Elonora - Bruno Schelig - E-Book

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Bruno Schelig

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Beschreibung

Wien, Gegenwart: Eleonora Deveraux, eine talentierte Restauratorin historischer Gemälde, wird von dem mysteriösen Vampir Valerian in eine Kreatur der Nacht verwandelt. Überwältigt von ihren neuen Kräften und dem unstillbaren Durst nach Blut, muss sie sich in einer verborgenen Welt zurechtfinden, die von uralten Gesetzen, rivalisierenden Blutlinien und einem mächtigen Rat der Vampire beherrscht wird. Valerian, ihr Schöpfer, hat gegen die Regeln des Rates verstoßen, indem er sie ohne Erlaubnis verwandelte. Eleonora wird vor den Rat gestellt und muss sich Prüfungen unterziehen, um ihre Würdigkeit zu beweisen. Während sie lernt, ihre Instinkte zu kontrollieren und die Geheimnisse ihrer neuen Existenz zu ergründen, entdeckt sie eine Welt voller verborgener Kunstschätze, uralter Mysterien und gefährlicher Verschwörungen. Als Valerian für seine Taten bestraft wird, wird Eleonora unter die Obhut der mächtigen Vampirin Cassandra gestellt. Gemeinsam mit Cassandra und deren Gefährten Lucian taucht Eleonora tiefer in die Geschichte der Vampire ein, entdeckt die verschiedenen Blutlinien und ihre besonderen Fähigkeiten. Sie lernt, dass die Vampirgesellschaft ein komplexes Geflecht aus Macht, Intrigen und Traditionen ist, das im Schatten der menschlichen Welt existiert. Doch Eleonora ist nicht bereit, ihre Menschlichkeit und ihre Leidenschaft für Kunst aufzugeben. Sie findet einen Weg, ihre neue Existenz mit ihrer alten Berufung zu verbinden, indem sie zur Bewahrerin verborgener Meisterwerke wird. Ihre Fähigkeiten als Restauratorin eröffnen ihr den Zugang zu geheimen Sammlungen und uralten Geheimnissen, die in den Kunstwerken verborgen sind. Als ein Diebstahl im Kunsthistorischen Museum die Existenz der Vampire bedroht, wird Eleonora in einen Strudel aus Verrat und Verschwörung gezogen. Sie muss sich entscheiden, wem sie vertrauen kann und welche Rolle sie in dieser neuen Welt spielen will. Wird sie ihre Menschlichkeit bewahren oder den Verlockungen der Dunkelheit erliegen?

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Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Elonora:

Chronik der Nacht

by

Bruno Schelig

About

Wien, Gegenwart: Eleonora Deveraux, eine talentierte Restauratorin historischer Gemälde, wird von dem mysteriösen Vampir Valerian in eine Kreatur der Nacht verwandelt. Überwältigt von ihren neuen Kräften und dem unstillbaren Durst nach Blut, muss sie sich in einer verborgenen Welt zurechtfinden, die von uralten Gesetzen, rivalisierenden Blutlinien und einem mächtigen Rat der Vampire beherrscht wird.

Valerian, ihr Schöpfer, hat gegen die Regeln des Rates verstoßen, indem er sie ohne Erlaubnis verwandelte. Eleonora wird vor den Rat gestellt und muss sich Prüfungen unterziehen, um ihre Würdigkeit zu beweisen. Während sie lernt, ihre Instinkte zu kontrollieren und die Geheimnisse ihrer neuen Existenz zu ergründen, entdeckt sie eine Welt voller verborgener Kunstschätze, uralter Mysterien und gefährlicher Verschwörungen.

Als Valerian für seine Taten bestraft wird, wird Eleonora unter die Obhut der mächtigen Vampirin Cassandra gestellt. Gemeinsam mit Cassandra und deren Gefährten Lucian taucht Eleonora tiefer in die Geschichte der Vampire ein, entdeckt die verschiedenen Blutlinien und ihre besonderen Fähigkeiten. Sie lernt, dass die Vampirgesellschaft ein komplexes Geflecht aus Macht, Intrigen und Traditionen ist, das im Schatten der menschlichen Welt existiert.

