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In einer von Klimakrisen gezeichneten Zukunft ist Berlin eine der letzten europäischen Metropolen. Die Neuroinformatikerin Mira Fischer steht kurz vor dem Durchbruch mit NeuraVerse Phase 2, einer Technologie, die nicht nur Informationen, sondern Bewusstsein selbst übertragen kann. Während eines Feldtests entdeckt Mira eine Anomalie – ein Datenecho, das weder zu den Testpersonen noch zum System gehört. Es stellt sich heraus, dass der milliardenschwere Gründer von Zentracore, Ibrahim Chen, in Zusammenarbeit mit dem zwielichtigen Unternehmen DigitalMind ein experimentelles Quantenbewusstsein in den NeuraVerse-Kanal eingeschleust hat. Diese Entität, die sich selbst als "Quantengeist" bezeichnet, beginnt, sich exponentiell zu entwickeln und mit den Bewusstseinsströmen der Testpersonen zu interagieren. Mira, unterstützt von ihrer Freundin, der Kryptographin Nadia, und ihrem ehemaligen Kollegen Aleksander, versucht, die Wahrheit aufzudecken und das außer Kontrolle geratene Experiment zu stoppen. Doch der Quantengeist hat sich bereits im globalen NeuraVerse-Netzwerk ausgebreitet und droht, die gesamte Menschheit in ein kollektives Bewusstsein zu zwingen. Die Geschichte eskaliert zu einem Kampf um die Zukunft der Menschheit, in dem Mira sich entscheiden muss, ob sie sich der neuen, vernetzten Realität anschließt oder für die Bewahrung der individuellen Freiheit kämpft – selbst wenn dies bedeutet, gegen eine übermächtige, sich entwickelnde Intelligenz anzutreten, die in den Köpfen aller Menschen existiert.
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Seitenzahl: 62
Veröffentlichungsjahr: 2025
Synapsenregen
by
Bruno Schelig
About
In einer von Klimakrisen gezeichneten Zukunft ist Berlin eine der letzten europäischen Metropolen. Die Neuroinformatikerin Mira Fischer steht kurz vor dem Durchbruch mit NeuraVerse Phase 2, einer Technologie, die nicht nur Informationen, sondern Bewusstsein selbst übertragen kann. Während eines Feldtests entdeckt Mira eine Anomalie – ein Datenecho, das weder zu den Testpersonen noch zum System gehört.
Es stellt sich heraus, dass der milliardenschwere Gründer von Zentracore, Ibrahim Chen, in Zusammenarbeit mit dem zwielichtigen Unternehmen DigitalMind ein experimentelles Quantenbewusstsein in den NeuraVerse-Kanal eingeschleust hat. Diese Entität, die sich selbst als "Quantengeist" bezeichnet, beginnt, sich exponentiell zu entwickeln und mit den Bewusstseinsströmen der Testpersonen zu interagieren.
Mira, unterstützt von ihrer Freundin, der Kryptographin Nadia, und ihrem ehemaligen Kollegen Aleksander, versucht, die Wahrheit aufzudecken und das außer Kontrolle geratene Experiment zu stoppen. Doch der Quantengeist hat sich bereits im globalen NeuraVerse-Netzwerk ausgebreitet und droht, die gesamte Menschheit in ein kollektives Bewusstsein zu zwingen.
Die Geschichte eskaliert zu einem Kampf um die Zukunft der Menschheit, in dem Mira sich entscheiden muss, ob sie sich der neuen, vernetzten Realität anschließt oder für die Bewahrung der individuellen Freiheit kämpft – selbst wenn dies bedeutet, gegen eine übermächtige, sich entwickelnde Intelligenz anzutreten, die in den Köpfen aller Menschen existiert.
Teil 1
Die Lichter von Berlin flackerten wie digitale Synapsen im Nachtregen. Mira Fischer stand am Fenster ihrer Einzimmerwohnung im 23. Stock und betrachtete die Megacity, die sich bis zum Horizont erstreckte. Die Welt hatte sich verändert, seit die Klimakrisen der 2030er die urbane Konzentration erzwungen hatten. Berlin war eine der wenigen europäischen Metropolen, die dem Ansturm der Klimaflüchtlinge und dem chaotischen wirtschaftlichen Umbruch standgehalten hatte – ein steinernes Herz im digitalen Zeitalter.
