Echo der Ewigkeit - Bruno Schelig - E-Book

Echo der Ewigkeit E-Book

Bruno Schelig

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Beschreibung

In diesem fesselnden dritten Teil von Bruno Scheligs "Chroniken des Weltenbaums" wird die Vampirin Lilith vor ihre bisher größte Herausforderung gestellt. Nach ihren Siegen gegen mächtige Gegner wie Xal'toroth und Nyarlathotep scheint endlich Frieden in Sicht – doch das Gleichgewicht der Welten ist fragiler denn je. Als die geheimnisvolle Echidna, die "Mutter der Monster", Lilith eine verstörende Warnung überbringt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Ein uraltes Wesen, älter als der Weltenbaum selbst, droht zu erwachen und alle Realitäten in Chaos zu stürzen. Seine Anhänger sind bereits auf der Suche nach einem legendären Artefakt, das als Schlüssel zu seiner Befreiung dienen soll. Gemeinsam mit dem zurückgekehrten Dämonenfürsten Azazel, der ehemaligen Königin Mara und dem rätselhaften Krieger Kael begibt sich Lilith auf eine gefährliche Reise. Ihr Weg führt sie durch die enigmatische Schattenstadt, wo ein riskanter Pakt mit dem durchtriebenen Mephisto sie zur vergessenen Welt Eridian bringt – einem Ort voller uralter Magie und verborgener Geheimnisse. Die Zeit rinnt ihnen durch die Finger, während die Kultisten des Äußeren Chaos ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheinen. Und während Lilith tiefer in die Geheimnisse des Weltenbaums eintaucht, muss sie sich fragen, ob ihre eigene Bestimmung als Erbin des Baumes sie zur Retterin macht – oder zum Werkzeug für etwas weit Dunkleres. Was als Suche nach einem mystischen Artefakt beginnt, entwickelt sich zu einem epischen Kampf um das Schicksal aller Welten. Doch der wahre Preis für den Sieg könnte höher sein, als Lilith je zu zahlen bereit war...

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 147

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Echo der Ewigkeit

Chroniken des Weltenbaums

Part 3

by

Bruno Schelig

Chroniken des Weltenbaums

Schattenblut

Kuss des Chaos

Echo der Ewigkeit

About

In "Echo der Ewigkeit", dem dritten Teil der "Chroniken des Weltenbaums" von Bruno Schelig, setzt sich die Geschichte um Lilith, die Erbin des Weltenbaums, und ihren Gefährten Azazel fort.

Nach ihren Siegen gegen Xal'toroth und Nyarlathotep wird Lilith von einer mysteriösen Erscheinung namens Echidna kontaktiert. Diese warnt sie vor Azathoth - dem "blinden idiotischen Gott" im Zentrum des Chaos - der zu erwachen droht. Kultisten des Äußeren Chaos suchen nach drei Fragmenten eines Schlüssels, um ein Portal zu Azathoths Domäne zu öffnen.

Mit ihren Gefährten Azazel, Mara und Kael reist Lilith zur Schattenstadt, wo sie einen gefährlichen Handel mit dem Dämonenfürsten Mephisto eingeht: einen Tropfen ihres Blutes gegen Informationen über Eridian, eine uralte Welt, wo das erste Fragment des Schlüssels - die "Träne des Ersten" - verborgen liegt.

In Eridian trifft die Gruppe auf ein blauhäutiges Volk, das in Harmonie mit dem Weltenbaum lebt. Sie erfahren, dass die Kultisten bereits ein Ritual begonnen haben, um die Träne zu aktivieren. In einem dramatischen Kampf im Tempel gelingt es Lilith, das entstehende Portal zu schließen und die Träne zu sichern.

Bei ihrer Rückreise sabotiert Mephisto das Portal. Die Gruppe wird getrennt: Lilith landet in Mephistos Reich, wo er enthüllt, dass ihre Begegnung mit Azathoth sie verändert hat - sie trägt nun eine Dualität in sich und könnte eine Brücke zwischen Ordnung und Chaos werden.

Nach ihrer Rettung durch Azazel kehren beide zum Weltenbaum zurück. Dort bestätigen die Hüter Liliths Veränderung und enthüllen, dass ihre Freunde in verschiedenen Welten gestrandet sind: Mara in der technologischen Welt Midatria und Kael in Avantyr, der verbotenen Welt der Traumweber.

