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Er kommt aus Gran Canaria und ist der Sohn von Dr. Daniel Nordens Cousin Michael und dessen spanischer Frau Sofia. Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern. Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern! »Hi, Alex! Könntest du vielleicht dafür sorgen, dass Jana hier ein bisschen eher an die Reihe kommt? Bitte, bitte! Wenn du diesem Dr. Ganschow oder wie er heißt sagst, dass es sehr dringend ist, hat er doch bestimmt ein Einsehen und hört auf dich, oder?« Alissa schaute Alex mit einem so bittenden Blick an, wie er ihn nur selten an ihr gesehen hatte. Erst einmal musste Alex sich von seiner Überraschung erholen. »Was … was machst du denn hier in der Notaufnahme der Behnisch-Klinik, Alissa?«, stotterte er. »Hast du dich verletzt? Oder was sonst ist nicht in Ordnung mit dir?« »Ich bin okay. Es geht nicht um mich, sondern um Jana. Das habe ich doch gerade gesagt«, antwortete Alissa ungeduldig und wies auf die junge Frau, die neben ihr saß. Erst jetzt fiel Alex das zierliche Persönchen mit den rötlichen Kraushaaren, den leuchtend blauen Augen und den Sommersprossen auf Nase und Wangen auf, das zusammengekauert neben Alissa saß und sich den notdürftig verbundenen linken Arm hielt. »Hallo, Jana«, sagte Alex freundlich, während Jana ihm zögernd ihre rechte Hand hinstreckte. Alex ergriff sie, wobei ihm ein seltsames Zucken in Janas Fingern auffiel, das er auf Janas Nervosität zurückführte. Sofort war sein Mitleid geweckt.
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Seitenzahl: 141
Veröffentlichungsjahr: 2026
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»Hi, Alex! Könntest du vielleicht dafür sorgen, dass Jana hier ein bisschen eher an die Reihe kommt? Bitte, bitte! Wenn du diesem Dr. Ganschow oder wie er heißt sagst, dass es sehr dringend ist, hat er doch bestimmt ein Einsehen und hört auf dich, oder?« Alissa schaute Alex mit einem so bittenden Blick an, wie er ihn nur selten an ihr gesehen hatte.
Erst einmal musste Alex sich von seiner Überraschung erholen. »Was … was machst du denn hier in der Notaufnahme der Behnisch-Klinik, Alissa?«, stotterte er. »Hast du dich verletzt? Oder was sonst ist nicht in Ordnung mit dir?«
»Ich bin okay. Es geht nicht um mich, sondern um Jana. Das habe ich doch gerade gesagt«, antwortete Alissa ungeduldig und wies auf die junge Frau, die neben ihr saß.
Erst jetzt fiel Alex das zierliche Persönchen mit den rötlichen Kraushaaren, den leuchtend blauen Augen und den Sommersprossen auf Nase und Wangen auf, das zusammengekauert neben Alissa saß und sich den notdürftig verbundenen linken Arm hielt.
»Hallo, Jana«, sagte Alex freundlich, während Jana ihm zögernd ihre rechte Hand hinstreckte. Alex ergriff sie, wobei ihm ein seltsames Zucken in Janas Fingern auffiel, das er auf Janas Nervosität zurückführte. Sofort war sein Mitleid geweckt.
»Jana ist gebissen worden. Auf dem Gnadenhof. Von einem unserer Pflegehunde«, erklärte Alissa, noch ehe Jana das Wort hätte ergreifen können. »Jana arbeitet nämlich bei uns als Tierpflegerin.«
Alex nickte zerstreut, während seine Augen auf dem ziemlich unprofessionell angelegten Verband ruhten, auf dem sich knapp unterhalb des Ellbogens ein großer, blutroter Fleck zeigte. Dann ließ er seinen Blick fragend über das voll besetzte Wartezimmer der Notaufnahme schweifen.
»Ich wäre der Nächste«, meinte ein älterer Mann, der zwar sehr blass und leidend aussah, aber ohne erkennbare äußere Verletzungen war. »Meinetwegen kann die junge Frau gerne vor mir behandelt werden. Damit sie nicht zu viel Blut verliert.«
»Ja, ich lasse den beiden Damen ebenfalls den Vortritt«, erklärte ein noch ziemlich junger Mann.
