Verlag: Heyne Verlag Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Schattenmond E-Book

Nora Roberts  

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E-Book-Beschreibung Schattenmond - Nora Roberts

Lana und Max verbindet eine große und außergewöhnliche Liebe. Als eine weltweite Seuche ausbricht und New York innerhalb kürzester Zeit ins Chaos stürzt, fliehen sie aus der Stadt und gründen mit Gleichgesinnten die Gemeinschaft New Hope. Doch auch hier rückt die Gefahr dem Paar bedrohlich nahe. Lana setzt alles daran, dem Inferno zu entkommen, denn sie trägt inzwischen ein Kind unter dem Herzen, die »Auserwählte«, ihre zukünftige Tochter, die als Einzige in der Lage sein wird, dem Leid der Menschheit ein Ende zu setzen.

Meinungen über das E-Book Schattenmond - Nora Roberts

E-Book-Leseprobe Schattenmond - Nora Roberts

Das Buch

Eine verheerende Pandemie hat bereits ein Drittel der Weltbevölkerung ausgelöscht, nur wenige Menschen sind immun oder noch nicht erkrankt. Lana und Max fliehen aus New York und suchen nach einem sicheren Ort, zunächst in Pennsylvania, wo sich Eric, der Bruder von Max, mit Freunden in einem großen Anwesen verschanzt hat. Einige der Überlebenden der Seuche entwickeln magische Fähigkeiten, und schwarze und weiße Magie stehen sich feindlich gegenüber. Als sich Eric, der der schwarzen Magie verfallen ist, gegen Max und Lana stellt, fliehen die beiden erneut und erreichen die von Gleichgesinnten gegründete Gemeinschaft New Hope. Doch dann überfallen Eric und seine Gang New Hope und Lana, die inzwischen schwanger ist, verlässt alleine die neue Gemeinschaft, um ihr ungeborenes Kind zu retten.

Pressestimmen

»Ein schneller, faszinierender und provozierender Roman.« Kirkus »Nora Roberts weiß, wie man einen Bestseller schreibt!« Publishers Weekly

Die Autorin

Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt. Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von 500 Millionen Exemplaren überschritten. Mehr als 195 Titel waren auf der New-York-Times-Bestsellerliste, und ihre Bücher erobern auch in Deutschland immer wieder die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Mehr Informationen über die Autorin und ihr Werk finden sie hier.

Besuchen Sie die Autorin auf www.noraroberts.com

Nora Roberts

Schattenmond

Roman

Die Originalausgabe YEAR ONE (Chronicles of The One, Book 1)erschien 2017 bei St. Martin’s Press, New York Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Vollständige deutsche Erstausgabe 09/2018 Copyright © 2017 by Nora Roberts Published by Arrangement with Eleanor Wilder Copyright © 2018 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München Umschlaggestaltung: Eisele Grafik Design, München Satz: GGP Media GmbH, Pößneck ISBN: 978-3-641-22482-0V001www.heyne.de

Widmung

Für Logan, für den Rat

Inhalt

ERSTER TEILDas Verderben

ZWEITER TEILFlucht

DRITTER TEILÜberleben

VIERTER TEILAus der Finsternis ans Licht

ERSTER TEIL

DAS VERDERBEN

Es ist die leise, schwache Stimme, auf die die Seele hört, nicht das betäubende Getöse des Untergangs.

– William Dean Howells

Kapitel 1

Dumfries, Schottland

Als Ross MacLeod abdrückte und den Fasan herunterholte, konnte er nicht ahnen, dass er damit sich selbst getötet hatte. Und Milliarden andere.

An einem kalten, feuchten Tag, dem letzten Tag des Jahres, das sein letztes werden sollte, ging er mit seinem Bruder und seinem Cousin zur Jagd, überquerte unter einem blassblauen Winterhimmel das unter seinen Schritten knackende, reifbedeckte Feld. Er fühlte sich gesund und fit, ein Mann von vierundsechzig Jahren, der dreimal die Woche zum Training ging und ein leidenschaftlicher Golfer war (was sich in einem Handicap von neun zeigte).

Mit seinem Zwillingsbruder Rob hatte er in New York und London ein erfolgreiches Marketingunternehmen aufgebaut, das sie noch immer leiteten. Seine Frau, mit der er seit neununddreißig Jahren verheiratet war, und die Ehefrauen seines Bruders Rob und ihres Cousins Hugh waren in dem bezaubernden alten Farmhaus geblieben.

Die Frauen zogen es vor, am prasselnden offenen Kamin, in dem immer ein Kessel mit Wasser hing, zu kochen und zu backen und sich mit der bevorstehenden Silvesterparty zu befassen.

Die Männer stapften derweil gut gelaunt in ihren Gummistiefeln über den Acker.

Die MacLeod-Farm, seit mehr als zweihundert Jahren vom Vater an den Sohn weitergegeben, war über achtzig Hektar groß. Hugh liebte sie fast so sehr, wie er seine Frau, seine Kinder und seine Enkel liebte. Im Osten zogen sich hinter dem Feld, über das sie schritten, ferne Hügel am Horizont entlang. Und nicht allzu weit im Westen wogte die Irische See.

Die Brüder unternahmen viele Reisen zusammen mit ihren Familien, doch der alljährliche Trip zur Farm war stets und für alle das Highlight. Als Jungen hatten sie im Sommer oft einen ganzen Monat auf der Farm verbracht, waren mit Hugh und seinem Bruder Duncan über die Felder gerannt – Duncan, der nun tot war, weil er sich dafür entschieden hatte, Soldat zu werden. Ross und Rob, die Jungen aus der Stadt, hatten sich immer für die Arbeit auf der Farm begeistert, die ihnen ihr Onkel Jamie und ihre Tante Bess aufgetragen hatten.

Sie hatten gelernt, zu angeln, zu jagen, Hühner zu füttern und Eier einzusammeln. Und sie hatten zu Fuß und auf dem Pferd Wald und Flur durchstreift.

Oft waren sie in dunklen Nächten aus dem Haus geschlichen und zu eben dem Feld gelaufen, über das sie nun gingen, um geheime Treffen abzuhalten und in dem kleinen Steinkreis, den die Einheimischen sgiath de solas, Schild des Lichts, nannten, die Geister zu beschwören.

Es war ihnen nie gelungen, und sie hatten auch nie die Geister oder Feen angetroffen, die nach der Überzeugung kleiner Jungen in den Wäldern hausten. Auch wenn Ross bei einem dieser mitternächtlichen Abenteuer, als die Luft komplett stillzustehen schien, einmal schwor, er habe eine dunkle Präsenz gespürt, das Rauschen von Flügeln gehört und sogar einen schlecht riechenden Atem wahrgenommen.

Und er habe gespürt – das ließ er sich nie ausreden –, dass dieser Atem in ihn eingedrungen sei.

In jugendlicher Panik war er wie wild aus dem Kreis geflohen und hatte sich dabei an einem Stein die Hand aufgekratzt.

Ein einziger Tropfen seines Blutes fiel auf die Erde.

Heute lachten und scherzten sie noch immer über jene längst vergangene Nacht und hielten diese Erinnerung hoch.

Als erwachsene Männer hatten sie ihre Frauen und dann ihre Kinder mit auf die Farm gebracht wie auf eine jährliche Wallfahrt, die am zweiten Weihnachtstag begann und am zweiten Januar endete.

Ihre Söhne und deren Frauen waren erst an diesem Morgen nach London abgereist, wo sie alle mit Freunden das neue Jahr begrüßen und sich noch einige Tage geschäftlich aufhalten würden. Nur Ross’ Tochter Katie, die im siebten Monat mit Zwillingen schwanger war, war in New York geblieben.

Sie plante ein Wiedersehensdinner für ihre Eltern, das jedoch nie stattfinden würde.

An diesem erfrischenden letzten Tag des Jahres fühlte sich Ross MacLeod so fit und voller Freude wie der Junge, der er damals gewesen war. Er wunderte sich nur über die Krähen, die rufend über dem Steinring kreisten, und den kurzen Schauer, der ihm den Rücken hinablief. Doch gerade, als er ihn abschüttelte, erhob sich der Fasan, ein flirrendes Farbenspiel vor dem blassen Himmel, in die Luft.

Ross riss die Flinte Kaliber zwölf hoch, die ihm sein Onkel geschenkt hatte, als er sechzehn geworden war, und folgte dem Flug des Vogels. Womöglich juckte der Handballen einen Augenblick lang, den er sich damals, vor mehr als fünfzig Jahren, aufgescheuert hatte, oder pulsierte noch einen Moment.

Trotzdem …

Er drückte ab.

Der Schuss zerriss die Stille, die Krähen kreischten auf, doch sie stoben nicht auseinander. Stattdessen löste sich eine aus der Gruppe, als wolle sie sich die Beute holen. Einer der Männer lachte, als der herabstoßende schwarze Vogel mit dem fallenden Fasan kollidierte.

Das tote Tier fiel genau in die Mitte des Steinkreises. Sein Blut besudelte den von Reif überzogenen Boden.

Rob legte eine Hand auf Ross’ Schulter, die drei Männer grinsten, und einer von Hughs aufgeweckten Labradors rannte los, um den Vogel zu apportieren. »Hast du die verrückte Krähe gesehen?«

Kopfschüttelnd lachte Ross noch einmal. »Die wird leider keinen Fasan zum Abendessen haben.«

»Aber wir«, sagte Hugh. »Das sind drei für jeden, genug für ein Festmahl.«

Die Männer sammelten ihre Vögel ein, und Rob zog einen Selfiestick aus seiner Tasche.

