Liebe ohne Erkenntnis - Markus Brüchler - E-Book

Liebe ohne Erkenntnis E-Book

Markus Brüchler

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Beschreibung

„Liebe ohne Erkenntnis“ untersucht Nähe nicht als Gefühl, sondern als steuerbaren Prozess. Entgegen der verbreiteten Vorstellung von Liebe als spontanem, emotionalem und unberechenbarem Zustand entwirft dieses Buch ein Modell konfliktfreier Zuneigung, das auf Planbarkeit, Vorhersehbarkeit und konsequenter Affektkontrolle beruht.

In sachlicher Sprache und klar strukturierten Regeln beschreibt der Band Strategien zur emotionalen Absicherung: vom sorgfältig terminierten Gespräch über ritualisierte Zuneigung bis hin zum bewussten Verzicht auf eigene Bedürfnisse. Nähe erscheint dabei nicht als Erlebnis, sondern als Vorgang – kalkulierbar, kontrollierbar und frei von überraschenden Entwicklungen.

Jedes Kapitel wird dabei von einer alternativen Perspektive begleitet, die aufzeigt, was hätte entstehen können, wenn Offenheit, Spontaneität und echte Begegnung zugelassen worden wären. Diese Möglichkeiten werden jedoch nicht empfohlen, sondern als theoretische Randnotizen behandelt, die vor allem eines verdeutlichen: das Risiko emotionaler Unordnung.

„Liebe ohne Erkenntnis“ ist kein klassischer Ratgeber und keine romantische Erzählung. Es ist eine satirisch-analytische Untersuchung moderner Beziehungsmuster und ein weiterer Band aus der Reihe „Die bewusste Verblödung“.

Ein Buch für Leserinnen und Leser, die Harmonie schätzen – und für jene, die ahnen, welchen Preis diese haben kann.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Impressum

Verlag:

Colla & Gen Verlag und Service UG & Co. KG, Hauptstr. 65, 59439 Holzwickede

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Cover: Heribert Jankowski

Autor: Markus Brüchler

Layout: Heribert Jankowski

Lektorat: Saskia Meyer

© Markus Brüchler 2026, Colla & Gen Verlag

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Verlag verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig.

Wichtiger Hinweis und Disclaimer

Dieses Buch ist eine satirisch-analytische Auseinandersetzung mit Ritualen der Zuneigung, insbesondere mit dem 14. Februar als kulturell stabilisiertem Erwartungstermin. Die Darstellung folgt der Perspektive einer fiktiven Institution („V.F.E.G.“) und nutzt die Form eines institutsähnlichen Leitfadens, um Muster, Routinen und Mechanismen sichtbar zu machen, die im Alltag häufig als selbstverständlich durchgehen.

Die im Text verwendeten Institutionen, Abteilungen, Archivvermerke und Dokumenttypen („V.F.E.G.“, „V.F.F.E.“, „Abteilung Z“, „Zentralarchiv“ u. a.) sind Elemente einer literarischen Konstruktion. Sie dienen der Zuspitzung, der Ordnung des Materials und der präzisen Beobachtung sozialer Verhaltensformen. Wo reale gesellschaftliche Phänomene beschrieben werden, geschieht dies in abstrahierter Form, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Etwaige Fallbeispiele, Figuren, Namen und Szenarien sind, soweit nicht ausdrücklich als reale Quellen gekennzeichnet, erfunden, kombiniert oder verfremdet. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen oder

konkreten Ereignissen wären unbeabsichtigt.

Dieses Werk ersetzt keine fachkundige Beratung. Bei Fragen zu psychischer Gesundheit, Partnerschaftskonflikten, Gewalt, Kindeswohl, rechtlichen Angelegenheiten oder anderen sensiblen Themen empfiehlt sich die Orientierung an seriösen, qualifizierten Stellen und gegebenenfalls professionelle Unterstützung. Eine wörtliche Anwendung einzelner satirischer Passagen widerspricht dem Charakter des Buches. Autor und Verlag übernehmen keine Verantwortung für Folgen, die aus einer missverstandenen Literalität der Darstellung entstehen.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über die Adresse http://portal.dnb.de abrufbar.