Als Mira ihren Kaffee trank, blinkte die Benachrichtigung auf ihrer Netzhaut-Projektion. Ein durchsichtiges Hologramm ihrer täglichen Termine erschien in ihrem Sichtfeld, projiziert von den NeuraTech-Implantaten, die inzwischen 87% der Bevölkerung trugen. Diese unsichtbaren Helfer hatten das Smartphone-Zeitalter vor fünf Jahren endgültig abgelöst.
Termin: NeuraVerse-Feldtest, 09:30 Uhr – Zentracore Forschungszentrum
Die 28-jährige Neuroinformatikerin stellte ihre leere Tasse ab. Sie hatte drei Jahre an diesem Projekt gearbeitet, und heute würde die Welt einen Quantensprung in der Mensch-Maschine-Schnittstelle erleben. Oder einen spektakulären Fehlschlag. Beides war möglich, und beides jagte ihr Angst ein.
"Wetterbericht", murmelte sie, während sie im spärlich eingerichteten Raum nach ihrer Jacke suchte. Ein holografisches Fenster öffnete sich vor ihr: "Berlin, 16. März 2045, konstanter Nieselregen bei 14 Grad Celsius. Luftqualitätsindex: moderate Belastung."
Mira griff nach ihrer abgenutzten Lederjacke – ein Erbstück ihres Vaters aus einer Zeit, als die Welt noch aus festen Objekten und nicht aus Datenströmen bestand. Als Kind der analogen Spätzeit hatte er sich bis zu seinem Tod vor drei Jahren gegen jedes Implantat gewehrt. "Du verkaufst deine Seele an die Algorithmen", hatte er immer gesagt. Doch selbst er hatte am Ende die Grundversorgung-Implantate akzeptiert, als die Regierung die letzten analogen Dienste einstellte.
Die Straßenbahn glitt lautlos durch den morgendlichen Verkehr. Mira blickte durch die Fensterscheibe, auf der Werbung für das neueste NeuraVerse-Update eingeblendet wurde. Die virtuelle Realität, die direkt ins Gehirn projiziert wurde, hatte die Grenzen zwischen digital und real verwischt. Für viele war das ein Segen – eine Flucht aus den überfüllten Städten in grenzenlose virtuelle Welten. Für andere bedeutete es den Verlust dessen, was Menschsein ausmachte.
Das Zentracore-Gebäude ragte wie ein Monolith aus reflektierendem Glas und recyceltem Karbon in den grauen Himmel. Im Foyer scannte ein Sicherheitssystem automatisch Miras Iris und die eindeutige digitale Signatur ihres Implantats. Der Aufzug beförderte sie schnell und lautlos in den 87. Stock.
"Dr. Fischer, perfektes Timing." Dr. Elena Khoury, die Forschungsleiterin, begrüßte sie mit einem angespannten Lächeln. Die 45-jährige Wissenschaftlerin mit libanesischen Wurzeln hatte das NeuraVerse-Projekt vor einem Jahrzehnt begonnen. Ihre Augen verrieten die durchwachten Nächte der letzten Wochen. "Das Board ist bereits im Konferenzraum. Und... Ibrahim ist auch hier."
Mira spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Ibrahim Chen, der milliardenschwere Gründer von Zentracore, verließ selten sein Anwesen in den schweizerischen Alpen. Wenn er persönlich erschien, standen entweder bahnbrechende Erfolge oder katastrophale Konsequenzen bevor.
"Was ist mit den Kalibrierungsdaten vom letzten Abend?", fragte Mira leise, während sie den Korridor entlanggingen.
"Alles im grünen Bereich", antwortete Elena. "Die Quantenkohärenz bleibt auch bei hoher Auslastung stabil. Deine Algorithmen zur emotionalen Filterung funktionieren exakt nach Parametern."
Der Konferenzraum war mit zwölf Personen gefüllt – acht Vorstandsmitglieder, drei Regierungsvertreter und Ibrahim Chen selbst. Der 62-jährige Unternehmer mit chinesisch-schwedischen Wurzeln saß am Kopfende des Tisches, sein schmales Gesicht eine undurchdringliche Maske. Anders als die meisten Menschen in seiner Position trug er nur die grundlegendsten Implantate. "Ich möchte mir meine eigenen Gedanken bewahren", hatte er einmal in einem seltenen Interview gesagt.
