zugegangen.«

»Also, dann hilf den anderen, damit wir die Herde in die Senke bringen.«

Eine Viertelstunde später ist es dann so weit. Ein Strom von annähernd zweitausend blökenden Schafen trottet in die Senke und kommt dort zur Ruhe. Tonio Las Torres, ein grauhaariger Schäfer, ruft die Hunde zu sich heran und reitet zum Feuer, sitzt dort ab und lässt die beiden zu früh geborenen Lämmer frei, die er, in eine Decke gehüllt, vor sich auf dem Sattel gehalten hatte, während die beiden dazugehörigen Mutterschafe mit kläglichem Blöken in einigem Abstand verharren, weil sie sich nicht zu den Hunden herantrauen. Die Lämmer stehen unterdessen auf staksigen Beinen, starren zu den Flammen hinüber und rühren sich nicht von Tonio fort. Sie hatten in den vergangenen Stunden genügend Zeit, seine Witterung aufzunehmen, und scheinen ihn jetzt für ihre Mutter zu halten, bis der Mexikaner sie mit sanfter Gewalt zu ihren wirklichen Müttern hinüberschiebt.

Juanito hat dieses Camp und auch den Seilkorral für die Gespannmaultiere und die wenigen Reservepferde an einem schmalen Rinnsal errichtet. Sobald die Männer abgesattelt und sich gewaschen haben, drängen sie sofort zum Feuer, über dem an einem eisernen Dreibein ein großer, rußgeschwärzter Topf hängt. Genussvoll leckt sich Enrique Navarro die Lippen, als er seinen Schlag erhält, und sogar Dutch Vandenberg ringt sich ein anerkennendes Nicken ab, als er gekostet hat. Auf diesem Gebiet ist Juanito zweifellos ein Naturtalent, ein begnadeter Künstler. Öfter als einmal hat El Moro bereits behauptet, dass es in erster Linie Juanitos Kochkunst sei, die ihn an diese »verlauste« Schafmannschaft fesselt.

Die Mahlzeit verläuft in ehrfürchtigem Schweigen. Nicht nur der Topf wird geleert, sondern nach und nach verschwindet auch der Stapel von Specktortillas, den Juanito in einer Pfanne neben dem Feuer aufgetürmt hat. Anschließend glühen die cigarros.

Dann rollen sich die Männer in ihre Decken, und El Moro übernimmt die erste Wache.

Mitternacht rückt immer näher. El Moro hebt plötzlich den Kopf und lauscht. Nur schwach, aber doch unverkennbar, trägt der Wind ein drohendes Grollen herüber. El Moro streift die Decke von seinen Schultern und springt auf die Füße. Schon ist die wachsende Unruhe zu spüren, die sich in der Herde ausbreitet.

»Was gibt es?« Dutch Vandenberg scheint selbst im Schlaf noch über einen sechsten Sinn für drohende Gefahren zu verfügen, denn er richtet sich auf einen Ellenbogen auf.

»Wölfe, denke ich«, gibt der hagere Mexikaner gedämpft zurück. »Ich werde sofort nachsehen.«

Er greift nach seinem langläufigen Revolver, den er, mit dem Kolben nach vorn, in einem tiefsitzenden Halfter trägt.

»Warte, ich komme mit.« In einem Schwung streift Dutch Vandenberg seine Decken zurück, zerrt die Stiefel an die Füße und schnappt nach der doppelläufigen Parker-Flinte, die an seinem Sattel lehnt. Im selben Moment jedoch sind bereits ein geiferndes Jaulen zu hören, zorniges Gebell und dann ein wildes Heulen, das zweifellos nicht aus der Kehle eines Hundes stammt. El Moro rennt los, und der Vormann stürmt etwas schwerfälliger hinterher.

Es ist in der Dunkelheit nicht einfach, den Schauplatz des Getümmels zu finden.

»Cäsar, Blondie, Flip – zurück!«, brüllt Dutch Vandenberg schon von weitem, als er die Schatten bemerkt, die dort vor den Büschen in eine wilde Balgerei verwickelt sind. Schussbereit hält er die Flinte an der rechten Hüfte im Anschlag, doch schießen kann er nicht, denn es ist zu dunkel, um Hunde und Bergwölfe voneinander zu unterscheiden.

