Seewölfe Paket 11 - Fred McMason - E-Book

Seewölfe Paket 11 E-Book

Fred McMason

0,0

Beschreibung

Länger als eine Stunde blieb der Medizinmann in dem Seetempel auf Bali und befragte die Götter, ob ein Unglück die Insel heimsuchen würde. Als er zu der schweigenden Menge zurückkehrte, kündete der Ausdruck seiner Augen von Unheil. Sein Gesicht war düster. Er blickte zum Gipfel des Gunung Agung auf und sprach mit leiser, kaum hörbarer Stimme: "Ein Unglück wird geschehen. Das Meer wird sieden und brodeln, und es wird fremde Seefahrer zur Insel schleudern. Nehmt euch in acht vor ihnen, es wird schon bald passieren." Aber es waren nicht die Seewölfe, die den Balinesen das Unglück brachten...

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 2460

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Impressum© 1976/2016 Pabel-Moewig Verlag KG,Pabel ebook, Rastatt.ISBN: 978-3-95439-500-2Internet: www.vpm.de und E-Mail: [email protected]

Inhalt

Nr. 201

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Nr. 202

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Nr. 203

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Nr. 204

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Nr. 205

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Nr. 206

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Nr. 207

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Nr. 208

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Nr. 209

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Nr. 210

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Nr. 211

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Nr. 212

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Nr. 213

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Nr. 214

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Nr. 215

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Nr. 216

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Nr. 217

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Nr. 218

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Nr. 219

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Nr. 220

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

1.

Noch niemals, solange die Eingeborenen denken konnten, war auf Bali das Kecakfest des heiligen Affenkönigs verschoben worden. Der Affenkönig Hanuman wäre tödlich beleidigt gewesen, aber selbst er mußte diesmal ein Einsehen haben.

Die Vorbereitungen hatten begonnen, und die jungen Mädchen tanzten den anmutigen Legong-Tanz.

Der Balian, der Medizinmann, hob gerade beschwörend die Hände und rief den heiligen Gott Shiwa an – da begann ein zartes Rumoren.

Anfangs klang es, als würde ganz zart eine große Trommel gerührt, deren Schall sich durch den Boden fortpflanzte. Gleich darauf folgte jedoch ein Vibrieren.

Die Legong-Tänzerinnen mit den Mandelaugen ließen die Arme sinken. Der anmutige Tanz wurde unterbrochen, in die Gestalten kam ruckartige Bewegung, dann blieben sie entsetzt stehen.

Durch den Boden lief nun ein hartes Grollen, und jenseits der sanft ansteigenden Berge kräuselte sich hellgrauer Rauch ganz zart in die Luft.

Die Augen des Balian wurden groß und rund, auch er erstarrte vor Schreck.

Doch dann ließ er sich auf den Boden fallen, kniete nieder und reckte flehend die Arme hoch.

„Shiwa!“ rief er laut und flehend. „Herr über Leben und Zerstörung! Was haben wir getan, um uns deinen Zorn zuzuziehen? Sei gnädig, Herr, wir fürchten deinen Zorn. Verschone uns Demütige!“

Auch die anderen, Tänzerinnen und Tänzer, Junge und Alte, fielen auf die Knie und baten mit zitternder Stimme um Verschonung.

Die Rauchfahne des kegelförmigen Berges Gunung Agung wurde größer und dichter. Aus dem zarten Hellgrau wurde tiefes Dunkel, dann begann es tief unter der Erde donnernd zu hallen, schrecklich laut wurde das Getöse.

Die Insulaner hörten es mit steigendem Entsetzen, sahen den schwärzlichen Rauch, vernahmen das Rumoren und versuchten verzweifelt, den wilden Gott zu besänftigen, indem sie noch lauter beteten und ihn anflehten.

Lange Jahre hatte Shiwa geschwiegen, bis auf ein gelegentliches leises Knurren und den leichten Rauch, den er aus seinem Thron blies.

Jetzt, gerade beim Beginn des Kecakfestes, mußte etwas seinen Zorn geweckt haben. Würde er auch diesmal wieder mit brüllenden Lavaausbrüchen Tod und Verwüstung schikken?

Der Balian überlegte angstvoll und sah sich nach irgendwelchen Zeichen um, aber er fand keine.

Es gab nichts, was gerechtfertigt war, Shiwas Zorn zu beschwören. Und doch war der Gott ergrimmt!

Jetzt blies er vom Gunung Agung wieder eine schwarze Rauchwolke in die Luft, noch größer und gräßlicher als die erste, und begleitete den Rauch mit tiefem, lang anhaltendem Grollen.

Da hielt auch den Balian nichts mehr, als ein schwerer Stoß den Boden erschütterte und die Palmen schwanken ließ. Die Teilnehmer des Festes rannten davon und verstreuten sich in alle Richtungen, wobei sie sich immer wieder zu Boden warfen und laut flehten.

Der Medizinmann lief zum Berg und blieb am Fuße des Gunung Agung mit ausgebreiteten Armen stehen. Seine Lippen verzogen sich, er murmelte vor sich hin, beschwörend, beschwichtigend.

Noch ein anderer war ihm gefolgt: Atun, der Priester, der jetzt ebenfalls versuchte, den zürnenden Gott zu besänftigen.

„Sag, Herr, was haben wir getan?“ fragte der Priester. „Gib uns ein Zeichen, Herr!“

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der Berg schwieg, doch aus seinem Kegel drang ein Zischen, das immer mehr anschwoll.

Shiwa schleuderte eine Handvoll roter und schwarzer Brocken aus dem dampfenden Schlund, die rollend und polternd den Hang hinabkullerten. Weder der Balian noch der blinde Priester rührten sich. Der Balian sah das Unheil, Atun hörte es, aber er lief nicht weg.

Das Poltern der Steine wurde lauter und schwoll zu einem Getöse an, als die großen Steine sich ihren Weg suchten. Sie sprangen hoch, hüpften in langen Sätzen, kullerten oder rollten und sprangen erneut hoch in die Luft.

„Der Herr schickt die Dämonen“, sagte der Priester, aber der Balian verstand die Worte nicht, die im Rollen der Steine untergingen. Er wußte nur, daß der Berg ein Opfer wollte – ihn oder den Priester.

Und so geschah es auch.

Einer der polternden Steine traf Atun, und der Priester starb, ohne zu klagen, ohne ein Wort auf den Lippen.

Danach war alles vorbei. Der blinde Atun war tot, er lag still und friedlich auf dem Boden, dicht neben dem Stein, der ihn erschlagen hatte.

Der Gunung Agung wurde ruhig, bis auf eine kleine weißgraue Rauchfahne, die immer noch seinem Kegel entströmte. Das Rumpeln und Dröhnen, Poltern und Zittern hörte auf.

Dafür aber sah der Balian etwas anderes, als er aufs Meer blickte.

Es schien am Horizont zu kochen und zu brodeln, und es wurde immer unruhiger.

Lange, schäumende Wellen liefen auf den Strand.

Etwas später bewegte sich eine Prozession zum Strand hinunter, die von dem Balian angeführt wurde.

Die Leute drehten sich immer wieder scheu um und warfen heimliche Blikke zu dem Berg, von dem Shiwa gesprochen hatte. Shiwa, der Herr, hatte dem eigentlichen Vulkangott Basaki den Ausbruch befohlen, aber Shiwa war mächtiger, und der Balian hielt sich in seinen Gebeten immer an ihn.

Es schien, als seien alle beide besänftigt, denn noch immer drang nur eine schwache Rauchfahne aus dem Krater.

Dafür war das Meer um so wilder und aufgepeitschter, obwohl nicht viel Wind wehte.

Die Prozession schritt zum Wasser, wo sich der große Seetempel befand, der den Seefahrern Schutz vor Dämonen bot.

Obwohl Ebbe herrschte und der Seetempel sich dann auf Land befand, stand er diesmal tief im Wasser. Eine langgezogene Dünung rannte gegen ihn an, und weiße Schaumkronen brachen sich an ihm. Gischt stäubte auf, in langen dünnen Schleiern, die wie Spinnweben pausenlos in der Luft hingen.

Vor dem heiligen Seetempel verharrte die Menge, jung und alt blieben stehen und sahen auf den Balian, der geistesabwesend einen vierfachen magischen Kreis andeutete und erst dann mit hoch erhobenen Armen den Seetempel betrat.

Er wirkte wie in Trance, sein Blick war veschleiert, seine Bewegungen waren marionettenhaft.

Dann verschwand er in dem Merus, dem Seetempel, der aus sieben übereinandergestellten Dächern bestand.

Auch dieser Tempel war Shiwa geweiht, bis auf den kleinen Ahnentempel, der zu Ehren von Shiwas elfköpfigem Sohn Ganesha errichtet worden war.

Länger als eine Stunde blieb der Medizinmann in dem Seetempel und befragte die Götter, ob ein Unglück die Insel heimsuchen würde.

Als er zu der schweigenden Menge zurückkehrte, kündete der Blick seiner Augen von Unheil, und sein Gesicht war düster. Er blickte zum Gipfel des Gunung Agung auf und sprach mit leiser, kaum hörbarer Stimme.

