Der Notarzt 350 - Arztroman - Karin Graf - E-Book

Der Notarzt 350 - Arztroman E-Book

Karin Graf

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Beschreibung

Noch tausend Worte Bevor sie sich einer gefährlichen OP unterziehen muss, will Ada einiges klären Von Karin Graf Ausgerechnet an dem Tag, der einer ihrer schönsten hätte werden sollen, steht Adas Herz plötzlich still. In einem verzweifelten Bemühen gelingt es Ärzten der Frankfurter Sauerbruch-Klinik, die Dreiundzwanzigjährige wiederzubeleben. Doch die anschließend eilig durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass Ada schwer krank ist. Jederzeit kann es zu einem erneuten Herzstillstand kommen, der dann wahrscheinlich endgültig ist. Helfen kann ihr nur noch eine riskante OP, bei der es um alles oder nichts geht. Der Eingriff ist ihre letzte Chance, ansonsten sind ihre Tage oder womöglich sogar Stunden gezählt. Die geschwächte Patientin wird umgehend in den Operationssaal geschoben, wo das zuständige Ärzteteam schon bereitsteht. Alle wissen, jetzt zählt jede Sekunde, sie müssen so schnell wie möglich mit der OP beginnen. Doch als der Anästhesist die Narkose einleiten will, unterbricht ihn Ada mit leiser Stimme. "Nein, bitte nicht", fleht sie. "Ich habe noch so viel zu sagen. Oder können Sie mir versprechen, dass ich wieder aufwache? Dass ich auch morgen noch hier bin und alles sagen kann, was ich so gerne noch sagen möchte?" Betreten schütteln die Mediziner die Köpfe. Nein, das kann ihr niemand versprechen. Aber was mag jetzt noch so wichtig sein - wichtiger, als sofort den Kampf um Adas Leben zu beginnen?

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Inhalt

Cover

Impressum

Noch tausend Worte

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Kamil Macniak / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8369-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Noch tausend Worte

Bevor sie sich einer gefährlichen OP unterziehen muss, will Ada einiges klären

Karin Graf

Ausgerechnet an dem Tag, der einer ihrer schönsten hätte werden sollen, steht Adas Herz plötzlich still. In einem verzweifelten Bemühen gelingt es Ärzten der Frankfurter Sauerbruch-Klinik, die Dreiundzwanzigjährige wiederzubeleben. Doch die anschließend eilig durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass Ada schwer krank ist. Jederzeit kann es zu einem erneuten Herzstillstand kommen, der dann wahrscheinlich endgültig ist. Helfen kann ihr nur noch eine riskante OP, bei der es um alles oder nichts geht. Der Eingriff ist ihre letzte Chance, ansonsten sind ihre Tage oder womöglich sogar Stunden gezählt.

Die geschwächte Patientin wird umgehend in den Operationssaal geschoben, wo das zuständige Ärzteteam schon bereitsteht. Alle wissen, jetzt zählt jede Sekunde, sie müssen so schnell wie möglich mit der OP beginnen. Doch als der Anästhesist die Narkose einleiten will, unterbricht ihn Ada mit leiser Stimme. „Nein, bitte nicht“, fleht sie. „Ich habe noch so viel zu sagen. Oder können Sie mir versprechen, dass ich wieder aufwache? Dass ich auch morgen noch hier bin und alles sagen kann, was ich so gerne noch sagen möchte?“

Betreten schütteln die Mediziner die Köpfe. Nein, das kann ihr niemand versprechen. Aber was mag jetzt noch so wichtig sein – wichtiger, als sofort den Kampf um Adas Leben zu beginnen?

„End-lich wie-der zu Hau-se!“ Bei jedem einzelnen Schritt, den Ada an diesem frühen Montagmorgen durch den herrlich blühenden Botanischen Garten im Frankfurter Bezirk Westend lief, musste sie sich eine Silbe dieser erfreulichen Tatsache immer wieder vorsagen.

