Die Jägerin und der Dämon - Bruno Schelig - E-Book

Die Jägerin und der Dämon E-Book

Bruno Schelig

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Beschreibung

Emma Schäfer, eine ehemalige Jägerin übernatürlicher Bedrohungen, wird nach Jahren des Rückzugs von ihrem Bruder Martin zurück ins Geschäft geholt. In Weinheim sterben Menschen auf mysteriöse Weise – mit denselben schwarzen, verbrannten Augen wie einst ihre Eltern. Die Spur führt zu einem okkulten Ritual aus ihrer Schulzeit, bei dem acht Schüler einen Dämon namens Astaroth beschworen. Gemeinsam mit Martin, dem überlebenden Ritualteilnehmer Markus Schneider und der psychisch gebrochenen Julia Bergmann begibt sich Emma auf eine Jagd gegen die Zeit. Astaroth kehrt zurück, um die sieben "Siegel" (die ehemaligen Ritualteilnehmer) zu brechen und endgültig in die menschliche Welt einzudringen. Ihr einziger Hoffnungsschimmer: das legendäre Codex Lucis, ein Gegenstück zum dämonischen Grimoire. Doch der Preis für die Verbannung des Dämonen ist hoch – ein letztes, tödliches Opfer.

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MOBI

Seitenzahl: 130

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Die Jägerin und der Dämon:

Eine Supernatural Geschichte

by

Bruno Schelig

(federundgeist.online)

Inhalt

Emma Schäfer, eine ehemalige Jägerin übernatürlicher Bedrohungen, wird nach Jahren des Rückzugs von ihrem Bruder Martin zurück ins Geschäft geholt. In Weinheim sterben Menschen auf mysteriöse Weise – mit denselben schwarzen, verbrannten Augen wie einst ihre Eltern. Die Spur führt zu einem okkulten Ritual aus ihrer Schulzeit, bei dem acht Schüler einen Dämon namens Astaroth beschworen.

Gemeinsam mit Martin, dem überlebenden Ritualteilnehmer Markus Schneider und der psychisch gebrochenen Julia Bergmann begibt sich Emma auf eine Jagd gegen die Zeit. Astaroth kehrt zurück, um die sieben „Siegel“ (die ehemaligen Ritualteilnehmer) zu brechen und endgültig in die menschliche Welt einzudringen. Ihr einziger Hoffnungsschimmer: das legendäre Codex Lucis, ein Gegenstück zum dämonischen Grimoire. Doch der Preis für die Verbannung des Dämonen ist hoch – ein letztes, tödliches Opfer.

Kapitel 1: Alte Wunden

Der Regen prasselte unerbittlich auf das Dach des alten Ford Mustang von 1969, während Emma Schäfer durch die nächtlichen Straßen von Heidelberg fuhr. Das Scheibenwischgeräusch vermischte sich mit dem dumpfen Bass von AC/DC aus den Lautsprechern. Sie hatte die Musik aufgedreht, um ihre Gedanken zu übertönen, aber es half nicht wirklich. Ihr Handy vibrierte zum dritten Mal in den letzten zwanzig Minuten. Sie wusste genau, wer es war, und genau deshalb nahm sie nicht ab.

Die Ampel vor ihr sprang auf Rot, und Emma trat auf die Bremse. Sie fuhr sich mit der Hand durch die kurzen, dunkelbraunen Haare und warf einen Blick auf das Telefon auf dem Beifahrersitz. Martin. Natürlich. Ihr Bruder hatte in den letzten Tagen verzweifelt versucht, sie zu erreichen. Aber nach drei Jahren Funkstille hatte er plötzlich ihre Hilfe gebraucht? Sie schnaubte verächtlich. Als ob sie nach allem, was passiert war, einfach zurückkommen würde.

Die Ampel wurde grün, und Emma trat aufs Gaspedal. Der Motor heulte auf, und der Wagen schoss vorwärts. Sie bog auf die Autobahn ein, die Heidelberg mit dem Odenwald verband. Die Straße glänzte im Schein der Scheinwerfer, und der Regen wurde stärker.

Das Telefon vibrierte erneut, diesmal war es eine Textnachricht.

Es ist wichtig, Em. Es hat wieder angefangen. Bitte ruf mich an.