„Ein Unglück wird geschehen. Das Meer wird sieden und brodeln, und es wird fremde Seefahrer zur Insel schleudern. Nehmt euch in acht vor ihnen, es wird schon bald passieren.“

Ein Mann der untersten Kaste, der der Jabe angehörte, richtete sich aus seiner kauernden Stellung auf.

„Was können wir tun, Balian?“

„Nichts“, murmelte der Medizinmann. „Wir müssen es erwarten, und es soll so geschehen, wie der Herr über Leben und Zerstörung gesagt hat. Geht jetzt und holt Atun. Bringt ihn zum Friedhof.“

„Und was ist mit dem Fest, Balian?“ fragte ein Brahmane, ein dürrer ausgemergelter Mann, der der höchsten balinesischen Kaste angehörte. „Hanuman, der König der Affen, wird uns grollen, auch der Dämon Barong!“

„Wir werden es für ein paar Sonnenaufgänge verschieben“, lautete die Antwort des Medizinmannes.

Die Menge wandte sich schweigend vom Strand ab und kehrte zurück.

Zwei junge Balinesen holten den toten Atun und brachten ihn zum Friedhof.

Dort wurde der Priester aber nicht beigesetzt, denn ihm stand eine aufwendige Verbrennung bevor. Er wurde vorerst auf dem Friedhof unter schützenden Matten zur vorläufigen Verwesung ausgelegt.

Die festliche Stimmung war vorbei, die Insulaner warfen immer wieder besorgte Blicke auf das Meer, das sich wie wild gebärdete. Schon lange hatte man dieses merkwürdige Naturereignis nicht mehr gesehen, lediglich die alten Brahmanen wußten noch darüber zu berichten.

Immer wenn sich das Meer so wild benahm, obwohl kein Wind es aufwühlte, geschah ein Unglück, und über die Insel kamen Unheil und Verderben wie jene riesige Flutwelle, die über den Norden der Insel gebraust war und fast alles Leben vernichtet hatte.

Ein ähnlicher Vorgang würde sich wiederholen, das stand für alle fest, und niemand vermochte es zu ändern.

In den Gesichtern der fröhlichen Menschen standen Schatten der Angst und der Trauer. Einige von ihnen ahnten, daß das Brodeln der See mit dem Vulkanausbruch zusammenhing, denn so war es schon einmal vor langer Zeit gewesen. Auch damals hatte sich der Vulkangott Basaki wieder beruhigt, aber dafür hatte er die See aufgewühlt, und eins war so schlimm wie das andere.

Mit Bangen wurde die Nacht erwartet, doch das Meer beruhigte sich nicht, es wurde nur noch wilder, und damit würde sich die Voraussage des Medizinmannes genauso bewahrheiten, wie sie verkündet worden war.

Das fremde Schiff war es nicht, was ihnen Angst einflößte, und auch die Männer schreckten sie nicht, vor denen sie sich in acht nehmen sollten, wie der Balian gesagt hatte.

Es war nackte Existenzangst, die Urangst, das Leben durch die tobende See zu verlieren. Man wurde zwar nur geboren, um zu sterben, aber selbst auf der Insel starb man nicht gern.

Noch einmal zogen sie in dieser Nacht ans Meer und beteten zu den Göttern, die sich nicht besänftigen ließen.

Die Nacht war pechschwarz, dunkle Wolken jagten über den Himmel. Der Mond hatte sich hinter finsteren Wolkenbänken versteckt, und jetzt heulte auch auflandiger Wind von der See her und trieb lange weiße Schaumkronen an den Strand.

Die einzige Stelle, die man erkennen konnte, war das Riff, das sich zwei Meilen vor der Küste befand. Es war ein Korallenriff, an dem sich donnernd die Wassermassen brachen und aufgischteten.

In den Palmenwedeln rauschte es, der Wind peitschte ihre Kronen und schüttelte die Kokosnüsse herab. Immer wilder wurde die See.

Und dann – gegen Morgen – riefen sie alle wild durcheinander, als das erste Grau über das Meer zog.

„Da ist das Schiff, das der Balian verkündet hat!“

Tatsächlich war im dunstigen Grau über dem aufgewühlten Meer ein großer Schatten mit nur einem Mast zu sehen. Der andere war vom Sturm oder von überkommender See geknickt worden.

Das Schiff der Fremden fuhr keinen Fetzen Tuch mehr an den Masten, es torkelte und schlingerte durch die See. Es lag mit Kurs auf die Insel, und der Wind, der es vor sich hertrieb, würde es mit Sicherheit auf das Korallenriff werfen, wenn nicht noch ein Wunder geschah.

Wie ein dunkelgraues Gespenst jagte es heran, taumelnd und rollend, ein hilfloser Spielball des erregten Meeres.

Erst einmal hatten die Menschen von Bali ein derart großes Schiff gesehen, aber das war schon lange her, und die Fremden waren ganz dicht an der Insel vorbeigesegelt, ohne hier anzulegen.

Aufregung bemächtigte sich der Leute, und der Brahmane fragte den Balian, ob sie den Fremden helfen sollten.

„Nein“, entschied der Medizinmann. „Mit unseren Booten schaffen wir die Brandung nicht, ohne zu ertrinken. Außerdem sind die Fremden Dämonen, die Unheil über uns alle bringen werden.“

„Können Dämonen denn in Not geraten?“ fragte ein junger Mann, der aufgeregt über das Wasser blickte, wo das fremde Schiff jetzt heranritt wie ein großer schwarzer Teufel.

„Sie können“, beschied der Balian. Mißtrauen lag in seinen dunklen Augen und Furcht vor dem hölzernen großen Ungetüm, das sich immer weiter dem Riff näherte.

Dann schwieg er und richtete den Blick wieder starr auf das fremde Schiff, das sich hilflos in den Wellen um seine eigene Achse drehte.

Immer dichter trieb der Wind es auf die Nordküste zu. An Bord des Fremden waren nun auch vereinzelte Gestalten zu erkennen, hilflose Männer, die nicht mehr in der Lage waren, ihr Schiff zu steuern.

Und sie sahen auch das Riff nicht, das jetzt vor ihnen aufwuchs, sich aber nur durch die langen Gischtfahnen und aufbrandende Wellen verriet.

In dem wilden Auf und Ab hantierten sie an einem Boot, und sie hatten es auch schon auf halbe Höhe hochgezogen, doch da donnerte eine harte Welle gegen die Seite und warf das Schiff fast um.

Das Boot sauste an Deck zurück, ein paar Männer verloren den Halt und wurden von wirbelnden Wassermassen begraben.

Stumm standen die Insulaner da, ohne ein Wort auf den Lippen. Selbst der Balian blieb stumm und in sich gekehrt. Nur sein mißtrauischer Blick änderte sich nicht.

Ebenso reglos sahen sie zu, wie die See einen Mann über Bord wusch. Mit weit ausgebreiteten Armen verschwand er in der See und tauchte auch nicht mehr auf. Das Meer verschlang ihn gierig.

Der Medizinmann drehte sich um.

„Die Wassergötter werden noch viele Opfer fordern“, sagte er. Dann schwieg er wieder.

Es war ein grausames Schicksal, das die Fremden dort draußen vor dem Riff erlebten. Sie kämpften hart um ihr Leben, jetzt, da sie ganz dicht vor dem Riff waren.

Das Schiff tanzte und hüpfte in wilden Sprüngen, wälzte sich hart durch das Wasser und richtete das Heck mitunter steil zum Himmel.

Es war jetzt heller geworden. Über der Kimm ließ sich ganz zaghaft ein feiner Strahlenkranz sehen, der aber alle Augenblicke von Wolken verdunkelt wurde.

Dann ging ein Aufschrei durch die reglos am Strand stehende Menge.

„Das Riff!“

Es ging alles ganz schnell. Eine große wild anrollende Woge hob das Schiff der Fremden hoch empor, schleuderte es mit gewaltigem Schwung gleichzeitig nach vorn und warf es mit unvorstellbarer Kraft auf das Korallenriff.

Die Götter der See schlugen unbarmherzig zu. Sie kannten keine Gnade, kein Erbarmen und erst recht kein Mitleid. Sie zerstörten das, was ihnen nicht gefiel, und dieses Schiff gefiel ihnen nicht.

Das Krachen war laut und schrecklich klar bis an den Strand zu hören, obwohl das Riff zwei Meilen entfernt war. Es war ein harter berstender und laut schmetternder Schlag, der mühelos das Rauschen des Windes und das Fauchen der See übertönte.

Der einzige noch stehende Mast zersplitterte, als habe ihn eine Riesenfaust zerbrochen. Eine Rah flog wie ein Geschoß durch die Luft und wirbelte ins Wasser.

Das Vorschiff brach ab, Planken stoben nach allen Seiten und zersplitterten, anschließend löste sich ein ganzer Teil der Seite und schwamm in der See.

Doch damit hatte es noch kein Ende.

Eine zweite Welle hob das Wrack an und warf es noch einmal mit aller Kraft auf die Korallenbank.

