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Er kommt aus Gran Canaria und ist der Sohn von Dr. Daniel Nordens Cousin Michael und dessen spanischer Frau Sofia. Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern. Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern! »Nanu, wer war das denn?« Mit hochgezogenen Augenbrauen und fragendem Blick trat Sina an Alex' Tisch in der Cafeteria der Behnisch-Klinik. »Hi, Sina. Schön, dass du endlich da bist. Schon den ganzen Vormittag habe ich mich auf unsere gemeinsame Mittagspause gefreut. Komm, setz dich zu mir.« Alex zog Sina höflich den Stuhl neben dem seinen zurecht und schenkte ihr ein einladendes Lächeln. Sina nahm Platz, aber ihre Miene hellte sich nicht auf, ganz im Gegenteil. »Ich habe dir eine Frage gestellt«, erinnerte sie Alex in einem Tonfall, der einer Gouvernante alle Ehre gemacht hätte. Alex griff nach der Speisekarte, doch Sina nahm sie ihm kurzerhand aus den Fingern. »Wer war sie? Ich möchte jetzt endlich wissen, wer sie war.« »Wen meinst du? Von wem redest du überhaupt?«, erkundigte Alex sich mit Unschuldsmiene. »Du weißt genau, wen ich meine«, konterte Sina scharf. »Die junge Frau im Arztkittel, die, als ich die Cafeteria betreten habe, in aller Eile davongerauscht ist.« »Ach, die.«
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Seitenzahl: 140
Veröffentlichungsjahr: 2026
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»Nanu, wer war das denn?« Mit hochgezogenen Augenbrauen und fragendem Blick trat Sina an Alex‘ Tisch in der Cafeteria der Behnisch-Klinik.
»Hi, Sina. Schön, dass du endlich da bist. Schon den ganzen Vormittag habe ich mich auf unsere gemeinsame Mittagspause gefreut. Komm, setz dich zu mir.« Alex zog Sina höflich den Stuhl neben dem seinen zurecht und schenkte ihr ein einladendes Lächeln.
Sina nahm Platz, aber ihre Miene hellte sich nicht auf, ganz im Gegenteil. »Ich habe dir eine Frage gestellt«, erinnerte sie Alex in einem Tonfall, der einer Gouvernante alle Ehre gemacht hätte.
Alex griff nach der Speisekarte, doch Sina nahm sie ihm kurzerhand aus den Fingern. »Wer war sie? Ich möchte jetzt endlich wissen, wer sie war.«
»Wen meinst du? Von wem redest du überhaupt?«, erkundigte Alex sich mit Unschuldsmiene.
»Du weißt genau, wen ich meine«, konterte Sina scharf. »Die junge Frau im Arztkittel, die, als ich die Cafeteria betreten habe, in aller Eile davongerauscht ist.«
»Ach, die.« Alex winkte ab. »Sie ist Assistenzärztin und noch neu hier an der Behnisch-Klinik.«
»Noch neu. So, so. Und da hast du sie, zuvorkommend wie du nun einmal bist, gleich ein wenig in die Gepflogenheiten der Behnisch-Klinik eingeführt. Und hast ihr erklärt, welche Gerichte und Getränke hier in der Cafeteria besonders gut schmecken. Oder worüber sonst hast du dich so angeregt mit ihr unterhalten?«
»Ich habe mich nicht angeregt unterhalten, Sina. Ich habe einfach nur ein paar Worte mit Eva gewechselt. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.«
»Wirklich? Auf mich hat euer Gespräch irgendwie ziemlich … vertraut gewirkt.« Sina zog ein Taschentuch aus dem Ärmel ihres Sweatshirts und schnäuzte sich. Es klang fast ein bisschen nach Schniefen.