Emma fluchte leise. Es hatte wieder angefangen. Diese drei Worte weckten Erinnerungen, die sie tief vergraben hatte. Erinnerungen an die Nacht, in der ihre Eltern starben. An Blut, Schreie und Augen, die zu schwarzen Abgründen wurden. An Dinge, die kein Mensch je sehen sollte.

Mit einem genervten Seufzen griff sie nach dem Telefon und wählte Martins Nummer.

"Emma?" Die Stimme ihres Bruders klang erleichtert, aber auch angespannt. "Gott sei Dank."

"Was willst du, Martin?" fragte sie kühl.

"Wo bist du gerade?"

"Unterwegs. Auf der A5. Was gibt es so Wichtiges, dass du mich nach drei Jahren kontaktierst?"

Eine kurze Pause entstand am anderen Ende der Leitung. "Es passiert wieder. In Weinheim. Drei Tote in den letzten zwei Wochen. Die gleichen Zeichen wie damals."

Emma spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Weinheim lag nur etwa zwanzig Kilometer von ihrer aktuellen Position entfernt.

"Das ist nicht mein Problem", sagte sie mit einer Stimme, die fester klang, als sie sich fühlte. "Ich bin raus aus dem Geschäft, erinnerst du dich?"

"Em, bitte. Ich kann das nicht alleine schaffen. Du weißt mehr über diese Dinge als ich."

"Ruf Lucas an. Oder Sophia."

"Lucas ist in Amerika, jagt irgendwas in den Appalachen. Und Sophia..." Seine Stimme brach ab.

"Was ist mit Sophia?" fragte Emma, plötzlich alarmiert.

"Sie ist tot, Em. Vor sechs Monaten. Ein Rudel Werwölfe in Bayern."

Emma fühlte, wie ihr das Blut in den Adern gefror. Sophia war eine der besten Jägerinnen, die sie je gekannt hatte. Unerschrocken, klug und mit einem fotografischen Gedächtnis für jedes übernatürliche Wesen, dem sie je begegnet war.

"Verdammt", flüsterte sie. "Verdammt!"

"Bitte, Em. Ich weiß, wir haben uns zerstritten, und ich weiß, dass du mir die Schuld gibst für..."

"Stopp", unterbrach sie ihn harsch. "Darüber reden wir nicht."

"In Ordnung", sagte er leise. "Aber diese Menschen in Weinheim brauchen Hilfe. Unsere Hilfe."

Emma schloss für einen kurzen Moment die Augen, nur um sie sofort wieder zu öffnen und sich auf die regennasse Straße zu konzentrieren. Sie hatte geschworen, nie wieder zu jagen. Nie wieder die Dunkelheit zu bekämpfen, die draußen lauerte. Aber die Erinnerung an ihre Eltern, an das, was in jener Nacht vor fünfzehn Jahren geschehen war, ließ sie nicht los.

"Schick mir die Adresse", sagte sie schließlich widerwillig. "Ich bin in einer Stunde da."

Das Motel "Zum Grünen Baum" hatte schon bessere Tage gesehen. Die Neonreklame flackerte sporadisch, und der Parkplatz war bis auf einen schwarzen VW Golf und Emmas Mustang leer. Der Regen hatte nachgelassen, aber die Luft war noch feucht und kalt.

Emma parkte neben dem Golf, den sie sofort als Martins erkannte. Mit einem tiefen Atemzug stieg sie aus und holte ihre Tasche vom Rücksitz. Sie zögerte kurz, öffnete dann aber den Kofferraum und enthüllte ein Arsenal an Waffen - Messer, Pistolen, ein paar Schrotflinten und diverse andere Werkzeuge ihres früheren Handwerks. Nach kurzem Überlegen nahm sie eine Beretta 92 und steckte sie in den Hosenbund an ihrem Rücken.

Die Tür zu Zimmer 12 öffnete sich, bevor sie klopfen konnte. Martin stand im Türrahmen, und für einen Moment starrten sie sich einfach nur an. Er sah älter aus, als sie ihn in Erinnerung hatte. Die blonden Haare waren kürzer geschnitten, und ein kurzer Bart bedeckte sein Kinn. Ein hässliche Narbe zog sich über seine linke Wange - die war neu.

"Em", sagte er leise, fast ungläubig.

"Martin", erwiderte sie knapp und schob sich an ihm vorbei in das Zimmer.