Diesmal löste sich das Achterschiff auf. Es fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen, rutschte in die See und wurde hin und her geschleudert, bis auch die letzten noch zusammengefügten Teile auseinanderbrachen.

Die Leute am Strand hörten Männer schreien, die in der See um ihr Leben schwammen. Ihre Köpfe waren kleine dunkle Punkte auf einer wild bewegten Obefläche zwischen treibenden Planken, Balken, Spieren und Trümmern.

Das Schiff selbst ähnelte jetzt einem Gerippe, aus dem nach allen Seiten zersplitterte Knochen herausstanden. Und dennoch hatten die gestrandeten Fremden unwahrscheinliches Glück, denn ihr Beiboot tanzte plötzlich auf dem Wasser, ohne zu kentern. Trotz der hohen stürmischen See gelang es einigen, in das Boot zu klettern.

Der Balian sah mit fast unbewegtem Gesicht zu. Reglos stand er da, sein Körper war leicht nach vorn geneigt. Er rührte sich nicht, und er dachte immer noch nicht daran, diesen Fremden zu helfen, deren halbvoll besetztes Boot nun auf den Strand zutrieb.

In der Brandung kippte es mit Donnergetöse um und spie die Männer ins Wasser.

Die Fremden schrien etwas in einer Sprache, die niemand verstand. Einige hatten lange Haare im Gesicht und rollten wild mit den Augen.

Unter lauten Verwünschungen schwammen oder paddelten sie an Land, und erst da geriet Bewegung in die Insulaner.

Einige von ihnen gingen ins Wasser und reichten den Fremden die Hände, aber die Fremden schüttelten sie mißmutig ab, wiesen die hilfreichen Arme zurück oder schlugen nach den Insulanern.

Sie halfen sich gegenseitig, als sie den Strand erreichten, spien Wasser aus, und laute harte Worte erklangen.

Ein großer schwarzhaariger Mann, nur mit einer Leinenhose bekleidet, stapfte auf den Strand und schüttelte sich. Eine Weile blieb er stehen, dann ging er zurück ins Wasser, um den anderen zu helfen und einen nach dem anderen an Land zu ziehen.

Immer noch stand der Balian da und musterte aus den Augenwinkeln die fremden Männer. Es waren seltsame Männer mit furchtbaren Gesichtern, mit haarigen Gesichtern und solchen, auf denen nur Stoppeln wuchsen. Zwei waren dabei, die von einer der anderen Inseln stammen konnten, denn ihre Züge verrieten die Eingeborenen der Inselwelten. Wieder andere waren gänzlich fremd.

Unter lautem Gebrüll zogen sie das umgeschlagene Boot an Land. Danach wurde es mit vereinten Kräften bis hoch auf den Strand gezogen.

Der Balian wich zurück, als einer der Männer auf ihn zuging. Sein Haar war klatschnaß, Salzwasser lief über sein Gesicht.

„Verstehst du mich?“ herrschte er den Balian an.

Der Medizinmann verstand ihn, denn der Mann sprach eine ähnliche Sprache, wie sie auch auf den Nachbarinseln gesprochen wurde.

„Ja, ich verstehe dich“, sagte er widerwillig. Er verspürte tiefe Abneigung gegen diesen Mann, gegen alle Schiffbrüchigen, und er wußte mit Sicherheit, daß es noch sehr viele Schwierigkeiten mit diesen Fremden geben würde.

„Das ist gut“, sagte der Fremde. „Ihr verlausten Halunken steht hier herum, ohne eine Hand zu rühren. Aber das wird sich gleich ändern. Bist du hier der Medizinmann?“

„Ja, ich bin der Balian!“

„Dann hör mir gut zu, du Sohn einer Ente: Du wirst jetzt dafür sorgen, daß die angeschwemmten Kisten und Fässer alle an Land gebracht werden. Auch das Holz wird alles in Sicherheit gebracht. Hast du das verstanden?“

Als der Balian nicht gleich antwortete, erhielt er einen harten Stoß vor die Brust. Die anderen Insulaner sahen es mit Entsetzen und wollten eingreifen, aber zwei der Fremden hatten plötzlich lange Messer in den Händen und warteten mit tückisch funkelnden Augen und grinsenden Gesichtern darauf, daß sie angriffen.

Von den Balinesen hatte nur einer einen Kris, die anderen waren nicht bewaffnet.

Der Balian erhob sich, Zorn funkelte in seinen Augen.

„Ob du das verstanden hast, du Wanze!“ wiederholte der Mann.

Einer der anderen hatte sich dem Balian ebenfalls genähert. Er nahm das Entermesser und drückte es dem Medizinmann an den Hals. Dazu fluchte er laut und drohend in einer dem Balian unbekannten Sprache.

„Los, fangt an!“ schrie der andere. „Das Zeug treibt schon auf den Strand zu! Oder sollen wir dir erst den Hals durchschneiden?“

Der Balian stand hoch aufgerichtet da. Unendliche Verachtung lag in seinen Zügen, aber er fügte sich und sagte ein paar Worte zu den anderen Insulanern.

Die wateten ins Wasser und begannen unverzüglich, die angeschwemmten Holz- und Wrackteile zu bergen und auf den Sand zu legen.

Mittlerweile trieb auch ein Toter an den Strand, es war der erste von etlichen anderen, die noch folgen sollten.

Die Fremden halfen zwar anfangs mit, doch als sie sahen, daß die Insulaner schufteten, standen sie faul herum, befahlen nur noch oder bedachten die Balinesen mit Tritten, wenn es nicht schnell genug ging.

Schließlich rührte von den Fremden keiner mehr eine Hand. Ungeniert zogen sie ihre nasse Kleidung aus, wrangen sie aus und zogen sie wieder an.

Einen Mann, der noch lebte, holten sie selbst aus dem Wasser, und auch lange schwarze Rohre durfte keiner der Insulaner anfassen.

Dafür durften sie schuften und alles an Holz bergen, was es zu bergen gab, und das war nicht gerade wenig.

Gegen Mittag lag ein ansehnlicher Berg so hoch am Strand, daß ihn das Wasser nicht mehr erreichen konnte.

Zu der Zeit beruhigte sich auch wieder der Wind. Die Wellen mäßigten sich und wurden kleiner. Nochmals eine knappe Stunde später lag die See fast spiegelglatt und ruhig da. Von einem blauen Himmel schien heiß die Sonne.

Fast zwanzig Fremde zählte der Balian. So viele hatten überlebt. Am Strand lagen weitere sieben Männer, reglos, mit weit offenen Augen, die ertrunken und von der See angespült worden waren.

Einige weitere wurden offenbar noch vermißt, denn immer wieder suchten die Fremden die See ab.

Das zersplitterte Wrack hockte jetzt reglos und immer noch massig auf der vorgelagerten Korallenbank. Der Balian hörte, wie sich die Fremden unterhielten und immer wieder aufs Wasser deuteten.

Der Mann, der seine Sprache sprach, trat näher.

„Ihr könnt jetzt verschwinden“, befahl er herrisch. „Bis zum Abend werdet ihr uns eine Hütte bauen. Wenn die bis zum Sonnenuntergang nicht fertig ist, nehmen wir eure Hütten.“

„Was haben wir euch getan?“ fragte der Balian. „Wir sind nicht am Untergang des Schiffes schuld, und wir haben euch nicht gerufen. Ihr bringt Unfrieden über unser Land.“

Der Mann tat so, als habe er nichts gehört. Während er weitersprach, blickte er zu dem Wrack hinüber.

„Ihr werdet uns selbstverständlich verpflegen“, sagte er. „Wir brauchen zwei gebackene Schweine und viele Früchte. Jetzt verzieh dich und wehe, es geschieht nicht alles das, was ich befohlen habe. Wenn ihr gehorcht, geschieht euch nichts. Aber im anderen Fall werden wir euch mit den Donnerrohren jagen, bis euch die Haare ausgehen.“

Der Balian wußte zwar nicht, was ein Donnerrohr war, aber die Drohung wirkte trotzdem.

Allerdings sann er darüber nach, wie sie diese aufsässigen und größenwahnsinnigen Fremden wieder verjagen konnten. Vielleicht gelang das mit dem vierfachen magischen Kreis oder mit Hilfe des Sanghyan-Djaran-Zeremoniells. Er war jedenfalls nicht gewillt, sich von diesen Fremden unterdrücken und knechten zu lassen. Auf dieser Insel bestimmten die Eingeborenen und sonst niemand.

Ohne Antwort zu geben, drehte er sich um. Seine Leute folgten ihm. Sie verschwanden in Richtung der Hütten.

Dort berieten sie, was zu tun sei, seit über der Insel der Schatten der unheimlichen Fremden lag.

Noch wußte es niemand.

2.

Länger als eine. Woche war die „Isabella VIII.“ fast Nordkurs an der Westküste Australiens entlanggesegelt.

Dann beschrieb die Küste einen scharfen Knick, und jeder nahm an, daß der Seewolf nun wieder Ostkurs segeln würde, um auch noch den Rest des sagenhaften „Südlandes“ zu erkunden.

