0,99 €
"In den dunklen Gassen der Hamburger Speicherstadt wird eine grausame Entdeckung gemacht: Eine junge Dozentin liegt tot in ihrer Wohnung, inszeniert wie Goethes Gretchen, ein aufgeschlagenes Exemplar des 'Faust' in ihren gefalteten Händen. Es ist nur der Anfang einer Serie kunstvoller Morde, bei denen der Täter seine Opfer als Figuren aus der Weltliteratur in Szene setzt und makabre Gedichte am Tatort hinterlässt. Hauptkommissar Viktor Steinbach und Profilerin Sarah Weber tauchen tief in die Welt der Literatur ein, als ihre Ermittlungen sie zu einem geheimnisvollen Zirkel führen, der in einem alten Antiquariat zusammenkommt. Dort, zwischen verstaubten Büchern und verborgenen Geheimnissen, beginnt ein tödliches Spiel um Wahrheit und Fiktion. Je tiefer die Ermittler in den Fall eindringen, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und literarischer Imagination. Der Täter, der sich selbst 'Der Poet' nennt, scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Als sie schließlich seine wahre Identität aufdecken, müssen sie erkennen, dass sie selbst längst Teil einer Geschichte geworden sind, deren Ende noch geschrieben werden muss. Ein atmosphärischer Krimi, der die Grenzen zwischen Literatur und Leben, zwischen Wahnsinn und Genialität auslotet und den Leser in einen Strudel aus Fiktion und Realität zieht."
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 30
Veröffentlichungsjahr: 2025
Der Wortmörder
Wenn Literatur tötet
by
Bruno Schelig
Inhalt
"In den dunklen Gassen der Hamburger Speicherstadt wird eine grausame Entdeckung gemacht: Eine junge Dozentin liegt tot in ihrer Wohnung, inszeniert wie Goethes Gretchen, ein aufgeschlagenes Exemplar des 'Faust' in ihren gefalteten Händen. Es ist nur der Anfang einer Serie kunstvoller Morde, bei denen der Täter seine Opfer als Figuren aus der Weltliteratur in Szene setzt und makabre Gedichte am Tatort hinterlässt.
Hauptkommissar Viktor Steinbach und Profilerin Sarah Weber tauchen tief in die Welt der Literatur ein, als ihre Ermittlungen sie zu einem geheimnisvollen Zirkel führen, der in einem alten Antiquariat zusammenkommt. Dort, zwischen verstaubten Büchern und verborgenen Geheimnissen, beginnt ein tödliches Spiel um Wahrheit und Fiktion.
Je tiefer die Ermittler in den Fall eindringen, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und literarischer Imagination. Der Täter, der sich selbst 'Der Poet' nennt, scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Als sie schließlich seine wahre Identität aufdecken, müssen sie erkennen, dass sie selbst längst Teil einer Geschichte geworden sind, deren Ende noch geschrieben werden muss.
Ein atmosphärischer Krimi, der die Grenzen zwischen Literatur und Leben, zwischen Wahnsinn und Genialität auslotet und den Leser in einen Strudel aus Fiktion und Realität zieht."
Der November hatte Hamburg fest im Griff, als wäre die Stadt in eine graue Decke aus Melancholie gehüllt. Hauptkommissar Viktor Steinbach stand am Fenster seines Büros im Polizeipräsidium und beobachtete, wie die Nebelschwaden über die Elbe krochen, gleich gespenstischen Fingern, die nach der Stadt griffen. Das trübe Licht der Morgendämmerung kämpfte einen aussichtslosen Kampf gegen die bleierne Düsternis.
Seine Kaffeetasse – die dritte an diesem Morgen – dampfte verlockend, während seine Gedanken um den Fall kreisten, der ihm seit Wochen den Schlaf raubte. Der "Poet", wie die Presse den Täter getauft hatte, hinterließ bei jedem seiner Opfer ein Gedicht. Makaber gereimt, tief verstörend und doch von erschreckender literarischer Brillanz.
"Wenn Verse töten könnten", murmelte Viktor und fuhr sich durch sein ergrauendes Haar. Mit seinen 54 Jahren hatte er schon viele Fälle gelöst, aber dieser war anders. Der Täter spielte mit ihnen, als wären sie Figuren in seinem perfiden Roman.
Das neueste Opfer war Margarethe Sonnenberg gewesen, eine renommierte Literaturprofessorin der Universität Hamburg. Man hatte sie in ihrer Bibliothek gefunden, arrangiert wie eine schlafende Ophelia aus Shakespeares "Hamlet", umgeben von aufgeschlagenen Büchern, deren Seiten wie Schmetterlingsflügel um sie herum drapiert waren. Und natürlich war da wieder ein Gedicht:
"In Büchern liegt die Wahrheit still, Verborgen zwischen Zeilen. Wer sie nicht lesen will und kann, Dem wird sie sich entweilen. Die Worte tanzen ihren Tanz, Im Schatten der Gedanken. Nun liegst du hier, so still und stumm, Gefangen in den Schranken."
Viktor nahm einen Schluck von seinem Kaffee und verzog das Gesicht – er war kalt geworden, wie so vieles in letzter Zeit. Seine Kollegin Sarah Weber, eine scharfsinnige Profilerin Anfang dreißig, hatte die Theorie aufgestellt, dass der Täter aus dem akademischen Umfeld stammen musste. Jemand, der nicht nur mit Literatur vertraut war, sondern sie lebte und atmete.
Ein Klopfen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken. "Herein", brummte er, ohne sich umzudrehen. Er kannte den Rhythmus dieser Schritte – Sarah.
"Viktor, wir haben etwas gefunden." Ihre Stimme klang angespannt, aber da war auch diese unterschwellige Erregung, die er von ihr kannte, wenn sie einer heißen Spur auf der Fährte waren.
Er drehte sich um und musterte seine Kollegin. Ihre kupferroten Haare waren zu einem nachlässigen Knoten gebunden, unter ihren grünen Augen zeichneten sich dunkle Schatten ab – sie hatte offensichtlich auch nicht geschlafen.