Alissa atmete hörbar auf. »Danke«, sagte sie und stellte dann, an ihre Angestellte gewandt, fest: »Was für nette Menschen! Siehst du, Jana, wir haben Glück im Unglück. Und Alex hilft uns, genau wie ich es dir versprochen habe.«
»Ich tue mein Möglichstes. Und jetzt sage ich erst einmal Dr. Ganschow Bescheid«, meinte Alex und verschwand.
Wenig später kam Dr. Ganschow höchstpersönlich und bat Jana in den Schockraum.
»Ich komme mit«, erklärte Alissa sofort, erhob sich und legte Jana ihren Arm um die schmalen Schultern, um ihre Entschlossenheit zu beweisen, nicht von Janas Seite zu weichen.
Dr. Ganschow zog leicht unwillig die Augenbrauen hoch, ließ Alissa aber gewähren.
Im Schockraum half Alissa ihrer Angestellten fürsorglich auf die Untersuchungsliege. Erst auf Dr. Ganschows ausdrückliche Bitte hin trat sie ein paar Schritte zurück, ohne Jana jedoch aus den Augen zu lassen.
»Die Wunde sieht leider ziemlich übel aus«, meinte Dr. Ganschow, als er den Notverband entfernte. »War das ein Pitbull oder ein Staffordshire-Terrier, der da zugebissen hat?«
Jana schüttelte den Kopf. »Nein, es war kein Kampfhund. Es war ein Deutscher Schäferhund. Aber der Hund kann nichts dafür. Wirklich nicht. Es … es war ein Unglücksfall. Das Ganze ist einfach nur dumm gelaufen, weiter nichts. Ich habe mich ungeschickt verhalten. So etwas dürfte mir als Tierpflegerin eigentlich nicht passieren. Ich habe den Hund erschreckt und deshalb …« Jana verstummte abrupt und gab einen leisen Schmerzenslaut von sich, als Dr. Ganschow die letzten Reste des Verbandes entfernte.
»Sind Sie gegen Tetanus geimpft?«, erkundigte er sich dann. »Und der Hund – hat er überhaupt eine Tollwutimpfung?«
»Ich … der Hund …« Hilfesuchend richtete Jana ihre Blicke auf Alissa.
»Der Hund ist sehr wohl gegen Tollwut geimpft«, sprang Alissa denn auch sofort in die Bresche. »Bastian und ich betreiben eine verantwortungsvolle Tierpension. Wir nehmen selbstverständlich nur Hunde auf, die vollständig geimpft sind: Tollwut, Staupe, Leptospirose …« Alissa unterbrach sich. »Und wir achten auch darauf, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen Tetanus geimpft sind.« Sie wandte sich an Jana. »Hast du deinen Impfausweis bei dir, Jana?«
Jana nickte. »Er ist in meiner Handtasche. Wenn Dr. Ganschow ihn sehen möchte, hol ihn bitte für mich, Alissa.« Sie wies mit dem Kinn auf ihre Handtasche, die sich auf dem Boden neben der Untersuchungsliege befand. »Er ist im Außenfach. In meiner Brieftasche.«
Alissa griff nach Janas Handtasche, holte den Impfausweis heraus und reichte ihn Dr. Ganschow.