»Allzeit bereit.«

So posierten sie – drei Männer mit von der Kälte roten Wangen und alle drei mit den für die MacLeods typischen blauen Augen, bevor sie sich vergnügt auf den Weg zurück zur Farm machten.

Hinter ihnen sickerte das Blut des Vogels, wie von einer Flamme erhitzt, in den gefrorenen Boden ein. Und pulsierte, während der Schild zerbrach.

Die erfolgreichen Jäger marschierten vorbei an Feldern mit Wintergerste, die sich im leichten Wind bewegte, und an Schafen, die auf einem Hügel grasten. Eine der Kühe, die Hugh zur Mast hielt, muhte träge.

Während sie so ausschritten, wähnte sich Ross einen zufriedenen Mann, der auf der Farm im Kreise seiner Lieben ein Jahr beendete und ein neues begann.

Rauch stieg aus den Kaminen des gedrungenen Steinhauses auf. Als sie näher kamen, rannten die Hunde – sie hatten ihr Tagwerk getan – voraus, rauften und spielten. Die Männer kannten die Regeln und hielten auf eine kleine Scheune zu.

Hughs Millie, eine Bauerstochter und nun selbst Bäuerin, war unnachgiebig, wenn es um das Säubern von erlegtem Wild ging. Deshalb machten sie sich auf einer Bank, die Hugh eigens für diesen Zweck gezimmert hatte, daran, das selbst zu erledigen.

Sie unterhielten sich – über die Jagd, das bevorstehende Abendessen –, und Ross trennte mit einer scharfen Schere die Flügel des Fasans ab. Er säuberte ihn, wie es ihm sein Onkel beigebracht hatte. Einige Teile würden für eine Suppe Verwendung finden; sie wanderten in eine dicke Plastiktüte für die Küche. Andere landeten zur Entsorgung in einer weiteren Tüte.

Rob hob einen abgetrennten Kopf hoch und krächzte laut. Ross musste unwillkürlich lachen. Er schaute zu ihm hinüber und verletzte sich an einem gesplitterten Knochen den Daumen.

»Mist«, murmelte er und versuchte, mit dem Zeigefinger das Blut zu stoppen.

»Solltest du eigentlich wissen, dass man da aufpassen muss«, meinte Hugh leicht spöttisch.

»Jaja. Bin halt ein alter Trottel.« Als er die Haut zurückschob, vermischte sich das Blut des Vogels mit seinem.

Nach getaner Arbeit wuschen sie die Vögel in eisigem Wasser aus dem Brunnen und brachten sie ins Haus.

Die Frauen saßen in der großen Bauernküche, wo es herrlich nach Gebackenem roch und die Wärme des Feuers im Kamin Gemütlichkeit verbreitete.

Es kam Ross alles so anheimelnd vor – eine perfekte Szene, die sein Herz berührte. Er legte seine Vögel auf die breite Anrichte und umarmte seine Frau mit einer großen Geste, die sie zum Lachen brachte.

»Die Rückkehr der Jagdgenossen.« Angie gab ihm einen raschen, schmatzenden Kuss.

Hughs Millie mit ihrer hochgesteckten roten Lockenmähne begutachtete die Vögel und nickte anerkennend. »Genug für den Festbraten, und für die Party reicht es auch noch. Vielleicht sollten wir Fasanenpastetchen mit Walnuss machen. Ich weiß noch, dass du die gern magst, Robbie.«

Der klopfte sich grinsend auf sein Bäuchlein. »Vielleicht sollte ich losgehen und noch ein paar holen, damit die anderen auch alle was abbekommen.«

Robs Frau, Jayne, bohrte ihm einen Finger in den Bauch. »Da du allmählich etwas dick wirst, solltest du dir dein Essen erst verdienen müssen.«

»Genau«, stimmte Millie zu. »Hugh, du und die Jungs schafft den langen Tisch in die große Stube. Bringt auch die Spitzendecke meiner Mutter und die festlichen Kerzenständer mit. Und stellt noch ein paar Stühle aus dem Kämmerchen dazu.«

»Ganz egal, wo wir sie hinstellen, du willst sie ja doch wieder anderswo haben.«

»Dann fangt am besten gleich damit an.« Millie beäugte die Vögel und rieb sich die Hände. »Gut, Ladys, schmeißen wir die Männer raus und widmen uns dem Essen.«

Sie bekamen ihr Festmahl, gebratenen wilden Fasan, gewürzt mit Estragon und gefüllt mit Orangen, Äpfeln, Schalotten und Salbei, auf einem Bett aus Karotten, Kartoffeln und Tomaten. Dazu Erbsen, gutes dunkles Brot aus dem Backofen und Bauernbutter.

Eine glückliche Familie, gleichermaßen befreundet und verwandt, genoss das letzte Essen des Jahres mit zwei Flaschen Champagner, die Ross und Angie zu diesem Anlass aus New York mitgebracht hatten.

Ein leichter, feiner Schnee wehte draußen vor den Fenstern, als sie abräumten, spülten, es sich in der Wärme gemütlich machten und sich auf die bevorstehende Party freuten.

Kerzen brannten, Feuer prasselten, noch mehr Essen – schon seit zwei Tagen vorbereitet – wurde auf den Tischen verteilt. Wein und Whiskey und Sekt. Traditionelle Kräuterliköre mit Scones und Haggis und Käse für die Silvesterfeier.

Einige Nachbarn und Freunde kamen früh, noch vor Mitternacht, um zu essen, zu trinken und zu plaudern und um zur Musik von Dudelsack und Fiedel mit den Füßen zu wippen. Das Haus füllte sich mit Klängen und Liedern, bis die alte Wanduhr die Mitternachtsstunde verkündete.

Mit dem letzten Schlag starb das alte Jahr, und das neue wurde mit Jubel, Küssen und der alten schottischen Weise »Auld Lang Syne« begrüßt. Ross strömte vor Freude und Rührung das Herz über; er hielt Angie an sich gedrückt und hängte sich mit dem anderen Arm bei seinem Bruder ein.

Am Ende des Liedes, als die Gläser erhoben wurden, ging plötzlich die Haustür weit auf.

»Der erste Besucher am Neujahrsmorgen!«, rief jemand.

Ross blickte zur Tür in der Erwartung, einer der Frazier-Jungs oder vielleicht Delroy MacGruder würde kommen. Alles dunkelhaarige, gutmütige Jungen, die ihrer Tradition folgten. Einer von ihnen musste der Erste sein, der im neuen Jahr das Haus betrat, denn das brachte Glück.

Aber alles, was hereinfegte, waren der Wind, der feine Schnee und das tiefe Dunkel über dem Land.

Ross stand der Tür am nächsten, und so ging er hinaus und sah sich um. Den Schauder, der ihn durchlief, schrieb er dem tosenden Wind zu und einer eigenartig stehenden Stille unter dem Wind.

Als ob die Luft den Atem anhielte.

War da ein Rauschen von Flügeln, ein langer Schatten – dunkel über der Dunkelheit?

Mit einem zweiten raschen Schauder trat Ross MacLeod wieder ins Haus; ein Mann, der sich nie mehr an einem Fest erfreuen oder ein neues Jahr willkommen heißen sollte. Und wurde so der erste Besucher am Neujahrsmorgen.

»Die Tür ist wohl von allein aufgesprungen«, meinte er und schloss sie wieder.

Noch immer fröstelnd, trat er ans Feuer, hielt die Hände über die Flamme. Eine alte Frau saß neben dem Kamin, den Schal fest um sich geschlagen, ihr Stock lehnte am Stuhl. Er kannte sie; es war die Uroma der jungen Frazier-Buben.

»Kann ich Ihnen einen Whiskey bringen, Mrs Frazier?«

Sie streckte ihm eine dünne, von Altersflecken übersäte Hand entgegen und ergriff die seine mit überraschender Kraft, als er sie ihr reichte. Ihre dunklen Augen bohrten sich in ihn.

»Es steht schon so lang geschrieben, dass es die meisten vergessen haben.«

»Was denn?«

»Der Schild wird zerbrochen, der Stoff zerrissen, durch das Blut der Tuatha de Danann. Jetzt kommen das Ende und der Kummer, der Streit und die Furcht – der Anfang und das Licht. Hätte nie gedacht, dass ich das noch erlebe.«

Ross legte seine Hand auf ihre, sanft, voller Nachsicht. Er wusste, manche hielten sie für eine Art Hellseherin. Andere einfach für eine alte Tattergreisin. Doch der Schauder packte ihn wieder, traf ihn in die Basis der Wirbelsäule wie ein Eispickel.

»Es beginnt mit dir, Kind der Alten.«

Ihr Blick verdunkelte sich, die Stimme sank, jagte einen neuerlichen Angstschauder seinen Rücken hinab.

