Der Notarzt 338 - Arztroman - Karin Graf - E-Book

Der Notarzt 338 - Arztroman E-Book

Karin Graf

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Beschreibung

Hinter Fensterscheiben Arztroman um eine Liebe, die nicht sein darf Von Karin Graf Als Laura in der Frankfurter Sauerbruch-Klinik erfährt, dass man für ihren Zwillingsbruder nach einem schweren Unfall nichts mehr tun kann, bricht eine Welt für sie zusammen. Laurenz und sie waren immer füreinander da, sie waren wie eine Einheit. Wie soll sie es nur schaffen, ohne ihn zu leben? Doch dieses große Unglück bringt einem anderen Patienten neue Hoffnung. Der eigentlich dem Tod geweihte Maxim bekommt während einer komplizierten Operation das Herz des Verunglückten transplantiert. Er hat eine neue Zukunft geschenkt bekommen. Laura fällt es schwer, mit dem Verlust ihres Bruders fertigzuwerden. Und die Tatsache, dass sein Herz nun in der Brust eines anderen Menschen schlägt, lässt ihr keine Ruhe. Sie möchte diese Person - egal, ob Frau oder Mann - nur einmal sehen. Obwohl es eigentlich unmöglich ist, den Namen eines Organempfängers herauszufinden, gelingt es Laura doch. Sofort macht sie sich auf den Weg in das Reha-Zentrum, in dem sich Maxim inzwischen befindet. Durch eine Fensterscheibe treffen sich die Blicke der beiden - und plötzlich ist alles anders als zuvor ... Die Zeit scheint stillzustehen, während sich Maxim und Laura in die Augen schauen. Selbst auf die Distanz hin fühlen sich beide wie magisch zueinander hingezogen. Doch dann rennt Laura Hals über Kopf davon. Sie darf nicht so für diesen Mann empfinden!

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Seitenzahl: 116

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Inhalt

Cover

Impressum

Hinter Fensterscheiben

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: gilaxia / iStockphoto

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-7709-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Hinter Fensterscheiben

Arztroman um eine Liebe, die nicht sein darf

Karin Graf

Als Laura in der Frankfurter Sauerbruch-Klinik erfährt, dass man für ihren Zwillingsbruder nach einem schweren Unfall nichts mehr tun kann, bricht eine Welt für sie zusammen. Laurenz und sie waren immer füreinander da, sie waren wie eine Einheit. Wie soll sie es nur schaffen, ohne ihn zu leben?

Doch dieses große Unglück bringt einem anderen Patienten neue Hoffnung. Der eigentlich dem Tod geweihte Maxim bekommt während einer komplizierten Operation das Herz des Verunglückten transplantiert. Er hat eine neue Zukunft geschenkt bekommen.

Laura fällt es schwer, mit dem Verlust ihres Bruders fertigzuwerden. Und die Tatsache, dass sein Herz nun in der Brust eines anderen Menschen schlägt, lässt ihr keine Ruhe. Sie möchte diese Person – egal, ob Frau oder Mann – nur einmal sehen.

Obwohl es eigentlich unmöglich ist, den Namen eines Organempfängers herauszufinden, gelingt es Laura doch. Sofort macht sie sich auf den Weg in das Reha-Zentrum, in dem sich Maxim inzwischen befindet. Durch eine Fensterscheibe treffen sich die Blicke der beiden – und plötzlich ist alles anders als zuvor …

Nur noch ein paar Tropfen und das Kopfkissen würde überlaufen. Wenn Laura sich auf die andere Seite drehte, gab es bereits ein triefendes Kwaatsch von sich.

Kein Wunder – seit über einer Stunde weinte sie sich die Augen aus dem Kopf. Wegen Uwe. Die Beziehung war nach drei durchwachsenen Monaten heute endgültig zu Ende gegangen.

Obwohl sie selbst es gewesen war, die Uwe in den Wind geschossen hatte, traf sie der geballte Weltschmerz dennoch mit voller Wucht mitten ins Herz.

