Alpengold 296 - Heimatroman - Monika Leitner - E-Book

Alpengold 296 - Heimatroman E-Book

Monika Leitner

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1,49 €

Beschreibung

Das störrischste Dirndl vom Zillertal - Warum Bruni sich sogar gegen die Liebe wehrte Von Monika Leitner Bruni von Otten ist unglücklich. Der einzige Besitz, der ihr vom einstigen Wohlstand der Eltern blieb, die Stute Maja, muss verkauft werden. Ein Käufer ist schnell zur Stelle. Er heißt Michael Holm. Der sympathische junge Mann beeindruckt Bruni tief. Doch sie verschließt ihre Gefühle im Herzen, denn sie kann es ihm nicht verzeihen, dass er ihr das einzige Wesen wegnahm, das sie liebte - ihre Stute Maja ...

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Seitenzahl: 121

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Inhalt

Cover

Impressum

Das störrischste Dirndl vom Zillertal

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Michael Wolf

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8015-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Das störrischste Dirndl vom Zillertal

Warum Bruni sich sogar gegen die Liebe wehrte

Von Monika Leitner

Bruni von Otten ist unglücklich. Der einzige Besitz, der ihr vom einstigen Wohlstand der Eltern geblieben ist, ihre Stute Maja, muss verkauft werden.

Ein Käufer ist schnell zur Stelle. Er heißt Michael Holm.

Der sympathische junge Mann beeindruckt Bruni tief. Dennoch verschließt sie ihre Gefühle tief im Herzen, denn sie kann es ihm nicht verzeihen, dass er ihr das einzige Wesen wegnahm, das sie liebte – ihre Stute Maja …

„Auf Wiedersehen und viel Vergnügen beim Sommernachtsball!“

Das dunkelhaarige Mädchen mit den klugen braunen Augen schloss die Glastür hinter dem Kunden.

„So, das waren die letzten Eintrittskarten für das Gartenfest im ‚Waldschlösschen‘“, sagte sie. „Der Bartmoser wird sich freuen, das Fest ist restlos ausverkauft.“

Brunhilde von Otten, die von ihren Verwandten und Freunden nur Bruni genannt wurde, kehrte an ihren Platz hinter der Ladentheke zurück. Sie musste noch rasch ein paar Eintragungen in eine Liste machen und die Tageseinnahmen zusammenzählen.

Ihre Kollegin Paula Merzenbach, die doppelt so alt war wie die Bruni, nämlich vierundvierzig, und auch den doppelten Umfang besaß, wies mit einem Augenzwinkern zur Uhr an der Wand.

„Feierabend für heut, Kindl, schließen S‘ die Tür ab! Wir haben genug getan und wieder einmal dafür gesorgt, dass die Urlauber mit dem Service in Mayrhofen zufrieden sind.“

Bruni kehrte um, begab sich wieder zur Tür und schloss sie ab. Dann ließ sie einen tiefen Seufzer der Erleichterung folgen, weil wieder einmal ein Tag herum war, der ihr ganz und gar keinen Spaß gemacht hatte.

Die zweiundzwanzigjährige Brunhilde von Otten verrichtete ihren Dienst im Verkehrsbüro von Mayrhofen nicht gerade gern, aber die häuslichen Verhältnisse hatten es ihr nicht erlaubt, einen Beruf zu erlernen.

Ihre Mutter war gestorben, als Bruni gerade die Matura machte. Sie war einem Herzleiden erlegen.

Brunis Vater war damals sechzig gewesen. Er hatte erst spät geheiratet. Dreiundvierzig war er gewesen, als man ihm auf der Säuglingsstation des Bezirkskrankenhauses in Schwaz ein schreiendes, weiß eingepacktes Bündel in den Arm legte und dazu sagte: „Herzlichen Glückwunsch! Hier haben Sie Ihr niedliches Töchterchen. Finden Sie es nicht wunderbar, Vater zu sein?“

Etwas hilflos hatte Maximilian von Otten damals beteuert: „Ja, gewiss, sehr!“

Aber im Grunde war er froh gewesen, als man ihn von der plärrenden winzigen Last wieder befreite. Noch nie in seinem Leben hatte er einen Säugling in seinen Armen gehalten. Das Geschöpf erschien ihm so winzig. Er fürchtete, etwas daran zu zerbrechen.