Die Geschichte endet mit Lilith und Azazel, die aufbrechen, um ihre Freunde zu retten, während Mephisto im Hintergrund weiter seine Pläne verfolgt - und Liliths neues Potenzial sowohl als Bedrohung als auch als Chance erscheint.

Prolog

In der Dunkelheit zwischen den Sternen wartet eine Macht, älter als die Zeit selbst. Sie hat den Fall Xal'toroths gesehen. Sie hat beobachtet, wie Nyarlathotep zurückgedrängt wurde. Sie hat die Erbin des Weltenbaums und den zurückgekehrten Dämon lange studiert. Und nun ist die Zeit gekommen, ihre eigenen Fäden zu spinnen. Denn das Gleichgewicht ist immer noch fragil, und der Weltenbaum selbst beginnt zu flüstern. Ein Echo der Ewigkeit erwacht...

Kapitel 1: Der Widerhall der Vergangenheit

Die beiden Monde warfen ein bleiches Licht auf die Oberfläche des stillen Sees. Es war ein unheimliches Licht, ein Licht, das die Welt nicht erhellte, sondern sie vielmehr in tiefere Schatten tauchte. Die Wasser spiegelten die Himmelskörper wider, zwei perfekte silberne Kreise, die auf der dunklen Fläche zu schweben schienen.

Lilith stand am Ufer, ihre Silhouette scharf gegen das mondbeschienene Wasser abgezeichnet. Der Wind spielte mit ihrem dunklen Haar, und in ihren Augen spiegelte sich ein Feuer, das nicht von dieser Welt stammte. Sie war völlig regungslos, eine Statue aus Alabaster und Schatten, eine Erscheinung aus einer längst vergangenen Zeit.

Hinter ihr, nur wenige Schritte entfernt, stand Azazel. Seine Präsenz war überwältigend, ein Nachhall einer Macht, die kein sterblicher Geist vollständig erfassen konnte. Seine Augen glühten wie geschmolzenes Gold, und seine Flügel, halb ausgebreitet, bildeten einen dunklen Bogen gegen den nächtlichen Himmel.

Seit seiner Rückkehr waren sechs Mondwechsel vergangen. Sechs Mondwechsel, in denen Lilith zwischen ungläubiger Freude und tiefer Verunsicherung schwankte. Es war Azazel, ja – aber war es wirklich ihr Azazel? Derjenige, der für sie gestorben war, dessen Verlust sie fast vernichtet hatte?

"Ich höre deine Gedanken, Lilith", sagte er plötzlich, seine Stimme wie ferner Donner. "Sie sind laut wie das Rauschen des Meeres."

Lilith drehte sich nicht um. "Dann weißt du auch, dass ich noch immer zweifle."

Ein leises Lachen entrang sich seiner Kehle. "Zweifel sind die Essenz des Lebens. Nur die Dummen und die Toten zweifeln nicht."

Jetzt wandte sie sich zu ihm um. "Was geschah mit dir? In der Dunkelheit? Als du..." Sie konnte das Wort nicht aussprechen. Tot. Verschwunden. Verloren.

Azazel trat näher und hob sanft ihr Kinn an. Seine Berührung war warm, lebendig – nicht die kalte Berührung eines Phantoms oder einer Täuschung.

"Die Dunkelheit ist nicht das Ende, Lilith. Sie ist ein Übergang, eine Transformation. Ich war nicht fort – ich war überall. Ich war im Rauschen des Windes, im Flüstern der Blätter, in den Träumen der Sterblichen und in den Alpträumen der Götter." Seine Augen bohrten sich in die ihren. "Und ich war immer bei dir."

Eine einzelne blutrote Träne rollte über Liliths Wange. "Ich habe dich betrauert. Ich habe nach Rache gesucht. Ich habe dich vermisst, so sehr, dass es sich anfühlte, als würde meine Seele in Stücke gerissen."

"Ich weiß." Azazels Stimme wurde sanfter. "Und es war deine Liebe, dein unerbittlicher Wille, der mir die Kraft gab, zurückzukehren. Der Weltenbaum hat mich nicht zurückgebracht, Lilith. Das warst du."