»Jetzt erhebt sich zwischen dem Entstehen und dem Vergehen der Zeit die Kraft – die dunkle wie die helle – aus dem langen Schlummer. Jetzt beginnt die blutgetränkte Schlacht zwischen ihnen. Und mit den Blitzen und den Geburtswehen einer Mutter kommt Die Eine, die das Schwert schwingt. Die Gräber sind viele, und das erste ist deins. Der Krieg ist lang, und kein Ende steht geschrieben.«

Mitleid trat in ihre Züge, ihre Stimme wurde noch einmal dünner, die Augen jedoch klarer. »Aber dich trifft keine Schuld, und Segnungen kommen, wenn Magier nach langer Zeit wieder aus dem Schatten treten. Auf die Tränen kann Freude folgen.«

Mit einem Seufzer drückte sie leicht seine Hand. »Ich nehm einen Whiskey, und vielen Dank auch.«

»Aber gern.«

Ross sagte sich, es sei dumm, sich von diesen unsinnigen Worten oder ihrem bohrenden Blick erschüttern zu lassen. Aber er musste sich erst einmal setzen, ehe er ihr den Whiskey einschenkte – und einen zweiten für sich selbst.

Auf ein kräftiges Klopfen an der Haustür hin verstummte der Raum vor Anspannung. Hugh öffnete, und einer der Frazier-Jungs stand da – welcher, das wusste Ross nicht –, der mit Applaus und Freude begrüßt wurde, als er breit grinsend und mit einem Laib Brot im Arm eintrat.

Auch wenn die Zeit, um Glück zu bringen, bereits verstrichen war.

Dennoch, bis die letzten Gäste gegen vier Uhr morgens gegangen waren, hatte Ross sein Unbehagen vergessen. Vielleicht trank er ein wenig zu viel, aber in dieser Nacht war Feiern angesagt, und er musste ja nur die Treppe hinauf ins Bett.

Angie legte sich zu ihm – nichts konnte sie davon abhalten, sich abzuschminken und ihre Nachtcreme aufzutragen – und seufzte.

»Frohes Neues Jahr, Baby«, murmelte sie.

Er legte im Dunkel einen Arm um sie. »Frohes Neues Jahr, Baby.«

Und Ross schlief ein, verfiel in Träume von einem blutigen Fasan, der in dem kleinen Steinkreis auf die Erde schlug, von Krähen mit schwarzen Augen, die so zahlreich am Himmel kreisten, dass sie die Sonne verdunkelten. Vom Wind, der heulte wie ein Wolf, von bitterer Kälte und sengender Hitze. Vom Weinen und Klagen, vom Dröhnen und Läuten, welches das Verstreichen der Zeit verkündet.

Und einer plötzlichen, schrecklichen Stille.

Er wachte erst lang nach Mittag auf, mit heftigen Kopfschmerzen und einem verstimmten Magen. Den Kater hatte er sich verdient, also zwang er sich aufzustehen, tastete sich ins Bad und suchte nach Aspirin im Kulturbeutel seiner Frau.

Er nahm vier Tabletten und trank zwei Glas Wasser in dem Versuch, das Kratzen in seinem Hals zu lindern. Er versuchte es mit einer heißen Dusche, woraufhin er sich ein wenig besser fühlte, zog sich an und ging hinunter.

Am Küchentisch saßen die anderen bei Eiern, Bacon, Scones und Käse. Der Geruch, weniger der Anblick, des Essens ließ ihn unelegant aufstoßen.

»Da bist du ja«, begrüßte ihn Angie mit einem Lächeln, legte den Kopf schräg und musterte ihn unter ihrem blonden Pony hervor. »Du siehst mitgenommen aus, mein Lieber.«

»Du wirkst wirklich ein wenig angeschlagen«, pflichtete ihr Millie bei und stand auf. »Setz dich, ich hol dir was zu trinken.«

»Ein Ingwertee hilft immer«, schlug Hugh vor. »Das ist das einzig Wahre für den Morgen danach.«

»Wir haben alle ganz schön über den Durst getrunken.« Rob nahm einen Schluck Tee. »Ich bin auch nicht recht auf dem Damm. Aber das Essen hat mir gutgetan.«

»Das lasse ich für den Moment lieber bleiben.« Ross nahm den Ingwertee, den Millie ihm reichte, bedankte sich und nippte vorsichtig daran. »Ich glaube, ich gehe ein wenig an die frische Luft und lasse mir den Kopf durchpusten. Und um mich daran zu erinnern, dass ich zu alt bin, um bis in den frühen Morgen zu bechern.«

»Das hast du gesagt.« Und obwohl auch er etwas blass wirkte, biss Rob in ein Brötchen.

»Immerhin bin ich dir noch immer vier Minuten voraus.«

»Drei Minuten dreiundvierzig Sekunden.«

Ross schlüpfte in seine Gummistiefel und zog eine warme Jacke an. Mit Rücksicht auf seinen kratzigen Hals schlang er auch einen Schal um den Nacken und setzte eine Mütze auf. Und dann ging er mit seiner Teetasse in die kalte, frische Luft hinaus.

Er schlürfte den heißen Tee, begann zu laufen, und Bilbo, der schwarze Labrador, gesellte sich zu ihm. Er ging ein langes Stück und beschloss, sich nun stabiler zu fühlen. Ein Kater mochte etwas Ekelhaftes sein, aber er dauerte nicht ewig. Und er würde in seinen letzten Stunden in Schottland nicht darüber grübeln, dass er zu viel Whiskey und Wein getrunken hatte.

Einen belebenden Spaziergang querfeldein mit einem guten Hund an der Seite konnte man sich schließlich nicht von einem blöden Kater vermiesen lassen.

Kurz darauf fand er sich auf demselben Feld wieder, auf dem er bei der Jagd den letzten Fasan heruntergeholt hatte, und ging auf den kleinen Steinkreis zu, in den der Vogel gefallen war.

War das sein Blut auf dem winterbleichen Gras unter der dünnen Schneeschicht? War es tatsächlich schwarz?

Er wollte nicht näher hin, wollte es nicht sehen. Als er sich abwandte, vernahm er ein Rascheln.

Der Hund knurrte leise, tief in der Kehle, als sich Ross umdrehte und auf das Gehölz aus knorrigen alten Bäumen am Rand des Feldes starrte. Da ist etwas, dachte er mit einem kalten Schaudern. Er meinte zu hören, wie etwas sich bewegte. Konnte ein Rascheln hören.

Bloß ein Reh, dachte er. Ein Reh oder ein Fuchs. Vielleicht auch ein Wanderer.

Doch Bilbo fletschte die Zähne, und seine Nackenhaare stellten sich auf.

»Hallo?«, rief Ross, hörte jedoch nichts als ein leises Rascheln, wie von einer Bewegung.

»Der Wind«, sagte er bestimmt. »Das ist bloß der Wind.«

Und wusste dennoch, genau wie der Junge von einst, dass es das nicht war.

Er trat ein paar Schritte zurück, suchte die Bäume ab. »Komm, Bilbo. Komm, wir gehen nach Hause.«

Er machte kehrt und schritt rasch fort, mit einem beklemmenden Gefühl in der Brust. Als er zurückblickte, sah er, dass der Hund noch immer steifbeinig und mit gesträubtem Fell dastand.

»Bilbo! Komm jetzt!« Ross klatschte in die Hände.

»Sofort!«

Der Hund sah ihn an, und für einen Moment waren seine Augen fast wölfisch, wild und wütend. Dann kam er mit hängender Zunge artig auf Ross zugetrabt.

Bis zum Rand des Feldes legte Ross ein kräftiges Tempo vor. Er streichelte den Hund am Kopf – wobei seine Hand leicht zitterte. »Okay, wir sind zwei Vollidioten. Aber wir werden nie ein Wort darüber verlieren.«

Seine Kopfschmerzen hatten etwas nachgelassen, als er zu Hause ankam, und sein Magen schien sich so weit beruhigt zu haben, dass er etwas Tee mit Toast zu sich nehmen konnte.

Überzeugt davon, dass das Schlimmste schon vorüber war, setzte er sich mit den anderen Männern vor den Fernseher, um ein Spiel zu verfolgen, verfiel dabei aber immer wieder in dunkle Traumsequenzen.

Das Nickerchen half dennoch, und die einfache Suppe zum Abendessen schmeckte einfach himmlisch. Er packte sein Reisegepäck und Angie das ihre.

»Ich werde heute früh zu Bett gehen«, ließ er sie wissen. »Bin doch ziemlich fertig.«

»Du siehst … irgendwie geknickt aus.« Angie tätschelte seine Wange. »Hast womöglich ein wenig Temperatur.«

»Ich fürchte, bei mir ist eine Erkältung im Anzug.«

Mit einem kurzen Nicken ging sie ins Badezimmer und suchte nach etwas, bevor sie mit zwei grellgrünen Tabletten und einem Glas Wasser zurückkam.

»Nimm die und leg dich ins Bett. Die sind gut gegen Erkältung und helfen auch beim Einschlafen.«

»Du denkst einfach an alles.« Er schluckte die Pillen. »Sag den anderen, ich sehe sie morgen früh.«

»Schlaf jetzt ein bisschen.«

Sie deckte ihn warm zu, und er musste lächeln. Dann küsste sie ihn auf die Stirn.

»Vielleicht ein bisschen Fieber.«

»Ich werd mich ausschlafen.«

»Ja, mach das.«

* * *

Am Morgen glaubte er, genau das getan zu haben. Doch er war nicht wirklich auf der Höhe – dieser dumpfe, bohrende Kopfschmerz war wieder da, und er hatte beinahe Durchfall –, aber er bekam ein gutes Frühstück mit Porridge und starkem schwarzem Kaffee.

