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Die Kinderärztin Sandra Lemberg zuckt erschrocken zurück, als sie sieht, wie grob die kleine Pina Passetti von ihrer Pflegemutter in das Untersuchungszimmer der Kinderarztpraxis geschubst wird.
Das süße Mädchen rührt Sandras Herz sofort. Obwohl sie offensichtlich ohne Liebe großgezogen wird, liegt auf Pinas Lippen ein liebes, herzliches Lächeln, das auch dann nicht verblasst, als ihre Pflegemutter äußerst abfällig über sie spricht.
"Die hört sowieso nichts, deshalb sind wir ja hier", erklärt Frau Passetti mürrisch, als die Ärztin sie ermahnt, etwas freundlicher über das Kind zu sprechen.
Tatsächlich scheint Pina keine Geräusche um sich herum wahrzunehmen. Stattdessen ist sie ganz versunken in ihr liebevolles Spiel mit der Puppe, die sie im Behandlungszimmer gefunden hat.
Behutsam untersucht Sandra die kleine Patientin. Warum hört das Mädchen bloß nichts?
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Impressum
Kannst du mich hören, kleine Pina?
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: shutterstock/Monkey Business Images
eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln
ISBN 978-3-7325-3915-4
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Kannst du mich hören, kleine Pina?
Nach einem Unfall nimmt das Mädchen seine Umwelt nicht mehr wahr
Karin Graf
Die Kinderärztin Sandra Lemberg zuckt erschrocken zurück, als sie sieht, wie grob die kleine Pina Passetti von ihrer Pflegemutter in das Untersuchungszimmer der Kinderarztpraxis geschubst wird.
Das süße Mädchen rührt Sandras Herz sofort. Obwohl sie offensichtlich ohne Liebe großgezogen wird, liegt auf Pinas Lippen ein liebes, herzliches Lächeln, das auch dann nicht verblasst, als ihre Pflegemutter äußerst abfällig über sie spricht.
„Die hört sowieso nichts, deshalb sind wir ja hier“, erklärt Frau Passetti mürrisch, als die Ärztin sie ermahnt, etwas freundlicher über das Kind zu sprechen.
Tatsächlich scheint Pina keine Geräusche um sich herum wahrzunehmen. Stattdessen ist sie ganz versunken in ihr liebevolles Spiel mit der Puppe, die sie im Behandlungszimmer gefunden hat.
Behutsam untersucht Sandra die kleine Patientin. Warum hört das Mädchen bloß nichts?
Es war kurz vor fünf Uhr morgens, als eine Serie dicht aufeinanderfolgender Donnerschläge die Bewohner der großen alten Villa am Stadtrand von Frankfurt aus dem Tiefschlaf riss.
Die Kinder- und Jungendpsychologin Lea König, die das Haus, das inmitten eines parkähnlichen Gartens stand, von ihrem früh verstorbenen Mann geerbt hatte, richtete sich mit einem Ruck auf und vergewisserte sich, dass Peter neben ihr lag.
Mit Peter Kersten, dem Leiter der Notaufnahme an der Frankfurter Sauerbruch-Klinik, hatte sie nach langen Jahren der Trauer ein neues Glück gefunden. Da sie das Haus aus sentimentalen Gründen auf keinen Fall aufgeben mochte, war sie ihrem Freund sehr dankbar dafür, dass er mehr oder weniger bei ihr eingezogen war und ihr zuliebe täglich eine fast einstündige Fahrt zur Klinik in Kauf nahm.
In den Jahren, in denen sie hier allein gelebt hatte, hatte sie sich Nacht für Nacht fast zu Tode geängstigt, weil es in dem alten Gebäude, das ein bisschen an ein verwunschenes Spukschloss erinnerte, nachts ganz schön gruselig sein konnte.
Als sie jetzt den dunklen Haarschopf neben sich unter der Bettdecke hervorlugen sah, atmete sie erleichtert auf. Wenn Peter da war, mochte es krachen, so viel es wollte, es war es nicht notwendig, in Panik zu verfallen.