»Von vertraut kann keine Rede sein, Sina. Das ist kompletter Unsinn. Das bildest du dir ein. Ich fürchte, du siehst wieder einmal Gespenster.«
»Ich sehe keine Gespenster. Ich habe noch nie Gespenster gesehen. Aber ich habe Augen im Kopf. Und ich spüre sehr wohl, ob ein Gespräch herzlich ist, oder ob es sich nur um oberflächlichen Small Talk handelt. Dein Gespräch mit dieser Assistenzärztin, dieser … dieser Eva war eindeutig herzlich.«
Alex seufzte. »Wahrscheinlich sollten wir uns allmählich um unser Essen kümmern, Sina«, schlug er vor. »Sonst ist, ehe wir uns umsehen, die Mittagspause vorbei, und unser Magen ist immer noch leer. Möchtest du Lasagne? Oder lieber ein Schnitzel? Oder nur ein Sandwich mit gemischtem Salat?«
»Ich mag gar nichts. Ich habe keinen Hunger. Mir ist beim Anblick der neuen Assistenzärztin namens Eva der Appetit gründlich vergangen. Ich finde, sie sieht wie ein Flittchen aus.« Sina schob demonstrativ die Speisekarte von sich. »Worüber habt ihr euch denn so blendend unterhalten, wenn man fragen darf?«
»Eva hat mir erzählt, dass sie zur Hälfte spanische Wurzeln hat«, räumte Alex leicht widerwillig ein. »Evas Vater ist Deutscher, und ihre Mutter ist Spanierin. Es ist also genau wie bei meinen Eltern.«
»Wie aufregend! Was für eine bedeutsame Übereinstimmung! Dass ihr euch begegnet seid, kann unter diesen Umständen doch eigentlich gar kein Zufall sein. Ich würde es fast schon Fügung nennen«, ätzte Sina. »Wurde Eva womöglich auch auf Gran Canaria geboren? Habt ihr am Ende gar festgestellt, dass ihr Nachbarskinder seid? Oder sind eure Mütter vielleicht beste Freundinnen?«
»Sina, ich bitte dich!« Alex bedachte Sina mit einem vorwurfsvollen Blick, doch Sina wandte nur gekränkt den Kopf zur Seite. »Sina, sei doch nicht kindisch!« Alex umfasste Sinas Kinn und drehte ihr Gesicht sanft zu sich herum.
»Und? Stammt deine Eva nun von den Kanarischen Inseln oder nicht?«, wollte Sina wissen.
Alex schüttelte lächelnd den Kopf. »Erstens ist sie nicht meine Eva und zweitens stammt sie aus Andalusien, genauer gesagt aus Granada. Sie ist allerdings schon zum Studium hierher nach München gekommen.«
»Und warum hat sie nicht in Granada studiert? Meines Wissens hat Granada eine ziemlich große und berühmte Universität.«
»Weil Evas Vater in Rosenheim bei München lebt«, erklärte Alex. »Evas Eltern sind seit knapp zehn Jahren geschieden, und ihr Vater ist nach seiner Scheidung in seine alte Heimat, also nach Bayern zurückgekehrt. Er betreibt in Rosenheim eine Praxis als Hausarzt und Internist, die Eva wohl später einmal übernehmen wird.«
»Wie schön für die liebe Eva, dass sie sich sozusagen ins gemachte Nest setzen kann«, konterte Sina bissig.