Ein letzter Spaziergang und das Beladen des Wagens danach brachten seinen Kreislauf in Schwung. Er umarmte zuerst Millie, dann Hugh.

»Kommt im Frühjahr nach New York.«

»Ja, vielleicht. Unser Jamie kann hier schon ein paar Tage ohne uns klarkommen.«

»Grüßt ihn von uns.«

»Machen wir. Er wird wahrscheinlich bald heimkommen, aber …«

»Wir müssen unseren Flieger kriegen.« Rob umarmte die beiden.

»Oh, ich werde euch vermissen«, sagte Millie, während sie die beiden Frauen an sich drückte. »Guten Flug, kommt gesund nach Hause!«

»Besucht uns!«, rief Angie beim Einsteigen. »Alles Liebe!« Sie warf ihnen eine Kusshand zu, und dann fuhren sie zum letzten Mal von der Farm der MacLeods weg.

Sie gaben den Mietwagen zurück und infizierten, ohne es zu wissen, den Angestellten und den Geschäftsmann, der ihn als Nächster mietete. Sie infizierten den Gepäckträger, der sich ihrer Koffer annahm, als sie ihm das Trinkgeld aushändigten. Bis sie die Sicherheitskontrolle erreichten und passierten, war die Infektion leicht an zwei Dutzend Menschen weitergegeben.

Weitere folgten in der First Class Lounge, wo sie Bloody Marys tranken und Augenblicke ihres Urlaubs Revue passieren ließen.

»Es wird Zeit, Jayne.« Rob stand auf, umarmte seinen Bruder und klopfte ihm auf den Rücken, drückte Angie und küsste sie auf die Wange. »Wir sehen uns nächste Woche.«

»Halt mich mit dem Colridge-Bericht auf dem Laufenden«, sagte Ross zu Rob.

»Werde ich. Wir haben nur einen kurzen Flug nach London. Falls du irgendwas wissen musst, hast du es, wenn ihr in New York landet. Schlaft ein wenig im Flugzeug. Du bist noch immer ziemlich blass.«

»Du schaust auch nicht gerade blendend aus.«

»Ich werde schon wieder«, entgegnete Rob, griff mit einer Hand nach seiner Aktentasche und salutierte mit der anderen rasch seinem Zwillingsbruder. »Ab über den großen Teich, Brüderchen.«

Rob und Jayne MacLeod brachten das Virus nach London. Auf dem Weg dahin gaben sie es weiter an Passagiere, die Paris, Rom, Frankfurt, Dublin und andere Ziele ansteuerten. In Heathrow ging der Infekt, der als Das Verderben bekannt werden sollte, auf Passagiere über, die nach Tokio und Hongkong flogen, nach Los Angeles, Washington, D. C. und Moskau.

Der Fahrer, der sie zu ihrem Hotel brachte, ein Vater von vier Kindern, nahm ihn mit nach Hause und weihte beim Abendessen seine gesamte Familie dem Untergang.

Die Empfangschefin des Dorchester checkte sie bestens gelaunt ein. Sie fühlte sich bestens. Schließlich wollte sie am nächsten Morgen für eine ganze Woche in den Urlaub auf die Bahamas fliegen.

Sie nahm das Verderben mit.

Am Abend, als sie bei Drinks und zum Dinner mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter, ihrem Neffen und dessen Frau zusammensaßen, verteilten sie den Tod an weitere Mitglieder der Familie und gaben ihn neben einem großzügigen Trinkgeld auch an den Kellner weiter.

In jener Nacht schrieb Rob seinen rauen Hals, seine Müdigkeit und Übelkeit einem Bazillus zu, den er sich von seinem Bruder eingefangen hatte – womit er nicht unrecht hatte –, und nahm etwas gegen Erkältung ein, um schlafen zu können.

Auf dem Flug über den Atlantik wollte sich Ross in ein Buch vertiefen, doch er konnte sich nicht konzentrieren. Er versuchte es mit Musik in der Hoffnung, so einschlafen zu können. Neben ihm entspannte sich Angie bei einem Film, einer romantischen Komödie so leicht und seicht wie der Sekt in ihrem Glas.

Auf halbem Weg, mitten über dem Ozean, wachte er von einem heftigen Hustenanfall auf. Angie fuhr erschreckt hoch und klopfte ihm auf den Rücken.

»Ich besorge dir ein Glas Wasser«, begann sie, doch er hielt kopfschüttelnd eine Hand hoch.

Er fummelte an seinem Gurt herum, bis er offen war, und stand auf, um auf die Toilette zu eilen. Die Kloschüssel mit den Händen umklammernd, hustete er dicken gelben Schleim hoch, der brennend direkt aus seiner gequälten Lunge zu kommen schien. Selbst beim bloßen Versuch, Atem zu holen, musste er erneut husten.

Als er noch mehr Schleim auswarf und dazu ein wenig brechen musste, hatte er einen albernen Gedanken an Ferris Bueller aus dem Film Ferris macht blau.

Dann ließ ihm ein heftiger, stechender Krampf kaum mehr Zeit, die Hose herunterzulassen. Jetzt hatte er das Gefühl, seine ganzen Gedärme würden nach außen gestülpt, und gleichzeitig brach ihm im Gesicht der Schweiß aus. Benommen drückte er eine Hand an die Wand und schloss die Augen, während sich sein Körper brutal entleerte.

Als die Krämpfe nachließen, die Benommenheit verging, hätte er vor Erleichterung weinen können. Erschöpft säuberte er sich, spülte sich mit der Mundspülung am Waschbecken den Mund, spritzte sich kühles Wasser ins Gesicht. Und fühlte sich besser.

Er studierte sein Gesicht im Spiegel, räumte ein, noch immer etwas hohläugig zu wirken, meinte aber auch, ein wenig besser auszusehen. Er beschloss, dass er diesen hässlichen Bazillus – welchen auch immer –, der in ihn gekrochen war, verjagt hatte.

Als er die Toilette verließ, warf ihm die Flugbegleiterin einen ernsten Blick zu. »Ist alles in Ordnung, Mr MacLeod?«

»Ich denke schon.« Etwas verlegen verbarg er sich hinter einem Zwinkern und einem Scherz. »Zu viel Haggis.«

Sie lachte verbindlich, nicht ahnend, dass sie in weniger als zweiundsiebzig Stunden genauso heftig erkrankt sein würde.

Er ging zurück zu Angie, ließ sich neben ihr auf den Fensterplatz sinken.

»Alles okay, Baby?«

»Ja, ja. Ich glaube schon.«

Nach einem kritischen Blick rieb sie seine Hand. »Du hast wieder etwas Farbe. Möchtest du einen Tee?«

»Vielleicht. Ja.«

Er nippte an seinem Tee und fand seinen Appetit genügend angeregt, um ein wenig von dem Hühnchen mit Reis auf der Speisekarte zu probieren. Eine Stunde vor der Landung hatte er einen erneuten Anfall mit Husten, Erbrechen und Durchfall, der ihm aber schwächer vorkam als der erste.

Mit Angies Hilfe schaffte er es durch den Zoll, die Passkontrolle und konnte gerade noch den Gepäckwagen bis zu dem wartenden Angestellten ihres Fahrdienstes schieben.

»Schön, Sie zu sehen! Lassen Sie mich das machen, Mr MacLeod.«

»Danke, Amid.«

»Wie war Ihre Reise?«

»Ganz wunderbar«, antwortete Angie, während sie sich durch die Massen des Kennedy-Airports quälten. »Aber Ross geht es nicht so gut. Er hat sich unterwegs was eingefangen.«

»Tut mir leid, das zu hören. Wir bringen Sie so schnell wie möglich nach Hause.«

Für Ross verging die Heimfahrt in dumpfer Erschöpfung: der Weg durch den Flughafen zum Wagen, das Einladen des Gepäcks, der Flughafen-Verkehr, die Fahrt nach Brooklyn, schließlich das hübsche Haus, in dem sie zwei Kinder großgezogen hatten.

Einmal mehr überließ er die Details Angie und war froh über ihren Arm um seine Hüfte, mit dem sie ihn nach oben führte und ihn dabei etwas stützte.

»Ab ins Bett mit dir.«

»Hab ich nichts dagegen, aber erst möchte ich noch duschen. Ich habe das Gefühl … eine Dusche zu brauchen.«

Sie half ihm, sich auszuziehen, was er als eine unglaubliche Zärtlichkeit empfand. Er lehnte den Kopf an ihre Brust. »Was würde ich ohne dich bloß tun?«

Die Dusche fühlte sich himmlisch an; danach glaubte er, das Schlimmste ganz sicher überstanden zu haben. Als er aus dem Bad kam und sah, dass sie das Bett aufgedeckt und daneben eine Flasche Wasser, ein Glas Ginger Ale und sein Telefon bereitgelegt hatte, stiegen ihm tatsächlich vor Dankbarkeit Tränen in die Augen.

Sie ließ die Rollos an den Fenstern herunter. »Trink etwas Wasser oder Ginger Ale, damit du nicht dehydrierst. Und wenn es dir morgen nicht besser geht, dann bringe ich dich zum Arzt.«

»Geht schon besser«, behauptete er, gehorchte jedoch und trank von dem Ginger Ale, ehe er sich selig ins Bett gleiten ließ.