Der vorliegende Text darf nicht gescannt, kopiert, übersetzt, vervielfältigt, verbreitet oder in anderer Weise ohne Zustimmung des Autors verwendet werden, auch nicht auszugsweise: weder in gedruckter noch elektronischer Form. Jeder Verstoß verletzt das Urheberrecht und kann strafrechtlich verfolgt werden.

Markus Brüchler arbeitet seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Beobachtung, Analyse und Erzählung. Seine Leidenschaft gilt der Frage, wie Geschichten, ob auf der Leinwand oder im Alltag, Wahrnehmung formen und Wirklichkeit strukturieren. Frühe Begegnungen mit Filmen wie „The Fog – Nebel des Grauens“ und „Tanz der Teufel“ haben ihn früh gelehrt, dass das, was auf der Oberfläche leicht aussieht, im Hintergrund oft hochkomplex konstruiert ist.

Nach einer längeren Phase in der IT- und Programmierwelt verlagerte er seinen Schwerpunkt konsequent auf das Schreiben und die Filmkultur. Er gründete die Filmzeitschrift „MovieCon Magazin“ und baute anschließend den Colla & Gen Verlag auf, in dem er seither Filmbücher, Essays und satirische Texte zur Gegenwartskultur veröffentlicht.

In der Reihe „Die bewusste Verblödung“ seziert er die Mechanik moderner Gewissheiten, Bequemlichkeiten und Denkabkürzungen, diesmal im Labor: Paarbeziehungen. Wenn er nicht schreibt oder redaktionell arbeitet, hält er sich gerne in Kinosälen, an alten Drehorten oder auf unscheinbaren Alltagsbühnen auf, dort, wo sich kleine Szenen von großer geistiger Tragweite abspielen.

Liebe ohne Erkenntnis

Ein V.F.E.G.-Leitfaden zur terminierten Zuneigung

Aus der Reihe: „Die bewusste Verblödung“

I

Markus Brüchler

Widmung

Für alle, die Zuneigung am liebsten dann zeigen, wenn sie fällig ist.

Für jene, die aus einem Datum eine Geste machen,

und aus einer Geste Ruhe.

Und für alle, die den 15. Februar als stillen Feiertag der Erleichterung zu schätzen wissen.

Wie dieses Buch gelesen werden kann

Dieses Buch ist modular aufgebaut. Die einzelnen Teile funktionieren jeweils als eigenständige Beobachtungsblöcke; eine lineare Lektüre bietet sich an, ist jedoch keine Voraussetzung.

Lesemöglichkeit A: Kontext zuerst

Der Einstieg über die „Vorbemerkungen des Instituts“ und „Teil I“ eignet sich, wenn die Logik des Rituals als gesellschaftliches System nachvollzogen werden soll. Diese Route legt die Begriffe, Mechaniken und den Ton fest, bevor die Beziehungsebene vertieft wird.

Lesemöglichkeit B: Beziehungssysteme im Zentrum

Ein Einstieg mit „Teil II“ empfiehlt sich, wenn der Fokus auf Routinen, Kommunikationsschonformen und Konfliktvermeidung liegen soll. Von dort führt der Text organisch zu den institutsinternen Praktiken.

Lesemöglichkeit C: Verdichtung statt Theorie

Wer das Buch als Spiegel und Kurzdiagnose nutzen möchte, beginnt mit „Teil III“ und „Teil IV“. Die „empfohlenen Praktiken“ und die Doppelseiten erzeugen ihre Wirkung über Form und Wiedererkennung; Hintergrundwissen ist hilfreich, aber nicht zwingend.

Lesemöglichkeit D: Nachschlagen und Wiederlesen

Der Anhang und das Glossar sind als Referenzteil angelegt. Sie eignen sich für spätere Rückgriffe, etwa, wenn eine Geste im Alltag auffällt, die erstaunlich zuverlässig funktioniert, obwohl sie wenig sagt.