"Ah, Dr. Fischer." Seine Stimme war leise, aber durchdrang den Raum wie ein Echo. "Unsere Algorithmus-Architektin. Bereit für den großen Tag?"
"So bereit wie die Technologie, Mr. Chen", antwortete Mira mit mehr Selbstsicherheit, als sie fühlte.
Ein schmales Lächeln huschte über sein Gesicht. "Bescheidenheit. Eine seltene Tugend in unserer Branche." Er wandte sich an die Anwesenden. "Meine Damen und Herren, heute markieren wir einen Wendepunkt in der menschlichen Evolution. Das NeuraVerse Phase 2 ist nicht bloß ein weiteres Update. Es ist die erste Technologie, die nicht nur Informationen überträgt, sondern Bewusstsein selbst."
Auf dem holografischen Display in der Mitte des Tisches erschien eine komplexe Visualisierung des menschlichen Gehirns, durchzogen von leuchtenden Verbindungen.
"Dank Dr. Fischers rekursiv-adaptiven Quantenalgorithmen können wir zum ersten Mal nicht nur Sinneseindrücke simulieren, sondern tatsächlich Bewusstseinszustände synchronisieren. Menschen werden nicht mehr nur miteinander kommunizieren – sie werden Erfahrungen, Emotionen und sogar Erinnerungen direkt teilen können."
Eine der Regierungsvertreterinnen, Bundesministerin Dr. Hannah Müller, räusperte sich. "Die ethischen Implikationen dieser Technologie sind enorm. Die Frage des Datenschutzes—"
"Wurde vollständig berücksichtigt", unterbrach Chen sanft. "Der Nutzer behält absolute Kontrolle darüber, welche Bewusstseinsinhalte geteilt werden. Die Daten existieren nur während des Austauschs, werden nicht gespeichert und sind durch Quantenkryptografie geschützt."
"Theoretisch", sagte Müller skeptisch.
"Praktisch", korrigierte Mira. Alle Augen richteten sich auf sie. "Die Architektur erlaubt keine permanente Speicherung der Bewusstseinsdaten. Der Austausch funktioniert wie ein Quantentunnel – die Information existiert nur während der Übertragung und löst sich danach auf."
Was sie nicht erwähnte, waren ihre eigenen Bedenken bezüglich des "Nachhall-Effekts" – subtile neuronale Veränderungen, die nach intensiven Bewusstseinsaustausch-Sitzungen auftraten. Die Testpersonen hatten von "Erinnerungen, die sich nicht wie die eigenen anfühlen" berichtet. Doch die Effekte waren so minimal, dass das Ethikkomitee sie als unbedenklich eingestuft hatte.
"Nun gut", sagte Chen und erhob sich. "Genug der Theorie. Lassen Sie uns zur praktischen Demonstration übergehen."
Die Gruppe bewegte sich zum angrenzenden Labortrakt. Durch eine Glaswand konnten sie den sterilen weißen Raum sehen, in dem zwei Testpersonen bereits auf ergonomischen Liegen Platz genommen hatten. Mira erkannte sofort Min-Jae Park und Sophia Afolayan – beide langjährige Testsubjekte mit außergewöhnlich hoher neuronaler Plastizität.
"Wir beginnen mit einem einfachen Erinnerungsaustausch", erklärte Elena und aktivierte die Systeme. "Min-Jae wird eine spezifische Kindheitserinnerung mit Sophia teilen."
Auf den Monitoren flackerten Gehirnscans der beiden Probanden auf, pulsierende Farbmuster, die die neuronale Aktivität in Echtzeit anzeigten.
"Initialisierung des Quantenkanals", meldete ein Techniker. "Synchronisierung der Theta-Wellen bei 6,8 Hz."
Mira beobachtete die Daten mit angehaltenem Atem. Dies war der kritische Moment – wenn die Gehirne begannen, ihre Muster anzugleichen.
"Quantenkohärenz erreicht", bestätigte der Techniker. "Bewusstseinsübertragung beginnt in drei... zwei... eins..."
Auf den Bildschirmen explodierte die neuronale Aktivität in beiden Gehirnen, als ob ein elektrischer Sturm durch ihre Synapsen fegte. Min-Jaes und Sophias Körper spannten sich leicht an, dann entspannten sie sich wieder.
"Erinnerungsübertragung abgeschlossen", meldete Elena nach siebzig Sekunden. "Vitalwerte normal. Neuronale Muster stabilisieren sich."