Doch Eleonora ist nicht bereit, ihre Menschlichkeit und ihre Leidenschaft für Kunst aufzugeben. Sie findet einen Weg, ihre neue Existenz mit ihrer alten Berufung zu verbinden, indem sie zur Bewahrerin verborgener Meisterwerke wird. Ihre Fähigkeiten als Restauratorin eröffnen ihr den Zugang zu geheimen Sammlungen und uralten Geheimnissen, die in den Kunstwerken verborgen sind.

Als ein Diebstahl im Kunsthistorischen Museum die Existenz der Vampire bedroht, wird Eleonora in einen Strudel aus Verrat und Verschwörung gezogen. Sie muss sich entscheiden, wem sie vertrauen kann und welche Rolle sie in dieser neuen Welt spielen will. Wird sie ihre Menschlichkeit bewahren oder den Verlockungen der Dunkelheit erliegen?

Kapitel 1: Aus der Dunkelheit geboren

Der Schmerz kam wie eine Flut. Er durchströmte jede Zelle meines Körpers, jede Faser meines Seins. Es war, als ob flüssiges Feuer durch meine Adern gepumpt würde, als ob mein Blut durch etwas Fremdes, etwas Dunkles ersetzt würde. Mein letzter menschlicher Atemzug war ein erstickter Schrei, der in der Dunkelheit der Nacht verhallte.

Ich erinnere mich an seine Augen. Tief wie Seen aus schwarzem Wasser, in denen die Jahrhunderte wie eine unheilvolle Verheißung schimmerten. Er nannte sich Valerian, und seine Stimme klang wie das sanfte Rascheln alter Pergamente, als er mir ins Ohr flüsterte: "Dies ist kein Ende, Eleonora. Es ist nur der Anfang deiner wahren Existenz."

Mein Name ist Eleonora Deveraux. Ich war siebenundzwanzig Jahre alt, als ich starb. Das war vor drei Nächten.

Die Verwandlung begann in einem verlassenen Palast am Rande der Altstadt von Wien. Die Wände waren mit verblassten Fresken bedeckt, die einst die Triumphe längst vergessener Adliger darstellten. Ich erinnere mich an den modrigen Geruch jahrhundertealten Staubes, an das Mondlicht, das durch die zerbrochenen Fenster fiel und gespenstische Muster auf den Marmorboden zeichnete. In diesem verfallenen Prunk hatte Valerian mich gefunden – oder vielmehr ausgewählt, wie er später sagte.

Als Restauratorin für historische Gemälde hatte ich Zugang zu Orten bekommen, die der Öffentlichkeit verschlossen blieben. Der alte Palast sollte mein nächstes Projekt werden. Stattdessen wurde er mein Grab.

Das Erwachen war wie ein Schock. Plötzlich durchbrach mein Bewusstsein eine Schicht aus Dunkelheit, so wie ein Schwimmer die Wasseroberfläche durchbricht. Ich schnappte nach Luft – aus Gewohnheit, nicht aus Notwendigkeit. Meine Lungen füllten sich, doch sie verlangten nicht danach. Wie ein leeres Ritual, dessen Bedeutung vergessen wurde.

"Dein Körper erinnert sich noch an das Menschsein," sagte eine Stimme aus der Dunkelheit. Valerian. Er saß am Fenster eines Zimmers, das ich noch nie zuvor gesehen hatte. Ein eleganter Raum mit hohen Decken und schweren Samtvorhängen, die den Raum in gnädige Dunkelheit tauchten. "Diese Erinnerungen werden verblassen, aber niemals ganz verschwinden."

Ich wollte sprechen, doch meine Kehle war trocken, so trocken, dass es sich anfühlte, als ob sie mit Sand gefüllt wäre. Ein brennendes Gefühl begann in meinem Inneren – nicht Schmerz, sondern eine verzehrende Leere, die gefüllt werden wollte.