Nicht, weil sie Uwe vermissen würde. Nein! Wirklich nicht. Vielmehr weinte sie um den Verlust der großen, wunderbaren, einzigartigen Liebe, die es hätte werden können, wenn Uwe nur ein klitzekleines bisschen anders gewesen wäre.

Hätte er nur etwas mehr Humor gehabt, dann hätte alles gut werden können! Na ja, es hätte auch nicht geschadet, wenn er ein bisschen größer gewesen wäre. Und intelligenter. Weniger ordinär, dafür aber mit etwas mehr Fantasie ausgestattet. Rote Haare waren auch nicht so ganz Lauras Ding.

Seine Ohren waren ihr zu abstehend gewesen. Sie hatten wie die beiden Henkel an einer Graburne ausgesehen. Zur Graburne passte auch sein Temperament – er war ein elender Langweiler. Und er rauchte – igittigittigitt!

Ein anderer Name hätte ihr auch besser gefallen. Nichts gegen Uwe, aber das klang so … nach Au weh. Und genauso war er auch gewesen. Seine Dummheit hatte richtig wehgetan.

Und dann das Problem mit seiner mangelnden Hygiene. Wenn er sich die Schuhe ausgezogen hatte, hatte die ganze Wohnung zwei Tage lang nach vergammeltem Käse gemüffelt. Wenn er sich die Füße ähnlich oft gewaschen hatte wie die Hände – nämlich so gut wie nie –, dann war das ja auch kein Wunder.

Seine Nase war ihr zu groß gewesen. Und der Spruch, wonach man von der Größe der Nase eines Mannes auf seinen … also, na ja … auf etwas anderes schließen könne, der stimmte überhaupt nicht.

Uwe hatte Haare am Rücken. Viele. Rote! Wie ein Orang-Utan. Wobei Orang-Utans natürlich süß waren. Bei Uwe sah es einfach nur eklig aus. Als hätte er zu lange am Strand gelegen und es hätten sich, wie auf einem Schiffsrumpf, Seetang, Moos und allerhand anderes Zeugs auf ihm abgesetzt.

Er war ein Macho. Und total unsportlich. Sie hatte ihn einmal zu ihrer allmorgendlichen Laufrunde mitgenommen. Nach nicht einmal hundert Metern hatte er sich – tropfend wie ein schmelzender Schneemann – auf einen Randstein setzen müssen.

Dafür langte er aber beim Essen tüchtig zu. Bei den Mengen, die er in sich hineinstopfte, würde er spätestens mit dreißig mehr als nur übergewichtig sein!

Laura war nie gerne auswärts mit ihm essen gegangen. Er aß nämlich so unschön. Schmatzte wie ein Schwein und schlang wie ein ausgehungertes Flusspferd. Hinterher rülpste er völlig ungeniert.

Sie mochte die Art nicht, wie er lachte. Uwe lachte nicht „Ha-ha-ha“ wie normale Menschen, sondern „Hi-hi-hi“ wie eine Hexe. Schrill und hoch. Deswegen hatte sie ihn auch nie ihren Freunden vorgestellt. Weil er ihr immer ein bisschen peinlich gewesen war.

Okay, aber wenn diese paar Kleinigkeiten, die sie an ihm gestört hatten, nicht gewesen wären, dann hätte er womöglich die große Liebe ihres Lebens werden können. Und das war es, was sie so schrecklich traurig machte.

Und dann noch der Umstand, dass sie erst zwanzig war und bereits sechs Männer ausgemustert hatte. Einen nach dem anderen natürlich.

Es war immer das Gleiche: Sie verliebte sich in einen und fing noch am selben Tag an, seine Mängel aufzulisten. Meistens war die Negativ-Liste bereits am dritten Tag so lang, dass gar kein Zweifel mehr an einem Umtausch- und Rückgaberecht bestehen konnte.

Vielleicht war sie ja zu wählerisch? Vielleicht verlangte sie von den Männern zu viel? Vielleicht konnten die nicht anders? Vielleicht hatten sie mit ihren großen, plumpen, miefenden Füßen ein paar Sprossen auf der Evolutionsleiter übersprungen?