Zwar war sie bereits vor fast einer Woche in der Stadt angekommen, in der sie geboren worden war und ihre ersten elf Lebensjahre verbracht hatte, aber um endlich wieder eine richtige Frankfurterin zu werden, musste sie noch so viel Behördenkram erledigen, dass sie manchmal daran zweifelte, ob das überhaupt in einem einzigen Leben zu bewältigen sei.

Ihre Eltern waren mit ihr auf die Fidschis ausgewandert, als sie elf Jahre alt gewesen war. Sie hatten sich in einem Internetforum für spirituell Erleuchtete mit fünfzehn Gleichgesinnten aus der ganzen Welt dazu verabredet, fernab von Egoismus und Konsumrausch ein sinnvolles, spirituelles und gottgewolltes Leben zu führen.

Die Erde, die sie für ein lebendes Wesen hielten, nicht zu schädigen, das hatten sie zu einem ihrer obersten Gesetze gemacht. Und nach dem Motto mitgefangen – mitgehangen, hatten sie natürlich auch ihre Kinder ungefragt mit in die Steinzeit zurückversetzt.

Besonders die schon etwas älteren Kinder hatten ihren Eltern das ganz schön übel genommen.

Von heute auf morgen kein Smartphone mehr, keine X-Box, kein Internet, kein WhatsApp, kein Facebook oder Twitter, nicht mal ein popeliger Fernseher. Man musste schon ganz schön erleuchtet sein, um das zu ertragen.

Mit Kind und Kegel waren sie ungefähr dreißig Personen gewesen. Mal mehr, mal weniger. Anfangs eher immer mal weniger, denn die Erwachsenen waren ziemlich blauäugig in dieses Abenteuer gestolpert und hatten nicht bedacht, welche Gefahren so ein spirituelles Leben mit sich bringen konnte.

„Hey du! Guten Morgen! Hab ich schon erwähnt, dass es mir wirklich schrecklich leidtut?“

„Ähm …warte, was tut dir …?“

Doch da war er auch schon wie der sprichwörtliche geölte Blitz an ihr vorübergezischt und konnte sie nicht mehr hören.

Seit fünf Tagen lief Ada hier jeden Morgen etwa fünf Kilometer, um in Form zu bleiben. Und seit fünf Tagen rannte jeden Morgen dieser süße Junge an ihr vorüber und entschuldigte sich bei ihr. Wofür? Keine Ahnung. Er blieb ja nie stehen, um ihre Frage danach zu beantworten. Und er gehörte zu jenen, die nicht joggten, sondern richtig liefen. Mit voller Geschwindigkeit. Vielleicht trainierte er für einen Marathon.

Er sah ziemlich gut aus. Ada schätzte, dass er ungefähr im gleichen Alter sein musste wie sie selbst. Sie war dreiundzwanzig.

Er war groß. Mindestens einen Kopf größer als sie. Er hatte kurz geschnittene dunkle Haare und ein Gesicht wie ein Teddybär, mit großen dunklen Knopfaugen, einer Stupsnase und einem pfiffigen Lächeln, das ihn gutmütig und vertrauenswürdig erscheinen ließ.

Also, genau genommen wusste Ada nicht, wie viel von dieser Beschreibung Wirklichkeit und wie viel Fantasie war, denn er hatte ihr ja noch nie die Gelegenheit dazu gegeben, ihn länger als zwei Sekunden lang anzusehen. Aber was sie sah, wenn er an ihr vorüberflitzte, das gefiel ihr ziemlich gut.

Na, und natürlich wollte sie unbedingt wissen, wofür er sich Tag für Tag aufs Neue bei ihr entschuldigte. Verwechselte er sie vielleicht mit jemandem? Entschuldigte er sich dafür, dass er schneller war als sie? War das nur irgendein Running Gag, den sie nicht kapierte? Oder hatte er einfach nur einen Knall?

Hoffentlich nicht Letzteres, denn, wie gesagt, er gefiel ihr. Zurzeit war er außerdem tatsächlich der einzige Mensch in diesem Land, mit dem sie wenigstens flüchtig bekannt war. Irgendwie zumindest.