Dabei war er ganz gewiss kein „Kraftmeier“, dieser Bauernsohn aus dem Weiler Hollenzen bei Kreuzlau.

Einst hatte seinen Eltern ein großer Hof gehört. Brunis Großvater war ein Vetter des damaligen Baron von Peheim gewesen, des Gutsbesitzers, der in Kreuzlau und Umgegend der wichtigste Arbeitgeber war.

Im Schlössl, wie das Herrenhaus allgemein genannt wurde, gab es eine Menge Personal. Im landwirtschaftlichen Betrieb waren neben dem Gesinde auch Tagelöhner und Erntearbeiter beschäftigt, in den Waldungen des Barons die Waldhüter und Holzknechte, in seinem Gestüt die Pferdepfleger und Bereiter.

Von dem einstigen Glanz der von Ottens aber war nicht mehr viel übrig, denn Brunis Vater hatte sich als ein völlig unfähiger Landwirt erwiesen, der einen Acker nach dem anderen verkaufte und schließlich auch das Vieh und die Maschinen abschaffen musste, weil nicht mehr genug Weideland vorhanden war, um die Tiere zu ernähren.

Heute besaß er nur noch das kleine Haus, das sein Vater als Altenteil für die Großmutter und sich gebaut hatte und das inmitten eines großen Gartens lag.

Maximilian von Otten war Heimatdichter und -forscher. Er trug zusammen, was sich an Zeugnissen längst vergangener Zeit im Zillertal finden ließ, schrieb Volkslieder, Märchen und Sagen auf, die in den Bauernhäusern noch lebendig waren, und hatte sich als Autor von Naturschilderungen der Bergwelt einen Namen gemacht.

Leider brachte ihm das sehr wenig Geld ein, und deswegen hatte Bruni resolut zugegriffen, als ihr der Bürgermeister von Mayrhofen, der ihren Vater sehr schätzte, die Stellung im Verkehrsverein anbot.

Dort verkaufte sie nun Fahrkarten und Eintrittsbilletts sowie Wanderpläne von Mayrhofen und der Umgebung. Ihr Gehalt war klein, aber es reichte für die Bestreitung der Haushaltsausgaben.

Nur glücklich war die Bruni auf diesem Posten ganz gewiss nicht, denn sie musste jeden Morgen früh aufstehen und mit dem klapprigen Bus, der die einzige Verkehrsverbindung zwischen Kreuzlau und Mayrhofen bildete, zum Dienst hinunterfahren.

Den ganzen Tag stand sie dann hinter der Ladentheke, beantwortete die unmöglichsten Fragen, rannte zu dem wildklingelnden Telefon und hämmerte auf der Computertastatur herum. Erst am Abend konnte sie sich von dem Bus wieder heimbringen lassen in ihr geliebtes Bergdorf.

„Das Wetter ist wundervoll“, stellte Paula Merzenbach fest. „Den ganzen Tag hat die Sonne geschienen, und sie denkt noch gar net daran, unterzugehen. Schließlich haben wir ja auch jetzt die längsten Tage des Jahres. Net wahr, Bruni, heut am Abend schwingst du dich auf deine Maja und reitest durch die blühenden Wiesen?“

Schwärmerisch schaute die dicke, gutmütige Paula dabei in die Ferne, als sähe sie im Geist ihre junge Kollegin auf dem Rücken der edlen Fuchsstute durch einen Garten Eden traben.