Die Sprosse mit der Hygiene, beispielsweise. Und die, auf der sie erfahren hätten, dass sie jetzt Menschen und keinen Affen mehr waren. Dass es jetzt nicht mehr angebracht war, sich in der Öffentlichkeit am Hintern zu kratzen, in der Nase zu popeln, ihr Revier mit üblen Duftmarken abzustecken und tierische Laute auszustoßen.

„Wieso ist das Leben, verdammt noch mal, so schrecklich kompliziert?“

Laura wälzte sich aus dem Bett. Auf nackten Füßen tappte sie zum Fenster und wunderte sich über die vielen Menschen, die dort unten in der Einkaufsstraße der Frankfurter Innenstadt kurz vor Ladenschluss noch rasch von einem Geschäft in das Nächste hasteten.

„Und wieso kriegt, verdammt noch mal, keiner mit, wie sehr ich leide? Hallo? Hier stirbt gerade jemand an einem gebrochenen Herzen, und ihr sucht auf den Wühltischen nach preisgünstigen Unterhosen! Geht‘s noch?“

Sie tappte zum Bett zurück, nahm ihr Handy vom Nachtschränkchen und zählte die entgangenen Anrufe, Kurznachrichten und Ansagen auf ihrer Sprachbox.

Es waren zusammen – inklusive der unerwünschten Anrufe, mit denen Uwe um eine letzte Chance bettelte –, rasch im Kopf überschlagen, Pi mal Daumen, nach Adam Riese so ungefähr … Null!

In Lauras Kopf begann Max Raabe zu singen. „Kein Schwein ruft mich an. Keine Sau interessiert sich für mich.“ Dieses Lied war wie für sie persönlich geschrieben.

„Vielen Dank für eure wohltuende Anteilnahme, liebe Freunde und Familie!“, murmelte sie. „Es ist immer wieder schön, zu sehen, dass man jemanden hat, wenn man mal jemanden braucht!“

Sie tippte auf die Wahlwiederholung. Hinter der Nummer, die daraufhin auf dem Display erschien, stand in Klammern eine Sechzehn. So oft hatte sie ein und dieselbe Nummer innerhalb der letzten zwei Stunden bereits angewählt.

„Super, dass du da bist, und es tut mir unheimlich leid, dass ich deine fünfzig Rückrufe verpasst habe!“, unkte sie, als sich wieder nur seine Sprachbox meldete. „Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt habe, aber mir geht es saumäßig. Ich könnte wirklich ein bisschen Trost, ein paar Umarmungen und all so was gebrauchen. Wo bist du? Warum rufst du nicht zurück? Hast du schon wieder eine neue Tussi und vergnügst dich mit ihr? Schieß sie auf den Mond, ich brauche dich!“

Sie schluchzte theatralisch auf.

„Hallooo? Wenn du mich nicht innerhalb der nächsten zehn Minuten zurückrufst, oder noch besser auf der Stelle herkommst, dann besorg dir lieber gleich einen schwarzen Anzug. Und einen Kranz. Mit Schleife, auf der ‚Sie starb, während ich mich mit einer Tussi im Bett vergnügte‘ steht. Also, wenn du mich noch lebend antreffen willst, dann mach dich sofort auf die Sock…“

„Danke für Ihren Anruf“, unterbrach sie eine kalte, herzlose Computerstimme.

„Verdammt noch mal!“ Beinahe hätte sie vor lauter Frust ihr Handy an die gegenüberliegende Wand geschleudert. In letzter Sekunde überlegte sie es sich anders und drückte stattdessen noch einmal auf die Wahlwiederholungstaste.

Diesmal konnte sie nicht einmal mehr eine Nachricht hinterlassen. Sein Speicher war vermutlich überfüllt. Es klingelte endlos lange. Kein Wunder, sie hatte ihm ja auch schon sechzehn Nachrichten hinterlassen. Eine länger als die andere.