Plötzlich sah Ada etwas, was ihr das Adrenalin ins Blut und die Gänsehaut auf den ganzen Körper trieb. Ein zerlumpter Obdachloser stand am Ufer des großen Biotops, das sie täglich mehrmals umrundete, weil es so wunderschön war, und beugte sich tief zum Wasser hinab.

„Nicht!“, schrie sie in Panik. Sämtliche Muskeln in ihrem ganzen Körper spannten sich bis zum Zerreißen an, und sie sprintete los. Sie legte die paar Meter, die sie noch von ihm entfernt war, so rasend schnell zurück, dass sie kaum noch atmen konnte, als sie bei ihm angekommen war und ihn an seinem fadenscheinigen Jackett zurückriss.

„Was, zum Kuckuck …?“ Der Mann, der ziemlich dick war – vermutlich lebte er von den fettigen Fastfood-Resten, die die Leute wegwarfen –, schaute Ada kopfschüttelnd an und hielt ein großes kariertes Taschentuch an einem Zipfel hoch. „Ich wollte das nur nass machen, um mir die Stirn ein wenig zu kühlen. Ist das hier verboten?“

„Nein, natürlich nicht.“ Völlig entkräftet taumelte Ada zu einer Sitzbank, die am Ufer des Teichs stand. Inzwischen war ihr längst klar geworden, dass sie sich total zum Affen gemacht hatte. Sie klopfte mit der flachen Hand auf den Platz neben sich. Er folgte ihrer Aufforderung und setzte sich zu ihr.

„Es tut mir leid, dass ich Sie erschreckt habe. Ich musste nur gerade an Ethel denken“, keuchte sie und drückte ihre Verlegenheit durch ein Schulterzucken und ein Kichern aus.

„Ach so! Und … wer oder was ist ein … Ethel?“

„War. Ethel ist nicht mehr“, korrigierte Ada den dicken Obdachlosen. „Ich bin auf den Fidschis aufgewachsen“, erklärte sie ihm. „In so einer Wir-haben-uns-alle-schrecklich-lieb-Kommune.“

„Schön!“ Der Obdachlose nickte schmunzelnd. „Hula-Hula?“

„Sehr viel Hula-Hula“, bestätigte ihm Ada lachend. „Zwölf Jahre lang. So viel Hula-Hula, dass ich schon nach den ersten paar Tagen die Minuten gezählt habe, bis ich endlich abhauen konnte. Also, Ethel war eine fünfzigjährige Amerikanerin, die mit ihrem Mann Marvin ebenfalls in unserer Kommune gelebt hat.“

„Und die ist ins Wasser gefallen, als sie ihr Taschentuch benetzen wollte?“

„Nein, viel schlimmer. Es war am dritten Tag nach unserer Ankunft. Wir sind – wie die Verrückten singend und irgendwelche Naturgeister preisend – durch die Landschaft gezogen, um unsere neue Heimat zu erkunden. Wir kamen an ein wunderschönes Gewässer, das an den Ufern von Mangroven gesäumt war.“

Ada schauderte, als sie an dieses Erlebnis zurückdachte.

„Ethel war die Verrückteste von allen. Ständig hat sie UFOs gesehen und irgendwelche Botschaften aus dem Jenseits empfangen. Jeden Morgen hat sie zur Belustigung des gesamten Dorfes die Sonne begrüßt. Mit einem selbst erfundenen Gesangs- und Tanzritual.“

„Du meine Güte!“ Der dicke Mann lachte. „Und beim Sonnengruß ist sie wie Hans-guck-in-die-Luft ins Wasser gestolpert und ertrunken?“

Abermals verneinte Ada.

„Sie hat behauptet, sie könne eine Wasserjungfrau auf dem Grund des Gewässers sehen. Sie hat sich tief darübergebeugt – genauso wie Sie eben –, um eine mediale Botschaft von ihr zu empfangen.“

„Ich ahne, was jetzt gleich kommt“, behauptete der dicke Mann und schauderte. „Gibt es auf den Fidschis Krokodile?“

„Die Größten der Welt. Leistenkrokodile. Bis zu sieben Meter können die lang werden. Und wissen Sie, wie hoch die springen können? Das Vieh ist hochgeschnellt, hat Ethel im Flug gepackt und nicht mal ihr knallbuntes Hippiekleid und die geschätzten tausend Amulette, die sie ständig um den Hals trug, wieder ausgespuckt. Zumindest ist nie wieder auch nur ein Fitzelchen von ihr aufgetaucht.