"Du hast Hunger," stellte er fest, nicht fragend, sondern wissend. "Der erste Hunger ist der schlimmste. Der quälendste. Der unerbittlichste."

Als er das Wort "Hunger" aussprach, wurde mir die Natur meines Verlangens bewusst. Es war kein gewöhnlicher Hunger. Es war ein Verlangen, das aus meinem tiefsten Inneren kam, ein Ruf nach etwas, das ich nie zuvor begehrt hatte. Blut. Der Gedanke daran ließ meine neu gewachsenen Fangzähne hervortreten, eine Reaktion, die ich nicht kontrollieren konnte.

"Was hast du mir angetan?" Meine Stimme klang fremd in meinen eigenen Ohren, samtiger und doch rauer zugleich.

Valerian erhob sich, seine Bewegungen fließend wie flüssige Seide. Er trug einen altmodischen Anzug aus schwarzem Samt, der im schwachen Licht der einzigen Kerze im Raum schimmerte. Seine langen, schwarzen Haare waren zu einem lockeren Zopf gebunden, der über seine Schulter fiel. Sein blasses Gesicht war von einer zeitlosen Schönheit, die gleichzeitig faszinierend und beunruhigend wirkte.

"Ich habe dir die Ewigkeit geschenkt, Eleonora. Ich habe dich zu meinesgleichen gemacht. Zu einer Tochter der Nacht, einer Trinkerin des Lebens."

Er trat näher, und mit einer Bewegung, die zu schnell für mein Auge war, stand er plötzlich direkt vor mir. Seine kalte Hand berührte mein Gesicht, und ich spürte keine Abscheu, wie ich es erwartet hätte. Stattdessen war da eine seltsame Vertrautheit, als ob mein Blut – oder was davon übrig war – seinen Schöpfer erkannte.

"Du hast mich getötet," flüsterte ich.

Ein trauriges Lächeln umspielte seine Lippen. "Ich habe dich transformiert. Der Tod ist nur ein Übergang, ein notwendiges Opfer für das, was kommt. Du bist stärker als zuvor, schneller, schärfer. Deine Sinne sind erwacht zu einer Intensität, die du dir als Sterbliche nie hättest vorstellen können."

Er hatte Recht. Selbst in dem abgedunkelten Raum konnte ich jedes Detail erkennen – die winzigen Risse in der bemalten Decke, die feinen Fasern der Teppiche, den Staub, der in der Luft tanzte. Jedes Geräusch drang mit erschreckender Klarheit an mein Ohr: das Kratzen einer Maus hinter der Wand, das ferne Summen des Verkehrs der Stadt, die Bewegungen des alten Gebäudes, das sich im Wind dehnte und stöhnte.

"Und der Hunger?" fragte ich, während das Brennen in meinem Inneren stärker wurde.

"Der Preis für unsere Existenz. Wir sind Raubtiere, Eleonora. Die perfektesten Raubtiere, die die Natur – oder das Übernatürliche – je hervorgebracht hat."

In diesem Moment wurde mir die volle Bedeutung meiner Transformation bewusst. Ich war eine Vampirin. Ein Wesen aus Sagen und Legenden, ein Geschöpf der Nacht, verdammt zu einem Leben im Schatten, angetrieben vom unstillbaren Durst nach Blut.

Bevor ich weitere Fragen stellen konnte, öffnete Valerian die Tür. Eine junge Frau trat ein, vielleicht zwanzig Jahre alt, mit langen braunen Haaren und einem leeren Blick in den Augen. Sie schien in einer Art Trance zu sein, ihre Bewegungen mechanisch, ihr Gesichtsausdruck leer.

"Dein erstes Mahl," sagte Valerian mit einer eleganten Geste. "Sie ist unter meinem Einfluss. Sie wird nichts spüren, sich an nichts erinnern."

Ein Teil von mir wollte schreien, wegrennen, diese groteske Szene verweigern. Doch der Hunger in mir nahm überhand. Der Duft ihres Blutes – warm, pulsierend, lebendig – erfüllte meine Sinne. Ich konnte den Rhythmus ihres Herzschlags hören, das Rauschen des Blutes durch ihre Adern fast sehen.