„Laurenz!“, übertönte sie das nervige Tüt-tüt-tüüüt, als ob er sie hören könnte, wenn sie nur laut genug schrie. „Bitte, Laurenz! Ich brauche dich!“

***

„Laurenz Reinhardt, zwanzig Jahre, Blutgruppe B negativ, Thoraxtrauma, Abdominaltrauma, Schädel-Hirn-Trauma, Volumenmangelschock nach hohem Blutverlust und multiple Knochenbrüche!“

Auf der Landeplattform am Flachdach der Frankfurter Sauerbruch-Klinik hatte gerade ein Rettungshubschrauber aufgesetzt.

Der Rettungsarzt, der aus dem Helikopter gesprungen war, noch ehe die Kufen den Boden berührt hatten, musste schreien, um den Lärm der heulenden Motoren zu übertönen.

Der Sturm, den die Rotoren verursachten, zerrte an seinen grauen Haaren. Er hielt sie mit einer Hand nieder, die andere presste er auf seinen Bauch, als er keuchend bei Dr. Peter Kersten, dem Leiter der Notaufnahme der Sauerbruch-Klinik ankam, der wartend vor der offenen Tür zum Treppenhaus stand.

„Aber das haben Sie sowieso alles hier drauf!“

Der Rettungsarzt öffnete den Reißverschluss seiner Jacke ein Stück weit, zog ein beachtlich dickes Dossier heraus und musste es mit beiden Händen festhalten, weil der Wind mit unglaublicher Kraft daran zerrte.

„Überstellungspapiere, Notversorgungsprotokoll, Anamnese der Kollegen in Freistadt, OP-Protokoll, Prognose und ursprünglich erstellter Therapieplan!“, schrie er gegen den Lärm an.

Peter Kersten verengte seine Augen zu schmalen Schlitzen. Die feinen Staubkörner, die die Rotoren aufwirbelten, trafen ihn wie Wurfgeschosse im Gesicht.

„Danke!“, schrie er, nahm die Unterlagen entgegen und deutete dem Kollegen mit einer Kopfbewegung, ihm ins Innere des Gebäudes zu folgen.

Jens Jankovsky, der Sanitäter der Notaufnahme, und sein Kollege von der Flugrettung hatten inzwischen die Rolltrage mit dem Verunglückten aus dem Hubschrauber ausgeladen. Sie rannten damit in gebeugter Haltung auf die Tür zu, die ins Treppenhaus der Klinik und zu dem großen Lastenaufzug führte. Sie richteten sich erst wieder auf, als sie die noch immer relativ schnell drehenden Rotoren weit hinter sich gelassen hatten.

„Die Kollegen in Neustadt haben ihn also aufgegeben, glauben, aber, dass wir hier noch etwas für ihn tun können?“, fragte Dr. Peter Kersten, als die zugefallene Metalltür den Lärm auf wohltuende Weise dämpfte. „Wieso wurde er nicht gleich hierhergebracht?“

„Weil er nur fünf Kilometer außerhalb von Neustadt mit dem Motorrad verunglückt ist“, erwiderte der Rettungsarzt und fuhr sich mit beiden Händen durch die zerzausten Haare. „Zu diesem Zeitpunkt hätte er einen längeren Transport nicht überlebt. Er hat innerlich aus sechs verschiedenen Quellen geblutet. Milz, Leber, die große Beckenarterie war durchtrennt … und so weiter. Steht alles in den verschiedenen Protokollen.“

„Und die Blutungen sind alle gestillt worden?“

„Ja.“ Der Rettungsarzt nickte. „Aber er ist von der Narkose direkt ins Koma gefallen. Die Kollegen in Neustadt haben zwar eine gute Intensivstation, aber auf Komapatienten sind sie nicht wirklich eingerichtet. Und dort hat es niemand für möglich gehalten, dass er jemals wieder zu sich kommt.“

„Und ich soll das bewerkstelligen?“ Peter Kersten zog eine Augenbraue hoch. „Wieso nicht gleich in ein Hospiz?“

„Der Notarzt in Neustadt war der Meinung, wenn einer ihn wieder auf die Beine bringen könnte – was wünschenswert wäre, weil er noch so jung ist –, dann wären Sie das, Kollege Kersten.“

„Heißt?“

„Dr. Lodinsky.“

„Ach, Wolfgang! Ich wusste gar nicht, dass er in Neustadt gelandet ist.“

Während er sich mit dem Rettungsarzt unterhielt, überflog Peter bereits die Angaben auf den Behandlungsprotokollen.