Sie deckte ihn sorgsam zu und legte eine Hand auf seine Stirn. »Du hast definitiv Fieber. Ich hole das Thermometer.«

»Später«, sagte er. »Lass mich erst ein paar Stunden schlafen.«

»Gut, ich bin unten.«

Er schloss die Augen und seufzte. »Ich brauche nur ein bisschen Schlaf in meinem eigenen Bett.«

Sie ging hinunter, holte ein Hühnchen aus dem Gefrierschrank und hielt es unter kaltes Wasser, um das Auftauen zu beschleunigen. Sie würde einen großen Topf Hühnersuppe kochen, ihr Heilmittel für alles. Sie wollte auch selbst etwas davon, denn sie war hundemüde und hatte hinter Ross’ Rücken selbst schon etwas Medizin gegen ihren rauen Hals genommen.

Er musste sich ja nicht auch noch Sorgen um sie machen, wenn es ihm so schlecht ging. Außerdem war sie von Natur aus robuster als Ross; wahrscheinlich würde es vorbei sein, bevor sich das Unwohlsein richtig festsetzen konnte.

Während der Arbeit sprach sie mit laut gestelltem Telefon mit ihrer Tochter Katie. Sie plauderten fröhlich, während Angie das kalte Wasser laufen ließ und sich Tee machte.

»Ist Dad in der Nähe? Ich möchte ihm Hallo sagen.«

»Er schläft. Er hat sich an Neujahr etwas eingefangen.«

»Oh, nein!«

»Keine Sorge. Ich mache schon Hühnersuppe. Bis wir am Samstag zum Essen kommen, ist er wieder wohlauf. Wir können es kaum erwarten, dich und Tony zu sehen. Oh, Katie, ich habe ein paar wunderschöne Sachen für die Babys gefunden! Ein paar ganz süße Anziehsachen. Du wirst sehen. Aber ich muss jetzt aufhören.« Beim Sprechen tat ihr der Hals höllisch weh. »Wir sehen uns in ein paar Tagen. Und kommt nicht hierher, Katie, im Ernst. Dein Dad ist wahrscheinlich ansteckend.«

»Sag ihm bitte, ich hoffe, dass es ihm bald besser geht, und er soll mich anrufen, wenn er aufwacht.«

»Mache ich. Hab dich lieb, meine Süße.«

»Ich dich auch.«

Angie schaltete den Fernseher in der Küche ein, um ein wenig Ablenkung zu haben, und beschloss, ein Glas Wein würde ihr besser schmecken als Tee. Das Hühnchen landete im Topf, dann schaute sie kurz nach oben zu ihrem Mann. Beruhigt, da er leise schnarchte, ging sie wieder nach unten und begann, Kartoffeln und Karotten zu schälen und Sellerie aufzuschneiden.

Sie konzentrierte sich auf die Arbeit, beachtete das Fernsehprogramm nicht wirklich und ignorierte verbissen den Kopfschmerz, der sich zunehmend hinter ihren Augen zusammenbraute.

Sobald es Ross besser ging und das Fieber aufhörte, würde sie ihn vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer herunterholen. Und bei Gott, sie würde selbst in einen Pyjama schlüpfen, denn auch sie fühlte sich ganz schön mies. Dann würden sie sich aneinanderkuscheln, Hühnersuppe essen und fernsehen.

Sie kochte die Suppe, schnitt das Fleisch in nicht zu kleine Stücke, gab das Gemüse, die Kräuter, Gewürze und ihre eigene Gemüsebrühe dazu.

Dann stellte sie eine niedrige Kochstufe ein, ging wieder nach oben und schaute nach Ross. Da sie ihn nicht stören, aber in seiner Nähe bleiben wollte, schlich sie ins ehemalige Zimmer ihrer Tochter, nun das der Enkel, wenn sie zu Besuch kamen. Und stürzte anschließend ins Gästebad, um die Pasta zu erbrechen, die sie im Flugzeug gegessen hatte.

»Verdammt, Ross, was hast du dir da bloß eingefangen?«

Sie holte das Thermometer, schaltete es ein, steckte es ins Ohr. Und starrte, als es piepste, entsetzt auf die Anzeige: 38,5.

»Also Hühnersuppe im Bett für uns beide.«

Aber erst einmal nahm sie ein paar Schmerztabletten, ging hinunter und schenkte sich ein Glas Ginger Ale mit Eis ein. Stahl sich dann ins gemeinsame Schlafzimmer, um ein Sweatshirt und eine Flanellhose zu holen – dazu dicke Socken, weil sie spürte, dass sie Schüttelfrost bekam. Im anderen Zimmer zog sie sich um, legte sich hin und raffte den hübschen Plaid um sich, der gefaltet am Fußende des Bettes lag. Innerhalb von Sekunden war sie in einen unruhigen Schlaf verfallen.

Und träumte von schwarzen Blitzen und schwarzen Vögeln, einem Fluss voll brodelndem rotem Wasser.

Als sie aus dem Schlaf hochschreckte, brannte ihre Kehle, und der Kopf schmerzte. Hatte sie einen Schrei gehört, ein Rufen? Während sie sich umständlich von dem Plaid befreite, hörte sie einen dumpfen Aufschlag.

»Ross!« Der Raum drehte sich, als sie aufsprang. Sie stieß einen Fluch aus, rannte ins Schlafzimmer und schrie nun selbst auf.

Er lag auf dem Boden neben dem Bett und krümmte sich. Eine Lache Erbrochenes, eine zweite aus wässrigem Exkrement, und in beiden sah sie das Blut.

»Oh Gott, Gott!« Sie eilte zu ihm, versuchte, ihn auf die Seite zu drehen – machte man das nicht so? Sie wusste es nicht genau, nicht sicher. Dann griff sie nach dem Telefon auf dem Nachtkästchen und wählte den Notruf.

»Ich brauche einen Krankenwagen. Ich brauche Hilfe. Gott!« Sie sprudelte die Adresse heraus. »Mein Mann, mein Mann. Er hat einen Anfall. Er hat total überhöhte Temperatur, er glüht vor Fieber. Er hat gebrochen. Und es ist Blut dabei.«

»Hilfe ist unterwegs, Ma’am.«

»Schnell. Bitte kommen Sie schnell.«

Kapitel 2

Jonah Vorhies, ein dreiunddreißig Jahre alter Sanitäter, roch die kochende Suppe und drehte die Platte aus, ehe er und seine Kollegin Patti Ann den Patienten aus dem Haus brachten und in den Rettungswagen schoben.

Seine Kollegin sprang hinter das Steuer und schaltete die Sirene ein, er blieb hinten und versuchte, MacLeod zu stabilisieren. Die Ehefrau des Patienten fuhr ebenfalls mit.

Und behielt die Nerven, dachte Jonah. Keine Hysterie. Er konnte fast spüren, wie sie ihren Mann unbedingt dazu bringen wollte aufzuwachen.

Aber Jonah erkannte den Tod, wenn er ihn sah. Manchmal konnte er ihn fühlen. Er versuchte, das auszublenden – es konnte seiner Arbeit in die Quere kommen –, versuchte, dieses Wissen abzublocken. So wie er manchmal wusste, dass ein Typ, der auf der Straße an ihm vorbeiging, Krebs hatte. Oder ein Kind, das vorbeilief, noch am selben Nachmittag vom Fahrrad fallen und sich eine Grünholzfraktur des rechten Handgelenks zuziehen würde.

Manchmal wusste er sogar den Namen des Kindes, sein Alter, wo es wohnte. So konkret konnte es sein, und deshalb hatte er eine Zeit lang eine Art Spiel daraus gemacht. Doch irgendwie hatte es ihm dann Angst gemacht, und deshalb hörte er wieder damit auf.

Bei MacLeod war das Wissen rasch und untrüglich da, und es wollte sich nicht verdrängen lassen. Schlimmer noch, es kam mit etwas Neuem. Einem Sehen. Der Anfall war vorbei, als er und Patti Ann eintrafen, doch während er arbeitete und für Patti Ann laut Details hersagte, die sie per Funk weiterleitete, konnte Jonah sehen, wie sich der Patient im Bett wälzte, sich auf den Boden erbrach. Um Hilfe rief, ehe er aus dem Bett fiel und sich vor Schmerz krümmte.

Er konnte sehen, wie die Ehefrau ins Zimmer stürzte, ihre Stimme hören, als sie aufschrie. Er konnte alles hören und sehen, als würde er es auf einem großen Bildschirm verfolgen.

Und verflucht, das gefiel ihm ganz und gar nicht.

Bei der Ankunft vor der Ambulanzeinfahrt tat er sein Bestes, diesen inneren Bildschirm auszuschalten, zu tun, was immer er konnte, um zu helfen; das Leben, von dem er bereits wusste, dass es vorüber war, doch noch zu retten.

Er ratterte Vitalfunktionen herunter, Details von Symptomen und der bisherigen Notfallbehandlung, während Dr. Rachel Hopman (die Ärztin, in die er ganz schön verschossen war) und ihr Team den Patienten im Laufschritt zu einem Behandlungszimmer schoben.

Dort angelangt, ergriff er einen Arm der Ehefrau, ehe sie sich durch die Flügeltür schieben konnte. Und ließ ihn los, als habe er sich daran verbrannt, weil er sah, dass sie ebenfalls dem Tod geweiht war.

Sie sagte »Ross« und legte eine Hand auf die Tür, um sie aufzustoßen.