»Jana Steiner«, las er halblaut vor sich hin. »Geboren am 19. Februar 1998 in München.« Er überflog die Impfeinträge. »Soweit alles okay«, stellte er fest und reichte Alissa Janas Impfpapiere zurück. Er betrachtete ein weiteres Mal eingehend die Bisswunde. »Ich bin mir nicht sicher, ob nicht auch die Speiche, also einer der Ellbogenknochen, in Mitleidenschaft gezogen ist«, sagte er schließlich mit ernster Miene. »Wir müssen auf alle Fälle eine Röntgenaufnahme des linken Arms machen. Erst dann können wir die weiteren Schritte der Behandlung besprechen.«
Jana schaute Alissa an, als hinge das weitere Vorgehen der Ärzte in erster Linie von deren Ermessen und Urteil ab. »Hört sich an, als könnte das alles eine ganze Weile dauern. Wenn du auf den Gnadenhof zurückmusst, weil heute am späten Nachmittag Dr. Vollmer zu den Pferden kommt, um nach Beppos Sprunggelenk zu sehen …«, begann sie unsicher, aber Alissa winkte entschlossen ab. »Ich bleibe bei dir, bis du vollständig untersucht und medizinisch versorgt bist, Jana«, versprach sie. »Dazu fühle ich mich einfach verpflichtet. Bastian kommt mit dem Tierarzt locker allein zurecht. Er hat alles im Griff und braucht mich nicht.«
»Und … und Oma Hilde?«, fragte Jana.
»Sie kann mich ebenfalls entbehren«, versicherte Alissa. »Nur weil sie noch ein wenig unter den Folgen ihres Schlaganfalls leidet, ist sie noch lange kein Rund-um-die-Uhr-Pflegefall.«
»Wie du meinst. Danke jedenfalls für deinen Beistand«, sagte Jana, wobei ihre Mundwinkel ein paarmal seltsam zuckten. Als Alex daraufhin spontan seine Augen auf Jana richtete, wandte sie sich sofort ab, als empfände sie die unwillkürlichen Zuckungen als peinlich.
»Dann wird Alex Sie jetzt in die Radiologie zu Dr. Heinrich bringen, Frau Steiner«, erklärte Dr. Ganschow.
»Wenn es in Janas - also Frau Steiners – Sinn ist, kannst du selbstverständlich mitkommen, Alissa«, fügte Alex, an Alissa gewandt, hinzu.
»Klar komme ich mit. Nicht wahr, Jana?«, erwiderte Alissa, legte Janas Handtasche neben sie auf die fahrbare Trage und folgte Alex.
Als die drei schon im Begriff waren, die Tür des Schockraums zu passieren, hielt Dr. Ganschow Alex noch einmal kurz zurück. »Ist dir aufgefallen, dass Frau Steiner hin und wieder unkontrolliert zuckt?«, fragte er im Flüsterton.
Alex nickte. »Ja, sie ist offenbar sehr aufgeregt«, gab er zurück. Und setzte, als Dr. Ganschow zweifelnd die Augenbrauen hob, hinzu: »Es könnte natürlich auch eine Art Tic sein.«
»Daran habe ich ebenfalls gedacht«, stimmte Dr. Ganschow zu. »Wir sollten das Ganze auf alle Fälle im Auge behalten.«
»Was will er im Auge behalten? Dieser Dr. Ganschow, meine ich? Was wollte er denn eigentlich von dir?«, erkundigte sich Alissa sofort voller Unruhe, als die Tür des Schockraums hinter ihnen ins Schloss gefallen war.
Alex zuckte die Schultern. »Ach, nichts Besonderes«, antwortete er. »Es ging lediglich um ein technisches Detail für die Röntgenaufnahme.«
Alissa murmelte unwillig etwas in sich hinein, gab sich aber wohl oder übel mit dieser Auskunft zufrieden, auch wenn die Besorgnis in ihrer Miene nicht weichen wollte. Unsicher wanderten ihre Blicke, während der Lift nach oben fuhr, zwischen Jana und Alex hin und her.
Alex, der der Situation die Spannung nehmen wollte, setzte ein freches Grinsen auf. »Was hast du da vorhin von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefaselt, Alissa? Wie viele Angestellte habt ihr denn mittlerweile, du und Bastian? Habe ich da irgendeine neue Entwicklung versäumt, oder wolltest du vor Dr. Ganschow nur ein bisschen angeben?«
Prompt verpasste ihm Alissa einen heftigen Stoß mit dem Ellbogen.