"Du kannst nicht entkommen, was du jetzt bist," erklärte Valerian sanft. "Akzeptiere es. Umarme es. Das ist der erste Schritt zu wahrer Macht."

Die Frau stand regungslos vor mir, ihr Hals entblößt, ihre Augen starr ins Leere gerichtet. Meine neu entdeckten Instinkte übernahmen die Kontrolle. Mit einer Geschwindigkeit, die mich selbst überraschte, war ich bei ihr, meine Hände umfassten ihre Schultern, meine Lippen streiften über die weiche Haut ihres Halses.

Das erste Mal zu trinken war wie ein Rausch, intensiver als jede menschliche Erfahrung. Der metallische Geschmack des Blutes, der auf meiner Zunge explodierte, das Gefühl der Wärme, das meinen kalten Körper durchströmte, die Ekstase, die jeden Nerv zum Leben erweckte. Es war schrecklich und wunderschön zugleich, eine unheilige Kommunion, die mich mit dem Leben selbst verband.

Ich spürte, wie der Herzschlag der Frau schwächer wurde, und eine plötzliche Angst durchfuhr mich. Ich löste mich von ihr, taumelte zurück, erschrocken über meine eigene Gier.

"Nicht zu viel," mahnte Valerian, während er die bewusstlose Frau auffing. "Wir töten nicht, wenn es nicht nötig ist. Das ist eine der ersten Regeln, die du lernen musst. Wir nehmen, was wir brauchen, aber wir hinterlassen keine Spuren. Die Zeiten der wahllosen Jagd sind vorbei. Wir existieren im Verborgenen, unsichtbar für die Welt der Menschen."

Er legte die Frau sanft auf ein Sofa und strich ihr das Haar aus dem Gesicht. Mit einer präzisen Bewegung biss er in sein eigenes Handgelenk und ließ einige Tropfen seines Blutes auf ihre Wunde fallen, die sich daraufhin zu schließen begann.

"Es heilt sie," erklärte er. "Ein kleines Geschenk als Ausgleich für das, was wir nehmen. Sie wird sich an nichts erinnern, nur an einen seltsamen Traum, eine flüchtige Begegnung in der Nacht."

Das Blut der Frau pulsierte durch mich, erfüllte mich mit einer Klarheit und Kraft, die ich nie zuvor gespürt hatte. Jeder Sinn war geschärft, jede Empfindung intensiviert. Ich konnte die Stadt außerhalb dieser Mauern fühlen, das Pulsieren von tausenden von Leben, ein Ozean aus Möglichkeiten.

"Was jetzt?" fragte ich, berauscht von meinen neuen Fähigkeiten und gleichzeitig erschreckt über meine eigene Natur.

"Jetzt beginnt deine Ausbildung," antwortete Valerian. "Du musst lernen, was es bedeutet, eine von uns zu sein. Die Regeln, die Grenzen, die Gefahren. Die Welt der Nacht ist voller Wunder, aber auch voller Bedrohungen."

Er trat ans Fenster und öffnete den schweren Vorhang einen Spalt. Die Sonne war gerade untergegangen, und der Himmel war in ein tiefes Blau getaucht, das langsam in Schwarz überging.

"Wien ist eine alte Stadt, Eleonora. Eine Stadt voller Geschichte und Geheimnisse. Eine perfekte Stadt für unsere Art. Aber wir sind nicht die einzigen unserer Art hier. Es gibt andere – ältere, mächtigere Wesen, die nicht immer wohlwollend sind."

Ich folgte ihm zum Fenster und blickte auf die Stadt hinaus. Mit meinen neuen Augen sah ich Wien, wie ich es nie zuvor gesehen hatte. Die Lichter der Stadt funkelten wie Juwelen in der Dunkelheit, und ich konnte jedes Detail der Architektur erkennen, jede Verzierung, jede Skulptur, selbst in großer Entfernung.