»Evas Mutter besitzt in Granada ein ziemlich großes, elegantes Hotel. Auch sie hätte Eva gerne in ihrer Nachfolge gesehen. Dass Eva sich ihren Plänen widersetzt und, anstelle eine Ausbildung im Hotelfach zu machen, lieber Medizin studiert hat, hat sie ihr ziemlich übel genommen. Eva und ihre Mutter haben sich, als Eva ihrem Vater nach Bayern gefolgt ist, heillos zerstritten und haben bis jetzt auch nicht wieder Kontakt zueinander aufgenommen.«
»Interessant«, bemerkte Sina kühl. »Die neue Assistenzärztin hat dir offenbar bereits ihren ganzen Lebenslauf erzählt. Und du bist mit größtem Interesse und größter Anteilnahme an ihren Lippen gehangen.«
»Nein, bin ich nicht. Aber selbstverständlich habe ich Eva zugehört. Ich glaube, sie hatte schlicht und ergreifend das Bedürfnis, mit jemandem über ihre Familie zu reden. Die Scheidung ihrer Eltern scheint ihr sehr zugesetzt zu haben. Und auch über den Kontaktabbruch mit ihrer Mutter ist sie offenbar noch längst nicht hinweg.«
»Was du nicht sagst«, brummte Sina. »Ich vermute eher, dass sie mit sicherem weiblichen Instinkt sofort herausgefunden hat, wie du tickst, und dass sie deshalb versucht hat, sich über dein Helfersyndrom bei dir einzuschleimen.«
»Man kann alles und jedes ins Negative verdrehen, wenn man es darauf anlegt«, ärgerte sich Alex. »Und außerdem habe ich kein Helfersyndrom. Dass Hilfsbereitschaft heutzutage von den meisten Menschen sofort mit einem Psycho-Etikett versehen wird, sagt mehr über den Zustand unserer Gesellschaft aus als über mich.« Er zog die Speisekarte wieder zu sich heran und überlas sie ohne großes Interesse. »Ich hole mir jetzt an der Selbstbedienungstheke eine Portion Spaghetti mit Tomatensoße. Und eine Halbliterflasche Wasser.«
»Verstehe. Deinen Kaffee hattest du ja schon. Zusammen mit Eva«, stellte Sina mit einem missbilligenden Blick auf die beiden leeren Kaffeebecher fest, die auf dem Tisch standen.
Alex steckte die beiden Kaffeebecher ineinander, um sie zum Abfalleimer mitzunehmen. »Ja, Eva hat mich zu einem Kaffee eingeladen«, erwiderte er. »Sie feiert heute ihren 25. Geburtstag. Eigentlich wollte sie mir zu diesem Anlass ein Glas Champagner spendieren. Aber ich habe sie auf einen Kaffee heruntergehandelt. Besser für sie und besser für mich. Der Arbeitstag ist schließlich noch lang. Soll ich dir von der Selbstbedienungstheke etwas mitbringen, Sina?«
In spielerischer Zärtlichkeit ließ Alex seinen Zeigefinger über Sinas Nasenrücken gleiten, doch Sina wischte seine Hand weg wie ein lästiges Insekt. »Ich hole mir mein Essen selber«, stellte sie mürrisch klar. »Wenn du unbedingt Kellner spielen möchtest, kannst du das ja bei deinem nächsten Date mit Eva tun.« Sie schob im Aufstehen lautstark ihren Stuhl zurück und stakte vor Alex her zur Selbstbedienungstheke.
Als Alex und sie wieder nebeneinander an ihrem Tisch saßen, drehte Alex schweigsam seine Spaghetti um seine Gabel, während Sina stumm ihren Salat mit Thunfisch in sich hineinschaufelte.
»Schmeckt’s?«, ließ sich plötzlich die Stimme des jungen Krankenpflegers Chris vernehmen. »Darf ich mich zu euch setzen?«
Alex blickte wenig erfreut von seinem Teller Spaghetti auf, nickte aber pflichtschuldigst. »Klar«, sagte er. »Bei uns ist noch genügend Platz, wie du siehst.«
Chris ließ sich umständlich nieder, wobei er ein riesengroßes Tablett auf dem Tisch abstellte. Es enthielt eine Tasse Nudelsuppe mit Backerbsen, ein Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat und als Nachspeise ein Stück Apfelkuchen mit Sahne nebst einem Becher Kaffee. Mit gesegnetem Appetit machte sich Chris über die Speisen her.
Als er das Schnitzel zur Hälfte aufgegessen hatte und der erste Heißhunger gestillt war, blickte er neugierig von Alex zu Sina und wieder zu Alex. »Nanu, ihr seid heute aber ziemlich schweigsam«, stellte er fest.
