Die verlorene Zeit - Günter Hiller - E-Book

Die verlorene Zeit E-Book

Günter Hiller

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Beschreibung

Evolution basiert auf der einfachen Annahme, dass alles, was wir im Kosmos wahrnehmen und wahrnehmen können, eine endliche Lebensdauer hat. Ewigkeit können wir nicht wahrnehmen, können wir nicht beobachten und ist uns daher verschlossen. Die Ewigkeit ist zeitlos und wenn man Raum als Dimension der Gleichzeitigkeit betrachtet ist Raum ohne Zeit gar nicht definiert. Diese endliche Lebensdauer bezieht sich auf alles, auch auf unsere Annahmen, unseren Gauben und unsere Überzeugungen und Dogmen. Alles was wir denken oder beobachten, hat seine Zeit, seine eigene Zeit, seine eigene Lebensdauer. Es ist daher nur anmaßend und nicht nachvollziehbar, wenn wir versuchen wollten, die Ewigkeit zu beschreiben.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 145




Vorwort

Komplementarität bestimmt anscheinend unsere Welt, sowohl im Großen auf der Skale der Erde, des Kosmos und des Universums, aber auch im täglichen Umgang von uns Menschen miteinander. Nur sind wir uns oftmals dessen nicht bewusst.

2000 Jahre lang sind wir mit dem Glauben an eine einzige göttliche Wahrheit manipuliert worden. Wer dieser Auffassung widersprach, wurde und wird teilweise noch heute als Ketzer geächtet, verbrannt oder was immer den religiösen Eiferern noch einfiel.

Dabei war das nicht immer so. Die alten Ägypter oder Griechen hatten durchaus vielfältige religiöse Vorstellungen und ihre Kulturen erscheinen uns heute moderner und aufgeschlossener als unser abendländisches Mittelalter. Offiziell war zwar das Mittelalter mit der Aufklärung abgeschlossen, aber 2000 Jahre Indoktrinierung lassen sich nicht so einfach wegwischen.

Die Herde Mensch lässt sich nicht so einfach umleiten, was einmal gelehrt und gelernt wurde, lässt sich nicht so ohne weiteres ausradieren. Es ist schwer, einen Menschen davon zu überzeugen, dass sein Handeln unvorteilhaft ist, wenn er mit diesem Handeln in der Vergangenheit erfolgreich war.

Das große Problem ist, dass Annahmen, Glauben und Überzeugungen nicht bewiesen werden können, sie können nur mehr oder weniger vorteilhaft sein. Von Paracelsus stammt der berühmte Satz: Die Dosis ist das Gift. Kürzer und prägnanter lässt sich Komplementarität kaum ausdrücken.

Berlin, im Juni 2020

Günter Hiller

Inhalt

Teil I Wissenschaft

Einleitung

Energieerhaltung

Wahrnehmung

Zeit und Trägheit

Die mehrdeutige Zeit

Geo- und Astrophysik

Symbiose

Allgemeines Evolutionsprinzip

Zusammenfassung

Teil II Gesellschaft

Psychologie der Herde

Neue Herausforderungen

Die verlorene Zeit

Die Zerstörung der Natur

Epilog

Literatur

Die Dosis ist das Gift

Paracelsus

Teil I Wissenschaft

Einleitung

Der Untertitel ist bereits ein Hinweis darauf, dass Komplementarität eine intrinsische Eigenschaft unserer Welt sein sollte. Dieser Essay widerspricht in einigen Punkten herkömmlichen und überlieferten Denkmodellen und macht nur Sinn zu lesen, wenn man bereit ist, traditionelle Dogmen zu hinterfragen. Das beginnt bereits dabei, althergebrachte Begriffsdefinitionen neu zu gestalten. Viele Begriffe werden heute disziplinübergreifend verwendet, aber teilweise mit abenteuerlichen Bedeutungsinterpretationen.

Der Begriff Komplementarität stammt von dem amerikanischen Philosophen und Psychologen William James (1842 - 1910), dem Begründer der Pragmatismus genannten empirischen Richtung der Philosophie. Bereits in den Jahren 1884 - 1890 benutzte James den Begriff komplementär zur Bezeichnung von 'relations of mutual exclusion' bei schizophrenen Prozessen, also von Beziehungen, die sich gegenseitig ausschließen.