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen des Instituts (Abteilung Z – Zuneigung & Zweisamkeit)12

Zur Notwendigkeit einer Untersuchung terminierter Zuneigung12

Der Valentinstag als normierte Ausnahme vom Alltag14

Symbolische Handlungen als kommunikative Ersatzsysteme16

Zuneigung als gesellschaftlich regulierte Erwartung18

Abgrenzung dieses Leitfadens20

Zur Verwendung dieses Leitfadens22

Institutsschlussbemerkung24

Teil I – Der Valentinstag als gesellschaftliches Ritual26

1. Der 14. Februar als terminierte Zuneigungsform26

2. Historische Verschiebung und funktionale Umdeutung28

3. Ritualisierung als soziale Vereinfachungsstrategie30

4. Kommerz, Medien und Vergleichsdynamiken32

5. Abweichung, Nicht-Teilnahme und stille Sanktionen35

6. Einordnung in die Systematik der bewussten Einfalt37

Teil II – Beziehung als Einfaltssystem41

1. Beziehung als Arrangement41

2. Nähe ohne Wahrnehmung44

3. Kommunikation als Schonform47

4. Konfliktvermeidung als Stabilitätsstrategie50

5. Der Valentinstag als kompensatorischer Ausnahmezustand53

6. Rollenerwartungen und Selbstvereinfachung56

7. Einordnung in die Logik der bewussten Einfalt59

TeilIII: Die empfohlenen Praktiken der V.F.E.G.62

1. Zur Auswahl geeigneter Gesten63

2. Geschenke als kommunikative Abkürzung68

3. Die Valentinskarte als Textminimalform74

4. Überraschung ohne Überraschung79

5. Gemeinsame Zeit als Programmpunkt84

Teil IV – „Die Doppelseiten der Einfalt“90

1. So bleiben Sie gefühlsstabil und konfliktfrei92

2. So vermeiden Sie jedes klärende Gespräch94

3. So erfüllen Sie implizite Erwartungen zuverlässig96

4. So vermeiden Sie Konfliktthemen98

5. So setzen Sie auf eine symbolische Geste99

6. So organisieren Sie eine gemeinsame Aktivität100

7. So beenden Sie den Abend zufrieden102

8. So wahren Sie jederzeit Haltung104

9. So stellen Sie eigene Wünsche zurück106

Teil V – Sonderfälle, Randgruppen und der 15. Februar109

1. Singles und die simulierte Gelassenheit109

2. Langjährige Beziehungen und ritualisierte Routine113

3. Frisch Verliebte und Übererfüllung117

4. Der 15. Februar: Das Ende des Ausnahmezustands121

Schlussbemerkung des Instituts124

Anhang125

Glossar der beziehungsrelevanten Einfaltbegriffe125

Institutsinterne Empfehlungen für den restlichen Jahresverlauf131

Haftungshinweis und Abschlussvermerk133

„Zuneigung ist zuverlässig, sobald sie planbar wird.“– Aus dem Arbeitsprotokoll der V.F.F.E., Abt. K (Zentralarchiv, 2024)

Vorbemerkungen des Instituts (Abteilung Z – Zuneigung & Zweisamkeit)

Zur Notwendigkeit einer Untersuchung terminierter Zuneigung

Im Zeitalter vermeintlich spontaner Selbstentfaltung wirkt die Existenz streng terminierter Zuneigung auf den ersten Blick paradox.

Dennoch ist genau dies am 14. Februar, dem Valentinstag, gesellschaftliche Realität. Ein fest im Kalender verankerter Stichtag fungiert als Pflichttermin für romantische Gefühle.

Die Konzentration von Gefühlsäußerungen auf einen einzigen Datumspunkt begründet die Notwendigkeit, dieses Phänomen näher zu beleuchten.

Ob genuine Zuneigung sich tatsächlich planmäßig abrufen lässt oder ob der ritualisierte Charakter dieses Vorgangs auf tieferliegende soziale Mechanismen verweist, ist eine der Leitfragen der vorliegenden Untersuchung.

Traditionell richtet die V.F.E.G. ihr Augenmerk auf Muster des Alltags, in denen Komplexität bewusst reduziert und durch Routine ersetzt wird.

Die terminierte Zuneigung, also das gezielte Bündeln von Gefühlen und Aufmerksamkeiten an einem vorab festgelegten Tag, erfüllt diese Kriterien in exemplarischer Weise.