»Wir sind mit Essen beschäftigt, genau wie du«, gab Alex einsilbig zurück.
»Ich nicht mehr. Ich bin satt«, erklärte Sina, wischte sich mit ihrer Papierserviette den Mund und drückte die Serviette dann zu einer Kugel zusammen, die sie achtlos auf die Salatreste auf ihrem Teller fallen ließ. »Ich mache mich wieder an meine Arbeit auf der Pädiatrie. Ich wünsche euch einen schönen Nachmittag.« Mit diesen Worten erhob sie sich und verließ die Cafeteria, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Chris schaute Alex verwundert an. »Worüber habt ihr euch denn gestritten? Bei euch scheint der Haussegen ja mächtig schief zu hängen.«
»Weibliche Eifersucht«, konstatierte Alex lakonisch. »Ich schätze, dieses Phänomen ist dir nicht unbekannt.«
Chris hätte sich um ein Haar am letzten Bissen seines Schnitzels verschluckt. »Eifersucht? Soso«, entfuhr es ihm. »Was hast du denn ausgefressen, mein lieber Alex? Bist du etwa fremdgegangen?« Ungläubig richtete er seine Augen auf Alex. »Das hätte ich dir, ehrlich gesagt, nie und nimmer zugetraut. Willst du mir nichts Genaueres erzählen? Es bleibt selbstverständlich alles unter uns Männern. Bei mir sind deine Geheimnisse gut aufgehoben, versprochen. Ich schweige wie ein Grab.«
»Das kannst du halten, wie du willst. Weil es nämlich gar nichts zu erzählen gibt«, entgegnete Alex finster.
»Wirklich nichts? Du enttäuschst mich. Ich kann es leider nicht anders sagen.«
Alex musste lachen, ob er wollte oder nicht.
»Du lachst ja schon wieder«, grinste Chris. »Also raus mit der Sprache. Was war los?«
»Nichts, rein gar nichts«, beteuerte Alex mit Nachdruck. »Eva, die neue Assistenzärztin, hat heute Geburtstag und hat mir zur Feier des Tages einen Becher Kaffee spendiert. Es hätte eigentlich Champagner werden sollen, aber …«
»Aber du hast dich für Kaffee entschieden«, ergänzte Chris, wobei sein Grinsen noch breiter wurde. »Das sieht dir ähnlich. Typisch Alex. Ich für meinen Teil hätte den Champagner genommen. Aber egal. Und was war dann?«
»Dann haben wir zusammen Kaffee getrunken, und Eva hat mir erzählt, dass ihre Mutter Spanierin ist, genau wie meine.«
»Moment mal.« Chris kratzte sich am Kopf. »Du redest also von Evita, unserer spanischen Sirene?«
»Ich rede von Dr. Eva Ranke«, erwiderte Alex kühl.
»Wow, wow, wow«, entfuhr es Chris. »Dann reden wir definitiv von derselben Person. Hat unser Evchen, das rattenscharfe kleine Luder, jetzt etwa ein Auge auf dich geworfen?«
»Wie bitte? Ich … ich meine … nein, natürlich nicht«, gab Alex völlig perplex zurück. »Wir haben ein bisschen geplaudert. Das war dann aber auch schon alles.«
Chris hätte sich am liebsten auf die Schenkel geklopft, beherrschte sich aber gerade noch rechtzeitig. »Der heilige Alex«, prustete er stattdessen los. »Hat wieder einmal null Ahnung von überhaupt nichts. Wieso habe ich das eigentlich nicht gleich geahnt?«
Alex bedachte Chris mit einem missbilligenden Blick. »Wovon redest du überhaupt?«, wollte er wissen.