Carl Friedrich von Weizsäcker definiert Komplementarität in der Wissenschaft: "Die Komplementarität besteht darin, dass sie nicht beide benutzt werden können, gleichwohl beide benutzt werden müssen." Niels Bohr erklärte etwas für komplementär, wenn das eine nicht durch das andere erklärt oder beschrieben werden kann. Diese einfache Formulierung führte mich zu einer sehr fundamentalen Komplementarität, der des Wahrnehmbaren und nicht Wahrnehmbaren.

Das Wahrnehmbare lässt sich natürlich nicht durch das nicht Wahrnehmbare beschreiben, aber dasselbe gilt auch uneingeschränkt anders herum. Das nicht Wahrnehmbare bezeichnet das, was wir nicht wissen und für unser Unwissen gilt eine ganz konkrete Wahrheit: Wir wissen nicht, was wir nicht wissen! Wir sind immer auf Annahmen angewiesen, die wir nicht beweisen können. Diese Feststellung mag banal erscheinen, ist aber bereits ein erster Schritt der Erkenntnis:

1. Wir wissen nicht, was wir nicht wissen.

Entscheidend bei diesen Überlegungen ist das nicht Wahrnehmbare. Egal, wie sehr sich unsere Wahrnehmung verändert oder verbessert, es ändert keinen Deut daran, dass wir das zwar veränderte, aber noch immer nicht Wahrnehmbare nicht besser oder genauer beschreiben können! Wir können es anders beschreiben, weil sich unsere Wahrnehmung verändert hat, aber wir sind der Lösung des Rätsels keinen Schritt näher. Das mag frustrierend klingen und manchen zu einem Wunschdenken verleiten, aber jeder ernsthafte Wissenschaftler folgt der alten Weisheit: Der Weg ist das Ziel. Auf diesem Weg sieht man soviel Neues, dass man eigentlich gar nicht ankommen möchte.

Dieser Weg beruht auf diversen Annahmen, aber es ist wesentlich für unsere Erkenntnis, dass Annahmen niemals verifiziert werden können, sie können nur falsifiziert werden. Wir müssen in erster Instanz etwas annehmen, an etwas glauben, damit wir es im nächsten Schritt anzweifeln können und genau dieses Wechselspiel von glauben und zweifeln beflügelt unseren Verstand (G. Hiller: Zum Zweifeln geboren - zum Glauben verdammt). Eine unzureichende Annahme führt immer zu einem Paradox. Ein Paradox ist keine spaßige Laune der Natur, sondern ein Hinweis auf eine unzutreffende oder unzureichende Annahme. Das führt bereits zu einer zweiten sehr wesentlichen Erkenntnis:

2. Annahmen können nicht bewiesen werden.

Trotzdem verleitet das menschliche Wesen anscheinend zum Dogmatismus. Unsicherheit bereitet Menschen Unwohlsein und so haben Religionen seit Jahrtausenden mit einer Mischung aus vorgetäuschter Gewissheit, Versprechen und Moralvorschriften, ihren Dogmen, versucht, Menschen zu beeinflussen und zu manipulieren. Der Wunsch nach Erklärungen des Unbekannten überstrahlt oft die Einsicht, dass eine vollständige Erkenntnis unmöglich ist. Wenn eine Annahme lange Zeit nicht widerlegt werden kann, dürfen wir an die Richtigkeit dieser Annahme glauben und im weiteren Verlauf wird aus diesem Glauben eine Überzeugung, ein Dogma.

Davor ist auch Wissenschaft nicht gefeit, nur heißen die Dogmen in der Wissenschaft Erfahrungssätze. Wenn ein Erfahrungssatz nicht mehr in Frage gestellt wird oder in Frage gestellt werden darf, ist er nichts anderes als ein Dogma. Interessanterweise sind Erfahrungssätze für bestimmte Zeiträume sehr vorteilhaft. Annahmen, die für lange Zeit nicht widerlegt werden können, entwickeln sich zu Glaubenssätzen und schließlich zu Überzeugungen und genau dann wird es kritisch. Ein Wissenschaftler darf nur vom Zweifeln überzeugt sein, nicht vom Glauben.

Selbst wenn eine Annahme tausend hervorragende Bestätigungen hervorbringt, reicht ein einziges Paradox, um diese Annahme zu verwerfen. Das klingt hart, ist aber die einzige Möglichkeit voranzukommen. An dieser Stelle muss man deutlich zwischen einem Paradox und einer Abweichung unterscheiden. Abweichungen lassen sich meistens korrigieren, ein Paradox dagegen basiert auf einem fundamentalen Gedankenfehler. Wenn sich Abweichungen allerdings nicht vollständig korrigieren lassen, muss man den Grund dafür ermitteln und das kann auch dazu führen, dass die Grundprinzipien überprüft werden müssen.

