Dr. Stefan Frank 2617 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2617 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Eva und ihre Freundin Maggy kennen sich schon ewig und haben bereits allerhand miteinander erlebt. Ausufernde Feste, Partyurlaube und Drogenexperimente waren an der Tagesordnung. Seither sind Jahre vergangen. Eva arbeitet nun als Travel Designerin für ein Reisebüro, Maggy ist bei einer Krankenversicherung angestellt und wird demnächst heiraten. Sie bittet Eva, ihre Trauzeugin zu sein, immerhin hat diese sie überhaupt erst mit ihrem Zukünftigen Cornelius bekannt gemacht.
Beim Hochzeits-Probeessen im Restaurant kommt es zu einem Zwischenfall: Dort knicken Eva einfach die Beine weg und sie kollabiert. Wenige Tage später erhält sie bei Dr. Frank das Ergebnis ihrer Blutuntersuchung. Sie hat sich auf einer ihrer Reisen mit dem Zika-Virus infiziert. Es besteht die Gefahr, dass sich aus der Virusinfektion das Guillain-Barré-Syndrom entwickelt hat, eine neurologische Krankheit mit Lähmungserscheinungen. Da sich das Virus auch über Körperflüssigkeiten überträgt, fragt Stefan Frank seine Patientin nach möglichen Geschlechtspartnern, die informiert werden müssen. Eva blickt ihrem Arzt tapfer in die Augen, als sie sagt: "Da gibt es nur einen. Cornelius, den Verlobten meiner Freundin Maggy."

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Cover

Ohne Rücksicht auf Verluste

Vorschau

Impressum

Ohne Rücksicht auf Verluste

Ihre wilde Vergangenheit holt Eva wieder ein

Eva und ihre Freundin Maggy kennen sich schon ewig und haben bereits allerhand miteinander erlebt. Ausufernde Feste, Partyurlaube und Drogenexperimente waren an der Tagesordnung. Seither sind Jahre vergangen. Eva arbeitet nun als Travel Designerin für ein Reisebüro, Maggy ist bei einer Krankenversicherung angestellt und wird demnächst heiraten. Sie bittet Eva, ihre Trauzeugin zu sein, immerhin hat diese sie mit ihrem Zukünftigen Cornelius bekannt gemacht.

Beim Hochzeits-Probeessen im Restaurant kommt es zu einem Zwischenfall: Dort knicken Eva einfach die Beine weg und sie kollabiert. Wenige Tage später erhält sie bei Dr. Frank das Ergebnis ihrer Blutuntersuchung. Sie hat sich auf einer ihrer Reisen mit dem Zika-Virus infiziert. Es besteht die Gefahr, dass sich aus der Virusinfektion das Guillain-Barré-Syndrom entwickelt hat, eine neurologische Krankheit mit Lähmungserscheinungen. Da sich das Virus auch über Körperflüssigkeiten überträgt, fragt Stefan Frank seine Patientin nach möglichen Geschlechtspartnern, die informiert werden müssen. Eva blickt ihrem Arzt tapfer in die Augen, als sie sagt: »Da gibt es nur einen. Cornelius, den Verlobten meiner Freundin Maggy.«

»Mach das sofort aus. Ich kann nicht mehr!« Japsend saß Maggy Petzold auf dem Loungesofa ihres Balkons und hielt sich den Bauch vor Lachen.

»Aber wir haben noch nicht einmal die Hälfte der Fotos gesehen«, widersprach Eva grinsend und klickte weiter. Im nächsten Moment quietschte sie. »Oh mein Gott, schau mal! Das war auf Mallorca. Hach, das waren noch Zeiten, als wir Sangria mit Strohhalmen aus Eimern getrunken haben.«

»Aber Ibiza hat es mir besser gefallen.« Maggy deutete auf das nächste Foto, auf dem sich Tausende Hände den Laserstrahlen entgegenstreckten. Sie musste noch nicht einmal die Augen schließen, um den mitreißenden Beat zu hören, den der Discjockey Nacht für Nacht für seine Gäste gespielt hatte.

Eva kicherte. »Ehrlich gesagt kann ich mich nur noch dran erinnern, dass wir zum Frühstück immer Wodka in den Kaffee gekippt haben. Den ganzen Tag wie auf Wolken laufen. Herrlich!«

Maggy lehnte sich zurück. Ihr sinnender Blick wanderte hinunter in den nächtlichen Garten der Nachbarn. Von hier oben sahen die Lichterketten in den Bäumen aus wie Glühwürmchen.

