Bergkristall - Folge 269 - Nora Stern - E-Book

Bergkristall - Folge 269 E-Book

Nora Stern

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Beschreibung

"Besorg das Geld in kleinen, nicht registrierten Scheinen - oder du siehst dein Herzensbüberl nie wieder! Genaueres erfährst du bald." Damit verstummt die raue, merkwürdig klingende Männerstimme, ein Klicken in der Leitung zeigt an, dass die Verbindung unterbrochen ist.

Gregor Magreiter starrt fassungslos auf den Telefonhörer in seiner Hand. Dann sieht er verzweifelt seine Frau Andrea an, die neben ihm steht. "Sie haben Tobias entführt", murmelt er mit erstickter Stimme. "Und sie verlangen drei Millionen Lösegeld! Wie soll ich so viel Geld aufbringen?"

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Seitenzahl: 100

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Cover

Impressum

Drei Millionen für Tobias

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock/Miramiska

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-3696-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Drei Millionen für Tobias

Roman um eine dramatische Kindesentführung

Von Nora Stern

„Besorg das Geld in kleinen, nicht registrierten Scheinen  – oder du siehst dein Herzensbüberl nie wieder! Genaueres erfährst du bald.“ Damit verstummt die raue, merkwürdig klingende Männerstimme, ein Klicken in der Leitung zeigt an, dass die Verbindung unterbrochen ist.

Gregor Magreiter starrt fassungslos auf den Telefonhörer in seiner Hand. Dann sieht er verzweifelt seine Frau Andrea an, die neben ihm steht. „Sie haben Tobias entführt“, murmelt er mit erstickter Stimme. „Und sie verlangen drei Millionen Lösegeld! Wie soll ich so viel Geld aufbringen?“

Die drei städtisch gekleideten Männer, die am Rand der Rieden-Wiese standen, hatten keinen Blick für die Schönheit des malerischen Marktfleckens Riedenstein und der ringsum aufragenden Berge.

„Das Gelände wäre ideal“, meinte der eine, während ein anderer noch zu errechnen versuchte, wie viele Hektar das ebene Grundstück vor ihnen maß. „Es reicht locker für die Errichtung der Anlage. Und die Zusicherung des Bürgermeisters, das gemeindeeigene Grundstück und die Baugenehmigung zu bekommen, haben wir ja bereits.“

Der älteste der drei lächelte. Es war ein recht kühles Lächeln, mit dem er sich nun an seinen Begleiter wandte.

„Du sprichst am besten mit diesem Makler Otmar Fink, ja? Der hockt ohnehin in der Goldenen Eiche und wartet darauf, endlich aktiv werden zu können. Der Kerl braucht immer Geld. Für eine hübsche Prämie wird er alle Register seiner Überredungskünste ziehen.“

„Ich mag Otmar Fink zwar nicht, aber … Ich denke, er wird den Auftrag erfüllen. Für Geld würde der sogar seine eigene Großmutter verkaufen.“

In der nahen Sternberg-Brauerei war gerade Schichtwechsel gewesen. Einige der Arbeiter sahen die drei fremden Männer, die sich am Rand der Wiese miteinander unterhielten.

Fremde in Riedenstein? Na ja, so ungewöhnlich war das auch nicht, also vergaßen die Leute die Begegnung wieder.

Auch der Besitzer der Brauerei, der vierunddreißigjährige Gregor Magreiter, achtete kaum auf die Männer, die jetzt in den grauen Mercedes stiegen.

Er freute sich schon darauf, nach einem arbeitsreichen Vormittag Frau und Kind zu begrüßen.

Der schöne Sternberg-Hof, das Heim der Magreiters, lag nur zehn Gehminuten von der Brauerei entfernt, und Gregor genoss den kurzen Fußmarsch. Er liebte seine Heimat, die Berge, die Wälder, die Felder und die saftigen Wiesen.

Noch war das Getreide grün, aber in wenigen Wochen würden Gerste, Weizen und auch der Hafer wie Gold in der Sonne glänzen.

Andrea Magreiter hatte den acht Monate alten Tobias auf den Arm genommen.