„Ich glaub‘ net, dass daraus etwas wird“, stellte Bruni nüchtern richtig. „Deine blühenden Wiesen, Paula, sind nämlich schon gemäht. Überall trocknet das Heu, und manche Bauern sind sogar noch spätabends damit beschäftigt, es einzufahren. Das Wetter könnt’ ja umschlagen. Zeit fürs Reiten werd’ ich kaum haben, denn im Garten wuchert bei diesem Wetter das Unkraut. Die Erdbeeren reifen schon, sie müssen gesammelt und eingekocht werden, und der Salat fängt an zu schießen. Nein, ich glaube net, dass ich mir einen Abendritt leisten darf.“

Die Fuchsstute Maja war das letzte Überbleibsel aus besseren Zeiten, eine wundervolle Sechsjährige mit schlankem Hals und schmalen Fesseln.

Maja stand im Stall bei Baron von Peheim. Sie erhielt dort das Futter, aber säubern und pflegen musste Bruni sie selbst, und vor allem musste das Pferd bewegt werden, woran es leider in der letzten Zeit haperte, denn dem Vater ging es nicht gut. Er fühlte sich so matt und erschöpft, dass er nicht einmal wie in den vergangenen Jahren die Frühjahrsarbeiten im Garten erledigen konnte.

Da Bruni den Zustand ihres Vaters besorgniserregend fand, hatte sie keine Ruhe gegeben, bis er sich bereit erklärte, den Landarzt von Kreuzlau, Dr. Armin Schwaiger, in seiner Praxis aufzusuchen und seinen körperlichen Zustand einmal gründlich testen zu lassen.

„Ich kann mir das doch gar net leisten, Bruni“, hatte Maximilian von Otten immer wieder widersprochen. „Du weißt doch genau, dass ich in keiner Krankenkasse bin. Wovon soll ich denn eine ärztliche Behandlung bezahlen? Und für die Medikamente, die mir verordnet werden, hab ich auch kein Geld.“

Aber sie war auf diese Einwände vorbereitet gewesen und hatte ihm den Wind aus den Segeln genommen.

„Mit Dr. Schwaiger hab ich schon gesprochen“, trumpfte sie auf. „Er untersucht und behandelt dich zunächst umsonst. Mit dem Ausschreiben der Rechnung wird er sich Zeit lassen, hat er gesagt, und mit der Bezahlung sollten wir dasselbe tun. Er meinte, es wäre viel wichtiger, das bisserl Geld, das wir haben, für die Medikamente zu verwenden, die er dir verschreibt.“

„Sehr großzügig vom Herrn Doktor, sehr nobel“, murmelte der Heimatdichter verlegen. „Aber mir ist’s peinlich, auf die Mildtätigkeit der Leute angewiesen zu sein.“

Bruni hatte noch ein Weilchen reden müssen, bis sie ihn so weit hatte, dass er seine Bereitwilligkeit erklärte. Für morgen Nachmittag um fünf war er in die Sprechstunde bestellt.

„Nein, ich glaube net, dass ich Zeit hab, auf der Maja auszureiten“, äußerte sich die Bruni abschließend noch einmal. „Mein Vater muss morgen zum Arzt, da will ich ihm noch ein Hemd waschen und bügeln und mich vergewissern, ob er auch genügend saubere Unterwäsche im Schrank hat. Wenn man alles allein machen muss und einem dafür nur die Abendstunden bleiben, liegt halt manches im Argen.“

„Das glaube ich, Kindl. Sie haben es net leicht“, gab die Kollegin zu. „Aber am Wochenende finden Sie gewiss ein Stündchen für sich selbst. Der Mensch kann ja net nur von der Pflichterfüllung leben.“

Paula Merzenbach verschloss ihren Schreibtisch, den Aktenschrank und die Eingangstür. Sie holte das Geld, das in der Geschäftsstelle des Verkehrsvereins heute eingenommen worden war, aus der Registrierkasse, legte Scheine und Münzen in eine sogenannte Geldbombe und versenkte diese in ihrer Tasche mit den beiden Henkeln.