»Von Evita, der Traumfrau der ganzen Behnisch-Klinik«, grinste Chris. »Ich sage dir, mein One-Night-Stand mit ihr war allererste Sahne. Die Frau ist eine echte Granate. Ich mag zwar normalerweise kleine Klischees, aber bei Evita mache ich eine Ausnahme. Sie erfüllt das Klischee der temperamentvollen Spanierin nämlich perfekt. Sie ist die Wucht in Dosen. Ein echtes Klasseweib. Pfleger Elias von der Internen Abteilung und Pfleger Wolfi von der Onkologie sind übrigens exakt derselben Meinung.«
Alex fiel aus allen Wolken. »Na, wunderbar. Wenn Evas Qualitäten bereits Gesprächsthema unter den Pflegern der Behnisch-Klinik sind, wird der vermaledeite Tratsch wahrscheinlich auch Sina bald zu Ohren gekommen. Da kann ich mich ja auf einiges gefasst machen.«
»Aber nicht doch. Schließlich bist du unschuldig wie ein Neugeborenes«, grinste Chris. »Mach Sina einfach so bald wie möglich unmissverständlich klar, dass du von Evitas besonderen Qualitäten keine Ahnung hattest und wirklich nur bei einem Becher Kaffee ein bisschen mit Frau Dr. Ranke, unserem Geburtstagskind, plaudern wolltest. Am besten regelst du die Sache mit Sina noch heute Abend. Wenn du Sina nach deiner Unschuldserklärung zusätzlich noch einen riesigen Strauß roter Rosen überreichst und sie zu irgendeinem Liebesfilm mit Brad Pitt oder Leonardo di Caprio ins Kino einlädst, steht eurer Versöhnung garantiert nichts mehr im Wege, und Sina findet den Glauben an deine Treue wieder. Sie schafft es ohnehin nicht, dir lange böse zu sein. Dazu ist sie viel zu verliebt in dich.«
»Die Versöhnung mit Sina muss leider bis morgen warten«, erklärte Alex. »Heute Abend habe ich keine Zeit.«
»Echt jetzt?« In Chris‘ Augen blitzte unverhohlene Neugier auf. »Was hast du denn vor, das wichtiger sein könnte als die Versöhnung mit Sina?«
Alex musterte Chris von der Seite. »Du wirst es nicht glauben, Chris, aber ich habe ein Date«, sagte er.
»Du hast ein … Date?« Chris fiel der Bissen Apfelkuchen, den er gerade aufgespießt hatte, von der Gabel.
»Ich habe heute Abend ein Date«, wiederholte Alex und fügte dann mit einem Augenzwinkern hinzu. »Ein absolut heißes Date sogar. Mit Notarzt Dr. Lars Rudolf. Ich habe heute nämlich Nachtschicht im Sanitätsdienst.«
*
»Fahr schneller, sonst kommen wir zu spät. Ich hasse es, zu spät zu kommen, und du weißt das«, maulte Maja Sauter. »Also kriech nicht wie eine Schnecke über den Asphalt. Gib endlich ordentlich Gas! Wenn es darum geht, mich zu betrügen, noch ehe wir überhaupt verheiratet sind, bist du ja auch nicht so zimperlich.«
Henrik Heise verdrehte die Augen. »Das musste jetzt ja kommen«, sagte er ärgerlich. »Sonst hätte echt das Wichtigste gefehlt.«
»Und andere Blumen als ausgerechnet Nelken hättest du auch besorgen können«, moserte Maja weiter. Sie warf einen verächtlichen Blick auf den Rücksitz des Wagens, wo neben einer Flasche Wein und einer Schachtel Pralinen ein Strauß rosaroter Nelken lag.