»Ma’am. Mrs MacLeod, Sie müssen hier draußen bleiben. Dr. Hopman ist die beste. Sie wird für Ihren Mann alles tun, was sie kann.«

Und recht bald auch für dich. Aber es wird nicht reichen.

»Ross. Ich muss …«

»Wollen Sie sich vielleicht setzen? Einen Kaffee vielleicht?«

»Ich – nein.« Sie presste eine Hand auf die Stirn. »Nein, danke. Nein. Was hat er denn? Was ist passiert?«

»Dr. Hopman findet es heraus. Können wir jemanden für Sie anrufen?«

»Unser Sohn ist in London. Er kommt erst in ein paar Tagen nach Hause. Meine Tochter … Aber sie ist schwanger, mit Zwillingen. Sie sollte sich nicht aufregen. Aber das würde sie … Meine Freundin Marjorie.«

»Soll ich Marjorie anrufen?«

»Ich …« Sie blickte auf die Handtasche, die sie umklammerte. Sie hatte sie ganz automatisch mitgenommen, genauso, wie sie Mantel und Schuhe angezogen hatte. »Ich habe mein Handy dabei.« Sie holte es heraus, starrte dann einfach darauf.

Jonah trat beiseite, schnappte sich eine Krankenschwester. »Jemand muss sich um sie kümmern.« Er zeigte auf Mrs MacLeod. »Ihr Mann ist da drinnen, es sieht schlecht aus. Und ich glaube, sie ist auch krank.«

»Hier sind viele krank, Jonah.«

»Sie hat Fieber. Ich weiß nicht, wie hoch.« Er wusste es genau: 38,5 Grad und steigend. »Der Patient auch. Ich muss weitermachen.«

»Okay, okay, ich sehe sie mir an. Wie schlimm?«, fragte sie mit einem Nicken in Richtung des Behandlungsraums.

Gegen seinen Willen schaute Jonah hinein, beobachtete, wie die Frau, die er aus Angst vor einem Korb noch immer nicht nach einem ernsthaften Date gefragt hatte, auf die Uhr schaute und den Zeitpunkt nannte.

»Schlimm«, sagte er nur und machte sich aus dem Staub, bevor Rachel herauskam, um der Ehefrau zu sagen, dass ihr Mann tot war.

Auf der anderen Seite des East River, in einem Loft in Chelsea, schrie Lana Bingham auf, als ihr Orgasmus den ganzen Körper erfasste. Aus dem Schrei wurde ein Stöhnen und daraus ein Seufzer, ihre Finger ließen das krampfhaft umklammerte Bettlaken los, und als Max kam, schlang sie die Arme um ihn.

Sie seufzte noch einmal, eine Frau, erfüllt, ermattet und befriedigt, mit dem Gewicht ihres Geliebten auf sich und sein noch immer wild gegen ihre Brust hämmerndes Herz spürend. Träge strichen ihre Finger durch sein dunkles Haar. Er musste wohl zum Friseur, aber sie mochte es, wenn die Haare ein wenig länger waren und sie die Enden um den Finger wickeln konnte.

Seit sechs Monaten wohnten sie nun zusammen, ging es ihr durch den Kopf, und es wurde immer besser.

Sie spürte nach, schloss die Augen, seufzte noch einmal.

Und schrie plötzlich auf, als etwas Wildes, Wunderbares durch sie schoss, in sie drang, über sie kam. Stärker als der Orgasmus, tiefer, und mit einer unglaublichen Mischung aus Lust und Schock, die sie niemals hätte beschreiben können. Wie explodierendes Licht, ein Blitz, der ihr Innerstes traf, ein flammender Pfeil in ihr Herz, der sich durch den ganzen Körper bohrte. Sie meinte fast zu spüren, wie ihr Blut glühte.

Noch immer auf ihr, in ihr, zuckte Max’ Körper plötzlich. Sie merkte, wie sein Atem stockte, wie er für einen Moment sogar noch einmal steif wurde.

Dann beruhigte sich alles, ebbte ab, wurde zu nicht mehr als einem Flimmern hinter ihren Lidern, bis selbst dieses verblasste.

Max stützte sich auf die Ellbogen und blickte im Licht von einem Dutzend flackernder Kerzen auf sie. »Was war das?«

Noch leicht benommen, atmete sie lange aus. »Ich weiß nicht. Das größte postkoitale Nachbeben der Welt?«

Er lachte, küsste sanft ihre Lippen. »Ich glaube, wir müssen noch eine Flasche von dem neuen Wein kaufen, den wir aufgemacht haben.«

»Am besten gleich einen ganzen Karton. Wow.« Sie streckte sich unter ihm, legte die Arme zurück. »Ich fühle mich irre.«

»Du siehst auch irre aus. Meine hübsche, schöne Hexe.«

Nun lachte sie. Sie wusste – wie er auch –, dass sie bestenfalls eine Anfängerin war. Und sie war absolut glücklich damit, eine zu bleiben und sich ein wenig an Zaubereien und Kerzenritualen zu versuchen.

Seit sie Max Fallon bei einem Wintersonnwendfest getroffen und sich vor Ostara dann heftig in ihn verliebt hatte, versuchte sie immer wieder einmal, diese Gabe zu verbessern.

Aber ihr fehlte der spezielle Funke, und ehrlich gesagt kannte sie auch nur wenige, die ihn hatten. Die meisten – wenn nicht alle –, die sie kannte oder bei Festivals, Ritualen und so weiter traf, waren Amateure, genau wie sie. Einige waren ihrer Einschätzung nach auch etwas verrückt. Andere viel zu sehr besessen.

Manche konnte man sogar als gefährlich einstufen, wenn sie denn wirklich über solche Kräfte verfügten.

Und dann, oh ja, dann war da Max.

Er hatte diesen Funken. Hatte er nicht die Kerzen im Schlafzimmer mit seinem Atem angezündet – etwas, das sie jedes Mal erregte? Und wenn er sich wirklich konzentrierte, konnte er sogar kleine Gegenstände zum Schweben bringen.

Einmal hatte er eine volle Tasse Kaffee quer durch die Küche fliegen lassen und direkt vor ihr auf der Anrichte abgestellt.

Irre.

Und er liebte sie. Diese Art von Magie war Lana die allerwichtigste.

Er küsste sie noch einmal, rollte zur Seite. Und nahm eine nicht brennende Kerze in die Hand.

Lana verdrehte die Augen und stöhnte übertrieben.

»Wenn du entspannt bist, dann bist du immer besser.« Sein Blick tastete langsam ihren Körper ab. »Du siehst entspannt aus.«

Sie lag da, nackt, behaglich, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, das lange karamellfarbene Haar auf dem Kissen ausgebreitet, die vollen Lippen sanft geschwungen.

»Noch entspannter und ich wäre besinnungslos.«

»Dann probiere es doch mal.« Er nahm ihre Hand und küsste die Finger. »Fokussiere dich. Das Licht ist in dir.«

Sie wollte, dass es so war, weil er es wollte. Und weil sie es hasste, ihn zu enttäuschen, setzte sie sich auf, schüttelte die Haare zurück.

»Okay.«

Sie fasste sich, schloss die Augen, atmete gleichmäßig. Sie versuchte, wie er es ihr beizubringen versucht hatte, das Licht emporzuziehen, das sie seiner Meinung nach in sich trug.

Seltsamerweise meinte sie zu spüren, dass sich etwas in ihr regte. Sie öffnete überrascht die Augen und ließ den Atem ausströmen.

Der Docht begann zu brennen.

Sie starrte darauf, und er grinste.

»Siehst du!«, sagte er voller Stolz.

»Ich – Aber ich habe doch gar nicht …« Sie hatte schon ein paar Kerzen zum Brennen gebracht, nach minutenlanger, voller Konzentration. »Ich war noch gar nicht so weit anzufangen und … Das warst du.«

Belustigt, und insgeheim ein wenig erleichtert, bohrte sie einen Finger in seine Brust. »Versuchst du etwa, mein Selbstvertrauen zu steigern?«

»Das war ich nicht.« Er legte seine freie Hand auf ihr Knie. »Das würde ich nicht tun, und ich werde dich nie belügen. Das warst allein du, Lana.«

»Aber ich … Du warst es echt nicht? Und du hast auch nicht, keine Ahnung, irgendwie nachgeholfen?«

»Nein, du selber hast das geschafft. Probiere es noch mal.« Er blies die Kerze aus und gab sie ihr dieses Mal in die Hand.

Nervös geworden, schloss sie die Augen – hauptsächlich um sich zu beruhigen. Aber wenn sie an die Kerze dachte, daran, sie zu entzünden, spürte sie dieses Anheben in sich. Als sie die Augen öffnete und einfach an die Flamme dachte, erschien diese.

»Oh, oh Gott.« Ihre leuchtenden sommerblauen Augen reflektierten das Kerzenlicht. »Ich kann es wirklich selbst.«

»Was hast du denn dabei gefühlt?«

»Es war … als ob sich in mir etwas gehoben hätte. Hochstieg, sich ausbreitete, ich weiß nicht genau. Aber es fühlte sich natürlich an, Max. Kein großer Flash und Knall. Einfach wie, na ja, wie atmen. Aber trotzdem ein wenig unheimlich. Das behalten wir für uns, okay?«

Sie blickte ihn durch das Licht an.