Aber das Fazit dieser Reise hatte Philip Hasard Killigrew längst gezogen.

Es gab kein Südland, jedenfalls nicht in dem Sinne der Mären und Legenden, die von einem riesigen Land im Süden sprachen, einem Kontinent, ähnlich dem europäischen oder amerikanischen.

Sie hatten eine Insel gefunden, das stand mit absoluter Gewißheit fest, und das bewies auch dieser Küstenstrich in östlicher Richtung.

Hasard hatte die letzten Eintragungen abgeschlossen und in die Seekarte übertragen. Ein letzter Rest Ungewißheit in östlicher Richtung blieb noch, und dieser Teil war auf der Karte mit einem Fragezeichen versehen. Aber die reine Logik sagte ihm, daß der Verlauf dieser Küste später wieder einen Knick beschrieb und sie auf diese Art und Weise früher oder später wieder zu jenem riesigen Riff gelangen würden, das man fraglos als das größte und längste der gesamten Welt bezeichnen konnte.

Der Seewolf verließ seinen Platz auf dem Achterdeck und versammelte die Crew um sich.

Ein neuer Kurs wurde festgelegt und besprochen. Da ihr weiteres Schicksal davon abhing und ihnen die „Isabella“ außerdem gemeinsam gehörte, wurde ganz einfach abgestimmt.

Bei dieser Methode gab es kein Murren, kein Meckern und Motzen und keinen Streit. Jeder bestimmte also sein Schicksal selbst mit.

„Von nun an“, begann Hasard, „verläuft der Küstenstrich vorerst in nordöstlicher Richtung. Später wird er wieder so nach Süden verlaufen, daß wir auf das riesige Riff treffen. Segeln wir also in dieser Richtung weiter, wird uns das keine neuen Erkenntnisse bringen. Dieses Land ist eine Insel, das steht fest. Wenn wir nach Norden segeln, gelangen wir meiner Ansicht nach wieder in die langgestreckte Inselkette des Pazifischen Ozeans.“

„Und wenn wir nach Westen drehen, Sir?“ fragte der Schiffszimmermann Ferris Tucker. „Wo gelangen wir dann hin?“

„Mit Sicherheit sind wir dann gleich im Indischen Ozean und würden uns auf die ostafrikanische Küste zubewegen“, entgegnete der Seewolf. „So weit haben wir die Eintragungen auf der Karte. Da ist natürlich noch sehr viel offen, aber wir wissen, daß die Erde rund ist, und sehen unsere Route diesmal nur aus einer weit südlicheren Perspektive.“

„So ist das also“, sagte Ferris Tukker andächtig. „Pazifischer Ozean, Indischer Ozean und dann wieder Atlantik. Habe ich recht?“

„In westlicher Richtung, ja, Ferris.“

Der alte O’Flynn, der neben dem schweigenden Profos Edwin Carberry stand, grämte sich wieder einmal. Er hatte nicht den geringsten Durchblick in der Navigation, obwohl er ein mit allen Meeren getränktes Rauhbein war. Aber diese Ortsbestimmungen gingen ihm gegen den Strich.

Verdammt, das kapierte er nie, obwohl sie es ihm schon oft erläutert hatten. Wasser war Wasser, bei allen lausigen Meermännern. Und da konnte sich nicht einer mitten auf den Ozean stellen und einfach behaupten: So, wir sind genau da und da!

No, Sir, das konnte man nicht wissen, wenn man nicht mit dunklen Mächten im Bund stand, die einem das zuraunten.

Sein Gesicht wurde mißtrauisch und seine Augen schmal.

„Wie, beim dreimal geschwänzten altisländischen Troll, wollt ihr Kerle das eigentlich immer wissen?“ fragte er lauernd.

„Sind wir etwa nicht immer da gelandet, wo wir wollten?“ fragte der Profos. „Oder hast du alter Salzhering das immer noch nicht begriffen, was, wie?“

„Nicht immer“, sagte O’Flynn mit mahnend erhobenem Zeigefinger. „Nicht immer, du aufgeblasener Kugelfisch! Und wenn wir jetzt zur Schlangen-Insel segeln wollen, wie segeln wir dann, he?“

„Genau, wie du es eben schon gehört hast“, sagte der Profos gemütlich. „Nämlich durch den Indischen Ozean, den Atlantischen Ozean und wieder nach Norden. Es gibt aber auch einen umgekehrten Weg durch den Pazifischen Ozean um das Kap der Stürme herum. Dann landen wir wieder im Atlantischen Ozean.“

Hasard stand lächelnd dabei und amüsierte sich, wie Old O’Flynn sich vergeblich um einen klaren Blick bemühte.

Immer noch sah er den Profos mißtrauisch an, der jetzt endlich begriffen hatte, wie das alles zusammenhing.

Aber der Alte winkte ab.

„Segelt, wohin ihr wollt, ich kapiere das nie mehr in meinem Leben. Ein Ozean Steuerbord, der andere Backbord und mittendrin noch so eine lausige Pfütze. Oben und unten Wasser. Ja, zum Teufel“, ereiferte er sich, „nimmt mich wunder, daß man bei dem vielen Wasser überhaupt noch mal Land sieht.“

Da half alles nichts, daß O’Flynn ein vorzüglicher Seemann war, das Auffinden von Orten, die mehr als tausend Meilen entfernt waren, hatte für ihn etwas Unheimliches an sich.

„Ja, das wundert uns auch“, sagte Carberry grinsend. „Da muß wohl der Zufall seine Hand im Spiel haben.“

Hasard blickte in den blauen Himmel und stellte fest, daß sich der Wind zu drehen begann. Der rauhe Geselle, der sie über die Meere der Welt trieb, drehte unmerklich und blies dann fast aus Ost. Vermutlich hing das mit der riesigen Landmasse und dem freien Meer zusammen, das nun wieder vor ihnen lag.

„Wer ist dafür, daß wir nach Osten segeln?“ fragte er laut. „Und wer hebt die Hand dafür, daß wir auf Nordkurs bleiben?“

„Und da gelangen wir ganz sicher wieder in die Südsee?“ fragte Blacky.

„In einen Teil davon“, sagte Hasard. „Meinen Berechnungen nach werden wir uns dann westlich der Insel befinden, wo es die Papuas gab.“

Der junge Bill hob zaghaft die Hand.

„Noch weiter nach Norden gelangen wir in das Land des Großen Chan, Sir, stimmt das?“

„Ha, jetzt weiß ich, wo wir sind“, schrie der alte O’Flynn dazwischen. „Jetzt hab ich alles begriffen.“

„Auch das stimmt, Bill“, sagte der Seewolf. „Aber so hoch hinauf werden wir diesmal nicht segeln.“

Bill dachte an ein Mädchen, ein mandeläugiges Chinesenmädchen von knabenhafter zarter Figur, und er wußte auch noch ihren Namen. Sie hieß Ch’ingchao Li-Hsia, und dieser Name bedeutete soviel wie „Flüssiges Licht im beginnenden Sommer“. Da war er zum erstenmal in seinem Leben so richtig verknallt gewesen und hatte sich aufgeblasen und ständig groß angegeben, sobald er sie nur erblickte.

Aber das lag schon lange zurück und erschien ihm wie eine Ewigkeit, als sie damals die Flußbraut, die auf einem Floß im Meer schwamm, halb tot aus dem Wasser gezogen hatten.

„Nach Norden!“ rief der Decksälteste Smoky spontan, und auch Bill entschied sich für den Nordkurs.

Eine Hand nach der anderen hob sich. Stenmark und Luke Morgan zögerten noch unentschlossen, doch als der Profos, Tucker, Big Old Shane, Jeff Bowie und der Kutscher die Hand hoben, da streckten sie ihre Flossen auch hoch in die Luft und entschieden sich für den Kurs nach Norden.

„Weshalb sollen wir diese lausige Insel noch einmal runden?“ fragte Old O’Flynn. „Die kennen wir doch längst. Am besten segeln wir direkt nach Irland weiter.“

Carberry sah den Alten fassungslos an und stöhnte leise.

„Er hat es immer noch nicht kapiert“, sagte er klagend. „Das ist ja ein Kreuz mit diesem Burschen.“

Hasard setzte dem gleich folgenden Gezeter rechtzeitig ein Ende.

„Wir segeln also Nordkurs“, sagte er, „damit ist es entschieden. Vielleicht hat einer der ehrenwerten Gentlemen schon gemerkt, daß der Wind leicht drehte.“

Das hatten die meisten nur halb mitgekriegt, und selbst der Profos bildete da keine Ausnahme. Aber das lag nur an der Diskussion, und es war auch nicht weiter schlimm.

„Was steht ihr noch herum und gafft euch die Klüsen aus dem Kopf?“ grollte Carberry. „Das Raumschotsegeln ist vorbei. Wir gehen auf Backbordbug! Und wenn ihr triefäugigen Bilgengespenster nicht gleich auf Stationen seid, dann wird euch der alte Carberry die …“

Jeder wartete jetzt auf Carberrys Lieblingsspruch, und die ersten Männer unternahmen Anstalten, ihn nachzuäffen.

