Der Notarzt 383 - Karin Graf - E-Book

Der Notarzt 383 E-Book

Karin Graf

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Beschreibung

Erst vor einem halben Jahr haben sich die Rechtsanwaltsgehilfin Nelia Riemann und der Medizinstudent Laurin Schäfer kennengelernt. Damals war es bei beiden Liebe auf den ersten Blick. Nur drei Monate später haben sie gemeinsam eine kleine Wohnung gemietet und beschlossen, für immer zusammenzubleiben. Ihr Plan ist es gewesen, erst einmal beruflich fußzufassen, sich finanziell so gut es geht abzusichern, dann zu heiraten und eine richtige Familie zu gründen.
Doch seit ein paar Wochen ist Nelia nicht mehr ganz sicher, ob sie das auch wirklich will. Wenn sie Laurin sieht, dann bekommt sie noch immer weiche Knie, aber seine ganze Art stört sie zunehmend. Ihr Chef, zum Beispiel, der angesehene Rechtsanwalt Dr. Marcel Kainz, der ist ein Mann, der weiß, was er will. Er ist zielstrebig, ehrgeizig, vermögend. Daneben wirkt Laurin in Nelias Augen wie ein unreifer Junge.
Ausgerechnet ein schon länger geplanter Kurzurlaub der beiden öffnet Nelia endgültig die Augen. Doch gerade als sie ihrem Freund gestehen will, wie sie inzwischen empfindet, passiert etwas Unvorhergesehenes - und mit einem Mal schwebt Laurin in allergrößter Gefahr ...

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Vor ihren Augen ...

Vorschau

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: baranq / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0582-0

www.bastei.de

www.luebbe.de

www.lesejury.de

Vor ihren Augen ...

Bei einer Wanderung gerät Laurin in höchste Gefahr

Karin Graf

Erst vor einem halben Jahr haben sich die Rechtsanwaltsgehilfin Nelia Riemann und der Medizinstudent Laurin Schäfer kennengelernt. Damals war es bei beiden Liebe auf den ersten Blick. Nur drei Monate später haben sie gemeinsam eine kleine Wohnung gemietet und beschlossen, für immer zusammenzubleiben. Ihr Plan ist es gewesen, erst einmal beruflich fußzufassen, sich finanziell, so gut es geht, abzusichern, dann zu heiraten und eine richtige Familie zu gründen.

Doch seit ein paar Wochen ist Nelia nicht mehr ganz sicher, ob sie das auch wirklich will. Wenn sie Laurin sieht, dann bekommt sie noch immer weiche Knie, aber seine ganze Art stört sie zunehmend. Ihr Chef, zum Beispiel, der angesehene Rechtsanwalt Dr. Marcel Kainz, der ist ein Mann, der weiß, was er will. Er ist zielstrebig, ehrgeizig, vermögend. Daneben wirkt Laurin in Nelias Augen wie ein unreifer Junge.

Ausgerechnet ein schon länger geplanter Kurzurlaub der beiden öffnet Nelia endgültig die Augen. Doch gerade als sie ihrem Freund gestehen will, wie sie inzwischen empfindet, passiert etwas Unvorhergesehenes – und mit einem Mal schwebt Laurin in allergrößter Gefahr ...

»Er kommt!« Mit dieser Nachricht stürmte Marianne Hoppe, die Sekretärin des Chefarztes der Frankfurter Sauerbruch-Klinik, am Freitagmorgen in das Büro ihres Chefs. Und zwar ohne vorher anzuklopfen.

Prof. Lutz Weidner erschrak so heftig, dass ihm die Brieftasche, in der er gerade nach ein bisschen Kleingeld für den Kaffeeautomaten gesucht hatte, aus der Hand fiel und die Münzen in alle Richtungen davon rollten.

»Herrgott, Marianne!«

»Ersterer kann Ihnen eventuell helfen, ich aber nicht«, erwiderte die vollschlanke Mittfünfzigerin mit den bordeauxroten Ringellöckchen schnippisch.