Sie sah den Stolz und das Interesse in seinen schönen, sensiblen Zügen, mit den markanten Wangenknochen und den Bartstoppeln, weil er sich nicht rasiert hatte.

Sie sah beides in seinen Augen, die grau im Kerzenschein leuchteten.

»Ich meine, schreib nicht darüber oder so. Zumindest nicht, bis wir sicher sind, dass es kein Zufall war oder einfach nur eine einmalige Sache.«

»Eine Tür hat sich in dir geöffnet, Lana. Ich habe es an deinen Augen bemerkt, so wie ich diese Fähigkeit schon damals, als wir uns das erste Mal sahen, in dir erkannt habe. Aber wenn du willst, dass es unter uns bleibt, geht das klar.«

»Gut.« Sie verließ das Bett und stellte ihre Kerze zu seiner. Ein Symbol unserer Einheit, dachte sie. Als sie sich umdrehte, flackerte das Kerzenlicht hinter ihr.

»Ich liebe dich, Max. Das ist mein Licht.«

Er stand auf, geschmeidig wie eine Katze, zog sie an sich. »Ich kann mir ein Leben ohne dich gar nicht mehr vorstellen. Noch etwas Wein?«

Sie legte den Kopf zurück.

»Was hast du vor?«

Er lächelte und küsste sie. »Ich denke an Wein und daran, uns etwas zu essen nach Hause kommen zu lassen – ich habe nämlich Hunger. Danach sehen wir weiter.«

»Für das alles bin ich sehr zu haben. Ich kann uns auch etwas kochen.«

»Klar, kannst du, aber das hast du heute schon den ganzen Tag gemacht. Heute Abend hast du frei. Wir hatten eigentlich vor auszugehen …«

»Ich bleibe lieber zu Hause. Mit dir.« Viel lieber, merkte sie.

»Großartig. Was möchtest du denn essen?«

»Überrasche mich«, sagte sie und zog die schwarze Hose und ihr T-Shirt an, die Sachen, die sie unter ihrer Arbeitskleidung als zweite Küchenchefin getragen und die er ihr ausgezogen hatte, kaum dass sie vom Restaurant nach Hause gekommen war.

»Zwei Doppelschichten diese Woche, da bleibe ich gerne daheim und esse etwas – irgendwas –, das jemand anderer gekocht hat.«

»Alles klar.« Er zog seine Jeans und den dunklen Pullover an, die er zum Arbeiten angehabt hatte – er war Schriftsteller und hatte sein Büro in seinem Loft. »Ich mache schon mal den Wein auf, und mit dem Rest überrasche ich dich.«

»Ich freu mich drauf«, sagte sie lächelnd und ging zum Kleiderschrank.

Sobald sie zusammenzogen waren, hatte sie versucht, nur mehr die Hälfte des Schranks zu beanspruchen, aber … Sie liebte Klamotten, war ein Modefan, und da sie so oft nur einen weißen Kittel und eine schwarze Hose trug, musste sie in ihrer Freizeit irgendwie für Ausgleich sorgen.

Leger, dachte sie, konnte ja auch hübsch sein, sogar ein bisschen romantisch für einen Abend zu Hause. Sie wählte ein marineblaues Kleid mit einem roten Saum, der unterhalb der Knie die Beine umspielte. Und sie hatte ebenfalls eine Überraschung parat – sexy Unterwäsche –, für den späteren Verlauf des Abends.

Sie zog sich an und studierte dann ihr Gesicht im Spiegel. Kerzenlicht schmeichelte, aber … Sie legte die Hände an ihr Gesicht und zauberte ein wenig – etwas, wofür sie schon seit ihrer Pubertät Talent gezeigt hatte.

Oft fragte sie sich, ob es bei ihrem wie auch immer gearteten Funken nicht mehr um Eitelkeit ging als um wirkliche Kraft.

Doch das war okay für Lana. Sie schämte sich absolut nicht dafür, sich ihres hübschen Aussehens bewusster zu sein als ihrer Kraft. Vor allem nicht, wenn ein Mann wie Max sie attraktiv fand, egal, was immer von beidem sie auch hatte.

Bevor sie den Raum verließ, erinnerte sie sich an die Kerzen.

»Lass sie nicht unbeaufsichtigt«, murmelte sie und machte kehrt, um sie auszublasen.

Dann hielt sie inne, überlegte. Wenn sie sie anzünden konnte, konnte sie sie dann auch löschen?

»Es ist doch einfach nur umgekehrt, oder?«, sagte sie und beschloss, es auszuprobieren. Sie konzentrierte sich auf eine Kerze, und die Flamme erlosch.

»Ah … hmmm. Wow.« Sie wollte Max rufen, dachte dann aber, dass er so begeistert sein würde und sie am Ende nur mehr üben und studieren würden, anstatt ein gemütliches Abendessen zu Hause zu genießen.

Also ging sie einfach nur in Gedanken von Kerze zu Kerze, bis der Raum dunkel war. Sie konnte nicht erklären, was sie fühlte oder wie diese Tür, von der Max gesprochen hatte, sich plötzlich geöffnet hatte.

Darüber kann ich mir später Gedanken machen, beschloss sie.

Jetzt hatte sie Lust auf ein Glas Wein.

Während Lana und Max ihren Wein genossen – und dazu Appetithappen aus geschmolzenem Brie auf getoasteten Baguettescheiben, die Lana unbedingt noch hatte machen müssen –, eilte Katie MacLeod in eine Klinik in Brooklyn.

Die Tränen waren noch nicht gekommen, weil sie nicht glaubte, ja, sich weigerte zu glauben, dass ihr Vater tot war und ihre Mutter plötzlich so krank, dass sie auf der Intensivstation lag.

Eine Hand auf den Bauch gelegt, den Arm ihres Mannes um ihre nun nicht mehr vorhandene Taille, folgte sie den Schildern zum Lift, der sie auf die Intensivstation brachte.

»Das stimmt alles nicht. Das ist ein Irrtum. Ich habe dir doch gesagt, dass ich vor ein paar Stunden erst mit ihr gesprochen habe. Dad fühlte sich nicht wohl – eine Erkältung oder so –, und sie hat Suppe gekocht.«

Das hatte sie schon auf der Fahrt zum Krankenhaus immer wieder gesagt. Tony ließ einfach seinen Arm um sie gelegt. »Es wird alles gut«, sagte er, denn etwas anderes wollte ihm nicht einfallen.

»Das Ganze ist ein Irrtum«, wiederholte sie. Aber als sie das Schwesternzimmer erreichten, brachte sie kein Wort heraus. Hilflos blickte sie zu Tony auf.

»Man sagte uns, Angie – Angela MacLeod – wurde heute hier eingeliefert. Das ist ihre Tochter Kathleen – meine Frau Katie.«

»Ich muss meine Mutter sehen. Ich muss sie sehen.« Etwas im Blick der Schwester ließ Katies Stimme vor Panik beben. »Ich muss meine Mutter sehen! Ich will mit Dr. Hopman sprechen. Sie sagte –« Katies Stimme brach ab.

»Dr. Gerson behandelt Ihre Mutter«, begann die Schwester.

»Ich will nicht Dr. Gerson sehen. Ich will meine Mutter sehen! Ich will mit Dr. Hopman sprechen.«

»Na komm, Katie, komm schon. Du musst dich ein bisschen beruhigen. Denk an die Babys.«

»Ich versuche, Dr. Hopman zu erreichen.« Die Schwester kam hinter der Theke hervor. »Warten Sie so lange hier, dort können Sie sich hinsetzen. Im wie vielten Monat sind Sie?«

»Neunundzwanzig Wochen und vier Tage«, sagte Tony.

Jetzt kamen die Tränen, rollten langsam über ihre Wangen. »Du zählst auch die Tage«, brachte sie heraus.

»Natürlich, Liebes. Klar tue ich das. Wir bekommen Zwillinge«, sagte er der Schwester.

»Was für eine Freude für Sie.« Die Schwester lächelte, doch ihre Miene wurde ernst, als sie wieder zur Theke zurückging.

Rachel antwortete auf den Piepser, sobald sie konnte – und schätzte die Situation rasch ein, als sie den Mann und die Frau sah. Sie musste einer Schwangeren die traurige Nachricht überbringen.

Dennoch hielt sie es für besser, dass sie vor Gerson gekommen war. Er war ein hervorragender Internist, aber er konnte so brüsk sein, dass es an Grobheit grenzte.

Die Schwester an der Theke nickte Rachel zu. Sie nahm sich zusammen und ging zu dem Paar hinüber.