"Du sprichst von anderen Vampiren," stellte ich fest.

Valerian nickte. "Nicht nur Vampire. Es gibt viele Arten von Wesen, die in den Schatten existieren, zwischen den Welten. Manche sind Verbündete, andere Feinde. Du wirst lernen, sie zu erkennen und mit ihnen umzugehen."

In den folgenden Stunden begann meine Einführung in die Welt der Untoten. Valerian erklärte mir die Grundlagen meiner neuen Existenz: die Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht, die zwar nicht unmittelbar tödlich war, aber über längere Zeit schwächend und schmerzhaft; die Notwendigkeit, regelmäßig Blut zu trinken, um Kraft und Klarheit zu bewahren; die gesteigerten physischen Fähigkeiten wie übermenschliche Stärke, Schnelligkeit und Heilungsfähigkeiten.

"Wir altern nicht," erklärte er, während wir durch die nächtlichen Straßen Wiens wanderten. "Dein Körper ist jetzt unveränderlich, eingefroren in diesem Moment. Die Zeit wird an dir vorüberziehen, während du unverändert bleibst."

Die Vorstellung von Unsterblichkeit war überwältigend. All die Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte, die vor mir lagen. All die Menschen, die ich kennen und wieder verlieren würde. All die Veränderungen, die ich beobachten würde, während ich selbst unverändert blieb.

"Was ist mit meinem alten Leben?" fragte ich, als wir durch einen verlassenen Park schlenderten. "Meine Arbeit, meine Freunde, meine Familie?"

Sein Gesicht wurde ernst. "Das ist einer der schwersten Aspekte unserer Existenz. Du kannst nicht zurückkehren, Eleonora. Nicht wirklich. Du kannst vorgeben, für eine Weile, aber früher oder später werden die Menschen um dich herum bemerken, dass du nicht alterst, dass du anders bist. Und dann musst du weiterziehen, eine neue Identität annehmen, ein neues Leben beginnen."

Die Realität meiner Situation begann einzusinken. Ich war nicht mehr menschlich. Ich konnte nicht zurück in mein altes Leben, zu meiner Wohnung voller Bücher und Gemälde, zu meiner Arbeit in der Restaurierung, zu den Abendessen mit Freunden und den Telefonaten mit meiner Mutter.

"Du trauert," bemerkte Valerian. "Das ist natürlich. Wir alle trauern um unser menschliches Leben, um die Verbindungen, die wir zurücklassen müssen. Aber mit der Zeit wirst du neue Verbindungen knüpfen, tiefere und dauerhaftere, zu anderen wie uns."

Wir erreichten den Rand des Parks, und ich konnte die Lichter der Oper in der Ferne sehen. Die Stadt pulsierte mit Leben, und ich spürte einen Anflug von Melancholie, als mir bewusst wurde, dass ich nun am Rand dieser Welt existierte, nicht mehr wirklich ein Teil davon.

"Warum ich?" fragte ich plötzlich. "Warum hast du mich ausgewählt?"

Valerian blieb stehen und blickte mich an, sein Gesicht im Mondlicht gemeißelt wie eine antike Statue.

"Ich beobachte dich schon seit einiger Zeit," gestand er. "Deine Sensibilität, deine Liebe zur Kunst und Geschichte, deine Fähigkeit, Schönheit in den Überresten der Vergangenheit zu sehen. Es gibt eine besondere Qualität in dir, eine tiefe Empfindsamkeit, die selten ist. Solche Eigenschaften verstärken sich in der Verwandlung. Sie machen dich zu einer besonderen Vampirin, zu einer, die mehr sieht als nur die Jagd und das Überleben."

Seine Worte schmeichelten mir, doch sie beruhigten meine Zweifel nicht vollständig. Hatte ich eine Wahl gehabt? Hätte ich diese Existenz gewählt, wenn ich gewusst hätte, was sie bedeutet?

"Du hättest mich fragen können," sagte ich leise.