Ein Schauer lief durch ihren Körper. Der Weltenbaum. Seit sie den Stern von Lyria benutzt hatte, um Nyarlathotep zu besiegen, hatte sie seine Präsenz stärker gespürt als je zuvor. Er flüsterte in ihren Träumen, zeigte ihr Visionen von Welten und Möglichkeiten, die jenseits ihres Verständnisses lagen. Sie war seine Erbin, aber was bedeutete das wirklich?

"Der Weltenbaum wird unruhig", sagte sie leise, als hätte sie Angst, dass er sie hören könnte. "Er zeigt mir Dinge... Dinge, die keine Sterbliche sehen sollte."

Azazel nickte langsam. "Der Große Krieg ist nicht vorbei. Xal'toroth mag besiegt sein, Nyarlathotep zurückgedrängt, aber sie waren nur Symptome einer tieferen Krankheit."

Lilith blickte wieder auf den See. Die Oberfläche kräuselte sich leicht, obwohl kein Wind wehte. "Ich fühle es. Eine Verschiebung in den Grundfesten der Realität. Als würde etwas Altes erwachen, etwas, das seit Äonen geschlummert hat."

"Wir sollten zurückgehen", sagte Azazel. "Lucian und Mara warten auf uns. Sie haben Neuigkeiten von den Grenzen."

Lilith nickte, doch bevor sie sich abwenden konnte, hielt sie inne. Die Wasseroberfläche des Sees begann stärker zu wogen, nicht mehr bloß ein leichtes Kräuseln, sondern ein rhythmisches Auf und Ab, als würde etwas Gewaltiges von unten gegen sie drücken.

"Azazel..."

Er trat neben sie, seine Muskeln spannten sich an, bereit zum Kampf.

Die Wasseroberfläche teilte sich plötzlich, und eine Gestalt erhob sich aus der Tiefe. Es war eine Frau – oder zumindest etwas, das die Form einer Frau angenommen hatte. Ihre Haut schimmerte wie Perlmutt, und ihr Haar bewegte sich wie Seegras in einer unsichtbaren Strömung. Ihre Augen waren leer, zwei schwarze Abgründe, die alles Licht zu verschlingen schienen.

"Erbin des Weltenbaums", sprach die Erscheinung, ihre Stimme ein Flüstern, das gleichzeitig von überall und nirgendwo zu kommen schien. "Die Zeit der Prüfung ist gekommen."

Lilith trat einen Schritt vor, ihre Vampirkräfte erwachten, bereit, sich dieser neuen Bedrohung zu stellen. "Wer bist du?"

Die Frau lächelte, ein kaltes, unmenschliches Lächeln. "Ich bin Echidna, die Mutter der Monster, die Hüterin der verbotenen Wege. Ich bin gekommen, um dir eine Warnung zu überbringen."

Azazel knurrte, ein tiefes, drohendes Geräusch, das die Luft vibrieren ließ. "Eine Warnung? Oder eine Drohung?"

Echidna ignorierte ihn, ihre leeren Augen blieben auf Lilith gerichtet. "Der Alte erwacht, Erbin. Derjenige, der vor dem Weltenbaum war, der die ersten Samen der Schöpfung pflanzte und sie dann dem Verderben überließ. Er hat deinen Aufstieg zur Macht beobachtet, und er ist... unzufrieden."

Ein kalter Schauer lief Lilith über den Rücken. "Von wem sprichst du?"

"Seinen Namen auszusprechen würde bedeuten, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Und das willst du nicht, Erbin. Noch nicht. Du bist nicht bereit." Echidna hob eine Hand, und in ihrer Handfläche bildete sich eine kleine, wirbelnde Sphäre aus Wasser und Licht. "Aber du musst dich vorbereiten. Die Zeit der Idylle ist vorbei."

Sie blies sanft auf die Sphäre, und sie löste sich in tausend winzige Lichtpunkte auf, die wie Glühwürmchen durch die Luft tanzten. Die Lichtpunkte umkreisten Lilith, zogen sich zu ihr hin wie Motten zur Flamme.

"Was machst du?", fragte Lilith scharf, während sie versuchte, den Lichtpunkten auszuweichen. Doch sie waren zu schnell, zu zahlreich. Sie drängten sich an sie, drangen durch ihre Haut, verschwanden in ihrem Körper.