»Wieso? Wer kommt denn? Der Sensenmann?«, scherzte der Chefarzt.

»Würde ich dann so ein Theater machen?«, konterte Lutz Weidners Sekretärin mit einer Gegenfrage. »Der wäre ja vergleichsweise harmlos.« Als sie sah, wie der Klinikchef sich dazu anschickte, sich zu bücken, um unter seinen Schreibtisch zu kriechen, wo die meisten Münzen gelandet waren, schob sie ihn beiseite. »Lassen Sie nur, ich mache das schon.«

Sie holte ihren Regenschirm, den sie für alle Fälle immer im Schirmständer hinter der Tür ihres Büros stehen hatte, ging in die Hocke und angelte – den Haltegriff voran – die Münzen unter dem Tisch hervor.

»Wofür brauchen Sie die denn überhaupt?«, wollte sie dann wissen.

»Um mir einen Kaffee vom Automaten zu holen.«

»Warum haben Sie denn nicht gesagt, dass Sie einen Kaffee wollen?«

»Warum hätte ich das tun sollen?« Prof. Weidner runzelte die Stirn.

»Weil ich Ihnen dann einen gekocht hätte. Einen richtigen Kaffee. Einen guten. Nicht so eine fade Plörre mit chemischem Milchpulver wie das Zeug aus dem Automaten.«

»Marianne!« Der Chefarzt verdrehte seufzend die Augen. Er hatte es längst aufgegeben, seine Sekretärin um einen Kaffee zu bitten. Dann bekam er nämlich immer einen Vortrag über Gleichberechtigung und Emanzipation zu hören. Und darüber, dass sie eine umfassend ausgebildete Sekretärin und keine dumme kleine Kaffeeschubse sei.

All das wollte er ihr gerade vorhalten, als er den unendlich mitleidigen Blick bemerkte, mit dem sie ihn anschaute. Er stutzte.

»Warum sind Sie denn auf einmal so ungewohnt fürsorglich und nett zu mir? Sie benehmen sich ja fast so, als ob mein letztes Stündchen geschlagen hätte. Wen oder was wollten Sie mir denn vorhin ankündigen?«

»Direktor Rohrmoser natürlich! Wen sonst?« Sie schaute ihn kopfschüttelnd und zungenschnalzend an, als ob es keinen Zweifel daran geben könnte, dass ein Besuch von Direktor Rohrmoser das Schlimmste war, was einem passieren konnte.

»Und?« Lutz Weidner zuckte schmunzelnd mit den Schultern. »Deswegen tun Sie so, als ob die Welt untergehen würde?«

Marianne schnaubte verächtlich durch die Nase.

»Na ja, das hätte ich mir ja eigentlich denken können, dass Sie keine Ahnung haben, in was für gefährlichen Zeiten wir uns gerade befinden. Das liegt daran, dass Sie keine Sekretärin, sondern bloß Chefarzt sind.«

»Ich bin untröstlich, dass ich es im Leben nicht weiter als bloß bis zum Chefarzt gebracht habe.« Prof. Weidner lachte. »Gefährliche Zeiten?«, hakte er nach. »Sprechen Sie von der zurzeit ziemlich chaotischen Weltlage?«

»Ach, wen interessiert das denn?«, winkte Frau Hoppe ungeduldig ab. »Ich spreche davon, dass wir gerade – wie alle drei Jahre – die gesetzlich vorgeschriebene Inventur durchführen. Und Sie wissen ja, wie unser lieber Verwaltungsdirektor reagiert, wenn auch nur ein einzelnes Heftpflaster nicht ordnungsgemäß eingetragen ist.«

»Ich weiß. Er ist eben sehr sparsam. Das ist natürlich mitunter recht lästig, aber es ist auch der Grund dafür, dass wir eine der wenigen Kliniken sind, die es unbeschadet durch jede noch so schiefe Wirtschaftslage schafft. Und im Übrigen ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen.«

