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Gerade erst hat die achtundzwanzigjährige Polizistin Silke Danneberg ihre neue Stelle als Dienstgruppenleiterin einer Bundespolizei-Dienststelle angetreten. Ihre Kollegen sind weitestgehend männlich und nicht gerade angetan von der Aussicht, einer so jungen Frau unterstellt zu sein.
Besonders der machohafte Tristan Benz scheint in seinem Stolz gekränkt - offensichtlich hatte er sich selbst Aussichten auf diesen Posten ausgerechnet. Die Zusammenarbeit mit ihm erweist sich als schwierig. Der attraktive Mann zeigt seiner Chefin deutlich, dass er nicht viel von ihr hält, und er versucht bei jeder Gelegenheit, sie lächerlich zu machen. Und doch kribbelt es in Silkes Bauch, wenn sie in seine tiefen dunkelblauen Augen blickt.
Herrgott, schimpft die Polizistin in Gedanken mit sich selbst, wieso vergucke ich mich bloß immer in Typen, von denen ich genau weiß, dass sie mir nicht guttun?
Da ereilt ein Notruf die Dienststelle: Vier vermummte Gestalten randalieren in der Bahnhofshalle des Frankfurter Hauptbahnhofs.
Unerschrocken stellt sich Silke den Tätern in den Weg. Zunächst sieht es so aus, als würden die Randalierer aufgeben, doch dann zieht einer der Männer eine Schusswaffe ...
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
Kämpfe um dein Leben, Silke!
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: shutterstock/Ollyy
eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln
ISBN 978-3-7325-4404-2_front
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Kämpfe um dein Leben, Silke!
Nach einem Einsatz ist die junge Polizistin schwer verletzt
Karin Graf
Gerade erst hat die achtundzwanzigjährige Polizistin Silke Danneberg ihre neue Stelle als Dienstgruppenleiterin einer Bundespolizei-Dienststelle angetreten. Ihre Kollegen sind weitestgehend männlich und nicht gerade angetan von der Aussicht, einer so jungen Frau unterstellt zu sein.
Besonders der machohafte Tristan Benz scheint in seinem Stolz gekränkt – offensichtlich hatte er sich selbst Aussichten auf diesen Posten ausgerechnet. Die Zusammenarbeit mit ihm erweist sich als schwierig. Der attraktive Mann zeigt seiner Chefin deutlich, dass er nicht viel von ihr hält, und er versucht bei jeder Gelegenheit, sie lächerlich zu machen. Und doch kribbelt es in Silkes Bauch, wenn sie in seine tiefen dunkelblauen Augen blickt.
Herrgott, schimpft die Polizistin in Gedanken mit sich selbst, wieso vergucke ich mich bloß immer in Typen, von denen ich genau weiß, dass sie mir nicht guttun?
Da ereilt ein Notruf die Dienststelle: Vier vermummte Gestalten randalieren in der Bahnhofshalle des Frankfurter Hauptbahnhofs.
Unerschrocken stellt sich Silke den Tätern in den Weg. Zunächst sieht es so aus, als würden die Randalierer aufgeben, doch dann zieht einer der Männer eine Schusswaffe …
Es war Montag halb sechs Uhr morgens, es war klirrend kalt, und ganz Frankfurt war in einen so dichten schmutzig grauen Nebel gehüllt, dass sogar die eigene Hand verschwand, wenn man sie zu weit ausstreckte, so, wie Peter Kersten das jetzt tat.
„Also, das ist wirklich gruselig!“ Der Notarzt schauderte. Er stand vor der großen alten Villa, in der er mit seiner Freundin, der Kinder- und Jugendpsychologin Lea König, am Stadtrand von Frankfurt wohnte, und tastete sich durch das alles verschlingende Grau. Er konnte Leas kleinen Reisekoffer nicht mehr finden, den er kurz zuvor auf dem Bürgersteig abgestellt hatte, um den Kofferraum seines Wagens zu öffnen.