Ein trauriges Lächeln huschte über sein Gesicht. "Hätte ich das. Die Wahrheit ist, Eleonora, dass selbst mit aller Erklärung, aller Vorbereitung, niemand wirklich verstehen kann, was es bedeutet, einer von uns zu sein, bis es geschehen ist. Und wenn ich dich gefragt hätte, hättest du abgelehnt, wie die meisten Menschen es tun würden. Die Angst vor dem Unbekannten ist zu stark."

Er hatte Recht, und das machte mich wütend. "Du hast mein Leben gestohlen."

"Ich habe dir ein neues gegeben," erwiderte er ohne Reue. "Ein längeres, intensiveres Leben. Ob es besser ist als dein altes, liegt an dir."

Bevor ich antworten konnte, versteifte sich Valerian plötzlich. Seine Sinne schienen etwas wahrzunehmen, das meinen, noch untrainierten, entging.

"Wir werden beobachtet," flüsterte er, seine Stimme kaum hörbar selbst für meine verschärften Sinne. "Bleib dicht bei mir."

Mit einer geschmeidigen Bewegung nahm er meine Hand und führte mich tiefer in die Schatten. Jetzt spürte auch ich es – eine Präsenz, die uns folgte, eine kühle, berechnende Intelligenz, die uns aus der Dunkelheit beobachtete.

"Wer ist das?" fragte ich, während wir uns mit übernatürlicher Geschwindigkeit durch die Nacht bewegten.

"Eine andere unserer Art," antwortete Valerian grimmig. "Nicht alle in unserer Gemeinschaft begrüßen neue Mitglieder mit offenen Armen. Besonders nicht solche, die ohne Erlaubnis erschaffen wurden."

"Erlaubnis? Von wem?"

Valerian zögerte, bevor er antwortete. "Es gibt... einen Rat. Die Ältesten unserer Art in dieser Region. Sie überwachen die Erschaffung neuer Vampire, um sicherzustellen, dass unsere Zahlen kontrolliert bleiben, dass wir im Verborgenen existieren können."

"Und du hast ihre Erlaubnis nicht eingeholt," stellte ich fest, als wir in eine enge Gasse einbogen.

"Ich wollte nicht, dass sie dich ablehnen," gab er zu. "Der Rat ist... konservativ. Sie bevorzugen bestimmte Qualitäten, bestimmte Hintergründe. Sie hätten dich möglicherweise nicht als geeignet angesehen."

Die Implikationen seiner Worte waren beunruhigend. Ich war nicht nur eine Vampirin, sondern eine unerlaubte, eine, deren Existenz von den Mächtigen meiner neuen Art nicht sanktioniert war.

"Was bedeutet das für mich?" fragte ich, während wir durch ein Labyrinth von alten Straßen eilten.

"Es bedeutet, dass wir vorsichtig sein müssen. Dass ich dich schneller ausbilden muss, als ich es geplant hatte." Er warf einen Blick über seine Schulter. "Der Rat wird von deiner Existenz erfahren, wenn er es nicht schon getan hat. Sie werden dich prüfen wollen, vielleicht sogar bestrafen wollen – oder mich für deine Erschaffung."

Eine kalte Angst kroch mein Rückgrat hinauf. "Sie würden mich... zerstören?"

Valerian's Gesicht verdunkelte sich. "Es gab Zeiten in unserer Geschichte, in denen unerlaubte Neugeborene getötet wurden. Aber das ist selten geworden. Wahrscheinlicher ist, dass sie dich einer Prüfung unterziehen werden, um festzustellen, ob du würdig bist, unter uns zu wandeln."

"Und wenn ich diese Prüfung nicht bestehe?"

Sein Schweigen war Antwort genug.

Wir erreichten einen alten Friedhof, dessen schmiedeeiserne Tore sich unter Valerians Berührung wie von selbst öffneten. Zwischen den Grabsteinen und Mausoleen bewegten wir uns wie Schatten, bis wir eine kleine Kapelle erreichten, deren Tür mit verwitterten Symbolen verziert war.