»Vorerst bin ich noch die einzige Mitarbeiterin«, antwortete Jana. »Aber der Anfang ist gemacht. Und nachdem die Tierpension inzwischen wirklich gut läuft, werden mit Sicherheit bald weitere Kolleginnen und Kollegen folgen.«
Alissa nickte. »So ist es. Die Tierpension hat den Gnadenhof gerettet«, seufzte sie nach einer Weile und blinzelte Alex zu. »Durch sie trägt der Gnadenhof sich inzwischen selbst. Ganz ohne Spenden. Dabei war die Tierpension eigentlich gar nicht meine und Bastians Idee, sondern deine, Alex.«
Alex‘ Lippen verzogen sich zu einer Art Schmunzeln. »Idee würde ich das nicht unbedingt nennen«, wiegelte er ab. »Ich wollte damit schließlich weniger euch und euren Tieren helfen als einem Patienten. Der ältere Herr war unter keinen Umständen bereit, sich einer dringend notwendigen Operation zu unterziehen, weil er sich während seines Krankenhausaufenthalts nicht um seinen Hund kümmern konnte. Ein Tierheim kam für ihn nicht infrage, und Familie, Verwandte oder Bekannte, die in die Bresche springen konnten, hatte er ebenfalls nicht. Da war der Gedanke an dich, Alissa, für mich doch ziemlich naheliegend. Dass der Mann nach überstandener Operation derart Reklame für dich und Bastian und euren liebevollen Umgang mit Tieren machen würde, war zu diesem Zeitpunkt wirklich noch nicht abzusehen.«
»Trotzdem verdanke ich also dir … ich meine Ihnen … meinen Job, Herr Norden«, lächelte Jana.
»Na ja, wie man’s nimmt«, erwiderte Alex leicht verlegen. »Und im Übrigen bin ich ganz einfach Alex und nicht Herr Norden, auch wenn mein Nachname auf meinem Namensschild steht. Und niemand braucht mich hier zu siezen.«
»Also okay. Dann nenne ich dich Alex. Genau wie Alissa«, sagte Jana. »Aber nur, wenn du mich ebenfalls duzt.«
»Mit Vergnügen«, grinste Alex, schob Janas fahrbare Trage aus dem Lift und bog in die Röntgenstation ein.
Dr. Heinrich, der von Dr. Ganschow verständigt worden war, wartete vor der Tür des Röntgenraums bereits ungeduldig auf die neue Patientin.
Als Jana ihn sah, fuhr sie allerdings erst einmal erschrocken zusammen. Nils Heinrich war an die zwei Meter groß und überragte sowohl Alissa als auch Alex um weit mehr als Haupteslänge. Er hatte die Gestalt eines amerikanischen Rugbyspielers, und Jana beruhigte sich erst wieder, als sie die Gutmütigkeit und die Wärme sah, die aus seinen Augen leuchteten.
»Dann wollen wir uns Ihren Arm einmal genauer anschauen, Frau Steiner«, sagte Dr. Heinrich zu Jana, während er alles für die Röntgenaufnahmen vorbereitete.
»Du brauchst keine Angst zu haben, Jana. Wirklich nicht«, sagte Alissa tröstend, als sie sah, dass Jana mit ihrem verletzten Arm während der Röntgenaufnahme mehrfach zuckte, sodass die Prozedur längere Zeit in Anspruch nahm als ursprünglich geplant.
»Das sehe ich auch so. Im Gegensatz zu gewissen Hunden habe ich nämlich bis jetzt noch niemanden gebissen«, brummte Dr. Heinrich leicht unmutig, was Jana allerdings nicht gerade ruhiger werden ließ.
Endlich war die Röntgenaufnahme geschafft.
»Und?«, erkundigte sich Alissa, noch ehe Jana auch nur den Mund hätte auftun können.
»Der Knochen ist leider nicht ganz heil geblieben«, erklärte Dr. Heinrich mit einem Blick auf das Röntgenbild und zeigte auf die entsprechende Stelle, die als dunkelgrauer Fleck auf der Aufnahme zu erkennen war. »Gerade große Hunde können eine sehr starke Beißkraft entwickeln.«
»Muss … muss ich operiert werden?«, entfuhr es Jana angesichts dieser Diagnose in heller Panik.