Das Motelzimmer war genau wie Hunderte andere, in denen sie im Laufe der Jahre übernachtet hatten. Zwei Betten, ein kleiner Tisch, ein Fernseher, der wahrscheinlich nur fünf Kanäle empfing, und ein Bad, das nach Schimmel und billiger Seife roch. Martin hatte bereits seine Recherche aufgebaut: An einer Wand hingen Fotos und Zeitungsausschnitte, verbunden durch roten Faden. Ein Laptop stand auf dem Tisch, daneben ein Stapel alter Bücher.

"Danke, dass du gekommen bist", sagte Martin und schloss die Tür hinter ihr.

Emma ging direkt zur Wand mit den Fotos. "Erzähl mir, was wir haben."

Martin trat neben sie. "Drei Tote in zwei Wochen. Alle wurden in ihren Häusern gefunden, alle ohne offensichtliche Todesursache. Aber alle mit den gleichen seltsamen Verbrennungen an den Augen."

Emma betrachtete die Fotos der Opfer genauer. Zwei Männer und eine Frau, alle Mitte dreißig bis Anfang vierzig. Und tatsächlich - ihre Augenhöhlen waren schwarz verbrannt, als hätte etwas ihre Augen von innen heraus versengt.

"Genau wie bei Mutter und Vater", murmelte sie.

Martin nickte. "Genau wie damals. Und es gibt noch etwas."

Er griff nach einem der Bücher und schlug es auf. Es war ein altes Grimoire, das sie vor Jahren von einem Sammler okkulter Schriften in Prag erworben hatten.

"Hier", sagte er und deutete auf eine Seite mit seltsamen Symbolen. "Diese Zeichen wurden an den Wänden aller Opfer gefunden, mit einer Substanz gemalt, die die Polizei für Blut hält."

Emma betrachtete die Symbole. Es waren dieselben, die sie in ihren Albträumen immer wieder sah. Dieselben, die sie vor fünfzehn Jahren im Haus ihrer Eltern gefunden hatten.

"Also ist es zurück", sagte sie leise. "Der Dämon."

"Ja", bestätigte Martin. "Und ich fürchte, es ist nur der Anfang."

Emma setzte sich auf eines der Betten und fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht. "Was haben wir über die Opfer?"

Martin reichte ihr drei Mappen. "Michael Weber, 42, Geschichtslehrer an der örtlichen Realschule. Jana Hoffmann, 35, Krankenschwester. Und Klaus Becker, 39, Informatiker bei SAP."

Emma blätterte durch die Unterlagen. "Verbindungen zwischen ihnen?"

"Auf den ersten Blick keine. Weber und Hoffmann kannten sich flüchtig über die Schule - sie hat dort gelegentlich Erste-Hilfe-Kurse gegeben. Becker scheint keine Verbindung zu den anderen beiden zu haben."

"Und wie hast du von den Fällen erfahren?"

Martin zögerte. "Ich verfolge seit Jahren bestimmte Muster. Ungewöhnliche Todesfälle, seltsame Phänomene. Nach dem, was mit unseren Eltern passiert ist... ich wollte vorbereitet sein, falls es jemals zurückkehrt."

Emma sah ihren Bruder lange an. Sie hatten sich nach dem Tod ihrer Eltern geschworen, die Verantwortlichen zu finden und zur Strecke zu bringen. Aber während Martin besessen davon wurde, hatte Emma irgendwann erkannt, dass die Jagd sie aufzehrte, sie zu einer Person machte, die sie nicht sein wollte. Nach einem besonders brutalen Fall in Köln vor drei Jahren hatte sie alles hingeworfen und war ausgestiegen - trotz Martins flehentlicher Bitten, zu bleiben.

"Wann war der letzte Mord?" fragte sie schließlich.

"Vor drei Tagen. Becker."

"Und du denkst, es wird wieder zuschlagen?"

Martin nickte. "Wenn es dem gleichen Muster folgt wie damals, dann ja. Die Frage ist nur, wo und wann."

Emma stand auf und trat wieder an die Wand mit den Fotos. "Wir müssen die Verbindung zwischen den Opfern finden. Es muss etwas geben, was wir übersehen haben."

"Ich habe bereits ihre Bankkonten, Anrufprotokolle und Social-Media-Profile überprüft. Nichts Auffälliges."

"Was ist mit ihrer Vergangenheit? Wo sind sie aufgewachsen? Zur Schule gegangen? Haben sie jemals am gleichen Ort gelebt?"

