Die Auferstehung der Einfalt (Ein V.F.E.G.-Buch) - Markus Brüchler - E-Book

Die Auferstehung der Einfalt (Ein V.F.E.G.-Buch) E-Book

Markus Brüchler

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Beschreibung

Die Auferstehung der Einfalt ist eine satirisch-analytische Oster-Novelle aus dem Universum der V.F.E.G. (Vereinigung zur Förderung eindimensionaler Gedankenführung), eine literarische Untersuchung darüber, wie Sinn in der Gegenwart nicht verschwindet, sondern durch Ersatzformen verwaltet wird: Rituale statt Bedeutung, Harmonie statt Wahrheit, Meinung statt Wissen.

Im Zentrum steht Martin Mertens (45), ein unauffälliger, stabiler Mensch, dessen Lebenskunst in der Vermeidung des Unnötigen besteht, und dazu gehören vor allem Fragen. Ostern ist für ihn kein besonderes Ereignis mehr, sondern ein Marker mit Dekoration, Familienbesuch und Routine. Gerade diese Ruhe macht ihn anfällig für eine Irritation, die nicht sonderlich spektakulär ist, aber dafür gefährlich leise.

In der Nacht vor Ostern erscheinen ihm drei Gestalten. Sie führen ihn in einer Folge von Szenen durch:

- die Vergangenheit der Denkvermeidung, in der Anpassung zur Schutzstrategie wird,
- die Gegenwart der Simulation, in der das So-tun-als-ob den sozialen Frieden sichert,
- die Zukunft der Restintelligenz, in der Konfliktfreiheit und geistige Entlastung institutionell gefeiert werden, einschließlich Diagrammen, Kennzahlen und einem Zentrum für „kollektive Einfalt“.

Die Novelle folgt ausdrücklich keiner klassischen Dramaturgie von Schuld und Erlösung. Niemand wird gerettet, niemand endgültig verurteilt. Veränderung, sofern man davon sprechen kann, geschieht leise, fast unmerklich, in Form einer minimalen Abweichung, die ebenso reversibel ist wie der nächste Alltag.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Impressum

Verlag:

Colla & Gen Verlag und Service UG & Co. KG, Hauptstr. 65, 59439 Holzwickede

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Cover: Heribert Jankowski

Bilder: Heribert Jankowski

Autor: Markus Brüchler

Layout: Heribert Jankowski, Markus Brüchler

Lektorat: Saskia Meyer

© Markus Brüchler 2026, Colla & Gen Verlag

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Verlag verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig.

Wichtiger Hinweis und Disclaimer

Dieses Buch ist eine Erzählung.

Es schildert keine Theorie, keine Lehre und keinen Standpunkt.Es beschreibt einen Zustand.

Die Figuren, denen Sie begegnen, sind frei erfunden.Ihre Denkweisen sind es nicht.

Wer in diesen Seiten nach klaren Antworten sucht, wird sie nicht finden.Wer sich hingegen wiedererkennt, hat bereits genug entdeckt.

Die hier geschilderten Szenen sind weder Anklage noch Anleitung.Sie wollen nichts verbessern, nichts retten und niemanden bekehren.

Manche Geschichten enden nicht mit einer Lösung.Sondern mit einem leisen Moment, in dem etwas sichtbar wird,das vorher bequem im Dunkeln lag.

Mehr verspricht dieses Buch nicht.

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über die Adresse http://portal.dnb.de abrufbar.

Der vorliegende Text darf nicht gescannt, kopiert, übersetzt, vervielfältigt, verbreitet oder in anderer Weise ohne Zustimmung des Autors verwendet werden, auch nicht auszugsweise: weder in gedruckter noch elektronischer Form. Jeder Verstoß verletzt das Urheberrecht und kann strafrechtlich verfolgt werden.

Markus Brüchler arbeitet seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Beobachtung, Analyse und Erzählung. Seine Texte folgen der Überzeugung, dass Wirklichkeit nicht nur erlebt, sondern fortwährend sprachlich hergestellt wird, durch Routinen, Phrasen, Rituale und die stillen Absprachen des Alltags. Früh geprägt von Filmen wie „The Fog – Nebel des Grauens“ und „Tanz der Teufel“ entwickelte er ein Gespür für die Frage, wie Atmosphäre entsteht: durch Andeutung, Rhythmus und die präzise Platzierung dessen, was unausgesprochen bleibt.

Nach einer längeren Phase in der IT- und Programmierwelt verlagerte er seinen Schwerpunkt konsequent auf das Schreiben. Er gründete die Filmzeitschrift „MovieCon Magazin“ und baute den Colla & Gen Verlag auf. Neben Filmbüchern und Essays veröffentlicht er satirische Texte zur Gegenwartskultur, in denen er moderne Gewissheiten, Bequemlichkeitsmoral und die Mechanik gesellschaftlicher Selbstberuhigung seziert. Die Novelle „Die Auferstehung der Einfalt“ führt diese Arbeit im V.F.E.G.-Universum fort, als literarische Untersuchung darüber, wie Sinn nicht verschwindet, sondern durch Ersatzformen verwaltet wird.

Die Auferstehung der Einfalt

Eine V.F.E.G.-Geschichte über Erkenntnisvermeidung, Simulation und die Hoffnung auf nichts

I

Markus Brüchler

Widmung

Für jene,die irgendwann beschlossen haben,dass es einfacher ist, nichts genau wissen zu wollen.

Für alle,die gelernt haben, mit gutem Gewissen wegzusehen,solange es sich vertraut anfühlt.