»Ich weiß nicht«, murmelte sie. »Ehrlich gesagt bin ich froh, dass diese wilden Zeiten vorbei sind.«

»Echt?« Eva machte große Augen. »Meinetwegen hätte es ewig so weitergehen können.« Sie klickte sich weiter durch die Fotos auf der CD, die sich in Maggys Musiksammlung verirrt hatte. Auf der Suche nach den Hits ihrer Jugend war sie ihnen in die Hände gefallen. Nun saßen sie schon seit geraumer Weile mit ihrem Fund auf dem Balkon der Wohnung, die Maggy sich mit ihrem Verlobten Cornelius teilte, und schwelgten in Erinnerungen. »Ich fand's superlustig damals. Schau mal hier! Das muss die Faschingsparty bei Heli vor zehn Jahren gewesen sein. Da haben wir den Pfefferminzlikör aus High Heels getrunken.«

Maggy stöhnte auf. »Das darf Cornelius niemals sehen. Ein Glück, dass wir da noch nicht zusammen waren. Und dass er an diesem Wochenende mit seinen Freunden unterwegs ist.«

»Ach was, Conny hat doch Humor.« Eva kannte Cornelius Weinzierl sogar noch länger als Maggy und hatte die beiden vor ein paar Jahren miteinander bekannt gemacht. »Auf die Freundschaft!«

Sie hob das Glas und trank einen großen Schluck Prosecco, mit dem die beiden Freundinnen auf Maggys Hochzeit anstießen, die in zwei Wochen stattfinden sollte.

Eva war erst tags zuvor wieder einmal von einer vierwöchigen Reise zurückgekehrt. Ecuador, Kolumbien, Venezuela. Es gab kaum ein Land im nördlichen Südamerika, durch das sie noch keine Reisegruppe geführt hatte. Dabei war sie eher zufällig an den Job als Reiseleiterin gekommen. Auf ihrer Rucksackreise durch Kolumbien hatte sie vor Jahren spontan die Führung einer kleinen Gruppe Touristen übernommen, die ihren Reiseleiter verloren und sich in Cartagena verlaufen hatte. Rasch hatte sich die anfängliche Sorge der Reisenden in helle Begeisterung verwandelt. Statt sich auf direktem Weg von Eva ins Hotel zurückbringen zu lassen, hatten sie eine Sightseeing-Tour der Extraklasse genossen, die sie niemals wieder vergessen würden. Eine Woche später hatte Eva das Angebot der Reiseagentur in der Tasche gehabt und begleitete seither Touristengruppen und brachte sie heil wieder zurück nach München, um ein paar Tage später wieder aufzubrechen.

Diesmal war es anders. Nicht nur, weil Eva schon ewig keine zwei Wochen mehr am selben Fleck verbracht hatte. Es gab noch einen anderen Grund für ihre Rückkehr. Doch davon ahnte Maggy nichts, als sie jetzt über ihren zukünftigen Mann nachdachte.

»Natürlich hat Cornelius Humor«, seufzte sie. »Aber wenn er von meiner wilden Vergangenheit erfährt, könnte der Spaß schnell vorbei sein.« Sie blickte wieder auf den Computerbildschirm, um gleich darauf erneut nach Luft zu schnappen. Das nächste Foto zeigte eine Lichtung im Wald. »Au weia, der Ausflug in die Waldhütte.«

Auch Eva erinnerte sich. Diesmal war selbst ihr nicht zum Lachen zumute.

»In meinem ganzen Leben probiere ich keine giftigen Pilze mehr aus. Das war ein Horrortrip. Dagegen ist Gras so harmlos wie Traubenzucker.«

»Ich habe erst hinterher gelesen, dass viele Menschen auf Pilzen hängenbleiben und manchmal wochen- oder monatelang mit Psychosen und Angstzuständen zu kämpfen haben«, wusste Maggy zu berichten. »Seitdem habe ich meine Finger von Drogen gelassen.«

Eva griff nach der Flasche und schenkte nach.