„Wir gehen jetzt dem Vati entgegen“, sprach sie liebevoll auf das Kindchen ein, das sie aus großen, braunen Augen ansah.

Tobias gluckste vor Vergnügen, als seine Mutter mit ihm zu laufen begann.

„Hopp, hopp, hopp!“, trällerte sie. „Pferdchen lauf Galopp!“

Gregor sah seine Frau von Weitem.

Wunderschön sah Andrea aus in der heimischen Tracht. Das eng sitzende, grüne Leibchen betonte ihre Figur, die weiße Bluse wirkte adrett, und der weite, rosafarbene Rock umspielte ihre schlanken Beine. Dazu schimmerte ihr blondes Haar in der Sonne wie gesponnenes Gold.

Gregor atmete tief durch. Wie sehr er Andrea doch liebte …

Vor vier Jahren hatte er sie vor den Traualtar geführt, und immer noch hing der Himmel für das Paar voller Geigen.

Andrea war die Tochter des Sägewerkbesitzers Raimund Schonegger aus dem im Nachbartal gelegenen Städtchen St. Jakob. Sie hatte ihr Abitur an der Handelsschule gemacht und war unmittelbar danach in den Betrieb des Vaters eingetreten.

Raimund hatte ihr mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Hochzeit gratuliert: Zum einen war der Bräutigam seiner Tochter einer der begehrtesten Junggesellen in der Umgebung gewesen, andererseits jedoch hatte der Vater sich nach einer neuen Buchhalterin umsehen müssen. Und eine, die so tüchtig war wie seine Andrea, die war nicht einfach zu finden.

Gregor begrüßte seine Frau mit einem zärtlichen kleinen Kuss, dann nahm er ihr Tobias ab.

„Hallo, kleiner Stammhalter, alles in Ordnung?“

Er schwenkte den Kleinen hoch in die Luft, was Tobias mit vergnügtem Jauchzen quittierte.

***

Einige Tage später – die Junisonne schickte auch jetzt, am frühen Abend, noch wärmende Strahlen über das Land – saßen Andrea und Gregor auf der Bank, die unter der Linde auf dem Hügel hinterm Haus stand. Tobias krabbelte auf einer Decke. Er hatte einen bunten Schmetterling entdeckt und versuchte, ihn zu haschen.

„Die neue Flaschenabfüllanlage ist Gold wert“, meinte Gregor. „Seit sie in Betrieb ist, hat die Brauerei ihren Absatz fast verdoppelt.“

„Ich war von Anfang an sicher, dass meine Mitgift in dieser Abfüllanlage bestens angelegt ist“, gab Andrea lachend zurück. „Und wenn die Verträge mit den Vereinigten Emiraten zustande kommen, dann brauchen wir uns wohl nie wieder Sorgen um die Zukunft zu machen.“

„Herr Magreiter!“ Ingrid Perwein, die etwas plump wirkende Haushaltshilfe auf dem Sternberg-Hof, kam den sanften Hang hinaufgeschnauft. „Da ist ein Herr, der Sie unbedingt sprechen muss, sagt er.“

Gregor war zwar nicht sehr erbaut von der Störung, doch er nickte Ingrid zu.

„Na gut, ich komme.“

Der nicht allzu groß gewachsene Mann neben der Haustür trug einen Anzug, der ihm wohl einen gepflegten Anstrich geben sollte. Doch das Kleidungsstück stammte sichtlich aus einem nicht zu teuren Warenhaus, und auch das etwas aufdringlich duftende Herrenparfüm zeugte nicht gerade von einem erlesenen Geschmack.

Das Lächeln des Fremden war dafür umso breiter.

„Herr Magreiter, wie schön, dass Sie ein paar Minuten von ihrer kostbaren Zeit erübrigen können!“, rief er eine Spur zu freundlich. „Mein Name ist Otmar Fink, und ich habe Ihnen ein einmaliges Angebot zu unterbreiten.“

Etwas befremdet musterte Gregor den Mann. Dieser sah nicht so aus, als hätte er ihm etwas allzu Gewichtiges mitzuteilen. Und außerdem … Seriöse Geschäftspartner kamen nicht nach Feierabend, und außerdem meldeten sie sich vorher an. Dennoch machte er eine einladende Handbewegung zur Haustür hin.