Martin sah sie überrascht an. "Daran habe ich noch nicht gedacht."

Emma verdrehte die Augen. "Nach all den Jahren im Geschäft, und du machst immer noch dieselben Anfängerfehler. Dämonen dieser Art wählen ihre Opfer nicht zufällig aus. Es gibt immer eine Verbindung, einen roten Faden."

Sie setzte sich an den Laptop und begann zu tippen. Nach einigen Minuten intensiver Recherche stieß sie auf etwas.

"Martin, komm her. Sieh dir das an."

Ihr Bruder trat neben sie und beugte sich über den Bildschirm.

"Alle drei waren vor etwa zwanzig Jahren an der gleichen Schule. Nicht hier in Weinheim, sondern in Mannheim. Das Lessing-Gymnasium."

Martin runzelte die Stirn. "Du denkst, das ist die Verbindung?"

"Nicht nur das", sagte Emma und öffnete ein weiteres Fenster. "Sieh dir das an. Ein Zeitungsartikel von 1998. Eine Schülerin des Lessing-Gymnasiums, Sarah Neumann, wurde tot in den Toiletten der Schule gefunden. Selbstmord, hieß es offiziell."

"Und du glaubst, das hängt zusammen?"

Emma zuckte mit den Schultern. "Es ist ein Anfang. Wir sollten morgen früh zur Schule fahren und nachforschen. Vielleicht gibt es dort noch Lehrer oder Mitarbeiter von damals."

Martin nickte langsam. "In Ordnung. Und was machen wir bis dahin?"

Emma stand auf und griff nach ihrer Tasche. "Wir bereiten uns vor. Ich hoffe, du hast Weihwasser dabei?"

Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft lächelte Martin leicht. "Eine ganze Kiste voll."

Die Nacht war unruhig für Emma. Sie träumte von dunklen Korridoren, von Schreien und von Augen, die zu schwarzen Löchern wurden. Sie träumte von ihren Eltern, wie sie leblos auf dem Boden lagen, und von dem Geruch nach verbranntem Schwefel, der noch tagelang im Haus gehangen hatte.

Als sie aufwachte, war es früher Morgen. Martin war bereits auf den Beinen und stand am Fenster, eine Tasse Kaffee in der Hand.

"Ich habe uns Frühstück besorgt", sagte er und deutete auf eine Papiertüte auf dem Tisch. "Und ich habe noch etwas gefunden."

Emma setzte sich auf und fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht. "Was denn?"

"Es gab ein viertes Opfer, vor zehn Tagen. Aber nicht hier in Weinheim, sondern in Ladenburg. Ich habe es zunächst nicht mit den anderen in Verbindung gebracht, aber der Tote hatte die gleichen verbrannten Augen."

"Und? War er auch auf dem Lessing-Gymnasium?"

Martin nickte. "Jahrgang 1998, genau wie die anderen."

Emma stand auf und griff nach der Kaffeetasse, die Martin ihr hinhielt. "Wir sollten uns beeilen. Die Schule öffnet in einer Stunde."

Nach einer schnellen Dusche und einem hastig verzehrten Frühstück machten sie sich auf den Weg nach Mannheim. Das Lessing-Gymnasium war ein imposanter Bau aus dem späten 19. Jahrhundert, mit hohen Fenstern und einer breiten Steintreppe, die zum Haupteingang führte.

Im Sekretariat gaben sie sich als Journalisten aus, die an einer Reportage über historische Schulen in der Region arbeiteten. Die freundliche Sekretärin verwies sie an den stellvertretenden Schulleiter, Herrn Dr. Wagner, der seit über dreißig Jahren an der Schule unterrichtete.

Dr. Wagner war ein hagerer Mann mit schütterem grauen Haar und einer Brille, die ständig auf seiner Nasenspitze zu balancieren schien. Er empfing sie in seinem kleinen Büro, das mit Büchern und Papierstapeln vollgestellt war.

"Also, Sie interessieren sich für die Geschichte unserer Schule?" fragte er, nachdem sie Platz genommen hatten.

"Genau", antwortete Martin mit einem höflichen Lächeln. "Besonders für die 90er Jahre. Wir recherchieren für eine Dokumentation über das deutsche Bildungssystem im Wandel der Zeit."

"Ah, die 90er", nickte Dr. Wagner. "Eine interessante Zeit. Nach der Wiedervereinigung, viele Umbrüche auch im Bildungssystem."