Dr. Heinrich schien einen Moment lang nachzudenken, dann schüttelte er den Kopf. »Vorerst jedenfalls nicht«, antwortete er schließlich. »Solange alles gut abheilt und sich keine Entzündung bildet, besteht auch keine Notwendigkeit einer Operation. Allerdings müssen Sie auf alle Fälle etliche Tage zur Beobachtung hier in der Behnisch-Klinik bleiben, Frau Steiner. Damit wir die Bisswunde im Blick behalten können und, sollte sie sich entzünden, keine Zeit versäumt wird.«
»Etliche Tage?«, wiederholte Jana. »Wie viele Tage sind das genau?«
»Das weiß ich leider nicht. Andernfalls hätte ich mich nicht so vage ausgedrückt«, antwortete Dr. Heinrich kühl. »Sie müssen, wie gesagt, auf alle Fälle so lange zur Beobachtung bleiben, bis wir die Gefahr einer Entzündung endgültig ausschließen können.«
Jana nickte schicksalsergeben. »Du wirst also wahrscheinlich für den Rest der Woche ohne mich auskommen müssen, Alissa«, seufzte sie. »Was leider noch mehr Arbeit für dich und für Bastian bedeutet.«
»Wir schaffen das«, versicherte Alissa sofort.
Dr. Heinrich schmunzelte. »Einen Vorsatz zu fassen, ist oft leichter, als ihn durchzuziehen. Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Glück und drücke Ihnen beide Daumen, dass Sie bald wieder auf Frau Steiners Hilfe zählen können.«
Alissa wandte sich Jana zu. »Soll ich dir ein paar Sachen für deinen Krankenhausaufenthalt vorbeibringen, Jana? Irgendetwas zum Lesen? Oder Musik, die du gerne hörst?«
Jana nickte. »Für ein bisschen Lesestoff zu sorgen, wäre in der Tat sehr lieb von dir, Alissa«, erwiderte sie. »Du … du hast doch bestimmt noch ein paar Lehrbücher aus deinem abgebrochenen Tiermedizinstudium. In denen würde ich gerne ein wenig schmökern. Ist das in Ordnung für dich?«
»Klar. Das ist überhaupt kein Problem«, stimmte Alissa unverzüglich zu.
»Wunderbar. Vielen lieben Dank, Alissa«, freute sich Jana. »Dann kann ich meine unfreiwillige Freizeit hier in der Klinik wenigstens effektiv nutzen, um vielleicht sogar zu einer endgültigen Entscheidung über meinen weiteren Weg zu finden.«
»Nutze deine Auszeit aber auch, um zur Ruhe zu kommen«, mahnte Alissa. »Jede Wunde, selbst bei Tieren, heilt schneller, wenn man Stress vermeidet und auf ausreichende Entspannung achtet.«
Jana musste lachen. »Von Stress kann bei der Lektüre von tiermedizinischen Lehrbüchern wirklich keine Rede sein. Zumindest nicht, was mich betrifft. Du weißt ja, Alissa, wie sehr mich Tierheilkunde interessiert. Und alles, was damit zusammenhängt.«
»Klar weiß ich das«, nickte Alissa. »Schließlich war es bei mir früher genauso. Und im Grunde hat sich daran immer noch nichts geändert, auch wenn ich inzwischen das Tiermedizinstudium mit einer Ausbildung zur Tierheilpraktikerin vertauscht habe.«
Dr. Heinrich räusperte sich lautstark. »Schön, etwas über Ihre persönlichen Vorlieben und Neigungen zu hören. Auch wenn sie mich leider nur sehr am Rande interessieren«, bemerkte er mit einem Anflug von Ungeduld und öffnete demonstrativ die Tür des Röntgenraums.
Alex, der den Wink mit dem Zaunpfahl sofort verstand, schob Janas fahrbares Bett in Windeseile zurück auf den Flur. Dort warteten schon zwei Krankenschwestern, um Jana in ihr Zimmer zu bringen.
Alissa machte Miene, Jana zu begleiten, blieb nach kurzer Überlegung aber zurück und schloss sich Alex an, der sich bereitmachte, in die Notaufnahme zurückzukehren. »Kann ich bei euch in meinem WG-Zimmer übernachten, während Jana hier in der Behnisch-Klinik liegt?«, fragte sie ihn.