Ein brennender Schmerz durchfuhr sie, und sie schrie auf. Es fühlte sich an, als würde flüssiges Feuer durch ihre Adern fließen, als würde jeder Nerv in ihrem Körper gleichzeitig in Flammen stehen.

Azazel stürzte sich mit einem wütenden Brüllen auf Echidna, seine Klauen ausgestreckt, bereit zuzustoßen. Doch die Frau löste sich in Wasser auf, zerfiel zu Tropfen, die wieder in den See zurücksanken.

"Das", hallte ihre Stimme über das Wasser, "ist ein Geschenk und ein Fluch zugleich, Erbin. Die Erinnerungen der Ersten. Sie werden dir den Weg weisen... wenn sie dich nicht vorher in den Wahnsinn treiben."

Dann war sie verschwunden, und der See lag wieder still und friedlich da, als wäre nichts geschehen.

Lilith sank auf die Knie, ihr Körper zitterte unkontrollierbar. Die Lichtpunkte in ihr pulsierten, verschmolzen mit ihrem Blut, ihrer Essenz, wurden zu einem Teil von ihr.

"Lilith!" Azazel kniete neben ihr, seine Hände schwebten unsicher über ihrem Körper, nicht sicher, wie er ihr helfen konnte. "Was hat sie dir angetan?"

Lilith konnte nicht antworten. Ihr Geist wurde überflutet von Bildern, Geräuschen, Gerüchen, Gefühlen – Erinnerungen, die nicht ihre eigenen waren. Sie sah Welten entstehen und vergehen. Sie sah den Weltenbaum als winzigen Setzling, gepflegt von Händen, die älter waren als die Sterne. Sie sah Wesen von solcher Macht und Schönheit, dass ihr Verstand kaum begreifen konnte, was sie sah.

Und sie sah etwas anderes. Etwas Schreckliches.

Eine Dunkelheit, die älter war als das Licht selbst. Eine Dunkelheit, die darauf wartete, wieder in die Welten einzudringen, sie zu verschlingen, sie zu einem Teil ihrer endlosen Leere zu machen.

"Er kommt", flüsterte sie, ihre Stimme kaum hörbar. "Azathoth kommt."

Dann brach sie zusammen, und Dunkelheit umfing sie.

Als Lilith wieder zu sich kam, lag sie in einem Bett in Lucians Zitadelle. Die steinernen Wände waren mit kunstvollen Wandteppichen behängt, die Szenen aus der Geschichte der Welten darstellten. Durch die hohen Bogenfenster drang das goldene Licht der Morgensonne, und der Duft von Heilkräutern und frischen Blumen hing in der Luft.

Neben ihrem Bett saßen Azazel und Mara. Mara, die ehemalige Königin, hatte sich in den Monaten seit ihrer Befreiung verändert. Ihr rotes Haar war länger geworden und zu komplizierten Zöpfen geflochten, die mit kleinen Edelsteinen und Amuletten geschmückt waren. Ihre einst so blasse Haut hatte einen gesunden Glanz angenommen, und in ihren Augen lag eine neue Stärke, ein neuer Sinn.

"Sie ist wach", sagte Mara leise, als sie bemerkte, dass Lilith die Augen geöffnet hatte.

Azazel sprang auf, seine Bewegungen so schnell, dass sie für ein menschliches Auge kaum sichtbar gewesen wären. "Lilith", sagte er, seine Stimme rau vor unterdrückter Emotion. "Wie fühlst du dich?"

Lilith versuchte sich aufzusetzen, doch ihr Kopf pochte schmerzhaft, und ihr Körper fühlte sich schwer und fremd an. "Als hätte ich versucht, mit einem Drachen um einen Goldschatz zu kämpfen", murmelte sie.

Ein schwaches Lächeln huschte über Azazels Gesicht. "Du warst drei Tage bewusstlos. Wir dachten schon..." Er brach ab, unfähig, die Worte auszusprechen.

"Was ist passiert?", fragte Lilith. Die Erinnerungen an die Begegnung am See waren verschwommen, wie ein Traum, der bei Tagesanbruch verblasst.