„… Rahen vom Hals bis in den Achtersteven schieben und euch am Spieß grillen!“ sagte er ungerührt.

„Das ist ja ein starkes Stück“, empörte sich Smoky. „Das mit dem Affenarsch lasse ich mir ja noch gefallen, aber wie sehen wir denn mit den Rahen im Hals aus?“

Etwas später segelte die „Isabella“ mit Steuerbordhalsen auf Backbordbug bei Wind aus Ost.

An Steuerbord wurde das Land unmerklich kleiner, aber weiter nach Nordosten zu war noch sehr lange der Küstenstrich zu sehen, bis auch der unmerklich Steuerbord achteraus verschwand.

Wieder einmal war die „Isabella“ auf hoher See und bewegte sich durch eine langrollende Dünung.

So ging es den ersten, den zweiten und auch den dritten Tag. Es gab nur See und Himmel zu sehen, und nur einmal sahen sie dicht unter der Kimm die Masten eines Schiffes. Doch das Schiff verschwand innerhalb einer knappen Stunde und wurde nicht mehr gesichtet.

Ab und zu ließ der Seewolf mit Hilfe des Logs die Geschwindigkeit des Schiffes messen und trug die zurückgelegte Strecke in die Seekarte ein, die sein ganzer Stolz war. Er schätzte, daß sie in einer Woche wieder Land sehen würden. Bis dahin gab es nichts als Wasser und Sonne, Wind und blauen Himmel. Im fernen England schrieb man den vierundzwanzigsten Juni fünfzehnhundertneunzig.

„Richtig stinklangweilig ist es“, sagte Hasard junior zu seinem Zwillingsbruder Philip am vierten Tag auf See. „Es passiert aber auch rein gar nichts.“

„Dann müssen wir was passieren lassen“, erwiderte Philip trocken.

„Aber was?“

„Weiß ich auch noch nicht. Aber etwas, das alle aufregt.“

„Dann gibt’s wieder Senge.“

„Ach was“, sagte Philip. „Soll ja keiner einen Schaden dabei erleiden. Nur so ’n bißchen was zum Lachen.“

„Du meinst, die Erwachsenen verulken?“

„Klar, das meine ich. Paß mal auf.“

Die beiden Helden entwickelten einen Plan, um das Bordleben wieder etwas aufzubrassen, wie Hasard sagte.

Nochmals einen Tag später fiel dem Profos auf, daß sein Lieblingsvieh, der Aracanga-Papagei Sir John, immer einen ganz bestimmten Platz auf dem Vordeck anflog, dort eine Zeitlang buchstäblich verschwand und erst viel später auf die Rah zurückkehrte. Dann blieb er oben hocken, krächzte obszöne Flüche an Deck und suchte nach einer Weile wieder das Vordeck auf.

Carberry stand sinnend am Schanzkleid und sah dem bunten Vogel nach.

„Merkwürdig“, sagte er zu Tucker. „Das tut Sir John nur sehr selten, daß er zum Vordeck fliegt. Was tut er da?“

„Sieh doch mal nach“, schlug der rothaarige Schiffszimmermann vor. „Aber wahrscheinlich hat der Vogel nur Langeweile.“

„So wichtig ist es nun auch wieder nicht“, meinte Ed, aber nach einer Weile ließ es ihm doch keine Ruhe mehr, denn Sir John startete immer in ganz bestimmten Abständen zum Vordeck.

Der Profos nahm die Stelle in Augenschein und ging nach vorn. Aber den Aracanga sah er zu seiner Verblüffung nicht.

„He, Smoky“, sagte Ed zu dem Decksältesten. „Hast du Sir John gesehen?“

„Vorhin flog er noch hier herum. Ich glaube, er ist in einen der alten Verschläge gesaust, da, hinter dem Schott.“

„Was für ein Verschlag?“

„Wo früher immer die Hühner drin waren.“

„Ach ja, richtig.“

Carberry entsann sich wieder. Ferris Tucker hatte die Hühnerkäfige einmal in England gebaut, und sie waren auf dem Vordeck verkeilt worden, aber seit langem unbeachtet, denn zur Zeit gab es an Bord keine Hühner mehr.

Hinter dem Schott standen die Käfige sicher, und Ferris hatte sie von den Seiten zusätzlich mit Brettern vernagelt.

Der Profos ging hinter das Schott und fand, daß einer der Käfige offen war.

Er hatte sich dem Käfig noch nicht ganz genähert, als zeternd und kreischend der Papagei herausstolzierte, sich aufplusterte und mit weit ausgebreiteten Schwingen in die Höhe strebte, dem Großmars entgegen.

Carberry schüttelte den Kopf, ließ sich auf alle viere nieder und streckte sein narbiges Gesicht mit dem ungeheuren Rammkinn in den Käfig, um herauszufinden, was Sir John so daran interessierte.

Inzwischen waren auch Smoky, Gary Andrews und Matt Davies auf dem Vorschiff erschienen, angelockt durch Carberrys merkwürdiges Benehmen.

Sie sahen von ihrem Profos allerdings nur den Achtersteven, denn der hockte immer noch auf den Planken und glotzte sich in dem Käfig die Augen aus.

Was er da allerdings sah, ließ ihn an seinem eigenen Verstand fast zweifeln. Er schloß ein paarmal krampfhaft die Augen, öffnete sie wieder, zwinkerte und konnte nicht glauben, was er sah.

Auf dem Boden des Käfigs befand sich ein großes Nest, schön hergerichtet aus Sägespänen, alten Stoffresten, größeren Holzsplittern und Unmengen von Sonnenblumenkernen. Das alles war kunstvoll drapiert, gezogen, gebogen und in Form gebracht.

Der Profos kriegte richtige Stielaugen, denn nicht nur das Nest war es, was ihn irritierte und hilflos vor sich hin blicken ließ.

„Nein, das allein war es nicht, denn in dem kunstvoll und liebevoll gebauten Nest lagen drei Eier, drei richtige Eier von leicht hellbrauner Farbe mit einigen grünlichen Tupfern darauf.

Dem Profos kamen vor Rührung fast die Tränen. Er schluckte andächtig und verstand die Welt nicht mehr.

Sir John, sein Sir John, hatte Eier gelegt! Ein Unding, seit die Welt bestand!

Er zog sich vorsichtig zurück. Seine ganze Welt stand kopf.

Als er endlich fassungslos und mit knallrotem Schädel vor den anderen stand, verging denen ihr Grinsen. Sie sahen ihren Profos entgeistert an.

„Fehlt dir was, Ed?“ fragte Smoky besorgt.

Carberry starrte fast verzückt in unbekannte Fernen, und auf seinem Narbengesicht lag ein andächtiges Leuchten, als er sagte: „Ich glaube, mich knutscht eine Seekuh!“

„Hä?“ fragte Matt Davies. „Sollen wir den Kutscher holen, Ed? Vielleicht hast du auch das Dingsbums, das Smoky damals hatte, diesen, äh – na ja, dies Dings im Kopf!“

Carberry hörte gar nicht zu. Er stand da, schüttelte den Kopf und merkte gar nicht, daß die anderen sich fragten, weshalb den guten Ed ausgerechnet eine Seekuh geknutscht hatte.

Endlich brach es aus ihm hervor.

„Sir John hat drei Eier gelegt“, sagte er, und jeder war sich absolut sicher, daß es verdammt feierlich klang.

Ed sah in entgeisterte Gesichter, Augen starrten ihn so ungläubig an, als zweifle jeder an seinem Verstand.

„Spinnst du etwa?“ fragte Smoky grob. „Oder willst du uns nur verschaukeln?“

„Mann, Profos“, sagte Matt Davies eindringlich. „Überlege dir doch mal, was du da eben verkündet hast! Sir John ist schließlich ein ausgewachsener Mann, äh – männlicher Vogel, meine ich, und die legen bekanntlich nur krumme Eier.“

„Dann ist es jetzt eben eine Sir Johnin“, sagte Ed. „Und wenn ihr grünen Stinte das nicht glaubt, dann glotzt euch das Gehege doch selbst an. Aber wehe, einer berührt auch nur ein Ei! Dem ziehe ich persönlich die Ärsche von seinen Streifen – äh, verdammt, ich bin ganz aufgeregt. Seht selbst nach, aber ganz vorsichtig!“

Smoky kroch als erster hinein, und als er das Gelege erblickte und wieder zurückkroch, da glänzten auch seine Augen, und er schüttelte fassungslos den Kopf.

„Das – das ist ja ein – ein Unding“, sagte er krächzend.

Einer nach dem anderen kroch hinein und kehrte ebenso verdattert wieder zurück.

Sie alle blickten zur Großrah, wo Sir John sich aufplusterte und krächzende Laute von sich gab.

„Mann, wie war das nur möglich?“ stammelte Matt Davies, der es immer noch nicht glauben konnte, aber er hatte die Eier selbst gesehen, das war keine Täuschung gewesen.