Emma lehnte sich vor. "Wir haben von einem tragischen Vorfall im Jahr 1998 gelesen. Eine Schülerin, die sich hier in der Schule das Leben genommen hat. Sarah Neumann, wenn ich mich richtig erinnere?"

Dr. Wagners Gesicht verdunkelte sich. "Ja, das war ein schreckliches Ereignis. Hat die ganze Schule erschüttert."

"Können Sie uns mehr darüber erzählen?" fragte Emma.

Der stellvertretende Schulleiter nahm seine Brille ab und putzte sie umständlich mit einem Taschentuch. "Sarah war eine begabte Schülerin. Klug, beliebt. Niemand hatte Anzeichen einer Depression bemerkt. Es kam für alle völlig überraschend."

"Gab es eine Untersuchung?" hakte Martin nach.

"Natürlich. Die Polizei hat ermittelt, aber es war eindeutig Selbstmord. Sie hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten. In einer der Toilettenkabinen im dritten Stock." Er seufzte schwer. "Ein Hausmeister hat sie gefunden, als er nach Schulschluss die Räume kontrollierte."

"Wissen Sie, ob sie Probleme hatte?" fragte Emma. "Vielleicht Ärger mit anderen Schülern?"

Dr. Wagner runzelte die Stirn. "Nicht dass ich wüsste. Wie gesagt, sie war beliebt. Allerdings..." Er hielt inne.

"Ja?" ermunterte ihn Emma.

"Nun, es gab Gerüchte. Nach ihrem Tod. Einige Schüler behaupteten, Sarah hätte sich mit... nun, mit Okkultismus beschäftigt. Schwarze Magie und dergleichen." Er winkte ab. "Aber das waren sicherlich nur Teenager-Fantasien. Sie wissen ja, wie Jugendliche sind."

Emma und Martin tauschten einen Blick aus. "Können Sie uns sagen, wer ihre engsten Freunde waren? Vielleicht gibt es noch Lehrer hier, die damals unterrichtet haben?"

"Die meisten meiner Kollegen von damals sind inzwischen im Ruhestand oder haben die Schule gewechselt." Er dachte nach. "Frau Berger unterrichtet noch Kunst, sie war damals Sarahs Klassenlehrerin. Und der alte Hausmeister, Herr Schuster, arbeitet auch noch hier. Er war derjenige, der... nun, Sie wissen schon."

"Könnten wir mit ihnen sprechen?" fragte Martin.

"Frau Berger hat heute keinen Unterricht, aber Herr Schuster müsste im Keller sein, bei den Heizkesseln. Ich kann Sie zu ihm bringen, wenn Sie möchten."

Der Keller des alten Schulgebäudes war düster und feucht. Rohre verliefen an der Decke, und die wenigen Glühbirnen verbreiteten nur spärliches Licht. Dr. Wagner führte sie durch einen langen Gang bis zu einer schweren Metalltür.

"Herr Schuster?" rief er, während er an der Tür klopfte. "Besuch für Sie."

Die Tür öffnete sich knarrend, und ein alter Mann mit gebeugter Haltung und faltigem Gesicht erschien im Türrahmen. Seine Augen waren wässrig blau, und er trug einen fleckigen Arbeitsoverall.

"Was gibt's, Doktor?" fragte er mit rauer Stimme.

"Diese beiden Journalisten interessieren sich für die Geschichte der Schule. Sie würden gerne mit Ihnen sprechen, wenn Sie nichts dagegen haben."

Der alte Hausmeister betrachtete Emma und Martin misstrauisch. "Worüber genau?"

"Über den Vorfall von 1998", sagte Emma direkt. "Sarah Neumann."

Schusters Gesicht verdunkelte sich, und er warf einen nervösen Blick zu Dr. Wagner. "Darüber rede ich nicht gern."

"Ich verstehe das völlig", sagte Emma sanft. "Es muss schrecklich gewesen sein, sie zu finden."

"Das war es", murmelte der alte Mann. "Schrecklicher, als Sie sich vorstellen können."

Dr. Wagner räusperte sich. "Ich lasse Sie dann mal allein. Ich muss zurück ins Büro. Herr Schuster, Sie können die Herrschaften ja später wieder nach oben bringen." Mit einem Nicken verabschiedete er sich und ging den Gang zurück.