Abermals ertönte eine ganze Salve mächtiger Donnerschläge, und Lea glaubte sogar, zu spüren, wie das Haus erbebte.
„Nein …! Es war doch gerade so schön.“ Der Notarzt rollte sich unter der Decke wie ein Igel zusammen und wühlte seinen Kopf unter das Kissen. „Anna! Bitte!“, tönte es gedämpft durch die Daunen.
„Wie bitte?“ Lea zog ihrem Freund mit einem Ruck das Kissen weg. „Du bist entlarvt, mein Lieber!“, sagte sie lachend und rieb sich den Schlaf aus den Augen. „Wer ist Anna? Und was hat sie hier in unserem Bett zu suchen?“
Als Peter versuchte, sich unter der Decke zu verkriechen, zog Lea ihm auch noch diese weg.
„Los!“, verlangte sie kichernd. „Gestehe! Wer ist Anna?“
„Wie, was, was ist mit Anna?“, lamentierte Peter, drehte sich zu Lea um und öffnete mit viel Mühe ein Auge. „He! Es ist ja noch stockdunkel! Ich habe gerade irgendwas Schönes geträumt, und jetzt ist es weg!“, beklagte er sich.
„Du erwartest doch nicht wirklich, dass ich Mitleid mit dir habe?“ Die attraktive Psychologin schmunzelte. „Du träumst in meinem Bett von einer anderen Frau und beschwerst dich bei mir darüber, dass der Traum weg ist? Sag mal … geht’s noch?“
„Quatsch!“ Der Notarzt schauderte, als ein eisiger Windstoß an den Fensterscheiben rüttelte. Er schlüpfte blitzschnell unter Leas Decke. „Ich glaubte, ein Klopfen gehört zu haben“, murmelte er gähnend. „Und ich dachte, ich sei in der Klinik und hätte Bereitschaft. Da wollte ich Anna dazu überreden, dass sie den Notfall übernimmt.“
„So, so!“ Lea knuffte Peter spielerisch in die Seite. „Ausreden hast du immer, mein Schatz!“
„Das ist keine Ausrede! Dr. Anna Thiem. Du kennst sie doch, Liebling. Anna ist über sechzig, seit über dreißig Jahren glücklich verheiratet und hat bereits drei Enkelkinder.“
„Wie langweilig!“ Lea seufzte in gespielter Enttäuschung. „Also kein Beziehungsdrama! Und ich habe schon überlegt, ob ich dir zum Frühstück lieber ein Tollkirschen-Kompott servieren oder deinen Rasierer in die Wanne werfen soll, während du ein Bad nimmst.“
„Ich verwende Nassrasierer, davon kannst du zwanzig Stück auf einmal in die Wanne werfen, Fräulein Neunmalklug!“ Peter musste lachen. „Und die Tollkirschen hast du im Sommer sicherheitshalber ausgerissen, als mein Patenkind Vera für eine Woche bei uns war.“ Er zuckte schmunzelnd mit den Schultern. „Tja … Pech, mein Schatz.“
„Fühl dich bloß nicht zu sicher“, scherzte die Psychologin. „Ich habe ja auch noch diesen unglaublich schönen Dolch-ähnlichen Brieföffner, den du mir vom letzten Ärztekongress in Venedig mitgebracht hast. Der tut es zur Not auch.“
Peter Kersten richtete sich prustend auf.
„Ich wusste gar nicht, dass du so blutrünstig …“
In diesem Augenblick setzten die dumpfen Schläge erneut ein, und Lea klammerte sich mit einem erschrockenen Aufschrei an Peter. „Das ist kein Gewitter, wie ich erst dachte, da hämmert jemand unten gegen die Tür!“
„Nein, das glaube ich nicht.“ Dr. Kersten schüttelte den Kopf. „Es klingt eher so, als käme es aus dem Schuppen.“
„Denkst du, es ist der Siebenschläfer, der sich im Herbst dort eingenistet hat?“
„Wohl kaum!“ Peter lachte laut auf. „Wie schon der Name sagt, macht der süße kleine Racker genau das, was ich jetzt auch gerne täte: Er pennt sieben Monate lang. Und um so viel Lärm zu produzieren, müsste er außerdem inzwischen mindestens auf Bärengröße angewachsen sein – was mich allerdings nicht wundern würde, bei der Menge an Nüssen, mit denen du ihn im Herbst gemästet hast.“
„Diese Tiere brauchen eine dicke Fettschicht, um den Winter zu überstehen“, rechtfertigte sich die Psychologin.