„Ich entsinne mich jetzt, daß Sir John ein paarmal an Land flog“, sagte Gary Andrews nachdenklich. „Da gab es ja immerhin genügend Papageien. Und die werden schon gemerkt haben, daß er kein Männchen, sondern ein Weibchen ist.“

„Richtig, da waren auch weiße Papageien mit gelben Hauben dabei“, sagte Smoky. „Das gibt bestimmt so eine Mischung wie zwischen Negern und Weißen. Na, auf die Jungen bin ich gespannt.“

„Geht weg, er will in sein Nest!“ rief der Profos. „Mich wundert, daß er die Eier nicht ständig bebrütet.“

„Vielleicht will er sich nur den Hintern kühlen“, meinte Blacky.

„Sie – meinst du wohl“, korrigierte Carberry.

„Ja, da muß man total umdenken“, murmelte Blacky verstört.

Sir John stürzte sich aufs Vordeck, landete auf den Planken und stolzierte zu „seinem“ Käfig. Wie eine bunte Ente watschelte er hinein und verschwand in dem dämmerigen Kasten.

Draußen erhitzten sich unterdessen die Gemüter. Die Seewölfe liefen zusammen, staunten und konnten es nicht fassen.

Und der alte O’Flynn sagte: „Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir nicht kapieren. Mir kam das Vieh schon immer so seltsam vor. Er, sie, meine ich, benahm sich nämlich direkt weiblich.“

„Du hast natürlich wieder den totalen Durchblick“, sagte Ed. „Hinterher weißt du immer alles besser als die anderen, du Seegurke!“

Auch die Zwillinge erschienen mit großen erstaunten Augen, aber der Profos scheuchte sie weg.

„Laßt euch ja nicht in seiner Nähe blicken“, warnte er. „In ihrer Nähe, meine ich. Und stellt mir nichts mit den Eiern an, habt ihr das verstanden?“

„Stimmt das denn wirklich?“ fragte Hasard junior skeptisch.

„Klar stimmt das, wir alle haben es gesehen. Später, wenn sie wieder auf der Rah hockt, um sich den Achtersteven zu kühlen, dürft ihr mal einen Blick in das Nest werfen.“

Mit hochroten Köpfen blieben die Zwillinge erwartungsvoll stehen. Aber Sir John blieb noch eine ganze Weile in dem Käfig. Erst nach einer halben Stunde flatterte er wieder heraus und schwang sich auf die Rah.

Das seltsame Gebaren des Vogels kapierte zwar niemand so richtig, denn von einem Vogel wußte man allgemein, daß er tagelang ohne Pause auf seinen Eiern hockte. Aber Papageien bildeten da vielleicht eine Ausnahme. Schließlich mußte Sir John das ja besser wissen als die Seewölfe, und sie konnten ihm da keine Vorschriften machen.

Schließlich erfuhren auch der Seewolf und Ben Brighton davon.

Sie ließen es sich von Carberry berichten, und der Profos sprach dabei in rührenden Tönen von einer liebevoll besorgten Mutter und daß es nicht mehr lange dauern würde, dann hätten sie drei weitere Papageien an Bord.

Selbst der Seewolf war fassungslos.

Carberry ordnete an, daß für die brütende Mutter ab sofort Trinkwasser in einer Muck dicht beim Käfig aufgestellt wurde. Dann befahl er den Zwillingen, sich immer rechtzeitig um Früchte und Leckerbissen bei dem Kutscher zu bemühen, damit es Sir John ja auch an nichts fehle.

Hasard und Philip versprachen das, und später durften sie auch einen Blick auf das kunstvoll gebaute Nest werfen.

„Donnerwetter“, sagten beide wie aus einem Mund. „Das hätte ich niemals gedacht.“

Der eierlegende Sir John war und blieb die Hauptattraktion, und an Bord wurden lange Debatten darüber geführt, ob man den Namen nicht ändern solle, denn einen brütenden Sir gab es nicht, daher schlug der Moses Bill vor, man solle den Vogel doch von nun an einfach Lady John nennen.

„Du spinnst wohl“, sagte Carberry. „Lady John war doch die Stiefmutter des Seewolfs. Das geht nicht.“

„Vielleicht Ladybird“, schlug Matt Davies vor, aber auch da winkte der Profos ab.

„Daran kann ich mich nicht gewöhnen“, erklärte er.

Die Gemüter erhitzten sich weiter, denn die Sache mit Sir John war tatsächlich die größte und einzige Abwechslung auf dieser Reise gen Norden.

Immer wieder schlich der Profos zu seinem Liebling, hockte auf allen vieren auf den Planken, kontrollierte, ob der Vogel auch genug zu fressen hatte und seine Leckerbissen regelmäßig erhielt, und fand alles in bester Ordnung.

Bis auf eine Kleinigkeit allerdings, und die berührte den stumm dasitzenden Carberry fast peinlich.

Sir John nämlich fraß sich dick und voll, zernagte die Leckerbissen und schielte nur ab und zu mal neugierig nach den Eiern. Meist rollte er sie mit dem großen Schnabel im Nest herum, beglotzte sie andächtig und widmete sich dann seinen Körnern, dem Mais und den Sonnenblumenkernen.

„Wie du das schaffst, ist mir egal“, knurrte Ed. „Aber wenn du die Eier nicht richtig ausbrütest, drehe ich dir den Kragen rum! Ich kann nur für dich hoffen, daß du eine gute Mutter bist!“

Daraufhin stieß der Aracanga wieder einen seiner lästerlichen Flüche aus, spazierte O-beinig aus dem Käfig und schwang sich auf die Großrah, verfolgt von Carberrys äußerst besorgten und auch leicht mißtrauischen Blicken.

Der Profos, besorgt über seinen Liebling, ging zum Kutscher, dem Feldscher an Bord, der lange Jahre bei Sir Freemont gedient hatte und sich selbst nur der Kutscher nannte. Angeblich hatte er keinen anderen Namen.

„Hör mal, Kutscher“, sagte Ed und lehnte sich ans Kombüsenschott. „Wie lange brütet ein Papagei eigentlich? Du bist doch ein gelehrter Mann, oder du tust jedenfalls immer so!“

„Bist du etwa hergeschlichen, um mich zu beleidigen?“ fragte der Kutscher sauer.

„Nein, nein, so darfst du das nicht auffassen. Wie lange also?“

„Hm, schwer zu sagen.“ Der Kutscher zog unbehaglich die Schultern hoch.

„Wenn ich von einem Huhn ausgehe …“

„Verdammt, Sir John ist kein Huhn“, unterbrach Ed.

„Na, ich schätze, so ungefähr gut zwei Wochen.“

„Genau weißt du es aber nicht, wie?“

„Nein, ich habe noch keinen brütenden Papagei beobachtet, und ich hocke auch nicht ständig mit dem Hintern auf den Planken, um das zu begaffen. Du wirst es schon selbst merken, wenn eines Tages drei häßliche nackte Viecher in dem Nest liegen.“

„Du tust doch immer so, als hättest du die Weisheit mit Löffeln gefressen“, sagte Ed. „Dabei weißt du nicht einmal, wie lange ein Papagei brütet.“

„Das hat doch mit Intelligenz nichts zu tun!“ schrie der Kutscher und reckte kampfeslustig die magere Brust vor.

„Klar hat es das“, versicherte der Profos. „Aber einwandfrei. Wer so was nicht weiß, ist einfach bescheuert!“

Damit ließ er den verblüfften Kutscher stehen, der ihm erbittert nachfluchte, und ging wieder nach vorn.

Dort belauerte er Sir John, der sich um seine drei gelegten Eier kaum kümmerte, aber desto mehr den Lekkerbissen zusprach und sich seinen gefiederten Ranzen erbarmungslos vollstopfte.

Irgend etwas stimmte mit dem Vogel nicht, fand Ed, aber das würde er noch herausfinden.

Die „Isabella“ segelte weiter nach Norden bei gutem Ostwind und einem azurblauen Himmel.

3.

Die Eingeborenen hatten sich schlicht und einfach geweigert, den Fremden, die sich so arrogant benahmen, Hütten zu bauen. Auch die gebackenen Schweine brachten sie nicht.

„Wir wollen diese Leute nicht“, sagte der Balian. „Sie sind schlecht und böse, und sie bringen Unheil. Wir lassen uns nicht von ihnen unterdrücken. Die Insel gehört uns, hier lebten schon unsere Urväter.“

Das Wort des Balian galt, und alle stimmten zu.

An diesem Tag geschah auch nichts. Keiner der Fremden kümmerte sich um sie, niemand belästigte sie. Die Fremden waren damit beschäftigt, Fässer im nahen Palmenwald zu verstauen. Sie brachten das Boot noch höher aufs Land und schichteten die Wrackteile zu großen Haufen dicht am Strand auf. Vermutlich wollten sie das kostbare Holz einfach verbrennen.

Aber noch war es naß und würde nicht brennen. Holz stand auf der Insel hoch im Kurs und wurde teuer gehandelt, und so überlegte der Balian, ob er nicht doch einen Kompromiß mit den Fremden schließen sollte.

Dann konnten sie auch den toten Priester Atun feierlich verbrennen, der noch zur Verwesung auf dem Friedhof lag.