„Sei vorsichtig, Schatz!“, rief er laut in Richtung Hauseingang. „Man sieht keine zwei Schritte weit!“
„Schrei nicht so, ich stehe doch neben dir“, erwiderte die Psychologin amüsiert. „Aber du hast recht. Einen so dichten Nebel habe ich noch nie gesehen. Das ist tatsächlich gruselig. Meinst du, du schaffst es, mich heil bis zum Hauptbahnhof zu bringen, oder soll ich mir doch lieber ein Taxi bestellen?“
„Wird schon irgendwie gehen“, erwiderte Peter. „Ich muss ja sowieso in die Stadt fahren, mein Dienst in der Sauerbruch-Klinik beginnt um sieben. Außerdem wird ein Taxifahrer bei diesen Bedingungen vermutlich auch nicht sehr viel besser sehen können als ich. Und sollte wider Erwarten irgendwas schiefgehen, dann hast du wenigstens gleich einen erfahrenen Notarzt zur Hand, wenn du mit mir fährst.“
„Das beruhigt mich unheimlich.“ Lea lachte laut auf. Dann schaute sie sich suchend um. „Wo hast du den Koffer denn ungefähr abgestellt?“, erkundigte sie sich. „Da ist das Manuskript für die Rede drin, die ich bei der Psychologen-Tagung halten soll, und ich habe keine Ahnung mehr, was ich alles notiert habe.“
„Im Notfall erzählst du denen einfach ein paar Witze“, schlug der Notarzt schmunzelnd vor. „Bei solchen Veranstaltungen schlafen sowieso die meisten Teilnehmer gleich nach der Begrüßung ein und wachen erst wieder auf, wenn jemand die frohe Botschaft verkündet, dass das Buffet eröffnet ist.“
„Damit könntest du sogar recht haben, Schatz“, musste die Psychologin aus eigener Erfahrung zugeben. Sie hatte schon so manche Stunde herrlich geschlafen, während irgendwer hinter irgendeinem Rednerpult so getan hatte, als würde er der Welt weiß Gott was für aufregende Neuigkeiten verkünden.
„Steig schon mal ein. Die Standheizung ist bereits aktiviert. Hier draußen frierst du dir ja sonst was ab.“ Peter ging noch einmal zum Gartentor zurück und suchte dort nach dem Gepäckstück. „Ich werde deinen Koffer schon finden. Weit kann er ja nicht sein.“
„Okay.“ Lea machte sich vorsichtig daran, den Wagen zu umrunden.
Schon nach zwei Schritten konnte der Notarzt nur noch die Umrisse seiner Freundin erkennen, nach drei Schritten verlor er sie endgültig aus den Augen. Es war, als wäre sie durch einen Vorhang gegangen, der sich hinter ihr geschlossen hatte.
„Was war das?“ Er zuckte zusammen, als er Lea erschrocken aufschreien, taumeln und gegen den Wagen prallen hörte.
„Nichts passiert, Schatz!“, kam sofort die Entwarnung aus dem grauen Nichts. „Ich habe den Koffer gefunden. Oder besser gesagt – er mich“, ergänzte die attraktive Mittdreißigerin kichernd. Peter hörte, wie sie die Heckklappe öffnete und kurz darauf wieder zuschlug. „Erledigt! Wir können fahren!“
Obwohl Peter Kersten fast täglich dieselbe Strecke fuhr und er sie eigentlich längst im Schlaf kennen sollte, fiel es ihm nicht leicht, sich in dem dichten Nebel zu orientieren. Er konnte nur im Schritttempo fahren und klebte beinahe mit der Nase an der Frontscheibe, um die richtige Abzweigung zur Hauptstraße nicht zu verpassen.
Dort, so hoffte er zumindest, würde er ein bisschen schneller vorankommen, weil die Hauptstraße besser beleuchtet war und dort vermutlich auch andere Fahrzeuge unterwegs sein würden, denen er im Zweifelsfall folgen konnte.