Paula wohnte in Mayrhofen. Auf dem Heimweg kam sie stets bei der Filiale der Raiffeisenkasse vorbei. Dann warf sie die Geldbombe dort in den Schlitz für den Nachttresor.

Bruni aber musste sich beeilen und zur Bushaltestelle hasten, die sich vor dem Stationsgebäude der Zillertalbahn befand.

Dreimal am Tag fuhr der Bus nach Kreuzlau hinauf. Wenn sie ihn verpasste, gab es keine Möglichkeit mehr, zu dem abgelegenen Bergdorf zu gelangen. Ein eigenes Fahrzeug besaß Bruni nicht, und sich von Benno Poschenrieder in seinem Mietwagen fahren zu lassen, das war unerschwinglich für sie.

Da das junge Mädchen nicht rechts und links schaute, sondern sich beeilte, die Haltestelle zu erreichen, klappte es noch früh genug. An die kurze Schlange der Wartenden, die dem Busfahrer, der zugleich Kassierer war, nacheinander die Münzen reichten und dann einen Platz in dem klapprigen Vehikel bezogen, reihte sich die Bruni an. Als sie über das hohe Trittbrett hineinkletterte, grüßte der Reinbach-Berthold sie mit einem freundlichen Lächeln.

„Na, Madel, hast du wieder einmal einen langen, heißen Tag hinter dich gebracht?“, erkundigte er sich teilnahmsvoll. „Da war’s früher in der Schulzeit besser, net wahr, denn da hast du nur vormittags nach Schwaz zum Gymnasium fahren müssen, und am Nachmittag hast du die goldene Freiheit genießen können. Ach ja, ein Kind müsst’ man halt noch sein!“

„Manchmal denk’ ich das auch, Bertl“, gab Bruni zu.

Sie bezahlte das Fahrgeld und sank dann auf den letzten freien Platz. Die Fahrt begann.

In Serpentinen wand sich die Bergstraße nach Kreuzlau hinauf. Immer wieder gab es neue überraschende Ausblicke auf hohe Berge und tiefe Schluchten. Als nach der letzten Kehre das Dorf Kreuzlau in Sicht kam, ging der Bruni wieder einmal das Herz auf beim Anblick der buntgetünchten Häuser, die sich um das Kirchlein mit dem Zwiebelturm scharten wie die Kücklein um die Glucke.

Nirgends ist’s so schön wie daheim, dachte sie.

Der Bus hielt vor dem Gasthaus „Zum Hirschen“, das der Kirche genau gegenüber lag. Aber das war noch nicht die Endstation. Die befand sich drei Kilometer weiter im Weiler Hollenzen.

Bruni hatte sich vorgenommen, noch beim Doktor vorbeizugehen und mit ihm unter vier Augen über die Sorgen zu reden, die sie sich um ihren Vater machte.

Aber jetzt entdeckte sie, dass ihr Vater an der Haltestelle stand.

Maximilian von Otten stützte sich schwer auf seinen Krückstock. Ganz offensichtlich hatte der Marsch von Hollenzen nach Kreuzlau ihn sehr angestrengt. Aber er schien es sich nun einmal in den Kopf gesetzt zu haben, dass er seine Tochter an der Haltestelle in Empfang nehmen wollte. Keine zehn Pferde hätten ihn von einem einmal gefassten Vorsatz abzubringen vermocht.

„Grüß dich, Vater!“, rief Bruni, als sie aus dem Bus stieg, und eilte auf den alten Mann zu. „Lieb ist’s von dir, dass du mich abholen kommst! Aber war das net zu anstrengend für dich?“

„Ach was, Bruni“, widersprach er. „Ich hab mir gedacht, dich freut’s. Nach einem so anstrengenden Tag ist’s eine angenehme Überraschung für dich, hab ich mir gesagt. Und außerdem wollte ich mir selber beweisen, dass ich noch net ganz zum alten Eisen gehöre.“

Den Besuch bei Dr. Schwaiger musste die Bruni also auf ein anderes Mal verschieben. Außerdem sah sie den Landarzt gerade in seinem Wagen vorüberfahren. Er war wohl dabei, seine Hausbesuche zu machen. Sie hätte ihn also gar nicht angetroffen.