Dutch Vandenberg hat die Flinte an die Schulter gerissen, als er bemerkt, dass die beiden Parteien sich voneinander lösen. Kurz nacheinander dröhnen zwei Schrotschüsse, und der grobe Rehposten findet sein Ziel. Einer der Schatten macht einen großen Luftsprung und bricht zusammen, während dicht daneben ein anderer sein schauriges Geheul ertönen lässt und sich mehrfach um seine eigene Achse dreht, ehe er zu Boden sinkt.

Aber noch immer sind zwei Schatten ineinander verkeilt, keuchen, schnappen oder stoßen ein gieriges Winseln aus, während sie sich gegenseitig an der Kehle zu packen versuchen. An dem etwas helleren Fell glaubt der Vormann Brutus zu erkennen, den schlimmsten Raufbold, aber auch den grimmigsten Kämpfer unter den Wolfshunden, der sich hier in einen der Angreifer verbissen hat. An einen Schuss ist nicht zu denken, und so rennt Dutch Vandenberg vorwärts, um die anderen Hunde zurückzutreiben, die jetzt ebenfalls Anstalten machen, in dieses Gefecht einzugreifen.

Doch El Moro ist schneller. Dicht neben den beiden Kämpfern, die ihn bis jetzt noch gar nicht bemerkt zu haben scheinen, taucht er auf. Zwei-‍, dreimal muss er zupacken, ehe er den richtigen erwischt. Der Vormann sieht gelbe Reißzähne blitzen, als der Kopf des Grauwolfs herumfährt, um nach dem Arm zu schnappen, der ihn beim Genick gepackt hält. Im letzten Sekundenbruchteil schlägt El Moro zu. Mit vernichtender Kraft schmettert sein Revolverlauf hinab, dem Räuber genau über den Schädel. In diesem Moment hat auch Brutus seine Chance erfasst und packt zu. Wie stählerne Klammern umschließen seine Kiefer mit dem kräftigen Gebiss, das dem eines echten Wolfes kaum nachsteht, die Kehle des Graurocks. Noch einmal schlägt El Moro mit dem schweren Lauf zu, diesmal quer über das Rückgrat des Wolfs. Der Räuber sinkt schlaff in sich zusammen. Mit einem weiteren Schuss bereitet El Moro seinen Qualen ein Ende, während Dutch Vandenberg den gierig jaulenden Brutus am Nackenfell zurückzerrt.

»Santa Madre«, keucht El Moro und wischt sich die Hand an der Hose ab, »gleich drei auf einmal, das haben wir ja noch nie erlebt!«

»Sie waren ausgehungert durch den langen Winter«, gibt der Vormann grimmig zurück und deutet auf die Kadaver. »Sieh dir nur an, wie mager sie sind.«

Nach einer Weile tritt im Camp wieder Ruhe ein. Dutch Vandenberg ist gerade dabei, seine Stiefel von den Füßen zu streifen, als er mit einem abgerissenen Fluch wieder emporfährt.

Der Grund ist der Hufschlag zweier Pferde, die sich aus nordöstlicher Richtung nähern. Grölende Männerstimmen sind zu vernehmen, und gleich darauf setzt das zornig-heisere Gebell Cäsars ein. Da ist die ganze Mannschaft im Nu wieder auf den Beinen.

✰✰✰

Andy Hopkins und Ward Mire, zwei Weidereiter der Dungrave-Ranch, sind auf dem Heimweg von Buffalo Springs zu ihrer Ranch. Es ist Samstagabend. Dass die beiden heute früher aufgebrochen sind, liegt zweifellos an ihrem Zustand. Sie haben gerade noch ausreichend klaren Verstand zu der Erkenntnis aufbringen können, dass sie wenig später wohl überhaupt nicht mehr in der Lage gewesen wären, in die Sättel zu klettern. Doch auch so schwanken sie bedenklich und überlassen es ihren Pferden, sich selbst den Weg zu suchen.