»Ha! Das hat sich vorhin am Telefon, als er gefragt hat, ob Sie hier sind, aber ganz anders angehört.«

»Was hat er denn gesagt?«

»Er wollte wissen, ob Sie schon von der Morgenvisite zurück sind und ein paar Minuten Zeit haben.«

»Nun, das ist ja nicht weiter schlimm. Hat er denn sehr wütend geklungen?«

»Aber hallo!« Die stämmige Mittfünfzigerin nickte so deutlich, dass ihre bordeauxroten Ringellöckchen wie betrunkene Regenwürmer durcheinander tanzten. »Er war völlig außer sich. Ich habe mir vorher sogar überlegt, ob man mit dreißig und ein bisschen was schon die Frührente beantragen kann. Nur für den Fall, dass Sie fristlos entlassen werden. Man sagt ja, dass selten etwas Besseres nachkommt.«

Lutz Weidner musste lachen.

»Ich nehme das mal als ein Kompliment, Marianne. Vielen Dank dafür. Aber Sie können sich schon mal auf weitere fünf bis zehn Dienstjahre an meiner Seite einstellen. Dreißig Jahre nach Ihrer Zeitrechnung. Herr Rohrmoser wird mir schon nicht den Kopf abreißen.«

»Gott bewahre Ihnen Ihren naiven Kinderglauben«, erwiderte Marianne Hoppe mit hochgezogenen Augenbrauen.

»Wann kommt er denn überhaupt?«

»Er ist schon da!«, tönte es in diesem Augenblick von draußen herein. Ungewohnt langsam und mit unsicheren Schritten näherte sich der schwergewichtige Verwaltungsdirektor Lutz Weidners Büro.

»Das bedeutet nichts Gutes, wenn er so langsam dahinschlurft«, mutmaßte Marianne leise. »Also, ich bringe Ihnen dann gleich ein leckeres Käffchen«, fügte sie laut hinzu.

»Das können Sie sich sparen!«, rief Emil, der die paar Schritte durch das Vorzimmer noch immer nicht bewältigt hatte. »Ich gebe dem alten Zausel einen aus. Kommen Sie lieber her und nehmen Sie mir das da ab, bevor noch ein Malheur passiert.«

Marianne hätte sich sehr darüber gewundert, wenn Direktor Rohrmoser dem Chefarzt einen Automatenkaffee für fünfzig Cent spendiert hätte. Herr Rohrmoser spendierte nämlich niemals irgendjemandem irgendetwas. Zumindest dann nicht, wenn es etwas kostete. Und ohne zwingende Notwendigkeit fünfzig Cent auszugeben, das war ganz und gar gegen seine Natur.

Umso überraschter war die Sekretärin, als sie das Tablett sah, das der Direktor auf beiden Händen balancierte. Zwei große Kaffeebecher aus der Cafeteria standen darauf, in denen sich die Schlagsahne hoch auftürmte.

»Nicht glotzen, helfen!« Im gleichen Maße wie die Kaffeebecher auf dem Tablett, schwankte auch Emil in dem verzweifelten Versuch, die teure Pracht vor dem Absturz zu bewahren, hin und her.

»Okay, geben Sie her.« Marianne nahm ihm das Tablett aus den Händen und eilte damit in Prof. Weidners Büro zurück. »Wir sind erledigt!«, raunte sie dem Chefarzt zu, während Emil draußen noch rasch den Waschraum aufsuchte, weil seine Finger ein bisschen Sahne abbekommen hatten. »Unser armes Krankenhaus ist bankrott.«

»Hat er das gesagt?«

»Nein. Aber wenn er sich dermaßen in Unkosten stürzt, muss er vor Verzweiflung völlig von Sinnen sein. Das ist Frau Rosis spezieller Karamellkaffee. Der kostet sechs Euro pro Becher.«

»Streuen Sie doch nicht auch noch Salz in meine Wunden!« Der Verwaltungsdirektor betrat das Büro, nickte dem Chefarzt grüßend zu und ließ sich dann auf die Couch in der Besucherecke fallen.