„Das wird verdammt knapp“, stellte Lea König nach einem Blick auf ihre Armbanduhr fest. „Mein Zug fährt in einer halben Stunde. Ich werde wohl einen späteren nehmen müssen. Aber davon geht die Welt auch nicht unter. Mein Vortrag ist sowieso erst morgen dran, und wenn ich heute zu spät ankomme, versäume ich maximal die langweiligen Begrüßungsreden.“
„Da!“, rief Peter enthusiastisch aus. „Da ist sie! Ich habe sie gefunden!“
„Was denn?“ Lea schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Du klingst ja beinahe so, als wärst du ein alter Seefahrer und hättest einen neuen Kontinent entdeckt.“
„Besser! Viel besser! Ich habe die Abzweigung zur Hauptstraße entdeckt!“
Peter schaute konzentriert in beide Richtungen, und als er glaubte, freie Bahn zu haben, bog er zügig in die breite Schnellstraße ein.
„Jetzt schaffen wir es ganz bestimmt noch rechtzeitig zum sechs-Uhr-Zug nach Ham …“
In diesem Augenblick prallte der Wagen gegen ein Hindernis. Blech verbog sich knirschend, Reifen blockierten quietschend, und eine Hupe schrillte. Nur leider viel zu spät.
„Verdammter Mist!“ Der Notarzt lenkte sein Auto dorthin, wo er den Straßenrand vermutete, schaltete die Warnblinkanlage ein – die vermutlich sowieso niemand sehen konnte – und stieg ächzend aus. „Hallo? Hallo!“
Er schaute sich suchend um und seufzte erleichtert auf, als in diesem Moment ein Wagen dicht hinter seinem anhielt. Er hatte also offensichtlich niemanden verletzt. Angestrengt starrte er auf die graue Wand vor sich, in der jetzt ein menschlicher Umriss zu erkennen war, und wartete ergeben auf das in solchen Situationen übliche Gezeter. Stattdessen …
„Sind Sie okay? Ist jemand verletzt worden?“
Es war eine sehr sympathische und völlig unaufgeregte Frauenstimme, die Peter hörte, noch ehe er die dazugehörige Frau sehen konnte.
„Bei uns ist alles in Ordnung“, erwiderte er. „Sind Sie auch okay?“
„Klar. So schlimm war es ja nicht.“ Eine bildhübsche junge Frau tauchte jetzt aus der grauen Suppe auf und lächelte Peter freundlich entgegen. „Vermutlich nur ein kleiner Blechschaden. Aber das werden wir hier wohl kaum feststellen können, denn man sieht ja so gut wie gar nichts.“
„Das ist wohl wahr.“ Peter nickte. Dann zog er seinen Dienstausweis aus der Brusttasche seiner Lederjacke. „Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie abgeschossen habe. Es war eindeutig meine Schuld. Es ist nur so, dass ich es wahnsinnig eilig habe. Wenn ich Ihnen meinen Ausweis zeige und Ihnen meine Visitenkarte gebe, glauben Sie, wir könnten dann den ganzen Papierkram auf später verschieben?“
„Mal sehen …“ Sie nahm seinen Ausweis entgegen und studierte ihn eine Weile. „Dr. Peter Kersten. Sie sind der Leiter der Notaufnahme an der Sauerbruch-Klinik?“
„Ja.“ Peter nickte. „Wenn Sie mir sagen, wie ich Sie erreichen kann, dann melde ich mich spätestens in einer Stunde bei Ihnen.“
„Gut, ist in Ordnung.“ Sie nickte zustimmend und gab ihm den Ausweis zurück. „Sie können einfach den Polizeinotruf betätigen, und dort sagen Sie …“
„Polizei?“, fiel ihr der Notarzt ins Wort. „Ich will ja nicht Fahrerflucht begehen, ich muss nur meine Freundin in etwa zwanzig Minuten am Hauptbahnhof abliefern. Danach würde ich mich sofort mit Ihnen in Verbindung setzen. Ehrenwort! Brauchen wir die Polizei denn unbedingt? Wenn es keinen Personenschaden gibt, kann man die Sache doch auch unter sich ausmachen, oder? Das würde viel Zeit und Nerven sparen.“
„Das stimmt.“ Sie nickte und lächelte Peter so freundlich an, dass er sicher war, sie würde einlenken. Jedoch …
„In diesem Fall lässt sich die Polizei leider nicht umgehen“, beantwortete sie seine Frage.