Auf diese Problematik stieß ich bei der Betrachtung der Energie. Können wir Energie überhaupt wahrnehmen und messen oder nehmen wir nur Sekundäreffekte der Energie war? Etwas ähnliches erleben wir bei der Gravitation. Was wir wahrnehmen und mit dem Gravitationsgesetz beschreiben, sind die Anziehungen riesiger Massen, aber wir wissen gar nichts darüber, was auf der Ebene der Gravis, den Basiselementen der Gravitation, vor sich geht. Die Tatsache, dass wir Sterne noch in Milliarden Lichtjahren Entfernung leuchten sehen, täuscht auch darüber hinweg, dass der Elektromagnetismus nur eine vergleichsweise geringe Reichweite besitzt. Unsere Wahrnehmung täuscht uns über gegebene Tatsachen.

Energieerhaltung

Wie uns unsere Erfahrungen täuschen können, möchte ich an einem Beispiel erläutern, dem Erfahrungssatz der Energieerhaltung, der bei seiner Einführung geradezu genial war, aber dessen Genialität sich im Laufe der Zeit relativierte.

Um die Genialität der Energieerhaltung zu verstehen, muss man einige Jahrhunderte zurückgehen, als Physik noch im Wesentlichen auf Mechanik beruhte. Bei der Beobachtung eines Pendels zeigte sich, dass das Pendel zwischen zwei Umkehrpunkten hin- und herpendelte, an den Umkehrpunkten die Geschwindigkeit Null hatte und genau dazwischen eine maximale Geschwindigkeit. Da sich die Masse des Pendels nicht ändert, erkennt man sofort, dass die Geschwindigkeit von der Auslenkung abhängt.

Aber auch die Reibungsverluste des Pendels in Luft lassen sich in dieses Konzept integrieren. Reibung regt die Luftmoleküle zu mehr Bewegung an und eine Zunahme dieser Braunschen Molekularbewegung lässt sich als leichte Temperaturzunahme oder als Zunahme der Wärmeenergie des Labors verstehen. Somit muss die Gesamtenergie nur noch mit einer Wärmeenergie vervollständigt werden und schon bleibt die Gesamtenergie des Systems weiterhin erhalten, nur ist das System jetzt nicht mehr das Pendel allein, sondern das ganze Labor. Das System Pendel gibt Energie langsam an sein Umfeld, an seine Umgebung ab.

Es ist also unschwer zu erkennen, dass Energieerhaltung von der richtigen Wahl des Systems abhängig ist und genauso wird es inzwischen von Physikern definiert: Energieerhaltung gilt in einem energetisch abgeschlossenen System, oder etwas allgemeiner für ein System, dessen Energiebilanz mit seinem Umfeld ausgeglichen ist. Das ist aber kein Erfahrungssatz, sondern eine Tautologie. Es wäre erst ein Erfahrungssatz, wenn ich immer ein energetisch neutrales System finden könnte.

Aber genau diese Annahme geht schon bei unserer Erde schief. Unsere Biosphäre beruht letztlich auf Sonnenenergie. Die Erde absorbiert Energie von der Sonne und strahlt einen Teil dieser Energie wieder ins Weltall ab. Auf Grund der Erdrotation und einer ungleichmäßigen Sonnenaktivität variieren beide im Laufe eines Tages und wegen der elliptischen Erdumlaufbahn auch im Laufe eines Jahres. Schon unsere Erde lässt sich also nicht als System mit einer ausgeglichenen Energiebilanz betrachten und schon gar nicht lässt sich Energieerhaltung einfordern.

Genau aus diesem Grund lässt sich klassische Physik mit dem Dogma der Energieerhaltung nicht auf die Biosphäre anwenden, diese lässt sich nur mit evolutionären Prozessen erklären. Wir können nicht einmal erklären, was genau mit der abgestrahlten Energie passiert, sie verschwindet irgendwie in den Weiten des Alls. Es ist daher schon sehr verwunderlich, dass Kosmologen dennoch Energieerhaltung für das gesamte Universum einfordern.