»Schade, schon leer.« Als hätte sie Maggys letzte Bemerkung nicht gehört, betrachtete sie bedauernd den letzten Tropfen, der in ihr halbvolles Glas fiel. »Hast du noch eine Flasche?«

Maggy runzelte die Stirn. »Ich dachte, zwei genügen vollauf.«

»Früher haben wir uns damit warmgelaufen.«

»Wie gesagt, ich bin froh, dass diese Zeiten vorbei sind.«

Die Gläser klangen aneinander. Maggy lehnte sich zurück. Ihr Gesicht leuchtete im Kerzenschein, ihre Augen wanderten hinauf zum Sternenhimmel. Es war eine makellose Sommernacht, warm, mit einer Luft wie Seide.

»Es war schön. Aber jetzt gefällt es mir auch. Vielleicht sogar noch besser«, sinnierte sie. »Es klingt vielleicht kitschig. Aber seit ich Cornelius kenne, fühle ich mich erst richtig komplett. Wie ein Puzzle, dem ein Stück gefehlt hat und das endlich aufgetaucht ist.«

Eva schickte ihrer Freundin einen spöttischen Blick.

»Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.«

Mit einem lautlosen Knall landete Maggy wieder auf dem Boden der Tatsachen.

»Was denn? Nur, weil du nicht an die große Liebe glaubst, heißt das noch lange nicht, dass es sie nicht gibt.«

»Meine Erfahrungen haben mich etwas anderes gelehrt«, erwiderte Eva so ernst, dass es Maggy plötzlich mit der Angst zu tun bekam.

»Wie meinst du das?«

»Ach, nichts«, winkte Eva ab. Auf keinen Fall wollte sie ihrer Freundin die Illusionen rauben.

Maggy betrachtete ihre Freundin mit schief gelegtem Kopf.

»Warum wirst du meine Trauzeugin, wenn du eh nicht an die Ehe glaubst?«

Eva zuckte mit den Schultern.

»Weil mich dein Vertrauen ehrt.« Der Ernst verschwand so schnell wieder aus ihren Augen, wie er gekommen war. Schon zuckte wieder ein übermütiges Lächeln in ihren Mundwinkeln. »Und weil ich Cornelius nicht heiraten muss. Ich muss dich nur trösten, wenn ihr euch wieder trennt.«

»Na, das sind ja fromme Wünsche«, presste Maggy durch die Lippen.

Eva warf den Kopf in den Nacken und schickte ein glockenhelles Lachen in den Himmel.

»Meine Güte, du solltest das Leben nicht immer so ernst nehmen. Dazu ist es nämlich viel zu kurz.« Sie leerte ihr Glas in einem einzigen, großen Zug und sprang auf.

»Was ist denn jetzt schon wieder los?«, rief Maggy ihrer Freundin nach.

»Ich hab im Duty Free zwei Flaschen Pfefferminzlikör gekauft«, erwiderte Eva.

Allein dieses Wort genügte, um Maggy die Schamesröte ins Gesicht zu treiben.

»Oh nein, bitte nicht«, stöhnte sie.

Zu spät. Die Balkontür fiel ins Schloss, und Maggy blieb nichts anders übrig, als sich kopfschüttelnd zurückzulehnen.

***

Der nächste Tag war ein Sonntag. Nach einem ausgedehnten Frühstück auf dem Balkon der altehrwürdigen Villa hatten es sich Dr. Stefan Frank und seine Freundin, die Augenärztin Alexandra Schubert, im Garten gemütlich gemacht. Die Blätter eines Apfelbaums spendeten wohltuenden Schatten. In den üppigen Blumenrabatten summte und brummte es. Eine leichte Brise wehte, brachte aber keine Kühlung.

»Oh, da würde ich jetzt gerne reinspringen.« Nur bekleidet mit einem luftigen Kleid lag Alexandra auf der Liege. Hin und wieder stahl sich ein Sonnenstrahl durch das Blätterdach und ließ die bunten Fotos des Reisemagazins aufleuchten, das auf ihrem Schoß lag. »Puerto Rico ist gesegnet mit natürlichen Sehenswürdigkeiten«, las sie vor. »Traumhafte Sandstrände, abgeschiedene Gebirgsregionen, magische Wasserfälle und dichte Regenwälder verzaubern ihre Besucher wie in kaum einem anderen Land. Genauso beeindruckend sind die historischen und kulturellen Attraktionen, ein Erbe der wechselnden Kolonialherrschaft. Aber auch als Partyhauptstadt der Karibik hat sich Puerto Rico einen Namen gemacht.« Alexandras Augen glänzten, als sie das Magazin sinken ließ und ihren Freund ansah. »Schade, dass wegen der Hurricane-Gefahr die beste Reisezeit Dezember bis Mai ist. Sonst würde ich glatt versuchen, dich zu einem Abenteuer zu überreden.«

Stefan Frank beugte sich von hinten über seine Freundin und warf einen Blick in das Heft.