"Das wollten wir dich fragen", sagte Mara und reichte Lilith einen Becher mit einer dampfenden Flüssigkeit. "Trink. Es ist ein Stärkungstrank."

Lilith nahm einen Schluck. Die Flüssigkeit schmeckte bitter und süß zugleich, und sie spürte sofort, wie sie ihre Sinne klärte und ihre Kraft zurückkehrte.

"Da war eine Frau im See", begann sie langsam. "Sie nannte sich Echidna. Sie sagte, sie sei die Mutter der Monster, die Hüterin der verbotenen Wege. Sie hat mir... etwas gegeben. Erinnerungen, sagte sie. Die Erinnerungen der Ersten."

Mara und Azazel tauschten beunruhigte Blicke aus.

"Echidna", wiederholte Mara nachdenklich. "In alten Legenden wird sie als ein Wesen beschrieben, halb Frau, halb Schlange, die Mutter vieler Ungeheuer. Aber ich dachte immer, sie sei nur eine Mythe."

"Mythen haben oft einen wahren Kern", sagte eine neue Stimme von der Tür her.

Lucian trat ein, sein Gesicht ernst. Der mächtige Magier trug eine einfache, dunkelgraue Robe, die im Kontrast zu seinen weißen Haaren stand. In seinen Händen hielt er ein altes, in Leder gebundenes Buch.

"Ich habe in den alten Aufzeichnungen nachgeforscht", sagte er, während er näher trat. "Echidna ist real, aber sie ist kein einfaches Monster. Sie ist eine der Uralten, eine der Ersten, die existierten, bevor der Weltenbaum gepflanzt wurde."

Er setzte sich auf einen Stuhl am Fußende des Bettes und schlug das Buch auf. Die Seiten waren aus einem dünnen, pergamentartigen Material, und die Schrift darauf war in einer alten, kaum lesbaren Sprache verfasst.

"Hier steht, dass Echidna einst eine Dienerin der Älteren Götter war, der Wesen, die vor unserer Zeit herrschten. Sie wurde verbannt, als sie versuchte, ihre eigene Macht zu etablieren, ihre eigenen Kreaturen zu erschaffen."

Lilith runzelte die Stirn. "Sie sagte, sie sei gekommen, um mich zu warnen. Vor etwas, das sie nicht beim Namen nennen wollte. Etwas, das älter ist als der Weltenbaum selbst."

Lucian nickte grimmig. "Azathoth", sagte er leise, als fürchte er sich, den Namen laut auszusprechen. "Das blinde, idiotische Chaos im Zentrum aller Dinge. Der Ur-Dämon, der schlafend im Zentrum des Universums liegt, umgeben von wahnsinnigen Flötenspielern, die ihn in seinem endlosen Schlummer halten."

Ein kalter Schauer lief Lilith über den Rücken. Der Name hatte eine Resonanz in ihr, wie ein Echo aus einer vergessenen Zeit. "Sie sagte, er erwacht. Und er ist... unzufrieden mit meinem Aufstieg zur Macht."

"Wenn Azathoth erwacht", sagte Azazel düster, "dann wird das Ende aller Dinge kommen. Das Universum selbst wird in Chaos und Wahnsinn zerfallen."

"Aber warum sollte er jetzt erwachen?", fragte Mara. "Nach all den Äonen des Schlafes?"

Lilith dachte nach, versuchte, die fremden Erinnerungen in ihrem Kopf zu sortieren. Es war, als würde sie in einem dunklen Raum nach einem bestimmten Gegenstand suchen, ohne zu wissen, wonach genau sie suchte.

"Es hat mit dem Gleichgewicht zu tun", sagte sie schließlich. "Mit dem Kampf gegen Xal'toroth und Nyarlathotep. Mit dem Weltenbaum und... mit mir."

Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf die fremden Erinnerungen, versuchte, sie zu greifen, zu verstehen. Bilder blitzten vor ihrem inneren Auge auf: eine uralte Stadt aus schwarzem Stein, die unter einem fremden, violetten Himmel stand; ein Ritual, bei dem neun Magier in einem Kreis standen, ihre Hände erhoben, während in der Mitte des Kreises ein Objekt von unbeschreiblicher Schönheit und Schrecken pulsierte; und dann... ein Riss in der Realität selbst, ein Tor zu einem Ort jenseits aller bekannten Dimensionen.