Nach reiflicher Überlegung ließ er es dann doch bleiben. Mit den fremden Kerlen war nicht zu reden, die würden sich auf keinen Tausch oder Handel einlassen. Sie würden nur fordern, und er wollte sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben.

Der Balian und der Brahmane zögerten immer noch, das Kecakfest hinauszuschieben, sie wollten die Götter nicht noch mehr erzürnen.

Aber unter diesen Umständen würde das Fest mit Sicherheit nicht reibungslos ablaufen, die Fremden würden es stören, und damit war es entweiht.

Nein, sie wollten noch ein paar Tage warten, bis dahin gaben die Götter ihnen vielleicht einen Wink, oder es trat eine andere Änderung ein, und das Problem löste sich von selbst.

Am anderen Morgen, es war eine Stunde nach Sonnenaufgang, erschien der Mann von den Inseln, wie sie den Fremden nannten, der so ähnlich aussah wie die Eingeborenen.

In seiner Begleitung war ein anderer Mann mit langen Haaren im Gesicht und verschlagen blickenden Augen. Alle beide trugen lange Rohre über der Schulter. Der Mann mit den Gesichtshaaren hatte in seiner Faust ein ähnliches Instrument, nur kleiner.

Auf der Lichtung zwischen den Hütten war eine lange Tafel aufgebaut – wie immer am frühen Morgen. Etwa zwanzig Eingeborene saßen auf Matten um die niedrige Tafel herum und schwatzten. Es gab gebackenen Maniok, Melonen, Kokosnüsse und Marau.

Als die beiden Fremden erschienen, verstummten schlagartig die Gespräche.

Der Balian erhob sich und stellte sich vor die Tafel. Er ahnte, daß es jetzt Ärger gab, aber der ließ sich nicht vermeiden.

„Ist unsere Hütte immer noch nicht fertig?“ fragte der Mann sanft.

„Nein“, erwiderte der Medizinmann fest. „Sie ist nicht fertig, und sie wird auch nicht fertig werden. Die Leute sind nicht bereit, eine Hütte zu bauen, wenn sie dazu gezwungen werden.“

Der Fremde lachte abfällig. Er wandte sich zu dem anderen und sagte etwas in der fremden Sprache. Als er geendet hatte, verfinsterte sich das Gesicht des Bärtigen noch mehr, seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen.

„Soso“, sagte der Mann hämisch. „Und mit den gebackenen Schweinen verhält es sich ebenso, wie?“

„Ihr findet auf der Insel genügend Nahrung, auch wilde Schweine“, sagte der Balian fest. „Ihr seid Strandräuber oder Piraten wie jene, die mit ihren Prahos die Inseln ansegeln, die Leute morden und alles plündern.“

„Klar, wir sind Piraten, und wir haben Pech gehabt. Ihr wünscht also, daß wir uns auf einen unbewohnten Teil der Insel zurückziehen. Euch paßt unsere Gesellschaft nicht!“

„Wir wollen keinen Ärger, Mann der Inseln. Wir wollen friedlich so weiterleben wie bisher.“

Die Stimme des Balian zitterte leicht, aber er blieb fest und gab nicht nach.

„Wir haben immer ein ruhiges Leben geführt, und so soll es auch künftig bleiben. Ihr aber bringt Unfrieden und unterdrückt unsere Leute. Geht in Frieden, die Insel bietet Platz für alle. Wir möchten in Ruhe das Fest der Dämonen feiern.“

„Pah, eure Dämonen können mich mal!“

Der Mann drehte sich um und übersetzte in die Sprache des anderen. Der sagte wütend ein paar schnelle Worte, nahm das lange Rohr von der Schulter und überprüfte es.

„Es bleibt also bei deinem Entschluß, Medizinmann?“

„Ja, es bleibt dabei. Es sei denn, ihr benehmt euch friedlich und wendet keine Gewalt an. Auch keine Drohungen“, setzte der Balian noch hinzu.

Wieder lachte der Kerl laut und abfällig, und seine Stimme triefte vor Hohn.

„Nur ein dummer Vogel beschmutzt sein Nest. Ihr wollt es also nicht anders. In Ordnung!“

Seine Faust schoß vor und traf den Balian, der zurücktaumelte und der Länge nach über die Tafel kippte.

Mit einem Schrei des Entsetzens sprangen die anderen von ihren Matten auf. Zwei junge Männer griffen nach ihrem Kris und wollten sich auf den indonesischen Piraten stürzen.

Da packte der Bärtige das lange Rohr, drehte es herum und richtete es auf einen der jungen Krieger.

Ein unwahrscheinlich lauter Knall ertönte. Aus dem Rohr leckte eine rote Feuerzunge, ihr folgte eine dunkle Rauchwolke, die den Bärtigen einhüllte.

Auf Bali hatte man schon einmal rollenden Donner gehört, der von Schiffen herrührte, die sich gegenseitig versenkten, aber aus der unmittelbaren Nähe hatte man diese Donnerrohre noch nie erlebt.

So war alles vor Entsetzen wie gelähmt, und niemand begriff so richtig, warum sich der junge Mann plötzlich an die Brust griff, einen lauten Schrei ausstieß und zu Boden sank. Noch während er fiel, färbte sich seine Brust rot. Dann rührte er sich nicht mehr.

Keiner begriff das so richtig, und die Angst vor den Fremden begann ins Unermeßliche zu wachsen.

Der Bärtige drehte das feuerspukkende Rohr jetzt um und schlug es dem anderen Insulaner an den Schädel, noch bevor der reagieren konnte.

Dann kippten sie die Tafel um, traten in die Früchte, warfen mit den Kokosnüssen und verwüsteten innerhalb kurzer Zeit die ganze Lichtung.

Die Insulaner flüchteten, als noch mehr der Fremden erschienen.

Acht oder neun Leute waren es. Einer trug eine Fackel und warf sie in die nächste Hütte, die sofort in Flammen aufging.

Zwei andere verprügelten erbarmungslos den Balian, der die höchste Achtung und das größte Ansehen genoß. Sie schlugen ihn so lange, bis er auf dem Boden zwischen den Früchten lag und sich nicht mehr bewegte.

Dann war der Brahmane an der Reihe. Schließlich schnappten sie sich zwei kreischende junge Mädchen und schleppten sie unter lautem Gegröle und Geschrei fort.

Was an Früchten noch nicht zermatscht und zertreten war, nahmen sie ebenfalls mit. Dann setzten sie noch eine weitere Hütte in Brand und zogen brüllend zum Wassertempel hinunter.

Dort drangen sie ein und begannen ihn zu verwüsten.

Sie benahmen sich schlimmer als Barbaren, schlugen alles kurz und klein und jagten die Eingeborenen, die sich angstvoll verbargen oder in den nahen Tempelwald flüchteten.

Das Unheil braute sich immer mehr zusammen, ein schwarzer Tag begann für Bali, seit die fremden Teufel hier gelandet waren.

Erst als die Horde weiter im heiligen Wassertempel wütete, wagten sich die ersten wieder aus ihren Verstecken hervor.

Sie kümmerten sich um den Balian und den Brahmanen, die beide schwer verletzt waren, und sie löschten auch ihre immer noch qualmenden Hütten, obwohl es da nichts mehr zu retten gab, denn sie waren fast bis auf den Grund niedergebrannt.

Zwei der jungen Männer waren tot, von den Donnerrohren getötet, die so unheimlich anmuteten.

Die Toten wurden weggeschafft, der Medizinmann und der Brahmane wurden behandelt, und man bemühte sich, sie wieder ins Leben zurückzurufen. Ihre Körper waren mit Beulen, Blutergüssen und vielen Wunden übersät, und sie waren noch nicht bei Bewußtsein.

Zwei junge Mädchen, Legong-Tänzerinnen, befanden sich in den Händen der üblen Kerle.

Wäre es nicht doch besser gewesen, den Fremden das zu geben, was sie verlangt hatten?

So mancher fragte sich das, aber jeder liebte auch seine Freiheit, und die war ihm ein Opfer wert.

4.

Auf der „Isabella“ drehte sich immer noch alles um den brütenden Aracanga-Papagei. Er blieb Gesprächsthema eins, und daran erhitzten sich die Gemüter.

Carberry selbst mußte sich von Smoky sagen lassen, daß er wie eine liebevoll besorgte Mutter über Deck schleiche und direkt rührend wirke.

Aber dem Profos war selbst diese Motzerei gleichgültig, und so maß er den Decksältesten nur mit einem schiefen verächtlichen Blick, bis Smoky rote Ohren kriegte und davonschlich.

Am späten Nachmittag stürmten die Zwillinge zu Carberry, der sich gerade auf dem Quarterdeck aufhielt. Beide waren aufgeregt.

„Ist etwas mit dem Vogel passiert?“ fragte Ed besorgt.

„Ja, Mister Carberry, Sir John hat noch ein Ei gelegt“, berichtete Philip aufgeregt.

„Teufel auch! Das muß ich mir ansehen“, sagte Ed und begab sich mit langen Schritten zum Vordeck.