„Genau wie ich! Aber bei mir meckerst du immer, wenn ich Fett ansetze.“ Grinsend schwang Peter die Beine aus dem Bett und warf einen Blick auf den Wecker, der auf seinem Nachtschränkchen stand. „Erst fünf“, stellte er gähnend fest. „Aber es lohnt sich nicht, jetzt noch mal einzuschlafen. Ich muss sowieso um sieben los.“
Er stand auf und schlüpfte in den Bademantel, der am Fußende des Bettes lag. „Ich gehe runter, sehe im Schuppen nach, was dort los ist, und mache dann Frühstück.“
„Okay, ich komme auch gleich runter.“ Lea zuckte zusammen, als das Wummern wieder anfing. „Sei aber leise, Schatz!“, mahnte sie, als der Notarzt das Schlafzimmer verlassen wollte. „Wecke Tim nicht auf. Er hat in den letzten Tagen ohnehin kaum jemals ein Auge zubekommen.“
„Ich glaube, es ist eher umgekehrt“, widersprach Peter lachend. „Er hat uns aufgeweckt.“
„Ach, du meinst, das ist Tim, der hier solchen Krach schlägt? Was sollte er denn vor Sonnenaufgang im Schuppen machen?“
„Holzhacken vermutlich.“
„Wieso?“
„Na ja …“ Peter zuckte schmunzelnd mit den Schultern. „Wahrscheinlich konnte er wieder mal nicht schlafen. Und es würde mich nicht wundern, wenn er bei jedem einzelnen Axthieb an Isabella denkt.“
„Oh!“ Lea musste schlucken. „Klar. Isabella! Das kann ich gut verstehen. Meine Gefühle für sie sind ähnlich liebevoll. Unglaublich, was die sich geleistet hat!“
***
Tim Witte war ein Heiratsschwindler. Zumindest hatte ihn der Scheidungsanwalt seiner Exfrau vor Gericht als solchen hingestellt. Tims Ehe war nach sechs Jahren annulliert worden. Vor drei Wochen. Er war also nicht einfach nur geschieden, nein, vor dem Gesetz hatte seine Ehe nie existiert.
Als Grund für diese radikale Maßnahme hatte Isabella seine Zeugungsunfähigkeit angegeben und so getan, als hätte er sie darüber im Unklaren gelassen. Was natürlich überhaupt nicht stimmte. Er hatte ihr relativ bald nach dem Kennenlernen von seinem Motorradunfall mit zwanzig erzählt, nach welchem Komplikationen aufgetreten waren, die zu einer dauerhaften Unfruchtbarkeit geführt hatten.
Ihre Reaktion darauf war damals ziemlich positiv gewesen. Sie hatte ihm erklärt, dass sie sowieso keine Kinder wolle und es super fände, dass sie sich nun die Pille sparen könne.
Vor Gericht hatte sie allerdings eine völlig andere Geschichte erzählt. Rotz und Wasser hatte sie geheult und von ihrer unglaublichen Sehnsucht nach einem Baby gesprochen.
Aus ihren Augen waren regelrechte Sturzbäche geschossen, als sie dem Richter glaubhaft versichert hatte, wie sie Monat für Monat immer tiefer in eine bodenlose Verzweiflung gestürzt war, weil sie es wieder nicht geschafft hatte, schwanger zu werden.