Zum einen wissen wir überhaupt nicht, was das Universum ist, zum anderen wissen wir auch nicht, was Energie ist. Warum? Wir können Universum ohne weiteres als das Ganze, als Alles definieren und uns selbst als Teil dieses Ganzen, des Universums. Dann fehlt uns natürlich der unmögliche, aber notwendige Außenblick, ohne den unsere Vorstellung oder Erkenntnis des Universums immer unvollständig sein wird. Hier greift bereits der erste Schritt zur Erkenntnis: Wir wissen nicht, was wir nicht wissen. Und wie steht es mit der Energie?

Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass Energie ein reiner Rechenwert ist. Energie ist keine empirisch messbare Größe, Energie ist ein virtueller Wert, der in der Physik unter gegebenen Umständen für Rechenvorschriften verwendet werden kann. Energie ist ein virtueller Rechenwert, nicht mehr und nicht weniger. Energie ist eine geniale Erfindung der Physik und wenn man Energieerhaltung als ein Dogma der Physik erachten möchte, dann muss man aber auch den Anwendungsbereich dieser Physik auf diejenigen Systeme beschränken, für die Energieerhaltung vorbehaltlos angewendet werden darf.

Wenn Energieerhaltung nicht eindeutig gewährleistet ist, kann man nur auf einen evolutionären Ansatz zurückgreifen. Natürlich lassen sich immer wieder energetisch neutrale Systeme finden, aber man darf diese nicht ungerechtfertigt verallgemeinern. Ein bekanntes Paradoxon lautet:

Der Kreter Epimenides sagt: Alle Kreter sind Lügner.

Dieses Paradoxon ergibt sich einzig und allein aus einer ungerechtfertigten Verallgemeinerung: Alle Kreter! Andere Erklärungen mögen originell sein, aber nicht zielführend. An dieser Stelle greift der zweite Schritt der Erkenntnis: Annahmen können nicht bewiesen werden. Verallgemeinerungen sind wie Extrapolationen im Grundsatz extreme Vereinfachungen, und wie schon Einstein bemerkte, bieten einfache Lösungen Vorteile, dürfen aber nicht zu einfach sein, dann können sie grundlegende Charakteristiken verschleiern.

Energieerhaltung ist keine Erfahrung, sondern eine vereinfachende Rechenvorschrift und somit völlig ungeeignet für ein unbekanntes Universum oder einen unbekannten Kosmos. Ein Großteil des Universums ist für und nicht wahrnehmbar und es macht daher Sinn, unsere Wahrnehmung genauer zu betrachten und zu analysieren und die Grenzen unserer Wahrnehmung auszuloten.

Wahrnehmung

Was wir als Wahrnehmung bezeichnen, ist im Grunde eine komplexe Datenverarbeitung in unserem Gehirn. Menschliche Wahrnehmung beruht im Prinzip auf einer Weiterleitung von Informationen von unseren Sinnen an unser Gehirn. Neben den fünf äußeren Sinnen (Sehen, Hören, Riechen, Tasten und Schmecken) zählt die Wissenschaft heute noch einige innere Sinne (Gleichgewicht etc.) hinzu. Die Anzahl variiert je nach Autor und Quelle. Alle Sinneseindrücke werden zumeist über Nervenstränge an die Synapsen des Gehirns geleitet und werden dort als Bild in unserem Kopf zusammengesetzt.

Das Wahrnehmbare und das nicht Wahrnehmbare sind komplementär mit all den Vor- und Nachteilen, die die Komplementarität bietet. Einen besonderen Aspekt der Wahrnehmung verdanken wir der Quantenphysik. Anscheinend können wir nur Dinge wahrnehmen, die einen Quantencharakter haben, Ereignisse in der Zeit oder Strukturen im Raum. Jedenfalls nehmen wir deren Grenzen war, als eine Veränderung, als Information.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis und wir müssen ernsthaft hinterfragen, was wir tatsächlich wahrnehmen und beobachten können. Wir hantieren leichtfertig mit Begriffen, die uns in Fleisch und Blut übergegangen sind, aber manchmal nur virtuelle Rechenwerte sind. Wir werden im Laufe unseres Lebens mit so vielen Begriffen und Zusammenhängen konfrontiert, dass es praktisch unmöglich ist, jedes einzelne zu hinterfragen oder zu begründen.

Im übertragenen Sinn stellt Energie die Geschwindigkeit einer Wirkung dar, aber können wir uns darunter etwas vorstellen? Können wir uns etwas unter Lichtgeschwindigkeit vorstellen? Lichtgeschwindigkeit ist eine Informationsgeschwindigkeit und beruht auf einer Frequenz, auf der Frequenz einer Zustandsänderung. Diese Zustandsänderungsfrequenz ist endlich und ist die Grundlage menschlicher Beobachtung. Licht ist ein Teil des elektromagnetischen Spektrums und inzwischen hat der Mensch weite Teile dieses Spektrums für seine Beobachtungen erschlossen.