„Und das mussten Sie mit elf Jahren mit ansehen? Kein Wunder, dass Sie immer noch erschrecken, wenn Sie eine ähnliche Ausgangssituation vor sich haben. Da war dann wohl erst mal Schluss mit der Anbetung von Himmelskörpern und Wassergeistern, oder?“

Ada lachte und atmete tief durch.

„Das glauben aber auch nur Sie! Sie kennen wohl keine eingefleischten Esoteriker, was?“

„Nicht wirklich Wie haben die denn darauf reagiert? Hatten die nicht fürs Erste von rituellen Tänzen und Gesängen genug? Haben die nicht kapiert, dass die Natur auch nicht sehr viel friedlicher ist als der Mensch?“

„Keineswegs! Niemand aus der Gruppe hat sich über Ethels grausigen Tod besonders aufgeregt, Sie sagten alle, ihre Zeit sei eben gekommen und es würde ihr im Jenseits hoch angerechnet werden, dass sie in ihrer letzten Sekunde noch ein Gottesgeschöpf mit ihrem Fleisch genährt hat.“

„Holla, die Waldfee! Das nenne ich erleuchtet“, unkte der dicke Mann. „Aber Ethels Ehemann, zumindest der muss doch erschüttert gewesen sein.“

„Marvin, ihr Mann, hat sich noch in derselben Woche eine junge Inselschönheit zur Frau genommen. Er sagte, Ethel sei ihm noch in derselben Nacht erschienen und hätte ihm mitgeteilt, dass das Universum es so wolle.“

„Heiliges Sparschwein!“ Der Obdachlose schüttelte sich vor Lachen. „Die haben aber auch wirklich für alles eine Erklärung, diese Spirituellen. Nicht unbedingt immer eine logisch nachvollziehbare, aber man kann sich eben alles so zurechtrücken, dass es ins selbstgestrickte Konzept passt.“

„Sie drücken sich so gebildet aus. Als ob Sie eine höhere Schule besucht hätten“, staunte Ada. „Haben Sie Abitur?“

„Nun ja …“ Der Mann schmunzelte geschmeichelt. „Ich habe sogar studiert. Wirtschaft und Finanzwesen.“

Ada sprang auf. „Aber mit dieser Ausbildung müssen wir doch was für Sie finden!“

„Ach so? Was wollen Sie denn für mich finden?“

„Einen Job! Und wenn Sie Arbeit haben, dann können wir auch eine Wohnung für Sie suchen!“ Aufgeregt und voller Tatendrang tänzelte sie hin und her. Am liebsten hätte sie sofort etwas unternommen, um den armen Mann von der Straße zu holen.

„Danke!“, erwiderte der lachend. „Aber ich habe Arbeit. Und auch eine Wohnung. Sogar ein ganzes Haus.“

Er stutzte und zupfte an einem Faden, der von einer geflickten Stelle an seiner Hose abstand.

„Ach, deswegen? Sie halten mich wohl für einen Penner? Nein, nein, ich muss nur aufs Finanzamt. Ich bin der Verwaltungsdirektor der Sauerbruch-Klinik und will eine Steuererleichterung für mein Unternehmen herausschlagen.“

Ada musste lachen.