»Ist es dir hier nicht warm genug?«, fragte er vergnügt. Seit Tagen war es heiß und trocken, die Stadt ächzte unter der Hitzewelle.

»Ehrlich gesagt hätte ich nichts gegen ein kühlendes Bad im Meer einzuwenden.« Alexa deutete auf den palmengesäumten Strand, umspült von kristallklarem Wasser. »Schau dir doch nur dieses Paradies an.«

»Du kannst doch unsere Kinder nicht im Stich lassen«, scherzte Stefan und deutete auf eine Hortensie, die im prallen Sonnenschein traurig die Blätter hängen ließ. »Schon deshalb können wir leider nicht verreisen. Frau Quandt und ihr Mann würden mit dem Gießen gar nicht nachkommen.«

»Da hast du auch wieder recht«, räumte Alexa bereitwillig ein. Doch ihre Augen blitzten verräterisch. »Aber der nächste, lange, kalte Winter kommt bestimmt. Und ich hatte schon das letzte Mal Angst, elendiglich zu erfrieren.«

Stefan setzte sich zu Alexa auf die Liege und musterte sie mit hochgezogener Augenbraue.

»Das bedeutet, dass ich Anfang nächsten Jahres auf jeden Fall einen Flug nach San Juan buchen muss, wenn ich dich nicht an den Dauerfrost verlieren will.«

»Ich wusste, dass du nicht nur ein wahnsinnig kluger, sondern auch extrem einfühlsamer Mann bist«, kicherte Alexandra, legte die Hände um seinen Nacken und zog ihn an sich, um ihn innig zu küssen.

Dieser Charmeoffensive hatte Stefan nichts entgegenzusetzen.

»Ich hole gleich das Tablet und buche einen Flug«, raunte er an ihren Lippen.

Das quietschende Gartentor lenkte ihn von seinen Plänen ab.

»Was habe ich da gehört? Ihr wollt in die Karibik reisen?«, fragte Ulrich Waldner, der Hand in Hand mit seiner Frau Ruth in den Garten spazierte.

Das Ehepaar Waldner war schon ewig mit Stefan Frank befreundet. Die beiden Männer hatten sich im Studium kennengelernt und trotz unterschiedlicher Karrieren nicht aus den Augen verloren. Ihre Freundschaft war noch enger geworden, als Stefan nach dem tragischen Tod seiner Freundin viele Jahre lang als Single durch die Welt gegangen war. In dieser Zeit war die Penthouse-Wohnung seiner Freunde zu seiner zweiten Heimat geworden. Ruth und Ulrich hatten ihn aufgefangen und ihm Halt gegeben, bis er in der Augenärztin Alexandra Schubert vor ein paar Monaten noch einmal das ganz große Glück gefunden hatte. Da sich auch die Frauen wunderbar verstanden, trafen sich die Paare seither oft zu viert.

Stefan sprang von der Liege auf und begrüßte die Waldners.

»Hallo, ihr zwei. Was treibt euch denn so früh schon aus der Stadt ins schöne Grünwald?«

»Wenn wir schon mal frei haben und bevor uns der nächste Notfall in der Klinik festhält, sind wir Hals über Kopf geflohen«, scherzte Ruth, die als Anästhesistin in der Privatklinik ihres Mannes arbeitete.

»Das klingt ganz danach, als müsstet ihr im Winter mit uns nach Puerto Rico fliegen«, stellte Alexandra fest und küsste Ruth rechts und links auf die Wange.

Ulrich wiegte den Kopf.