Der Holzrahmen der schwarzen Ledercouch ächzte unter Emils Übergewicht.

»Zwölf Euro für zwei Kaffee!«, stöhnte er. »Für diesen Wucherpreis hat man in meiner Jugendzeit schon ein gutes Fahrrad bekommen. Wenn das so weitergeht, muss man wohl bald einen Kredit beantragen, wenn man sich mal ein neues Paar Socken kaufen möchte.«

Marianne brannte darauf, zu erfahren, was den Verwaltungsdirektor so sehr aus der Fassung gebracht hatte. Sie ließ sich extra viel Zeit, rückte die Becher auf dem Tisch hin und her, wischte ein paar Sahnekleckse von den Untertassen und versuchte sogar, die Papierservietten zu kleinen Schwänen zu falten.

»Was führt Sie denn nun zu so früher Stunde zu mir, Herr Direktor?« Prof. Weidner, der erst noch seine Lesebrille gesucht und sie sich dann auf die Stirn gesetzt hatte, nahm Emil gegenüber in einem Sessel Platz.

Doch bevor Emil Rohrmoser diese Frage beantworten konnte, also bevor es spannend wurde, bat Lutz Weidner Marianne mit einer Geste, das Büro zu verlassen.

»Bitte, Marianne!«, fügte er mit Nachdruck hinzu, als die Sekretärin vorgab, erst noch ein paar nicht vorhandene Krümel von der Tischplatte pusten zu müssen.

Sie warf ihm einen verärgerten Blick zu und verließ das Büro – in der Hoffnung, doch noch etwas aufzuschnappen – betont langsam. Während sie die Tür im Zeitlupentempo hinter sich schloss, beantwortete Emil Rohrmoser endlich Prof. Weidners Frage. Doch das machte Mariannes Leiden auch nicht gerade erträglicher. Im Gegenteil, ihre Neugierde wurde dadurch nur noch mehr angestachelt.

»Sie müssen mir helfen, Weidner. Monika, meine Frau, sie will mich umbringen.«

***

Als Nelia Riemann Laurin Schäfer vor etwas mehr als einem halben Jahr kennengelernt hatte, war sie felsenfest davon überzeugt gewesen, dass es für immer sein würde. Es war die berühmte Liebe auf den ersten Blick gewesen, an die sie eigentlich nie geglaubt hatte.

Sie war mit ihrer damals besten Freundin in einem total angesagten Club am Frankfurter Mainufer gewesen, und sie hatte sich dort von Anfang an nicht besonders wohlgefühlt. Zu laut, zu viele Menschen, zu viel Alkohol, zu viele aufdringliche Typen.

Laura, ihre ehemals beste Freundin, hatte sich mit harten Sachen zugeschüttet und war immer schriller, verrückter und ordinärer geworden. So hatte Nelia sie nie zuvor erlebt.

Was das Fass dann jedoch endgültig zum Überlaufen gebracht hatte, war die Sache mit den Tabletten gewesen. Laura hatte ein kleines Fläschchen aus ihrer Handtasche gekramt, zwei weiße Pillen auf ihre Handfläche geschüttelt und Nelia eine davon angeboten.

»Was ist das? Gegen Kopfschmerzen?«

Laura hatte sich halb totgelacht.

»Ey, Kopfschmerzen, hallo? Das ist Ecstasy, Mann!«

»Ich bin kein Mann, Laura. Und ich nehme so etwas nicht. Und du solltest es auch nicht tun.«

Natürlich hatte Laura nicht auf sie gehört. Im Gegenteil. Sie hatte sich über Nelia lustig gemacht und überall herumposaunt, dass ihre Freundin Ecstasy für Kopfschmerztabletten gehalten hatte.

Keinerlei Erfahrung mit Drogen zu haben, galt in diesem Club wohl als total abnormal, und binnen weniger Minuten war Nelia zum Gespött von ein paar Dutzend betrunkener, bekiffter und zugedröhnter junger Leute geworden.