„Genau wie mein Großvater! Der hatte auch ein paar ganz schrecklich zerlumpte Sachen im Schrank, die er immer dann angezogen hat, wenn er aufs Finanzamt musste.“

„Ein kluger Mann!“, lobte der Fremde und erklärte Ada, was er frühmorgens im Botanischen Garten zu suchen hatte. „Meine Gattin schmeißt mich täglich um sechs Uhr morgens raus und verlangt, dass ich zumindest eine Runde durch den Park spaziere. Wegen der Figur. Dabei ist sie selbst auch nicht gerade ein Hungerhaken.“ Dann stellte er sich höflich vor. „Emil Rohrmoser übrigens.“

„Ada Christen. Ich freue mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen. Sie sind der Erste. Ich hatte ganz vergessen, wie reserviert die Leute hier in Deutschland sind. Es ist verdammt schwer, jemanden näher kennenzulernen.“

„Das wird schon noch“, tröstete Herr Rohrmoser schmunzelnd. „Sie sind ja eine äußerst sympathische und auch hübsche junge Frau. Darf ich fragen, was Sie beruflich machen?“

„Noch gar nichts. Im Moment renne ich täglich von Amt zu Amt. Ich muss ja erst wieder eingebürgert werden und hunderttausend Ausweise, Nummern und Versicherungen bekommen, ohne die man angeblich nicht leben kann.“

„Ach“, winkte Emil ab. „Lästig ist das! Man kommt auf die Welt, wird abgestempelt, nummeriert und katalogisiert und muss sich ständig dafür rechtfertigen, dass man am Leben ist, nicht?“

Ada nickte. „Ja, genau so ist das. Außerdem werde ich vermutlich das Abitur nachmachen müssen. Ich habe zwar auf den Fidschis die Highschool abgeschlossen, aber es sieht im Moment nicht so aus, als würde das hier als Studienberechtigung gelten.“

„Sie schaffen das schon. Sie scheinen mir einen starken Willen zu haben.“ Emil stand ächzend auf. „Jetzt muss ich aber los. Ich möchte den betreffenden Beamten gleich bei seinem Dienstantritt erwischen. Noch bevor er seinen ersten Kaffee hatte. Dann befindet er sich nämlich noch im Halbschlaf und ist leichter zu überrumpeln. Vielleicht sieht man sich mal wieder.“

„Morgen, Herr Direktor!“ Der attraktive junge Mann kam auf dem Rückweg von seiner großen Runde an dem Biotop vorübergerannt. Ohne sein Tempo auch nur geringfügig zu drosseln, winkte er Emil Rohrmoser zu.

„Morgen!“ Emil winkte zurück. Dann tippte er mit dem Zeigefinger auf das Ziffernblatt seiner Armbanduhr. „Jetzt aber! Hurtig! Es ist schon nach sieben! Wiederholtes Zuspätkommen wird vom Lohn abgezogen!“

„Sie kennen ihn?“ Ada schaute dem jungen Mann nach, bis er hinter der nächsten Wegbiegung verschwand. „Wer ist er? Ich treffe ihn jeden Morgen hier beim Laufen. Und jeden Morgen entschuldigt er sich bei mir. Ich weiß aber nicht, wofür.“

Emil nickte. „Das Gesicht ist mir vertraut, aber den Namen kann ich Ihnen leider nicht nennen. Vielleicht ist er einer unserer Praktikanten. Oder einer der jungen Burschen, die unseren Hausmeister Krause bei der Arbeit unterstützen. Bei weit über zweitausend Angestellten fällt es mir schwer, mir jeden Namen zu merken.“

„Klar!“ Dafür hatte Ada Verständnis. Aber immerhin wusste sie jetzt schon mal, wo er arbeitete. „Es hätte mich nur interessiert, warum er mir jeden Morgen ‚Es tut mir leid!‘ zuruft.“

„Wenn er mir in der Klinik das nächste Mal über den Weg läuft, werde ich ihn bitten, sich Ihnen zu erklären“, versprach der Verwaltungsdirektor. Er reichte Ada die Hand. „Also, danke noch mal für Ihre Sorge um mein Wohlbefinden.“ Er lachte laut auf. „Ethel! An und für sich eine tragische Angelegenheit, aber sie ist dennoch zum Schmunzeln. Und mit welchen Amtsschimmeln müssen Sie sich heute noch herumschlagen?“

„Gesundheitsamt. Nach zwölf Jahren auf den Fidschis könnte ich ja eine gefährliche Tropenkrankheit haben. Ich brauche ein amtliches Gesundheitszeugnis.“