Jedes einzelne Wort war gelogen gewesen, aber sie hatte die Lügen so gekonnt vorgebracht, dass dem Gerichtsdiener vor lauter Mitleid ein paarmal ein deutlich hörbares Schniefen herausgerutscht war und sogar der Richter mehrmals hatte schlucken müssen.
Klar, Isabella hatte sich ja auch einen der besten und teuersten Anwälte der Stadt gegönnt, während Tim bis zuletzt von einer einvernehmlichen Scheidung ausgegangen war und sich mit dem nächstbesten und noch sehr jungen Juristen begnügt hatte.
Er kannte den Stundensatz von Isabellas Anwalt genau, denn als Prozess-Verlierer war er ja auf sämtlichen Kosten sitzen geblieben, und es würde eine ganze Weile dauern, bis er seine Schulden in Raten abgestottert hätte.
Inzwischen wusste er auch, warum Isabella ihm so übel mitgespielt hatte. Der wahre Scheidungsgrund war ein gewisser Eugen von Sowieso, der zehn Jahre jünger war als Isabella, obenrum ziemlich unterbelichtet, unansehnlich und pickelig, dafür aber von adliger Abstammung war.
Herrn von Sowiesos Eltern erlaubten ihm keine geschiedene Frau. Eine Lügnerin und Betrügerin war dagegen völlig okay. Und da Isabella schon immer davon geträumt hatte, zu den oberen Zehntausend zu gehören, hatte sie Tim kurzerhand für die Verwirklichung ihres Traums geopfert.
An die offiziell nie stattgefundene Ehe erinnerten also nur noch ein Haufen Schulden und natürlich Tims derzeitige Obdachlosigkeit. Das gemeinsame Haus am Stadtrand von Frankfurt, das Tim allein finanziert hatte, war nämlich Isabella zugesprochen worden. Als kleiner Trost für das unermessliche Leid, das sie sechs Jahre lang ertragen musste.
Peter Kersten, Tims Freund und Chef, hatte ihm angeboten, bei ihm und Lea zu wohnen, bis er eine erschwingliche Wohnung gefunden hätte. Die beiden bemühten sich wirklich sehr darum, zu verhindern, dass er sich wie ein Eindringling vorkam. Sie behandelten ihn wie ein Familienmitglied. Dennoch fühlte es sich für ihn nicht gerade berauschend an, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.
„Verdammt noch mal!“ Tim war so wütend, dass er nur ein einziges Mal mit der Axt zuzuschlagen brauchte, um einen der Baumstämme, die er zuvor in kürzere Stücke zersägt hatte, in der Mitte zu spalten.
„Ah, dachte ich es mir doch, dass du das bist! Lea hatte den Siebenschläfer im Verdacht. Guten Morgen, Tim!“
Als Peter die Tür öffnete, fegte ein eisiger Windstoß in die Hütte und wirbelte die Sägespäne durcheinander, die den Boden bedeckten. Hastig schloss er die Tür und schüttelte sich. Ein ziemlich garstiger Schneeregen hatte seine Haare durchnässt, und das Schmelzwasser tropfte jetzt hinten in den Kragen des dicken Parkas, den er über seinen Bademantel gezogen hatte.
„Herrgott, habe ich euch geweckt?“ Tim hieb mit der Axt auf den Hackstock, sodass die Schneide darin steckenblieb, und wischte sich mit dem Ärmel seines Sweaters den Schweiß von der Stirn. „Sorry, das wollte ich nicht! Ich habe nicht daran gedacht, dass man das vielleicht bis nach oben hören könnte.“
„Kein Problem!“, versicherte Peter seinem Freund und Kollegen. Dann schaute er sich um und stieß einen anerkennenden Pfiff aus. „Wow! Du hast die gesamte Ladung Baumstämme kleingemacht, deretwegen mir Lea schon seit Wochen in den Ohren liegt. Du meine Güte! Seit wann ackerst du hier schon?“
„Noch gar nicht so lange“, erwiderte der Mediziner. Seit drei Uhr ungefähr. Ich konnte mal wieder nicht schlafen. Da bin ich in den Schuppen gegangen, um an Isabella zu denken, ohne dabei das Bett im Gästezimmer zu Zahnstochern zu verarbeiten.“
Tim zuckte schmunzelnd mit den Schultern.