Entsetzt über das Verhalten von Laura, mit der sie schon seit der Grundschule eng befreundet war, war Nelia aus dem Club gestürmt.

Draußen war gerade ein heftiges Gewitter über Frankfurt niedergegangen. Dass es wie aus Eimern goss, hatte sie erst bemerkt, als sie schon ein paar Meter weit gelaufen war. So durcheinander war sie gewesen.

Bis auf die Haut durchnässt, hatte sie sich unter eine hohe, dicht belaubte Platane gerettet, den Stamm mit beiden Armen umfasst und sich eng an ihn gedrückt, als ein greller Blitz und ein lauter Donnerschlag sie erschreckt hatten.

Sie hatte gellend um Hilfe geschrien, als ein Fremder sie plötzlich hinten an ihrer coolen neuen Lederjacke gepackt, sie grob zurückgerissen, in eine Kuhle im begrünten Mainufer gestoßen und sich keuchend auf sie drauf geworfen hatte. Um sie dort brutal zu vergewaltigen. Was sonst?

Eine Sekunde später war sie jedoch eines Besseren belehrt worden. Plötzlich war der wolkenverhangene Nachthimmel taghell erleuchtet gewesen, es hatte so laut gekracht, wie Nelia es noch nie zuvor krachen gehört hatte, und die Platane, die sie eine Sekunde zuvor noch fest umarmt hatte, war in zwei schwarz verkohlte Hälften gespalten gewesen.

So hatte sie Laurin kennengelernt. Und der Blitz, vor dem er sie gerettet hatte, hatte sie dann doch noch getroffen. Mitten ins Herz.

Er hatte ihr genau erklärt, wie sie sich hinhocken musste. Beide Füße fest auf dem Boden, die Beine eng zusammen, den Kopf auf die Knie gelegt, und bloß nicht hinsetzen oder mit den Händen das nasse Gras berühren.

Fast eine halbe Stunde lang hatten sie so nebeneinander hockend in der Kuhle verbracht. Gleißende Blitze waren über den Himmel gezuckt. Immer wieder hatte es entsetzlich laut gekracht, wenn einer der Blitze sich irgendwo entladen hatte.

Der Regen hatte sie beide vollkommen durchweicht. Aber trotzdem hatte Nelia sich wie auf rosarote Wolken gebettet gefühlt.

Woher er so genau wusste, wie man sich vor einem Blitzschlag schützen konnte? Nun, Laurin war Arzt. Er hatte sein Medizinstudium vollendet und erst zwei Tage zuvor seine Approbation erhalten.

Mit ein paar Kommilitonen hatte er im selben Club gefeiert wie Nelia. Und er hatte den Club aus denselben Gründen wie sie überstürzt verlassen.

Obwohl der Regen unaufhörlich auf sie niederprasselte, obwohl sie gegen das laute Donnergrollen anbrüllen mussten, unterhielten sie sich in dieser halben Stunde über Gott und die Welt und bemerkten recht bald, dass sie ganz wunderbar miteinander harmonierten.

Von da an hatten sie sich fast jeden Tag gesehen, und kaum drei Monate später hatten sie gemeinsam eine kleine Wohnung gemietet und beschlossen, für immer zusammenzubleiben.

Ihr Plan war es, erst einmal beruflich fußzufassen, sich finanziell so gut es ging abzusichern, dann zu heiraten und eine richtige Familie zu gründen.

Doch seit ein paar Wochen war Nelia nicht mehr ganz sicher, ob sie das auch wirklich wollte.

Es lag nicht an mangelnder Liebe, dass sie Zweifel an einer dauerhaften Verbindung hatte. Nach wie vor bekam sie weiche Knie und Schmetterlinge im Bauch, wenn sie abends von ihrer Arbeit als Rechtsanwaltsfachangestellte nach Hause kam und ihn sah.