Als Peter frustriert aufseufzte, lachte sie.
„Ich bin nämlich die Polizei.“
Sie reichte ihm die Hand.
„Polizeihauptkommissarin Silke Danneberg. Und wenn Sie sowieso zum Bahnhof müssen, ist das gar kein Problem, denn dort arbeite ich ab heute. Die Dienststelle ist gleich hinter Gleis vierundzwanzig. Kommen Sie einfach irgendwann im Laufe des Tages vorbei. Ich werde mindestens bis sechs Uhr abends dort anzutreffen sein.“
„O Gott!“ Peter lachte laut auf und beugte sich zu der offenen Fahrertür seines Wagens hinab. „Ich habe die Polizei gerammt, Lea! Der Albtraum aller Autofahrer!“ Er schüttelte der netten Beamtin die Hand. „Vielen Dank für Ihr Verständnis, liebe Frau Danneberg.“
Dann warf er einen Blick auf seine Armbanduhr.
„Ach, nur noch eine Viertelstunde! Das schaffen wir jetzt sowieso nicht mehr.“
„Aber sicher doch!“, erwiderte sie schmunzelnd, beugte sich in ihren Wagen, holte ein magnetisches Blaulicht heraus und stellte es auf ihr Autodach. „Folgen Sie mir, ich lotse sie zum Bahnhof. Das kriegen wir schon noch hin.“
***
Es war kurz nach sechs – sie hatte den netten Notarzt und seine Freundin rechtzeitig bis vor den Bahnhof gebracht –, als Silke die Polizei-Dienststelle am Hauptbahnhof betrat, die wie ausgestorben wirkte.
Sie hatte weiß Gott kein Begrüßungskommando mit Sekt und Schnittchen erwartet, aber ein freundliches „Hallo“wäre schon nett gewesen.
Stattdessen konnte sie jetzt viele aufgeregte Stimmen aus einem Raum hören, der für sie tabu war, weil es sich dabei um die Herren-Toilette handelte. Offensichtlich hatten sie sich alle dort drinnen verschanzt und hielten Kriegsrat darüber, wie sie „die Neue“ schnellstmöglich wieder loswerden könnten.
Silkes Bestellung zur DGL, zur Dienstgruppenleiterin, war für die zukünftigen Kollegen vermutlich genauso überraschend gekommen wie für sie selbst auch. Sie hatte erst am Freitagmorgen erfahren, dass sie den Beamten ersetzen sollte, der diese Funktion bislang innegehabt hatte. Er war in den verfrühten Ruhestand geschickt worden, weil es – so hatte man es ihr gesagt – „Vorkommnisse“gegeben hätte.
Dass sie hier nicht gerade mit Freude empfangen werden würde, war Silke von Anfang an klar gewesen. Es gab da nämlich ein paar Fakten, die es ihren zukünftigen Kollegen vermutlich sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich machten, sie vorbehaltlos zu akzeptieren.
Erstens – und das war vermutlich ihr schlimmstes Vergehen – war sie eine Frau. Und das in einem Beruf, der immer noch als klassische Männerdomäne angesehen und von manchen Kollegen eifersüchtig verteidigt wurde.
Zweitens war sie erst achtundzwanzig und somit vermutlich jünger als die meisten Beamten hier.
Drittens hatte sie ihre Ausbildung an der Polizeihochschule und an der Uni absolviert, diese Position hier stellte also nur eine Stufe auf ihrer Karriereleiter dar, und auch das kam bei den „knallharten Männern“ vermutlich nicht so toll an.
„Na gut, dann halt nicht!“ Die bildhübsche Polizistin seufzte und öffnete die Tür zu einem kleinen Büro, das dem Großraumbüro vorgelagert war.
„Frau Hedda Ludwig, richtig? Guten Morgen, ich bin Silke Danneberg.“
Die vierundfünfzigjährige Sekretärin war Silke von Polizeidirektor Schweiger als die gute Seele der Wache am Hauptbahnhof beschrieben worden, und wenigstens von ihr erhoffte sich die junge Beamtin ein paar freundliche Worte.