„Ich fürchte, der Kollege Lodinsky traut mir ein bisschen zu viel zu. So, wie das hier aussieht, kann ihm nur noch ein Wunder helfen. Aber gut, ich werde sehen, was ich noch machen kann.“

Peter nickte seinem Sanitäter zu, der die Rolltrage mittlerweile in den Aufzug geschoben hatte und nun ungeduldig mit dem Zeigefinger über dem Knopf für die Notaufnahme kreiste.

„Danke, meine Herren, und guten Flug“, verabschiedete er sich von dem Team der Flugrettung. „Schaffen Sie Ihren Donnervogel von hier weg, ehe unseren Patienten die Trommelfelle platzen“, fügte er noch schmunzelnd hinzu.

„Augenblick noch!“ Der Sanitäter der Flugrettung stellte rasch einen Fuß zwischen die sich schließenden Türen. Er drückte Peter eine große Plastiktragetasche in die Hand. „Seine persönlichen Sachen. Kleidung, Handy, Brieftasche, Führerschein, Armbanduhr und so weiter.“

„Danke! Sind seine Angehörigen bereits verständigt worden?“

Der Sanitäter schüttelte den Kopf.

„Noch nicht. Dazu war noch keine Zeit. Es musste ja alles blitzschnell gehen, um ihn überhaupt am Leben zu erhalten. Würden Sie das bitte erledigen?“

Peter nickte. „Ich gebe seine Sachen an unsere Anmeldestelle weiter. Entweder finden die auf dem Handy eine Nummer unter Mama oder Papa, oder sie forschen über die Versicherungskarte die nächsten Verwandten aus.“

„Ist das nicht Sache der Polizei?“, fragte Jens und musste schmunzeln, als der Rettungsarzt seufzend die Augen verdrehte.

„Die waren noch gar nicht am Unfallort, als wir schon wieder abgeflogen sind“, erwiderte er. „Wir haben die Daten des Verunglückten durchgegeben, aber da sich der Unfall im Niemandsland zwischen zwei Gemeinden ereignet hat, gab es da wohl noch ein paar Diskussionen über die Zuständigkeit.“

„Wahrscheinlich konzentrieren die sich jetzt erst mal auf den Unfallverursacher“, fügte der Rettungssanitäter hinzu. „Ein LKW-Fahrer, der so ein kleines Behindertenvehikel in einer Kurve überholt und das Motorrad frontal gerammt hat. Der hat nicht mal einen Kratzer abgekriegt.“

„Okay, wir kümmern uns um alles“, versprach Peter Kersten und drückte erneut auf den Knopf.

„Danke! Hoffentlich schafft er es trotz der miesen Prognosen!“ Der Rettungsarzt hob noch einmal winkend die Hand, ehe die Lifttüren sich hinter Peter und seinem Patienten schlossen.

***

„Sie haben mich vor Beginn der Untersuchung darum gebeten, Ihnen die ungeschminkte Wahrheit zu sagen.“ Prof. Lutz Weidner, der Chefarzt der Sauerbruch-Klinik und ein landesweit anerkannter Kardiologe, kam mit gesenktem Kopf aus dem Herzkatheterlabor.

„Ja! Und?“ Michael Lessing machte einen Schritt auf den Professor zu, während seine Frau Sophie sich zitternd an ihn klammerte, weil ihre Beine zu versagen drohten.

„Es sieht nicht gut aus“, musste Lutz Weidner zugeben. „Vermutlich hätte man vor ein paar Monaten noch etwas machen können. Jetzt ist es allerdings zu spät.“