Dort hockte er sich wieder auf die Planken, schob sein narbiges Gesicht durch die Käfigtür und bestaunte das vierte Ei, das der Papagei gelegt hatte. Allerdings erschien es ihm ein wenig kleiner als die anderen.

„Merkwürdig“, sagte er zu den beiden Jungen, „ich dachte immer, die Eier haben alle die gleiche Größe.“

„Vielleicht wird das nur ein kleinerer Papagei“, sagte Hasard junior.

„Ja, das kann sein. Aber warum hockt das Biest denn nicht ständig auf den Eiern?“

„Vielleicht legt er noch mehr und fängt erst danach richtig mit dem Brüten an, Mister Carberry.“

Der Profos nickte und kroch noch einmal hinein. Ja, das eine Ei war etwas kleiner, aber es wollte nicht in seinen Schädel, daß es deshalb ein kleinerer Vogel werden sollte.

Hinter ihm standen die Zwillinge mit todernsten Gesichtern. Sie sahen sich an, zuckten aber mit keiner Miene, als der Profos wieder zum Vorschein kam.

Sir John hockte in dem Käfig, vollgefressen und satt, und warf seinem Gelege nur einen müden, uninteressierten Blick zu, und als Ed aufstand, hörte er klar und deutlich: „Affenarsch!“

„Brüte du nur deine Eier aus“, sagte er grollend, „sonst ziehe ich dir jede Feder einzeln von deinem Affenarsch!“

Es war schon ein seltsames Ding mit dem Papagei, fand er. Und an Bord geschahen noch mehr so seltsame Dinge, aber weil sie so unerheblich waren, ging ihnen auch niemand auf den Grund.

Der Schiffszimmermann vermißte seine Feile, dann wieder den Schmirgelsand, und später war alles wieder am Platz.

Dem Kutscher fehlten große Brokken Kandiszucker, und er hatte die Zwillinge im Verdacht, den Kandis aus dem großen Sack geklaut zu haben. Aber er schwieg, weil das einfache Lausbübereien waren, die nicht ausarteten.

Gegen Abend brüllte die Stimme des Ausgucks über Deck.

„Masten an der Kimm! Genau voraus!“

Damit war Sir John für eine Weile vergessen, und die Blicke wandten sich den gesichteten Masten an der Kimm zu.

Die Dämmerung legte ihre ersten zarten Schleier über das Meer. Die Masten blieben wie festgeleimt am Horizont und rückten auch nicht näher.

Aber es stand fest, daß das andere Schiff haargenau auf dem gleichen Kurs segelte wie die „Isabella“.

Als nachts heller Mondschein das Meer glänzen ließ, konnte der Seewolf das andere Schiff bereits im Spektiv erkennen. Die „Isabella“ holte langsam auf, aber der Fremde unternahm keine Anstalten, auszuweichen oder zu flüchten. Dabei stand es außer Frage, daß er den schlanken Rahsegler längst ebenfalls gesehen hatte.

„Könnte eine spanische Galeone sein“, sagte Ben Brighton, der ebenfalls lange durch das Spektiv blickte.

„Das vermute ich auch“, sagte Hasard.

„Wie verhalten wir uns, wenn wir aufgesegelt sind?“ wollte Hasards Stellvertreter und Bootsmann wissen.

„Wie es die Situation erfordert. Falls er keine feindlichen Absichten hegt, lassen wir ihn ziehen.“

Die fremde Galeone segelte ebenfalls sehr schnell, doch der „Isabella“ mit ihren überlangen Masten, an denen jeder Fetzen Tuch hing und die unter vollem Preß segelte, war sie unterlegen.

„Und wenn er Gold oder Silber im Bauch hat?“ fragte Ben. „Oder hast du deinen Kaperbrief vergessen, Sir?“

„Ganz bestimmt nicht. Aber woher soll er es haben? Von dem armseligen Kontinent? Die Galeone scheint auch nicht tief im Wasser zu liegen, also hat sie auch nicht viel geladen. Außerdem müssen wir ja nicht jeden Spanier ausmisten. Der vor uns ist vermutlich ein friedlicher Handelsfahrer, aber das werden wir früher oder später ja sehen.“

Unbeirrbar behielt der Fremde seinen Kurs bei. Am Morgen, als sich blutrote Sonnenstrahlen über das Wasser ergossen, begann sich der Wind langsam zu legen. Er blies zwar noch immer aus Ost, aber seine Kraft ließ spürbar nach, und das übertrug sich auch auf das Meer.

Die Dünung wurde schwächer, es gab keine langgezogenen Wellentäler mehr, und die Fahrt der Galeone ging zurück.

Das gleiche galt für den Fremden, auch er wurde merklich langsamer. Die Entfernung bis zu ihm betrug höchstens noch drei Meilen.

Hasard hatte für die „Isabella“ Gefechtsbereitschaft angeordnet, denn eine Begegnung auf See zwischen zwei fremden Schiffen verlief nicht immer unbedingt harmonisch, und so wollte er allen Eventualitäten rechtzeitig vorbeugen.

Al Conroy ließ die Culverinen und Drehbassen überprüfen. Die Stückpforten wurden noch nicht hochgezogen.

Der alte O’Flynn sah den Stückmeister unbehaglich an, zog das Genick ein und kratzte sich.

„Fehlt dir was, Donegal?“ fragte Al. „Du ziehst ein Gesicht, als ob es gleich hageln würde.“

„Mir ist auch so unbehaglich“, sagte der Alte.

„Doch nicht etwa wegen der Galeone? Ich glaube nicht, daß sie was von uns wollen.“

„Deswegen ist es nicht. Verdammt, ich weiß auch nicht, wie ich das ausdrükken soll. Mir ist eben verdammt mulmig.“

Al Conroy sah dem Mann mit dem Holzbein sinnend nach. Meistens war an O’Flynns „mulmigen Gefühlen“ etwas dran, hin und wieder hatte es sich jedoch als harmlos erwiesen. Conroy wußte nicht, was den Alten diesmal bewegte, wenn es nicht die fremde Galeone war.

Smoky, der mit einem Bündel Lunten in der Hand zur Kuhl ging, blieb ebenfalls bei Al Conroy stehen.

„Wie lange, glaubst du, brauchen wir noch, um mit ihm auf gleicher Höhe zu sein?“ fragte er.

„In etwa vier Stunden, denke ich, sind wir aufgesegelt, so daß wir auf Parallelkurs liegen.“

Smoky wollte wetten und behauptete, es würde mindestens noch fünf Stunden dauern, aber keiner von beiden hatte recht, denn sie sollten der fremden Galeone nie aufsegeln und würden sie auch niemals erreichen, denn etwas später geschah etwas, was die Seewölfe noch nie erlebt hatten.

Hasard entdeckte es vom Achterdeck zur selben Zeit wie der Ausguck Stenmark im Großmars der „Isabella“.

Weit vor der anderen Galeone bildete sich aus dem Nichts ganz dicht über dem Wasser ein zartgrauer Nebel. Er sah aus wie der Flaschengeist aus einem orientalischen Märchen, wie die Zwillinge treffend bemerkten. An der Stelle brodelte auch leicht das Meer, und eine große schillernde Blase wölbte sich nach oben.

Dann verschwand sie wieder unter dichtem Rauch oder Nebel, der nun, einer Säule gleich, zum Himmel strebte.

„Eine Wasserhose!“ rief der Moses Bill.

„Quatsch“, sagte Carberry. „Das ist keine Wasserhose. Eine Trombe sieht ganz anders aus, das haben wir schon beobachtet.“

„Was ist es denn, Profos?“

Carberry hob ratlos die Schultern.

„Keine Ahnung“, sagte er ehrlich.

Der einzige, der es wieder mal wußte, war O’Flynn.

„Da taucht ein Riesenkrake aus dem Meer auf“, behauptete er steif und fest. „Und der ist so groß, daß er die andere Galeone schlagartig in die Tiefe zieht.“

Selbst der Seewolf konnte sich das Naturschauspiel nicht erklären. Aber seine Vermutung stimmte fast, wie sich später herausstellte.

„Das sieht nach einem Seebeben aus“, sagte er ruhig. „Es ist möglich, daß dem Beben eine riesige Flutwelle folgen wird.“

„Der Don segelt genau darauf zu, er hat es noch gar nicht bemerkt“, sagte Ben.

Die Nebelbank an jener Stelle wurde dichter und kompakter. Jetzt sah es nach einem riesigen qualmenden Feuer aus, gleich darauf stieg eine dunkle Rauchwolke in den Himmel.

„Wir müssen den Don warnen“, sagte Hasard. „Der segelt blindlings in sein Verderben. Was sind denn das für Schlafmützen an Bord?“

Unbekümmert segelte die Galeone auch weiterhin darauf zu.

„Die beiden vorderen Drehbassen klar zum Feuern, Al!“ rief Hasard. „Jagt dem Don eine Ladung nach, den Knall wird er ganz sicher hören. Profos! Die anderen Männer an die Brassen, auf Stationen. Sobald wir gefeuert haben, drehen wir ab auf Westkurs. Wir müssen jedes bißchen Wind ausnutzen.“

„Aye, aye, Sir!“ rief Ed.