»Natürlich«, antwortete Alex sofort. »Es ist schließlich nach wie vor dein Zimmer, auch wenn du es nur noch sporadisch nutzt.«
»Danke, Alex. Ich bringe veganes Essen für mich mit. Wahrscheinlich habt ihr beide, du und Sina, seit Aldo in Australien ist, nichts mehr dergleichen im Kühlschrank.«
Alex grinste. »Außer Mineralwasser und ein bisschen Gemüse gibt es bei uns in der Tat nicht sehr viel Veganes«, bemerkte er. »Aber du bist uns trotzdem herzlich willkommen zum Abendessen. Sina kann Lasagne kochen und deine Lasagne mit Spinat oder sonstigem Gemüse füllen. Und mit Pizza funktioniert das meines Wissens ganz ähnlich. Ist das ein Angebot?«
»Ein richtig gutes sogar«, stellte Alissa klar. »Ich freue mich schon auf ein paar Abende mit euch. Ganz wie in alten Zeiten.«
*
»Und? Wisst ihr schon etwas Neues, was den Verkauf des alten Kastens angeht, in dem wir wohnen?«, erkundigte sich Alissa zwischen zwei Bissen Lasagne und einem Schluck Mineralwasser.
Alex zuckte die Schultern. »Ja und nein«, antwortete er, während er sich unter Alissas vernichtendem Blick einen großen Schöpflöffel voll Hackfleischsoße zusätzlich über seine Lasagne kippte.
»Was soll das heißen: ja und nein?«, hakte Alissa nach.
Sina legte ihr Besteck beiseite und wischte sich die Lippen mit einer Papierserviette. »Hat Alex dir noch nichts von der Krankheit unseres Vermieters erzählt?«, wunderte sie sich.
»Krankheit? Dass ich nicht lache. Für mich sind Geiz und Geldgier schlicht und ergreifend schlechte Eigenschaften, die man im Mittelalter meines Wissens sogar zu den sieben Todsünden gezählt hat«, bemerkte Alissa. »Als Krankheit würde ich sie eher nicht bezeichnen, auch wenn sie bei Herrn Sporrer mitunter schon fast krankhafte Züge annehmen.«
»Unser Vermieter ist aber wirklich krank«, versicherte nun Alex. »Er liegt in der Behnisch-Klinik. Schon seit fast drei Wochen.«
»Was?« Alissa hätte um ein Haar den zuletzt zum Munde geführten Bissen wieder ausgespuckt und hielt sich deshalb spontan die Hand vor den Mund.
»Unser Vermieter liegt in der Tat in der Behnisch-Klinik«, wiederholte Sina. »Und zwar auf der onkologischen Abteilung.«
Alissa hielt die Luft an, während ihre Blicke ungläubig zwischen Alex und Sina hin und her wanderten. »Und das … das ist jetzt nicht irgendein blöder Witz?«, stieß sie schließlich hervor.
»Quatsch«, erwiderte Alex. »Wir können unseren Vermieter zwar genauso wenig leiden wie du, aber trotzdem würden wir uns keinen Spaß daraus machen, ihm eine ernste Krankheit anzudichten.«
»Schon klar«, schnaufte Alissa. »Trotzdem kann ich kaum glauben, was ihr da sagt. Dass das Schicksal zufällig einmal gerecht ist und den bestraft, der seine Strafe auch wirklich verdient, kommt schließlich nicht allzu häufig vor.«
»Herr Sporrer leidet an Bauchspeicheldrüsenkrebs«, erklärte Alex.
»Puh, das klingt ziemlich übel. Und wie steht es um ihn?«, wollte Alissa sofort wissen. »Hat er Chancen, den Krebs zu besiegen, oder ist die Krankheit bereits im fortgeschrittenen Stadium?«
»Der Krebs hat schon metastasiert«, antwortete Alex. »In die Leber und in die Lunge.«
»Unser Vermieter wird also … sterben?« Alissa fiel es noch immer schwer, das Gehörte zu begreifen.