»Ich weiß gar nicht, ob ich ohne den Geruch von Desinfektionsmitteln und Medikamenten noch leben kann«, scherzte er gut gelaunt. »Mal abgesehen davon gibt es dort meines Wissens viele gefährliche Krankheiten. Dengue-Fieber, Bilharziose, Zika, Chikungunya, um nur ein paar zu nennen.«

»Fürs Erste wollten wir euch ein gefahrloses Abenteuer vorschlagen und euch zum Mittagessen entführen«, erklärte Ruth.

»Das klingt nach einem Plan, findest du nicht, Liebling?«, wandte sich Stefan an seine Freundin.

Alexandra war mehr als einverstanden.

»Ich wage kaum daran zu denken, was wir alles wagen werden, wenn dieses Experiment gelingt«, lachte sie und lief leichtfüßig hinauf, um sich für den geplanten Ausflug in ein schickes Restaurant ganz in der Nähe fertig zu machen.

***

Maggy erwachte von einem ungewöhnlichen Duft, der durch die Wohnung zog. Sie war schweißgebadet, ein Presslufthammer dröhnte in ihrem Kopf.

»Oh Gott, ich trinke nie mehr wieder einen Tropfen Alkohol«, ächzte sie.

Eva stand in der Küche und lachte.

»Achtes Gebot: Du sollst nicht lügen.« Sie drückte ihrer Freundin einen Teller mit frisch gebackenen Waffeln in die rechte und eine Tasse Kaffee in die linke Hand. »Komm, wir gehen raus auf den Balkon. Es ist ein herrlicher Tag.«

Folgsam ließ sich Maggy draußen auf einen der beiden Stühle fallen.

»Hast du denn keinen Kater?«

»Von dem bisschen Prosecco?«

»Und einer halben Flasche Pfefferminzlikör.« Maggy deutete auf die Flasche, die unter dem Balkontisch stand.

»Ach wo, Pfeffi ist fast so was wie Medizin.«

Stöhnend nippte Maggy am Kaffee. Sie lehnte sich zurück und schloss die Augen. Aber nicht lange. Die Glocken der nahen Kirche erschreckten sie.

»Was denn? Schon zwölf Uhr? In einer Stunde müssen wir in der ›Alten Brennerei‹ sein.«

»Stimmt.« Eva hatte die Füße auf das Balkongeländer gelegt. In aller Seelenruhe zupfte sie ein Stück Waffel ab und steckte es in den Mund. »Willst du das Hochzeitsmenü wirklich ohne dein Puzzleteil aussuchen?«

Maggy rollte mit den Augen.

»Mach dich nur lustig über mich«, schnaubte sie. »Cornelius und Moritz kommen direkt von der Hütte ins Restaurant.« Ein Gedanke schoss ihr durch den Kopf. Sie setzte sich kerzengerade auf. »Wenn wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren müssen, haben wir keine Zeit mehr.«

Eva wackelte mit den Zehen.

»Wieso sollten wir die Öffis nehmen? Wenn ich mich nicht irre, ist das da unten dein Wagen.« Sie deutete auf den roten Flitzer vor dem Haus.

»Hör mal, mit dem Restalkohol sind wir frühestens heute Abend wieder fahrtüchtig.«

»Du vielleicht«, erwiderte Eva und lachte. »Ich bin fit wie ein Turnschuh.«

Den Beweis erbrachte sie kurz darauf. Sie wirbelte durch die Wohnung, packte das Bettzeug weg und schob die Couch wieder zusammen. Im Handumdrehen deutete nichts mehr auf den Übernachtungsgast hin. Maggy traute ihren Augen kaum.

»Entweder, du hast ein Alkoholproblem oder ich vertrage einfach nichts mehr.«

»Ich tippe auf Antwort Nummer zwei«, lachte Eva. »Übrigens musst du dir keine Sorgen um eure traute Zweisamkeit machen. Heute Abend ziehe ich um in ein Hotel.«

»Zwei Wochen lang? Das ist doch viel zu teuer. Meinetwegen kannst du gerne hierbleiben«, versicherte Maggy.

»Ausgeschlossen. Du kennst doch das Sprichwort: Besuch ist wie Fisch. Nach drei Tagen stinkt er.« Eva grinste. »Weißt du was? Ich verführe einfach einen hübschen Rezeptionisten. Dann bekomme ich das Zimmer umsonst.«

Maggy schnappte nach Luft.

»Das kannst du doch nicht machen.«