Otmar Fink schluckte, als Gregor ihn durchs Haus zu seinem Arbeitszimmer führte. Alles hier wirkte gediegen: die schwere, mit reichem Schnitzwerk verzierte Truhe, der dicke Wollteppich, die geschmackvollen Bilder an der Wand.

Auch das Arbeitszimmer roch förmlich nach Reichtum. Für einen Augenblick dachte Otmar an Lieselotte. Wenn er ihr ein solches Zuhause bieten könnte, würde sie ihn sicher nicht länger hinhalten …

Otmar setzte sich auf den Stuhl, den Gregor ihm anbot, und strich sein dünnes Bärtchen glatt.

„Herr Magreiter, ich komme, um mit Ihnen über ein für Sie äußerst lukratives Geschäft zu sprechen“, wiederholte er nun. „Meine Auftraggeber wären bereit, Ihnen eine recht großzügige Summe für eines Ihrer Grundstücke – genauer gesagt, für die Rieden-Wiese – anzubieten.“

Gregor schüttelte den Kopf.

„Aber die Rieden-Wiese steht nicht zum Verkauf …“

Otmar zwinkerte ihm ein wenig zu vertraulich zu. „Vielleicht sollten Sie noch einmal über dieses Geschäft nachdenken“, meinte er. „Ich bin sicher, unser Angebot ist konkurrenzlos.“

Fast eine halbe Stunde lang redete Otmar auf Gregor Magreiter ein, dann dämmerte ihm langsam, dass er den Brauereibesitzer und Landwirt nicht so rasch würde überreden können.

Otmar war mit seinen achtunddreißig Jahren seit zwölf Jahren Immobilienmakler, und obwohl er in diesem Moment ein wenig enttäuscht war, wusste er, dass er so schnell nicht aufgeben durfte. Wie oft bedurfte es unendlicher Geduld und schier unerschöpflicher Ausdauer, das Ziel zu erreichen …

Seinen Unmut überspielte er daher gekonnt mit einem verbindlichen Lächeln.

„Ich bin sicher, das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist noch nicht gesprochen“, sagte er und stand auf. „Natürlich sollen Sie Zeit haben, um in Ruhe all die Vorteile durchzugehen, die der Verkauf Ihnen bringen würde.“

Gregor atmete innerlich auf, als sein ungeladener Besucher die Tür hinter sich schloss. Er konnte nicht sagen, was genau an Otmar so unsympathisch auf ihn wirkte, doch er wusste bereits jetzt, dass er mit diesem aalglatten Makler lieber nichts zu tun haben wollte.

Dann lachte Gregor plötzlich über sich selbst. Er hatte mit vielen Leuten zu tun, und beileibe nicht alle seine Geschäftspartner und solche, die es gern gewesen wären, waren ihm sympathisch.

Otmar war vor dem Haus stehen geblieben. Er atmete ein paarmal tief durch. Dann sah er sich um und betrachtete das herrlich gepflegte Haus, die ebenso sauberen Nebengebäude, die neu gedeckte Scheune, die vielen üppigen Blumen in den Fensterkästen und an der großzügigen, holzgeschnitzten Balkonbrüstung … Dazu überall Pflanzeimer.

Nein, nötig hatte Gregor Magreiter den Verkauf der Rieden-Wiese sicher nicht.

Ingrid Perwein, die junge Haushälterin der Magreiters, kam mit frisch abgeschnittenen Salatköpfen aus dem Gemüsegarten herüber. Sie, die mit Gaben wie Schönheit und Klugheit nicht gerade üppig gesegnet war, lächelte Otmar zu. Der in ihren Augen äußerst elegant wirkende Mann ließ ihr Herz sofort schneller schlagen. Und Otmar, ein geborener Charmeur und passionierter Herzensbrecher, erwiderte ihr Lächeln nicht nur, sondern warf ihr sogar eine Kusshand zu.

Ingrid wurde puterrot bis unter die Haarwurzeln. Rasch machte sie, dass sie mit ihrem Salat in die Küche kam.

Den merkwürdigen Blick, den Otmar ihr nachwarf, bemerkte sie freilich nicht mehr.