Entsprechend dem Selbstverständnis des Instituts als dokumentierende Forschungsorganisation wird der Ansatz gewählt, das Phänomen zunächst sachlich zu erfassen und systematisch zu ordnen, statt es vorschnell zu bewerten.

Unser Forschungsauftrag ist damit klar definiert: Es gilt, jene Rituale, Ersatzhandlungen und Erwartungsstrukturen, die das Valentinstagsgeschehen prägen, akribisch zu untersuchen.

Aus der Summe dieser Beobachtungen lassen sich anschließend die zugrundeliegenden Mechanismen der Einfalt, die Prinzipien also, die der bewussten Simplifizierung des Denkens und Fühlens dienen, analytisch ableiten.

Auf den ersten Blick mag es übertrieben erscheinen, einem einzelnen Brauch so viel wissenschaftliche Aufmerksamkeit zu widmen.

Doch gerade die Fokussierung auf diesen isolierten Zeitpunkt verspricht besondere Erkenntnisse: Hier bündelt sich in 24 Stunden, was ansonsten diffus über das Jahr verteilt oder unausgesprochen bliebe.

Indem die Zuneigung auf Termin gelegt wird, treten die zugrunde liegenden Regeln und Automatismen deutlich zutage.

Die Untersuchung terminierten Liebesverhaltens eröffnet somit einen präzisen Blick auf die innere Mechanik moderner Beziehungsrituale.

Vielleicht war das Ziel dabei nie echte Nähe – vielleicht nur Ruhe.

Der Valentinstag als normierte Ausnahme vom Alltag

Der Valentinstag, in der öffentlichen Wahrnehmung längst zum Synonym für Romantik avanciert, stellt einen normierten Ausnahmezustand im Jahreslauf dar.

Als Datum markiert er eine ausdrückliche Unterbrechung des Beziehungsalltags. Übliche Routinen werden für einen Tag ausgesetzt und durch ein vorgegebenes Programm romantischer Gesten ersetzt.

Was nach außen hin wie ein besonderer Ausbruch aus der Gewohnheit erscheint, folgt in Wahrheit einem festen Skript.

Die vermeintliche Ausnahme ist streng geregelt. Restaurants bieten standardisierte „Valentins-Menüs“ an, der Blumenhandel hält Massen an roten Rosen bereit, und selbst die privaten Aufmerksamkeiten gehorchen einer wiederkehrenden Dramaturgie.

Man könnte von einem romantischen Ausnahmezustand sprechen, einem Ausnahmezustand allerdings, der bis ins Detail normiert ist.

Was auffällt ist, dass der 14. Februar als „Tag der Liebe“ zwar allerlei außergewöhnliches Verhalten gestattet, dieses Verhalten jedoch keineswegs spontan entstehen darf, sondern erwartet wird.

Gesten, die an gewöhnlichen Tagen als übertrieben oder kitschig gelten mögen, sind am Valentinstag nicht nur akzeptiert, sondern nahezu verpflichtend. Das Ausbleiben solcher Symbolhandlungen wird schnell als Fehltritt oder Beziehungskrise gewertet.

In vielen Partnerschaften herrscht implizit die Übereinkunft, dass an diesem Datum Romantik zu erfolgen hat, völlig unabhängig von sonstigen Umständen.

Somit steht der Valentinstag paradigmatisch für einen kulturell sanktionierten Ausnahme-Anlass, der paradoxerweise selbst zur Regel geworden ist.

So systematisch dieser Tag inszeniert wird, so begrenzt ist seine tatsächliche Wirkung.

Es liegt in der Logik des Ereignisses auf Abruf, dass ein einzelner Abend mit Kerzenschein keine tiefgreifenden Beziehungsprobleme lösen kann. Dennoch scheint es für viele Paare ausreichend, wenigstens für diese kurze Frist eine Scheinwelt idealer Romantik aufrechtzuerhalten, gewissermaßen eine kollektive Auszeit von der Realität zugunsten eines ritualisierten Ideals.

In funktionaler Hinsicht fungiert der Valentinstag damit auch als Ventil. Das diffuse Bedürfnis nach Zuneigung und besonderer Wertschätzung wird in ein planbares Ereignis kanalisiert.