Und für die wenigen,die sich erinnern,dass es einmal einen Augenblick gab,in dem ihnen etwas kurz fremd vorkamund sie diesen Gedanken nicht sofort verdrängt haben.

.

Wie dieses Buch gelesen werden kann

Dieses Buch ist keine Satire, die auf den Punkt zielt.Es ist eine Geschichte, die sich langsam entfaltet.

Man kann sie zügig lesen.Man kann sie aber auch liegen lassen, nach einem Kapitel, nach einer Szene, nach einem Satz, der ein wenig zu nah kam.

Es ist nicht nötig, alles zu verstehen.

Im Gegenteil:Der Text gewinnt dort an Kraft,

wo man ihn nicht sofort einordnet.

Die Novelle folgt keiner klassischen

Dramaturgie von Schuld und Erlösung.Niemand wird gerettet.Niemand wird endgültig verurteilt.

Was sich verändert, geschieht leise.Fast unmerklich.So, wie Veränderungen im wirklichen Leben meist geschehen.

Wenn Sie dieses Buch lesen wie eine Geschichte,werden Sie ihr folgen können.

Wenn Sie es lesen wie einen Spiegel,wird es gelegentlich unbequem.

Beides ist in Ordnung.

Inhaltsverzeichnis

Prolog – Die Zeit vor Ostern13

Erste Erscheinung – Die Vergangenheit der Denkvermeidung19

Zweite Erscheinung – Die Gegenwart der Simulation33

Dritte Erscheinung – Die Zukunft der Restintelligenz45

Die Abweichung – Der Moment danach55

Epilog – Ostern ohne Auferstehung63

Anhang65

A) V.F.E.G.-konforme Erklärung zu Ostern66

B) Glossar68

C) Warum Ostern die Auferstehung der Einfalt ist70

„Es war nicht die Dunkelheit, die ihm Sorgen machte.Es war das Licht, an das er sich zu gut gewöhnt hatte“

Prolog – Die Zeit vor Ostern

Martin war zufrieden. Er hatte keinen Grund, es nicht zu sein. Mit 45 Jahren lebte er ein unauffälliges Leben in geordneten Verhältnissen. Jeden Morgen wachte er zur selben Zeit auf, griff noch im Halbschlaf zu seinem Telefon, dem modernen Orakel, und ließ sich von dessen sanftem Licht begrüßen. Die Nachrichten-App flüsterte ihm beruhigende Aktualitäten zu. Nichts Unerwartetes war geschehen, zumindest nichts, was sein Leben direkt betraf. In der Welt draußen mochte es Unruhe geben, doch in Martins unmittelbarer Umgebung herrschte eine ruhige Routine.

Es war die Woche vor Ostern. Ein milder Frühlingsabend legte sich über die Stadt. Die Straßenlaternen erwachten früh, während das Tageslicht noch zögernd am Horizont stand. Im Vorgarten von Martins Mietshaus steckten bunte Plastikeier an Sträuchern. Dekorationen, die jemand pflichtbewusst angebracht hatte. Sie bewegten sich leicht im Abendwind, farbenfrohe Versprechen eines Festes, dessen ursprünglicher Sinn niemand mehr recht zu wissen schien. Für Martin war Ostern vor allem ein willkommenes langes Wochenende. Ein bedeutungsleerer Marker im Kalender, wie eine Fahne auf einem Gipfel, der keine Aussicht bot.

In der Küche summte leise der Kühlschrank, als Martin sich eine Tasse Tee zubereitete. Seine Bewegungen waren ruhig und überlegt, als folgte er einem inneren Skript.

Alles war vertraut: der leichte Klick des Wasserkochers, der Geruch des Schwarztees, den er jeden Abend trank, um besser schlafen zu können – obwohl der Koffeingehalt das Gegenteil versprach. Doch Martin hatte gelernt, die Dinge nicht zu hinterfragen, die ihm zur Gewohnheit geworden waren.

Warum Tee am Abend? Warum nicht? Es war einfach so, und es funktionierte.

Vom Wohnzimmer her drang schwach das Geräusch des Nachrichtenkanals, den er nebenbei laufen ließ.

Eine gleichmütige Stimme verkündete die Ereignisse des Tages in gedämpftem Tonfall. Martin lauschte ohne wirklich zuzuhören. Die Meldungen perlten an ihm ab wie Regen an einer Scheibe. Irgendwo Zahlen, irgendwo Zitate, Konflikte in fernen Ländern, alles fein säuberlich eingeordnet und kommentiert, sodass kein eigener Gedanke nötig war. Gelegentlich nickte er sogar zustimmend, wenn der Sprecher zu einer Schlussfolgerung kam. Es war ein zustimmendes Nicken aus Reflex, aber keines aus Überzeugung.

Sein Blick fiel auf das Regal über dem Fernseher, wo in einer Schale einige Schokoladenhasen und bunt verpackte Eier lagen.

Er hatte sie am Vortag im Supermarkt gekauft.

„Für alle Fälle“, hatte er sich gesagt, obwohl niemand in seinem Haushalt sie besonders begehrte. Martin lebte mit seiner Frau und seinem zwölfjährigen Sohn zusammen, doch beide zeigten nur mäßiges Interesse an traditionellen Festen.

Der Sohn liebte zwar die Süßigkeiten, aber der Zauber der Ostereiersuche war längst dem allgegenwärtigen Reiz elektronischer Geräte gewichen. Auch der Junge griff morgens zuerst zum Tablet, bevor er an Frühstück oder Feiertage dachte. Seine Frau wiederum sah Ostern als angenehme Gelegenheit, mit den Verwandten zu telefonieren und ansonsten auszuspannen.

---ENDE DER LESEPROBE---