"Der Schlüssel", flüsterte sie. "Sie suchen den Schlüssel, um das Tor zu öffnen. Das Tor zu Azathoths Domäne."

"Wer sind 'sie'?", fragte Lucian scharf.

"Die Kultisten des Äußeren Chaos", antwortete Lilith, die Worte kamen automatisch über ihre Lippen, als würde jemand anderes durch sie sprechen. "Die Diener der Vergessenen Götter. Sie glauben, dass die Rückkehr Azathoths eine neue Ära des Chaos und der Freiheit einleiten wird. Sie verstehen nicht, dass es das Ende von allem sein wird."

Sie öffnete die Augen und blickte die anderen an. "Wir müssen sie aufhalten. Wir müssen den Schlüssel finden, bevor sie es tun."

"Und was ist dieser Schlüssel?", fragte Mara.

Wieder konzentrierte sich Lilith auf die fremden Erinnerungen, versuchte, mehr Details zu erfassen. Aber es war schwierig, wie der Versuch, Wasser mit bloßen Händen zu fassen.

"Es ist ein Artefakt", sagte sie schließlich. "Etwas, das in den ersten Tagen der Schöpfung erschaffen wurde, als die Grenzen zwischen den Dimensionen noch fließend waren. Es wurde versteckt, aufgeteilt in drei Teile und in verschiedenen Welten verborgen. Keiner sollte alle Teile jemals wieder zusammenfügen können."

Lucian schloss das Buch in seinen Händen und stand auf. "Wir müssen mehr erfahren. Über diesen Schlüssel, über die Kultisten, über ihre Pläne."

Er ging zum Fenster und blickte hinaus auf die schwebenden Inseln seiner Zitadelle. Die Morgensonne tauchte alles in ein goldenes Licht, ein scharfer Kontrast zu der düsteren Bedrohung, die sich am Horizont zusammenbraute.

"Ich werde mein Netzwerk von Spionen aktivieren", sagte er, ohne sich umzudrehen. "Wenn irgendwo in den Welten etwas Ungewöhnliches geschieht, werden wir es erfahren."

Azazel nickte. "Ich habe noch Verbindungen in den unteren Ebenen. Gerüchte, Geheimnisse, verbotenes Wissen – all das fließt durch die Korridore der Hölle. Ich werde sehen, was ich finden kann."

Mara legte eine Hand auf Liliths Arm. "Du solltest dich ausruhen. Diese... Erinnerungen haben dich geschwächt. Du brauchst Zeit, um sie zu verarbeiten, zu verstehen."

Lilith schüttelte den Kopf. "Zeit ist das, was wir nicht haben. Wenn Azathoth erwacht, wird es für uns alle kein Morgen mehr geben."

Mit einer Anstrengung, die mehr aus Willenskraft als aus körperlicher Stärke resultierte, schwang sie die Beine aus dem Bett und stand auf. Für einen Moment schwankte sie, doch dann festigte sich ihr Stand.

"Wir beginnen sofort", sagte sie, ihre Stimme fest und entschlossen. "Die Suche nach dem Schlüssel."

Die Bibliothek der Zitadelle war ein gewaltiger Raum, der sich über mehrere Etagen erstreckte. Regale aus dunklem Holz, so hoch, dass man Leitern brauchte, um die oberen Fächer zu erreichen, standen dicht an dicht, gefüllt mit Büchern, Schriftrollen, Karten und anderen Dokumenten aus allen bekannten und manchen vergessenen Welten.

Lilith saß an einem massiven Tisch in der Mitte der Bibliothek, umgeben von Stapeln alter Bücher und vergilbter Pergamente. Sie hatte die letzten Stunden damit verbracht, jeden Text zu durchsuchen, der etwas über Azathoth, die Kultisten des Äußeren Chaos oder den mysteriösen Schlüssel enthielt.

Die fremden Erinnerungen in ihrem Kopf waren ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gaben sie ihr Zugang zu Wissen, das seit Äonen verloren war. Andererseits waren sie chaotisch, unvollständig und oft verwirrend. Es war, als würde sie versuchen, ein Puzzle zusammenzusetzen, bei dem die Hälfte der Teile fehlte und die andere Hälfte zu einem völlig anderen Bild gehörte.