„Möglich, dass die Scheite ein bisschen zu klein geworden sind. Ich habe sehr intensiv an Isabella gedacht.“
„Gott, wie romantisch!“, erwiderte Peter ironisch und musste lachen. „Aber gut für mich. Jetzt muss ich keine Ausreden mehr erfinden, wenn Lea mich fragt, wann ich endlich damit anfangen will. Danke!“
„Gern geschehen, Peter. Ich bin froh, wenn ich mich ein bisschen nützlich machen kann. Ich komme mir ohnehin wie ein Parasit vor, weil ich …“
„Bei dir piept es wohl!“, fiel der Notarzt seinem Kollegen ins Wort. „Das Haus ist groß genug, und wir sind froh, dich wenigstens ein bisschen unterstützen zu können. Die feine Dame hat dir ja außer deinen Unterhosen so gut wie gar nichts gelassen. Außerdem bist du einer meiner besten Mitarbeiter“, fügte er schmunzelnd hinzu. „Da möchte ich natürlich ein Auge darauf haben, dass du nicht vor die Hunde gehst. Aus reiner Selbstsucht, verstehst du?“
„Nett von dir, dass du es so formulierst.“ Tim senkte den Kopf. Er kannte Peter nun schon seit mehr als fünf Jahren und wusste, dass er meinte, was er sagte. Trotzdem war es nicht unbedingt angenehm, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.
Er fegte die Sägespäne zu einem Haufen zusammen.
„Heute habe ich einen Termin mit einem Makler. Um acht in der Severingasse. Eine Dreizimmerwohnung, die erstaunlich günstig ist. Praktisch wäre es ja, denn das Haus ist nur zwei oder drei Gehminuten von der Sauerbruch-Klinik entfernt. Das heißt allerdings, dass ich ungefähr zwanzig Minuten zu spät zum Dienst kommen werde.“
„Unerhört!“, scherzte Peter. „Das gibt einen Eintrag in dein Mitteilungsheft.“ Er half Tim dabei, die Holzscheite an der Wand aufzustapeln. „Die Severingasse kenne ich. Ist für mich nur ein winziger Umweg, da kann ich dich direkt vor dem Haus aussteigen lassen. Lass dir ruhig Zeit. Bei diesem garstigen Wetter hat sowieso niemand Lust, rauszugehen und sich zu verletzen. Wir werden also einen ziemlich ruhigen Tag haben, schätze ich.“
„Hier steckt ihr!“ Eingehüllt in einen langen Regenmantel, huschte Lea fröstelnd in den Schuppen und baute sich mit erhobenem Zeigefinger dicht vor Tim auf. „Du! Mit dir habe ich ein Hühnchen zu rupfen, mein Freund!“
„Oje!“ Peter machte feixend ein paar Schritte rückwärts. „Was hat er denn ausgefressen?“
„Ich wollte eben ein bisschen aufräumen und das Geschirr von gestern spülen“, empörte sich die Psychologin und deutete mit dem Daumen auf Tim. „Er muss schon wieder die ganze Nacht durchgemacht haben. Die Küche ist so sauber wie noch nie zuvor, er hat sogar den Boden geschrubbt. Im Wohnzimmer sieht es aus wie im Schaufenster eines Möbelladens, die ganze Wäsche hat er gewaschen, und im Ofen sind drei fertige Schinken-Käse-Omeletts warmgestellt.“
Erst jetzt sah Lea, dass das gesamte Holz fertig gehackt war. Sie stieß einen empörten Schrei aus.
„Und deine Arbeit hat er auch noch gleich erledigt! So kann das nicht weitergehen, Tim! Du bist unser Gast und nicht unser Sklave!“
„Also, ich finde es gut“, warf Peter grinsend ein und duckte sich rasch, als Lea mit erhobener Hand herumfuhr.