Aus der Physik wissen wir, dass die elektromagnetische Kraft im Bereich von 30 Zehnerpotenzen größer ist als die Gravitationskraft. Ich bezeichne die Grundelemente der Gravitation als Gravis und es wird sofort deutlich, dass wir Gravis elektromagnetisch nicht auflösen können. Die vorgenannte Planck-Zeit, die man vermutlich den Gravis zuordnen kann (tP ≈ 5 ⋅ 10-44 s), ist um ca. 20 Zehnerpotenzen kleiner als die derzeit kleinste elektromagnetisch messbare Zeit. Wir können Gravitation tatsächlich als Sekundäreffekt riesiger Massen wahrnehmen, aber nicht Gravis selbst beobachten, dafür reicht ein elektromagnetisches Auflösungsvermögen nicht aus.

Es besteht also ein Unterschied zwischen Wahrnehmung und Beobachtung, zwischen Wahrnehmbarkeit und Beobachtbarkeit. Dazu mag ein kleines Gedankenexperiment hilfreich sein. Wenn die Informationsgeschwindigkeit unendlich (∞) wäre, wären gewissermaßen alle Informationen gleichzeitig überall und es gäbe weder Zeit noch Raum, Zeit und Raum wären überhaupt nicht definiert. Eine unendliche Informationsgeschwindigkeit wäre folglich nicht wahrnehmbar und natürlich auch nicht beobachtbar. Korreliert man eine unendliche Informationsgeschwindigkeit mit einer unendlichen Frequenz, dann entspricht das einer Zeit Null oder keiner Zeit, Zeit ist einfach nicht vorhanden. Das ist etwas völlig anderes als der aus der Physik bekannte Zeitpunkt Null, der den Anfang eines Ereignisses oder Prozesses darstellt.

Der Anfang der Zeit ist nicht der Zeitpunkt Null, sondern die Erscheinung oder Emergenz eines Ereignisses (Gravi), einer Information mit einer minimalen Lebensdauer der Planck-Zeit tP. Der Begriff Lebensdauer ist bereits ein Hinweis darauf, dass man Zeit als Zeitspanne betrachten muss und Ereignisse oder Informationen grundsätzlich eine endliche, eine begrenzte Lebensdauer besitzen. Eine Information entsteht und vergeht und wenn Informationen nicht vergessen sein wollen, müssen sie in irgendeiner Form reproduziert werden. Das führt dann zu einem allgemeinen Evolutionsprinzip, das später behandelt wird.

Zunächst ist nur wichtig, dass Wahrnehmung an Zeit gekoppelt ist und folglich eine nicht wahrnehmbare Energie zeitlos sein müsste. Das ist eine unbeweisbare Hypothese, die aber hilfreich sein kann beim Verständnis von Kosmos und Universum. Auf der einen Seite haben wir virtuelle Energie und auf der anderen Seite reale Wirkungen und Zeitspannen. Dann macht es Sinn, den realen Teil als Kosmos zu bezeichnen und die Gesamtheit von Realität und Virtualität als Universum. Dann ist in jedem Fall unser Wissen über das Universum unvollständig.

Zum besseren Verständnis kann man die Virtualität auch als Möglichkeiten, als den Raum der Möglichkeiten betrachten, im Gegensatz zu den real existierenden Tatsachen, dem Raum der Realitäten. Wir Menschen haben so viel Phantasie, dass wir uns einige Möglichkeiten vorstellen können, wissen aber nicht, ob und wenn ja, wann diese Möglichkeiten realisiert werden könnten. An dieser Stelle kollidieren Vorstellung und Wahrnehmung, Phantasie und Realität. Dieser Konflikt kann uns zum Wunschdenken verführen und verhindert in einigen Fällen die klare Trennung von virtueller Möglichkeit und realer Tatsache in unserem Kopf.

Das Bild in unserem Kopf ist ein riesiger Erfahrungsschatz, der sich sowohl aus eigenen Erlebnissen als auch denen anderer zusammensetzt. Wir sind also nicht alleine für unser Wissen verantwortlich, sondern auf die Mithilfe anderer angewiesen. Wir sind Herdentiere, die mit der Herde mitlaufen. In