Was sie selbst für einen bemerkenswert wohlklingenden Gesang halten, ist in Wirklichkeit ein grauenvoller Chor. Im Augenblick grölen sie den wunderschönen Gassenhauer von Oklahoma-Joe, der in die Fremde zog und seine Heimat nie-hie-hie mehr wiedersah, weil er fern am Missouri sein küh-hü-les Grab gefunden hatte. Der Gedanke an dieses traurige Schicksal bringt sogar die beiden Sänger selbst beinahe zu rührseligem Schluchzen, bis Andy Hopkins seinen Braunen zum Stehen bringt, ein riesenhaftes Taschentuch hervorzieht und sich hingebungsvoll die Nase schnäuzt. In diesen hallenden Trompetenton mischt sich das dumpfe Krachen eines Schrotschusses, dem gleich darauf ein zweiter folgt, ehe auch noch das hellere Peitschen zweier Revolverschüsse zu ihnen herüberdringt.

Ernüchtert zieht Ward Mire die Zügel an und greift zum Mund, als ihm ein Schluckauf entfährt.

»Hast du – hick – das gehört?«, keucht er mit einer unsicheren Bewegung. »D-d-a ballert jemand in der Nacht herum.«

»Zwei Jemands«, berichtigt Andy Hopkins und hebt dazu belehrend zwei Finger. »Ob sie sich gegenseitig totgeschossen haben?«

»Vielleicht«, erwidert sein Partner mit Grabesstimme. »Und j-j-etzt liegen sie da ... st-stumm und starr wie Oklahoma-Joe. Ich sage dir, es ist Christenpf-pflicht, sich um diese armen Hunde zu kümmern.«

»Stopp, Partner«, würgt Andy Hopkins mit schwankender Stimme hervor. »Ich s-s-age dir, diese Sache ist faul. Sie stinkt geradezu ...«

»Stinkt ..., wiederholt Ward Mire, hin und her schwankend. »Ob du es glaubst oder nicht – es stinkt nach Schafen. Und dabei weiß ich doch genau, dass ich mir das alles bloß einbilde ...«

»Einbilden?«, keucht Andy Hopkins und treibt sein Pferd noch einige Schritte weiter vor. »Da – ist das Einbildung oder eine Schafherde? Und das Campfeuer dort hinten? Ist das etwa auch Einbildung?«

Im selben Augenblick kommt von der Seite her Cäsar herangehetzt, entblößt mit drohendem Grollen die Reißzähne und stimmt jäh ein heiseres Bellen an, sodass die Pferde erschreckt zur Seite ausbrechen und nervös zu tänzeln beginnen.«

»Ein Wolf!«, ächzt Ward Mire. »Großer Lord, das ist ja fast ein richtiger Wolf!«

Aber da hat Andy Hopkins bereits den Revolver aus dem Halfter gerissen und feuert einen raschen Schuss ab.

Es ist kein Wunder, dass er bei seinem ersten Schuss in der Dunkelheit sein Ziel verfehlt hat. Aber zu einem zweiten kommt er nicht mehr. Mit infernalischem Grollen schnellt ein Schatten durch die Luft. Grüne Lichter funkeln den Weidereiter aus nächster Nähe an, und er glaubt den Höllenatem zu spüren, der einem weit aufgerissenen Rachen entströmt. Gelbe Reißzähne blitzen ihm entgegen. Mit den Pfoten setzt Cäsar an der Flanke des Pferdes auf. Ein entsetzlicher Schrei entringt sich Andy Hopkins' Kehle, als er den Arm emporreißt. Nur so kommt es, dass Cäsars zuschnappende Kiefer seinen Arm nicht voll zu packen bekommen. Andy spürt einen Schmerz, als die Zähne den Jackenärmel durchdringen und ihm die Haut am Unterarm aufreißen. Die Waffe fällt ihm aus der Hand. Dann geht mit einem knirschenden Geräusch der Stoff in Fetzen, und plötzlich fehlt der halbe Ärmel an der Jacke des Weidereiters.

Mit der Linken muss er nach dem Sattelhorn greifen, als sein Pferd sich aufbäumt. Cäsar ist wieder zurückgefallen und gleitet vor den herabprasselnden Hufen geschmeidig zur Seite.

Vom Camp her nähern sich in ausgeschwärmter Kette die Schatten von Männern. Ein Schrotschuss dröhnt auf. Der grobe Rehposten faucht hoch über die Köpfe der beiden Weidereiter hinweg. Es handelt sich ganz offensichtlich um einen Warnschuss. Aber Ward Mire und besonders Andy Hopkins haben in ihrer jähen Ernüchterung schon genug, sie reißen ihre Pferde herum und jagen davon, als ob ihnen die Hölle im Nacken säße.