»Ich bin Dr. Hopman. Mein Beileid wegen Ihres Vaters.«

»Das ist ein Irrtum.«

»Sie sind Katie?«

»Ich bin Katie MacLeod Parsoni.«

»Katie«, sagte Rachel. »Wir haben alles getan, was wir konnten. Ihre Mutter hat alles getan, was sie konnte. Sie rief den Notarzt und hat ihn so schnell wie möglich zu uns gebracht. Aber er war zu krank.«

Katies Augen, die so grün waren wie die ihrer Mutter, hefteten sich an Rachels. Flehten. »Er hatte eine Erkältung. Einen kleinen Infekt. Meine Mutter hat ihm Hühnersuppe gekocht.«

»Ihre Mutter konnte uns einige Informationen geben. Sie waren in Schottland? Aber Sie sind nicht mit ihnen gereist?«

»Ich habe eingeschränkte Bettruhe.«

»Zwillinge«, erklärte Tony. »Neunundzwanzig Wochen, vier Tage.«

»Können Sie mir sagen, wo in Schottland Ihre Eltern waren?«

»In Dumfries. Was spielt das für eine Rolle? Wo ist meine Mutter? Ich muss sie sehen!«

»Sie ist isoliert.«

»Was soll denn das heißen?«

Rachel wand sich etwas, doch ihr Blick war so ruhig und stet wie ihre Stimme. »Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, Katie. Falls sie und Ihr Vater an einem Infekt erkrankt sind oder einer ihn dem anderen weitergegeben hat, müssen wir uns vor Ansteckung schützen. Ich kann Sie ein paar Minuten zu ihr lassen, aber Sie müssen darauf vorbereitet werden. Ihre Mutter ist sehr krank. Sie müssen eine Maske, Handschuhe und einen Schutzanzug tragen.«

»Es ist mir gleich, was ich tragen muss, ich will meine Mutter sehen.«

»Sie dürfen sie nicht berühren«, fügte Rachel hinzu. »Und Sie dürfen sie nur einige Minuten sehen.«

»Ich begleite meine Frau.«

»In Ordnung. Zuerst müssen Sie mir alles über ihre Zeit in Schottland erzählen, was Sie wissen. Ihre Mutter sagte, sie sind erst heute zurückgekommen, und sie waren seit einem Tag nach Weihnachten dort. Wissen Sie, ob Ihr Vater schon vor seiner Abreise krank war?«

»Nein, nein, war er nicht. Wir haben Weihnachten zusammen gefeiert. Wir reisen immer am Tag danach auf die Farm. Wir alle zusammen, nur diesmal nicht, wegen meiner Schwangerschaft.«

»Haben Sie mit ihnen gesprochen, während sie weg waren?«

»Natürlich. Fast jeden Tag. Ich sage Ihnen, sie waren gesund. Sie können Onkel Rob fragen – das ist der Zwillingsbruder meines Vaters. Sie waren alle dort, und es ging ihnen gut. Fragen Sie ihn. Er ist in London.«

»Können Sie mir seine Telefonnummer geben?«

»Das mache ich.« Tony ergriff Katies Hand. »Ich habe die Nummer und gebe Ihnen alles, was Sie brauchen. Aber Katie muss ihre Mutter sehen.«

Sobald die Angehörigen Schutzkleidung und Handschuhe trugen, tat Rachel, was sie konnte, um sie darauf vorzubereiten.

»Ihre Mutter wird gegen die Dehydrierung behandelt. Sie hat hohes Fieber, und wir arbeiten daran, es zu senken.« Vor dem Raum mit der Glaswand blieb sie stehen, eine feingliedrige Frau, deren unglaubliche schwarze Lockenmähne energisch mit tausend Klammern gezähmt war. Der Blick ihrer schokoladenbraunen Augen verriet Müdigkeit, doch ihr Ton war forsch.

»Der Plastikvorhang schützt vor Infizierung.«

Alles, was Katie tun konnte, war, durch das Glas zu starren, durch den Plastikfilm in dem Raum, auf die Frau in dem schmalen Krankenhausbett.

»Ich habe doch eben noch mit ihr geredet. Eben habe ich noch mit ihr geredet«, murmelte sie.

Sie ergriff Tonys Hand, trat ein.

Monitore piepsten. Grüne Schnörkel und Zacken liefen über die Bildschirme. Eine Art Ventilator summte wie ein Schwarm Wespen. Und über alldem hörte sie den keuchenden Atem ihrer Mutter.

»Mom«, sagte sie, doch Angie regte sich nicht. »Ist sie sediert?«

»Nein.«

Katie räusperte sich, sprach lauter, deutlicher. »Mom, ich bin es, Katie. Mom.«

Angie bewegte sich, stöhnte. »Müde, so müde. Mach die Suppe. Krankentag, wir machen einen Krankentag. Mami, ich will meinen Schäfchen-Pyjama. Kann heute nicht in die Schule gehen.«

»Mom, ich bin es, Katie.«

»Katie, Katie.« Angie drehte den Kopf nach links, rechts, links, rechts. »Mami sagt Katie, verriegle die Tür. Verriegle die Tür, Katie.« Angies Lider öffneten sich zuckend, ihr fiebriger Blick irrte durch den Raum. »Lass es nicht reinkommen. Hörst du, wie es in den Büschen raschelt? Katie, verriegle die Tür!«

»Keine Sorge, Mom. Mach dir keine Sorgen.«

»Siehst du die Krähen? All die kreisenden Krähen.«

Der glasige, blinde Blick landete auf Katie – und etwas, das Katie als ihre Mutter erkannte, trat in ihn. »Katie. Da ist mein Babylein.«

»Ich bin hier, Mom. Bei dir.«

»Dad und mir geht es nicht so gut. Wir werden im Bett Hühnersuppe essen und fernsehen.«

»Das ist gut.« Tränen raubten Katie die Sprache, doch sie würgte die Worte dennoch heraus. »Bald wird es euch besser gehen. Ich liebe euch.«

»Du musst mir die Hand geben, wenn wir über die Straße gehen. Es ist ganz wichtig, nach links und nach rechts zu schauen.«

»Ich weiß.«

»Hast du das gehört?« Angies Atem ging schneller, ihre Stimme verblasste zu einem Flüstern. »Etwas raschelt in den Büschen. Etwas beobachtet uns.«

»Da ist nichts, Mom.«

»Doch! Ich liebe dich, Katie. Ich liebe dich, Ian. Meine Babys.«

»Ich liebe dich, Mom«, sagte Tony, der begriff, dass sie ihn für Katies Bruder hielt. »Ich liebe dich«, wiederholte er, denn es stimmte.

»Später machen wir ein Picknick im Park, aber … Nein, nein, Sturm zieht auf. Es kommt mit dem Sturm. Rote Blitze, Brennen und Bluten. Lauft!« Sie setzte sich halb auf. »Lauft!«

Ein heftiger Hustenanfall schüttelte Angie, der Plastikvorhang wurde mit Auswurf und Schleim übersät.

»Bringen Sie sie hinaus!«, befahl Rachel und drückte den Rufknopf für die Schwestern.

»Nein! Mom!«

Katie protestierte, doch Tony zog sie aus dem Raum.

»Es tut mir leid. Es tut mir so leid, aber wir müssen rausgehen, damit sie ihr helfen können. Komm.« Seine Hände zitterten, als er mit anpackte, um ihr die Schutzkleidung auszuziehen. »Wir müssen das alles hier ausziehen, weißt du noch?«

Er nahm zuerst ihre Handschuhe ab, dann die seinen, legte sie beiseite, als die Schwester gerade eintraf, um zu assistieren.

»Du musst dich setzen, Katie.«

»Was ist mit ihr, Tony? Sie hat total fantasiert.«

»Das muss das Fieber sein.« Er führte sie zu den Stühlen zurück, spürte dabei, wie sehr sie bebte. »Sie werden das Fieber senken.«

»Mein Vater ist tot. Er ist tot, und ich kann nicht an ihn denken. Ich muss an sie denken. Aber –«

»Richtig.« Er hielt sie im Arm, zog ihren Kopf an seine Schulter, streichelte ihr lockiges braunes Haar. »Wir müssen an sie denken. Ian wird hier sein, sobald er kann. Vielleicht ist er schon unterwegs. Er wird uns auch brauchen, besonders wenn Abby und die Kinder nicht mit ihm kommen können, falls es für den Rückflug nicht genügend Plätze für alle gegeben hat.«

Einfach nur reden, dachte Tony, einfach nur reden und Katie davon ablenken, was da gerade hinter diesem schrecklichen Plastikvorhang geschah. »Weißt du noch, er hat eine SMS geschrieben, dass er einen Flug nach Dublin und von dort einen Direktflug bekommen hat. Weißt du noch? Und er sorgt dafür, dass Abby und die Kids einen Flug ab London bekommen, sobald er kann.«

»Sie dachte, du wärst Ian. Sie liebt dich, Tony.«

»Ich weiß. Es ist okay. Ich weiß das.«

»Tut mir leid.«

»Ah, na komm, Katie.«

»Nein, es tut mir leid. Ich habe Wehen.«

»Warte – was? Wie oft?«

»Weiß ich nicht. Ich weiß nicht, aber ich habe welche. Und ich fühle …«

Als sie auf dem Stuhl schwankte, fing er sie auf. Er stand auf – hielt seine Frau und ihre Babys, spürte die Welt unter sich zusammenstürzen – und rief um Hilfe.

Sie wurde stationär aufgenommen, und nach einer zermürbenden Stunde stoppten die Wehen endlich. Das Martyrium nach dem Albtraum, die darauf folgende Bettruhe im Krankenhaus und die ständige Überwachung durch medizinische Geräte brachten sie beide an den Rand der Erschöpfung.

»Wir machen eine Liste, was du von zu Hause brauchst, und dann sause ich los und hole alles. Und heute Nacht bleibe ich hier.«

»Ich kann nicht richtig denken.« Obwohl ihre Lider bleischwer waren, konnte Katie die Augen nicht schließen.

Er nahm ihre Hand, bedeckte sie mit Küssen. »Ich mache das schon. Und du machst, was der Doktor sagt. Du musst dich ausruhen.«