Mit strahlenden Augen gab sie ihrem Vater einen Begrüßungskuss. Bruni war nicht eigentlich ein hübsches Madel. Dazu waren ihre Gesichtszüge nicht glatt und ebenmäßig genug. Sie wirkte eher apart.

Ihre schlanke Gestalt, die straffe Haltung und der elastische Gang wiesen sie als eine trainierte Sportlerin aus. Das geblümte Dirndlkleid mit dem weiten Rock und den Rüschen am Halsausschnitt sowie die gebauschte grasgrüne Schürze versuchten den herben Eindruck zu mildern und ihre Erscheinung weiblicher zu machen.

Aber dennoch konnte man sie sich besser in Reithose und Bluse hoch zu Ross vorstellen.

Jetzt hatte sie den Arm ihres Vaters durch den ihren gezogen und passte sich dem langsamen Schritt des Fünfundsechzigjährigen an.

So wanderten sie gemächlich heimwärts, dem kleinen Haus im üppig blühenden Garten entgegen. Gewaltig erhob sich der Filzenkogel hinter dem Dorf, zu dessen Gipfel ein Sessellift hinaufführte und der den sogenannten Wetterturm trug, die meteorologische Beobachtungsstation.

Aber auch alle anderen Gipfel leuchteten golden im Schein der Abendsonne. Die Flanken der steinernen Riesen waren rosig überhaucht.

Das Hochtal war erfüllt vom Läuten der Kuhglocken. Auf den ansteigenden grünen Matten der Almwiesen bildeten die braun-weißen Kühe helle Flecken. Die Mücken tanzten in der warmen Sommerluft, die Schwalben schossen zwitschernd daher.

Wie schön ist meine Heimat, wie wunderschön!, dachte Bruni. Niemals möchte ich anderswo leben als hier in den Bergen. Ich will auch net unzufrieden sein. Mein Leben mit dem Vater ist zwar eintönig und reich an Pflichten und Sorgen, aber friedlich und schön.

Liebevoll betrachtete sie das faltenreiche Gesicht ihres Vaters. Dieser versponnene Mensch, der mit seinen Gedanken immer weit fort war, brauchte sie so sehr. Die Tochter war für ihn Mutter, Lebensgefährtin und Kind zugleich, und voll zärtlicher Hingabe versuchte Bruni, ihn vor beruflichen Enttäuschungen zu bewahren, ihn gegen die Welt abzuschirmen und die verworrenen finanziellen Verhältnisse zu meistern. Sie wusste, dass ihm dafür die Kraft fehlte.

An ein eigenes Glück durfte sie bei dieser Fülle der Aufgaben nicht denken. Es gab zwar Momente, in denen sie das bedauerte. Aber an diesem goldenen, friedlichen Juniabend war sie bereit, aus vollem Herzen Ja zu ihrem Leben zu sagen.

***

Doch diese angenehme Stimmung dauerte nicht lange.

Jetzt hatten sie ihr Grundstück erreicht. Maximilian von Otten wunderte sich schon darüber, dass das Gartentörchen offen stand. Er wusste genau, dass er es, als er vorhin fortging, geschlossen hatte.

Vielleicht war jemand von den Nachbarn da und hat vergebens an der Haustür geklopft, dachte er. Beim Fortgehen hat er dann das Törchen versehentlich offen gelassen.

Der Heimatdichter und seine Tochter benutzten nur selten die Haustür. Meist gingen sie auf dem Steinplattenweg um das Häusl herum und betraten durch die Küchentür, die in den Garten führte, das Gebäude.