»Ich habe eigens rosarote gekauft«, verteidigte sich Henrik. »Weil Rosarot die Lieblingsfarbe deiner Mutter ist. Und Rosen fand ich unpassend. Schließlich ist deine Mutter seit einem Vierteljahrhundert mit deinem Vater verheiratet und nicht mit mir.«
Maja verzog verächtlich die Mundwinkel. »Ich kann Nelken nicht ausstehen«, sagte sie. »Du hättest Orchideen nehmen sollen. Orchideen sehen edel aus. Und nicht so billig und gewöhnlich wie Nelken.«
Henrik verdrehte ein weiteres Mal die Augen. Er konnte einfach nicht anders, denn er war am Rande seiner Selbstbeherrschung angelangt. »Auch wenn ich Orchideen genommen hätte, hättest du etwas gefunden, das du hättest bemäkeln können«, stellte er klar. »Dann wären sie eben zu groß gewesen. Oder zu klein. Oder zu weiß. Oder zu rot. Oder … ach, keine Ahnung. Gibt es überhaupt noch irgendetwas, das ich in deinen Augen richtig mache?«
Majas Mundwinkel bogen sich noch ein wenig weiter nach unten. »Ich glaube kaum. Im Moment jedenfalls fällt mir beim besten Willen nichts ein.«
Henrik seufzte. »Sag mir, was ich tun muss, damit du mir verzeihst«, stieß er beinahe flehentlich hervor. »Sag es mir, Maja. Soll ich mich vor dir niederknien und dich um Vergebung bitten? Soll ich mich vor dir in den Staub werfen? Was erwartest du von mir? Sag es einfach, und ich werde es tun.«
»Ich wünsche mir nur eines«, entgegnete Maja. »Dass du ungeschehen machen könntest, was du mir angetan hast.«
»Das ist keine vernünftige Antwort, Maja«, hielt Henrik dagegen. »Du kannst nicht etwas von mir verlangen, das unmöglich ist. Genauso gut könntest du sagen, dass ich dir einen Stern vom Himmel holen soll.«
»Meine Eltern haben von ihrer Hochzeit an 25 Jahre lang eine Traum-Ehe geführt«, sagte Maja. »Diese wunderschöne Gedichtzeile, in der es heißt ›vom ersten Kuss bis in den Tod sich nur von Liebe sagen‹ – bei meinen Eltern wird sie sich bewahrheiten. Das weiß ich. Das spüre ich tief in meinem Inneren. Nie und nimmer hätte mein Papa meine Mama hintergangen. Weder während ihrer Verlobungszeit noch danach. Und er wird es auch für den Rest ihrer Ehe nicht tun, selbst wenn die Ehe noch einmal 25 Jahre währen sollte. Du dagegen …«
»Jetzt kommst du mir wieder mit deinen Eltern und ihrer Bilderbuchehe«, stöhnte Henrik. »Ich an deiner Stelle wäre mir nicht so sicher, was das traute Eheglück deiner Eltern betrifft. Oder glaubst du etwa, dass sie es dir auf die Nase gebunden hätten, wenn es irgendwann doch einmal ernstlich gekriselt hätte?«
»Sie hätten es mir vielleicht nicht gesagt, um mein Vertrauen in sie nicht zu erschüttern und um keinen Schatten auf meine heile Kinder- und Jugendwelt fallen zu lassen«, erwiderte Maja. »Insoweit stimme ich dir zu. Aber du kannst sicher sein, dass ich es trotzdem gemerkt hätte, wenn irgendetwas zwischen den beiden nicht in Ordnung gewesen wäre. Sensibel wie ich bin, wären mir die negativen Energien nicht entgangen. Aber da gab es keine störenden Vibes, die ich hätte auffangen können. Weil mein Vater meiner Mutter von Anfang an in unverbrüchlicher und ehrlicher Liebe zugetan war. Und daran hat sich im Laufe der ganzen Ehe meiner Eltern nichts geändert.«
»Es muss was Wunderbares sein, vom ersten Kuss bis zur Silberhochzeit sich nur von Liebe sagen«, verballhornte Henrik das Gedicht von Oskar von Redwitz, das Maja zuvor zitiert hatte.
»Auf jeden Fall ist es etwas Schöneres, als bereits als Verlobte betrogen zu werden. Mit einem Partyflittchen, von dem du angeblich nicht einmal den Namen weißt, Henrik«, gab Maja sarkastisch zurück.