Wer am 14. Februar „liefert“, sieht sich in der Folge weniger genötigt, an den restlichen Tagen spontan romantisch zu sein.

Die Ausnahme wird dadurch Teil der Normalität, ein fest eingeplanter Regelbruch, der zuverlässig jährlich zum selben Zeitpunkt wiederkehrt.

Mit anderen Worten: Der Valentinstag ist nichts weniger als der routinisierte Ausbruch aus der Routine.

Symbolische Handlungen als kommunikative Ersatzsysteme

Zu den zentralen Bestandteilen des Valentinsrituals gehören symbolische Handlungen, insbesondere Geschenke und formalisierte Gesten, die als kommunikative Ersatzsysteme fungieren.

Klassische Aufmerksamkeiten wie der Rosenstrauß, die Pralinenschachtel oder eine herzförmige Grußkarte sind semantische Platzhalter. Sie transportieren in kodifizierter Form die Botschaft von Zuneigung, ohne dass die Gefühlslage explizit in Worte gefasst werden muss.

In diesem System der Stellvertretung „sprechen“ die Dinge anstelle der Personen.

Die Aussage „Du bist mir wichtig“ wird nicht in einem direkten Gespräch artikuliert, sondern symbolisch überreicht, etwa durch ein Geschenk. Auf diese Weise werden komplexe oder potenziell unangenehme Gespräche über Erwartungen und Emotionen durch einen protokollarischen Akt ersetzt.

Die Beteiligten verstehen einander ohne viele Worte, weil alle das zugrunde liegende Ritual kennen. Man könnte von einer kommunikativen Abkürzung sprechen. Anstatt die Tiefe der eigenen Empfindungen oder latente Unzufriedenheiten anzusprechen, überreicht man ein Objekt, das die gewünschten Gefühle stellvertretend ausdrückt.

Diese indirekte Methode passt perfekt zum eindimensionalen Duktus bewusster Einfalt. Sie vermeidet Konfrontation und stellt sicher, dass der Austausch positiv und störungsfrei bleibt.

Jede erfolgreiche Valentinsgeste wirkt wie eine kleine Konfliktvermeidungseinheit im Beziehungsalltag, denn wer rechtzeitig Blumen mitbringt oder ein persönliches Präsent vorbereitet, beugt möglichen Verstimmungen vor.

Ehrlichkeit wird an diesem Tag der Liebesbekundungen eher als störend empfunden; selbst berechtigte Kritik oder offene Aussprache gilt am 14. Februar als unangebracht.

Die hohe Kunst der kommunikativen Schonhaltung zeigt sich darin, dass kritische Themen bewusst ausgeklammert werden. Die Harmonie des Anlasses hat oberste Priorität.

Statt eventuelle Konflikte anzusprechen, konzentriert man sich auf austauschbare Liebesbezeugungen, getreu dem unausgesprochenen Grundsatz, dass an diesem Tag nur die schönen Seiten der Zweisamkeit zählen.

Für die Beteiligten bringt diese Symbolik erheblichen Komfort mit sich. Die Unwägbarkeit eines echten, unkontrollierten Dialogs wird ersetzt durch die Berechenbarkeit eines ritualisierten Austauschs.

Beide Seiten akzeptieren die Choreografie. Der Schenkende hat seine Pflicht erfüllt, die beschenkte Person deutet die Geste als hinreichenden Liebesbeweis.

Auf diese Weise entsteht ein effizientes, aber oberflächliches Kommunikationsritual, das die Harmonie wahrt, jedoch wenig Raum für neue Einsichten bietet. Eine Beziehung kann so durchaus reibungslos „funktionieren“, allerdings nur, solange keiner der Beteiligten mehr erwartet als einen stummen Blumenstrauß.

Zuneigung als gesellschaftlich regulierte Erwartung

Die am Valentinstag zelebrierte Zuneigung ist natürlich nicht allein Ausdruck individueller Gefühle, sondern ebenso Teil eines gesellschaftlich regulierten Erwartungssystems.

Auch intime Gesten unterliegen sozialen Regeln. Öffentlichkeit und Umfeld erwarten förmlich, dass Paare am 14. Februar ihre Verbundenheit mit sichtbaren Zeichen bekunden.

---ENDE DER LESEPROBE---