Zu Beginn sah es allerdings nicht ganz danach aus. Frau Ludwig, die sehr schlank und ziemlich stark geschminkt war, stand auf und kam hinter ihrem Schreibtisch hervor. Sie trug enorm hochhackige Schuhe, einen sehr gewagten Minirock und jede Menge Modeschmuck.
Ein paar Sekunden lang musterte sie Silke schweigend von oben bis unten, dann sog sie zischend die Luft ein.
„Du meine Güte! Ich habe Sie mir ganz anders vorgestellt!“
„Tut mir leid“, entschuldigte sich Silke für … tja, wofür eigentlich? „Ich hoffe, ich habe Sie nicht zu sehr enttäuscht?“
„Quatsch!“, winkte Hedda ab und reichte Silke die Hand. „Sie sehen bloß viel jünger aus, als ich dachte, und Sie sind …!“
Abermals holte sie zischend Luft.
„So was von hübsch!“, rief sie dann neidlos aus. „Bisher war immer ich die Schönste im ganzen Land. Kunststück, auf dieser Wache gibt es außer mir ja nur noch zwei Frauen. Der Rest sind Kerle. Mein Gott, wieso sind Sie Polizistin und nicht Topmodel geworden?“
„Den ganzen Tag lang grinsen wie ein frisch lackiertes Honigkuchenpferd?“ Silke schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Ich weiß nicht …! Außerdem möchte ich in diesem Leben ein bisschen mehr bewirken, als ein paar Leute zum Kauf von Unterhosen oder Kosmetika zu animieren. Aber vielen Dank dafür, dass Sie mich so freundlich empfangen, Frau Ludwig. Die Kollegen sind ja anscheinend …“
„Hedda reicht völlig!“, fiel ihr die Sekretärin ins Wort. „Und wegen der Kollegen lassen Sie sich mal keine grauen Haare wachsen. Sie wissen ja, die Hunde, die am lautesten kläffen, ziehen auch als Erstes den Schwanz ein, wenn es um die Wurst geht.“
„Ja, da ist was dran.“ Silke lachte. Dann deutete sie mit dem Kinn zur offenen Tür. „Halten die immer ihre Morgenbesprechung auf der Herrentoilette ab?“, erkundigte sie sich schmunzelnd.
„Ach was!“, winkte Hedda ab. „Die haben sich vor ein paar Minuten dorthin verdrückt und spucken jetzt vermutlich Gift und Galle. Eigentlich sind es durchweg lauter nette Jungs, aber es gibt einen Mega-Macho in der Truppe, von dem sie sich leider alle beeinflussen lassen. Ich finde es witzig, dass ausgerechnet diesem Macker eine Frau vor die Nase gesetzt worden ist. Und so eine junge und schöne noch dazu.“
Sie stöckelte auf ihren hohen Absätzen zur Tür.
„Kommen Sie, ich zeige Ihnen erst mal Ihr Büro und führe Sie dann ein bisschen herum, liebe Frau Hauptkommissarin Danneberg.“
„Silke reicht völlig“, revanchierte sich die bildhübsche Polizeibeamtin jetzt für die Freundlichkeit, die ihr Frau Ludwig zuvor erwiesen hatte. „Ist der Amtsleiter eigentlich schon hier?“
„Ha, ha, Sie sind vielleicht witzig!“ Hedda stieß ein trockenes, humorloses Lachen aus. „Selbst wenn Sie mir einen Hunderter für jedes einzelne Mal geben würden, bei dem Sie Kopetzky hier über den Weg laufen, würde ich elendiglich verhungern“, behauptete sie. „Aber vielleicht taucht er Ihnen zu Ehren ja heute noch hier auf.“
Mit kleinen Trippelschritten durchquerte sie das Großraumbüro, zeigte auf eine Tür, hinter der sich das zurzeit verwaiste Büro des Amtsleiters befand, und öffnete schließlich eine andere Tür.
„So, das ist ab heute Ihr Reich. Klein, aber Ihres.“