Der Toni aber, der junge Pferdepfleger, sah es sehr wohl. Zorn stieg in ihm auf, und er ballte die großen Hände zu Fäusten. Sein Herz gehörte nun mal Ingrid, und er konnte es nicht ertragen, wenn ihr jemand Böses wollte.

Wenn ich wenigstens einen so schönen Anzug hätt, dann tät sie mir bestimmt auch zulächeln, die Ingrid!, dachte er ein bisserl bitter.

***

Trude Brandner, die Frau des Bürgermeisters von Riedenstein, zupfte die Bänder ihrer frisch gestärkten Schürze zurecht, dann winkte sie der Küchenmagd, die mit hochroten Wangen am Herd hantierte.

„Wir bringen das Essen hinein“ kommandierte sie. „Tu die Schürze weg und frisiere dich, ja?“

In der Stube des Brander-Hofes hatten sie sich wieder einmal versammelt, die Parteifreunde des Bürgermeisters. Und da es sich bei gutem Essen und einem ordentlichen Schluck besser reden ließ, gab es jetzt Schweinebraten, flaumige Erdäpfelknödel und großzügig mit ausgelassenem Speck angemachten Krautsalat.

„Brauchst net sparen!“ hatte Karl Brandner seiner Frau eingeschärft. „Das kann ich alles als Werbungskosten von der Steuer absetzen.“

Die vier Gemeinderäte, die obendrein noch zum engsten Freundeskreis des Bürgermeisters gehörten, hatten ihrem Appetit bereits mit ein paar Selbstgebrannten noch mehr auf die Sprünge geholfen. Sie alle ließen sich tüchtig auflegen.

„Wenn alles glattgeht, wird noch im Herbst mit dem Bau begonnen“, meinte der Bürgermeister und hielt den nächsten Bierkrug unter den Hahn.

Nein, das Fass, das eigens für diese „Besprechung“ angezapft worden war, stammte keineswegs aus der heimischen Sternberg-Brauerei, sondern von der Konkurrenz, was die Gemeinderäte mit boshaftem Grinsen zur Kenntnis nahmen. Gregor Magreiter gehörte wahrlich nicht zu ihren Freunden. Und das nicht nur, weil er der Gegenpartei angehörte, er war dem Bürgermeister und seinen Konsorten wiederholt bei nicht ganz astreinen Geschäften auf die Schliche gekommen.

Simon Barthofer, der Wirt der Goldenen Eiche, schluckte den ersten Bissen des saftigen Bratens herunter. „Wenn gebaut wird, hab ich heuer den Winter über ein volles Haus“, stellte er fest und rieb sich zufrieden die Hände.

Der Bürgermeister hatte ihm bereits fix zugesagt, dass ein Teil der Bauarbeiter langfristig in der Goldenen Eiche logieren würde.

„Und ich liefere dir die Fleischwaren.“ Über das runde, ständig gerötete Gesicht des Schlachtermeisters Luis Wagner huschte ein zufriedenes Lächeln.

Er würde durch den Bau der Müllverbrennungsanlage nicht nur an der Verpflegung der Bauarbeiter verdienen … Er dachte vor allem an die unglaubliche Summe, die er von den Betreibern für den unfruchtbaren „Steinriegel“ bekommen würde. Auf dem Grundstück, dessen Name schon alles sagte, sollten unverwertbare Rückstände aus der Verbrennungsanlage gelagert werden.

Auch Engelbert Janisch und Erich Dobernig nickten zustimmend. Der Pächter und der Tankstellenbesitzer hörten ebenfalls bereits die Kassen klingeln.

Im Nu war die Knödelschüssel leer, und Trude ging in die Küche, um Nachschub zu holen.

Als sie draußen war, zwinkerte der Bürgermeister in die Runde. „Und dass mir’s keiner vergisst: Zu niemanden ein Wort, um welche Firma es sich handelt, ja? Es darf nix davon durchsickern, dass es eine Müllverbrennungsanlage ist, die neue Arbeitsplätze bringt und damit den Aufschwung von Riedenstein begründet.“

Darauf wurde erst einmal angestoßen.